{
  "cardCount": 5,
  "cards": [
    {
      "id": "bb-de-klausur-analyse-pragmatisch",
      "cat": "Klausur-Formate",
      "title": "Analyse pragmatischer Texte",
      "short": "Einen Sachtext analysieren: Gedankengang, sprachliche Gestaltung und Absicht im Zusammenhang. Mit ganzem Musteraufsatz zum „Hessischen Landboten“.",
      "content": "<!-- core-card:de-format-analyse-pragmatisch -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Textsorte</span><span>Klausur-Formate</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Bei der Analyse pragmatischer Texte untersuchst du einen Sachtext, zum Beispiel eine Rede, einen Kommentar, einen Essay oder eine Flugschrift. Du zeigst, wie der Text aufgebaut ist, wie er argumentiert, mit welchen sprachlichen Mitteln er wirkt und was er beim Leser erreichen will. Entscheidend ist, dass du Inhalt, Form und Absicht verbindest: Jedes sprachliche Mittel steht im Dienst einer Wirkung. Oft folgt ein zweiter Teil, in dem du Stellung nimmst. Gewertet wird das Verstehen mit ungefähr 70 %, die Darstellung mit etwa 30 %.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span><p>Die Analyse pragmatischer Texte gehört zu den möglichen Aufgabenarten.</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Du bekommst vier Aufgaben und wählst eine. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit. Hilfsmittel: Nachschlagewerke zur Rechtschreibung und die verpflichtenden Ganzschriften.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Bei der <strong>Analyse pragmatischer Texte</strong> liegt der Schwerpunkt auf der „Analyse des pragmatischen Texts“ und der „schlüssigen Darstellung der Analyseergebnisse“. Die Aufgabe kann Schwerpunkte vorgeben, etwa „den Gedankengang, die sprachlich-stilistische Gestaltung sowie die Intention des Textes“. Es können auch zwei Texte sein; dann wird eine vergleichende Analyse erwartet.</p>\n<p>Ein pragmatischer Text will in der Wirklichkeit etwas bewirken: informieren, überzeugen, aufrufen. Deshalb fragst du immer zuerst nach der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kommunikationssituation<span class=\"wort-erkl\">wer schreibt, an wen, wann, wo, aus welchem Anlass</span></span>. Erst wenn du weißt, wer zu wem spricht, kannst du sagen, was ein Mittel bewirken soll. Was in deinem Land drankommt, steht im Kasten oben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Erläuterungen zur Konstruktion der Aufgaben (Stand 03.03.2023), S. 2 f.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">So könnte eine Aufgabe lauten</span>\n<p><em>1. Analysieren Sie den Text von Gustav Seibt. Berücksichtigen Sie dabei den Gedankengang, die sprachlich-stilistische Gestaltung sowie die Intention des Textes.</em> (ca. 70 %)<br><em>2. Nehmen Sie begründet Stellung zu Seibts Position zum Framing als Element öffentlicher Meinungsbildung.</em> (ca. 30 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Analyse pragmatischer Texte, erhöhtes Niveau (Seibt, „Sire, geben Sie Begriffsfreiheit!“, Aufgabe 2024).</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>Die <strong>Verstehensleistung</strong> zählt ungefähr 70 %, die Teilaufgaben sind gewichtet, im Beispiel 70 zu 30. Der Erwartungshorizont zur Seibt-Aufgabe zeigt, was im Analyseteil zählt: Thema und Textsorte bestimmen, den Gedankengang mit Zeilen darstellen, die Argumente in ihrer Funktion erkennen, die sprachlichen Mittel mit ihrer Wirkung beschreiben und daraus die Absicht des Textes ableiten.