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  "category": "Internationale Politik",
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  "lastUpdated": "2026-10-11",
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      "cat": "Internationale Politik",
      "title": "Der israelisch-palästinensische Konflikt bis Oslo",
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      "short": "Der israelisch-palästinensische Konflikt einfach erklärt: Diaspora und Zionismus, arabischer Nationalismus, Balfour-Deklaration 1917 im Wortlaut, Mandatszeit, UN-Teilungsplan, Staatsgründung Israels 1948 mit der Unabhängigkeitserklärung, Flucht und Vertreibung der Palästinenser, Jerusalem, Sechstagekrieg 1967, Oslo 1993 und Roadmap 2003, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-nahost -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Der israelisch-palästinensische Konflikt 1897–2003</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Kommt im Abitur etwas zum Nahostkonflikt dran, sollst du zeigen, dass du Zusammenhänge verstehst; Punkte gibt es für Erklären und Bewerten, nicht fürs Auswendiglernen von Daten. Im Kern ist der Nahostkonflikt ein Streit zweier Nationalbewegungen um dasselbe Land: Der Zionismus wollte nach Jahrhunderten der Zerstreuung und Verfolgung einen Staat für Juden in Palästina, die arabische Bevölkerung dort wollte selbst über ihr Land bestimmen. Großbritannien machte im Ersten Weltkrieg beiden Seiten Zusagen und verwaltete Palästina danach als Mandat. 1948 wurde der Staat Israel als Demokratie gegründet; im folgenden Krieg flohen rund 700.000 Palästinenser oder wurden vertrieben, Jerusalem wurde geteilt. Seit dem Sechstagekrieg 1967 kontrolliert Israel das Westjordanland, Ostjerusalem und Gaza. Friedensversuche wie Oslo 1993 scheiterten bisher an den Kernfragen und an Gewalt auf beiden Seiten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Gefordert auf beiden Niveaus: Diaspora und Zionismus, Nahost um 1900, Gründung Israels „als demokratischer Staat“, Entwicklungen bis 1967 („Status von Jerusalem, Situation palästinensischer Flüchtlinge, territoriale Entwicklung“) und ein Friedensversuch „z. B. Osloer Abkommen 1993, Roadmap“ (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>). eA vertieft im Modul 13.1.3 den Nahen und Mittleren Osten.</p>\n<p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: israelisch-palästinensischer Konflikt, Judentum, Antisemitismus, Holocaust bzw. Shoa, Imperialismus, Migration, Nation, Nationalismus, UNO.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Kaum ein Konflikt wird so heftig diskutiert, und kaum einer verlangt so viel Genauigkeit. Er ist kein „uralter Religionskrieg“, sondern ein Konflikt des 20. Jahrhunderts: Zwei Völker, die beide eine lange Geschichte mit diesem Land verbinden, beanspruchen dasselbe Gebiet für einen eigenen Staat.</p>\n<p>In der Klausur musst du <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">multiperspektivisch<span class=\"wort-erkl\">aus mehreren Blickwinkeln: die Erfahrungen und Ansprüche verschiedener Beteiligter darstellen, ohne eine Sicht einfach zu übernehmen</span></span> arbeiten: die jüdische und die arabisch-palästinensische Sicht darstellen und mit Belegen prüfen. Wichtige Stationen sind die Wurzeln um 1900, die Staatsgründung 1948, die Lage bis 1967 und ein Friedensversuch.</p>\n</div>\n\n<h4>Diaspora und Zionismus</h4>\n<p>Seit der Antike lebten Juden überwiegend in der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Diaspora<span class=\"wort-erkl\">griechisch „Zerstreuung“: Leben einer Religions- oder Volksgruppe außerhalb des Landes, das sie als ihre Heimat ansieht</span></span>, mit enger Bindung an das Land Israel in Religion und Gebet. Gegen den wachsenden Antisemitismus im 19. Jahrhundert, etwa die Pogrome in Russland ab 1881, entstand der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Zionismus<span class=\"wort-erkl\">politische Bewegung für eine „Heimstätte“ bzw. einen Staat der Juden in Palästina; benannt nach dem Berg Zion in Jerusalem</span></span>: Theodor Herzl schrieb 1896 „Der Judenstaat“, 1897 tagte in Basel der erste Zionistenkongress.</p>\n\n<h4>Um 1900 bis 1947: zwei Nationalbewegungen, ein Land</h4>\n<ul>\n<li>Palästina gehörte bis zum Ersten Weltkrieg zum Osmanischen Reich; die Mehrheit der Bevölkerung war arabisch. Es wanderten zunehmend Juden ein, zugleich wuchs ein <strong>arabischer Nationalismus</strong>.</li>\n<li>Großbritannien machte im Krieg widersprüchliche Zusagen: den Arabern Unabhängigkeit (Briefwechsel mit dem Scherifen Hussein 1915/16), Frankreich eine Aufteilung (Sykes-Picot 1916), den Zionisten eine „nationale Heimstätte“ (Balfour-Deklaration, M 1).</li>\n<li>Ab 1920/22 verwaltete Großbritannien Palästina als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mandat<span class=\"wort-erkl\">vom Völkerbund übertragene Verwaltung eines Gebiets durch eine Großmacht, offiziell mit dem Auftrag, es auf Selbstständigkeit vorzubereiten</span></span>. Einwanderung, besonders nach 1933 durch die Verfolgung im NS-Staat, und arabischer Widerstand führten zu Unruhen und einem Aufstand (1936–1939). 1939 beschränkte Großbritannien die jüdische Einwanderung stark.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Material: Die Balfour-Deklaration</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Erklärung des britischen Außenministers Arthur Balfour in einem Brief an Lord Rothschild, 2. November 1917</span>\n<p>„Die Regierung Seiner Majestät betrachtet die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina mit Wohlwollen und wird ihr Bestes tun, die Erreichung dieses Ziels zu erleichtern, wobei klar verstanden ist, dass nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung der Juden in irgendeinem anderen Land beeinträchtigen könnte.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Englischer Wortlaut („a national home for the Jewish people“) nach dem Avalon Project der Yale Law School; Übersetzung von uns. Amtliche Erklärung, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: „Heimstätte“ ist nicht „Staat“, das Wort blieb absichtlich unklar. Die arabische Mehrheit wird nur als „bestehende nichtjüdische Gemeinschaften“ erwähnt, und ihr werden bürgerliche und religiöse Rechte zugesagt, aber keine politischen. Genau darin steckt der spätere Konflikt. Bedenke auch das Motiv: Großbritannien suchte im Krieg Verbündete und Einfluss im Nahen Osten.