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  "lastUpdated": "2026-10-11",
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      "title": "Attische Demokratie und römisches Reich",
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      "short": "Attische Demokratie einfach erklärt: Entwicklung von Solon über Kleisthenes und Ephialtes bis Perikles, Institutionen von Volksversammlung bis Scherbengericht, Perikles' Gefallenenrede bei Thukydides im Wortlaut, exklusive Gleichheit, Vergleich mit heutiger Demokratie, dazu Verwaltung und Recht im Römischen Reich, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-attische-demokratie -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Attische Demokratie und Römisches Reich, 6. Jahrhundert vor Christus bis 3. Jahrhundert</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In Athen entstand zwischen etwa 600 und 450 vor Christus Schritt für Schritt eine Herrschaft der Bürger: Solon milderte die Schuldknechtschaft, Kleisthenes ordnete die Bürgerschaft neu und schuf den Rat der 500, Ephialtes entmachtete den Adelsrat, Perikles führte Tagegelder ein. Die Bürger entschieden direkt in der Volksversammlung, viele Ämter wurden gelost. Gleich waren aber nur die männlichen Vollbürger; Frauen, Fremde und Sklaven, also die Mehrheit, blieben ausgeschlossen. Rom hinterließ Europa dagegen eine Reichsverwaltung mit Provinzen und ein Recht, das bis heute in Gesetzbüchern steckt. In der Klausur vergleichst du Athens Demokratie mit der heutigen und beurteilst sie aus damaliger und heutiger Sicht.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Die attische Demokratie zur Zeit des Perikles ist Pflicht auf beiden Niveaus; „Verwaltung und Recht in der römischen Kaiserzeit“ nur auf eA (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>).</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: 5. Jh. v. Chr. Blütezeit Athens, 1. Jh. v. Chr. Übergang Roms zum Prinzipat (eA), um Christi Geburt Zeitalter des Augustus (eA), Polis, Demokratie, Antike, Provinz (eA), Republik.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Demokratie<span class=\"wort-erkl\">griechisch „Herrschaft des Volkes“ (demos = Volk, kratein = herrschen)</span></span> ist ein griechisches Wort, und in Athen wurde sie zum ersten Mal ausprobiert. Aber „Volk“ hieß dort etwas anderes als heute, und die Bürger regierten selbst, statt Abgeordnete zu wählen.</p>\n<p>Athen war eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Polis<span class=\"wort-erkl\">griechischer Stadtstaat: Stadt mit Umland, selbstständig regiert von ihren Bürgern</span></span>, also ein Stadtstaat mit Umland. In der Klausur sollst du erklären, wie die Demokratie dort entstand und funktionierte, und sie mit heutigen Demokratien vergleichen. Dabei gilt: erst aus der damaligen Zeit verstehen, dann aus heutiger Sicht beurteilen.</p>\n</div>\n\n<h4>Von Solon bis Perikles: wie die Demokratie entstand</h4>\n<ul>\n<li><strong>Solon (594/593 vor Christus):</strong> Viele Bauern waren bei Adligen verschuldet und gerieten in Schuldknechtschaft. Solon hob die Schulden auf und verbot die Versklavung wegen Schulden. Er teilte die Bürger nach Vermögen in vier Klassen ein: Wer reicher war, durfte höhere Ämter übernehmen, aber alle durften in die Volksversammlung.</li>\n<li><strong>Tyrannis:</strong> Danach herrschten Peisistratos und seine Söhne als Alleinherrscher, bis 510 vor Christus.</li>\n<li><strong>Kleisthenes (508/507 vor Christus):</strong> Er teilte die Bürger neu in zehn Bezirke (Phylen) ein, die Stadt, Küste und Binnenland mischten, um die Macht der Adelsfamilien zu brechen. Aus jeder Phyle kamen 50 Mitglieder in den neuen Rat der 500. Ihm wird auch das Scherbengericht zugeschrieben.</li>\n<li><strong>Ephialtes (462/461 vor Christus):</strong> Er entzog dem Adelsrat, dem Areopag, seine politische Macht.</li>\n<li><strong>Perikles (um 450 vor Christus):</strong> Er führte <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Diäten<span class=\"wort-erkl\">Tagegelder für die Teilnahme an Gerichten und Ämtern, damit auch Arme, die von ihrer Arbeit lebten, mitmachen konnten</span></span> für die Laienrichter ein. Ein Gesetz von 451 vor Christus beschränkte das Bürgerrecht auf Kinder athenischer Eltern auf beiden Seiten.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wie Athen regiert wurde</h4>\n<ul>\n<li><strong>Volksversammlung</strong> (Ekklesia): alle männlichen Vollbürger, beschließt Gesetze, Krieg und Frieden.</li>\n<li><strong>Rat der 500:</strong> per Los bestimmt, bereitet die Beschlüsse vor und führt die laufenden Geschäfte.</li>\n<li><strong>Volksgerichte</strong> (Heliaia): Laienrichter, per Los.</li>\n<li><strong>Strategen:</strong> zehn gewählte Feldherren; Perikles wurde viele Jahre hintereinander gewählt und prägte die Politik.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Scherbengericht<span class=\"wort-erkl\">Ostrakismos: Die Volksversammlung konnte einen Bürger, der zu mächtig schien, für zehn Jahre verbannen, indem sie seinen Namen auf Tonscherben schrieb</span></span>:</strong> Verbannung eines zu mächtigen Politikers für zehn Jahre.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Material: Perikles über Athens Verfassung</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Thukydides, Geschichte des Peloponnesischen Krieges 2,37,1: Rede des Perikles auf die Gefallenen, 431/430 vor Christus (Auszug)</span>\n<p>„Wir haben eine Verfassung, die nicht den Gesetzen der Nachbarn nacheifert; eher sind wir selbst für manche ein Vorbild, als dass wir andere nachahmen. Sie heißt mit Namen Demokratie, weil sie nicht auf wenige, sondern auf die Mehrheit ausgerichtet ist. Nach den Gesetzen haben in privaten Streitigkeiten alle das gleiche Recht. Beim Ansehen aber wird jeder, je nachdem worin er sich auszeichnet, für die öffentlichen Aufgaben nicht so sehr nach seiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe als nach seiner Tüchtigkeit vorgezogen; und auch wer arm ist, aber der Stadt etwas Gutes tun kann, wird nicht durch sein geringes Ansehen daran gehindert.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Griechischer Text nach der Oxford-Ausgabe von 1942 in der Perseus Digital Library; Übersetzung von uns.</p>\n</div>\n<p>Lies genau, und lies kritisch. Perikles lobt drei Dinge: Herrschaft der Mehrheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Aufstieg nach Leistung statt Herkunft. Aber: Die Rede hielt er im ersten Kriegsjahr auf die Gefallenen, sie sollte trösten und anspornen. Und Thukydides schreibt selbst, er habe die Reden so wiedergegeben, wie die Redner nach seiner Meinung hätten sprechen müssen, möglichst nah am Sinn, aber nicht Wort für Wort. Was M 1 verschweigt: Frauen, Fremde und Sklaven gehören nicht zur „Mehrheit“.</p>\n\n<h4>Demokratie damals und heute</h4>\n<ul>\n<li><strong>Direkt statt repräsentativ:</strong> Die Bürger entschieden selbst, Ämter wurden oft gelost. Heute wählen wir Abgeordnete.</li>\n<li><strong>Beschränkung von Herrschaft:</strong> kurze Amtszeiten, Rechenschaftspflicht, Scherbengericht. Heute: Gewaltenteilung, Verfassungsgericht, Grundrechte.</li>\n<li><strong>Exklusive Gleichheit:</strong> gleich waren nur männliche Vollbürger. Frauen, <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Metöken<span class=\"wort-erkl\">in Athen lebende Fremde ohne Bürgerrecht, oft Händler und Handwerker</span></span> und Sklaven waren ausgeschlossen, also die große Mehrheit der Bewohner. Heute gilt das gleiche Wahlrecht für alle erwachsenen Staatsbürger.</li>\n<li><strong>Meinungsbildung:</strong> durch Rede in der Volksversammlung; Kritiker warnten vor <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Demagogen<span class=\"wort-erkl\">Redner, die das Volk mit Versprechungen und Gefühlen für eigene Ziele gewinnen</span></span>.</li>\n</ul>\n\n<h4>Rom: Verwaltung und Recht in der Kaiserzeit</h4>\n<p>Mit Augustus begann 27 vor Christus der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Prinzipat<span class=\"wort-erkl\">Herrschaftsform der frühen Kaiserzeit: Der Kaiser („princeps“, der Erste) regierte allein, die Einrichtungen der Republik bestanden der Form nach weiter</span></span>, die Kaiserzeit. Das Reich war in <strong>Provinzen</strong> geteilt, die Statthalter verwalteten, Steuern einzogen und Recht sprachen; vor Ort regierten sich die Städte oft selbst. Das <strong>römische Recht</strong> unterschied Rechtsgebiete, kannte Verträge, Eigentum und feste Verfahren; unter Kaiser Justinian (6. Jahrhundert) gesammelt, wirkt es bis in heutige Gesetzbücher. 212 nach Christus erhielten fast alle freien Reichsbewohner das römische Bürgerrecht (Constitutio Antoniniana).</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Jede Reform antwortete auf ein Problem: Solon auf die Not der verschuldeten Bauern, Kleisthenes auf die Macht der Adelsfamilien nach der Tyrannis, Ephialtes auf den Einfluss des Areopags, Perikles auf die Frage, wie Arme sich Politik leisten können. So wuchs die Beteiligung von Stufe zu Stufe. Dieselbe Entwicklung machte die Bürgerschaft aber auch enger: Das Bürgerrechtsgesetz von 451 schloss mehr Menschen aus. Und Athens Seeherrschaft im Attischen Seebund brachte das Geld, mit dem Diäten und Flotte bezahlt wurden. Rom zeigt ein anderes Modell: kein Mitbestimmen aller, aber Ordnung und Recht für ein riesiges Reich, und am Ende ein Bürgerrecht für fast alle Freien.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Wie demokratisch war Athen?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Radikale Demokratie:</strong> Viele Althistoriker betonen, dass nie wieder so viele Bürger so direkt mitbestimmten; Los, Diäten und Rechenschaft machten Macht für einfache Bürger zugänglich.</li>\n<li><strong>Herrschaft einer Minderheit:</strong> Andere betonen, dass nur ein kleiner Teil der Bewohner mitbestimmte und die Demokratie auf Sklavenarbeit und der Ausbeutung der Bundesgenossen im Seebund beruhte.</li>\n<li><strong>Antike Kritik:</strong> Schon Zeitgenossen wie Platon hielten die Herrschaft der Masse für gefährlich; die Hinrichtung des Sokrates 399 vor Christus galt ihnen als Beweis.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen und Reformdaten: Lehrbuchwissen. Thukydides über die Reden: Geschichte des Peloponnesischen Krieges 1,22.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Sachurteil aus der Zeit:</strong> Gemessen an Monarchie und Adelsherrschaft ringsum war Athen sehr offen.</li>\n<li><strong>Werturteil heute:</strong> Gemessen an Menschenrechten und gleichem Wahlrecht für alle war es eine Demokratie weniger.</li>\n<li><strong>Beteiligung:</strong> Wer durfte mitbestimmen, wer tat es tatsächlich?</li>\n<li><strong>Kontrolle der Macht:</strong> Wie wurde Missbrauch verhindert?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an den Prüfungsschwerpunkt „Demokratieentwicklung in der attischen Polis von Solon bis Perikles“)</span>\n<p>1. Geben Sie wieder, wie Perikles in M 1 die athenische Verfassung kennzeichnet. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie die Entwicklung der attischen Demokratie von Solon bis Perikles. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob Perikles' Darstellung der Wirklichkeit der attischen Demokratie entspricht. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Eigenständige Verfassung, Vorbild für andere; Demokratie, weil auf die Mehrheit ausgerichtet; Gleichheit vor dem Gesetz; Ämter nach Tüchtigkeit, nicht nach Herkunft; Armut kein Hindernis.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Solon: Schuldenerlass, Verbot der Schuldknechtschaft, Vermögensklassen; Tyrannis; Kleisthenes: zehn Phylen, Rat der 500, Scherbengericht; Ephialtes: Entmachtung des Areopags; Perikles: Diäten, Bürgerrechtsgesetz 451. Jede Stufe weitet die Beteiligung der Bürger aus.