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  "cardCount": 4,
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      "id": "by-de-format-il1",
      "cat": "Klausur-Formate",
      "title": "Interpretieren literarischer Texte (Lyrik)",
      "short": "Gedichtinterpretation mit weiterführendem Schreibauftrag: Bauplan, echte Beispielaufgaben aus der Handreichung und eine Musterlösung an Goethes „Wandrers Nachtlied“.",
      "content": "<p class='intro-text'><em>Du interpretierst ein Gedicht: Inhalt, Form und Sprache, und wie sie zusammen eine Deutung ergeben.</em></p>\n<h4>Interpretieren eines literarischen Textes</h4>\n<p><strong>Textbasis:</strong> in der Regel ein Gedicht.</p><p><strong>Quelle:</strong> <a href='https://www.deutschabitur.bayern.de/informationen-zu-den-abiturjahrgaengen/' target='_blank' rel='noopener'>deutschabitur.bayern.de</a></p>\n<h4>So ist die Aufgabe gebaut</h4>\n<p>Die Interpretation bildet immer den Schwerpunkt. Dazu kommt ein <strong>weiterführender Schreibauftrag</strong>: entweder als eigene Teilaufgabe 2 oder als zusätzlicher Aspekt in einer einteiligen Aufgabe. Er soll den interpretierten Text weiter erhellen, ist also keine getrennte zweite Aufgabe. In den Beispielen der Handreichung liegt die Gewichtung zwischen ca. 60 % zu 40 % und ca. 80 % zu 20 %.</p>\n<h4>Vier Arten weiterführender Schreibaufträge</h4>\n<p>Alle Beispiele stammen aus der Handreichung zum Deutschabitur in Bayern ab 2026 Entweder wurde die Aufgabe so im Abitur gestellt, oder der Text stammt aus einer Abiturprüfung.</p>\n<p><strong>1. Motivvergleich mit einem vorliegenden zweiten Text</strong> (Abitur 2022)<br>„1. Interpretieren Sie das Gedicht ‚Vorstadt im Föhn‘ von Georg Trakl. Beziehen Sie dabei Ihr literaturgeschichtliches Wissen ein.“ (ca. 60 %)<br>„2. Vergleichen Sie die Gestaltung des Stadtmotivs in den Gedichten ‚Vorstadt im Föhn‘ von Georg Trakl und ‚Siehst du die Stadt?‘ von Hugo von Hofmannsthal. Berücksichtigen Sie dabei inhaltliche sowie sprachliche und formale Aspekte.“ (ca. 40 %)</p>\n<p><strong>2. Motivvergleich mit einem selbst gewählten Text</strong>, etwa einer Ganzschrift aus dem Unterricht (Abitur 2015)<br>„1. Interpretieren Sie das Gedicht ‚Stapfen‘ von Conrad Ferdinand Meyer. Berücksichtigen Sie dabei auch das Verhältnis von Erleben und Erinnern.“ (ca. 70 %)<br>„2. Zeigen Sie ausgehend von Ihren Ergebnissen vergleichend auf, wie das Thema ‚Abschied‘ in einem anderen literarischen Werk gestaltet wird.“ (ca. 30 %)</p>\n<p><strong>3. Poetologische Aufgabe</strong>, meist mit einem kurzen Material (Text aus dem Abitur 2018)<br>„1. Interpretieren Sie Rainer Maria Rilkes Gedicht ‚Das Karussell‘.“ (ca. 70 %)<br>„2. Der Lyriker Durs Grünbein schrieb 2006 über Rilkes Gedicht ‚Das Karussell‘, dessen ‚Eingängigkeit [habe] mit der einzigartigen Form-und-Inhalt-Fusion zu tun, die es zum Musterfall des Dinggedichts macht‘. Erläutern Sie ausgehend von Ihren Ergebnissen und unter Einbeziehung des beigefügten Materials diese These.“ (ca. 30 %)</p>\n<p><strong>4. Bezug zu einem ländergemeinsamen Themenfeld</strong>, hier einteilig (Text aus dem Abitur 2022)<br>„Interpretieren Sie das Gedicht ‚Vorstadt im Föhn‘ von Georg Trakl. Erläutern Sie dabei insbesondere, auf welche Weise der Text thematisch, motivisch und durch seine Form des lyrischen Sprechens Umbrüche in der Literatur um 1900 widerspiegelt.“</p>\n<p>Seit dem Abitur 2026 sind auch Bezüge zu den ländergemeinsamen Lektüren möglich.</p>\n<p><strong>Operatoren, die hier vorkommen:</strong></p><ul><li><a href='#' onclick=\"window.openCardModal('by-de-interpretieren'); return false;\">interpretieren</a> – Gesamtdeutung entwickeln</li><li><a href='#' onclick=\"window.openCardModal('by-de-vergleichen'); return false;\">vergleichen</a> – Gemeinsamkeiten/Unterschiede</li><li><a href='#' onclick=\"window.openCardModal('by-de-erlaeutern'); return false;\">erläutern</a> – Zusammenhänge veranschaulichen</li><li><a href='#' onclick=\"window.openCardModal('by-de-einordnen'); return false;\">einordnen</a> – Epochenbezug herstellen</li></ul>\n\n<!-- free-card:de-methode-literatur -->\n<div class=\"ks-kurz\"><p>Die Interpretation ist eine Standardaufgabe im Deutsch-Abitur, und die Punkte gibt es für eine Deutung, die am Text belegt ist, nicht fürs Nacherzählen. Du zeigst, wie Inhalt, Form und Sprache eines literarischen Textes zusammen eine Deutung ergeben. Du beginnst mit einer Einleitung und einer Deutungshypothese, prüfst sie im Hauptteil am Text und kommst im Schluss auf sie zurück. Jeder Absatz verbindet eine Beobachtung, ein Zitat mit Vers- oder Zeilenangabe und eine Deutung; Form zählt nur zusammen mit ihrer Funktion. Wer mögliche andere Lesarten abwägt, erreicht die oberen Notenbereiche.</p></div>\n\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Der Operator <strong>interpretieren</strong> heißt laut IQB: „auf der Grundlage einer Analyse im Ganzen oder aspektorientiert Sinnzusammenhänge erschließen und unter Einbeziehung der Wechselwirkung zwischen Inhalt, Form und Sprache zu einer schlüssigen (Gesamt-)Deutung gelangen“. Die Analyse steckt also schon drin. Steht in der Aufgabe ein Zusatz wie „unter besonderer Berücksichtigung von …“, richtest du die ganze Arbeit danach aus.</p>\n<p>Literarische Texte sind oft mehrdeutig. Das ist kein Problem, sondern gehört dazu: Die Bildungsstandards verlangen, „Mehrdeutigkeit als konstitutives Merkmal literarischer Texte“ nachzuweisen.</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>In den Abituraufgaben des IQB zählt die <strong>Verstehensleistung</strong> etwa 70 %, die <strong>Darstellungsleistung</strong> etwa 30 %. Hat die Aufgabe zwei Teile, steht die Gewichtung dabei (in einer IQB-Beispielaufgabe 80 zu 20 %). Für „gut“ verlangt der Erwartungshorizont eine „differenzierte, textnahe und funktionale“ Deutung, „auch unter Abwägung möglicher alternativer Lesarten“. Zur Darstellung zählen Aufbau, Fachsprache, eingebaute Zitate, eigene Formulierungen und sprachliche Richtigkeit. Eine bloße Nacherzählung reicht ausdrücklich nicht.</p>\n\n<h4>So baust du die Interpretation auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einleitung.</strong> Textsorte, Verfasser, Titel, Entstehungs- oder Erscheinungsjahr, Thema und deine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Deutungshypothese<span class=\"wort-erkl\">eine vorläufige Deutung des ganzen Textes, die du im Hauptteil am Text prüfst</span></span>.</li>\n<li><strong>Hauptteil.</strong> Strophe für Strophe (linear) oder nach Gesichtspunkten (aspektorientiert), beides ist erlaubt. Achte darauf, wo etwas <strong>aus der Reihe fällt</strong>: Dort steckt meist die Deutung.</li>\n<li><strong>Jeder Absatz:</strong> Beobachtung, Zitat mit Stelle, Deutung, Satz zurück zur Hypothese.</li>\n<li><strong>Schluss.</strong> Hypothese bestätigen oder schärfen, eine zweite Lesart abwägen. Bezüge zu Epoche oder Werk nur, wenn du sie am Text zeigen kannst oder die Aufgabe danach fragt.</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein echtes Gedicht zum Mitmachen</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Echter Text · Johann Wolfgang von Goethe: Ein gleiches (Wandrers Nachtlied)</span>\n<p>Ueber allen Gipfeln<br>Ist Ruh’,<br>In allen Wipfeln<br>Spürest du<br>Kaum einen Hauch;<br>Die Vögelein schweigen im Walde.<br>Warte nur, balde<br>Ruhest du auch.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach Goethes Werken, Ausgabe letzter Hand, Bd. 1, 1827, S. 99 (Wikisource). Goethe schrieb die Verse 1780 an die Holzwand einer Hütte auf dem Kickelhahn bei Ilmenau, gedruckt hat er sie 1815. „Ein gleiches“ heißt: noch ein Nachtlied des Wanderers. Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p><strong>Was fällt auf?</strong> Die acht Verse sind sehr ungleich lang, der sechste ist der längste. Gereimt wird erst im <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kreuzreim<span class=\"wort-erkl\">die Verse reimen sich über Kreuz: abab</span></span> (Gipfeln, Ruh’, Wipfeln, du), dann im <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">umarmenden Reim<span class=\"wort-erkl\">ein Reimpaar steht innerhalb eines anderen: abba</span></span> (Hauch, Walde, balde, auch). Die Dinge folgen einer Stufenleiter: Berg, Bäume, Vögel, Mensch. Und am Ende spricht das Gedicht jemanden an: „du“.</p>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterlösung · Einleitung, ein Absatz, Schluss</span>\n<p><strong>Einleitung:</strong> Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Ein gleiches“, das er 1780 schrieb und 1815 unter diesem Titel nach seinem ersten „Wandrers Nachtlied“ veröffentlichte, beschreibt einen Abend, an dem die Natur zur Ruhe kommt. Es lässt sich als Gedicht lesen, in dem die Ruhe der Natur Stufe für Stufe auf den Menschen übergeht, der sie noch nicht gefunden hat.</p>\n<p><strong>Hauptteil, ein Absatz:</strong> Diese Bewegung zeigt sich schon in der Reihenfolge der Bilder. Die Ruhe beginnt „Ueber allen Gipfeln“ (V. 1), also beim unbelebten Berg, geht über zu den „Wipfeln“ (V. 3) der Bäume, in denen man „Kaum einen Hauch“ (V. 5) spürt, und erreicht in dem längsten Vers die Tiere: „Die Vögelein schweigen im Walde“ (V. 6). Erst danach ist der Mensch an der Reihe. Dass er mit „du“ angesprochen wird, macht ihn zum Letzten in dieser Reihe, zu dem, der noch wartet. Auch der Klang unterstützt das: Die dunklen Vokale in „Ruh’“, „du“, „Hauch“ und „auch“ verlangsamen das Lesen. Die Form führt also vor, was der Inhalt sagt: Die Ruhe kommt näher.