</p>\n<p>Die <strong>Darstellungsleistung</strong> zählt etwa 30 %: Aufbau, Fachsprache (These, Argument, Beispiel, rhetorische Mittel), genaue Belege mit Zeile, sachlicher Stil mit Abstand zur Vorlage, fremde Aussagen im Konjunktiv, sprachliche Richtigkeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Abituraufgabe Analyse pragmatischer Texte eA (Seibt, 2024), Aufgabenstellung, Erwartungshorizont und Bewertungshinweise.</p>\n\n<h4>So baust du den Aufsatz auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Situation klären.</strong> Autor, Textsorte, Anlass, Adressaten, Zeit. Bei älteren Texten: Was war damals los?</li>\n<li><strong>Kernaussage.</strong> Was will der Text, in einem Satz? Das ist deine Hypothese zur Absicht.</li>\n<li><strong>Einleitung.</strong> Autor, Titel, Textsorte, Jahr, Thema, Kernaussage.</li>\n<li><strong>Gedankengang.</strong> Abschnitte mit Zeilen, jeweils mit der Funktion: These, Begründung, Beispiel, Folgerung, Appell.</li>\n<li><strong>Sprache und Wirkung.</strong> Nicht alle Mittel, sondern die wichtigsten, nach Wirkung geordnet: Was macht den Text anschaulich, was emotional, was zwingend?</li>\n<li><strong>Absicht und Schluss.</strong> Wen will der Text wozu bringen? Wie überzeugend ist die Strategie für diese Adressaten?</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein ganzer Aufsatz an einem echten Text</h4>\n<p>Georg Büchner, damals Medizinstudent in Gießen, schrieb 1834 eine Flugschrift an die Landbevölkerung des Großherzogtums Hessen. Der Theologe Friedrich Ludwig Weidig überarbeitete sie. Sie wurde heimlich gedruckt und verteilt; wer sie besaß, musste mit Strafe rechnen. Nach dem kurzen „Vorbericht“ mit Hinweisen, wie man das Blatt vor der Polizei verbirgt, beginnt der eigentliche Text so:</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Echter Text · Georg Büchner, Friedrich Ludwig Weidig: Der Hessische Landbote (1834), Anfang</span>\n<p>[1] Friede den Hütten! Krieg den Pallästen!</p>\n<p>[2] Im Jahr 1834 siehet es aus, als würde die Bibel Lügen gestraft. Es sieht aus, als hätte Gott die Bauern und Handwerker am 5ten Tage, und die Fürsten und Vornehmen am 6ten gemacht, und als hätte der Herr zu diesen gesagt: Herrschet über alles Gethier, das auf Erden kriecht, und hätte die Bauern und Bürger zum Gewürm gezählt. Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker. Der Bauer geht hinter dem Pflug, der Vornehme aber geht hinter ihm und dem Pflug und treibt ihm mit den Ochsen am Pflug, er nimmt das Korn und läßt ihm die Stoppeln. Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag; Fremde verzehren seine Aecker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen.</p>\n<p>[3] Im Großherzogthum Hessen sind 718,373 Einwohner, die geben an den Staat jährlich an 6,363,364 Gulden […]. Dies Geld ist der Blutzehnte, der von dem Leib des Volkes genommen wird. An 700,000 Menschen schwitzen, stöhnen und hungern dafür. Im Namen des Staates wird es erpreßt, die Presser berufen sich auf die Regierung und die Regierung sagt, das sey nöthig die Ordnung im Staat zu erhalten. Was ist denn nun das für gewaltiges Ding: der Staat? Wohnt eine Anzahl Menschen in einem Land und es sind Verordnungen oder Gesetze vorhanden, nach denen jeder sich richten muß, so sagt man, sie bilden einen Staat. Der Staat also sind Alle; die Ordner im Staate sind die Gesetze, durch welche das Wohl Aller gesichert wird, und die aus dem Wohl Aller hervorgehen sollen. – Seht nun, was man in dem Großherzogthum aus dem Staat gemacht hat; seht was es heißt: die Ordnung im Staate erhalten! 700,000 Menschen bezahlen dafür 6 Millionen, d. h. sie werden zu Ackergäulen und Pflugstieren gemacht, damit sie in Ordnung leben. In Ordnung leben heißt hungern und geschunden werden.