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Zutreffend:</em> Los, Diäten und Volksgerichte öffneten Ämter auch für Ärmere; Volksversammlung entschied wirklich. <em>Nicht zutreffend oder verschwiegen:</em> Ausschluss von Frauen, Metöken und Sklaven; Geld aus dem Seebund; Gefallenenrede als Lob- und Trostrede im Krieg; Thukydides' eigene Gestaltung der Rede. Ein gelungenes Urteil: M 1 zeigt das Ideal der Bürger, nicht die Lage aller Bewohner. Für die oberen Noten: Du trennst Sachurteil aus der Zeit und Werturteil von heute.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Nenne ein Merkmal, das Athen „demokratischer“ machte als heutige Demokratien, und eins, das es weniger demokratisch machte.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Demokratischer: Die Bürger entschieden direkt in der Volksversammlung und wurden für Ämter gelost, nicht nur gewählt. Weniger demokratisch: Frauen, Fremde und Sklaven waren ausgeschlossen, gleich waren nur männliche Vollbürger.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Athen gleich Demokratie für alle.</strong> Die Mehrheit der Bewohner hatte keine politischen Rechte.</li>\n<li><strong>Perikles als König.</strong> Er war gewählter Stratege und brauchte die Volksversammlung.</li>\n<li><strong>Solon als Demokrat.</strong> Er schuf keine Demokratie, sondern eine Ordnung nach Vermögen; er legte aber Grundlagen.</li>\n<li><strong>Die Gefallenenrede als Protokoll lesen.</strong> Thukydides hat sie selbst gestaltet.</li>\n<li><strong>Heutige Maßstäbe ohne Hinweis.</strong> Beurteile erst aus der Zeit, dann aus heutiger Sicht.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-zeitleiste\">Zeitleiste: von Athen bis 2013</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-hrr\">Herrschaft im Heiligen Römischen Reich</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-aufklaerung\">Aufklärung: Menschenrechte, Volkssouveränität, Gewaltenteilung</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=by-ge-op-beurteilen\">Beurteilen, bewerten, Stellung nehmen, diskutieren (AFB III)</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-attische-demokratie -->"
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      "cat": "Ordnungen in Europa",
      "title": "Herrschaft im Heiligen Römischen Reich",
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      "short": "Herrschaft im Heiligen Römischen Reich einfach erklärt: Kaiser von Gottes Gnaden und konsensuale Herrschaft, Lehnswesen, Kaiser und Papst im Investiturstreit mit dem Dictatus Papae im Wortlaut, Wormser Konkordat, Kurfürsten und Goldene Bulle, Reichstag, Reichsstädte und bürgerschaftlicher Republikanismus, Wurzeln des Föderalismus, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-hrr -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Herrschaft im Heiligen Römischen Reich 800–1806</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Bei einer Aufgabe zum Heiligen Römischen Reich wartet in der Klausur keine reine Wissensfrage: Du wertest ein Material aus und nimmst begründet Stellung; Punkte gibt es für Belege und Urteil. Das Heilige Römische Reich bestand von der Kaiserkrönung Karls des Großen bis 1806 und war kein Staat mit einer Hauptstadt und einem allmächtigen Herrscher. Der Kaiser regierte zusammen mit Fürsten, Bischöfen und Städten und war auf ihre Zustimmung angewiesen. Mit dem Papst stritt er im Investiturstreit darum, wer Bischöfe einsetzt; das Wormser Konkordat 1122 trennte geistliche und weltliche Macht. Die Goldene Bulle legte 1356 fest, dass sieben Kurfürsten den König mit Mehrheit wählen. In den Reichsstädten regierten sich Bürger selbst, und die Verteilung der Macht auf viele Ebenen gilt als eine Wurzel des heutigen Föderalismus.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Gefordert: „Verhältnis von geistlicher und weltlicher Gewalt, föderalistisches Prinzip der Gewaltenteilung, bürgerschaftlicher Republikanismus in den Reichsstädten“; eA zusätzlich „konsensuale Herrschaft“ und die Goldene Bulle (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>).</p>\n<p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: 800 Kaiserkrönung Karls des Großen, 962 Kaiserkrönung Ottos des Großen, 1618 – 1648 Dreißigjähriger Krieg, 1806 Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Investiturstreit, Kurfürsten, Lehnswesen (eA), Westfälischer Friede, Stadtrecht, Säkularisation, Kaiser, König, Mittelalter.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Deutschland hat heute 16 Länder mit eigenen Regierungen, Parlamenten und Schulgesetzen. Das ist kein Zufall: Schon im Mittelalter war Macht in Deutschland auf viele verteilt. Der Kaiser stand an der Spitze, aber er konnte nicht einfach befehlen.</p>\n<p>In der Klausur sollst du erklären, wie Herrschaft im Reich begründet und geteilt wurde: zwischen Kaiser und Papst, zwischen Kaiser und Fürsten, zwischen Fürsten und Städten. Ein Schlüsselbegriff ist <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Legitimation<span class=\"wort-erkl\">Begründung, warum jemand rechtmäßig herrschen darf, etwa durch Gott, Wahl, Herkunft oder Zustimmung der Beherrschten</span></span>: Warum durfte jemand herrschen?</p>\n</div>\n\n<h4>Kaiser von Gottes Gnaden, aber nicht allein</h4>\n<p>Mit der <strong>Kaiserkrönung Karls des Großen</strong> (800) und Ottos des Großen (962) verbinden sich Königtum und römische Kaiserwürde, verliehen vom Papst. Der Herrscher regiert nicht über einen zentralen Staat, sondern über ein Netz von Fürsten, Bischöfen und Städten. Grundlage ist das <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Lehnswesen<span class=\"wort-erkl\">Herrschaftsordnung des Mittelalters: Der Lehnsherr gibt Land und Rechte (Lehen), der Vasall schuldet dafür Treue, Rat und Kriegsdienst</span></span>. Wichtige Entscheidungen trifft der König mit den Großen des Reiches, nicht gegen sie; die Forschung nennt das <strong>konsensuale Herrschaft</strong>.</p>\n\n<h4>Kaiser und Papst</h4>\n<p>Im <strong>Investiturstreit</strong> geht es darum, wer Bischöfe einsetzt. Papst Gregor VII. bannt König Heinrich IV., der 1077 nach Canossa zieht. Das <strong>Wormser Konkordat</strong> (1122) trennt die Ämter: Die Kirche setzt Bischöfe geistlich ein, der König verleiht ihnen weltliche Rechte. Geistliche und weltliche Macht werden erstmals deutlich unterschieden.</p>\n\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Papst Gregor VII., Dictatus Papae, 1075 (Auswahl aus den 27 Leitsätzen)</span>\n<p>„Dass der römische Bischof allein mit Recht allgemein genannt wird. […] Dass er allein die kaiserlichen Abzeichen gebrauchen darf. […] Dass es ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen. […] Dass er Untertanen vom Treueid gegenüber Ungerechten lösen kann.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Lateinisches Original im Briefregister Gregors VII.; Wortlaut nach der englischen Übersetzung von Ernest F. Henderson, Select Historical Documents of the Middle Ages, London 1910, S. 366 f. (Internet Medieval Sourcebook, Fordham University), daraus übersetzt von uns. Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Der Papst beansprucht nicht nur die Leitung der Kirche, sondern Macht über den Kaiser selbst, bis zur Absetzung. Der letzte Satz ist besonders brisant: Wenn der Papst Untertanen vom Treueid lösen kann, bricht die Grundlage des Lehnswesens weg. Der Text war wohl eine interne Sammlung von Grundsätzen, kein öffentliches Gesetz; er zeigt aber, worum der Investiturstreit ging.</p>\n\n<h4>Goldene Bulle und Reichsorgane</h4>\n<ul>\n<li><strong>Goldene Bulle</strong> (1356, Karl IV.): Sieben <strong>Kurfürsten</strong> wählen den König mit Mehrheit: die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Es entscheidet die Mehrheit; eine Zustimmung des Papstes verlangt die Bulle nicht.</li>\n<li><strong>Reichstag:</strong> Versammlung der Reichsstände (Kurfürsten, Fürsten, Reichsstädte), dazu ab 1495 das Reichskammergericht.</li>\n<li><strong>Westfälischer Friede</strong> (1648): Ende des Dreißigjährigen Kriegs; die Reichsstände erhalten weitgehende Eigenständigkeit, auch das Recht zu Bündnissen, solange sie sich nicht gegen Kaiser und Reich richten.</li>\n</ul>\n\n<h4>Reichsstädte und Föderalismus</h4>\n<p>In den Reichsstädten (etwa Nürnberg, Augsburg, Regensburg) regierten Rat und Bürgermeister die Stadt selbst, ohne Fürsten über sich, meist gestellt von wenigen führenden Familien (in Nürnberg den Patriziern): <strong>bürgerschaftlicher Republikanismus</strong>. Dass Macht auf viele Ebenen verteilt war (Kaiser, Fürsten, Städte), gilt als eine Wurzel des deutschen <strong>Föderalismus</strong>: Bund und Länder teilen sich heute die Staatsgewalt. 1806 endete das Reich, als Franz II. unter dem Druck Napoleons die Kaiserkrone niederlegte.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Bausteine erklären sich gegenseitig. Weil der Kaiser seine Würde vom Papst empfing, konnte der Papst Ansprüche stellen (M 1); der Investiturstreit endete mit einer Trennung von geistlicher und weltlicher Macht. Weil das Lehnswesen die Fürsten mit eigenen Gebieten und Rechten ausstattete, regierte der König im Konsens mit ihnen, und die Goldene Bulle machte die mächtigsten unter ihnen zu Wählern des Königs. Reichstag, Reichskammergericht und schließlich der Westfälische Frieden schrieben diese Machtteilung fest. In den Reichsstädten entstand daneben eine Selbstverwaltung der Bürger. So lag Herrschaft nie an einer Stelle, sondern auf vielen Ebenen, und genau darin sehen viele eine Wurzel des Föderalismus.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Schwäche oder Stärke des Reiches?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Schwäche:</strong> Schon der Rechtsgelehrte Samuel Pufendorf nannte das Reich 1667 „einem Monstrum ähnlich“. Im 19. Jahrhundert galt es vielen als Gebilde ohne starke Mitte, das Deutschland gegenüber Frankreich und England zurückwarf und die Nation zersplitterte.</li>\n<li><strong>Ordnung des Ausgleichs:</strong> Neuere Forschung betont, dass das Reich Konflikte über Verfahren, Gerichte und Verhandlungen löste und kleinen Herrschaften und Städten Schutz bot.</li>\n<li><strong>Wurzel des Föderalismus:</strong> Strittig ist, wie direkt die Linie vom Reich zum heutigen Föderalismus führt, denn dazwischen liegen der Deutsche Bund, das Kaiserreich und die zentralistische NS-Diktatur.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen und Daten: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Legitimation:</strong> Gott, Papst, Wahl, Herkunft oder Zustimmung?</li>\n<li><strong>Machtverteilung:</strong> Wer konnte wen kontrollieren?</li>\n<li><strong>Beteiligung:</strong> Wer durfte mitentscheiden, wer nicht?</li>\n<li><strong>Vergleich mit heute:</strong> Was ist ähnlich, was grundverschieden?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an den Lehrplan: „Verhältnis von geistlicher und weltlicher Gewalt, föderalistisches Prinzip der Gewaltenteilung, bürgerschaftlicher Republikanismus in den Reichsstädten“)</span>\n<p>1. Arbeiten Sie aus M 1 heraus, welche Rechte der Papst beansprucht. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, wie das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Gewalt im Investiturstreit geregelt wurde. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob das Heilige Römische Reich als Wurzel des heutigen Föderalismus gelten kann. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Universaler Rang des Papstes, Gebrauch der kaiserlichen Abzeichen, Recht zur Absetzung von Kaisern, Lösung der Untertanen vom Treueid. Einordnung: Gregor VII., 1075, Beginn des Investiturstreits.