</p>\n<p><strong>Schluss:</strong> Die Schlussverse „Warte nur, balde / Ruhest du auch“ (V. 7 f.) lassen offen, welche Ruhe gemeint ist. Man kann sie als Schlaf nach einem langen Tag lesen, als inneren Frieden oder als Andeutung des Todes. Gerade diese Offenheit macht das Gedicht tröstlich und unheimlich zugleich, und sie bestätigt die Hypothese: Die Ruhe ist dem Menschen versprochen, aber noch nicht erreicht.</p>\n<p><strong>Warum das gut ist:</strong> Jede Formbeobachtung (Reihenfolge, Verslänge, Klang, Anrede) hat eine Funktion. Die Zitate sind kurz, mit Versangabe und in eigene Sätze eingebaut. Der Schluss wägt mehrere Lesarten ab, genau das verlangt der Erwartungshorizont für „gut“.</p>\n</div>\n<!-- fig:absatz-literatur -->\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Bauplan eines Interpretationsabsatzes <span>· Der Musterabsatz ist in seine Teile zerlegt: Beobachtung, Beleg, Deutung und Rückbezug zur Hypothese. So erkennst du, woraus ein guter Absatz besteht.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 260\" xmlns=\"http://www.w3.org/2000/svg\" role=\"img\" aria-labelledby=\"absatz-literatur-t absatz-literatur-d\" font-family=\"system-ui, sans-serif\">\n<title id=\"absatz-literatur-t\">Bauplan eines Interpretationsabsatzes</title>\n<desc id=\"absatz-literatur-d\">Vier Teile am Musterabsatz zu Goethes Gedicht Wandrers Nachtlied: Beobachtung, die Verse führen vom Berg über die Bäume zu den Vögeln. Beleg mit Vers, Gipfeln Vers 1, Wipfeln Vers 3, Vögelein Vers 6. Deutung, die Ruhe breitet sich Stufe für Stufe aus. Bezug zur Hypothese, am Ende erreicht sie das Du in Vers 8.</desc>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"6\" y=\"6\" width=\"348\" height=\"50\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"18\" y=\"25\" font-size=\"12\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">1  Beobachtung</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"18\" y=\"42\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">Die Verse führen vom Berg zu Bäumen und Vögeln.</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"40\" y1=\"56\" x2=\"40\" y2=\"71\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"40,71 37.3,64.6 42.7,64.6\" fill=\"currentColor\"/>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"6\" y=\"72\" width=\"348\" height=\"50\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"18\" y=\"91\" font-size=\"12\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">2  Beleg mit Vers</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"18\" y=\"108\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">„Gipfeln“ (V. 1), „Wipfeln“ (V. 3), „Vögelein“ (V. 6)</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"40\" y1=\"122\" x2=\"40\" y2=\"137\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"40,137 37.3,130.6 42.7,130.6\" fill=\"currentColor\"/>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"6\" y=\"138\" width=\"348\" height=\"50\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"18\" y=\"157\" font-size=\"12\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">3  Deutung</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"18\" y=\"174\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">Die Ruhe breitet sich Stufe für Stufe aus.</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"40\" y1=\"188\" x2=\"40\" y2=\"203\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"40,203 37.3,196.6 42.7,196.6\" fill=\"currentColor\"/>\n<rect class=\"g-flaeche\" x=\"6\" y=\"204\" width=\"348\" height=\"50\" rx=\"8\" fill=\"#3b82f6\" fill-opacity=\"0.12\"/>\n<rect class=\"g-feld\" x=\"6\" y=\"204\" width=\"348\" height=\"50\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"#3b82f6\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"18\" y=\"223\" font-size=\"12\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">4  Bezug zur Hypothese</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"18\" y=\"240\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">Am Ende erreicht sie das „du“ (V. 8).</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Der Musterabsatz, zerlegt.</strong> Beobachtung, Beleg, Deutung, und am Ende zurück zur Hypothese. Eigene Grafik.</figcaption>\n</figure>\n<!-- /fig:absatz-literatur -->\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · ein zweites echtes Gedicht</span>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<p><strong>Heinrich Heine: Ein Fichtenbaum steht einsam</strong> (entstanden 1822/23, im „Buch der Lieder“ 1827)</p>\n<p>Ein Fichtenbaum steht einsam<br>Im Norden auf kahler Höh’.<br>Ihn schläfert; mit weißer Decke<br>Umhüllen ihn Eis und Schnee.</p>\n<p>Er träumt von einer Palme,<br>Die, fern im Morgenland,<br>Einsam und schweigend trauert<br>Auf brennender Felsenwand.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach dem Druck von 1827 (Wikisource). Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Schreib eine Deutungshypothese und einen Absatz zum Verhältnis der beiden Strophen. Achte auf die Gegensätze (Norden und Morgenland, Eis und „brennender“ Fels), auf das Wort „einsam“ in beiden Strophen und darauf, dass die Bäume schlafen, träumen und trauern.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Musterabsatz zeigen</summary><div>\n<p><strong>Hypothese:</strong> Heines Gedicht zeigt eine Sehnsucht, die sich nicht erfüllen kann, weil die beiden, die zusammengehören, unerreichbar weit voneinander entfernt sind.</p>\n<p>Die beiden Strophen sind als Gegenbilder gebaut. Der Fichtenbaum steht „Im Norden auf kahler Höh’“ (V. 2), umhüllt von „Eis und Schnee“ (V. 4), die Palme „fern im Morgenland“ (V. 6) „Auf brennender Felsenwand“ (V. 8). Kälte und Hitze, Norden und Osten liegen so weit auseinander, wie es nur geht. Verbunden sind die beiden nur durch ein Wort: Beide sind „einsam“ (V. 1 und 7). Weil die Bäume schlafen, träumen und trauern (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Personifikation<span class=\"wort-erkl\">Dinge oder Pflanzen handeln oder fühlen wie Menschen</span></span>), werden sie zu Bildern für Menschen. Die Verbindung besteht nur im Traum des Fichtenbaums; ob die Palme von ihm weiß, sagt das Gedicht nicht. Damit bestätigt sich die Hypothese: Die Einsamkeit ist gemeinsam, aber genau sie trennt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eine mögliche Lösung. Das Gedicht wird als Liebes-, Natur- oder Gedankenlyrik gedeutet; jede Lesart ist richtig, wenn du sie am Text belegst.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Verse mit „V.“, Zeilen mit „Z.“, Versumbruch mit Schrägstrich: „Warte nur, balde / Ruhest du auch“ (V. 7 f.). Bei Erzähltext und Drama bleiben die Schritte gleich, nur die Beobachtungen ändern sich (Erzähler, Zeit, Redeanteile).</p>\n\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Auf erhöhtem Niveau (Leistungskurs)</span>\n<p>Die Bildungsstandards verlangen zusätzlich, den „besonderen poetischen Anspruch“ eines Textes vor dem Hintergrund von Poetologie und Ästhetik zu erläutern und Sekundärtexte, philosophische Schriften oder historische Abhandlungen in die Deutung einzubeziehen. Für dich heißt das: Wenn ein Material dabei liegt (etwa eine Aussage über das Gedicht), beziehst du es ausdrücklich auf deine Ergebnisse.</p>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li>Das <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">lyrische Ich<span class=\"wort-erkl\">die Stimme, die im Gedicht spricht; nicht dasselbe wie der Dichter</span></span> mit dem Dichter gleichsetzen, oder Strophe für Strophe nacherzählen, ohne zu deuten.</li>\n<li>Formmerkmale aufzählen, ohne ihre Funktion zu nennen: „Das Gedicht hat acht Verse“ bringt allein nichts.</li>\n<li>Deuten ohne Beleg oder zitieren ohne Deutung.</li>\n<li>Nur eine Lesart zulassen, wo der Text offen ist.</li>\n<li>Den zweiten Teil der Aufgabe (Vergleich, weiterführender Auftrag) zu knapp behandeln.</li>\n</ul>\n<!-- /free-card:de-methode-literatur -->\n\n<h4>Beim weiterführenden Schreibauftrag</h4>\n<ul><li>Den zweiten Teil nicht ignorieren oder in drei Sätzen abhaken.</li><li>Beim Motivvergleich nicht erst Text A, dann Text B beschreiben, sondern Punkt für Punkt vergleichen.</li><li>Bei poetologischen Aufgaben das Zitat oder Material immer auf das interpretierte Gedicht beziehen.</li><li>Beim Themenfeldbezug keine Epochenmerkmale auflisten, sondern sie am Text nachweisen.</li></ul>",
      "level": "all",
      "tags": [
        "Klausurformat",
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    },
    {
      "id": "by-de-format-il2",
      "cat": "Klausur-Formate",
      "title": "Interpretieren literarischer Texte (Epik/Dramatik)",
      "short": "Einen literarischen Text interpretieren, oft mit einem zweiten, weiterführenden Auftrag. Mit ganzem Musteraufsatz zu Hebels „Unverhofftes Wiedersehen“.",