</p>\n\n<h4>1947 bis 1967: Staatsgründung und Kriege</h4>\n<ul>\n<li><strong>29. November 1947:</strong> Die UN-Vollversammlung beschließt die Teilung in einen jüdischen und einen arabischen Staat, Jerusalem unter internationaler Verwaltung. Die jüdische Seite stimmt zu, die arabische lehnt ab. Es folgen Kämpfe.</li>\n<li><strong>14. Mai 1948:</strong> David Ben-Gurion ruft den Staat Israel aus. Die Unabhängigkeitserklärung verspricht, Israel werde „allen seinen Einwohnern ohne Unterschied von Religion, Rasse oder Geschlecht völlige soziale und politische Gleichberechtigung“ sichern (englischer Wortlaut nach dem Avalon Project, Übersetzung von uns). Israel wird eine parlamentarische Demokratie. Arabische Staaten greifen an.</li>\n<li><strong>Flüchtlinge:</strong> Im Krieg 1948/49 flüchten rund 700.000 bis 750.000 Palästinenser oder werden vertrieben (arabisch <em>Nakba</em>, „Katastrophe“). Israel lässt sie nicht zurückkehren; ein UN-Hilfswerk versorgt sie ab 1949/50 in Lagern in den Nachbarländern. In den folgenden Jahren wandern Hunderttausende Juden aus arabischen Ländern nach Israel aus oder werden vertrieben.</li>\n<li><strong>Jerusalem:</strong> Die Stadt wird geteilt: der Westen israelisch, der Osten mit der Altstadt und ihren heiligen Stätten jordanisch.</li>\n<li><strong>Juni 1967, Sechstagekrieg:</strong> Israel erobert Westjordanland, Ostjerusalem, Gazastreifen, Sinai und Golanhöhen. Seitdem stehen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Besatzung<span class=\"wort-erkl\">militärische Kontrolle eines Gebiets, das nicht zum eigenen Staatsgebiet gehört</span></span> und Siedlungen im Zentrum des Konflikts.</li>\n</ul>\n\n<h4>Friedensversuche</h4>\n<p>Einen Frieden mit Ägypten schloss Israel 1979 und gab den Sinai zurück. Nach dem ersten Aufstand der Palästinenser (Intifada, ab 1987) unterzeichneten Israel und die PLO am <strong>13. September 1993</strong> in Washington die Prinzipienerklärung von Oslo: gegenseitige Anerkennung, palästinensische Selbstverwaltung, offene Kernfragen (Jerusalem, Flüchtlinge, Grenzen, Siedlungen) für später. Der Prozess scheiterte an Gewalt auf beiden Seiten: 1995 ermordete ein israelischer Extremist Premier Rabin, die Hamas verübte Selbstmordanschläge, im Jahr 2000 begann die zweite Intifada. Die „Roadmap“ des Nahost-Quartetts (2003) blieb ebenfalls ohne Erfolg. Der Konflikt dauert bis heute an; nach dem Massaker der Hamas in Israel am 7. Oktober 2023 folgte ein Krieg im Gazastreifen.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Stationen bauen aufeinander auf. Der Antisemitismus in Europa machte den Zionismus stark, die Verfolgung im NS-Staat und der Holocaust machten einen eigenen Staat für viele Juden zur Überlebensfrage. Zugleich wuchs der arabische Wunsch nach Selbstbestimmung. Großbritanniens widersprüchliche Zusagen (M 1) legten beides an. Die Teilung 1947 und der Krieg 1948 entschieden die Staatsfrage für Israel, schufen aber das Flüchtlingsproblem und die Teilung Jerusalems. 1967 verschob die Grenzen und brachte Besatzung und Siedlungen. Genau diese Folgen, Jerusalem, Flüchtlinge, Grenzen, Siedlungen, sind die Kernfragen, an denen Oslo scheiterte.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Flucht oder Vertreibung 1948?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ältere israelische Darstellung:</strong> Die Palästinenser seien vor allem auf Aufrufe arabischer Führer und aus Angst vor dem Krieg geflohen.</li>\n<li><strong>Palästinensische Darstellung:</strong> Die Nakba sei eine geplante Vertreibung gewesen.</li>\n<li><strong>„Neue Historiker“:</strong> Israelische Forscher wie Benny Morris werteten ab den 1980er-Jahren Archive aus und zeigten ein gemischtes Bild: Flucht aus Angst, Vertreibungen und Massaker in manchen Orten, kein durchgehender Gesamtplan. Auch das ist umstritten.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen und Daten: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Perspektiven:</strong> Jüdische und palästinensische Erfahrungen, Großmächte, Nachbarstaaten.</li>\n<li><strong>Völkerrecht:</strong> UN-Beschlüsse, Recht auf Selbstbestimmung, Schutz der Zivilbevölkerung.</li>\n<li><strong>Ursachen des Scheiterns:</strong> Kernfragen, Gewalt, Misstrauen, innere Gegner des Friedens auf beiden Seiten.</li>\n<li><strong>Sprache:</strong> Begriffe wie „Nakba“ oder „Unabhängigkeitskrieg“ zeigen eine Perspektive.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an den Lehrplan: Gründung Israels „als demokratischer Staat“ und ein Friedensversuch, „z. B. Osloer Abkommen 1993, Roadmap“)</span>\n<p>1. Arbeiten Sie heraus, was Großbritannien in M 1 zusagt und was es offenlässt. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie die Entwicklung von der Staatsgründung 1948 bis 1967 im Hinblick auf Jerusalem, Flüchtlinge und Grenzen. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, warum der Friedensprozess von Oslo scheiterte. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Zusage: Unterstützung einer „nationalen Heimstätte“ für das jüdische Volk in Palästina; Schutz der bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung und der Rechte der Juden anderswo. Offen: was „Heimstätte“ heißt, Grenzen, politische Rechte der arabischen Mehrheit. Einordnung: Kriegsziele Großbritanniens, Widerspruch zu den Zusagen an Hussein.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Teilungsplan 1947, Ausrufung Israels und Krieg 1948/49; rund 700.000 bis 750.000 palästinensische Flüchtlinge ohne Rückkehr, Lager in Nachbarländern; jüdische Auswanderung aus arabischen Ländern; Jerusalem geteilt; Grenzen der Waffenstillstandslinien bis 1967, dann Eroberung von Westjordanland, Ostjerusalem, Gaza, Sinai, Golan.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Gründe: Kernfragen vertagt, Siedlungsbau ging weiter, Terror der Hamas, Mord an Rabin, Misstrauen, Scheitern der Verhandlungen 2000 und zweite Intifada. Ein gelungenes Urteil zeigt, dass Gegner des Friedens auf beiden Seiten handelten und die vertagten Kernfragen den Prozess verwundbar machten. Für die oberen Noten: Du stellst beide Perspektiven dar und gewichtest die Gründe.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Warum sprechen Historiker von „zweimal versprochenem Land“? Ein Satz mit Belegen.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Weil Großbritannien im Ersten Weltkrieg sowohl den Arabern Unabhängigkeit in Aussicht stellte (Briefwechsel mit dem Scherifen Hussein 1915/16) als auch den Zionisten eine nationale Heimstätte in Palästina zusagte (Balfour-Deklaration 1917).