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  "category": "Abitur 2027",
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  "version": "2027.1",
  "lastUpdated": "2026-10-26",
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    {
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      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Vorbereitung in letzter Minute (2027)",
      "short": "Die letzten Tage vor der Deutschklausur: was in deinem Land drankommt, welche Lernzettel du jetzt öffnest und was du am Ende prüfst.",
      "cardType": "strategy",
      "content": "<!-- core-card:de-lastminute-2027 -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Prüfung</span><span>Abitur</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Dieser Lernzettel ist für die letzten Tage vor der schriftlichen Deutschprüfung. Oben steht, was in deinem Land amtlich gilt: Arbeitszeit, Auswahl, Hilfsmittel und Aufgabenarten. Darunter findest du die Lernzettel zu deinen Schwerpunkten, die du jetzt noch einmal öffnen solltest. Zum Schluss steht, was du in den letzten Minuten der Klausur prüfst. Uhrzeit und Raum erfährst du von deiner Schule.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt</span>\n<p>Du bekommst vier Aufgaben und wählst eine. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit. Hilfsmittel: Nachschlagewerke zur Rechtschreibung und die verpflichtenden Ganzschriften.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p></div>\n<!-- /land -->\n<h4>Deine Schwerpunkte</h4>\n<!-- land-extra -->\n<p>Öffne jetzt noch einmal diese Lernzettel:</p>\n<ul>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=bb-de-abitur2026-sprache-politik\">Politische Sprache</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=bb-de-abitur2026-klassik-menschenbilder\">Literatur um 1800 / Romantik</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=bb-de-abitur-kleist-zerbrochene-krug\">Kleist: Der zerbrochne Krug</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=bb-de-abitur-erpenbeck-heimsuchung\">Erpenbeck: Heimsuchung</a></li>\n</ul>\n<p>Mögliche Aufgabenarten: Interpretation literarischer Texte, Analyse pragmatischer Texte, Erörterung literarischer oder pragmatischer Texte, materialgestütztes Verfassen argumentierender Texte.</p>\n<!-- /land-extra -->\n\n<h4>Was du noch klären solltest</h4>\n<ul>\n<li><!-- pruefungstag --><strong>Prüfungstag:</strong> Mittwoch, 28. April 2027. Uhrzeit und Raum erfährst du von deiner Schule. <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/RS_6-25_Abiturtermine_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amtliche Terminliste</a><!-- /pruefungstag --></li>\n<li><strong>Welche Textausgabe zugelassen ist:</strong> Wenn Lektüren als Hilfsmittel erlaubt sind, ist oft genau festgelegt, welche Ausgabe und ob Notizen darin stehen dürfen. Frag deine Lehrkraft, bevor du dein Exemplar einpackst.</li>\n<li><strong>Wörterbuch:</strong> Frag deine Lehrkraft, ob du ein eigenes Rechtschreibwörterbuch mitbringst oder die Schule eines stellt.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>In Abituraufgaben zu Texten zählt die Verstehensleistung etwa 70 %, die Darstellungsleistung etwa 30 %; bei materialgestützten Aufgaben etwa 60 zu 40. Zur Darstellung gehören Aufbau, Fachsprache, Zitieren und Belegen, Ausdruck und Stil sowie Rechtschreibung und Grammatik. Gerade diese Punkte kannst du in den letzten Minuten noch sichern.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">IQB, Abituraufgaben Deutsch, Bewertungshinweise (Interpretation gA 2024; Materialgestütztes Verfassen eA 2024).</p>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">So wird gewertet <span>· Zwei Balken zeigen, wie viel Verstehen und wie viel Darstellung zählen. Du siehst, wo sich die letzten Minuten lohnen.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 136\" role=\"img\" aria-labelledby=\"lm-t lm-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"lm-t\">So werden Textaufgaben gewertet</title>\n<desc id=\"lm-d\">Zwei Balken: Bei Abituraufgaben zu Texten zählt die Verstehensleistung etwa 70 Prozent und die Darstellungsleistung etwa 30 Prozent, bei materialgestützten Aufgaben etwa 60 zu 40.</desc>\n<text x=\"6\" y=\"14\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.75\">Aufgaben zu Texten</text>\n<rect x=\"6.0\" y=\"20\" width=\"243.6\" height=\"36\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"127.8\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Verstehen</text>\n<text x=\"127.8\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 70 %</text>\n<rect x=\"249.6\" y=\"20\" width=\"104.4\" height=\"36\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"301.8\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Darstellung</text>\n<text x=\"301.8\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 30 %</text>\n<text x=\"6\" y=\"76\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.75\">Materialgestützte Aufgaben</text>\n<rect x=\"6.0\" y=\"82\" width=\"208.8\" height=\"36\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"110.4\" y=\"98\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Verstehen</text>\n<text x=\"110.4\" y=\"112\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 60 %</text>\n<rect x=\"214.8\" y=\"82\" width=\"139.2\" height=\"36\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"284.4\" y=\"98\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Darstellung</text>\n<text x=\"284.4\" y=\"112\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 40 %</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Die Gewichtung aus diesem Lernzettel als Balken.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Die letzten zehn Minuten in der Klausur</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Operator.</strong> Lies die Aufgabe noch einmal: Hast du wirklich interpretiert, erörtert, verglichen, und alle Teilaufgaben bearbeitet?</li>\n<li><strong>Zitate.</strong> Wörtlich, in Anführungszeichen, mit Zeile oder Vers.</li>\n<li><strong>Tempus und Modus.</strong> Präsens für deine Aussagen über den Text, Konjunktiv für fremde Thesen.</li>\n<li><strong>Bezüge.</strong> Heißt es „der Erzähler“ und „das lyrische Ich“, nicht „der Autor sagt“?</li>\n<li><strong>Rechtschreibung.</strong> Namen und Titel aus der Vorlage abgleichen, Kommas vor „dass“ und bei Einschüben.</li>\n</ol>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · eine echte Aufgabenstellung lesen</span>\n<p><em>1. Stellen Sie den Gedankengang des Textes von Andreas Frey dar und erläutern Sie die Intention des Textes.</em> (ca. 40 %)<br><em>2. Erörtern Sie ausgehend vom vorliegenden Text die Position des Autors.</em> (ca. 60 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Erörterung pragmatischer Texte, erhöhtes Niveau (Aufgabe 2024).</p>\n<p>Beantworte in einer Minute: Welche Operatoren stecken darin? Welcher Teil bekommt mehr Zeit? Worauf muss sich die Erörterung beziehen?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Drei Operatoren: darstellen, erläutern (Teil 1) und erörtern (Teil 2). Teil 2 wiegt mit ca. 60 % schwerer und bekommt deshalb mehr Schreibzeit. Die Erörterung geht „ausgehend vom vorliegenden Text“ von der Position des Autors aus, nicht vom Thema allgemein.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler kurz vorher</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Neuen Stoff anfangen.</strong> In den letzten Tagen wiederholst du, was du kannst, statt ein neues Werk zu lesen.</li>\n<li><strong>Die Auswahl verschleppen.</strong> Entscheide dich in der Auswahlzeit und bleib dann bei deiner Aufgabe.</li>\n<li><strong>Ohne Konzept losschreiben.</strong> Ein Plan mit Hypothese und Gliederung spart später Zeit.</li>\n<li><strong>Keine Zeit für die Kontrolle.</strong> In den letzten Minuten lassen sich Fehler in der Darstellung noch beheben.</li>\n<li><strong>Falsche Ausgabe mitbringen.</strong> Wenn eine Lektüre erlaubt ist, gilt oft nur eine bestimmte Ausgabe ohne Notizen.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=bb-de-ausdruck-fehler\">Typische Ausdrucksfehler vermeiden</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-de-methoden-zitieren\">Richtig zitieren</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-de-methoden-einleitungssatz\">Einleitungssatz schreiben (TATT-Formel)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=bb-de-ausdruck-ueberleitung\">Überleitungen schreiben</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-lastminute-2027 -->"
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      "id": "bb-de-abitur-kleist-zerbrochene-krug",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Kleist: Der zerbrochne Krug",
      "short": "Pflicht. 12. Auftritt in gekürzter und Variant-Fassung.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Heinrich von Kleist: <em>Der zerbrochne Krug</em> (1811)</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In „Der zerbrochne Krug“ verhandelt Dorfrichter Adam an einem einzigen Vormittag einen Fall, den er selbst verursacht hat: Er war nachts bei Eve und hat auf der Flucht den Krug ihrer Mutter zerbrochen. Gerichtsrat Walter schaut ihm dabei zu, und Adam verstrickt sich in immer neue Lügen, bis Frau Brigitte seine Perücke bringt und Eve ihn als Täter nennt. Im 12. Auftritt erklärt Eve, warum sie geschwiegen hat: Adam hat ihr eingeredet, Ruprecht müsse als Soldat nach Ostindien, und ihr ein falsches Attest angeboten. In der langen Fassung, dem Variant, traut Eve danach keiner Obrigkeit mehr, bis Walter ihr sein Wort mit Geld beweist. Für die Prüfung brauchst du beides: die Komik um Adam und den Vertrauensverlust bei Eve.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Brandenburg ist „Der zerbrochne Krug“ verbindliche Lektüre, und der Titel schreibt sich „zerbrochne“. Achte beim Lesen auf den Richter, der die Wahrheit verdunkelt, und auf Eve, deren Vertrauen in Recht und Menschen bricht.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Heinrich von Kleist, <em>Der zerbrochne Krug</em> (1811). Grundlage für Aufgaben: Kenntnis des 12. Auftritts in der gekürzten und der Variant-Fassung. Die Ganzschrift darfst du in der Prüfung verwenden.</div><aside class=\"loop-callout\"><span class=\"loop-callout-eyebrow\">Lerncheck</span><p><strong>Am Ende dieses Lernzettels:</strong> kurzer Check: So siehst du, was sitzt.