      "content": "<!-- core-card:de-format-literarisch -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Textsorte</span><span>Klausur-Formate</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Interpretation literarischer Texte ist eine der Aufgabenarten im Deutschabitur. Du bekommst ein Gedicht, einen Erzähltext oder eine Dramenszene, meist unbekannt, und kommst über Analyse zu einer begründeten Gesamtdeutung. Oft folgt ein zweiter Auftrag, etwa ein Vergleich, eine Einordnung in die Epoche oder ein Bezug auf ein Werk aus dem Unterricht; der erste Teil wiegt dann deutlich schwerer. Beide Teile bilden einen zusammenhängenden Aufsatz. Gewertet wird das Verstehen mit ungefähr 70 %, die Darstellung mit etwa 30 %.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">So prüft Bayern</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Aufgabe I und II sind Interpretationen eines literarischen Textes (IL). Oft folgt auf die Interpretation ein weiterführender Auftrag, etwa ein Vergleich; in den Beispielen der Handreichung zählt die Interpretation ca. 70 bis 80 %. Verstehen zählt ca. 70 %, Darstellung ca. 30 %.</p>\n<p>Schriftlich bekommst du vier Aufgaben und wählst eine; die Prüfung dauert 315 Minuten. Statt der schriftlichen Prüfung kannst du Deutsch auch im Kolloquium ablegen.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.deutschabitur.bayern.de/informationen-zu-den-abiturjahrgaengen/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ISB Deutschabitur, Informationen zu den Abiturjahrgängen</a> (Schreibformate 2027) und Handreichung zum Deutschabitur ab 2026, S. 5, 20 bis 22, 25 und 31</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Bei der <strong>Interpretation literarischer Texte</strong> liegt der Schwerpunkt auf der „Analyse und Deutung“ eines literarischen Textes. Es gibt zwei Grundformen:</p>\n<ul>\n<li><strong>Ein unbekannter Text</strong>, „ggf. mit weiterführendem Schreibauftrag“, oder zwei unbekannte Texte im Vergleich.</li>\n<li><strong>Ein unbekannter Text und ein Werk aus dem Unterricht:</strong> Du interpretierst den Text und vergleichst ihn dann mit einem längeren Roman oder Drama, das ihr gelesen habt, oder beziehst ihn darauf. Die Lektüre liegt dir dann vor.</li>\n</ul>\n<p>Wenn zwei Teilaufgaben gestellt werden, liegt der Schwerpunkt auf der ersten. Was in deinem Land drankommt und wie die Teile gewichtet sind, steht im Kasten oben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Erläuterungen zur Konstruktion der Aufgaben (Stand 03.03.2023), S. 1 f.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">So könnte eine Aufgabe lauten</span>\n<p><em>1. Interpretieren Sie das Gedicht „Die Gefangenen II“ von Georg Heym.</em> (ca. 80 %)<br><em>2. Erläutern Sie, inwiefern das Gedicht als beispielhaft für den Umbruch in der Literatur um 1900 gelten kann.</em> (ca. 20 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Interpretation literarischer Texte, grundlegendes Niveau (Aufgabe 2024).</p>\n<p>Ohne zweiten Teil: <em>Interpretieren Sie das vorliegende Gedicht von Arno Holz. Beziehen Sie dabei Ihre Kenntnisse zur Literatur um 1900 ein.</em></p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Interpretation literarischer Texte, erhöhtes Niveau (Aufgabe 2025).</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>Die <strong>Verstehensleistung</strong> zählt ungefähr 70 %. Für „gut“ verlangt der Erwartungshorizont eine „differenzierte, textnahe und funktionale Analyse und Deutung“, ein Textverständnis „auch unter Abwägung möglicher alternativer Lesarten“ und, wenn es die Aufgabe verlangt, eine differenzierte Einordnung in die Epoche. Die Teilaufgaben sind gewichtet; die Prozentzahlen stehen auf dem Aufgabenblatt.</p>\n<p>Die <strong>Darstellungsleistung</strong> zählt etwa 30 %, in fünf Bereichen: Aufgabenbezug und Textaufbau, Fachsprache, Umgang mit dem Text (Zitieren, Belegen), Ausdruck und Stil, Rechtschreibung und Grammatik. „Eine bloße Paraphrasierung“ und ein „distanzloser Umgang“ mit dem Text genügen nach den Bildungsstandards nicht.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quellen: IQB, Abituraufgabe Interpretation literarischer Texte gA (Heym, 2024), Bewertungshinweise S. 5 bis 7; KMK, Bildungsstandards Deutsch (2012), S. 24 f.</p>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Gewichtung der Interpretation <span>· Der Balken zeigt, wie die zwei Teile der Beispielaufgabe zählen. So weißt du, wo du die meiste Zeit einsetzt.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 62\" role=\"img\" aria-labelledby=\"li-t li-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"li-t\">Gewichtung bei der literarischen Interpretation</title>\n<desc id=\"li-d\">Bei einer Beispielaufgabe zählt Teil 1 etwa 80 Prozent und Teil 2 etwa 20 Prozent.</desc>\n<text x=\"6\" y=\"14\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.75\">Beispielaufgabe: Teile</text>\n<rect x=\"6.0\" y=\"20\" width=\"278.4\" height=\"36\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"145.2\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Teil 1</text>\n<text x=\"145.2\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 80 %</text>\n<rect x=\"284.4\" y=\"20\" width=\"69.6\" height=\"36\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#d97706\"/>\n<text x=\"319.2\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Teil 2</text>\n<text x=\"319.2\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 20 %</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> So gewichtet die erste Beispielaufgabe in diesem Lernzettel ihre zwei Teile.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>So baust du den Aufsatz auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Aufgabe zerlegen.</strong> Welche Operatoren, welche Teile, welche Gewichtung? Plane die Zeit danach: Der erste Teil bekommt den größten Teil.</li>\n<li><strong>Deutungshypothese.</strong> Ein Satz, der eine Deutung behauptet. Er steht am Ende der Einleitung.</li>\n<li><strong>Hauptteil Teil 1.</strong> Linear oder nach Aspekten, jeder Absatz mit Beobachtung, Beleg, Funktion, Bezug zur Hypothese. Eine zweite Lesart prüfen.</li>\n<li><strong>Überleitung.</strong> Ein Satz, der das Ergebnis von Teil 1 nennt und zu Teil 2 führt.</li>\n<li><strong>Teil 2.</strong> Den Operator genau erfüllen (erläutern, vergleichen, einordnen) und auf Ergebnisse aus Teil 1 zurückgreifen.</li>\n<li><strong>Schluss.</strong> Ein zusammenfassender Gedanke für beide Teile.</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein ganzer Aufsatz an einem echten Text</h4>\n<p>Johann Peter Hebel schrieb Geschichten für einen Volkskalender, den „Rheinländischen Hausfreund“. Darin erschien 1811 auch diese Geschichte; im selben Jahr nahm Hebel sie in seine Sammlung „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ auf. Sie spielt im schwedischen Bergbauort Falun.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Echter Text · Johann Peter Hebel: Unverhoftes Wiedersehen (so der Titel im Erstdruck)</span>\n<p>[1] In Falun in Schweden küßte vor guten fünfzig Jahren und mehr ein junger Bergmann seine junge hübsche Braut und sagte zu ihr: „Auf Sanct Luciä wird unsere Liebe von des Priesters Hand gesegnet. Dann sind wir Mann und Weib, und bauen uns ein eigenes Nestlein.“ – „Und Friede und Liebe soll darinn wohnen,“ sagte die schöne Braut mit holdem Lächeln, „denn du bist mein Einziges und Alles, und ohne dich möchte ich lieber im Grab seyn, als an einem andern Ort.“ Als sie aber vor St. Luciä der Pfarrer zum zweytenmal in der Kirche ausgerufen hatte: „So nun jemand Hinderniß wüßte anzuzeigen, warum diese Personen nicht möchten ehelich zusammen kommen.“ Da meldete sich der Tod. Denn als der Jüngling den andern Morgen in seiner schwarzen Bergmannskleidung an ihrem Haus vorbey gieng, der Bergmann hat sein Todtenkleid immer an, da klopfte er zwar noch einmal an ihrem Fenster, und sagte ihr guten Morgen, aber keinen guten Abend mehr. Er kam nimmer aus dem Bergwerk zurück, und sie saumte vergeblich selbigen Morgen ein schwarzes Halstuch mit rothem Rand für ihn zum Hochzeittag, sondern als er nimmer kam, legte sie es weg, und weinte um ihn und vergaß ihn nie.</p>\n<p>[2] Unterdessen wurde die Stadt Lissabon in Portugall durch ein Erdbeben zerstört, und der siebenjährige Krieg gieng vorüber, und Kayser Franz der erste starb, und der JesuitenOrden wurde aufgehoben und Polen getheilt, und die Kaiserin Maria Theresia starb, und der Struensee wurde hingerichtet, Amerika wurde frey, und die vereinigte französische und spanische Macht konnte Gibraltar nicht erobern. Die Türken schloßen den General Stein in der Veteraner Höle in Ungarn ein, und der Kayser Joseph starb auch. Der König Gustav von Schweden eroberte russisch Finnland, und die französische Revolution und der lange Krieg fieng an, und der Kaiser Leopold der zweyte gieng auch ins Grab. Napoleon eroberte Preußen, und die Engländer bombardirten Koppenhagen, und die Ackerleute säeten und schnitten. Der Müller mahlte, und die Schmiede hämmerten, und die Bergleute gruben nach den Metalladern in ihrer unterirrdischen Werkstatt.