</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Nur eine Perspektive.</strong> Die Aufgabe verlangt, beide Nationalbewegungen und ihre Erfahrungen zu berücksichtigen.</li>\n<li><strong>Konflikt als uralter Religionskrieg.</strong> Im Kern ist es ein Konflikt zweier Nationalbewegungen um dasselbe Land, seit dem späten 19. Jahrhundert.</li>\n<li><strong>„Heimstätte“ gleich „Staat“.</strong> M 1 versprach bewusst keinen Staat.</li>\n<li><strong>Daten verwechseln.</strong> 1948 Staatsgründung, 1967 Besetzung der heutigen Palästinensergebiete, 1993 Oslo.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=by-ge-holocaust\">Entrechtung und Völkermord 1933–1945</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Internationale+Politik&card=by-ge-usa\">Die USA als Weltmacht seit 1945</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-karte\">Geschichtskarten und Historischer Atlas</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-urteil\">Sachurteil und Werturteil</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-nation\">Nation und Nationalstaat: Deutschland, Frankreich, Polen</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-nahost -->"
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    {
      "id": "by-ge-usa",
      "cat": "Internationale Politik",
      "title": "Die USA als Weltmacht seit 1945",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Die USA als Weltmacht seit 1945 einfach erklärt: Führungsmacht des Westens mit Containment, Truman-Doktrin, Marshallplan und NATO, Krisen und Entspannung im Kalten Krieg, einzige Supermacht und NATO-Osterweiterung nach 1990, „Krieg gegen den Terror“ mit Bushs Rede vom 20. September 2001 im Wortlaut, Hinwendung zum Pazifik und „America First“, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-usa -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Die USA als Weltmacht 1945–2020</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du zur Rolle der USA nach 1945 eine Quelle oder Darstellung und sollst sie einordnen und beurteilen; Punkte gibt es für Belege am Material und ein begründetes Urteil, nicht fürs Aufzählen von Jahreszahlen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die USA zur Führungsmacht des Westens: Mit Wirtschaftshilfe, Bündnissen und Militär wollten sie die Ausbreitung des Kommunismus eindämmen. Im Kalten Krieg wechselten heiße Krisen wie Korea, Kuba und Vietnam mit Phasen der Entspannung. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 waren die USA die einzige Supermacht und trieben die Erweiterung der NATO nach Osten voran. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 führten sie einen weltweiten „Krieg gegen den Terror“ mit Kriegen in Afghanistan und im Irak, die ihr Ansehen schwächten. Seitdem richten sie den Blick stärker auf China und den pazifischen Raum.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Gefordert: USA als Führungsmacht des Westens im Kalten Krieg; eA zusätzlich die „geopolitische und strategische Neuausrichtung der Außenpolitik seit Beginn der 2000er-Jahre, u. a. pazifischer Raum, NATO-Osterweiterung“. Dazu das Agieren der Großmächte im 21. Jh. an Beispielen, auf gA „im Rahmen der UNO“ (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>).</p>\n<p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: 1961/62 Kuba-Krise, Kalter Krieg, NATO, Hegemonie, Osterweiterung der EU, 11. September 2001 Anschlag auf das World Trade Center in New York, UNO.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Weltmacht<span class=\"wort-erkl\">Staat, der wirtschaftlich, militärisch und politisch auf der ganzen Welt Einfluss ausübt</span></span> ist ein Staat, an dem in der internationalen Politik niemand vorbeikommt. Die USA sind das seit 1945. Fachleute sprechen auch von <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Hegemonie<span class=\"wort-erkl\">Vorherrschaft eines Staates über andere, oft nicht nur durch Zwang, sondern auch durch Bündnisse, Wirtschaft und Ansehen</span></span>: einer Vorherrschaft, die viele Partner freiwillig mittragen.</p>\n<p>In der Klausur sollst du die Phasen der US-Außenpolitik unterscheiden und erklären, wie sich die Rolle der USA nach dem Ende des Kalten Krieges und nach 2001 wandelte. Dazu gehört die Frage, wie die USA mit den Vereinten Nationen umgingen.</p>\n</div>\n\n<h4>Eindämmung im Kalten Krieg</h4>\n<p>Nach 1945 stehen sich zwei Supermächte gegenüber. Die USA setzen auf <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Containment<span class=\"wort-erkl\">„Eindämmung“: Politik, die eine weitere Ausbreitung des sowjetischen Einflusses verhindern soll, mit Wirtschaftshilfe, Bündnissen und Militär</span></span>:</p>\n<ul>\n<li><strong>Truman-Doktrin</strong> (März 1947): Unterstützung „freier Völker“ gegen kommunistischen Druck.</li>\n<li><strong>Marshallplan</strong> (ab 1948): Wiederaufbauhilfe für Westeuropa, auch für Westdeutschland.</li>\n<li><strong>NATO</strong> (April 1949): Militärbündnis des Westens unter Führung der USA.</li>\n</ul>\n\n<h4>Heiße Krisen und Entspannung</h4>\n<ul>\n<li><strong>Korea-Krieg</strong> (1950–1953) und <strong>Vietnam-Krieg</strong> (US-Kampftruppen 1965–1973): Stellvertreterkriege; Vietnam erschüttert das Vertrauen der US-Bevölkerung.</li>\n<li><strong>Kuba-Krise</strong> (Oktober 1962): Sowjetische Raketen auf Kuba bringen die Welt an den Rand eines Atomkriegs. Danach heißer Draht und Rüstungskontrolle.</li>\n<li><strong>Entspannung</strong> in den 1970er-Jahren, erneute Konfrontation unter Reagan in den 1980er-Jahren, dann Ende des Kalten Kriegs 1989–1991.</li>\n</ul>\n\n<h4>Einzige Supermacht nach 1990</h4>\n<p>Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind die USA militärisch und wirtschaftlich unangefochten. Sie führen 1991 nach dem irakischen Überfall auf Kuwait eine vom UN-Sicherheitsrat gebilligte Koalition im Golfkrieg und treiben die <strong>NATO-Osterweiterung</strong> voran (1999 Polen, Tschechien, Ungarn; 2004 sieben weitere Staaten).</p>\n\n<h4>Neuausrichtung nach 2001</h4>\n<p>Nach den Anschlägen vom <strong>11. September 2001</strong> erklärt Präsident George W. Bush den „Krieg gegen den Terror“: Afghanistan (ab Oktober 2001), Irak (2003, ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats). Die Kosten und das Scheitern im Irak schwächen das Ansehen der USA. Unter Obama verlagert sich der Schwerpunkt in den <strong>pazifischen Raum</strong>, wo China als Rivale wächst; unter Trump (ab 2017) rückt „America First“ eigene Interessen vor Bündnisse und internationale Abkommen. 