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Streit um die Einsetzung von Bischöfen, Bann Heinrichs IV., Canossa 1077, Wormser Konkordat 1122: geistliche Einsetzung durch die Kirche, weltliche Rechte durch den König; erste deutliche Unterscheidung von geistlich und weltlich.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Dafür:</em> Macht auf Kaiser, Fürsten und Städte verteilt, Wahlkönigtum, Reichstag und Gericht, Selbstverwaltung der Reichsstädte, Bündnisrecht seit 1648. <em>Dagegen:</em> keine Demokratie, Herrschaft von Adel und Geistlichkeit, Bevölkerung ohne Mitsprache, Brüche durch Kaiserreich und NS-Zentralismus, Föderalismus 1949 auch von den Alliierten gewollt. Ein gelungenes Urteil: eine Wurzel, aber keine gerade Linie. Für die oberen Noten: Du nennst den Forschungsstreit.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Welche Regel der Goldenen Bulle findest du in heutigen Demokratien wieder? Welche nicht?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Wieder: Wahl nach Mehrheitsprinzip und ein festes Verfahren, das Streit um die Nachfolge vermeidet. Nicht: Nur sieben Fürsten wählten, die Bevölkerung hatte keine Stimme, und die Kurwürde war erblich bzw. an ein Bistum gebunden.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Das Reich als Nationalstaat.</strong> Es war ein vielgliedriger Verband ohne Hauptstadt und ohne einheitliche Nation.</li>\n<li><strong>Der Kaiser als absoluter Herrscher.</strong> Er war auf Fürsten und Konsens angewiesen.</li>\n<li><strong>Goldene Bulle 1806.</strong> Sie ist von 1356; 1806 endete das Reich.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-attische-demokratie\">Attische Demokratie und römisches Reich</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-aufklaerung\">Aufklärung: Menschenrechte, Volkssouveränität, Gewaltenteilung</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-zeitleiste\">Zeitleiste: von Athen bis 2013</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-nation\">Nation und Nationalstaat: Deutschland, Frankreich, Polen</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-hrr -->"
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      "title": "Aufklärung: Menschenrechte, Volkssouveränität, Gewaltenteilung",
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      "short": "Aufklärung einfach erklärt: Absolutismus, Gesellschaftsvertrag, Kant „Was ist Aufklärung?“, Locke (Menschenrechte, Widerstandsrecht), Montesquieu (Gewaltenteilung) und Rousseau (Volkssouveränität) mit Originalquellen, Wirkung von 1776 und 1789 bis ins Grundgesetz, Kritik an der Aufklärung, mit Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-aufklaerung -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Staatsdenken der Aufklärung 1689–1789</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Aufklärung war eine Denkbewegung des 17. und 18. Jahrhunderts, die Vernunft statt Tradition zum Maßstab machte; Kant fasste sie 1784 in den Satz „Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“. Gegen den Absolutismus, in dem ein Fürst alle Macht beanspruchte, fragten die Aufklärer, warum Menschen einem Staat überhaupt gehorchen sollen. John Locke begründete angeborene Rechte und ein Widerstandsrecht, Montesquieu die Teilung der Gewalten, Rousseau die Souveränität des Volkes. Diese Ideen gingen 1776 in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, 1789 in die französische Menschenrechtserklärung und später ins Grundgesetz ein. Zugleich schlossen viele Aufklärer Frauen, Besitzlose und Menschen in den Kolonien aus; wie man das bewertet, ist bis heute umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Gefordert auf beiden Niveaus: „Wandel des politischen Denkens in der Zeit der Aufklärung: Menschenrechte, Volkssouveränität, horizontale Gewaltenteilung, Widerstandsrecht“ (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>).</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: 17./18. Jh. Absolutismus in Europa, 1776 Amerikanische Unabhängigkeitserklärung, 1789 Beginn der Französischen Revolution, Aufklärung, Absolutismus, Menschenrechte, Volkssouveränität, Gewaltenteilung, Verfassung.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Im 17. und 18. Jahrhundert herrschten in Europa meist Fürsten nach dem Prinzip des <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Absolutismus<span class=\"wort-erkl\">Herrschaftsform, in der der Monarch alle Staatsgewalt beansprucht, sich auf Gott beruft und an keine Gesetze, Parlamente oder Stände gebunden sein will</span></span>. Ihre Macht kam angeblich von Gott, Untertanen hatten zu gehorchen, Gesetze und Gerichte lagen in einer Hand.</p>\n<p>Die Aufklärer stellten eine einfache, aber gefährliche Frage: Mit welchem Recht herrscht jemand über andere? Ihre Antwort war der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Gesellschaftsvertrag<span class=\"wort-erkl\">Gedankenmodell: Freie und gleiche Menschen schließen sich freiwillig zu einem Staat zusammen, um ihre Rechte zu sichern; Herrschaft ist nur legitim, wenn sie diesem Zweck dient</span></span>. Wenn der Staat aus einem Vertrag freier Menschen entsteht, muss er ihnen dienen und darf ihre Rechte nicht verletzen. In der Klausur sollst du die Ideen der Denker unterscheiden, an Quellen nachweisen und erklären, wie sie in Verfassungen eingingen.</p>\n</div>\n\n<h4>Das Programm: Kant 1784</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Immanuel Kant, „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“, Berlinische Monatsschrift, Dezember 1784 (Anfang)</span>\n<p>„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Berlinische Monatsschrift 4 (1784), S. 481; Wortlaut nach Wikisource. Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Kant gibt die Schuld nicht dem Fürsten, sondern dem Einzelnen, der sich führen lässt, aus Bequemlichkeit oder Angst. Aufklärung ist bei ihm kein Zustand, sondern eine Aufgabe für jeden. Politisch ist das brisant: Wer selbst denkt, nimmt die Herrschaft von Kirche und Fürst nicht mehr einfach hin.</p>\n\n<h4>Drei Denker, drei Bausteine</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Drei Grundtexte (Auszüge, Übersetzungen von uns)</span>\n<p><strong>John Locke, Zweite Abhandlung über die Regierung (1689/90), § 222:</strong> Wenn die Gesetzgeber versuchen, „das Eigentum des Volkes zu nehmen und zu zerstören oder es unter willkürlicher Macht zu versklaven, versetzen sie sich in einen Kriegszustand mit dem Volk, das dadurch von jedem weiteren Gehorsam befreit ist“. (Eigentum meint bei Locke „Leben, Freiheiten und Besitz“, § 123.)</p>\n<p><strong>Montesquieu, Vom Geist der Gesetze (1748), Buch XI, Kapitel 6:</strong> „Wenn in derselben Person oder derselben Behörde die gesetzgebende Gewalt mit der ausführenden vereinigt ist, gibt es keine Freiheit. […] Es gibt auch keine Freiheit, wenn die richterliche Gewalt nicht von der gesetzgebenden und der ausführenden getrennt ist.“</p>\n<p><strong>Jean-Jacques Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag (1762), Buch I, Kapitel 6:</strong> Gesucht ist eine Form des Zusammenschlusses, „durch die jeder, indem er sich mit allen vereinigt, doch nur sich selbst gehorcht und so frei bleibt wie zuvor“. Die Lösung: „Jeder von uns stellt seine Person und seine ganze Kraft gemeinsam unter die oberste Leitung des Gemeinwillens.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Locke: Two Treatises of Government, Book II, §§ 123, 222, englischer Text nach Project Gutenberg; Montesquieu: De l’esprit des lois, Ausgabe 1777, nach Wikisource (französisch); Rousseau: Du contrat social, Ausgabe 1762, nach Wikisource (französisch). Alle gemeinfrei; die deutschen Übersetzungen sind von uns.</p>\n</div>\n<ul>\n<li><strong>Locke, Menschenrechte und Widerstandsrecht:</strong> Menschen haben schon vor jedem Staat <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">natürliche Rechte<span class=\"wort-erkl\">Rechte, die jeder Mensch von Natur aus hat und die der Staat nicht verleiht, sondern schützen muss: bei Locke Leben, Freiheit, Eigentum</span></span>. Sie gründen den Staat, um diese Rechte zu sichern. Bricht die Regierung dieses Vertrauen, darf das Volk sie absetzen. Locke schrieb die Abhandlungen größtenteils um 1679 bis 1683, als in England um die Thronfolge des katholischen Jakob gestritten wurde; veröffentlicht hat er sie nach der Glorreichen Revolution (1688/89), 1689 mit der Jahreszahl 1690, und so wurden sie zur Rechtfertigung der Revolution.</li>\n<li><strong>Montesquieu, horizontale Gewaltenteilung:</strong> Freiheit heißt, keine Angst vor einem anderen Bürger haben zu müssen. Das gelingt nur, wenn Gesetzgebung, Ausführung und Rechtsprechung getrennt sind und sich gegenseitig bremsen. Sein Vorbild war die englische Verfassung; er dachte an eine gemäßigte Monarchie, nicht an eine Republik.</li>\n<li><strong>Rousseau, Volkssouveränität:</strong> Die höchste Gewalt liegt beim Volk und ist unteilbar. Gesetze sollen dem <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Gemeinwillen<span class=\"wort-erkl\">„volonté générale“: der Wille, der auf das Wohl aller gerichtet ist, nicht die Summe der Einzelinteressen</span></span> folgen. Rousseau misstraute gewählten Vertretern: Das Volk solle selbst entscheiden.</li>\n</ul>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Drei Denker, drei Bausteine <span>· Locke, Montesquieu und Rousseau auf einen Blick: Rechte des Einzelnen, geteilte Macht, Herrschaft des Volkes.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 150\" role=\"img\" aria-labelledby=\"auf-t auf-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"auf-t\">Drei Denker, drei Bausteine der Aufklärung</title>\n<desc id=\"auf-d\">Locke 1689/90: Menschenrechte und Widerstandsrecht. Montesquieu 1748: Gewaltenteilung in Gesetzgebung, Ausführung und Rechtsprechung. Rousseau 1762: Volkssouveränität und Gemeinwille.</desc>\n<rect x=\"6\" y=\"8\" width=\"112\" height=\"134\" rx=\"12\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"62\" y=\"34\" font-size=\"14\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Locke</text>\n<text x=\"62\" y=\"52\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.7\">1689/90</text>\n<line x1=\"22\" y1=\"64\" x2=\"102\" y2=\"64\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"62\" y=\"90\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Menschenrechte</text>\n<text x=\"62\" y=\"106\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Widerstandsrecht</text>\n<rect x=\"124\" y=\"8\" width=\"112\" height=\"134\" rx=\"12\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"180\" y=\"34\" font-size=\"14\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Montesquieu</text>\n<text x=\"180\" y=\"52\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.7\">1748</text>\n<line x1=\"140\" y1=\"64\" x2=\"220\" y2=\"64\" stroke=\"#16a34a\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"180\" y=\"90\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Gewaltenteilung</text>\n<text x=\"180\" y=\"106\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Gesetz</text>\n<text x=\"180\" y=\"119\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Ausführung</text>\n<text x=\"180\" y=\"132\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Gericht</text>\n<rect x=\"242\" y=\"8\" width=\"112\" height=\"134\" rx=\"12\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#d97706\"/>\n<text x=\"298\" y=\"34\" font-size=\"14\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Rousseau</text>\n<text x=\"298\" y=\"52\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.7\">1762</text>\n<line x1=\"258\" y1=\"64\" x2=\"338\" y2=\"64\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"298\" y=\"90\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Volkssouveränität</text>\n<text x=\"298\" y=\"106\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Gemeinwille</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Die drei Bausteine aus dem Lernzettel: Rechte des Einzelnen, geteilte Macht, Herrschaft des Volkes.