</p>\n<p>[3] Als aber die Bergleute in Falun im Jahr 1809 etwas vor oder nach Johannis zwischen zwey Schachten eine Oeffnung durchgraben wollten, gute dreyhundert Ehlen tief unter dem Boden gruben sie aus dem Schutt und Vitriolwasser den Leichnam eines Jünglings heraus, der ganz mit Eisenvitriol durchdrungen, sonst aber unverwest und unverändert war; also daß man seine Gesichtszüge und sein Alter noch völlig erkennen konnte, als wenn er erst vor einer Stunde gestorben, oder ein wenig eingeschlafen wäre, an der Arbeit. Als man ihn aber zu Tag ausgefördert hatte, Vater und Mutter, Gefreundte und Bekannte waren schon lange todt, kein Mensch wollte den schlafenden Jüngling kennen oder etwas von seinem Unglück wissen, bis die ehemalige Verlobte des Bergmanns kam, der eines Tages auf die Schicht gegangen war und nimmer zurückkehrte.</p>\n<p>[4] Grau und Zusammengeschrumpft kam sie an einer Krücke an den Platz und erkannte ihren Bräutigam; und mehr mit freudigem Entzücken als mit Schmerz sank sie auf die geliebte Leiche nieder, und erst als sie sich von einer langen heftigen Bewegung des Gemüths erholt hatte, „es ist mein Verlobter,“ sagte sie endlich, „um den ich fünfzig Jahre lang getrauert hatte, und den mich Gott noch einmal sehen läßt vor meinem Ende. Acht Tage vor der Hochzeit ist er unter die Erde gegangen und nimmer herauf gekommen.“ Da wurden die Gemüther aller Umstehenden von Wehmuth und Thränen ergriffen, als sie sahen die ehemalige Braut jezt in der Gestalt des hingewelkten kraftlosen Alters und den Bräutigam noch in seiner jugendlichen Schöne, und wie in ihrer Brust nach 50 Jahren die Flamme der jugendlichen Liebe noch einmal erwachte; aber er öffnete den Mund nimmer zum Lächeln oder die Augen zum Wiedererkennen; und wie sie ihn endlich von den Bergleuten in ihr Stüblein tragen ließ, als die einzige, die ihm angehöre, und ein Recht an ihn habe, bis sein Grab gerüstet sey auf dem Kirchhof.</p>\n<p>[5] Den andern Tag, als das Grab gerüstet war auf dem Kirchhof und ihn die Bergleute holten, schloß sie ein Kästlein auf legte sie ihm das schwarzseidene Halstuch mit rothen Streifen um, und begleitete ihn alsdann in ihrem Sonntagsgewand, als wenn es ihr Hochzeittag und nicht der Tag seiner Beerdigung wäre. Denn als man ihn auf dem Kirchhof ins Grab legte, sagte sie: „Schlafe nun wohl, noch einen Tag oder zehen im kühlen Hochzeitbett, und laß dir die Zeit nicht lange werden. Ich habe nur noch wenig zu thun, und komme bald, und bald wirds wieder Tag. – Was die Erde einmal wieder gegeben hat, wird sie zum zweytenmal auch nicht behalten,“ sagte sie, als sie fortgieng, und noch einmal umschaute.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach dem Erstdruck der Sammlung: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, Cotta, Tübingen 1811, S. 292 bis 294 (Wikisource, nach dem Scan). Rechtschreibung wie dort. Abschnittsnummern von uns. Gemeinfrei. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Sanct Luciä<span class=\"wort-erkl\">Tag der heiligen Lucia, 13. Dezember</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">ausgerufen<span class=\"wort-erkl\">das Aufgebot verkündet: die geplante Hochzeit öffentlich bekannt gemacht</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">saumte<span class=\"wort-erkl\">nähte den Rand</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Johannis<span class=\"wort-erkl\">Johannistag, 24. Juni</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Ehlen<span class=\"wort-erkl\">Ellen, altes Längenmaß</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Gefreundte<span class=\"wort-erkl\">Verwandte</span></span></p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>1. Interpretieren Sie Johann Peter Hebels „Unverhofftes Wiedersehen“.</em> (ca. 70 %) <em>2. Erläutern Sie, inwiefern der Text als Kalendergeschichte gelten kann.</em> (ca. 30 %)</p>\n\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musteraufsatz, Teil 1</span>\n<p><strong>Einleitung.</strong> Johann Peter Hebels Kalendergeschichte „Unverhofftes Wiedersehen“ von 1811 erzählt von einem Bergmann, der kurz vor seiner Hochzeit im Bergwerk verunglückt, und von seiner Braut, die ihn fünfzig Jahre später unverwest wiedersieht. Die Geschichte zeigt eine Liebe, die stärker ist als die Zeit, und deutet den Tod am Ende als Aufschub der Hochzeit, nicht als ihr Ende.</p>\n<p><strong>Aufbau.</strong> Die Geschichte hat fünf Schritte: die Verlobung und das Unglück (Abs. 1), fünfzig Jahre in einem einzigen Absatz (Abs. 2), der Fund der Leiche (Abs. 3), das Wiedererkennen (Abs. 4) und die Beerdigung (Abs. 5). Auffällig ist das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit. Ein halbes Jahrhundert füllt nur einen Absatz; Fund, Wiedersehen und Beerdigung, also wenige Tage, nehmen rund die Hälfte des Textes ein. Hebel dehnt also gerade die Stellen, an denen die Liebe sichtbar wird.</p>\n<p><strong>Das Unglück.</strong> Schon die erste Szene ist auf den Tod hin erzählt. Die Braut sagt, sie möchte ohne ihn „lieber im Grab seyn, als an einem andern Ort“ (Abs. 1). Die Frage des Pfarrers, ob „jemand Hinderniß wüßte anzuzeigen“, beantwortet der Erzähler mit dem knappen Satz „Da meldete sich der Tod“. Der Tod wird zur Person, die sich wie ein Zeuge in der Kirche meldet. Der Erzähler schiebt einen Kommentar ein: „der Bergmann hat sein Todtenkleid immer an“. So verbindet er Arbeitskleidung und Tod und bereitet den Leser vor. Der Abschied ist leise und genau: „guten Morgen, aber keinen guten Abend mehr“. Das schwarze Halstuch, das die Braut für den Hochzeitstag säumt, wird zum Zeichen, das am Ende wiederkehrt.</p>\n<p><strong>Die fünfzig Jahre.</strong> Der zweite Absatz rafft die Zeit, indem er Weltereignisse aufzählt: das Erdbeben von Lissabon, den Siebenjährigen Krieg, die Teilung Polens, die Französische Revolution bis zu Napoleon und zur Beschießung Kopenhagens. Die Ereignisse werden mit immer neuem „und“ verbunden, ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Polysyndeton<span class=\"wort-erkl\">Reihung, in der viele Glieder mit „und“ verbunden sind</span></span>. Dadurch klingen Kriege, Revolutionen und Todesfälle von Herrschern gleich wichtig, oder gleich unwichtig. Am Ende verschiebt sich die Aufzählung zur Arbeit der einfachen Leute: „die Ackerleute säeten und schnitten. Der Müller mahlte, und die Schmiede hämmerten“ (Abs. 2). Die große Geschichte vergeht, die Arbeit und der Lauf des Jahres bleiben. Von der Braut ist in diesem Absatz nicht die Rede. Ihr Warten wird nicht erzählt, und gerade das macht seine Länge spürbar.</p>\n<p><strong>Das Wiedersehen.</strong> Der Leichnam ist „unverwest und unverändert“, als ob er „ein wenig eingeschlafen wäre“ (Abs. 3). Die Braut dagegen kommt „Grau und Zusammengeschrumpft […] an einer Krücke“ (Abs. 4). Die Antithese von Jugend und Alter wird ausdrücklich gemacht: die Braut „in der Gestalt des hingewelkten kraftlosen Alters“, der Bräutigam „noch in seiner jugendlichen Schöne“. Trotzdem sinkt sie „mehr mit freudigem Entzücken als mit Schmerz“ auf die Leiche. Ihre Liebe ist nach fünfzig Jahren dieselbe, nur der Körper hat sich verändert. Der Erzähler hält dabei die Grenze klar: Der Tote „öffnete den Mund nimmer zum Lächeln oder die Augen zum Wiedererkennen“. Das Wiedersehen ist einseitig.</p>\n<p><strong>Die Beerdigung als Hochzeit.</strong> Am Ende verwandelt die alte Frau die Beerdigung in die Hochzeit, die nicht stattfand. Sie legt ihm das Halstuch um und geht „in ihrem Sonntagsgewand, als wenn es ihr Hochzeittag und nicht der Tag seiner Beerdigung wäre“ (Abs. 5). Das Grab nennt sie „Hochzeitbett“. Ihre letzten Worte, „bald wirds wieder Tag“ und „Was die Erde einmal wieder gegeben hat, wird sie zum zweytenmal auch nicht behalten“, sprechen den christlichen Glauben an die Auferstehung aus. Damit schließt sich ein Kreis zum Anfang: Aus dem verlorenen „guten Abend“ wird die Hoffnung auf einen neuen Tag.</p>\n<p><strong>Zweite Lesart.</strong> Man kann die Geschichte auch als Tragödie lesen: Eine Frau hat ihr Leben einem Toten geopfert, und die Welt ist an ihr vorbeigegangen, während Kaiser starben und Reiche fielen. Der Text gibt dieser Sicht aber wenig Raum. Er wertet ihre Treue nicht als Verlust, sondern stellt ihre Freude und ihre Zuversicht ans Ende. Die tragische Seite ist da, aber sie wird von der Hoffnung überwölbt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\"><strong>Warum das gut ist:</strong> Die Hypothese steht am Ende der Einleitung und wird am Schluss bestätigt. Aufbau und Zeitgestaltung werden mit ihrer Funktion erklärt, nicht nur festgestellt. Die Zitate sind kurz, in den Satz eingebaut und mit Absatz belegt. Eine zweite Lesart wird geprüft. Teil 2 folgt im Kasten „Jetzt du“.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · der zweite Teil der Aufgabe</span>\n<p>Schreib Teil 2: <em>Erläutern Sie, inwiefern der Text als Kalendergeschichte gelten kann.</em> Beginne mit einer Überleitung aus Teil 1. Wissen von außen, das du brauchst: Ein Volkskalender war ein billiges Jahrbuch für ein breites Publikum. Er enthielt neben dem Kalendarium kurze Geschichten zur Unterhaltung und Belehrung. Hebel gab den Kalender „Der Rheinländische Hausfreund“ heraus und schrieb selbst Geschichten darin.