2021 zogen die USA aus Afghanistan ab, die Taliban übernahmen wieder die Macht.</p>\n\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · George W. Bush, Rede vor beiden Kammern des Kongresses, 20. September 2001 (Auszüge)</span>\n<p>„Unser Krieg gegen den Terror beginnt mit Al-Qaida, aber er endet nicht dort. Er wird nicht enden, bis jede Terrorgruppe mit weltweiter Reichweite gefunden, gestoppt und besiegt ist. […] Jede Nation in jeder Region muss jetzt eine Entscheidung treffen: Entweder ihr seid mit uns, oder ihr seid mit den Terroristen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Englischer Wortlaut („Either you are with us, or you are with the terrorists“) nach The American Presidency Project (University of California, Santa Barbara); Übersetzung von uns. Rede eines US-Präsidenten im Amt, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Bush beschreibt einen Krieg ohne festes Ende und ohne festen Gegner, und er teilt die Welt in zwei Lager. Neutralität ist nicht vorgesehen. In derselben Rede betont er, der Feind seien nicht die Muslime, sondern ein Netzwerk von Terroristen und Regierungen, die es unterstützen. Daraus folgte die „Bush-Doktrin“: notfalls auch vorbeugend und allein handeln.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Durch alle Phasen zieht sich dieselbe Frage: Wie nutzen die USA ihre Macht? Im Kalten Krieg band die Eindämmung die USA an Bündnisse und Partner, auch durch Hilfe wie den Marshallplan, und sie wirkten oft über die Vereinten Nationen. Nach 1990 fehlte der Gegner, der die Bündnisse zusammengehalten hatte; die NATO wuchs nach Osten, was Russland als Bedrohung ansah. Der 11. September führte zu einem neuen Feindbild (M 1) und zu Kriegen, beim Irak ohne Zustimmung des Sicherheitsrats. Die hohen Kosten dieser Kriege und der Aufstieg Chinas erklären die Hinwendung zum Pazifik und den Rückzug unter „America First“.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Ordnungsmacht oder Imperium?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ordnungsmacht:</strong> Für die einen schufen die USA nach 1945 eine Ordnung aus Bündnissen, Freihandel und internationalen Organisationen, von der auch andere profitierten.</li>\n<li><strong>Imperium:</strong> Für die anderen setzten sie ihre Interessen auch mit Gewalt durch, stützten Diktaturen, wenn sie gegen den Kommunismus standen, und missachteten das Völkerrecht, etwa im Irak 2003.</li>\n<li><strong>Niedergang:</strong> Strittig ist auch, ob die USA seit 2001 an Macht verlieren und die Welt multipolar wird, mit China, Russland und anderen Mächten.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen und Daten: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ziele und Mittel:</strong> Hilfe, Bündnisse oder Krieg?</li>\n<li><strong>Völkerrecht und UNO:</strong> Handeln mit oder ohne Mandat?</li>\n<li><strong>Folgen:</strong> für Partner, Gegner und die eigene Bevölkerung.</li>\n<li><strong>Perspektive:</strong> Westeuropa, Osteuropa, Russland, die arabische Welt, China.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an den Lehrplan: „geopolitische und strategische Neuausrichtung der Außenpolitik seit Beginn der 2000er-Jahre, u. a. pazifischer Raum, NATO-Osterweiterung“)</span>\n<p>1. Geben Sie wieder, wie Bush in M 1 den „Krieg gegen den Terror“ bestimmt. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie die Neuausrichtung der US-Außenpolitik seit 2001. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob die USA nach 1990 ihre Rolle als Führungsmacht verantwortungsvoll genutzt haben. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Beginn mit Al-Qaida, Ziel die Niederlage jeder Terrorgruppe mit weltweiter Reichweite, also ohne absehbares Ende; alle Staaten müssen sich entscheiden, Neutralität gibt es nicht. Einordnung: neun Tage nach den Anschlägen.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Afghanistan ab Oktober 2001, Irak 2003 ohne Mandat des Sicherheitsrats, Sicherheitsgesetze; Schwerpunkt Pazifik unter Obama wegen Chinas Aufstieg; NATO-Osterweiterung 1999 und 2004; „America First“ unter Trump; Abzug aus Afghanistan 2021.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Dafür:</em> Golfkrieg 1991 mit UN-Billigung, Sicherheit für Osteuropa durch NATO und EU, Kampf gegen Terror nach einem Angriff. <em>Dagegen:</em> Irak 2003 ohne Mandat und mit falschen Begründungen, hohe Opferzahlen, Folter in Gefängnissen, Spannungen mit Russland, Rückzug aus Abkommen. Ein gelungenes Urteil wägt ab und trennt Phasen. Für die oberen Noten: Du nennst den Forschungsstreit.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Zeige an einem Beispiel, dass Containment nicht nur militärisch war.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Der Marshallplan: Mit Krediten und Lieferungen sollte Westeuropa wirtschaftlich stabil werden, damit kommunistische Parteien keine Mehrheiten gewinnen. Zugleich band er Westeuropa wirtschaftlich an die USA.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Kalter Krieg heißt kein Krieg.</strong> Zwischen den Supermächten direkt nicht, aber in Stellvertreterkriegen starben Millionen.</li>\n<li><strong>Irak-Krieg 2003 mit UN-Mandat.</strong> Es gab keins.</li>\n<li><strong>NATO-Osterweiterung 1990.</strong> Die ersten Ostbeitritte kamen 1999.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=by-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Internationale+Politik&card=by-ge-sowjetunion-russland\">Sowjetunion und Russland seit 1945</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Internationale+Politik&card=by-ge-china\">China seit 1949: von Mao zur Weltmacht</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-ge-op-beurteilen\">Beurteilen, bewerten, Stellung nehmen, diskutieren (AFB III)</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-usa -->"
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    {
      "id": "by-ge-sowjetunion-russland",
      "cat": "Internationale Politik",