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach dem Erstdruck, Juli 1834, S. 1 f. (Wikisource, nach dem Faksimile im Hessischen Staatsarchiv Marburg). Rechtschreibung wie dort; ausgelassen ist eine Tabelle der Staatseinnahmen. Absatznummern von uns. Gemeinfrei. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">feiste<span class=\"wort-erkl\">dicke, wohlgenährte</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Schwiele<span class=\"wort-erkl\">verhärtete Haut durch schwere Arbeit</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Blutzehnte<span class=\"wort-erkl\">gebildet nach „Zehnt“, einer alten Abgabe von einem Zehntel der Ernte</span></span></p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>Analysieren Sie den Textauszug. Berücksichtigen Sie dabei den Gedankengang, die sprachlich-stilistische Gestaltung sowie die Intention des Textes.</em></p>\n\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musteraufsatz</span>\n<p><strong>Einleitung.</strong> „Der Hessische Landbote“ ist eine Flugschrift, die Georg Büchner 1834 verfasste und Friedrich Ludwig Weidig überarbeitete. Sie richtete sich heimlich an die Bauern und Handwerker im Großherzogtum Hessen. Der Anfang des Textes will diesen Lesern zeigen, dass ihre Armut kein Schicksal ist, sondern die Folge einer ungerechten Ordnung, und sie so gegen die Herrschenden aufbringen.</p>\n<p><strong>Gedankengang.</strong> Der Text beginnt mit einer Losung, die aus der Französischen Revolution stammt: „Friede den Hütten! Krieg den Pallästen!“ (Abs. 1). Damit ist die Front gleich benannt, bevor ein Argument kommt. Im zweiten Absatz stellt der Text das Leben der Vornehmen und das Leben der Bauern gegenüber, zuerst in einem Bild aus der Bibel, dann in Bildern aus dem Alltag. Der dritte Absatz wechselt zu Zahlen: 718 373 Einwohner zahlen jährlich gut sechs Millionen Gulden (Abs. 3). Daran schließt eine Begriffsklärung an. Die Regierung rechtfertige die Abgaben mit der „Ordnung im Staat“; der Text fragt, was ein Staat eigentlich sei, und antwortet: „Der Staat also sind Alle“, seine Gesetze sollten „das Wohl Aller“ sichern. Am Ende steht die Umkehrung: „In Ordnung leben heißt hungern und geschunden werden.“ Der Gedankengang führt also vom Bild über die Zahl zur Definition und zeigt, dass die Wirklichkeit dieser Definition widerspricht.</p>\n<p><strong>Antithesen.</strong> Das wichtigste Mittel des Textes ist die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Antithese<span class=\"wort-erkl\">Gegenüberstellung zweier gegensätzlicher Begriffe oder Gedanken</span></span>. Sie prägt schon die Losung, in der „Friede“ und „Krieg“, „Hütten“ und „Palläste“ in zwei gleich gebauten Ausrufen gegeneinanderstehen. Im zweiten Absatz wird sie zum Bauprinzip: „Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag“, „Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag“. Die beiden Sätze sind gleich gebaut, nur zwei Wörter sind ausgetauscht. Dadurch wirkt der Gegensatz einfach und unbestreitbar, wie eine Tatsache, nicht wie eine Behauptung.</p>\n<p><strong>Bilder aus der Lebenswelt.</strong> Die Bilder kommen aus der Welt der Leser. Das Volk liege vor den Vornehmen „wie Dünger auf dem Acker“; der Vornehme gehe hinter dem Bauern und treibe ihn „mit den Ochsen am Pflug“, er nehme „das Korn“ und lasse „die Stoppeln“. Am Ende heißt es: „sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen“. Diese Metaphern machen die Ausbeutung körperlich spürbar. Ein Bauer, der nie ein politisches Buch gelesen hat, versteht sofort, was gemeint ist. Dasselbe gilt für die Tiervergleiche: Die Menschen würden „zu Ackergäulen und Pflugstieren gemacht“ (Abs. 3).