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Musterlösung Teil 2 zeigen</summary><div>\n<p>Die Interpretation hat gezeigt, dass Hebel eine außergewöhnliche Treue schlicht und mit großer Anteilnahme erzählt. Gerade diese Art des Erzählens macht den Text zu einer typischen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kalendergeschichte<span class=\"wort-erkl\">kurze Erzählung für einen Volkskalender, die unterhalten und belehren soll</span></span>. Erstens ist er kurz und für ein breites Publikum geschrieben: Die Sätze sind meist einfach gebaut, die Handlung ist leicht zu verfolgen, und Wörter wie „Nestlein“ und „Stüblein“ kommen aus der Alltagssprache. Zweitens tritt der Erzähler als vertraute Stimme hervor, etwa mit dem Einschub „der Bergmann hat sein Todtenkleid immer an“ (Abs. 1), der den Lesern ohne Bergbauwissen etwas erklärt. Drittens verbindet die Geschichte das Besondere mit dem, was die Leser selbst kennen: Die Weltereignisse im zweiten Absatz waren für die Käufer des Kalenders von 1811 erlebte Zeitgeschichte, und die Arbeit von Ackerleuten, Müllern und Schmieden war ihr Alltag. Viertens will die Geschichte nicht nur unterhalten, sondern auch etwas zeigen. Hebel setzt keinen ausdrücklichen Merksatz ans Ende, wie in manchen anderen Kalendergeschichten, aber die Schlussworte der Braut tragen eine Lehre, die jeder Leser verstehen kann: Treue und Glaube sind stärker als die Zeit. Der Text ist also eine Kalendergeschichte, die die Form ganz erfüllt und sie zugleich durch ihre Tiefe übersteigt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eine mögliche Lösung: Überleitung aus Teil 1, vier Merkmale, jedes mit Textbeleg, Zusatzwissen zur Gattung, zusammenfassender Schlusssatz.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Satzanfänge</h4>\n<ul class=\"phrase-list\">\n<li><em>Die Erzählung … zeigt …, und sie deutet … als …</em><span class=\"wozu\">Deutungshypothese</span></li>\n<li><em>Während fünfzig Jahre in einem Absatz vergehen, dehnt der Erzähler …</em><span class=\"wozu\">Zeitgestaltung</span></li>\n<li><em>Der Erzähler kommentiert … · Er wendet sich an …</em><span class=\"wozu\">Erzählerstimme</span></li>\n<li><em>Man könnte den Text auch als … lesen. Dagegen spricht …</em><span class=\"wozu\">zweite Lesart</span></li>\n<li><em>Die Interpretation hat gezeigt, dass … Daran lässt sich anknüpfen, wenn …</em><span class=\"wozu\">Überleitung zu Teil 2</span></li>\n</ul>\n\n<h4>Vor der Abgabe prüfen</h4>\n<ul>\n<li>Hast du beide Teile mit dem richtigen Operator bearbeitet?</li>\n<li>Bekommt der stärker gewichtete Teil auch mehr Raum?</li>\n<li>Gibt es eine Überleitung, die Teil 2 auf Ergebnisse aus Teil 1 stützt?</li>\n<li>Sind die Belege genau (Zeile, Vers oder Absatz)?</li>\n</ul>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Teil 2 zu lang, Teil 1 zu kurz.</strong> Wer beim zweiten Teil mehr weiß, schreibt dort gern mehr. Die Punkte liegen aber im ersten.</li>\n<li><strong>Zwei getrennte Aufsätze.</strong> Ohne Überleitung wirkt Teil 2 angeklebt. Greif Ergebnisse aus Teil 1 auf.</li>\n<li><strong>Inhaltsangabe statt Interpretation.</strong> Zwei, drei Sätze zum Inhalt genügen. Danach geht es um das Wie und Warum.</li>\n<li><strong>Gattungs- oder Epochenwissen als Liste.</strong> Jedes Merkmal braucht einen Beleg im Text.</li>\n<li><strong>Die Gewichtung überlesen.</strong> „ca. 70 %“ und „ca. 30 %“ sagen dir, wie du die Zeit einteilst.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-interpretieren\">interpretieren (Operator)</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-erlaeutern\">erläutern (Operator)</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-vergleichen\">vergleichen (Operator)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-de-methoden-erzaehlperspektive\">Erzählperspektiven erkennen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-de-methoden-zitieren\">Richtig zitieren</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-format-literarisch -->",
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      "content": "<!-- core-card:de-format-materialgestuetzt-informierend -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Textsorte</span><span>Klausur-Formate</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Beim materialgestützten Verfassen informierender Texte bekommst du ein Dossier mit mehreren Materialien und schreibst daraus einen eigenen Sachtext, etwa einen Artikel, einen Lexikonbeitrag oder einen Vortrag. Du sollst die Leser informieren, nicht überzeugen: Du wählst aus, ordnest, erklärst Begriffe und verbindest die Materialien zu einem verständlichen Ganzen. Eine eigene Meinung gehört nicht hinein. Schreibsituation, Leserschaft und Wortzahl stehen in der Aufgabe. Bei materialgestützten Aufgaben zählt die Darstellung mehr als sonst, meist etwa 40 % neben 60 % Verstehen.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">So prüft Bayern</span><p>Aufgabe III ist das Materialgestützte Informieren (MI). Bei materialgestützten Aufgaben zählt das Verstehen ca. 60 %, die Darstellung ca. 40 %.</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Schriftlich bekommst du vier Aufgaben und wählst eine; die Prüfung dauert 315 Minuten. Statt der schriftlichen Prüfung kannst du Deutsch auch im Kolloquium ablegen.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.deutschabitur.bayern.de/informationen-zu-den-abiturjahrgaengen/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ISB Deutschabitur, Informationen zu den Abiturjahrgängen</a> (Schreibformate 2027) und Handreichung zum Deutschabitur ab 2026, S. 5, 20 bis 22, 25 und 31</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Die Aufgabe nennt „Ausgangssituation, Adressatenbezug, ggf. Veröffentlichungsort, ein aufgabenbezogenes Schreibziel“ und den kommunikativen Schwerpunkt. Beim informierenden Text ist dieser Schwerpunkt das Informieren. Der Zieltext ist „lebensweltlich verankert“: ein Beitrag, wie er wirklich in einer Broschüre, auf einer Website oder in einer Zeitschrift stehen könnte. Die Wortzahl ist mit „ca.“ angegeben. Und: „Für die Bearbeitung der Aufgabe sind alle Materialien zu nutzen.“</p>\n<p>Informieren heißt nicht, die Materialien nacheinander zusammenzufassen. Du baust einen neuen Text mit eigenem Aufbau, für Leser, die die Materialien nicht kennen. Die Auswahl muss „im Sinne einer für den Zieltext funktionalen Information“ getroffen werden. Was in deinem Land drankommt, steht im Kasten oben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Erläuterungen zur Konstruktion der Aufgaben (Stand 03.03.2023), S. 3 f.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">So könnte eine Aufgabe lauten</span>\n<p><em>Ihre Schule gestaltet zum Jahrestag des Grundgesetzes eine Ausstellung. Verfassen Sie für die Begleitbroschüre einen informierenden Beitrag zur Meinungsfreiheit in Deutschland, der sich an Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe richtet. Nutzen Sie dazu die Materialien M1 bis M4 und Ihr Wissen aus dem Unterricht. Formulieren Sie eine Überschrift. Ihr Beitrag sollte etwa 450 Wörter umfassen.</em></p>\n<p class=\"ks-quelle\">Aufgabe von uns gestellt, nach dem Muster der Abituraufgaben. Im Abitur ist das Dossier länger: in der Regel rund 1500 Wörter auf grundlegendem, rund 2000 Wörter auf erhöhtem Niveau.</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>Bei materialgestützten Aufgaben zählt die <strong>Verstehensleistung</strong> ungefähr 60 %, die <strong>Darstellungsleistung</strong> ungefähr 40 %. Zum Verstehen gehört: die wichtigen Informationen aus allen Materialien auswählen, sie richtig wiedergeben, verknüpfen und mit Unterrichtswissen ergänzen, sodass das Thema für die Leser klar wird. Zur Darstellung gehören ein Aufbau, der die Leser führt, eine Sprache, die zu ihnen passt, erklärte Fachbegriffe, kurze Verweise auf die Quellen und die ungefähre Wortzahl.</p>\n<p>Den größten Unterschied macht der <strong>Adressatenbezug</strong>. Ein Text für Mittelstufenschüler braucht Beispiele und kurze Erklärungen, ein Text für eine Fachzeitschrift nicht. Wer für alle schreibt, schreibt für niemanden.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quellen: IQB, Abituraufgabe Materialgestütztes Verfassen argumentierender Texte eA (2024), Gewichtung S. 15; IQB, Erläuterungen zur Konstruktion (2023), S. 3 f.</p>\n\n<h4>So baust du den Text auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Situation klären.</strong> Wer liest, was wissen die Leser schon, wo erscheint der Text?</li>\n<li><strong>Material sichten.</strong> Zu jedem Material: Welche Information ist für diese Leser wichtig? Was kann weg?</li>\n<li><strong>Gliederung nach Fragen.</strong> Ordne nicht nach M1, M2, M3, sondern nach Fragen der Leser: Was ist das? Woher kommt es? Wo sind die Grenzen? Ein Beispiel?</li>\n<li><strong>Überschrift und Einstieg.</strong> Ein Aufhänger aus dem Alltag der Leser, dann das Thema.</li>\n<li><strong>Hauptteil.</strong> Je Abschnitt eine Frage, Fachbegriffe erklären, Beispiele geben, Quellen kurz nennen.</li>\n<li><strong>Schluss.</strong> Das Wichtigste in einem Satz, ohne Wertung, eventuell ein Hinweis, wo man mehr erfährt.</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein ganzer Text mit einem echten Dossier</h4>\n<p>Das Dossier ist kleiner als im Abitur. Die Materialien sind echte amtliche Texte; die Auswahl und die kurze Sachinformation in M3 sind von uns.