      "title": "Sowjetunion und Russland seit 1945",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Sowjetunion und Russland einfach erklärt: Stalinismus, Führungsmacht des Ostblocks, Ära Gorbatschow mit Glasnost und Perestroika, Zerfall 1991 mit dem Minsker Abkommen im Wortlaut, GUS, Transformation und Oligarchen, Putins Russland bis zum Krieg gegen die Ukraine, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-sowjetunion-russland -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Sowjetunion und Russland 1928–2022</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Unter Stalin wurde die Sowjetunion mit Terror und Zwang zur Industriemacht und nach 1945 zur Führungsmacht des Ostblocks. Ab 1985 wollte Michail Gorbatschow das erstarrte System mit Offenheit und Umbau retten, doch die Reformen setzten Kritik und Nationalbewegungen frei. Im Dezember 1991 erklärten Russland, die Ukraine und Belarus, die Sowjetunion höre auf zu bestehen. Russland erlebte danach einen harten Übergang zur Marktwirtschaft; seit 2000 baut Wladimir Putin einen autoritären Staat auf und sucht die verlorene Großmachtrolle zurück, bis zum Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022. In der Klausur erklärst du Ursachen und Folgen des Zerfalls und beurteilst Russlands Kurs.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Stalinismus und die Sowjetunion als Führungsmacht nach 1945 stehen nur auf eA. Auf gA beginnt der Stoff mit dem „Zerfall der Sowjetunion ab den 1980er-Jahren“ und der „Neuausrichtung Russlands seit den 1990er-Jahren“ (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>).</p>\n<p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: ab 1989/90 Umbruch im Ostblock, Kommunismus, Sozialismus, Planwirtschaft, Kalter Krieg, Menschenrechte.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Sowjetunion<span class=\"wort-erkl\">Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), 1922 gegründeter Bundesstaat; zuletzt 15 Teilrepubliken, regiert von der Kommunistischen Partei</span></span> war ein Vielvölkerstaat aus zuletzt 15 Teilrepubliken. Russland war die größte davon, aber nicht das Ganze. Die Kommunistische Partei beanspruchte die alleinige Macht, die Wirtschaft wurde nach staatlichen Plänen gelenkt.</p>\n<p>Die Karte verfolgt eine lange Linie: Wie entstand diese Macht, wie hielt sie ihr Imperium in Osteuropa zusammen, warum brach sie 1991 so schnell zusammen, und was wurde danach aus Russland? Die Frage, wie Russland mit dem Verlust umgeht, führt direkt in die Gegenwart.</p>\n</div>\n\n<h4>Stalinismus</h4>\n<p>Unter Josef Stalin wurde die Sowjetunion ab Ende der 1920er-Jahre zur Diktatur eines Mannes. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Fünfjahrpläne<span class=\"wort-erkl\">staatliche Wirtschaftspläne, die Produktionsziele für fünf Jahre vorgaben; Kern der Planwirtschaft</span></span> erzwangen die Industrialisierung. Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Zwangskollektivierung<span class=\"wort-erkl\">gewaltsame Überführung der Bauernhöfe in staatliche oder genossenschaftliche Großbetriebe (Kolchosen); wer sich wehrte, wurde enteignet, deportiert oder getötet</span></span> führte 1932/33 zu Hungersnöten mit Millionen Toten, besonders in der Ukraine. Im „Großen Terror“ 1936–1938 wurden Hunderttausende hingerichtet, Millionen kamen in die Lager des <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Gulag<span class=\"wort-erkl\">russische Abkürzung für die Hauptverwaltung der Straflager; steht für das ganze System der sowjetischen Zwangsarbeitslager</span></span>. Dazu kam ein Personenkult um Stalin.</p>\n\n<h4>Führungsmacht des Ostblocks</h4>\n<p>Nach dem Sieg über Deutschland 1945 errichtete die Sowjetunion in Ostmitteleuropa kommunistische Regime. Sie führte den Warschauer Pakt (1955) und schlug Reformversuche nieder: Ungarn 1956, Prager Frühling 1968. Danach galt die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Breschnew-Doktrin<span class=\"wort-erkl\">Grundsatz nach Leonid Breschnew (1968): Die sozialistischen Staaten hätten nur begrenzte Souveränität, die Sowjetunion dürfe eingreifen, wenn der Sozialismus gefährdet sei</span></span>. Nach Stalins Tod (1953) rechnete Nikita Chruschtschow 1956 mit dessen Verbrechen ab, das Machtmonopol der Partei blieb. Wettrüsten und der Krieg in Afghanistan (1979–1989) überforderten die Wirtschaft, die Versorgung wurde schlechter.</p>\n\n<h4>Die Ära Gorbatschow</h4>\n<ul>\n<li><strong>1985</strong> wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der Partei. <strong>Glasnost</strong> (Offenheit) erlaubte Kritik und die Aufarbeitung der Stalinzeit, <strong>Perestroika</strong> (Umbau) sollte die Wirtschaft beleben.</li>\n<li>Nach außen setzte er auf Abrüstung und gab die Breschnew-Doktrin auf. 1989 griff die Sowjetunion nicht ein, als die Völker Ostmitteleuropas ihre Regime stürzten. 1990 stimmte er der deutschen Einheit zu.</li>\n<li>Die Reformen brachten mehr Freiheit, aber keinen Wohlstand. Die Teilrepubliken, zuerst die baltischen, strebten nach Unabhängigkeit.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Material: Das Ende der Sowjetunion</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Abkommen über die Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, Minsk, 8. Dezember 1991 (Präambel, Auszug)</span>\n<p>„Wir, die Republik Belarus, die Russische Föderation (RSFSR), die Ukraine als Gründerstaaten der UdSSR, die den Unionsvertrag von 1922 unterzeichnet haben, […] stellen fest, dass die UdSSR als Subjekt des Völkerrechts und als geopolitische Wirklichkeit aufhört zu bestehen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Russischer Wortlaut nach Wikisource (Quelle dort: Staatsarchiv-Portal rusarchives.ru); Übersetzung von uns. Amtlicher Vertragstext, ohne Urheberrecht.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Nicht Moskau löste die Union auf, sondern drei Republiken erklärten sie für beendet, mit dem Argument, sie hätten sie 1922 gegründet. Gorbatschow war nicht beteiligt. Am 21. Dezember 1991 traten in Alma-Ata elf Republiken der neuen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">GUS<span class=\"wort-erkl\">Gemeinschaft Unabhängiger Staaten: lockerer Verbund früherer Sowjetrepubliken ohne gemeinsame Regierung</span></span> bei, am 25. Dezember trat Gorbatschow zurück. Vorausgegangen war im August 1991 ein gescheiterter Putsch von Gegnern der Reformen, der Gorbatschow schwächte und Boris Jelzin, den Präsidenten Russlands, stärkte.</p>\n\n<h4>Russland seit 1991</h4>\n<ul>\n<li><strong>Transformation unter Jelzin:</strong> Russland wurde eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Transformationsgesellschaft<span class=\"wort-erkl\">Gesellschaft im Übergang von Planwirtschaft und Einparteiendiktatur zu Marktwirtschaft und (angestrebter) Demokratie</span></span>. Rasche Privatisierung, Inflation und Armut prägten die 1990er-Jahre; 1998 kam eine schwere Finanzkrise. Wenige <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Oligarchen<span class=\"wort-erkl\">Unternehmer, die bei der Privatisierung riesige Staatsbetriebe billig erwarben und mit ihrem Reichtum politischen Einfluss gewannen</span></span> wurden sehr reich. Dazu kam der Krieg in Tschetschenien.