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Von der Idee zur Verfassung</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>1776, Amerika:</strong> Die Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli übernahm Lockes Gedanken fast wörtlich: Alle Menschen seien gleich geschaffen und hätten unveräußerliche Rechte, darunter „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“; Regierungen beziehen ihre Macht aus der „consent of the governed“, und wenn eine Regierung diese Ziele zerstört, hat das Volk das Recht, „to alter or to abolish it“.</li>\n<li><strong>1787, US-Verfassung:</strong> Gewaltenteilung nach Montesquieu mit gegenseitiger Kontrolle (Präsident, Kongress, Oberstes Gericht).</li>\n<li><strong>1789, Frankreich:</strong> Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte verbindet alle drei: natürliche Rechte (Art. 2), Souveränität der Nation (Art. 3), Gewaltenteilung als Merkmal einer Verfassung (Art. 16).</li>\n<li><strong>1949, Grundgesetz:</strong> „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ und wird durch getrennte Organe ausgeübt (Art. 20 Abs. 2); Grundrechte stehen am Anfang; seit 1968 gibt es ein Widerstandsrecht gegen jeden, der die Ordnung beseitigen will, „wenn andere Abhilfe nicht möglich ist“ (Art. 20 Abs. 4).</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Declaration of Independence, Transkript der National Archives (archives.gov); Grundgesetz Art. 20 (amtlicher Text). Erklärung von 1789: siehe Lernzettel zur Französischen Revolution.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Bausteine ergänzen sich. Locke erklärt, wozu der Staat da ist (Schutz der Rechte), Rousseau, von wem die Macht ausgeht (vom Volk), Montesquieu, wie man ihren Missbrauch verhindert (durch Teilung). Das Widerstandsrecht ist die Notbremse, wenn alle anderen Sicherungen versagen. Alle drei setzen den Gesellschaftsvertrag voraus: Der Staat ist von Menschen gemacht und muss sich vor ihnen rechtfertigen. Darin liegt der Bruch mit dem Absolutismus.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Wie universal war die Aufklärung?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Die Ausschlüsse:</strong> Viele Aufklärer meinten mit „Mensch“ und „Bürger“ nur besitzende Männer. Frauen forderten früh ihren Anteil ein, etwa Olympe de Gouges 1791. Die Sklaverei bestand in den amerikanischen Staaten, deren Erklärung „all men are created equal“ verkündete, weiter.</li>\n<li><strong>War Kant ein Rassist?</strong> Kant entwickelte ab den 1770er-Jahren eine Lehre von „Menschenrassen“. Kritische Forscher lesen sie, mit ihren Rangordnungen, als Rassismus aus dem Zentrum der Aufklärung. Andere, etwa Rudolf Malter (1990) und Georg Geismann (2022), halten dagegen, die Rassenlehre gehöre zu Kants Naturkunde und stehe im Widerspruch zu seiner Moral, die die gleiche Würde aller Menschen begründet. Der Streit ist offen.</li>\n<li><strong>Die „Dialektik der Aufklärung“:</strong> Max Horkheimer und Theodor W. Adorno fragten unter dem Eindruck des Nationalsozialismus (1944/47), ob die Herrschaft der Vernunft selbst in neue Herrschaft umschlagen kann. Ob ihre Kritik die Aufklärung trifft oder nur ihre Verzerrung, wird bis heute diskutiert.</li>\n<li><strong>Was folgt daraus:</strong> Gerade weil die Aufklärung allgemeine Rechte verkündete, konnten die Ausgeschlossenen sich auf sie berufen. Die Kritik an ihr benutzt oft ihre eigenen Maßstäbe.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Kant-Debatte: Georg Geismann, „Warum Kant kein Rassist war“, Jahrbuch für Recht und Ethik 2022 (Duncker &amp; Humblot), dort auch Malter 1990; kritische Gegenposition z. B. „The Reddish, Iron-Rust Color of the Native Americans. Immanuel Kant’s Racism in Context“, Con-textos Kantianos (Universidad Complutense). Horkheimer/Adorno: Philipps-Universität Marburg, Tagung „Aufklärungs-Kritik und Aufklärungs-Mythen“.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Legitimität:</strong> Woraus leitet ein Denker das Recht zu herrschen ab (Gott, Vertrag, Volk)?</li>\n<li><strong>Freiheitssicherung:</strong> Welche Mittel schützen den Einzelnen vor Machtmissbrauch?</li>\n<li><strong>Reichweite:</strong> Für wen gelten die Rechte, und wer bleibt ausgeschlossen?</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Was ging in Verfassungen ein, was blieb Theorie?</li>\n<li><strong>Zeitbezug:</strong> Misst du die Denker an ihrer Zeit oder an heutigen Maßstäben? Sag, welchen Maßstab du nimmst.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Wandel des politischen Denkens in der Zeit der Aufklärung: Menschenrechte, Volkssouveränität, horizontale Gewaltenteilung, Widerstandsrecht“)</span>\n<p>1. Geben Sie die Kernaussagen der drei Texte in M 2 wieder und ordnen Sie sie je einem Grundprinzip zu. (AFB I und II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, wie diese Prinzipien in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 und im Grundgesetz aufgegriffen werden. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob die Aufklärung zu Recht als Grundlage der modernen Demokratie gilt. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Locke: Wer als Gesetzgeber Leben, Freiheit und Besitz des Volkes antastet, befreit das Volk vom Gehorsam: Widerstandsrecht auf Grundlage natürlicher Rechte. Montesquieu: Freiheit nur, wenn gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt getrennt sind: horizontale Gewaltenteilung. Rousseau: Jeder gehorcht im Zusammenschluss nur sich selbst, weil alle unter dem Gemeinwillen stehen: Volkssouveränität.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> 1776: gleiche Geburt und unveräußerliche Rechte (Locke), Macht aus der Zustimmung der Regierten (Volkssouveränität), Recht, eine Regierung abzuschaffen (Widerstandsrecht); US-Verfassung 1787 mit Gewaltenteilung. Grundgesetz: Grundrechte, „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“, Ausübung durch besondere Organe der Gesetzgebung, Exekutive und Rechtsprechung (Art. 20 Abs. 2), Widerstandsrecht (Art. 20 Abs. 4). Unterschied zu Rousseau: Das Grundgesetz ist repräsentativ.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Dafür:</em> Die Grundprinzipien heutiger Verfassungen stammen aus diesem Denken; die Aufklärung ersetzte göttliche durch menschliche Begründung der Herrschaft. <em>Einschränkungen:</em> Montesquieu dachte an eine Monarchie, Rousseau an direkte Demokratie; Frauen, Arme und Versklavte blieben ausgeschlossen; Demokratie entstand erst durch Kämpfe des 19. und 20. Jahrhunderts, etwa für das allgemeine Wahlrecht. Ein gelungenes Urteil: Die Aufklärung schuf die Begründung und die Bausteine, nicht schon die Demokratie selbst; ihre universalen Versprechen wurden erst später für alle eingelöst. Für die oberen Noten: Du nennst die Kritik (Ausschlüsse, Kant-Debatte) als Position und prüfst sie.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Ordne zu und begründe kurz: a) Bundestag, Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht kontrollieren sich gegenseitig. b) Bei Bundestagswahlen entscheidet das Volk. c) Die Würde des Menschen ist unantastbar.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Montesquieu, Gewaltenteilung: Keine Gewalt soll allein bestimmen. b) Rousseau, Volkssouveränität, allerdings repräsentativ, was Rousseau gerade nicht wollte. c) Die Tradition der natürlichen Rechte seit Locke: Rechte, die der Staat nicht verleiht, sondern achten muss. Dass die Würde an erster Stelle steht, ist zugleich eine Lehre aus der NS-Zeit.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Rousseau gleich repräsentative Demokratie.</strong> Er hielt Vertretung für problematisch; das Volk selbst sollte entscheiden.</li>\n<li><strong>Montesquieu wollte die Monarchie abschaffen.</strong> Er dachte an eine gemäßigte Monarchie nach englischem Vorbild.</li>\n<li><strong>Aufklärung gleich Demokratie für alle.</strong> Viele Aufklärer schlossen Frauen und Besitzlose aus.</li>\n<li><strong>Die Denker vermischen.</strong> Lerne je einen Kernbegriff: Locke Widerstandsrecht und natürliche Rechte, Montesquieu Gewaltenteilung, Rousseau Volkssouveränität.</li>\n<li><strong>Kants Satz falsch zitieren.</strong> Es heißt „selbst verschuldeten Unmündigkeit“, nicht „Unwissenheit“.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-hrr\">Herrschaft im Heiligen Römischen Reich</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-nation\">Nation und Nationalstaat: Deutschland, Frankreich, Polen</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Partizipation&card=by-ge-franz-revolution\">Französische Revolution 1789–1799</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-textquelle\">Textquellen analysieren</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-attische-demokratie\">Attische Demokratie und römisches Reich</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-aufklaerung -->"
    },
    {
      "id": "by-ge-nation",
      "cat": "Ordnungen in Europa",
      "title": "Nation und Nationalstaat: Deutschland, Frankreich, Polen",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Nation und Nationalismus einfach erklärt: Kulturnation und Staatsnation, Arndt und Renan im Original, deutsche Einigung von oben mit Bismarcks „Eisen und Blut“, Polen als Nation ohne Staat, deutsch-französische und deutsch-polnische Feindbilder, Polen im Zweiten Weltkrieg und der Forschungsstreit um die „erfundene“ Nation.",
      "content": "<!-- core-card:ge-nation -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Nation und Nationalismus 1789–1945</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Aufgabe zu Nation und Nationalismus verlangt in der Klausur mehr als Erzählen: Du sollst Ursachen und Folgen erklären und am Ende selbst urteilen; Punkte gibt es für genaue Begriffe und Begründungen. Eine Nation ist eine große Gruppe von Menschen, die sich zusammengehörig fühlen; woran man diese Zusammengehörigkeit festmacht, ist umstritten. Die einen sehen sie in Sprache, Kultur und Herkunft (Kulturnation), die anderen im Willen gleicher Bürger, gemeinsam in einem Staat zu leben (Staatsbürgernation). Deutschland wurde 1871 nicht durch eine Volksbewegung, sondern „von oben“ durch Kriege und einen Fürstenbund geeint, Polen lebte nach den Teilungen über 120 Jahre als Nation ohne Staat. Der Nationalismus begann als Freiheitsbewegung, grenzte aber immer stärker andere aus, bis hin zur Vernichtungspolitik gegen Polen im Zweiten Weltkrieg. Die Forschung betont heute, dass Nationen keine Naturtatsachen sind, sondern in der Geschichte entstehen und erzählt werden.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Beide Niveaus: Nationsvorstellungen, deutsche Nationalstaatsbildung, deutsch-französische Selbst- und Fremdbilder. Nur eA: polnische Nationalstaatsbildung und „Deutschland und Polen im Zweiten Weltkrieg“ (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>).</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: 1789 Beginn der Französischen Revolution, 1848/49 Revolution in Deutschland, 1871 Deutsche Reichsgründung, 1914 – 1918 Erster Weltkrieg, 1939 – 1945 Zweiter Weltkrieg, Nation, Nationalismus, Deutscher Bund, Bismarck, Vertrag von Versailles.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Heute scheint es selbstverständlich, dass die Welt aus Nationalstaaten besteht. Um 1800 war das anders. Menschen fühlten sich als Untertanen eines Fürsten, als Bayern oder Sachsen, als Katholiken oder Protestanten. Dass Millionen Menschen, die sich nie begegnen, sich als „Volk“ und „Nation“ verstehen und bereit sind, für sie zu sterben, ist eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts.</p>\n<p>Der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Nationalismus<span class=\"wort-erkl\">die Überzeugung, dass jede Nation einen eigenen Staat haben soll und die eigene Nation über anderen Bindungen steht; er kann Freiheit fordern oder andere abwerten und ausgrenzen</span></span> ist die Bewegung, die aus dieser Vorstellung Politik macht. Sein Ziel ist, dass Grenzen der Nation und des Staates übereinstimmen. In der Klausur sollst du verschiedene Vorstellungen von Nation erklären, Deutschland mit einem anderen Land vergleichen und beurteilen, welche Folgen Selbst- und Fremdbilder hatten.</p>\n</div>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Reichsgründung von oben <span>· Der Weg von unten scheitert 1848/49, die Einheit kommt 1871 durch Preußens Kriege.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 331\" role=\"img\" aria-labelledby=\"gn-t gn-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"gn-t\">Reichsgründung von oben</title>\n<desc id=\"gn-d\">Zeitleiste in sieben Schritten. 1815 Deutscher Bund, 1848/49 gescheiterter Versuch von unten, dann Bismarck 1862, Kriege 1864, 1866 und 1870/71 bis zur Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 in Versailles.</desc>\n<text x=\"180\" y=\"14\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Einheit von oben: Der Weg zum Nationalstaat 1815 bis 1871</text>\n<line x1=\"64\" y1=\"38\" x2=\"64\" y2=\"236\" stroke=\"currentColor\" stroke-opacity=\"0.35\" stroke-width=\"2\"/>\n<circle cx=\"64\" cy=\"38\" r=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.35\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"54\" y=\"42\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">1815</text>\n<text x=\"78\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Deutscher Bund: rund 40 Staaten, Vorsitz Österreich</text>\n<text x=\"78\" y=\"49\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">kein Nationalstaat, kein gewähltes Parlament</text>\n<circle cx=\"64\" cy=\"71\" r=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.35\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"54\" y=\"75\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">1848/49</text>\n<text x=\"78\" y=\"69\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Einheit und Freiheit von unten durch ein Parlament</text>\n<text x=\"78\" y=\"82\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">der Versuch scheitert</text>\n<circle cx=\"64\" cy=\"104\" r=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.35\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"54\" y=\"108\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">1862</text>\n<text x=\"78\" y=\"102\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Bismarck: „durch Eisen und Blut“</text>\n<text x=\"78\" y=\"115\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">statt „Reden und Majoritätsbeschlüsse“</text>\n<circle cx=\"64\" cy=\"137\" r=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.35\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"54\" y=\"141\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">1864</text>\n<text x=\"78\" y=\"135\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Krieg gegen Dänemark</text>\n<text x=\"78\" y=\"148\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Preußen und Österreich übernehmen Schleswig, Holstein</text>\n<circle cx=\"64\" cy=\"170\" r=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.35\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"54\" y=\"174\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">1866</text>\n<text x=\"78\" y=\"168\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Sieg über Österreich bei Königgrätz</text>\n<text x=\"78\" y=\"181\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">der Deutsche Bund löst sich auf</text>\n<circle cx=\"64\" cy=\"203\" r=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.35\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"54\" y=\"207\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">1867</text>\n<text x=\"78\" y=\"201\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Norddeutscher Bund unter preußischer Führung</text>\n<text x=\"78\" y=\"214\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Süddeutsche: Schutz- und Trutzbündnisse</text>\n<circle cx=\"64\" cy=\"236\" r=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.35\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"54\" y=\"240\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">1870/71</text>\n<text x=\"78\" y=\"234\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Krieg gegen Frankreich, Kaiserproklamation</text>\n<text x=\"78\" y=\"247\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">18. Januar 1871, Versailles: Wilhelm I.</text>\n<rect x=\"6\" y=\"259\" width=\"348\" height=\"64\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"180\" y=\"278\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Ergebnis: kleindeutscher Nationalstaat</text>\n<text x=\"180\" y=\"294\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Beschluss der Fürsten nach Kriegen, keine Massenbewegung.</text>\n<text x=\"180\" y=\"309\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Ohne Österreich; Frankreich tritt Elsass und Teil Lothringens ab.</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Blau: der Weg „von unten“ scheitert. Rot: Die Einheit kommt 1871 „von oben“ durch Preußens Kriege und den Fürstenbund.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Was ist eine Nation? Vier Antworten</h4>\n<p>Einen allgemein anerkannten Nationsbegriff gibt es nicht. Die Nationalismusforschung unterscheidet meist vier Vorstellungen:</p>\n<ul>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Volksnation<span class=\"wort-erkl\">Nation als Abstammungsgemeinschaft: dazu gehört, wer von „Volksgenossen“ abstammt</span></span>:</strong> Zugehörigkeit hängt an der Abstammung einer möglichst einheitlichen Gruppe.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kulturnation<span class=\"wort-erkl\">Nation als Gemeinschaft von Sprache, Literatur, Musik und Bräuchen, auch ohne gemeinsamen Staat</span></span>:</strong> Was verbindet, sind Sprache, Literatur und Kultur. Typisch für Deutsche und Polen, die lange keinen gemeinsamen Staat hatten.</li>\n<li><strong>Staatsnation:</strong> Die Nation ist das Volk eines bestehenden Staates, gleich, worauf er beruht.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Staatsbürgernation<span class=\"wort-erkl\">Nation als Gemeinschaft gleichberechtigter Bürger, die mitbestimmen; zugehörig ist, wer Bürger ist und sein will</span></span>:</strong> Die Nation entsteht durch gleiche Rechte und Mitbestimmung. Vorbild ist die Französische Revolution: Der Abbé Sieyès erklärte 1789 den Dritten Stand, also das Volk ohne Adel und Klerus, zur eigentlichen Nation.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Christian Bala, „Nation“, bpb, Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland.</p>\n\n<h4>Das Material: zwei Antworten im Original</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Ernst Moritz Arndt, „Des Deutschen Vaterland“, 1813 (Auszüge)</span>\n<p>„Was ist das Deutsche Vaterland? / So nenne endlich mir das Land! / So weit die deutsche Zunge klingt / Und Gott im Himmel Lieder singt, / Das soll es seyn! […]</p>\n<p>Das ist das Deutsche Vaterland, / Wo Zorn vertilgt den wälschen Tand, / Wo jeder Franzmann heißet Feind, / Wo jeder Deutsche heißet Freund, / Das soll es seyn! / Das ganze Deutschland soll es seyn!“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Nach: O. L. B. Wolff (Hg.), Poetischer Hausschatz des deutschen Volkes, Leipzig 1850, S. 97; Wortlaut nach German History in Documents and Images (GHDI). Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Ernest Renan, Vortrag „Was ist eine Nation?“ an der Sorbonne, 1882 (Auszug, deutsche Übersetzung)</span>\n<p>„Eine Nation ist also eine große Solidargemeinschaft, getragen vom Gefühl der Opfer, die man gebracht hat, und der Opfer, die man noch bringen will. […] Das Dasein einer Nation ist – erlauben Sie mir dieses Bild – ein Plebiszit Tag für Tag […].“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Ernest Renan, Was ist eine Nation?, Hamburg 1996, S. 35; zitiert nach Christian Bala, „Nation“, bpb (s. o.).</p>\n</div>\n<p>Vergleiche: Arndt schrieb in den <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Befreiungskriegen<span class=\"wort-erkl\">Kriege 1813 bis 1815 gegen Napoleon, der große Teile Deutschlands besetzt oder beherrscht hatte</span></span> gegen Napoleon. Sein Maßstab ist die Sprache: Deutschland ist überall, wo Deutsch gesprochen wird, unabhängig von Fürsten und Grenzen. Zugleich bestimmt er die Nation durch Abgrenzung: Der Franzose ist „Feind“. Renan antwortete 1882, nachdem Deutschland Elsass-Lothringen mit der Begründung der deutschen Sprache annektiert hatte. Für ihn zählt nicht die Sprache, sondern der Wille, zusammenzuleben, den die Menschen jeden Tag neu bestätigen, wie bei einer Abstimmung. Beide Texte sind keine neutrale Beschreibung, sondern politische Forderungen.</p>\n\n<h4>Deutschland: Einheit von oben</h4>\n<p>1815 entstand statt eines Nationalstaats der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Deutsche Bund<span class=\"wort-erkl\">lockerer Staatenbund von 1815 bis 1866 aus rund 40 Einzelstaaten unter Vorsitz Österreichs, ohne gemeinsame Regierung und ohne gewähltes Parlament</span></span>. Die Nationalbewegung forderte „Einheit und Freiheit“ zugleich; 1848/49 scheiterte der Versuch, beides „von unten“ durch ein gewähltes Parlament zu erreichen. Preußen und Österreich rangen um die Vorherrschaft (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Dualismus<span class=\"wort-erkl\">die Rivalität der beiden Großmächte Preußen und Österreich um die Führung in Deutschland</span></span>).</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 3 · Otto von Bismarck, preußischer Ministerpräsident, vor der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses, 30. September 1862 (Auszug)</span>\n<p>„Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht; […] nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen – sondern durch Eisen und Blut.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bismarck, Die gesammelten Werke, Bd. 10, Berlin 1924–1935, S. 139 f.; Wortlaut nach German History in Documents and Images (GHDI). Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>1864:</strong> Preußen und Österreich besiegen Dänemark und übernehmen Schleswig und Holstein.</li>\n<li><strong>1866:</strong> Preußen besiegt Österreich bei Königgrätz. Der Deutsche Bund löst sich auf, Österreich scheidet aus Deutschland aus.</li>\n<li><strong>1867:</strong> Norddeutscher Bund unter preußischer Führung; die süddeutschen Staaten schließen Schutz- und Trutzbündnisse mit ihm.</li>\n<li><strong>1870/71:</strong> Krieg gegen Frankreich; die süddeutschen Staaten kämpfen mit. Am 18. Januar 1871 wird im Spiegelsaal von Versailles der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Frankreich muss Elsass und einen Teil Lothringens abtreten.