</p></aside>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:werk:kleist-krug -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Heinrich von Kleist hat ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Lustspiel<span class=\"wort-erkl\">älteres Wort für Komödie</span></span> geschrieben, das in einem einzigen Raum spielt: in der Gerichtsstube von Huisum, einem Dorf bei Utrecht in den Niederlanden. Es gibt keine Akte, nur 13 Auftritte hintereinander. Ein neuer Auftritt beginnt, wenn eine Figur kommt oder geht.</p>\n<p>Das Stück ist in <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Blankversen<span class=\"wort-erkl\">Verse ohne Reim mit fünf betonten Silben</span></span> geschrieben. Deshalb zitierst du mit Auftritt und Vers.</p>\n<p>Die Tat ist schon passiert, bevor das Stück beginnt. Gezeigt wird, wie sie ans Licht kommt. So ein Stück heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">analytisches Drama<span class=\"wort-erkl\">die Tat liegt vor dem Anfang, gespielt wird ihre Aufklärung</span></span>. Das Besondere: Der Mann, der aufklären soll, ist selbst der Täter. Das Publikum ahnt das früh, die meisten Figuren nicht. Daraus entsteht <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">dramatische Ironie<span class=\"wort-erkl\">das Publikum weiß mehr als die Figuren und hört, wie sie sich verraten</span></span>.</p>\n</div>\n\n<h4>Die Handlung in 13 Auftritten</h4>\n<ul>\n<li><strong>1. bis 3. Auftritt, vor der Sitzung:</strong> Adam verbindet sich das Bein, sein Gesicht ist zerschunden, seine Perücke fehlt. Er erfindet Ausreden: ein Sturz am Ofen, eine Katze, die in die Perücke gejungt habe. Schreiber Licht meldet, dass Gerichtsrat Walter aus Utrecht die Dorfgerichte prüft und im Nachbarort Holla Richter und Schreiber suspendiert hat. Adam erzählt Licht einen Traum: Ein Kläger schleppt ihn vor Gericht, und er selbst sitzt dort als Richter.</li>\n<li><strong>4. und 5. Auftritt, Walter kommt:</strong> Walter will die Rechtspflege auf dem Land verbessern, heute aber nur „sehn“, nicht „strafen“. Eine geliehene Perücke gibt es nicht, also hält Adam kahlköpfig Gericht.</li>\n<li><strong>6. Auftritt, die Parteien:</strong> Frau Marthe Rull klagt gegen Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve. Ruprecht beschimpft Eve als „Metze“ (Hure) und will sie nicht mehr heiraten.</li>\n<li><strong>7. Auftritt, die Verhandlung:</strong> Adam droht Eve heimlich mit einem Attest, Walter verbietet ihm das Flüstern. Marthe beschreibt lang den Krug und seine Geschichte. Ruprecht erzählt die Nacht: Er sah Eve mit einem Mann im Garten, trat ihre Tür ein, der Krug fiel, und einer sprang aus dem Fenster. Ruprecht schlug ihm mit der Türklinke auf den Kopf und bekam Sand in die Augen. Er hält den Flickschuster Lebrecht für den Täter.</li>\n<li><strong>8. bis 10. Auftritt, Adam lenkt ab:</strong> Adam will, dass Eve Lebrecht oder Ruprecht nennt. Eve sagt nur, Ruprecht war es nicht, und schweigt über den Rest. Lebrecht war gestern in Utrecht. Frau Brigitte wird geholt. Beim Wein fragt Walter nach Adams Wunden, und Adam erklärt den Verlust der Perücke jetzt anders: Sie sei an der Kerze verbrannt.</li>\n<li><strong>11. Auftritt, die Entlarvung:</strong> Frau Brigitte bringt eine Perücke, die im Weinspalier unter Eves Fenster hing. Sie erzählt von einem Kahlkopf mit Pferdefuß und von einer Spur im Schnee bis zu Adams Haus. Adam spricht Ruprecht trotzdem schuldig. Da ruft Eve: „Der Richter Adam hat den Krug zerbrochen!“ Ruprecht prügelt los, Adam flieht.</li>\n<li><strong>12. Auftritt, Eve erklärt:</strong> Eve bittet Walter, Ruprecht vor der Aushebung zu retten. Adam hatte ihr erzählt, die Truppen kämen nach Ostindien, und ihr nachts ein falsches Krankheitsattest angeboten. Walter erklärt den Brief für falsch, Adam wird suspendiert, Licht übernimmt das Amt.</li>\n<li><strong>Letzter Auftritt:</strong> Marthe fragt, wo in Utrecht die Regierung sitzt: „Soll hier dem Kruge nicht sein Recht geschehn?“ Der Fall ist geklärt, der Krug bleibt kaputt.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wer mit wem</h4>\n<!-- fig:krug-figurenkonstellation -->\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Figurenkonstellation <span>· Alle Figuren auf einen Blick. Du siehst, wer Adam prüft, wen er unter Druck setzt und wem er die Schuld zuschiebt.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 398\" xmlns=\"http://www.w3.org/2000/svg\" role=\"img\" aria-labelledby=\"krug-figurenkonstellation-t krug-figurenkonstellation-d\" font-family=\"system-ui, sans-serif\">\n<title id=\"krug-figurenkonstellation-t\">Figurenkonstellation: Der zerbrochne Krug</title>\n<desc id=\"krug-figurenkonstellation-d\">Gerichtsrat Walter prüft Dorfrichter Adam. Schreiber Licht will Adams Amt. Frau Brigitte, Ruprechts Muhme, findet Perücke und Fußspur. Adam erpresst Eve mit einem falschen Attest und schiebt Ruprecht die Schuld zu. Frau Marthe Rull ist Eves Mutter und klagt gegen Ruprecht. Eve und Ruprecht wollen heiraten, Veit Tümpel ist Ruprechts Vater.</desc>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"95\" y=\"8\" width=\"170\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"180\" y=\"25\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Gerichtsrat Walter</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"180\" y=\"40\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">prüft die Gerichte</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"6\" y=\"88\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"86\" y=\"105\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Schreiber Licht</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"86\" y=\"120\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Adams „Gevatter“</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"194\" y=\"88\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"274\" y=\"105\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Frau Brigitte</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"274\" y=\"120\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Ruprechts Muhme</text>\n<rect class=\"g-flaeche\" x=\"95\" y=\"168\" width=\"170\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"#3b82f6\" fill-opacity=\"0.12\"/>\n<rect class=\"g-feld\" x=\"95\" y=\"168\" width=\"170\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"#3b82f6\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"180\" y=\"185\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Dorfrichter Adam</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"180\" y=\"200\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Richter und Täter</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"6\" y=\"258\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"86\" y=\"275\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Eve</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"86\" y=\"290\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Marthes Tochter</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"194\" y=\"258\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"274\" y=\"275\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Ruprecht</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"274\" y=\"290\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Beschuldigter</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"6\" y=\"348\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"86\" y=\"365\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Frau Marthe Rull</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"86\" y=\"380\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Klägerin gegen Ruprecht</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"194\" y=\"348\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"274\" y=\"365\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Veit Tümpel</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"274\" y=\"380\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Bauer</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"180\" y1=\"50\" x2=\"180\" y2=\"166\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"180,166 177.3,159.6 182.7,159.6\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"186\" y=\"70\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">prüft sein Amt</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"110\" y1=\"130\" x2=\"150\" y2=\"166\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"150,166 143.4,163.7 147,159.7\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"8\" y=\"152\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">will sein Amt</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"250\" y1=\"130\" x2=\"210\" y2=\"166\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"210,166 213,159.7 216.6,163.7\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"352\" y=\"146\" font-size=\"11\" text-anchor=\"end\" fill=\"currentColor\">findet Perücke</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"352\" y=\"159\" font-size=\"11\" text-anchor=\"end\" fill=\"currentColor\">und Fußspur</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"150\" y1=\"210\" x2=\"100\" y2=\"256\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"100,256 102.9,249.6 106.6,253.6\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"8\" y=\"232\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">erpresst sie</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"8\" y=\"245\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">(falsches Attest)</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"210\" y1=\"210\" x2=\"260\" y2=\"256\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"260,256 253.4,253.6 257.1,249.6\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"352\" y=\"232\" font-size=\"11\" text-anchor=\"end\" fill=\"currentColor\">schiebt ihm</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"352\" y=\"245\" font-size=\"11\" text-anchor=\"end\" fill=\"currentColor\">die Schuld zu</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"166\" y1=\"279\" x2=\"194\" y2=\"279\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"2\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"180\" y=\"318\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">wollen heiraten</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"60\" y1=\"300\" x2=\"60\" y2=\"348\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"66\" y=\"328\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">Mutter</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"300\" y1=\"300\" x2=\"300\" y2=\"348\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"306\" y=\"328\" font-size=\"11\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">Vater</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Figurenkonstellation.