</li>\n<li><strong>Putin ab 2000:</strong> Er stellte die Macht des Zentralstaats wieder her, unterwarf Medien und Oligarchen und schaltete politische Gegner aus. Hohe Öl- und Gaspreise brachten zunächst Wohlstand.</li>\n<li><strong>Außenpolitik:</strong> Die NATO-Osterweiterung bezeichnete die russische Führung als Bedrohung. Es folgten der Krieg gegen Georgien (2008), die Annexion der Krim (2014), der von Russland unterstützte Krieg im Osten der Ukraine und der Angriffskrieg gegen die Ukraine (seit 24. Februar 2022). Im UN-Sicherheitsrat blockiert Russland mit seinem Vetorecht Beschlüsse gegen sich.</li>\n</ul>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Wladimir Putin, Botschaft an die Föderationsversammlung, 25. April 2005 (Auszug)</span>\n<p>„Vor allem ist anzuerkennen, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion die größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts war. Für das russische Volk wurde er zu einem echten Drama. Zig Millionen unserer Mitbürger und Landsleute fanden sich außerhalb des russischen Territoriums wieder.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Russischer Wortlaut nach kremlin.ru (Abschrift der Rede); Übersetzung von uns.</p>\n</div>\n<p>M 2 zeigt, wie Putin den Zerfall deutet: nicht als Befreiung der Völker, sondern als Verlust für Russland. Die Rede von Russen „außerhalb des russischen Territoriums“ diente später als Begründung für Eingriffe in Nachbarstaaten.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Linie hängt zusammen: Der Stalinismus schuf die Planwirtschaft und das Machtmonopol der Partei, die die Sowjetunion zur Weltmacht machten, aber erstarren ließen. Die Herrschaft über den Ostblock beruhte auf Gewalt; als Gorbatschow auf sie verzichtete, fiel erst der Ostblock (1989), dann die Union selbst (1991). Die harte Transformation der 1990er-Jahre ließ viele Russen Demokratie mit Chaos verbinden. Daran knüpfte Putin an, der den Zerfall als Katastrophe deutet (M 2) und Russlands Einfluss im früheren sowjetischen Raum mit Gewalt zurückgewinnen will.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Warum zerfiel die Sowjetunion?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Wirtschaftliches Versagen:</strong> Die Planwirtschaft konnte nicht mithalten, Wettrüsten und Afghanistan kosteten zu viel.</li>\n<li><strong>Druck von außen:</strong> Manche betonen die Aufrüstung der USA unter Ronald Reagan in den 1980er-Jahren.</li>\n<li><strong>Nationalitäten:</strong> Die Unabhängigkeitsbewegungen der Republiken sprengten den Vielvölkerstaat.</li>\n<li><strong>Die Rolle Gorbatschows:</strong> Andere sehen die Ursache in seinen Reformen selbst: Glasnost nahm der Partei die Kontrolle, ohne dass Perestroika Wohlstand brachte.</li>\n</ul>\n<p>Auch Russlands Kurs seit 2000 ist umstritten: Einige deuten ihn vor allem als Antwort auf die NATO-Osterweiterung, viele Fachleute sehen eher ein imperiales Denken und das Interesse des Regimes, sich gegen Demokratie im Inneren und in den Nachbarländern zu sichern. Das sind Deutungen, keine Tatsachen.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Absicht und Folge:</strong> Gorbatschow wollte das System retten, nicht abschaffen.</li>\n<li><strong>Gewicht der Ursachen:</strong> Was war Voraussetzung, was Auslöser?</li>\n<li><strong>Perspektive:</strong> Für Balten, Polen oder Ukrainer war das Ende eine Befreiung, für viele Russen ein Verlust.</li>\n<li><strong>Völkerrecht:</strong> Die Annexion der Krim und der Krieg von 2022 verletzen die Souveränität eines anderen Staates, unabhängig von der Begründung.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an den Lehrplan: „den Zusammenbruch der Sowjetunion erklären und deren Folgen bewerten“)</span>\n<p>1. Geben Sie wieder, wie M 1 das Ende der Sowjetunion begründet. (AFB I)</p>\n<p>2. Erklären Sie den Zusammenbruch der Sowjetunion aus inneren und äußeren Ursachen. (AFB II)</p>\n<p>3. Bewerten Sie die Folgen des Zusammenbruchs für Russland. Beziehen Sie M 2 ein. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Drei Gründerstaaten von 1922 (Belarus, Russland, Ukraine) stellen fest, die UdSSR bestehe als Völkerrechtssubjekt und geopolitische Wirklichkeit nicht mehr. Sie leiten ihr Recht dazu aus der Gründung von 1922 ab.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> <em>Innen:</em> stagnierende Planwirtschaft, Versorgungsmängel, Kosten von Rüstung und Afghanistan, Glasnost als Freiraum für Kritik, Nationalbewegungen, Putsch im August 1991 und Aufstieg Jelzins. <em>Außen:</em> Wettrüsten mit den USA, Ende des Ostblocks 1989 als Vorbild für die Republiken.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Folgen: Unabhängigkeit der Republiken, GUS, Transformation mit Armut und Oligarchen, später autoritäre Stabilisierung unter Putin. M 2 deutet den Zerfall als Katastrophe; das ist die Sicht eines Machthabers, der Russlands Einfluss zurückgewinnen will, und verschweigt die Befreiung anderer Völker. Ein gelungenes Urteil wägt ab: wirtschaftlich und sozial zunächst ein Absturz, politisch die Chance auf Demokratie, die nicht genutzt wurde. Für die oberen Noten: Du ordnest M 2 als Begründung späterer Außenpolitik ein.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Gorbatschow wollte die Sowjetunion retten und beschleunigte ihr Ende. Erkläre den Widerspruch.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Glasnost erlaubte offene Kritik, auch an der Geschichte und an der Herrschaft der Partei. Perestroika brachte keinen schnellen Wohlstand, aber mehr Freiheit. Dadurch verlor die Partei ihre Kontrolle, und die Nationalbewegungen der Teilrepubliken konnten sich organisieren.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Sowjetunion gleich Russland.</strong> Russland war eine von 15 Teilrepubliken.</li>\n<li><strong>Stalinismus nur als Terror.</strong> Dazu gehören auch Planwirtschaft, Industrialisierung und Personenkult.</li>\n<li><strong>Zerfall 1989.</strong> 1989 fiel der Ostblock, die Sowjetunion zerfiel im Dezember 1991.</li>\n<li><strong>Gorbatschow löste die Union auf.</strong> Das taten die Republiken (M 1); er trat danach zurück.</li>\n<li><strong>Putins Deutung übernehmen.</strong> M 2 ist eine politische Sicht, keine neutrale Darstellung.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Internationale+Politik&card=by-ge-usa\">Die USA als Weltmacht seit 1945</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Internationale+Politik&card=by-ge-china\">China seit 1949: von Mao zur Weltmacht</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=by-ge-einheit\">Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=by-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-sowjetunion-russland -->"