</li>\n</ol>\n<p>Das Ergebnis war ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">kleindeutscher<span class=\"wort-erkl\">Lösung der deutschen Frage ohne Österreich, unter Führung Preußens; die großdeutsche Lösung hätte Österreich einbezogen</span></span> Nationalstaat. Er beruhte auf dem Beschluss der Fürsten, nicht auf einer demokratischen Massenbewegung. Er ließ die deutschsprachigen Österreicher draußen und umfasste zugleich nationale Minderheiten (Polen, Dänen, Elsass-Lothringer), deren Zugehörigkeit zur Nation bezweifelt wurde. Auch Juden, die sich eindeutig zur Nation bekannten, waren nicht vor Ausgrenzung sicher. Der Philosoph Helmuth Plessner nannte Deutschland deshalb eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„verspätete Nation“<span class=\"wort-erkl\">Deutung: Deutschland wurde später als Frankreich oder England Nationalstaat und holte Einheit vor Freiheit nach; daraus erklären manche den aggressiven Nationalismus des Kaiserreichs</span></span>; das ist eine Deutung, kein Befund.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bala (s. o.), Abschnitt „Deutschland als ‚verspätete Nation‘“.</p>\n\n<h4>Polen: Nation ohne Staat</h4>\n<p>In drei Teilungen (1772, 1793, 1795) teilten Russland, Preußen und Österreich den polnisch-litauischen Staat vollständig unter sich auf; an der zweiten war Österreich nicht beteiligt. Über 120 Jahre lebte die Nation ohne Staat weiter: in Sprache, Literatur, Musik und im katholischen Glauben. Polen ist deshalb das klassische Beispiel einer Kulturnation, in der Nationalbewusstsein und Freiheitskampf zusammenfielen. Die Aufstände gegen Russland 1830/31 und 1863 scheiterten. In Preußen, später im Kaiserreich, sollten die Polen in Schule und Verwaltung „germanisiert“ werden, und der Staat förderte die Ansiedlung deutscher Bauern in den polnischen Gebieten. Am Ende des Ersten Weltkriegs entstand Polen im November 1918 wieder als Staat; Posen und Westpreußen kamen 1919 mit dem Versailler Vertrag dazu.</p>\n\n<h4>Feindbilder: Identität durch Abgrenzung</h4>\n<p>Ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Feindbild<span class=\"wort-erkl\">ein verzerrtes, meist abwertendes Bild einer anderen Gruppe, das den Zusammenhalt der eigenen Gruppe stärkt</span></span> sagt mehr über die eigene Gruppe als über die andere: Wer „wir“ sind, wird oft dadurch bestimmt, wer „die anderen“ sind.</p>\n<ul>\n<li><strong>Deutschland und Frankreich:</strong> Von der „Erbfeindschaft“ sprachen beide Seiten. Arndts Lied (M 1) wurde im 19. Jahrhundert unzählige Male gesungen; in der Rheinkrise 1840 entstand „Die Wacht am Rhein“. 1871 kamen die Annexion von Elsass-Lothringen und die Kaiserproklamation in Versailles hinzu, die Frankreich als Demütigung empfand. Es folgten der Erste Weltkrieg, der Versailler Vertrag, unterschrieben am selben Ort, und die Ruhrbesetzung 1923. Erst nach 1945 wurde aus Feinden Partner: Mit dem Élysée-Vertrag 1963 vereinbarten Adenauer und de Gaulle regelmäßige Treffen und einen Jugendaustausch.</li>\n<li><strong>Deutschland und Polen:</strong> Im Kaiserreich galten Polen vielen Deutschen als rückständig und als Gefahr für den „deutschen Osten“; für Polen waren die Deutschen die Teilungsmacht und Germanisierer. Nach 1918 stritten beide Staaten um Grenzen, etwa in Oberschlesien und um den „Korridor“.</li>\n</ul>\n\n<h4>Deutschland und Polen im Zweiten Weltkrieg</h4>\n<p>Neun Tage nach dem Hitler-Stalin-Pakt überfiel Deutschland am 1. September 1939 Polen. Die Nationalsozialisten betrachteten Polen als „rassisch minderwertig“. Ihr Ziel war, die polnische Nation und Kultur zu zerstören und die Polen auf eine führungslose Bevölkerung von Arbeitern für die Deutschen zu reduzieren.</p>\n<ul>\n<li><strong>Mord an der Elite:</strong> In den ersten Wochen erschossen SS, Polizei und Wehrmacht Tausende Zivilisten, darunter Adelige, Geistliche und Intellektuelle; 1940 folgte die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">AB-Aktion<span class=\"wort-erkl\">„Außerordentliche Befriedungsaktion“ 1940: systematische Ermordung von Polen, die als Führungsschicht galten</span></span>.</li>\n<li><strong>Vertreibung und „Germanisierung“:</strong> Aus den annektierten Gebieten wurden Hunderttausende Polen ins Generalgouvernement vertrieben, mehr als 500.000 Deutsche dort angesiedelt. Mindestens 20.000 polnische Kinder wurden ihren Familien weggenommen und „eingedeutscht“.</li>\n<li><strong>Zwangsarbeit:</strong> Mindestens 1,5 Millionen polnische Staatsbürger wurden zur Zwangsarbeit ins Reich verschleppt.</li>\n<li><strong>Opfer:</strong> Die Deutschen töteten schätzungsweise 1,8 bis 1,9 Millionen nichtjüdische polnische Zivilisten und mindestens 3 Millionen jüdische polnische Staatsbürger. Im besetzten Polen errichteten sie die großen Vernichtungslager.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">United States Holocaust Memorial Museum, Holocaust-Enzyklopädie, „Polnische Opfer“.</p>\n<p>Hier zeigt sich die letzte Stufe des Nationalismus: Aus der Abwertung der anderen Nation wurde ein Programm, sie als Nation auszulöschen. Nach 1945 war Versöhnung deshalb mit Polen viel schwerer als mit Frankreich; ein Wendepunkt war der Warschauer Vertrag von 1970, die endgültige Grenzanerkennung kam 1990.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Ist die Nation erfunden?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Die ältere Sicht:</strong> Nationen gibt es seit Langem; der Nationalismus des 19. Jahrhunderts habe sie nur „erweckt“. So sahen sich die Nationalbewegungen selbst, Arndt ist ein Beispiel.</li>\n<li><strong>Die konstruktivistische Sicht:</strong> Der Politikwissenschaftler Benedict Anderson nannte die Nation 1983 eine „vorgestellte politische Gemeinschaft“: Auch in der kleinsten Nation kennt man die meisten anderen nie, und trotzdem lebt im Kopf jedes Einzelnen die Vorstellung der Gemeinschaft. Möglich wurde das erst durch Bücher und Zeitungen in der Volkssprache, die viele Menschen gleichzeitig lasen.</li>\n<li><strong>Was daraus folgt:</strong> „Vorgestellt“ heißt nicht „unwirklich“. Wenn Millionen Menschen an eine Nation glauben, wirkt sie, bis in Kriege hinein. Für die Klausur bedeutet das: Nationsbegriffe sind Deutungen ihrer Zeit, die du an ihrem Ziel und Gegner prüfst.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Anderson, Imagined Communities, London 1983 (deutsch: Die Erfindung der Nation), nach der Würdigung der Cornell University (Nachruf 2015) und einem Auszug im Lehrmittel „Geschichte der Neuzeit“ (Lehrmittelverlag Zürich).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Einschluss oder Ausschluss:</strong> Wen zählt ein Nationsbegriff dazu, wen schließt er aus (Minderheiten, Juden, Nachbarn)?</li>\n<li><strong>Freiheit oder Macht:</strong> Verbindet sich die Nation mit Bürgerrechten und Verfassung oder mit Krieg und Vorherrschaft?</li>\n<li><strong>Von unten oder von oben:</strong> Wer schuf den Nationalstaat, eine Bewegung der Bürger oder Regierungen und Armeen?</li>\n<li><strong>Zeitbezug:</strong> Arndt schrieb unter französischer Herrschaft; ein Urteil muss die Lage von 1813 einbeziehen, ohne die Folgen bis 1945 auszublenden.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierungen „erläutern das Verständnis von ‚Nation‘ in Deutschland und einem weiteren europäischen Land“ und „Einigung Deutschlands – von unten oder von oben?“)</span>\n<p>1. Vergleichen Sie die Vorstellungen von Nation in M 1 und M 2. (AFB II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie mit M 3, auf welchem Weg der deutsche Nationalstaat 1871 entstand. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob die Reichsgründung 1871 die Forderungen der Nationalbewegung von 1813 und 1848 erfüllte. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Arndt (1813, Befreiungskriege): Nation als Sprach- und Kulturgemeinschaft („So weit die deutsche Zunge klingt“), über die Grenzen der Einzelstaaten hinweg, bestimmt durch Abgrenzung vom „Franzmann“ als Feind; Ziel „das ganze Deutschland“. Renan (1882, nach dem Verlust Elsass-Lothringens): Nation als Willensgemeinschaft aus gemeinsamer Erinnerung und dem täglich bestätigten Willen, zusammenzuleben („Plebiszit Tag für Tag“). Gemeinsam: Beide verstehen die Nation als Gemeinschaft mit Opfern und Gefühlen, beide verfolgen politische Ziele. Unterschied: objektives Merkmal Sprache gegen subjektiven Willen; bei Renan könnten Elsässer Franzosen sein, obwohl viele Deutsch sprachen.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Bismarck lehnt 1862 den Weg von 1848 („Reden und Majoritätsbeschlüsse“) ab und setzt auf „Eisen und Blut“, also auf Preußens Militär. Kriege 1864, 1866, 1870/71; Ausschluss Österreichs; Norddeutscher Bund; Kaiserproklamation am 18. Januar 1871 in Versailles durch die Fürsten. Ergebnis: kleindeutscher Nationalstaat „von oben“.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Erfüllt:</em> Die Einheit war erreicht, mit Reichstag und allgemeinem Männerwahlrecht, gemeinsamer Wirtschaft und Recht; viele Liberale begrüßten das Reich. <em>Nicht erfüllt:</em> Ohne Österreich war es nicht „das ganze Deutschland“ Arndts; die Freiheit von 1848 blieb begrenzt, weil der Kaiser den Kanzler ernannte und das Parlament die Regierung nicht stürzen konnte; Minderheiten wurden ausgegrenzt. Ein gelungenes Urteil: Die Einheit kam, aber als Fürstenbund und auf Kosten der Freiheit; „Einheit vor Freiheit“. Für die oberen Noten: Du nennst die Deutung der „verspäteten Nation“ als Position und prüfst sie.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Erkläre mit M 1, wie Arndt die deutsche Nation durch Abgrenzung bestimmt, und nenne ein späteres Beispiel, in dem eine solche Abgrenzung politisch wirksam wurde.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Arndt bestimmt Deutschland nicht nur durch die Sprache, sondern durch den Gegner: Wo „jeder Franzmann heißet Feind“, ist das Vaterland. Die eigene Gruppe wird durch das Feindbild zusammengeschweißt. Wirksam wurde das etwa 1871, als Elsass-Lothringen mit der deutschen Sprache seiner Bewohner annektiert wurde, oder in der Rede von der „Erbfeindschaft“, die den Ersten Weltkrieg begleitete.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Nationalismus immer negativ.</strong> Im Vormärz war er mit Freiheit und Verfassung verbunden.</li>\n<li><strong>Reichsgründung als Werk des Volkes.</strong> Sie war ein Fürstenbund nach Kriegen.</li>\n<li><strong>Kulturnation und Staatsnation als feste Länderetiketten.</strong> Es sind Idealtypen; in jedem Land gab es beide Vorstellungen.</li>\n<li><strong>Polen im Zweiten Weltkrieg nur als Ort der Lager.</strong> Polen und Polinnen waren selbst Ziel der Vernichtungspolitik.</li>\n<li><strong>Quellen wie Arndt als Beschreibung lesen.</strong> Sie sind Forderungen ihrer Zeit; prüfe Ziel und Gegner.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-aufklaerung\">Aufklärung: Menschenrechte, Volkssouveränität, Gewaltenteilung</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Partizipation&card=by-ge-revolution-1848\">Vormärz und Revolution 1848/49</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-europa\">Von der Feindschaft zur Einigung Europas</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Partizipation&card=by-ge-kaiserreich\">Das Kaiserreich 1871–1918: Verfassung und Gesellschaft</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=by-ge-holocaust\">Entrechtung und Völkermord 1933–1945</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-karte\">Geschichtskarten und Historischer Atlas</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-nation -->"