</strong> Wer mit wem und gegen wen. Eigene Grafik nach dem Text des Erstdrucks 1811.</figcaption>\n</figure>\n<!-- /fig:krug-figurenkonstellation -->\n<ul>\n<li><strong>Adam</strong>, Dorfrichter: Richter und Täter zugleich. Er hat die Macht über das Verfahren und nutzt sie, um sich zu schützen.</li>\n<li><strong>Walter</strong>, Gerichtsrat aus Utrecht: die höhere <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Instanz<span class=\"wort-erkl\">die nächsthöhere Stelle, die ein Urteil prüfen kann</span></span>. Er will Ordnung, schont aber auch den Ruf des Gerichts.</li>\n<li><strong>Licht</strong>, Schreiber: stichelt von Anfang an und stützt am Ende Brigittes Aussage. Adam weiß, dass Licht gern selbst Dorfrichter wäre.</li>\n<li><strong>Eve</strong>: weiß als Einzige, was passiert ist, und schweigt, um Ruprecht zu schützen.</li>\n<li><strong>Ruprecht</strong>, Sohn des Bauern Veit Tümpel: glaubt nur, was er sieht: „Was ich mit Händen greife, glaub’ ich gern“ (9. Auftritt).</li>\n<li><strong>Frau Marthe</strong>, Eves Mutter: klagt um den Krug und meint die Ehre der Tochter: „Dein guter Name lag in diesem Topfe“ (6. Auftritt).</li>\n<li><strong>Frau Brigitte</strong>, Ruprechts Tante: bringt das Beweisstück.</li>\n</ul>\n\n<h4>Der 12. Auftritt in zwei Fassungen</h4>\n<p>Kleist hat den 12. Auftritt für den Druck stark gekürzt und die ursprüngliche, lange Fassung als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Variant<span class=\"wort-erkl\">Kleists erste, lange Fassung des 12. Auftritts; sie steht im Anhang deiner Ausgabe</span></span> hinten angehängt. Du musst beide kennen.</p>\n<ul>\n<li><strong>Gekürzte Fassung:</strong> Eve erzählt in wenigen Sätzen vom Brief, von der Ostindien-Lüge und vom falschen Attest. Walter sagt, der Brief ist falsch, und Eve glaubt ihm sofort: „O Himmel! Wie belog der Böswicht mich!“ Die Verlobten versöhnen sich.</li>\n<li><strong>Variant:</strong> Eve erzählt alles selbst. Adam versprach ein Attest vom Arzt und wollte den Namen nachts in ihrer Kammer eintragen. Dort hängte er seine Perücke auf den Krug und riss vor dem Sprung aus dem Fenster Perücke und Krug vom Sims. Eve kann nicht lesen; Adam hat ihr den angeblichen Geheimbrief vorgelesen. Gelogen hat sie nach eigenen Worten nur durch Schweigen. Als Walter sagt, die Miliz bleibe im Land, glaubt sie auch ihm nicht. Erst ein Beutel mit zwanzig Gulden überzeugt sie.</li>\n</ul>\n<p><strong>Warum das wichtig ist:</strong> In der kurzen Fassung ist Eve Opfer einer Lüge, die schnell aufgeklärt wird. Im Variant sieht man, was die Lüge zerstört hat: Eve traut keinem Amt mehr, und Walter fragt sie, ob sie so wenig Vertrauen habe.</p>\n\n<h4>Deutungsansätze, jeweils mit Beleg</h4>\n<ul>\n<li><strong>Der Richter verhandelt gegen sich selbst.</strong> Adam träumt im 3. Auftritt, ein Kläger schleppe ihn „vor den Richtstuhl“, und er säße „gleichwohl auf dem Richtstuhl dort“. Das ist der Bauplan des Stücks. Kleist vergleicht in seiner Vorrede den misstrauischen Schreiber auf seiner Bildvorlage mit Kreon, der Ödipus ansieht: Wie in Sophokles’ „König Ödipus“ sucht einer den Täter und ist es selbst.</li>\n<li><strong>Sündenfall.</strong> Adam und Eve tragen die Namen aus der Bibel. Licht spielt gleich im 1. Auftritt darauf an: Adam stamme „von einem lockern Ältervater, / Der so beim Anbeginn der Dinge fiel“. Adams „Fall“ heißt also Sturz und Schuld zugleich.</li>\n<li><strong>Recht und Macht.</strong> Adam beruft sich auf „Statuten, eigentümliche, in Huisum, / Nicht aufgeschriebene“ (7. Auftritt): Recht ist, was der Richter sagt. Auch Walter schützt vor allem die Einrichtung: „Was euch schützt, / Ist einzig nur die Ehre des Gerichts“ (11. Auftritt). Am Schluss schickt er Licht, Adam zurückzuholen: Stimmen die Kassen, will er ihn nicht zur Flucht zwingen. Deutung: Das Stück zeigt nicht nur einen schlechten Richter, sondern ein Gericht, das sich selbst schont.</li>\n<li><strong>Sprache als Waffe.</strong> Adam spricht doppeldeutig mit Eve: „Ein Richter immer, weißt du, ist ein Richter, / Und einer braucht ihn heut, und einer morgen“ (9. Auftritt). Er wechselt die Ausreden (Ofen, Katze, Kerze). Eve dagegen kann nicht sagen, was sie weiß: „Es ist des Himmels wunderbare Fügung, / Die mir den Mund in dieser Sache schließt“ (9. Auftritt). Wer reden kann, hat Macht; wer schweigt, wird verdächtigt.</li>\n<li><strong>Der Krug als Bild der Geschichte.</strong> Auf dem Krug war die Übergabe der Niederlande an den spanischen König Philipp gemalt, und er wurde zu Beginn des Aufstands gegen Spanien einem Spanier abgenommen (7. Auftritt). Dass ausgerechnet ein Diener des eigenen Staates ihn zerbricht, liest der Germanist Dirk Grathoff als Zeichen einer neuen Zeit, in der der eigene Staat die Bürger bedrängt. Das ist eine Deutung, kein Fakt im Text.</li>\n<li><strong>Komik mit Ernst.</strong> Gelacht wird über den kahlen Richter und über Marthes Wortspiele („entscheiden“, „geschieden“, 6. Auftritt). Darunter liegen Erpressung und Angst, besonders im Variant.</li>\n</ul>\n\n<h4>Entstehung und Epoche</h4>\n<ul>\n<li>Den Anstoß gab 1802 in der Schweiz ein französischer Kupferstich, „Le juge, ou la cruche cassée“ (Der Richter oder der zerbrochene Krug). Kleist, Heinrich Zschokke und Ludwig Wieland verabredeten einen Dichterwettstreit dazu; nach Zschokkes Erinnerung gewann Kleists Lustspiel.</li>\n<li>Uraufführung am 2. März 1808 in Weimar, inszeniert von Goethe. Die Aufführung fiel durch.</li>\n<li>Das ganze Stück erschien erst 1811 bei einem Berliner Verlag, mit dem Variant im Anhang.</li>\n<li>Kleist (1777 bis 1811) schreibt zur Zeit von Klassik und Romantik, passt aber zu keiner: Sein Dorf wird nicht idealisiert, und romantische Sehnsucht fehlt. Der Germanist Harro Müller-Michaels spricht von einer „eigenen Spur“ neben Klassik und Romantik. Fragt eine Aufgabe nach der Literatur um 1800, taugt der Krug als Gegenbeispiel zu Klassik und Romantik.</li>\n</ul>\n<!-- bild:krug-titelseite-1811 -->\n<figure class=\"ks-abb ks-bild\">\n<img src=\"/images/blog/krug-titelseite-1811.webp\" width=\"369\" height=\"598\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Titelblatt eines alten Buchs: Der zerbrochne Krug, ein Lustspiel, von Heinrich von Kleist, Berlin 1811\">\n<figcaption><strong>Titelblatt der Erstausgabe, Berlin 1811. Im Titel steht „zerbrochne“, so schreibst du es auch in der Klausur.</strong><br><span class=\"ks-quelle\">Quelle: Erstausgabe Berlin 1811, „Der zerbrochne Krug, ein Lustspiel (Titelblatt)“, 1811. Gemeinfrei. <a href=\"https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Titelseite_von_Kleists_Der_zerbrochne_Krug_1811.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikimedia Commons</a></span></figcaption>\n</figure>\n<!-- /bild:krug-titelseite-1811 -->\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span>\n<p>Verbindliche Lektüre im Grund- und Leistungskurs. Grundlage ist die Kenntnis des 12. Auftritts in der gekürzten und der Variant-Fassung. Arbeitszeit im Grundkurs 255 Minuten, im Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt eine Lektüre oft so vor: Du interpretierst einen Text, den du nicht kennst, und stellst dann einen Bezug zum Krug her. Eine literarische Erörterung bezieht sich immer auf ein ganzes Werk. Nacherzählen sollst du das Stück in keinem Fall.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Variant, 12. Auftritt</span>\n<p>WALTER gibt Eve neu geprägte Gulden, zeigt ihr darauf das Bild des spanischen Königs und fragt, ob sie meine, der König werde sie betrügen.</p>\n<p>EVE sieht auf den Münzen Gottes Antlitz und klagt, dass sie solche Münze nicht mehr erkenne.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Hier steht der Inhalt der Stelle in eigenen Worten; den Wortlaut und die Verszahlen nimmst du aus dem Variant deiner Ausgabe (Schluss, Gespräch zwischen Walter und Eve).</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> Schluss des Variants. Adam ist geflohen, Eve hat alles erzählt und glaubt Walter nicht.<em>Der Auszug steht am Ende des Variants, nachdem Eve die Nacht geschildert hat.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Walter beweist sein Wort nicht mit Argumenten, sondern mit Münzen.</li>\n<li><strong>Zitat mit Wirkung:</strong> Eves Ausruf ist eine Selbstanklage: Sie hat verlernt, Echtes von Falschem zu unterscheiden.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Das Vertrauen kommt zurück, aber nicht durch das Recht.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Am Ende des Variants zeigt sich, wie tief Adams Lüge Eves Vertrauen zerstört hat. Walters Wort genügt ihr nicht mehr, deshalb beweist er seine Aufrichtigkeit mit einem Beutel Gulden. Er verweist auf das Bild des spanischen Königs auf den Münzen und fragt, ob der König sie betrügen werde. Eve sieht darauf Gottes Antlitz und klagt sich selbst an, dass sie solche Münze nicht mehr erkenne. Der Ausruf zeigt, dass sie die Unterscheidung von echt und falsch verloren hat, die ein Gericht eigentlich sichern soll. Brisant ist, dass ausgerechnet der spanische König bürgt, gegen den Eve zu Beginn des Variants die Freiheit der Niederländer verteidigt hat. Das Vertrauen kehrt also zurück, aber durch Geld und ein fremdes Herrscherbild, nicht durch das Recht. Der Schluss bleibt so brüchig wie der Krug.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er ist textnah, baut kurze Zitate in eigene Sätze ein, sagt zu jeder Beobachtung, was sie bewirkt, und lässt eine Spannung stehen. Das verlangen die Bewertungshinweise des IQB für eine gute Interpretation. Dort zählt das Verstehen etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>11. Auftritt. Walter zu Adam: „Nichtswürd’ger! Wert, vor allem Volk ihn schmachvoll / Vom Tribunal zu jagen! Was euch schützt, / Ist einzig nur die Ehre des Gerichts.“ Schreib einen Absatz: Was will Walter hier schützen, und wie passt das zum Schluss des Stücks?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Walter verurteilt Adam scharf („Nichtswürd’ger!“), jagt ihn aber nicht vor allen Leuten vom Richterstuhl. Er schützt also nicht Adam, sondern das Ansehen des Gerichts.</p>\n<p>Das passt zum Schluss: Walter suspendiert Adam, schickt aber Licht, ihn zurückzuholen, und will ihn nicht zur Flucht zwingen, wenn die Kassen stimmen. Die Ordnung wird gerettet, ohne dass das Gericht öffentlich beschädigt wird. Gute Absätze nennen diese Spannung zwischen Gerechtigkeit und Schutz der Einrichtung.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Zitate aus dem Haupttext folgen dem Erstdruck von 1811 in heutiger Schreibung. Den Variant zitierst du nach deiner Ausgabe (Reclam druckt ihn mit Verszahlen im Anhang). Im übrigen Stück nennst du den Auftritt und den Vers deiner Ausgabe, zum Beispiel: „Zum Straucheln braucht’s doch nichts als Füße“ (1. Auftritt, V. 3).</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Nacherzählen statt deuten.</strong> Den Auszug kurz einordnen, dann am Text arbeiten.</li>\n<li><strong>Nur über Adam lachen.</strong> Im Variant ist Eve die Hauptfigur, und ihre Not gehört in die Deutung.</li>\n<li><strong>Die Fassungen vermischen.</strong> Perücke auf dem Krug, Eve kann nicht lesen, zwanzig Gulden: Das steht nur im Variant.</li>\n<li><strong>Walter zum reinen Helden machen.</strong> Er klärt auf, schützt aber auch das Ansehen des Gerichts.</li>\n<li><strong>Eine Deutung als Tatsache hinstellen.</strong> Schreib „lässt sich deuten als“, wenn du zum Beispiel den Krug als Geschichtsbild liest.</li>\n<li><strong>Den Titel falsch schreiben.</strong> Er heißt „Der zerbrochne Krug“, ohne e.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->",