</p>\n<p><strong>Die Bibel als Argument.</strong> Auffällig ist der Rückgriff auf die Schöpfungsgeschichte. Der Text spielt auf die Worte an, mit denen Gott den Menschen die Herrschaft über die Tiere gibt, und dreht sie um: Es sehe aus, als habe Gott die Bauern zum „Gewürm“ gezählt. Der Konjunktiv „als würde die Bibel Lügen gestraft“ ist wichtig. Der Text greift nicht die Religion an, sondern die Herrschenden, die die göttliche Ordnung verkehren. Für fromme Leser auf dem Land ist das ein starkes Argument, denn es stellt Gott auf ihre Seite.</p>\n<p><strong>Zahlen und Anrede.</strong> Im dritten Absatz wechselt der Ton. Die genauen Zahlen, „718,373 Einwohner“ und „6,363,364 Gulden“, wirken sachlich und überprüfbar. Sie werden aber sofort emotional gedeutet: Das Geld sei „der Blutzehnte, der von dem Leib des Volkes genommen wird“, und die Steigerung „schwitzen, stöhnen und hungern“ macht aus der Summe ein Leiden. Mit der Frage „Was ist denn nun das für gewaltiges Ding: der Staat?“ und den Imperativen „Seht nun“ und „seht was es heißt“ spricht der Text die Leser direkt an. Er zieht die Folgerung nicht allein, er lässt die Leser selbst sehen.</p>\n<p><strong>Absicht.</strong> Der Auszug will die Leser aufklären und mobilisieren. Er zeigt ihnen ihre Lage in Bildern, die sie kennen, belegt sie mit Zahlen, beruft sich auf die Bibel und entlarvt das Wort „Ordnung“, mit dem die Regierung die Abgaben begründet. Der letzte Satz, „In Ordnung leben heißt hungern und geschunden werden“, ist eine neue Definition, die die Leser behalten sollen. Ziel ist, dass sie die bestehende Ordnung nicht länger als gottgewollt hinnehmen. Die Strategie passt genau zu den Adressaten: Sie verbindet Gefühl, Glauben und Zahlen, und sie spricht in einer Sprache, die ohne Bildung verständlich ist.</p>\n<p class=\"ks-quelle\"><strong>Warum das gut ist:</strong> Die Einleitung nennt Kommunikationssituation und Absicht. Der Gedankengang wird mit Funktionen beschrieben (Losung, Gegenüberstellung, Zahl, Definition, Umkehrung). Die sprachlichen Mittel sind nach Wirkung geordnet, nicht als Liste, und jedes ist auf die Adressaten bezogen. Was der Text behauptet, steht im Konjunktiv (liege, treibe, sei). Der Schluss bündelt die Analyse in der Absicht. Im zweiten Teil einer echten Aufgabe käme jetzt die Stellungnahme.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · die Fortsetzung</span>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Der Hessische Landbote (Fortsetzung, Auszug)</span>\n<p>Wer sind denn die, welche diese Ordnung gemacht haben, und die wachen, diese Ordnung zu erhalten? Das ist die Großherzogliche Regierung. […] Das Volk ist ihre Heerde, sie sind seine Hirten, Melker und Schinder; sie haben die Häute der Bauern an, der Raub der Armen ist in ihrem Hause; die Thränen der Wittwen und Waisen sind das Schmalz auf ihren Gesichtern; sie herrschen frei und ermahnen das Volk zur Knechtschaft.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Erstdruck 1834, S. 2 (Wikisource). Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>Analysieren Sie die sprachliche Gestaltung dieses Auszugs und ihre Wirkung auf die Adressaten.</em> Schreib einen Absatz. Achte auf die Reihe „Hirten, Melker und Schinder“.