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M1 · Grundgesetz, Artikel 5 Absatz 1 und 2</span>\n<p>„(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.</p>\n<p>(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">gesetze-im-internet.de, abgerufen am 13.10.2026.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M2 · Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 19</span>\n<p>„Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Resolution 217 A (III) der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948, deutsche Fassung des Regionalen Informationszentrums der Vereinten Nationen (unric.org).</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M3 · Bundesverfassungsgericht, Lüth-Urteil (1958)</span>\n<p>Sachinformation: Erich Lüth, Leiter der Staatlichen Pressestelle Hamburg, rief 1950 dazu auf, einen neuen Film des Regisseurs Veit Harlan nicht zu zeigen. Harlan hatte im Nationalsozialismus den Hetzfilm „Jud Süß“ gedreht. Ein Hamburger Gericht verbot Lüth den Boykottaufruf. Das Bundesverfassungsgericht hob dieses Urteil am 15. Januar 1958 auf, weil es Lüths Grundrecht aus Artikel 5 verletze.</p>\n<p>„Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ist als unmittelbarster Ausdruck der menschlichen Persönlichkeit in der Gesellschaft eines der vornehmsten Menschenrechte überhaupt […]. Für eine freiheitlich-demokratische Staatsordnung ist es schlechthin konstituierend, denn es ermöglicht erst die ständige geistige Auseinandersetzung, den Kampf der Meinungen, der ihr Lebenselement ist […].“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">BVerfGE 7, 198 (Urteil vom 15.01.1958, 1 BvR 400/51), Gründe B II 2; Text nach dem Fallrecht der Universität Bern (servat.unibe.ch). Gerichtsentscheidungen sind amtliche Werke und gemeinfrei.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M4 · Strafgesetzbuch, § 185 Beleidigung</span>\n<p>„Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung öffentlich, in einer Versammlung, durch Verbreiten eines Inhalts (§ 11 Absatz 3) oder mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">gesetze-im-internet.de, abgerufen am 13.10.2026.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Mustertext · informierender Beitrag, rund 420 Wörter</span>\n<p><strong>Sag, was du denkst, aber nicht alles: Meinungsfreiheit in Deutschland</strong></p>\n<p>Du postest, dass dir ein Film nicht gefallen hat, oder du kritisierst im Klassenrat eine Regel der Schule. Dass du das darfst, ohne Angst vor Strafe, ist nicht selbstverständlich. Es ist ein Grundrecht: die Meinungsfreiheit. Was sie schützt und wo sie endet, erklärt dieser Beitrag.</p>\n<p><strong>Was das Grundgesetz sagt.</strong> Artikel 5 des Grundgesetzes bestimmt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“ (M1). Geschützt ist also nicht nur das Sprechen, sondern auch das Schreiben, Zeichnen oder Filmen. Zur Meinungsfreiheit gehört außerdem das Recht, sich „aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“, also etwa Zeitungen zu lesen oder Nachrichten zu schauen. Der Artikel schützt auch die Presse und den Rundfunk und verbietet die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Zensur<span class=\"wort-erkl\">Prüfung durch den Staat, bevor etwas veröffentlicht werden darf</span></span>: Der Staat darf Texte oder Filme nicht vorher prüfen und genehmigen.</p>\n<p><strong>Ein Menschenrecht.</strong> Die Meinungsfreiheit gilt nicht nur in Deutschland. Schon 1948 haben die Vereinten Nationen sie in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Dort heißt es in Artikel 19, jeder habe das Recht, Informationen „über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen“ zu suchen und zu verbreiten (M2).</p>\n<p><strong>Warum sie so wichtig ist.</strong> Wie wichtig die Meinungsfreiheit für die Demokratie ist, hat das Bundesverfassungsgericht 1958 im sogenannten Lüth-Urteil erklärt. Der Hamburger Erich Lüth hatte dazu aufgerufen, einen Film des Regisseurs Veit Harlan nicht zu zeigen, weil dieser in der NS-Zeit den Hetzfilm „Jud Süß“ gedreht hatte. Ein Gericht verbot Lüth diesen Aufruf, das Bundesverfassungsgericht hob das Verbot auf (M3). Die Meinungsfreiheit sei für die Demokratie „schlechthin konstituierend“, also ihre Grundlage, denn erst sie ermögliche den „Kampf der Meinungen“ (M3). Eine Demokratie lebt davon, dass Menschen offen streiten dürfen.</p>\n<p><strong>Wo die Grenzen liegen.</strong> Die Meinungsfreiheit gilt aber nicht grenzenlos. Artikel 5 nennt selbst drei Schranken: die „allgemeinen Gesetze“, den Schutz der Jugend und das „Recht der persönlichen Ehre“ (M1). Ein Beispiel für ein solches Gesetz ist das Verbot der Beleidigung im Strafgesetzbuch. Wer einen anderen beleidigt, kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden, bei einer öffentlichen Beleidigung, etwa in einem öffentlichen Post, bis zu zwei Jahren (M4). Die Grenze verläuft also dort, wo die Rechte anderer verletzt werden. Eine Meinung über einen Film ist erlaubt, auch eine scharfe. Eine Person herabzusetzen ist es nicht.</p>\n<p><strong>Kurz gesagt.</strong> In Deutschland darfst du deine Meinung frei sagen, schreiben und verbreiten, und der Staat darf sie nicht vorher zensieren. Dieses Recht ist ein Menschenrecht und die Grundlage der Demokratie. Es endet dort, wo Gesetze die Ehre anderer oder die Jugend schützen.</p>\n<p class=\"ks-quelle\"><strong>Warum das gut ist:</strong> Die Überschrift fasst das Thema zusammen, der Einstieg holt die Leser in ihrem Alltag ab. Die Gliederung folgt Fragen der Leser (Was? Woher? Warum wichtig? Grenzen?), nicht der Reihenfolge der Materialien. Alle vier Materialien sind genutzt, mit kurzem Verweis. Fachbegriffe wie Zensur und „konstituierend“ werden erklärt. Der Text bleibt sachlich: Er sagt, was gilt, nicht was der Verfasser davon hält. Zusatzwissen (Demokratie lebt vom Streit, ein öffentlicher Post zählt als öffentliche Beleidigung) ist sparsam eingesetzt und richtig. Der Text hat gut 400 Wörter und liegt damit nah an der Vorgabe von etwa 450.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · andere Leser, gleiches Material</span>\n<p>Schreib den Abschnitt „Wo die Grenzen liegen“ neu, diesmal für eine Website mit Rechtsinformationen für Erwachsene, in rund 120 Wörtern. Nutze M1, M3 und M4. Tipp: Lies im Lüth-Urteil nach, wie das Gericht das Verhältnis zwischen dem Grundrecht und den „allgemeinen Gesetzen“ beschreibt. Es spricht von einer „Wechselwirkung“: Die Gesetze setzen dem Grundrecht Schranken, müssen aber selbst „im Lichte der Bedeutung dieses Grundrechts“ ausgelegt werden (BVerfGE 7, 198, Gründe B II 2).</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Mögliche Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Die Meinungsfreiheit ist nicht schrankenlos gewährleistet. Nach Art. 5 Abs. 2 GG findet sie ihre Grenzen in den allgemeinen Gesetzen, im Jugendschutz und im Recht der persönlichen Ehre (M1). Zu den allgemeinen Gesetzen zählt etwa § 185 StGB, der die Beleidigung unter Strafe stellt (M4). Das Bundesverfassungsgericht hat im Lüth-Urteil von 1958 jedoch klargestellt, dass solche Gesetze ihrerseits „im Lichte der Bedeutung dieses Grundrechts“ auszulegen sind. Zwischen Grundrecht und Schranke besteht eine „Wechselwirkung“ (M3). Ob eine Äußerung zulässig ist, entscheidet sich deshalb im Einzelfall durch Abwägung: Je mehr sie zur öffentlichen Debatte beiträgt, desto stärker ist sie geschützt; je mehr sie eine Person nur herabsetzt, desto eher überwiegt deren Ehre.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eine mögliche Lösung: Fachsprache und Paragrafen für Erwachsene, keine Alltagsbeispiele, gleiche Sachaussagen. Der letzte Satz fasst die Abwägung zusammen, die das Gericht im Urteil vornimmt; er ist eine vereinfachte Erklärung, kein Zitat.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Satzanfänge</h4>\n<ul class=\"phrase-list\">\n<li><em>Du … · Stell dir vor, … · Jeden Tag …</em><span class=\"wozu\">Einstieg für junge Leser</span></li>\n<li><em>Was … bedeutet, erklärt dieser Beitrag.</em><span class=\"wozu\">Thema ankündigen</span></li>\n<li><em>Darunter versteht man … · Gemeint ist …</em><span class=\"wozu\">Begriff erklären</span></li>\n<li><em>Ein Beispiel dafür ist … · So …</em><span class=\"wozu\">veranschaulichen</span></li>\n<li><em>Laut … (M2) · Wie das Bundesverfassungsgericht feststellte, …</em><span class=\"wozu\">Quelle nennen</span></li>\n<li><em>Kurz gesagt: … · Zusammengefasst gilt: …</em><span class=\"wozu\">Schluss ohne Wertung</span></li>\n</ul>\n\n<h4>Vor der Abgabe prüfen</h4>\n<ul>\n<li>Passt die Sprache zu den genannten Lesern?</li>\n<li>Ist die Gliederung nach Fragen gebaut, nicht nach M1, M2, M3?</li>\n<li>Ist jedes Material genutzt und richtig wiedergegeben?</li>\n<li>Sind Fachbegriffe erklärt?</li>\n<li>Steht nirgends eine eigene Wertung?</li>\n<li>Stimmt die Wortzahl ungefähr?</li>\n</ul>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Materialkette.</strong> „In M1 steht …, in M2 steht …“ ist eine Zusammenfassung, kein Beitrag. Ordne nach Themen.</li>\n<li><strong>Meinung einschmuggeln.</strong> „Zum Glück gibt es …“, „leider“, „man sollte“ gehören in einen argumentierenden, nicht in einen informierenden Text.</li>\n<li><strong>Falsch wiedergeben.</strong> Gesetze und Urteile genau lesen: Art. 5 schützt das Äußern und Verbreiten, nicht jede Handlung.</li>\n<li><strong>Ohne Adressat schreiben.</strong> Fachsprache für Mittelstufenschüler oder Kindersprache für Erwachsene kostet Punkte in der Darstellung.</li>\n<li><strong>Zu lange Zitate.</strong> Ein Satz aus dem Material reicht; den Rest gibst du in eigenen Worten wieder.</li>\n<li><strong>Kein Schluss.</strong> Ein informierender Text endet mit einer Zusammenfassung, nicht mitten in einem Abschnitt.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-darstellen\">darstellen (Operator)</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=by-de-ausdruck-formulierungshilfen\">Formulierungshilfen</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-erlaeutern\">erläutern (Operator)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-zusammenfassen\">zusammenfassen (Operator)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=by-de-ausdruck-formulierungshilfen\">Formulierungshilfen</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-format-materialgestuetzt-informierend -->",