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Die meisten Figuren heißen nach ihrer Rolle, und die Kapitel springen in der Zeit vor und zurück.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Brandenburg ist „Heimsuchung“ verbindliche Lektüre. Der Roman erzählt von einem Grundstück am Scharmützelsee, im Roman Märkisches Meer, und von seinen Bewohnerinnen und Bewohnern vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach 2000. Die großen Themen: Bauen, Besitz, Vertreibung, Mitmachen und Leerstand.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Jenny Erpenbeck, <em>Heimsuchung</em> (2008). Die Ganzschrift darfst du in der Prüfung verwenden.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:werk:erpenbeck-heimsuchung -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>„Heimsuchung“ ist ein kurzer Roman der Gegenwartsliteratur, knapp 190 Seiten, aber sehr dicht. Der See heißt im Roman Märkisches Meer. Das ist der alte Name für den Scharmützelsee in der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mark<span class=\"wort-erkl\">alter Name für die Landschaft rund um die Hauptstadt, daher „märkisch“</span></span>, wo Erpenbecks Großeltern ein Haus hatten. Nach der Wende musste die Familie es zurückgeben. Danach hat Erpenbeck in Archiven die Geschichte des Grundstücks recherchiert.</p>\n<p>Der Titel hat zwei Seiten. Eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Heimsuchung<span class=\"wort-erkl\">ein Unglück, das über Menschen hereinbricht; im Wort steckt auch „ein Heim suchen“</span></span> trifft Menschen von außen. Beides passiert hier: Die Figuren suchen am See ein Zuhause, und die Geschichte des 20. Jahrhunderts sucht sie heim.</p>\n<p>Ein Wort für den Schluss: Wer in der DDR enteignet worden war, konnte nach der Wende sein Grundstück zurückfordern. Das heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Restitution<span class=\"wort-erkl\">Rückübertragung von Eigentum an die früheren Besitzer oder ihre Erben</span></span>. Deshalb verliert am Ende eine Familie das Haus, die dort Jahrzehnte gelebt hat.</p>\n</div>\n\n<h4>Die Kapitel in ihrer Reihenfolge</h4>\n<p>Nach dem Prolog folgen 22 Kapitel und ein Epilog. Die ungeraden Kapitel 1 bis 21 heißen jedes „Der Gärtner“ und stehen vor dem jeweiligen Bewohnerkapitel. Die geraden Kapitel 2 bis 22 erzählen je eine Figur. Nach Kapitel 22 kommt kein Gärtner-Kapitel mehr. In Kapitel 21 zieht sich der Gärtner zurück und verschwindet. Die Bewohnerkapitel sind nicht chronologisch: Das Kapitel über den Architekten (Kapitel 4) spielt Anfang der 1950er-Jahre, das über die jüdische Familie (Kapitel 6) danach in den 1930ern.</p>\n<ul>\n<li><strong>Prolog:</strong> Vor ungefähr 24 000 Jahren schiebt sich das Eis vor. Der See entsteht erst später, als das Toteis taut, und bekommt den Namen Märkisches Meer. Am Ende steht, dass auch er einmal verschwinden wird.</li>\n<li><strong>Kapitel 2, Der Großbauer und seine vier Töchter:</strong> Der Dorfschulze Wurrach lässt seine jüngste Tochter Klara, die psychisch krank wird, entmündigen. Ihr Erbe, den Wald am See, teilt er in drei Grundstücke und verkauft sie: an einen Kaffee- und Teeimporteur, an einen jüdischen Tuchfabrikanten aus Guben und an einen Berliner Architekten. Klara geht im Winter in den See.</li>\n<li><strong>Kapitel 4, Der Architekt:</strong> Anfang der 1950er geht er ein letztes Mal durch sein Haus. Er muss in den Westen fliehen, weil er für einen Bau in Ost-Berlin Schrauben aus dem Westen besorgt hat. Das Nachbargrundstück der jüdischen Familie hat er 1939 weit unter Wert gekauft.</li>\n<li><strong>Kapitel 6, Der Tuchfabrikant:</strong> Arthur und Hermine verbringen mit Sohn Ludwig und Enkelin Doris Tage am See. Ludwig wandert mit Anna nach Südafrika aus, die Eltern besuchen ihn in Kapstadt und kehren zurück. 1939 verkaufen sie das Grundstück, um auszureisen. Die Ausreise scheitert, sie werden ermordet.</li>\n<li><strong>Kapitel 8, Die Frau des Architekten:</strong> Sechs Jahre nach dem Krieg erinnert sie sich an ihr Leben im Haus. Bei Kriegsende hat sie sich vor sowjetischen Soldaten in einem geheimen Schrank versteckt. Der junge Offizier fand sie dort, es kam zu einem erzwungenen Geschlechtsakt. Das Erlebnis hat „ein Loch in ihre Ewigkeit“ gebohrt.</li>\n<li><strong>Kapitel 10, Das Mädchen:</strong> Doris, die zwölfjährige Enkelin des Tuchfabrikanten, versteckt sich im geräumten Warschauer Ghetto in einer dunklen Kammer und erinnert sich an die Sommer am See. Sie wird entdeckt, verschleppt und ermordet.</li>\n<li><strong>Kapitel 12, Der Rotarmist:</strong> Der junge Offizier, dessen Familie von deutschen Soldaten ermordet wurde, besetzt mit seinen Männern das Haus. Dieselbe Nacht im Schrank wird jetzt aus seiner Sicht erzählt.</li>\n<li><strong>Kapitel 14, Die Schriftstellerin:</strong> Eine Kommunistin, die aus dem Exil in der Sowjetunion in die DDR zurückgekehrt ist, hat das Haus vom Staat gepachtet. Sie schreibt über ihre Heimkehr und streitet mit dem Nachbarn um das Grundstück.</li>\n<li><strong>Kapitel 16, Die Besucherin:</strong> Die Großmutter der Schwiegertochter der Schriftstellerin ist bei Kriegsende mit drei Enkeln aus Ostpreußen geflohen. Am See fühlt sie sich fremd.</li>\n<li><strong>Kapitel 18, Die Unterpächter:</strong> Ein Rentnerehepaar hat die Werkstatt am Ufer als Wochenendhaus gepachtet und segelt von dort aus. Nach der Wende erfährt die Frau, dass sie als Flüchtlingskind von ihrer Schwester getrennt wurde. Der Mann denkt an seinen gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR. Weil unklar ist, wem das Grundstück gehört, fürchten beide, die Werkstatt aufgeben zu müssen.</li>\n<li><strong>Kapitel 20, Der Kinderfreund:</strong> Ein Mann aus dem Dorf repariert das leerstehende Haus. Er erinnert sich an die Kindheit mit der Enkelin der Schriftstellerin und an die Vergewaltigung eines zwölfjährigen Mädchens, die beide als Kinder aus einem Versteck mit ansahen.</li>\n<li><strong>Kapitel 22, Die unberechtigte Eigenbesitzerin:</strong> Die Enkelin muss das Haus aufgeben, weil die Erben der Frau des Architekten es zurückfordern. Sie versteckt sich im selben Schrank und hört der Maklerin zu.</li>\n<li><strong>Epilog:</strong> Das Haus wird nach allen Vorschriften abgerissen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wer mit wem</h4>\n<ul>\n<li><strong>Das Dorf:</strong> der Großbauer Wurrach und seine Töchter; der Gärtner, von dem im Dorf niemand weiß, woher er kommt.</li>\n<li><strong>Das Architektenpaar:</strong> baut das Haus; bei Kriegsende dringt der Rotarmist ein.</li>\n<li><strong>Die jüdische Familie aus Guben:</strong> Arthur und Hermine; Sohn Ludwig mit Anna in Kapstadt; Tochter Elisabeth mit Ernst und ihrer Tochter Doris.</li>\n<li><strong>Die Familie der Schriftstellerin:</strong> ihr Sohn, seine Frau, deren Großmutter (die Besucherin), die Enkelin (später die Eigenbesitzerin) und ihr Kinderfreund; dazu die Unterpächter.</li>\n</ul>\n<p>Mit Vornamen erscheinen vor allem die jüdische Familie und die Bauernfamilie, alle anderen heißen nach ihrer Rolle. Deutung: Die Rollennamen machen jede Figur zum Beispiel für ihre Zeit, die Namen halten die Ermordeten fest.</p>\n\n<h4>Woran du die Erzählweise erkennst</h4>\n<ul>\n<li><strong>Zeitsprünge:</strong> Die Kapitel springen vor und zurück und überblenden Zeitebenen. Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb das als Geschichte als „geschichtete Zeit“.</li>\n<li><strong>Ein Ort, mehrere Sichten:</strong> Die Nacht im Schrank steht zweimal da, aus Sicht der Frau und aus Sicht des Rotarmisten. Vergleiche beide, statt einer zu glauben.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Leitmotive<span class=\"wort-erkl\">Wörter, Bilder oder Dinge, die immer wiederkehren und Stellen miteinander verbinden</span></span>:</strong> der Schrank mit dem geheimen Mechanismus, das Badehaus, der Satz „Ich kehre heim“, im Kapitel des Architekten das Wort „Abschließen“. Sie verbinden Kapitel, die zeitlich weit auseinanderliegen.</li>\n<li><strong>Erzählbericht ohne Anführungszeichen:</strong> Figurenrede steht oft ohne Anführungszeichen im Text, vieles klingt wie Erinnerung. Erzählt wird meist <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">zeitraffend<span class=\"wort-erkl\">viel Zeit wird in wenigen Sätzen erzählt</span></span>, die Szene im Schrank dagegen sehr langsam.</li>\n<li><strong>Der wortlose Gärtner:</strong> Er arbeitet, aber er spricht und urteilt nicht. Ein Urteil über die Figuren musst du selbst begründen. In Kapitel 21 verschwindet er und wird nicht wieder gesehen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Deutungsansätze, jeweils mit Beleg</h4>\n<ul>\n<li><strong>Heimat finden und verlieren.</strong> Fast jede Figur sucht am See ein Zuhause und muss es wieder verlassen. Die Schriftstellerin tippt immer wieder den Satz „I-c-h k-e-h-r-e h-e-i-m“, obwohl sie das Haus nur gepachtet hat.</li>\n<li><strong>Besitz und Unrecht.</strong> Der Architekt kauft 1939 das Grundstück der jüdischen Familie weit unter Wert; nach der Wende fordern die Erben seiner Frau das Haus zurück. Schon der Prolog sagt, dass auch der See vergehen wird. Deutung: Besitz ist in diesem Roman immer vorläufig, und jeder Erwerb hat eine Vorgeschichte.</li>\n<li><strong>Erinnern an die Ermordeten.