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      "content": "<!-- core-card:ge-europa -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Europäische Einigung und Aussöhnung 1945–2009</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du zur europäischen Einigung eine Quelle oder Darstellung und sollst sie einordnen und beurteilen; Punkte gibt es für Belege am Material und ein begründetes Urteil, nicht fürs Aufzählen von Jahreszahlen. Nach zwei Weltkriegen wollten Politiker in Westeuropa den Nationalstaat so einbinden, dass ein neuer Krieg unmöglich würde. 1950 schlug der französische Außenminister Robert Schuman vor, die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands einer gemeinsamen Behörde zu unterstellen; daraus entstand die Montanunion, 1957 folgte die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft. Aus „Erbfeinden“ wurden Partner: Der Élysée-Vertrag von 1963 machte Deutschland und Frankreich zum Motor der Einigung, die Aussöhnung mit Polen dauerte länger. 1993 entstand mit dem Vertrag von Maastricht die Europäische Union, 2004 traten zehn Staaten vor allem aus Mittel- und Osteuropa bei. Ob die Einigung aus Idealismus oder aus nüchternen Interessen der Staaten entstand, ist unter Historikern umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Beide Niveaus: europäische Einigung und deutsch-französische Verständigung „bis 2009“. Nur eA: deutsch-polnische Annäherung („Kniefall von Warschau und Warschauer Vertrag, deutsch-polnischer Freundschaftsvertrag 1991“) und Polens Beitritt zu NATO und EU (<a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/erhoeht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eA</a>, <a href=\"https://www.lehrplanplus.bayern.de/fachlehrplan/gymnasium/13/geschichte/grundlegend\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gA</a>).</p>\n<p>Grundlegende Daten und Begriffe (GDB) in diesem Lernzettel: 1963 deutsch-französischer Freundschaftsvertrag, 1992 Gründung der Europäischen Union, Adenauer, europäische Integration, Westintegration, Osterweiterung der EU, Kalter Krieg.</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Europa war über Jahrhunderte ein Kontinent der Kriege, zuletzt mit zwei Weltkriegen in dreißig Jahren. Jeder Staat sicherte sich durch eigene Armeen und Bündnisse, und jeder fürchtete den Nachbarn. Nach 1945 kam eine neue Idee auf: Staaten geben einen Teil ihrer Macht an gemeinsame Einrichtungen ab, die über ihnen stehen.</p>\n<p>Diesen Vorgang nennt man <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">europäische Integration<span class=\"wort-erkl\">schrittweiser Zusammenschluss europäischer Staaten, die Zuständigkeiten an gemeinsame Einrichtungen abgeben, von Kohle und Stahl bis zur gemeinsamen Währung</span></span>. Er hat zwei Richtungen: <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Vertiefung<span class=\"wort-erkl\">die Gemeinschaft übernimmt mehr Aufgaben und Rechte, etwa einen Binnenmarkt oder eine gemeinsame Währung</span></span> und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Erweiterung<span class=\"wort-erkl\">neue Mitgliedstaaten treten bei</span></span>. In der Klausur sollst du die Stationen kennen, die Motive der Staaten erklären und beurteilen, was die Einigung für Frieden und Versöhnung leistete.</p>\n</div>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Vertiefung und Erweiterung Europas <span>· Links, wie die Zusammenarbeit enger wurde, rechts, wie die Gemeinschaft wuchs, nach Jahren geordnet.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 430\" role=\"img\" aria-labelledby=\"eu-t eu-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"eu-t\">Vertiefung und Erweiterung der europäischen Einigung</title>\n<desc id=\"eu-d\">Senkrechte Zeitachse mit Jahreszahlen. Links die Vertiefung: 1951/52 Montanunion, 1957 EWG und Euratom, 1993 Maastricht, 1999/2002 Euro. Rechts die Erweiterung: 1951 sechs Gründungsstaaten, 1973 Großbritannien, Dänemark, Irland, 1981 Griechenland, 1986 Spanien und Portugal, 2004 zehn Staaten.</desc>\n<text x=\"180\" y=\"14\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Vertiefung und Erweiterung (nicht maßstäblich)</text>\n<text x=\"78\" y=\"36\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Vertiefung</text>\n<text x=\"282\" y=\"36\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Erweiterung</text>\n<rect x=\"6\" y=\"46\" width=\"144\" height=\"74\" rx=\"6\" fill=\"#7c3aed\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#7c3aed\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"78\" y=\"74.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Montanunion (EGKS):</text>\n<text x=\"78\" y=\"86.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Kohle und Stahl unter</text>\n<text x=\"78\" y=\"98.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">einer Hohen Behörde</text>\n<rect x=\"210\" y=\"46\" width=\"144\" height=\"74\" rx=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#16a34a\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"282\" y=\"62.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Gründungsstaaten:</text>\n<text x=\"282\" y=\"74.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Bundesrepublik,</text>\n<text x=\"282\" y=\"86.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Frankreich, Italien,</text>\n<text x=\"282\" y=\"98.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Niederlande, Belgien,</text>\n<text x=\"282\" y=\"110.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Luxemburg</text>\n<rect x=\"6\" y=\"128\" width=\"144\" height=\"38\" rx=\"6\" fill=\"#7c3aed\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#7c3aed\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"78\" y=\"144.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">EWG und Euratom:</text>\n<text x=\"78\" y=\"156.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">gemeinsamer Markt</text>\n<rect x=\"210\" y=\"174\" width=\"144\" height=\"38\" rx=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#16a34a\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"282\" y=\"190.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Großbritannien,</text>\n<text x=\"282\" y=\"202.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Dänemark, Irland</text>\n<rect x=\"210\" y=\"220\" width=\"144\" height=\"38\" rx=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#16a34a\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"282\" y=\"236.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">1981 Griechenland</text>\n<text x=\"282\" y=\"248.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">1986 Spanien, Portugal</text>\n<rect x=\"6\" y=\"266\" width=\"144\" height=\"38\" rx=\"6\" fill=\"#7c3aed\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#7c3aed\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"78\" y=\"282.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Maastricht: Europäische</text>\n<text x=\"78\" y=\"294.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Union, Währungsunion</text>\n<rect x=\"6\" y=\"312\" width=\"144\" height=\"38\" rx=\"6\" fill=\"#7c3aed\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#7c3aed\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"78\" y=\"328.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Euro: 1999 Buchgeld,</text>\n<text x=\"78\" y=\"340.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">2002 Bargeld</text>\n<rect x=\"210\" y=\"358\" width=\"144\" height=\"62\" rx=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#16a34a\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"282\" y=\"374.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">zehn Staaten, darunter</text>\n<text x=\"282\" y=\"386.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Polen, Tschechien,</text>\n<text x=\"282\" y=\"398.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Ungarn und baltische</text>\n<text x=\"282\" y=\"410.0\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Staaten</text>\n<line x1=\"180\" y1=\"40\" x2=\"180\" y2=\"420\" stroke=\"#64748b\" stroke-opacity=\"0.8\" stroke-width=\"1.5\"/>\n<rect x=\"150\" y=\"74.0\" width=\"60\" height=\"18\" rx=\"9\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"180\" y=\"86.5\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"1\">1951/52</text>\n<rect x=\"150\" y=\"138.0\" width=\"60\" height=\"18\" rx=\"9\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"180\" y=\"150.5\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"1\">1957</text>\n<rect x=\"150\" y=\"184.0\" width=\"60\" height=\"18\" rx=\"9\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"180\" y=\"196.5\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"1\">1973</text>\n<rect x=\"150\" y=\"230.0\" width=\"60\" height=\"18\" rx=\"9\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"180\" y=\"242.5\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"1\">1981/86</text>\n<rect x=\"150\" y=\"276.0\" width=\"60\" height=\"18\" rx=\"9\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"180\" y=\"288.5\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"1\">1993</text>\n<rect x=\"150\" y=\"322.0\" width=\"60\" height=\"18\" rx=\"9\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"180\" y=\"334.5\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"1\">1999/2002</text>\n<rect x=\"150\" y=\"380.0\" width=\"60\" height=\"18\" rx=\"9\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.9\"/>\n<text x=\"180\" y=\"392.5\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"1\">2004</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Zwei Richtungen der Integration aus dem Lernzettel, nach Jahren geordnet; die Abstände sind nicht maßstäblich und nicht jede Beitrittsrunde ist aufgeführt.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Europaideen vor und nach 1945</h4>\n<ul>\n<li><strong>Zwischen den Kriegen:</strong> Richard Coudenhove-Kalergi warb 1922/23 mit „Paneuropa“ für einen Zusammenschluss, der französische Außenminister Aristide Briand legte 1929/30 dem Völkerbund den Plan einer europäischen Union vor. Beides scheiterte an Nationalismus und Weltwirtschaftskrise.</li>\n<li><strong>Churchill 1946:</strong> Am 19. September 1946 forderte der frühere britische Premierminister an der Universität Zürich „eine Art Vereinigter Staaten von Europa“ und die Versöhnung von Deutschland und Frankreich, ein Jahr nach Kriegsende eine unerhörte Idee. Großbritannien selbst sah er nicht als Mitglied, sondern als Förderer.</li>\n<li><strong>Haager Kongress 1948:</strong> Politiker und Bürger stritten, wie viel Macht eine europäische Organisation haben solle. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Föderalisten<span class=\"wort-erkl\">Anhänger eines europäischen Bundesstaats mit starken gemeinsamen Organen über den Nationalstaaten</span></span> wollten eine starke Gemeinschaft, die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Unionisten<span class=\"wort-erkl\">Anhänger einer Zusammenarbeit souveräner Staaten, die ihre Rechte weitgehend behalten</span></span> um Churchill starke Staaten unter einem Dach. Die Unionisten setzten sich durch: 1949 entstand der Europarat, eine Zusammenarbeit von Regierungen.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">bpb, Dossier Europäische Union, „Gründungsjahre“; bpb, Europalexikon „Paneuropa-Union“; APuZ „Geopolitische Motive und Probleme des europäischen Einigungsprozesses“.</p>\n\n<h4>Das Material: die Schuman-Erklärung</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Erklärung des französischen Außenministers Robert Schuman, Paris, 9. Mai 1950 (Auszüge)</span>\n<p>„Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung. Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen. […]</p>\n<p>Die französische Regierung schlägt vor, die Gesamtheit der französisch-deutschen Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Hohen Behörde zu unterstellen, in einer Organisation, die den anderen europäischen Ländern zum Beitritt offensteht. […]</p>\n<p>Die Solidarität der Produktion, die so geschaffen wird, wird bekunden, dass jeder Krieg zwischen Frankreich und Deutschland nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich ist. […] Durch die Zusammenlegung der Grundindustrien und die Errichtung einer neuen Hohen Behörde, deren Entscheidungen für Frankreich, Deutschland und die anderen teilnehmenden Länder bindend sein werden, wird dieser Vorschlag den ersten Grundstein einer europäischen Föderation bilden, die zur Bewahrung des Friedens unerlässlich ist.