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      "content": "<!-- core-card:de-format-eroerterung-pragmatisch -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Textsorte</span><span>Klausur-Formate</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Bei der Erörterung eines pragmatischen Textes bekommst du einen Sachtext, etwa einen Essay, einen Kommentar oder eine Rede, und setzt dich mit seiner Position auseinander. Meist hat die Aufgabe zwei Teile: Zuerst stellst du den Gedankengang und die Position des Textes dar, dann erörterst du sie. Erörtern heißt abwägen: Argumente des Textes prüfen, eigene dafür und dagegen entwickeln und zu einem begründeten Urteil kommen. Der zweite Teil wiegt in der Regel schwerer. Gewertet wird das Verstehen mit ungefähr 70 %, die Darstellung mit etwa 30 %.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">So prüft Bayern</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Aufgabe IV ist die Erörterung eines pragmatischen Textes (EP): erst die Analyse von Argumentation und Position (in der Regel ca. 30 bis 40 %), dann deine eigene Erörterung mit begründeter Position (in der Regel ca. 60 bis 70 %). Verstehen zählt ca. 70 %, Darstellung ca. 30 %.</p>\n<p>Schriftlich bekommst du vier Aufgaben und wählst eine; die Prüfung dauert 315 Minuten. Statt der schriftlichen Prüfung kannst du Deutsch auch im Kolloquium ablegen.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.deutschabitur.bayern.de/informationen-zu-den-abiturjahrgaengen/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ISB Deutschabitur, Informationen zu den Abiturjahrgängen</a> (Schreibformate 2027) und Handreichung zum Deutschabitur ab 2026, S. 5, 20 bis 22, 25 und 31</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Bei der <strong>Erörterung pragmatischer Texte</strong> liegt der Schwerpunkt auf der Erörterung: „Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit einer strittigen Frage.“ Die Analyse des Textes ist nötig, aber sie dient der Erörterung; sie soll nicht als eigener Aufsatz danebenstehen. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Pragmatische Texte<span class=\"wort-erkl\">Sachtexte, die etwas mitteilen oder bewirken wollen: Reden, Kommentare, Essays, Briefe, Reportagen</span></span> sind Texte aus der Wirklichkeit, keine Dichtung.</p>\n<p>Der Unterschied zur <strong>Analyse</strong> pragmatischer Texte: Dort steht die Untersuchung im Mittelpunkt, hier dein begründetes Urteil. Der Unterschied zur <strong>Stellungnahme</strong>: Eine Erörterung wägt ausdrücklich Gründe und Gegengründe ab, bevor sie urteilt. Was in deinem Land drankommt, steht im Kasten oben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Erläuterungen zur Konstruktion der Aufgaben (Stand 03.03.2023), S. 2 f.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">So könnte eine Aufgabe lauten</span>\n<p><em>1. Stellen Sie den Gedankengang des Textes von Andreas Frey dar und erläutern Sie die Intention des Textes.</em> (ca. 40 %)<br><em>2. Erörtern Sie ausgehend vom vorliegenden Text die Position des Autors.</em> (ca. 60 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Erörterung pragmatischer Texte, erhöhtes Niveau (Frey, „Was gute Sprache mit guten Menschen zu tun hat“, Aufgabe 2024).</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>Die <strong>Verstehensleistung</strong> zählt ungefähr 70 %, und innerhalb davon sind die Teilaufgaben gewichtet, in der Frey-Aufgabe 40 zu 60. Im ersten Teil zählen eine genaue Darstellung des Gedankengangs und die erkannte Absicht des Textes. Im zweiten Teil zählt, dass du die Position des Autors erfasst, Argumente dafür und dagegen entwickelst, sie gewichtest und zu einem Urteil kommst, das aus der Abwägung folgt. Für „gut“ verlangen die Bildungsstandards in einer Beispielaufgabe, dass „die in der Textvorlage enthaltenen Argumente eingehend geprüft“ werden und „ein eigener begründeter und in der Sache fundierter Standpunkt erkennbar ist“.</p>\n<p>Die <strong>Darstellungsleistung</strong> zählt etwa 30 %: ein klarer, logisch verbundener Aufbau, Fachsprache, genaue Belege mit Zeile, Ausdruck und Stil, sprachliche Richtigkeit. Bei Erörterungen achten Korrektoren besonders auf die Verknüpfung: <em>deshalb, dagegen spricht, allerdings, daraus folgt</em>.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quellen: IQB, Abituraufgabe Erörterung pragmatischer Texte eA (Frey, 2024), Gewichtung der Teilaufgaben und Bewertungshinweise; KMK, Bildungsstandards Deutsch (2012), S. 25 und Beispielaufgabe S. 92.</p>\n\n<h4>So baust du den Aufsatz auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Kernthese finden.</strong> Was behauptet der Text, in einem Satz? Welche Frage steckt dahinter?</li>\n<li><strong>Teil 1: Gedankengang.</strong> Schritt für Schritt, mit Zeilen: These, Begründung, Beispiele, Folgerung. Danach die Absicht: Wen will der Text wovon überzeugen?</li>\n<li><strong>Überleitung.</strong> Die strittige Frage formulieren, um die es in Teil 2 geht.</li>\n<li><strong>Teil 2: Argumente.</strong> Was spricht für die Position, was dagegen? Mindestens zwei Argumente auf jeder Seite, jeweils mit Begründung und Beispiel. Dazu Argumente des Textes selbst prüfen.</li>\n<li><strong>Anordnen.</strong> Meist zuerst die Seite, die du am Ende nicht vertrittst, dann deine Seite, das stärkste Argument zuletzt.</li>\n<li><strong>Urteil.</strong> Eine klare Antwort auf die strittige Frage, die sagt, warum die eine Seite schwerer wiegt.</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein ganzer Aufsatz an einem echten Text</h4>\n<p>Immanuel Kant antwortete 1784 in der „Berlinischen Monatsschrift“ auf eine Frage, die dort im Jahr davor ein Pfarrer gestellt hatte: Was ist eigentlich Aufklärung? Der Anfang seiner Antwort gehört zu den bekanntesten Sätzen der deutschen Philosophie.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Echter Text · Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Anfang)</span>\n<p>[1] Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.</p>\n<p>[2] Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Theil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter majorennes), dennoch gerne Zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt der für mich die Diät beurtheilt, u. s. w. so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Theil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben, und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften; so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemahl Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern, und schrekt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach dem Erstdruck: Berlinische Monatsschrift, Bd. 4, 12. Stück (Dezember 1784), S. 481 f. (Wikisource, nach dem Scan). Rechtschreibung wie dort, Hervorhebungen weggelassen. Absatznummern von uns. Gemeinfrei. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Sapere aude<span class=\"wort-erkl\">lateinisch: Wage, weise zu sein (nach dem römischen Dichter Horaz)</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">naturaliter majorennes<span class=\"wort-erkl\">lateinisch: von Natur aus volljährig</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Gängelwagen<span class=\"wort-erkl\">Laufgestell, in dem kleine Kinder gehen lernten</span></span></p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>1. Stellen Sie den Gedankengang des Textauszugs dar und erläutern Sie Kants Absicht.</em> (ca. 40 %) <em>2. Erörtern Sie ausgehend vom Text, ob Kants Satz „Es ist so bequem, unmündig zu sein“ auch für die Gegenwart gilt.</em> (ca. 60 %)</p>\n\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musteraufsatz</span>\n<p><strong>Einleitung.</strong> In seinem Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“, erschienen 1784 in der „Berlinischen Monatsschrift“, bestimmt Immanuel Kant Aufklärung als den Schritt des Menschen in die geistige Selbstständigkeit. Im vorliegenden Anfang des Textes erklärt er, warum die meisten Menschen diesen Schritt nicht tun: nicht weil sie zu dumm sind, sondern weil es bequem ist, andere für sich denken zu lassen.