</strong> Der Roman ist Doris Kaplan gewidmet, einem jüdischen Mädchen, das 1942 mit seiner Mutter ins Warschauer Ghetto deportiert wurde. Das Kapitel „Das Mädchen“ erzählt ihr Schicksal nach Recherchen. Deutung: Die Widmung mit vollem Namen stellt sich gegen das Vergessen.</li>\n<li><strong>Natur gegen Geschichte.</strong> Prolog und Epilog rahmen die Menschengeschichte mit Erdgeschichte. Die Neue Zürcher Zeitung las die Naturbilder als Gleichnisse für die Verletzungen, die Menschen der Natur und einander zufügen.</li>\n<li><strong>Gewalt aus beiden Richtungen.</strong> Die Familie des Rotarmisten wurde von Deutschen ermordet, er selbst tut der Frau Gewalt an. Der Roman erzählt beide Seiten. Wie der Roman Sexualität und Gewalt erzählt, ist umstritten: Die Süddeutsche Zeitung kritisierte Passagen als „pornografischen Kitsch“.</li>\n</ul>\n\n<h4>Entstehung und Kontext</h4>\n<ul>\n<li>Erschienen 2008. Ausgangspunkt war das Haus der Großeltern am Scharmützelsee und der Verlust nach der Wende.</li>\n<li>Erpenbeck hat für die Kapitel über die jüdische Familie in Archiven recherchiert; reale Spuren und Erfindung gehen ineinander über. Deshalb liest man den Roman auch als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Erinnerungsliteratur<span class=\"wort-erkl\">Literatur, die erzählt, wie eine Gesellschaft sich an ihre Vergangenheit erinnert</span></span>.</li>\n<li>Geschichtlicher Hintergrund in Stichworten: Arisierung jüdischen Besitzes in der NS-Zeit, Holocaust, Flucht und Vertreibung bei Kriegsende, Enteignung in der DDR, Republikflucht, Rückübertragung nach der Wende.</li>\n</ul>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span>\n<p>Verbindliche Lektüre im Grund- und Leistungskurs. Arbeitszeit im Grundkurs 255 Minuten, im Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt eine Lektüre oft so vor: Du interpretierst einen Text, den du nicht kennst, und stellst dann einen Bezug zum Roman her. Eine literarische Erörterung bezieht sich immer auf ein ganzes Werk. Das ganze Jahrhundert nacherzählen sollst du in keinem Fall.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Kapitel „Die Schriftstellerin“</span>\n<p>Die Schriftstellerin sitzt an der Schreibmaschine und tippt: „I-c-h k-e-h-r-e h-e-i-m“ (Penguin-Taschenbuch S. 112, Reclam S. 107). Der Satz kehrt im Kapitel wieder.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> DDR, die Schriftstellerin ist aus dem sowjetischen Exil zurück und hat das Haus vom Staat gepachtet.<em>Der Auszug stammt aus dem Kapitel „Die Schriftstellerin“, das in der DDR spielt.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Die Bindestriche zerlegen den Satz in einzelne Buchstaben.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Die Heimkehr wird nicht behauptet, sie wird mühsam getippt, Anschlag für Anschlag.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Titel und Leitmotiv Heimat.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Im Kapitel „Die Schriftstellerin“ tippt die Figur immer wieder denselben Satz: „I-c-h k-e-h-r-e h-e-i-m“ (S. 112). Die Bindestriche zerlegen ihn in einzelne Buchstaben. So wird aus einer einfachen Aussage ein mühsamer Vorgang, Anschlag für Anschlag. Das passt zu ihrer Lage: Sie ist aus dem Exil in die DDR zurückgekehrt, doch das Haus am See hat sie nur vom Staat gepachtet, und um das Grundstück streitet sie mit dem Nachbarn. Die Heimkehr, die der Satz behauptet, ist also nicht abgeschlossen; sie muss immer neu geschrieben werden. Damit greift die Stelle den Titel auf: Heimat ist in diesem Roman kein sicherer Besitz, sondern etwas, das man sucht und wieder verlieren kann.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: eine genaue Beobachtung an der Sprache, ein kurzes Zitat mit Seite, die Wirkung, die Einordnung ins Kapitel und am Ende der Bogen zum ganzen Roman. Kurze Zitate aus einem geschützten Roman sind für die Analyse erlaubt; lange Abschriften nicht.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Schlag das Kapitel „Die Frau des Architekten“ auf und such die Wendung vom „Loch in ihre Ewigkeit“. Schreib einen Absatz: Was meint „Ewigkeit“ für diese Figur, und was hat das Loch hineingebohrt? Vergleiche kurz mit dem Kapitel „Der Rotarmist“.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>„Ewigkeit“ steht für das Leben, das sie für immer friedlich am See führen wollte: das Haus, die Gäste, die Sommer. Das „Loch“ ist die Nacht bei Kriegsende, als der Offizier sie im Schrank fand. Seitdem ist diese Zeit nicht mehr heil.</p>\n<p>Im Kapitel „Der Rotarmist“ steht dieselbe Nacht aus seiner Sicht, mit seiner eigenen Geschichte von Verlust und Rache. Ein guter Absatz nennt beide Sichten und urteilt nicht vorschnell, sondern zeigt, was der Wechsel der Perspektive bewirkt.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Nenn Kapitel und Seite deiner Ausgabe, zum Beispiel „(Kapitel ‚Die Schriftstellerin‘, S. 112)“. Bau kurze Halbsätze in deine eigenen Sätze ein.</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Das Jahrhundert nacherzählen.</strong> Den Auszug kurz einordnen, dann an der Sprache arbeiten.</li>\n<li><strong>Die Zeitsprünge übersehen.</strong> Die Kapitelfolge ist nicht die Reihenfolge der Ereignisse.</li>\n<li><strong>Den Gärtner zum Erzähler machen.</strong> Er bleibt wortlos und erklärt nichts.</li>\n<li><strong>Figuren nur in Täter und Opfer sortieren.</strong> Der Architekt profitiert 1939 und muss später selbst fliehen; der Rotarmist ist Opfer und Täter.</li>\n<li><strong>Roman und Familiengeschichte gleichsetzen.</strong> Das Haus hat ein reales Vorbild, die Figuren sind trotzdem erzählt.</li>\n<li><strong>Lange Passagen abschreiben.</strong> Kurze Zitate mit Kapitel und Seite reichen.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->",
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      "title": "Politische Sprache",
      "short": "Politische Sprache: Verständigung und Strategie, Framing, Redeanalyse an einer echten Rede. Lernzettel fürs Abitur.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In diesem Themenfeld gibt es kein Pflichtbuch: In der Prüfung liegt ein Sachtext, den du nicht kennst, etwa eine Rede, ein Kommentar, ein Interview oder ein Post. Du untersuchst, ob der Text eine Sache gemeinsam klären will (Verständigung) oder vor allem gewinnen will (Strategie), und an welchen Wörtern und Mitteln man das sieht. Dazu kommt, wie das Medium den Text prägt: Eine Rede wirkt anders als ein Zeitungskommentar oder ein Post. Je nach Aufgabe analysierst du den Text, erörterst seine These oder nutzt ihn als Material für einen eigenen Beitrag. Mit ein paar Modellen und Fachwörtern kannst du das genau benennen, aber die Punkte holst du am Text.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Brandenburg arbeitest du in diesem Schwerpunkt mit Sachtexten oder Materialien. Es geht um Verständigung und Strategie in der Kommunikation, um sprachliche Merkmale und um schriftlichen und mündlichen Sprachgebrauch in unterschiedlichen Medien.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> politisch-gesellschaftliche Kommunikation zwischen Verständigung und Strategie; sprachliche Merkmale; schriftlicher und mündlicher Sprachgebrauch in unterschiedlichen Medien. Keine extra benannte Ganzschrift in diesem Schwerpunkt.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:feld:politische-sprache -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Das Themenfeld heißt amtlich „Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen“. Gemeint ist: Wie Menschen in Politik und Öffentlichkeit mit Sprache handeln. Wer redet, will etwas erreichen: überzeugen, beruhigen, mobilisieren, den Gegner schwächen.</p>\n<p>Drei Punkte stehen in den Vorgaben, und die kannst du dir als drei Fragen an jeden Text merken:</p>\n<ul>\n<li><strong>Verständigung oder Strategie?</strong> Will der Text eine Frage gemeinsam klären, oder will er vor allem Zustimmung und Sieg?</li>\n<li><strong>Mit welchen sprachlichen Mitteln?</strong> Welche Wörter, Bilder und Satzbaumuster lenken, wie du die Sache siehst?</li>\n<li><strong>In welchem Medium?</strong> Gesprochen oder geschrieben, im Parlament, in der Zeitung, im Netz: Was macht das mit dem Text?</li>\n</ul>\n<p>Die Texte heißen in der Prüfung <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">pragmatische Texte<span class=\"wort-erkl\">Sachtexte, die in der Wirklichkeit etwas bewirken sollen: Reden, Kommentare, Essays, Interviews, Posts</span></span>. Zitiert wird mit Zeilenangabe, zum Beispiel „ein wenig Geduld“ (Z. 3).</p>\n</div>\n\n<h4>Verständigung und Strategie</h4>\n<p>Die Unterscheidung geht auf den Philosophen Jürgen Habermas zurück („Theorie des kommunikativen Handelns“, 1981). Er trennt Handeln, das auf <strong>Verständigung</strong> zielt, von Handeln, das auf <strong>Erfolg</strong> zielt. Wer sich verständigen will, legt Gründe offen und lässt sich vom besseren Argument überzeugen. Wer strategisch handelt, behandelt die anderen als Mittel: Er will, dass sie etwas tun oder glauben, egal wie.</p>\n<ul>\n<li><strong>Zeichen für Verständigung:</strong> Gründe statt Behauptungen, Gegenargumente werden genannt und ernst genommen, Begriffe werden erklärt, Fragen bleiben offen, wo die Sache offen ist.</li>\n<li><strong>Zeichen für Strategie:</strong> Ziele, gegen die niemand sein kann, an der Stelle von Gründen; Gegner werden abgewertet statt widerlegt; Gefühle wie Angst oder Stolz ersetzen Belege; Wichtiges wird verschwiegen oder im Passiv versteckt.</li>\n</ul>\n<p>In echten Texten kommt fast immer beides vor. Stark wird deine Analyse, wenn du zeigst, an welcher Stelle der Text von einem ins andere wechselt. Strategie ist dabei nicht automatisch unanständig: Auch wer für eine gute Sache wirbt, will gewinnen. Bewerte also, was der Text tut, nicht ob dir seine Meinung gefällt.</p>\n\n<h4>Modelle, mit denen du Kommunikation beschreibst</h4>\n<p>Modelle helfen dir, Beobachtungen genau zu benennen. Nenn sie nur, wenn du sie an einer Stelle im Text anwendest.</p>\n<ul>\n<li><strong>Organon-Modell</strong> (Karl Bühler, „Sprachtheorie“, 1934): Jede Äußerung hat drei Seiten. Sie stellt eine Sache dar (<em>Darstellung</em>), sie zeigt etwas über den Sprecher (<em>Ausdruck</em>) und sie will beim Hörer etwas bewirken (<em>Appell</em>). Politische Reden sind oft stark appellativ.</li>\n<li><strong>Vier Seiten einer Nachricht</strong> (Friedemann Schulz von Thun, „Miteinander reden“, 1981): Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehung, Appell. Hilfreich, wenn du zeigen willst, wie ein Redner sein Verhältnis zum Publikum gestaltet, etwa mit „wir alle“.