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      "cat": "Internationale Politik",
      "title": "China seit 1949: von Mao zur Weltmacht",
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      "short": "China seit 1911 einfach erklärt: Ende des Kaiserreichs, Bürgerkrieg und Revolution, Maoismus mit Großem Sprung und Kulturrevolution, das Urteil der Partei über Mao von 1981 im Wortlaut, Reform und Öffnung unter Deng, Tiananmen 1989, Aufstieg zur Weltmacht unter Xi, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-china -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>China 1911–2020: von der Revolution zur Weltmacht</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Kommt im Abitur etwas zu China im 20. Jahrhundert dran, sollst du zeigen, dass du Zusammenhänge verstehst; Punkte gibt es für Erklären und Bewerten, nicht fürs Auswendiglernen von Daten. Nach dem Ende des Kaiserreichs 1911 kämpften in China Nationalisten und Kommunisten jahrzehntelang um die Macht, unterbrochen vom Krieg gegen Japan. 1949 siegten die Kommunisten unter Mao Zedong und gründeten die Volksrepublik. Maos Kampagnen, der „Große Sprung nach vorn“ und die Kulturrevolution, kosteten Millionen Menschen das Leben. Ab 1978 öffnete Deng Xiaoping die Wirtschaft für Markt und ausländisches Kapital, hielt aber an der Alleinherrschaft der Partei fest, wie die Niederschlagung der Proteste 1989 zeigte. Aus diesem Weg wuchs eine Weltmacht, die heute mit den USA um Einfluss ringt.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Maoismus steht nur auf eA. Auf gA beginnt der Stoff mit der „Transformation Chinas ab Mitte der 1970er-Jahre und der Weg zur Weltmacht“ (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>). In den ISB-Beispielaufgaben (eA) kommt die Atlaskarte „Wirtschaftsentwicklung in China seit 1980“ vor.</p>\n<p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: Globalisierung, Hegemonie, Kommunismus, Menschenrechte, UNO.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>China ist heute nach den USA die größte Volkswirtschaft der Welt, und es wird von einer Kommunistischen Partei regiert. Wie passt das zusammen? Die Antwort liegt in einer Geschichte voller Brüche: vom Kaiserreich über Bürgerkrieg und Maos <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Massenkampagnen<span class=\"wort-erkl\">von der Partei angestoßene Bewegungen, bei denen Millionen Menschen ein politisches oder wirtschaftliches Ziel in kurzer Zeit erreichen sollten, oft mit Zwang und Gewalt</span></span> bis zur Marktwirtschaft unter Parteiherrschaft.</p>\n<p>In der Klausur sollst du die Phasen unterscheiden und erklären, was sich wandelte und was blieb. Ein Schlüssel ist die Frage, wie die Partei selbst mit Mao umgeht: Sie verurteilt Teile seiner Politik und hält ihn zugleich als Gründer hoch.</p>\n</div>\n\n<h4>Bürgerkrieg und Revolution 1911–1949</h4>\n<ul>\n<li><strong>1911/12:</strong> Eine Revolution beendet das Kaiserreich, China wird Republik. Das Land zerfällt bald in Gebiete von Militärmachthabern.</li>\n<li><strong>Zwei Parteien:</strong> Die Nationale Volkspartei (Guomindang) unter Sun Yat-sen und später Chiang Kai-shek will China einen; 1921 wird die Kommunistische Partei gegründet. 1927 bricht Chiang mit den Kommunisten und lässt viele töten.</li>\n<li><strong>Langer Marsch (1934/35):</strong> Die Kommunisten ziehen sich in den Norden zurück, Mao steigt zum Führer auf. Er setzt auf die Bauern als revolutionäre Kraft.</li>\n<li><strong>Krieg gegen Japan (1937–1945)</strong> und danach Bürgerkrieg: Die Kommunisten gewinnen mit Unterstützung der Landbevölkerung, Chiang flieht 1949 nach Taiwan.</li>\n</ul>\n\n<h4>Mao und die Volksrepublik</h4>\n<p>Am <strong>1. Oktober 1949</strong> ruft Mao Zedong nach dem Sieg im Bürgerkrieg die Volksrepublik China aus. Der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Maoismus<span class=\"wort-erkl\">Maos Form des Kommunismus: Bauern statt Industriearbeiter als revolutionäre Kraft, Massenkampagnen, ständige Revolution, Personenkult</span></span> prägt das Land bis 1976:</p>\n<ul>\n<li><strong>„Großer Sprung nach vorn“</strong> (1958–1961): Volkskommunen und Zwangsziele sollen China in kurzer Zeit industrialisieren. Folge ist eine der schwersten Hungersnöte der Geschichte: Die Schätzungen reichen von mindestens 20 bis über 40 Millionen Toten.</li>\n<li><strong>Kulturrevolution</strong> (1966–1976): Mao mobilisiert Rote Garden gegen „bürgerliche“ Kräfte; Verfolgung, Gewalt, Zerstörung von Kulturgütern.</li>\n<li><strong>Außenpolitik:</strong> Bruch mit der Sowjetunion um 1960, Annäherung an die USA (Nixon in Peking 1972); seit 1971 hat die Volksrepublik den chinesischen Sitz in der UNO und im Sicherheitsrat.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Material: Die Partei urteilt über Mao</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Resolution des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas „über einige Fragen der Geschichte unserer Partei“, 27. Juni 1981 (Auszüge aus Ziffer 19 und 27)</span>\n<p>„Die ‚Kulturrevolution‘, die von Mai 1966 bis Oktober 1976 dauerte, war verantwortlich für den schwersten Rückschlag und die schwersten Verluste, die Partei, Staat und Volk seit Gründung der Volksrepublik erlitten haben. Sie wurde von Genosse Mao Zedong begonnen und geführt. […] Es ist wahr, dass er während der ‚Kulturrevolution‘ grobe Fehler machte, aber wenn wir seine Tätigkeit als Ganzes beurteilen, überwiegen seine Beiträge zur chinesischen Revolution seine Fehler bei weitem. Seine Verdienste sind das Wichtigere, seine Fehler das Zweitrangige.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Englische Fassung der Partei („His merits are primary and his errors secondary“) nach marxists.org; Übersetzung von uns. Kurzes Zitat zum Zweck der Analyse.