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Musterabsatz zeigen</summary><div>\n<p>Der Auszug beginnt mit einer Frage, die der Text sofort selbst beantwortet: Verantwortlich für die „Ordnung“ sei die „Großherzogliche Regierung“. Danach folgt eine Kette von Metaphern aus dem Bereich der Viehhaltung. Das Volk sei die „Heerde“, die Beamten seien „Hirten, Melker und Schinder“. Die Reihe ist eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Klimax<span class=\"wort-erkl\">Steigerung in drei oder mehr Schritten</span></span>: Der Hirte hütet, der Melker nutzt aus, der Schinder zieht dem toten Tier das Fell ab. Das Bild wird mit jedem Wort grausamer. Die folgenden Sätze sind <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">parallel<span class=\"wort-erkl\">gleich gebaut</span></span> gebaut und durch Semikolons gereiht, was den Eindruck einer endlosen Anklage erzeugt. Besonders drastisch ist die Metapher, „die Thränen der Wittwen und Waisen“ seien „das Schmalz auf ihren Gesichtern“: Das Leid der Schwächsten wird zum Fett der Mächtigen. Der Schluss bringt das Paradox auf den Punkt: Sie „herrschen frei und ermahnen das Volk zur Knechtschaft“. Für Leser vom Land, die Vieh hielten und den Schinder kannten, sind diese Bilder unmittelbar verständlich und wecken Zorn.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Ein möglicher Absatz: Frage und Antwort, Metaphernfeld, Klimax mit Erklärung, Satzbau, stärkstes Bild, Paradox, Bezug auf die Adressaten.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Satzanfänge</h4>\n<ul class=\"phrase-list\">\n<li><em>Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um …, die/den … im Jahr … an … richtete.</em><span class=\"wozu\">Einleitung</span></li>\n<li><em>Der Text beginnt mit … Daran schließt sich … an · Abschließend …</em><span class=\"wozu\">Gedankengang</span></li>\n<li><em>Die Antithese „…“ (Z. …) verdeutlicht …</em><span class=\"wozu\">Mittel mit Wirkung</span></li>\n<li><em>Die Bilder stammen aus der Lebenswelt der Adressaten und …</em><span class=\"wozu\">Adressatenbezug</span></li>\n<li><em>Der Verfasser behauptet, … sei … (Konjunktiv)</em><span class=\"wozu\">fremde Aussage</span></li>\n<li><em>Ziel des Textes ist es, die Leser dazu zu bringen, …</em><span class=\"wozu\">Intention</span></li>\n</ul>\n\n<h4>Vor der Abgabe prüfen</h4>\n<ul>\n<li>Ist die Kommunikationssituation geklärt (wer, an wen, wann, wozu)?</li>\n<li>Ist der Gedankengang mit Funktionen dargestellt, nicht nur der Inhalt?</li>\n<li>Hat jedes sprachliche Mittel eine Wirkung, bezogen auf die Adressaten?</li>\n<li>Stehen Aussagen des Textes im Konjunktiv?</li>\n<li>Wird die Absicht am Ende begründet?</li>\n</ul>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Inhaltsangabe statt Gedankengang.</strong> „Zuerst geht es um …, dann um …“ beschreibt nur die Reihenfolge. Sag, was jeder Schritt für die Argumentation leistet.</li>\n<li><strong>Stilmittel-Liste.</strong> Zehn Mittel ohne Wirkung bringen weniger als drei, die du erklärst.</li>\n<li><strong>Adressaten vergessen.</strong> Ein Bild wirkt auf Bauern im Jahr 1834 anders als auf dich. Die Wirkung hängt von den Lesern ab.</li>\n<li><strong>Den Text bewerten statt analysieren.</strong> „Büchner hat recht“ gehört in eine Stellungnahme, nicht in die Analyse.</li>\n<li><strong>Indikativ für fremde Thesen.</strong> „Der Staat sind alle“ ist Büchners Aussage. Schreib: Der Staat seien alle, so der Text.</li>\n<li><strong>Kontext erfinden.</strong> Wenn du über die Entstehung nichts sicher weißt, bleib bei dem, was der Text selbst zeigt.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb2-analysieren\">analysieren</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Klausur-Formate&card=bb-de-klausur-eroerterung-pragmatisch\">Erörterung pragmatischer Texte</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-de-methoden-stilmittel\">Stilmittel-Liste (Quick Check)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb1-darstellen\">darstellen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-de-methoden-zitieren\">Richtig zitieren</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-format-analyse-pragmatisch -->",