</li>\n<li><strong>„Man kann nicht nicht kommunizieren“</strong> (Paul Watzlawick und andere, 1967): Auch Schweigen, Auslassen und Tonfall sagen etwas. Gut für die Frage, was ein Text weglässt.</li>\n<li><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mehrfachadressierung<span class=\"wort-erkl\">ein Text richtet sich zugleich an mehrere Gruppen, etwa an Gegner, eigene Anhänger und die Öffentlichkeit</span></span>: Wer im Parlament spricht, redet scheinbar zu den anderen Abgeordneten, gemeint sind aber oft die Zuschauer, die Medien und die eigene Partei. Der Sprachwissenschaftler Walther Dieckmann nannte das schon 1981 eine „trialogische“ Lage.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wörter, die lenken</h4>\n<p>In der politischen Sprache wird um Wörter gekämpft. Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf sprach 1973 auf einem Parteitag davon, man müsse Begriffe „besetzen“. Seitdem ist das ein fester Ausdruck.</p>\n<ul>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Fahnenwort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort, mit dem eine Gruppe ihre eigenen Ziele positiv kennzeichnet</span></span> und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Stigmawort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort, das die Gegenseite oder ihre Ziele abwertet</span></span>:</strong> Die Begriffe stammen vom Sprachwissenschaftler Fritz Hermanns (1982). Oft ist das Fahnenwort der einen Seite das Stigmawort der anderen.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Hochwertwort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort für einen Wert, den fast alle teilen, etwa Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit</span></span>:</strong> Gegen „Sicherheit“ ist niemand. Wer sein Vorhaben damit verbindet, macht Widerspruch schwer.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Framing<span class=\"wort-erkl\">ein Wort ruft einen ganzen Deutungsrahmen auf und legt fest, wie wir eine Sache sehen</span></span>:</strong> Die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling („Politisches Framing“, 2016) zeigt das an der „Steuerlast“: Das Wort lässt Steuern als Gewicht erscheinen, das einen erdrückt. Wer von „Steuerbeitrag“ spricht, rahmt dieselbe Sache als Beitrag zum Gemeinwesen. Und „Steueroase“ lässt Steuerflucht klingen wie einen rettenden Ort in der Wüste.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Euphemismus<span class=\"wort-erkl\">beschönigendes Wort, das etwas Unangenehmes harmloser klingen lässt</span></span> und Kampfbegriff:</strong> Das eine verharmlost, das andere greift an.</li>\n<li><strong>Satzbau und Pronomen:</strong> Das Passiv versteckt, wer handelt („Die Gebühren werden erhöht“). „Wir“ schafft Gemeinschaft, „die da oben“ oder „die anderen“ ziehen eine Grenze.</li>\n<li><strong>Bilder:</strong> Metaphern wie „Flut“, „Welle“ oder „Lawine“ machen aus Menschen eine Naturgewalt. Frag immer: Was legt das Bild nahe, ohne es zu sagen?</li>\n</ul>\n\n<h4>Wie Reden überzeugen wollen</h4>\n<p>Schon Aristoteles hat in seiner „Rhetorik“ drei Wege unterschieden, mit denen ein Redner überzeugt:</p>\n<ul>\n<li><strong>Ethos:</strong> durch seine Glaubwürdigkeit („Ich habe dreißig Jahre als Ärztin gearbeitet …“).</li>\n<li><strong>Pathos:</strong> durch Gefühle beim Publikum (Angst, Mitleid, Stolz, Empörung).</li>\n<li><strong>Logos:</strong> durch Argumente und Belege.</li>\n</ul>\n<p>Für deine Analyse heißt das: Benenne, worauf ein Abschnitt setzt, und frag, ob die Gefühle ein Argument stützen oder ersetzen. Typische Mittel dabei sind <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">rhetorische Fragen<span class=\"wort-erkl\">Fragen, auf die keine Antwort erwartet wird, weil sie die Antwort schon nahelegen</span></span>, Wiederholungen (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Anapher<span class=\"wort-erkl\">mehrere Sätze oder Satzteile beginnen mit demselben Wort</span></span>), Dreierfiguren und Gegensätze (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Antithese<span class=\"wort-erkl\">zwei gegensätzliche Begriffe oder Aussagen werden gegenübergestellt</span></span>).</p>\n\n<h4>Gesprochen, geschrieben, gepostet</h4>\n<ul>\n<li><strong>Die Rede</strong> wirkt über Stimme, Pausen und Reaktionen im Saal. Im Protokoll stehen Zwischenrufe und Beifall: Sie zeigen, wen ein Satz erreicht hat.</li>\n<li><strong>Der Kommentar</strong> in der Zeitung hat Zeit für Begründungen und Gegenargumente. Fehlen sie, ist das eine Beobachtung wert.</li>\n<li><strong>Der Post</strong> lebt von Kürze, Zuspitzung, Bild und Wiederholung. Er erreicht viele, begründet aber wenig.</li>\n<li>Die Sprachwissenschaftler Peter Koch und Wulf Oesterreicher (1985) unterscheiden <strong>Sprache der Nähe</strong> (spontan, persönlich, wie im Gespräch) und <strong>Sprache der Distanz</strong> (geplant, sachlich, wie im Gesetz). Ein Post ist oft geschrieben, klingt aber wie gesprochen. Wenn eine Politikerin so schreibt, wirkt sie nahbar.</li>\n</ul>\n\n<h4>Sprachkritik: wenn Wörter Unrecht verdecken</h4>\n<p>Wie Sprache Denken lenken kann, hat der Romanist Victor Klemperer an der Sprache des Nationalsozialismus beschrieben („LTI“, 1947). Heute sucht die Jury der „Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres“ jedes Jahr ein Wort, das Menschen herabsetzt oder etwas verschleiert; das erste war 1991 „ausländerfrei“. Solche sprachkritischen Texte können in der Prüfung als Material liegen. Dann fragst du: Welche Wirkung wird dem Wort zugeschrieben, und überzeugt die Begründung?</p>\n\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">Nur auf erhöhtem Niveau (Leistungskurs)</span>\n<p>Im Leistungskurs sollst du laut den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz sprachliche Handlungen „theoriegestützt“ beschreiben und sprachphilosophische Positionen zur Analyse heranziehen. Für dieses Themenfeld heißt das: Habermas, Bühler, Schulz von Thun oder Framing nicht nur nennen, sondern an einer Stelle zeigen, was das Modell sichtbar macht und wo es an seine Grenze kommt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_10_18-Bildungsstandards-Deutsch-Abi.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KMK, Bildungsstandards Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife, S. 21</a></p>\n</div>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span>\n<p>Das Themenfeld gehört im Grund- und Leistungskurs zu den Prüfungsschwerpunkten. Möglich sind unter anderem die Analyse und die Erörterung pragmatischer Texte und das materialgestützte Verfassen argumentierender Texte. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt das Themenfeld meist so vor: Du analysierst einen pragmatischen Text (Argumentation, sprachliche Mittel, Intention), du erörterst seine These, oder du schreibst aus mehreren Materialien einen eigenen Beitrag, etwa einen Kommentar. Das Themenfeld wird dabei in der Aufgabe oft ausdrücklich genannt.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Otto Wels (SPD) im Reichstag, 23. März 1933, gegen das Ermächtigungsgesetz</span>\n<p>„Wir Sozialdemokraten wissen, daß man machtpolitische Tatsachen durch bloße Rechtsverwahrungen nicht beseitigen kann. Wir sehen die machtpolitische Tatsache Ihrer augenblicklichen Herrschaft. Aber auch das Rechtsbewußtsein des Volkes ist eine politische Macht, und wir werden nicht aufhören, an dieses Rechtsbewußtsein zu appellieren.“</p>\n<p>„Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Wortlaut nach dem Abdruck bei German History in Documents and Images (aus: Dokumente der deutschen Politik, Bd. 1, 1935, S. 36 bis 38), abgeglichen mit einem Auszug aus dem Reichstagsprotokoll. Die Rede ist gemeinfrei.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> Die Regierung Hitler will sich vom Reichstag ermächtigen lassen, Gesetze ohne das Parlament zu beschließen. Die SPD stimmt als einzige Partei dagegen; das Gesetz wird mit 444 zu 94 Stimmen angenommen. Wels weiß also, dass er die Abstimmung verliert.<em>Der Auszug stammt aus der Rede, mit der Otto Wels die Ablehnung der SPD begründet.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Das Wort „Macht“ kommt dreimal vor, aber jedes Mal anders: als Tatsache der Gegner, als Macht des Rechtsbewusstseins, als Macht, die das Gesetz nicht gibt.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Wels gibt die Niederlage zu und deutet im selben Atemzug um, was Macht ist.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Verständigung mit der Mehrheit ist nicht mehr möglich. Die Rede wendet sich an andere Adressaten.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Wels spricht in einer Lage, in der Verständigung mit der Mehrheit nicht mehr möglich ist: Das Ergebnis der Abstimmung steht fest. Er versucht deshalb nicht, die Abgeordneten der Regierungsparteien umzustimmen, sondern deutet den Begriff um, auf den sie sich stützen. Zunächst räumt er ein, man könne „machtpolitische Tatsachen“ nicht durch „bloße Rechtsverwahrungen“ beseitigen. Diese Einräumung macht ihn glaubwürdig, weil er die Lage nicht schönredet. Gleich danach setzt er mit „Aber“ eine zweite Macht dagegen: „das Rechtsbewußtsein des Volkes“. Die Wiederholung des Wortes „Macht“ verschiebt seine Bedeutung von der Gewalt der Regierung zur Überzeugung der Menschen. Damit richtet sich die Rede über den Saal hinaus an die Öffentlichkeit und die eigenen Anhänger. Der Schlusssatz „Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen […] zu vernichten“ greift den Namen des Gesetzes auf und kehrt ihn gegen die, die es beschließen. Die Rede ist also strategisch gebaut, aber nicht um zu siegen, sondern um für die Zeit nach der Niederlage eine Gegenposition festzuhalten.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er ordnet die Situation ein, belegt jede Beobachtung mit einem kurzen Zitat, sagt, was das Mittel bewirkt (Einräumung, Wiederholung, Umdeutung), und kommt zu einem Urteil über Verständigung und Strategie. So beschreiben die Bewertungshinweise des IQB eine gute Analyse: textnah, funktional, mit eigenständigem Urteil. Bei textbezogenen Aufgaben zählt das Verstehen etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte am 8. Mai 1985 im Bundestag, 40 Jahre nach Kriegsende: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Die ganze Rede steht auf bundespraesident.de. Schreib einen Absatz: Welchen Rahmen setzt das Wort „Befreiung“, und welche anderen Wörter für denselben Tag schiebt es beiseite?