</p>\n<p><strong>Teil 1: Gedankengang.</strong> Kant beginnt mit einer Definition: Aufklärung sei „der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Abs. 1). Dann erklärt er die beiden Begriffe dieser Definition. Unmündigkeit sei das Unvermögen, den eigenen Verstand „ohne Leitung eines anderen“ zu gebrauchen; selbstverschuldet sei sie, wenn es nicht am Verstand fehle, sondern am „Muthe“. Daraus leitet er den Wahlspruch ab: „Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Im zweiten Absatz nennt er die Ursachen: „Faulheit und Feigheit“ (Abs. 2). Die Faulheit veranschaulicht er mit drei Beispielen, dem Buch, dem Seelsorger und dem Arzt, die für den Menschen Verstand, Gewissen und Urteil übernehmen. Die Feigheit erklärt er mit den „Vormündern“, die den Menschen den Schritt zur Mündigkeit als „gefährlich“ darstellen. Dafür wählt er ein bitteres Bild: Die Vormünder machen ihr „Hausvieh zuerst dumm“, sperren es in den „Gängelwagen“ und zeigen ihm dann die Gefahr des Alleingehens. Kant schließt, die Gefahr sei „eben so groß nicht“, denn man lerne durch „einigemahl Fallen“ gehen.</p>\n<p><strong>Absicht.</strong> Kant will seine Leser nicht nur belehren, er will sie aufrütteln. Darauf deuten der Imperativ „Habe Muth“, die Ich-Form der Beispiele („Habe ich ein Buch …“), mit der er den Leser die Bequemlichkeit selbst aussprechen lässt, und die Ironie, mit der er von Vormündern spricht, die die Aufsicht „gütigst“ übernommen hätten. Die Unmündigkeit erscheint als Schuld des Einzelnen, aber auch als Interesse derer, die von ihr profitieren.</p>\n<p><strong>Überleitung.</strong> Kants Diagnose ist fast 250 Jahre alt. Zu fragen ist, ob sie auch für uns gilt, die wir mehr Wissen zur Verfügung haben als je zuvor.</p>\n<p><strong>Teil 2: Was für Kant spricht.</strong> Vieles spricht dafür, dass Kants Satz heute sogar mehr zutrifft als 1784. Seine drei Beispiele lassen sich mühelos fortsetzen: Eine Navigations-App findet für uns den Weg, eine Suchmaschine sortiert für uns die Antworten, ein Programm schreibt auf Wunsch den Text, den wir selbst schreiben sollten. Kants Satz „Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann“ gilt hier fast wörtlich, oft wird sogar nur mit Daten bezahlt. Je bequemer die Hilfe ist, desto seltener prüfen wir sie. Auch das zweite Argument trifft zu: Wer sich nie selbst ein Urteil bildet, verliert die Übung darin, so wie Kants Kind ohne Gängelwagen „schüchtern“ wird.</p>\n<p><strong>Was gegen Kant spricht.</strong> Dennoch greift die Diagnose zu kurz, wenn man sie wörtlich nimmt. Erstens ist es nicht immer Faulheit, anderen zu folgen. Niemand kann zugleich Arzt, Jurist und Ingenieur sein; einer Ärztin zu vertrauen ist in einer arbeitsteiligen Welt vernünftig, nicht feige. Zweitens unterschätzt Kant äußere Gründe. Wer keinen Zugang zu Bildung hat, ist nicht aus „Faulheit und Feigheit“ unmündig. Der Text selbst zeigt diese Grenze, wenn er „das ganze schöne Geschlecht“ in einer Klammer mitzählt, als lägen die Gründe bei den Frauen selbst und nicht in einer Gesellschaft, die ihnen damals Bildung und Rechte vorenthielt. Drittens kann gerade die Fülle an Informationen das Selbstdenken erschweren: Wer überall widersprüchliche Angaben findet, braucht Orientierung, und die sucht er bei anderen.</p>\n<p><strong>Urteil.</strong> Kants Satz bleibt richtig, aber er muss genauer gefasst werden. Unmündig ist heute nicht, wer anderen vertraut, sondern wer nicht mehr prüft, wem er vertraut. Mündigkeit heißt dann nicht, alles selbst zu wissen, sondern die eigene Urteilskraft zu gebrauchen, wenn man Quellen, Programme und Experten auswählt. In diesem Sinn ist Kants Wahlspruch „Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ für die Gegenwart sogar dringender geworden: Es ist noch bequemer, unmündig zu sein, als zu seiner Zeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\"><strong>Warum das gut ist:</strong> Teil 1 gibt den Gedankengang in Schritten mit Belegen wieder (Definition, Begriffe, Ursachen, Bild, Folgerung) und erläutert die Absicht an sprachlichen Mitteln. Die Überleitung formuliert die strittige Frage. Teil 2 prüft zuerst die Seite, die nur teilweise überzeugt, dann die Einwände, und kommt zu einem Urteil, das beide verbindet, statt sich einfach einer Seite anzuschließen. Die Argumente haben Begründung und Beispiel. Kants Thesen stehen im Konjunktiv (sei, fehle), die eigene Position im Indikativ. Die Gewichtung 40 zu 60 zeigt sich im Umfang.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · eine zweite Stelle aus demselben Text</span>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Immanuel Kant: Was ist Aufklärung? (Fortsetzung, Auszug)</span>\n<p>Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. […] Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Berlinische Monatsschrift, Bd. 4 (1784), S. 482 f. (Wikisource). Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>Erörtern Sie Kants These, dass ein Publikum sich leichter selbst aufkläre als der Einzelne.</em> Schreib den Hauptteil in Stichpunkten: zwei Argumente dafür, zwei dagegen, dann ein Urteil in einem Satz.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Mögliche Lösung zeigen</summary><div>\n<p><strong>Dafür:</strong> Gemeinsam fällt das Selbstdenken leichter, weil man sich gegenseitig ermutigt und korrigiert; Kant rechnet mit „einige[n] Selbstdenkende[n]“, die ihre Haltung „um sich verbreiten“ (S. 483). Außerdem kann ein Publikum, wenn es frei diskutieren darf, Fehler Einzelner ausgleichen, wie in einer offenen Debatte.</p>\n<p><strong>Dagegen:</strong> Ein Publikum kann auch gemeinsam irren, wenn alle denselben Vorurteilen folgen; Kant sieht diese Gefahr selbst, wenn er schreibt, ein Publikum könne „nur langsam zur Aufklärung gelangen“ (S. 484). Und Freiheit allein genügt nicht: Wo jeder nur liest, was er ohnehin glaubt, verstärkt das Publikum seine Meinungen, statt sie zu prüfen.</p>\n<p><strong>Urteil:</strong> Kants These überzeugt, aber nur unter seiner eigenen Bedingung: Ein Publikum klärt sich auf, wenn die Freiheit zum öffentlichen Streit wirklich genutzt wird, nicht schon, weil es sie gibt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eine mögliche Lösung. Die Zitate von S. 483 f. stehen im Text kurz nach dem abgedruckten Auszug.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Satzanfänge</h4>\n<ul class=\"phrase-list\">\n<li><em>Zunächst definiert der Autor … · Daran schließt er … an · Daraus folgert er …</em><span class=\"wozu\">Gedankengang</span></li>\n<li><em>Der Autor will seine Leser dazu bringen, … Darauf deutet …</em><span class=\"wozu\">Absicht</span></li>\n<li><em>Es stellt sich die Frage, ob …</em><span class=\"wozu\">Überleitung</span></li>\n<li><em>Für diese Position spricht, dass … · Ein Beispiel dafür ist …</em><span class=\"wozu\">Argument</span></li>\n<li><em>Dagegen lässt sich einwenden, … · Allerdings übersieht der Autor …</em><span class=\"wozu\">Gegenargument</span></li>\n<li><em>Wägt man beide Seiten ab, zeigt sich …</em><span class=\"wozu\">Urteil</span></li>\n</ul>\n\n<h4>Vor der Abgabe prüfen</h4>\n<ul>\n<li>Ist der Gedankengang dargestellt und nicht nur der Inhalt?</li>\n<li>Steht die strittige Frage ausdrücklich vor Teil 2?</li>\n<li>Hat jedes Argument eine Begründung und ein Beispiel?</li>\n<li>Bezieht sich die Erörterung auf den Text, nicht nur auf das Thema?</li>\n<li>Folgt das Urteil aus der Abwägung?</li>\n</ul>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Freie Erörterung zum Thema.</strong> Wer den Text nach Teil 1 vergisst, verfehlt die Aufgabe. Erörtert wird „ausgehend vom Text“.</li>\n<li><strong>Zusammenfassung statt Gedankengang.</strong> „Kant schreibt über Aufklärung“ reicht nicht. Zeig, wie ein Schritt aus dem anderen folgt.</li>\n<li><strong>Nur Zustimmung.</strong> Wer dem Text in allem recht gibt, erörtert nicht. Auch wenn du am Ende zustimmst, musst du Einwände prüfen.</li>\n<li><strong>Behauptung ohne Beispiel.</strong> „Heute denken die Menschen weniger selbst“ ist eine Meinung. Mach sie an einem Beispiel greifbar.</li>\n<li><strong>Urteil ohne Abwägung.</strong> „Ich finde beides wichtig“ ist kein Urteil. Sag, welche Seite schwerer wiegt und warum.</li>\n<li><strong>Den historischen Abstand übersehen.</strong> Ein Text von 1784 spricht unter anderen Bedingungen. Das ist kein Grund, ihn abzutun, aber ein Punkt in der Abwägung.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-eroertern\">erörtern (Operator)</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=by-de-ausdruck-ueberleitung\">Überleitungen schreiben</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-stellung-nehmen\">Stellung nehmen (Operator)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-de-beurteilen\">beurteilen (Operator)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=by-de-ausdruck-ueberleitung\">Überleitungen schreiben</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-format-eroerterung-pragmatisch -->",
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