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Die Partei unter Deng verurteilt die Kulturrevolution deutlich und nennt Mao als Verantwortlichen, hält ihn aber als Gründer hoch. Das hat einen Grund: Wer Mao ganz verwirft, stellt auch die Herrschaft der Partei in Frage, die er gegründet hat. Den „Großen Sprung“ behandelt die Resolution viel milder: Fehler hätten zusammen mit Naturkatastrophen und dem Vertragsbruch der Sowjetunion zu „ernsten Schwierigkeiten“ und „ernsten Verlusten“ geführt; von Millionen Hungertoten spricht sie nicht.</p>\n\n<h4>Deng Xiaoping: Reform und Öffnung</h4>\n<p>Nach Maos Tod (1976) setzt sich Deng durch. Ab Ende 1978 lässt er Bauern wieder für den Markt produzieren, öffnet <strong>Sonderwirtschaftszonen</strong> wie Shenzhen (ab 1980) für ausländisches Kapital und Marktpraktiken. Das Ziel: Wachstum unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei, eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„sozialistische Marktwirtschaft“<span class=\"wort-erkl\">offizielle chinesische Bezeichnung für eine Wirtschaft mit Märkten und Privatunternehmen unter Kontrolle der Kommunistischen Partei</span></span>. Als Studierende 1989 Demokratie fordern, lässt die Führung die Proteste auf dem <strong>Platz des Himmlischen Friedens</strong> (Tiananmen) am 4. Juni 1989 blutig niederschlagen.</p>\n\n<h4>Aufstieg zur Weltmacht</h4>\n<p>China wird zur „Werkbank der Welt“, tritt 2001 der Welthandelsorganisation bei und ist heute zweitgrößte Volkswirtschaft. Unter Xi Jinping (Parteichef seit 2012) wächst die Kontrolle nach innen (Überwachung, Unterdrückung der Uiguren, Hongkong) und der Anspruch nach außen: die <strong>„Neue Seidenstraße“</strong> (ab 2013) mit Häfen, Bahnen und Krediten in Asien, Afrika und Europa, Aufrüstung und Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Phasen hängen zusammen. Der lange Bürgerkrieg und der Krieg gegen Japan machten die Kommunisten zur Partei der Bauern und brachten Mao an die Spitze. Seine Idee der ständigen Revolution führte zu Massenkampagnen wie dem „Großen Sprung“ und der Kulturrevolution, deren Katastrophen das Land erschöpften. Darauf antwortete Deng: Wirtschaft öffnen, um Wohlstand zu schaffen und so die Herrschaft der Partei neu zu begründen (M 1 zeigt, wie die Partei dazu Maos Erbe ordnete). 1989 zeigte, dass die Öffnung nicht für die Politik galt. Der wirtschaftliche Erfolg machte China zur Weltmacht, und unter Xi verbindet die Partei diesen Erfolg mit mehr Kontrolle nach innen und mehr Anspruch nach außen.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Wandel durch Handel?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Erwartung des Westens:</strong> Lange hofften westliche Regierungen, mehr Handel und Wohlstand würden China auch politisch öffnen.</li>\n<li><strong>Kritik:</strong> Heute sehen viele Fachleute diese Hoffnung als widerlegt: Die Partei nutzte das Wachstum, um ihre Macht zu festigen und Überwachung auszubauen.</li>\n<li><strong>Bewertung Maos:</strong> Umstritten ist auch die Bilanz Maos: Befreier von Fremdherrschaft und Gründer des modernen China oder Verantwortlicher für Millionen Tote? Die Zahlen für den „Großen Sprung“ schwanken stark.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen und Zahlen: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Wirtschaft und Politik:</strong> Was wurde geöffnet, was blieb geschlossen?</li>\n<li><strong>Kosten:</strong> Opfer der Kampagnen, Unterdrückung von Minderheiten und Kritikern.</li>\n<li><strong>Erfolg:</strong> Hunderte Millionen Menschen kamen aus der Armut.</li>\n<li><strong>Perspektive:</strong> Partei, Bauern, Städter, Minderheiten, Nachbarstaaten, der Westen.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an den Lehrplan: „Aufbau des kommunistischen Chinas unter Mao Zedong“ und „Reform und Wandel unter Deng Xiaoping“)</span>\n<p>1. Geben Sie wieder, wie die Partei in M 1 Mao Zedong beurteilt. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie die Reformpolitik Deng Xiaopings und ihre Grenzen. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie das Urteil der Partei über Mao in M 1. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Die Kulturrevolution als schwerster Rückschlag seit 1949, von Mao begonnen und geführt; grobe Fehler, aber Verdienste überwiegen; Mao bleibt als Gründer von Partei, Armee und Volksrepublik anerkannt. Einordnung: Resolution unter Deng, fünf Jahre nach Maos Tod.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Ab 1978 Bauern produzieren wieder für den Markt, Sonderwirtschaftszonen wie Shenzhen, ausländisches Kapital, „sozialistische Marktwirtschaft“; Grenzen: Machtmonopol der Partei, Niederschlagung der Proteste am 4. Juni 1989, keine freien Wahlen.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Nachvollziehbar:</em> Gründung der Volksrepublik, Einigung nach Bürgerkrieg und Fremdherrschaft. <em>Kritisch:</em> Das Urteil schützt die Partei; der „Große Sprung“ mit zig Millionen Toten wird verharmlost; die Opfer haben keine Stimme; „Verdienste wichtiger“ ist eine politische Abwägung, keine historische. Ein gelungenes Urteil erkennt M 1 als Quelle der Machtsicherung. Für die oberen Noten: Du nennst den Forschungsstreit.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>„Reform und Öffnung“: Was wurde geöffnet, was nicht? Je ein Beispiel.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Geöffnet wurde die Wirtschaft: Märkte, ausländische Investitionen, Sonderwirtschaftszonen. Nicht geöffnet wurde die Politik: Die Kommunistische Partei behielt das Machtmonopol, wie die Niederschlagung der Proteste 1989 zeigte.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Deng als Demokrat.</strong> Er reformierte die Wirtschaft, nicht die Herrschaft der Partei.</li>\n<li><strong>Großer Sprung und Kulturrevolution verwechseln.</strong> 1958–1961 Wirtschaftskampagne, 1966–1976 politische Kampagne.</li>\n<li><strong>China nur als Wirtschaftsmacht.</strong> Seit Xi auch militärisch und diplomatisch offensiv.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Internationale+Politik&card=by-ge-sowjetunion-russland\">Sowjetunion und Russland seit 1945</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-attische-demokratie\">Attische Demokratie und römisches Reich</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Internationale+Politik&card=by-ge-usa\">Die USA als Weltmacht seit 1945</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-karikatur\">Karikaturen analysieren</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-karte\">Geschichtskarten und Historischer Atlas</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-china -->"
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