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Für den 8. Mai 1945 gab es in Deutschland andere Wörter: Niederlage, Kapitulation, Zusammenbruch. Sie stellen das Ende des Kriegs als Verlust dar. „Befreiung“ setzt einen anderen Rahmen: Befreit wird man von etwas Schlechtem, also war die NS-Herrschaft das Unrecht, nicht ihr Ende. Mit „uns alle“ bezieht Weizsäcker auch die Deutschen ein, die den Tag als Niederlage erlebt hatten.</p>\n<p>Gute Absätze zeigen außerdem, dass die Rede die anderen Erfahrungen nicht verschweigt: Kurz vorher sagt Weizsäcker, der 8. Mai sei „kein Tag zum Feiern“, und nennt Heimkehr, Heimatlosigkeit und Gefangenschaft. Das Framing wirkt gerade, weil es die Gegenwörter anerkennt und dann überbietet.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Gib bei Sachtexten die Zeile an: „ein wenig Geduld“ (Z. 3). Nenn bei Reden Redner, Anlass und Datum einmal in der Einleitung, danach reichen die Zeilen. Zwischenrufe aus dem Protokoll darfst du zitieren, sie gehören zur Kommunikationssituation.</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Mittel aufzählen ohne Wirkung.</strong> „Es gibt eine Anapher“ bringt nichts. Sag, was sie beim Publikum bewirkt.</li>\n<li><strong>Über das Thema schreiben statt über den Text.</strong> In der Erörterung prüfst du die These des Textes, nicht deine allgemeine Meinung zum Thema.</li>\n<li><strong>Die eigene politische Meinung als Analyse ausgeben.</strong> Bewerte, wie der Text argumentiert, nicht ob dir seine Partei gefällt.</li>\n<li><strong>Strategie mit Lüge verwechseln.</strong> Strategisch heißt: auf Wirkung angelegt. Ob etwas falsch ist, musst du gesondert begründen.</li>\n<li><strong>Modelle abladen.</strong> Ein Modell zählt nur, wenn du es an einer Stelle anwendest.</li>\n<li><strong>Medium vergessen.</strong> Ob Rede, Kommentar oder Post, sag in einem Satz, was das Medium mit dem Text macht.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->"
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      "title": "Literatur um 1800 / Romantik",
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      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Literatur um 1800, besonders die Romantik</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du kein Pflichtbuch, sondern einen Text, den du nicht kennst: meist ein Gedicht, einen Erzählauszug oder zwei Gedichte zum Vergleich, manchmal eins davon aus dem 20. oder 21. Jahrhundert. Punkte holst du, wenn du romantische Motive und Haltungen am Text zeigst und erklärst, was sie bewirken, nicht mit einer Liste von Epochenmerkmalen. Dafür brauchst du den Hintergrund: Um 1800 entstehen in Deutschland zwei literarische Antworten auf dieselbe Umbruchzeit. Die Weimarer Klassik um Goethe und Schiller sucht Maß, Harmonie und das Ideal des guten Menschen, die Romantik sucht das Unendliche, die Nacht, die Sehnsucht und das Wunderbare. Hintergrund sind die Aufklärung, die Französische Revolution und die Kriege Napoleons.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Brandenburg gibt es zu diesem Schwerpunkt keine benannte Pflichtganzschrift. Die Klausur legt dir ein Gedicht, einen Erzählauszug oder einen Sachtext zum Thema vor. Kleist hat seinen eigenen Lernzettel.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Spiegelung kultur- und geistesgeschichtlicher Entwicklungen; literaturgeschichtliche Entwicklungen der Zeit unter besonderer Berücksichtigung der Romantik; zentrale Themen und Motive der Romantik, exemplarisch auch deren Verarbeitung in Texten des 20./21. Jahrhunderts.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:feld:literatur-um-1800 -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Das Themenfeld heißt amtlich „Literatur um 1800“, mit besonderem Blick auf die Romantik. Drei Punkte stehen in den Vorgaben:</p>\n<ul>\n<li><strong>Spiegelung der Zeit:</strong> wie sich Aufklärung, Revolution und neue Philosophie in den Texten zeigen.</li>\n<li><strong>Literaturgeschichte:</strong> wie Klassik und Romantik nebeneinander entstehen und sich voneinander abgrenzen.</li>\n<li><strong>Themen und Motive der Romantik,</strong> auch so, wie Texte des 20. und 21. Jahrhunderts sie wieder aufnehmen.</li>\n</ul>\n<p>Ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Motiv<span class=\"wort-erkl\">ein wiederkehrendes Bild oder eine typische Situation mit Bedeutung, etwa Nacht, Wanderschaft oder das Fenster</span></span> ist dein wichtigstes Werkzeug: Du findest es im Text, zeigst, was es dort bedeutet, und schließt erst dann auf die Epoche. Gedichte zitierst du mit Vers, Prosa mit Zeile.</p>\n</div>\n\n<h4>Was um 1800 passiert</h4>\n<ul>\n<li><strong>Aufklärung:</strong> Der Mensch soll seinen Verstand selbst gebrauchen. Vernunft wird zum Maßstab für alles. Die Romantik antwortet darauf später mit der Frage, was die Vernunft nicht erfasst: Traum, Gefühl, Unbewusstes.</li>\n<li><strong>Französische Revolution (1789):</strong> Freiheit und Gleichheit werden politische Forderungen. Manche Dichter begeistern sich zuerst und wenden sich nach der Schreckensherrschaft wieder ab.</li>\n<li><strong>Napoleon:</strong> Seine Kriege verändern Europa. 1806 endet das Heilige Römische Reich, nach den Befreiungskriegen ordnet der Wiener Kongress 1815 Europa neu, es folgt eine Zeit der Restauration.</li>\n<li><strong>Neue Philosophie:</strong> Kant, Fichte und Schelling fragen, wie viel von der Welt das Ich selbst hervorbringt. Für die Romantiker wird das Ich zum Ort, an dem Welt und Unendliches sich begegnen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Klassik und Romantik nebeneinander</h4>\n<ul>\n<li><strong>Weimarer Klassik</strong> (etwa 1786 bis 1805, von Goethes Italienreise bis zu Schillers Tod): Vorbild ist die Antike. Gesucht werden Maß, Harmonie und das Ideal der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Humanität<span class=\"wort-erkl\">Menschlichkeit als Ziel: der Mensch soll edel, hilfsbereit und gut werden</span></span>. Kunst soll den Menschen bilden, nicht einem Zweck dienen (Schiller, „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, 1795).</li>\n<li><strong>Frühromantik</strong> (ab etwa 1795, Jena): die Brüder Schlegel, Novalis, Ludwig Tieck. Ihre Zeitschrift „Athenaeum“ (1798 bis 1800) entwirft das Programm.</li>\n<li><strong>Hochromantik</strong> (Heidelberger Romantik): Achim von Arnim und Clemens Brentano sammeln Volkslieder („Des Knaben Wunderhorn“, 1805 bis 1808). In Kassel sammeln die Brüder Grimm Märchen („Kinder- und Hausmärchen“, ab 1812).</li>\n<li><strong>Spätromantik</strong> (etwa 1815 bis 1830): Joseph von Eichendorff, E. T. A. Hoffmann. Volksliedton, Wanderer, Nachtseiten der Seele.</li>\n<li><strong>Dazwischen:</strong> Kleist, Hölderlin und Jean Paul gehören zu keiner Gruppe ganz. Das ist kein Fehler deines Wissens, sondern selbst ein Merkmal der Zeit.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Programm der Romantik in zwei Sätzen</h4>\n<ul>\n<li>Friedrich Schlegel, 116. Athenaeums-Fragment (1798): „Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie.“ <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Universalpoesie<span class=\"wort-erkl\">eine Dichtung, die alle Gattungen mischt, Poesie und Philosophie verbindet und nie fertig wird</span></span> heißt: Gattungen mischen, Poesie und Philosophie verbinden, das Leben poetisch machen. „Progressiv“ heißt: Sie wird nie fertig.</li>\n<li>Novalis, Notizen aus dem Frühjahr 1798: „Die Welt muß romantisirt werden.“ Gemeint ist: dem Gewöhnlichen einen geheimnisvollen, unendlichen Sinn geben.</li>\n</ul>\n<p>Daraus folgen zwei Formmerkmale. Romantische Texte bleiben oft absichtlich offen, als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Fragment<span class=\"wort-erkl\">ein Text, der bewusst unfertig bleibt, weil das Unendliche sich nicht abschließen lässt</span></span>. Und sie brechen gern ihre eigene Illusion: In Tiecks Komödie „Der gestiefelte Kater“ (1797) spielen Figuren das Publikum im Parkett und reden ins Stück hinein. Das heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">romantische Ironie<span class=\"wort-erkl\">der Text zeigt, dass er gemacht ist, und hebt seine eigene Stimmung auf</span></span>.</p>\n\n<h4>Motive, die du erkennen solltest</h4>\n<ul>\n<li><strong>Sehnsucht und Ferne:</strong> Das Ich will weg, ins Unbestimmte, und kommt selten an. Oft steht es am Fenster oder hört ein Posthorn.</li>\n<li><strong>Nacht und Traum:</strong> Die Nacht öffnet, was der Tag verdeckt (Novalis, „Hymnen an die Nacht“, 1800).</li>\n<li><strong>Wandern:</strong> Unterwegssein als Freiheit, gegen den geregelten Alltag des <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Philisters<span class=\"wort-erkl\">so nannten die Romantiker den engstirnigen Bürger, der nur an Arbeit, Besitz und Ordnung denkt</span></span>.</li>\n<li><strong>Natur als Seelenraum:</strong> Landschaft spiegelt das Innere. Wald, Mond und Rauschen sind keine Kulisse, sondern Stimmung.</li>\n<li><strong>Die blaue Blume:</strong> Bild der unerreichbaren Sehnsucht, aus Novalis’ Roman „Heinrich von Ofterdingen“ (1802).</li>\n<li><strong>Nachtseiten:</strong> Wahnsinn, Doppelgänger, das Unheimliche, etwa in E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“ (1816). Oft bleibt offen, ob das Wunderbare wirklich ist oder nur eingebildet.</li>\n<li><strong>Volkslied, Märchen, Mittelalter:</strong> Die Romantiker suchen eine ursprüngliche, gemeinsame Poesie.</li>\n</ul>\n\n<h4>Deutungsansätze, jeweils mit Beleg</h4>\n<ul>\n<li><strong>Natur ohne Gefühl, Natur als Seele.</strong> Goethe schreibt schon 1783 in „Das Göttliche“: „Edel sey der Mensch, / Hülfreich und gut!“ und gleich danach: „Denn unfühlend / Ist die Natur“. Gut ist der Mensch, nicht die Natur. In Eichendorffs „Mondnacht“ dagegen ist es, „als hätt’ der Himmel / Die Erde still geküßt“: Die Natur scheint zu fühlen. An diesem Gegensatz kannst du Klassik und Romantik unterscheiden.</li>\n<li><strong>Freiheit gegen Philisterleben.</strong> In Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1826) schickt der Vater den Sohn mit „Du Taugenichts!“ in die Welt. Der zieht mit der Geige los, während die anderen „graben und pflügen“: „Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüthe.“ Deutung: Der Text feiert das zweckfreie Leben und macht sich zugleich leise darüber lustig.</li>\n<li><strong>Sehnsucht, die nicht ankommt.</strong> In Eichendorffs „Sehnsucht“ steht das Ich „am Fenster“ und hört „aus weiter Ferne / Ein Posthorn“: „Ach, wer da mitreisen könnte“. Das Ich bleibt drinnen. Die Ferne gibt es nur im Lied der anderen.</li>\n<li><strong>Klassisch gesund, romantisch krank?