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutsche Fassung nach der offiziellen Website der Europäischen Union (european-union.europa.eu), „Schuman-Erklärung Mai 1950“. Amtlicher Text.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Schuman will Europa nicht in einem Schritt, sondern Stück für Stück aufbauen, beginnend mit einem Wirtschaftszweig. Er wählt Kohle und Stahl, die Grundstoffe der Rüstung: Wer sie gemeinsam verwaltet, kann nicht heimlich gegeneinander aufrüsten. Neu ist die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Hohe Behörde<span class=\"wort-erkl\">Leitungsorgan der Montanunion aus unabhängigen Persönlichkeiten, dessen Entscheidungen für die Mitgliedstaaten bindend waren; ein Vorläufer der heutigen EU-Kommission</span></span>, deren Beschlüsse über den Staaten stehen. Und das Ziel reicht weiter: eine „europäische Föderation“.</p>\n<p>Hinter dem Plan standen auch Interessen. Frankreich wollte weiter Einfluss auf die deutsche Schwerindustrie behalten, Adenauer wollte die Bundesrepublik international gleichberechtigt machen und fest an den Westen binden, die USA wollten im Kalten Krieg ein wirtschaftlich starkes Westeuropa. Ausgearbeitet hatte den Plan Jean Monnet, Leiter der französischen Planungsbehörde.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Interessen und Monnets Rolle: bpb, „Gründungsjahre“ (s. o.).</p>\n\n<h4>Die Stationen der Einigung</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>1951/52, Montanunion (EGKS):</strong> Vertrag von Paris am 18. April 1951, in Kraft am 23. Juli 1952. Sechs Gründungsstaaten: Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien, Luxemburg.</li>\n<li><strong>1954, Rückschlag:</strong> Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft scheiterte in der französischen Nationalversammlung; die Bundesrepublik trat 1955 der NATO bei.</li>\n<li><strong>1957, Römische Verträge:</strong> Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit dem Ziel eines gemeinsamen Marktes und Europäische Atomgemeinschaft (Euratom); Walter Hallstein wurde erster Präsident der Kommission.</li>\n<li><strong>1963, Élysée-Vertrag:</strong> Am 22. Januar unterzeichneten Adenauer und de Gaulle den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag mit regelmäßigen Regierungstreffen und Jugendaustausch.</li>\n<li><strong>1965/66, Krise des „leeren Stuhls“:</strong> Frankreich blieb den Ministerräten fern, weil es Mehrheitsentscheidungen ablehnte. De Gaulle wollte ein „Europa der Vaterländer“, keinen Bundesstaat.</li>\n<li><strong>1973 bis 1986, Erweiterungen:</strong> Großbritannien, Dänemark und Irland (1973), Griechenland (1981), Spanien und Portugal (1986). 1979 wurde das Europäische Parlament erstmals direkt gewählt.</li>\n<li><strong>1992/93, Maastricht:</strong> Der im Februar 1992 unterzeichnete Vertrag gründete mit seinem Inkrafttreten am 1. November 1993 die Europäische Union und legte die Währungsunion fest; der Euro kam 1999 als Buchgeld, 2002 als Bargeld.</li>\n<li><strong>2004 und 2009:</strong> Am 1. Mai 2004 traten zehn Staaten bei, darunter Polen, Tschechien, Ungarn und die baltischen Staaten; 2009 trat der Vertrag von Lissabon in Kraft.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">EGKS-Daten: bpb, „Gründungsjahre“; Direktwahl 1979, Hallstein: ebd. (Porträts). Übrige Daten: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Deutschland und Frankreich, Deutschland und Polen</h4>\n<ul>\n<li><strong>Frankreich:</strong> Aus der „Erbfeindschaft“ wurde Partnerschaft. Nach dem Élysée-Vertrag entstand 1963 das Deutsch-Französische Jugendwerk. 1984 reichten sich Kohl und Mitterrand in Verdun, Schauplatz der Schlacht von 1916, die Hände. Beide Länder gelten seitdem als „Motor“ der Einigung.</li>\n<li><strong>Polen, die Belastungen:</strong> die deutsche Besatzung mit Millionen Toten 1939 bis 1945, die Westverschiebung Polens nach 1945 mit der Oder-Neiße-Grenze, Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen aus den früheren Ostgebieten.</li>\n<li><strong>Polen, die Schritte:</strong> 1965 schrieben die polnischen Bischöfe an die deutschen, sie gewährten Vergebung und bäten um Vergebung; das kommunistische Regime griff sie dafür an. Am 7. Dezember 1970 erkannte die Bundesrepublik im Warschauer Vertrag die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens an, und Willy Brandt kniete am Mahnmal für den Aufstand im Ghetto. 1990 folgte der Grenzvertrag, 1991 der Nachbarschaftsvertrag; Polen trat 1999 der NATO und 2004 der EU bei, unterstützt von Deutschland.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Bischofsbrief 18.11.1965: Urszula Pękala, Universität Tübingen (Aufsatz zum Briefwechsel); Deutsche Bischofskonferenz, Erklärung zum 60. Jahrestag (2025). Warschauer Vertrag und Kniefall: siehe Lernzettel zur Neuen Ostpolitik (LeMO).</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Drei Kräfte trieben die Einigung: die Erfahrung der Weltkriege, die Lehre zog, den Nationalstaat einzubinden; der Kalte Krieg, in dem die USA ein starkes, geeintes Westeuropa gegen die Sowjetunion wollten; und die Interessen der einzelnen Staaten, die sich vom gemeinsamen Markt Wohlstand und Sicherheit versprachen. Die deutsch-französische Aussöhnung war die Voraussetzung, die deutsch-polnische wurde erst nach 1970 und vor allem nach 1990 möglich. Mit der Osterweiterung 2004 wurde die Einigung, die als westeuropäisches Projekt im Kalten Krieg begonnen hatte, gesamteuropäisch.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Idealismus oder Interessen?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Die Gründererzählung:</strong> Lange erzählte man die Einigung als Werk überzeugter Europäer wie Schuman, Monnet, Adenauer und De Gasperi, die aus den Weltkriegen eine Friedensordnung schufen.</li>\n<li><strong>Die Gegenthese:</strong> Der britische Wirtschaftshistoriker Alan Milward vertrat 1992 in „The European Rescue of the Nation-State“, die Staaten hätten sich nicht aus Idealismus zusammengeschlossen, sondern weil es in ihrem nationalen Interesse lag: Die Integration habe den Nationalstaat nicht abgeschafft, sondern gerettet, indem sie ihm Wohlstand und Sicherheit verschaffte. Die Idealisten nannte er spöttisch die „Heiligen“ Europas.</li>\n<li><strong>Die Kritik an Milward:</strong> Seine wirtschaftliche Analyse gilt als wichtig, aber als zu einseitig, weil sie Ideen, Kalten Krieg und Versöhnung zu gering gewichtet.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Europäisches Parlament, „100 Books on Europe“: Milward; London Review of Books, Perry Anderson, „Under the Sign of the Interim“ (1996); Journal of Contemporary European Research, Rezension 2015.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Frieden:</strong> Hat die Einigung Kriege zwischen den Mitgliedern verhindert, und welchen Anteil hatten NATO und Kalter Krieg?</li>\n<li><strong>Versöhnung:</strong> Wurden alte Feindschaften überwunden, nur mit Frankreich oder auch mit Polen?</li>\n<li><strong>Wohlstand:</strong> Was brachten gemeinsamer Markt und Währung?</li>\n<li><strong>Souveränität und Demokratie:</strong> Wie viel Macht gaben die Staaten ab, und wer kontrolliert die gemeinsamen Organe?</li>\n<li><strong>Motive:</strong> Idealismus, Interessen oder beides?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierungen „den Prozess der europäischen Einigung bis zur Gründung der Europäischen Union“ und „deutsch-französische Kooperation als Motor“)</span>\n<p>1. Analysieren Sie M 1. (AFB I und II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie die Interessen, die Frankreich, die Bundesrepublik und die USA mit dem Schuman-Plan verbanden. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie die These, die europäische Einigung sei vor allem aus nationalen Interessen entstanden. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Regierungserklärung des französischen Außenministers, 9. Mai 1950, fünf Jahre nach Kriegsende, im beginnenden Kalten Krieg; Adressaten: Bundesrepublik, andere europäische Staaten, Öffentlichkeit. Inhalt: schrittweiser Aufbau Europas durch „Solidarität der Tat“, Zusammenlegung der Kohle- und Stahlproduktion unter einer Hohen Behörde mit bindenden Entscheidungen, Offenheit für weitere Staaten, Krieg zwischen Frankreich und Deutschland „materiell unmöglich“, Ziel „europäische Föderation“. Bedeutung: Geburtsstunde der Montanunion und der späteren EU.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Frankreich: Kontrolle über die deutsche Schwerindustrie behalten, Sicherheit vor Deutschland, wirtschaftlicher Wiederaufbau. Bundesrepublik: Gleichberechtigung, Ende der Kontrolle durch die Ruhrbehörde, Westbindung. USA: wirtschaftlich starkes, geeintes Westeuropa gegen die Sowjetunion.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Für die These:</em> Milwards Befund, dass die Staaten Wohlstand und Sicherheit suchten; Frankreichs Kontrollinteresse; Krise des leeren Stuhls und „Europa der Vaterländer“ zeigen die Grenzen der Bereitschaft, Souveränität abzugeben. <em>Dagegen:</em> Die Erfahrung der Weltkriege und der Wille zur Versöhnung prägten Schuman, Adenauer und andere; Schuman nennt die Föderation als Ziel; Gesten wie Élysée-Vertrag, Kniefall und Bischofsbrief gehen über Interessen hinaus. Ein gelungenes Urteil: Interessen erklären, warum die Staaten mitmachten; die Lehren aus den Kriegen erklären, warum gerade diese Form gewählt wurde. Für die oberen Noten: Du nennst Milward als Position und prüfst sie an M 1.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Warum begann die europäische Einigung ausgerechnet mit Kohle und Stahl? Antworte mit einem Beleg aus M 1.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Kohle und Stahl waren die Grundstoffe der Rüstung, und die Gebiete, in denen sie gefördert wurden, waren lange „der Herstellung von Waffen gewidmet“. Wer sie gemeinsam verwaltet, kann nicht heimlich gegeneinander aufrüsten. Schuman wollte einen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich deshalb „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“ machen. Zugleich waren sie für den Wiederaufbau unverzichtbar.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>EU 1957.</strong> 1957 entstanden EWG und Euratom, die EU erst mit Maastricht 1993.</li>\n<li><strong>Europarat und EU verwechseln.</strong> Der Europarat (1949) ist eine Zusammenarbeit von Regierungen, keine Vorstufe der EU.</li>\n<li><strong>Kniefall in Auschwitz.</strong> Er fand in Warschau statt, am Mahnmal für den Ghettoaufstand.</li>\n<li><strong>Einigung ohne Konflikte.</strong> Die EVG scheiterte, Frankreich blockierte 1965, die Oder-Neiße-Grenze war in der Bundesrepublik heftig umstritten.</li>\n<li><strong>Nur Idealismus nennen.</strong> Nenne auch die Interessen der Staaten und den Kalten Krieg.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ordnungen+in+Europa&card=by-ge-nation\">Nation und Nationalstaat: Deutschland, Frankreich, Polen</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Abitur+2027&card=by-ge-pruefung-2027\">Abitur 2027 Geschichte: Termine, Zeit, Aufbau</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-zeitleiste\">Zeitleiste: von Athen bis 2013</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=by-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=by-ge-urteil\">Sachurteil und Werturteil</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=by-ge-brd-1990-2013\">Die Bundesrepublik 1990–2013</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-europa -->"
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