      "level": "mittel",
      "tags": [
        "Klausur",
        "Sachtextanalyse",
        "Brandenburg",
        "Abitur 2027"
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    {
      "id": "bb-de-klausur-interpretation-literarisch",
      "cat": "Klausur-Formate",
      "title": "Interpretation literarischer Texte",
      "short": "Einen literarischen Text interpretieren, oft mit einem zweiten, weiterführenden Auftrag. Mit ganzem Musteraufsatz zu Hebels „Unverhofftes Wiedersehen“.",
      "content": "<!-- core-card:de-format-literarisch -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Textsorte</span><span>Klausur-Formate</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Interpretation literarischer Texte ist eine der Aufgabenarten im Deutschabitur. Du bekommst ein Gedicht, einen Erzähltext oder eine Dramenszene, meist unbekannt, und kommst über Analyse zu einer begründeten Gesamtdeutung. Oft folgt ein zweiter Auftrag, etwa ein Vergleich, eine Einordnung in die Epoche oder ein Bezug auf ein Werk aus dem Unterricht; der erste Teil wiegt dann deutlich schwerer. Beide Teile bilden einen zusammenhängenden Aufsatz. Gewertet wird das Verstehen mit ungefähr 70 %, die Darstellung mit etwa 30 %.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span><p>Die Interpretation literarischer Texte gehört zu den möglichen Aufgabenarten; Aufgaben zu den verpflichtenden Ganzschriften verlangen, dass du die Ganzschrift in der Prüfung verwendest.</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Du bekommst vier Aufgaben und wählst eine. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit. Hilfsmittel: Nachschlagewerke zur Rechtschreibung und die verpflichtenden Ganzschriften.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Bei der <strong>Interpretation literarischer Texte</strong> liegt der Schwerpunkt auf der „Analyse und Deutung“ eines literarischen Textes. Es gibt zwei Grundformen:</p>\n<ul>\n<li><strong>Ein unbekannter Text</strong>, „ggf. mit weiterführendem Schreibauftrag“, oder zwei unbekannte Texte im Vergleich.</li>\n<li><strong>Ein unbekannter Text und ein Werk aus dem Unterricht:</strong> Du interpretierst den Text und vergleichst ihn dann mit einem längeren Roman oder Drama, das ihr gelesen habt, oder beziehst ihn darauf. Die Lektüre liegt dir dann vor.</li>\n</ul>\n<p>Wenn zwei Teilaufgaben gestellt werden, liegt der Schwerpunkt auf der ersten. Was in deinem Land drankommt und wie die Teile gewichtet sind, steht im Kasten oben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Erläuterungen zur Konstruktion der Aufgaben (Stand 03.03.2023), S. 1 f.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">So könnte eine Aufgabe lauten</span>\n<p><em>1. Interpretieren Sie das Gedicht „Die Gefangenen II“ von Georg Heym.</em> (ca. 80 %)<br><em>2. Erläutern Sie, inwiefern das Gedicht als beispielhaft für den Umbruch in der Literatur um 1900 gelten kann.</em> (ca. 20 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Interpretation literarischer Texte, grundlegendes Niveau (Aufgabe 2024).</p>\n<p>Ohne zweiten Teil: <em>Interpretieren Sie das vorliegende Gedicht von Arno Holz. Beziehen Sie dabei Ihre Kenntnisse zur Literatur um 1900 ein.</em></p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Interpretation literarischer Texte, erhöhtes Niveau (Aufgabe 2025).