</strong> Goethe sagte 1829 zu Eckermann: „Das Classische nenne ich das Gesunde, und das Romantische das Kranke.“ Er meinte damit vor allem die neueste Literatur seiner Zeit. Das ist ein Urteil eines Beteiligten, keine Definition. Nutz es als These, die du an einem Text prüfst.</li>\n<li><strong>Romantik heute.</strong> Neuere Texte nehmen romantische Motive auf und brechen sie. In einer amtlichen Beispielaufgabe für den Leistungskurs wird Eichendorffs „Der verspätete Wanderer“ mit Günter Kunerts „Straßen“ (entstanden 1965 bis 1969 in der DDR) verglichen: Bei beiden ist das Leben eine Reise, aber bei Kunert führen die Straßen ins Leere, und die Gehenden fragen „vergebens / den leeren Himmel“.</li>\n</ul>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span>\n<p>Das Themenfeld gehört im Grund- und Leistungskurs zu den Prüfungsschwerpunkten. Möglich sind unter anderem die Interpretation und die Erörterung literarischer Texte. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt das Themenfeld meist so vor: Du interpretierst ein Gedicht oder einen Erzählauszug, oder du vergleichst zwei Gedichte, oft ein romantisches mit einem neueren. Die Aufgabe nennt dann eine Hinsicht, etwa „im Hinblick auf die Gestaltung des Motivs des Unterwegsseins“, und verlangt, die Entstehungszeit zu berücksichtigen.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Joseph von Eichendorff, „Mondnacht“ (entstanden um 1835, gedruckt 1837)</span>\n<p>Es war, als hätt’ der Himmel<br>Die Erde still geküßt,<br>Daß sie im Blütenschimmer<br>Von ihm nun träumen müßt’.</p>\n<p>Die Luft ging durch die Felder,<br>Die Aehren wogten sacht,<br>Es rauschten leis die Wälder,<br>So sternklar war die Nacht.</p>\n<p>Und meine Seele spannte<br>Weit ihre Flügel aus,<br>Flog durch die stillen Lande,<br>Als flöge sie nach Haus.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach Eichendorffs Sämmtlichen Werken, Bd. 1, Leipzig 1864, S. 604 (Wikisource), in der Schreibung dieser Ausgabe.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> ein Naturgedicht der Spätromantik in drei Strophen, gesprochen erst ohne, dann mit Ich.<em>Das Gedicht beschreibt eine Mondnacht und führt erst in der letzten Strophe ein Ich ein.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Am Anfang steht „als hätt’“, am Ende „Als flöge“. Beides ist <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Konjunktiv<span class=\"wort-erkl\">Möglichkeitsform: so wäre es, aber so ist es nicht wirklich</span></span>.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Der Kuss von Himmel und Erde und der Heimflug der Seele geschehen nur „als ob“.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> romantische Sehnsucht nach einer Heimat jenseits der sichtbaren Welt.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Eichendorffs „Mondnacht“ beschreibt keine Wirklichkeit, sondern einen Wunsch. Das zeigt schon der Anfang: „Es war, als hätt’ der Himmel / Die Erde still geküßt“ (V. 1 f.). Durch den Konjunktiv wird die Vereinigung von Himmel und Erde zu einem Vergleich, sie geschieht nur in der Vorstellung. Die mittlere Strophe bleibt dagegen ganz im Indikativ und bei dem, was man wahrnimmt: Luft, Ähren, Wälder, Sterne. Erst in der dritten Strophe tritt das Ich hervor, und seine „Seele“ (V. 9) bekommt Flügel. Doch auch dieser Flug endet im Konjunktiv: „Als flöge sie nach Haus“ (V. 12). Das Gedicht ist also von zwei „als ob“ gerahmt. Darin zeigt sich die romantische Grundhaltung: Die Natur wird zum Ort, an dem eine unendliche Heimat aufscheint, aber sie wird nicht erreicht. Man kann das auch anders lesen, als sanfte Gewissheit eines Glaubens. Für beide Lesarten spricht der Text, entscheidend ist, dass die Heimkehr Bild bleibt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er beobachtet genau (Konjunktiv am Anfang und Ende, Indikativ in der Mitte), zitiert kurz mit Versangabe, sagt, was die Form bewirkt, nennt eine zweite Lesart und kommt erst am Ende zur Epoche. So beschreiben die Bewertungshinweise des IQB eine gute Interpretation: textnah, funktional, mit Blick auf alternative Lesarten und einer differenzierten Epocheneinordnung. Das Verstehen zählt etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Eichendorff, „Sehnsucht“ (erste Strophe, Erstdruck 1834): „Es schienen so golden die Sterne, / Am Fenster ich einsam stand / Und hörte aus weiter Ferne / Ein Posthorn im stillen Land. / Das Herz mir im Leib entbrennte, / Da hab’ ich mir heimlich gedacht: / Ach, wer da mitreisen könnte / In der prächtigen Sommernacht!“ Schreib einen Absatz: Wo steht das Ich, wohin will es, und was sagt der Ausruf am Ende über seine Lage?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Das Ich steht „am Fenster“ und „einsam“: Es ist drinnen, die Welt draußen. Das Posthorn kommt „aus weiter Ferne“, die Sehnsucht wird also durch ein Geräusch geweckt, nicht durch eine Reise. Der Wunsch „Ach, wer da mitreisen könnte“ steht im Konjunktiv und als Ausruf: Das Ich reist nicht, es wünscht sich nur, es könnte.</p>\n<p>Gute Absätze verbinden das mit dem Fenster als Grenze zwischen enger Wirklichkeit und weiter Welt und schließen auf die romantische Sehnsucht, die nicht erfüllt wird. Wer weiterliest, sieht: In den nächsten Strophen singen zwei junge Gesellen im Wandern von der Ferne, das Ich bleibt Zuhörer.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Gedichte mit Versangabe: „Als flöge sie nach Haus“ (V. 12). Bei zwei Gedichten nennst du einmal den Titel, danach Kurztitel und Vers. Ältere Schreibung (geküßt, Aehren) übernimmst du so, wie sie in deinem Prüfungstext steht.</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Epochenwissen abladen.</strong> Merkmale der Romantik ohne Stelle im Text bringen kaum Punkte.</li>\n<li><strong>„Romantik heißt Gefühl und Natur“ als Ergebnis.</strong> Sag, welches Gefühl, an welcher Stelle, mit welcher Wirkung.</li>\n<li><strong>Das lyrische Ich mit dem Dichter gleichsetzen.</strong> Schreib „das lyrische Ich“, nicht „Eichendorff sehnt sich“.</li>\n<li><strong>Klassik und Romantik als feindliche Lager darstellen.</strong> Sie entstehen zur selben Zeit und haben gemeinsame Wurzeln. Zeig den Unterschied am Text.</li>\n<li><strong>Im neueren Text ein Motiv erfinden.</strong> Nimm nur auf, was wirklich da ist, und zeig, wo es gebrochen wird.</li>\n<li><strong>Das Wunderbare entscheiden, wo der Text es offenlässt.</strong> Oft ist genau die Offenheit deine Beobachtung.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->"
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      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Kleist — Pflichtlektüre",
      "short": "Verbindlich: Der zerbrochne Krug. Stoff im Kleist-Lernzettel.",
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      "content": "<h3>Verbindliche Lektüre: Kleist</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die verbindliche Lektüre in diesem Schwerpunkt ist Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“, mit dem 12. Auftritt in gekürzter und in Variant-Fassung. In der Klausur liegt ein Auszug aus dem Stück oder ein anderer Text, den du auf den Krug beziehst. Du zeigst, wie Adam das Verfahren steuert und was Eves Schweigen kostet, und du kannst beide Fassungen des 12. Auftritts unterscheiden. Handlung, Figuren und Stellen stehen auf der Werkkarte.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>Die Prüfungsschwerpunkte nennen das Lustspiel namentlich.</em></p>\n<!-- werk-einleitung:kleist-krug -->\n<h4>Kurz zum Werk</h4>\n<p>In Huisum ist nachts ein Krug zerbrochen. Dorfrichter Adam soll den Fall verhandeln und ist selbst der Täter: Er war bei Eve, Ruprecht hat ihn überrascht. Als Gerichtsrat Walter das Dorfgericht prüft, häufen sich Lügen und Indizien, bis Adam flieht. Eve weiß mehr, als sie sagen darf. Das Verfahren wird am Ende geordnet, das Vertrauen nicht.</p>\n<!-- /werk-einleitung -->\n\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Heinrich von Kleist, <em>Der zerbrochne Krug</em> (1811), 12. Auftritt gekürzt und Variant.</div>\n<p>In der Klausur kann ein Auszug aus dem Stück liegen oder ein anderer Text, den du auf den Krug beziehst. Du zeigst, wie Adam das Verfahren steuert und was Eves Schweigen kostet. Beide Fassungen des 12. Auftritts musst du unterscheiden können.</p>\n<p>Handlung, Figuren, Stellen und Formulierungen: <a href='#' onclick=\"window.openCardModal('bb-de-abitur-kleist-zerbrochene-krug'); return false;\">Kleist: Der zerbrochne Krug</a>.</p>\n"
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      "title": "Erpenbeck — Pflichtlektüre",
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      "content": "<h3>Verbindliche Lektüre: Erpenbeck</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die verbindliche Lektüre in diesem Schwerpunkt ist Jenny Erpenbecks Roman „Heimsuchung“ (2008). Er erzählt die Geschichte eines Hauses am Scharmützelsee, im Roman Märkisches Meer, vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach 2000, mit wechselnden Besitzern. Der Gärtner steht vor jedem Bewohnerkapitel und verschwindet in seinem letzten Kapitel. In der Klausur liegt ein Kapitelauszug oder ein anderer Text, den du auf den Roman beziehst. Du verbindest Erzählweise und Geschichte; Erzähltechnik und Stellen stehen auf der Werkkarte.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>Die Prüfungsschwerpunkte nennen den Roman namentlich. Schauplatz: Grundstück am Scharmützelsee.</em></p>\n<!-- werk-einleitung:erpenbeck-heimsuchung -->\n<h4>Kurz zum Werk</h4>\n<p>Ein Haus am Scharmützelsee, im Roman Märkisches Meer, wechselt vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach 2000 die Besitzer. Jüdische Eigentümer werden enteignet, andere kommen durch Krieg, DDR und die Zeit nach der Wende, am Ende wird das Haus abgetragen. Vor jedem Bewohnerkapitel arbeitet derselbe Gärtner; in seinem letzten Kapitel verschwindet er. Die Figuren tragen Rollen statt Namen. Der Roman zeigt, wer baut, wer verliert und was der Ort behält.</p>\n<!-- /werk-einleitung -->\n\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Jenny Erpenbeck, <em>Heimsuchung</em> (2008).</div>\n<p>In der Klausur kann ein Kapitelauszug liegen oder ein anderer Text, den du auf den Roman beziehst. Du verbindest Erzählweise und Geschichte: Wer besitzt, wer verliert, was der Ort speichert. Kein Jahrhundert-Referat.</p>\n<p>Erzähltechnik, Stellen und Formulierungen: <a href='#' onclick=\"window.openCardModal('bb-de-abitur-erpenbeck-heimsuchung'); return false;\">Erpenbeck: Heimsuchung</a>.</p>\n"
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