</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>Die <strong>Verstehensleistung</strong> zählt ungefähr 70 %. Für „gut“ verlangt der Erwartungshorizont eine „differenzierte, textnahe und funktionale Analyse und Deutung“, ein Textverständnis „auch unter Abwägung möglicher alternativer Lesarten“ und, wenn es die Aufgabe verlangt, eine differenzierte Einordnung in die Epoche. Die Teilaufgaben sind gewichtet; die Prozentzahlen stehen auf dem Aufgabenblatt.</p>\n<p>Die <strong>Darstellungsleistung</strong> zählt etwa 30 %, in fünf Bereichen: Aufgabenbezug und Textaufbau, Fachsprache, Umgang mit dem Text (Zitieren, Belegen), Ausdruck und Stil, Rechtschreibung und Grammatik. „Eine bloße Paraphrasierung“ und ein „distanzloser Umgang“ mit dem Text genügen nach den Bildungsstandards nicht.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quellen: IQB, Abituraufgabe Interpretation literarischer Texte gA (Heym, 2024), Bewertungshinweise S. 5 bis 7; KMK, Bildungsstandards Deutsch (2012), S. 24 f.</p>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Gewichtung der Interpretation <span>· Der Balken zeigt, wie die zwei Teile der Beispielaufgabe zählen. So weißt du, wo du die meiste Zeit einsetzt.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 62\" role=\"img\" aria-labelledby=\"li-t li-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"li-t\">Gewichtung bei der literarischen Interpretation</title>\n<desc id=\"li-d\">Bei einer Beispielaufgabe zählt Teil 1 etwa 80 Prozent und Teil 2 etwa 20 Prozent.</desc>\n<text x=\"6\" y=\"14\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.75\">Beispielaufgabe: Teile</text>\n<rect x=\"6.0\" y=\"20\" width=\"278.4\" height=\"36\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"145.2\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Teil 1</text>\n<text x=\"145.2\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 80 %</text>\n<rect x=\"284.4\" y=\"20\" width=\"69.6\" height=\"36\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#d97706\"/>\n<text x=\"319.2\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Teil 2</text>\n<text x=\"319.2\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 20 %</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> So gewichtet die erste Beispielaufgabe in diesem Lernzettel ihre zwei Teile.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>So baust du den Aufsatz auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Aufgabe zerlegen.</strong> Welche Operatoren, welche Teile, welche Gewichtung? Plane die Zeit danach: Der erste Teil bekommt den größten Teil.</li>\n<li><strong>Deutungshypothese.</strong> Ein Satz, der eine Deutung behauptet. Er steht am Ende der Einleitung.</li>\n<li><strong>Hauptteil Teil 1.</strong> Linear oder nach Aspekten, jeder Absatz mit Beobachtung, Beleg, Funktion, Bezug zur Hypothese. Eine zweite Lesart prüfen.</li>\n<li><strong>Überleitung.</strong> Ein Satz, der das Ergebnis von Teil 1 nennt und zu Teil 2 führt.</li>\n<li><strong>Teil 2.</strong> Den Operator genau erfüllen (erläutern, vergleichen, einordnen) und auf Ergebnisse aus Teil 1 zurückgreifen.</li>\n<li><strong>Schluss.</strong> Ein zusammenfassender Gedanke für beide Teile.</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein ganzer Aufsatz an einem echten Text</h4>\n<p>Johann Peter Hebel schrieb Geschichten für einen Volkskalender, den „Rheinländischen Hausfreund“. Darin erschien 1811 auch diese Geschichte; im selben Jahr nahm Hebel sie in seine Sammlung „Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes“ auf. Sie spielt im schwedischen Bergbauort Falun.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Echter Text · Johann Peter Hebel: Unverhoftes Wiedersehen (so der Titel im Erstdruck)</span>\n<p>[1] In Falun in Schweden küßte vor guten fünfzig Jahren und mehr ein junger Bergmann seine junge hübsche Braut und sagte zu ihr: „Auf Sanct Luciä wird unsere Liebe von des Priesters Hand gesegnet. Dann sind wir Mann und Weib, und bauen uns ein eigenes Nestlein.“ – „Und Friede und Liebe soll darinn wohnen,“ sagte die schöne Braut mit holdem Lächeln, „denn du bist mein Einziges und Alles, und ohne dich möchte ich lieber im Grab seyn, als an einem andern Ort.“ Als sie aber vor St. Luciä der Pfarrer zum zweytenmal in der Kirche ausgerufen hatte: „So nun jemand Hinderniß wüßte anzuzeigen, warum diese Personen nicht möchten ehelich zusammen kommen.“ Da meldete sich der Tod. Denn als der Jüngling den andern Morgen in seiner schwarzen Bergmannskleidung an ihrem Haus vorbey gieng, der Bergmann hat sein Todtenkleid immer an, da klopfte er zwar noch einmal an ihrem Fenster, und sagte ihr guten Morgen, aber keinen guten Abend mehr. Er kam nimmer aus dem Bergwerk zurück, und sie saumte vergeblich selbigen Morgen ein schwarzes Halstuch mit rothem Rand für ihn zum Hochzeittag, sondern als er nimmer kam, legte sie es weg, und weinte um ihn und vergaß ihn nie.</p>\n<p>[2] Unterdessen wurde die Stadt Lissabon in Portugall durch ein Erdbeben zerstört, und der siebenjährige Krieg gieng vorüber, und Kayser Franz der erste starb, und der JesuitenOrden wurde aufgehoben und Polen getheilt, und die Kaiserin Maria Theresia starb, und der Struensee wurde hingerichtet, Amerika wurde frey, und die vereinigte französische und spanische Macht konnte Gibraltar nicht erobern. Die Türken schloßen den General Stein in der Veteraner Höle in Ungarn ein, und der Kayser Joseph starb auch. Der König Gustav von Schweden eroberte russisch Finnland, und die französische Revolution und der lange Krieg fieng an, und der Kaiser Leopold der zweyte gieng auch ins Grab. Napoleon eroberte Preußen, und die Engländer bombardirten Koppenhagen, und die Ackerleute säeten und schnitten. Der Müller mahlte, und die Schmiede hämmerten, und die Bergleute gruben nach den Metalladern in ihrer unterirrdischen Werkstatt.</p>\n<p>[3] Als aber die Bergleute in Falun im Jahr 1809 etwas vor oder nach Johannis zwischen zwey Schachten eine Oeffnung durchgraben wollten, gute dreyhundert Ehlen tief unter dem Boden gruben sie aus dem Schutt und Vitriolwasser den Leichnam eines Jünglings heraus, der ganz mit Eisenvitriol durchdrungen, sonst aber unverwest und unverändert war; also daß man seine Gesichtszüge und sein Alter noch völlig erkennen konnte, als wenn er erst vor einer Stunde gestorben, oder ein wenig eingeschlafen wäre, an der Arbeit. Als man ihn aber zu Tag ausgefördert hatte, Vater und Mutter, Gefreundte und Bekannte waren schon lange todt, kein Mensch wollte den schlafenden Jüngling kennen oder etwas von seinem Unglück wissen, bis die ehemalige Verlobte des Bergmanns kam, der eines Tages auf die Schicht gegangen war und nimmer zurückkehrte.</p>\n<p>[4] Grau und Zusammengeschrumpft kam sie an einer Krücke an den Platz und erkannte ihren Bräutigam; und mehr mit freudigem Entzücken als mit Schmerz sank sie auf die geliebte Leiche nieder, und erst als sie sich von einer langen heftigen Bewegung des Gemüths erholt hatte, „es ist mein Verlobter,“ sagte sie endlich, „um den ich fünfzig Jahre lang getrauert hatte, und den mich Gott noch einmal sehen läßt vor meinem Ende. Acht Tage vor der Hochzeit ist er unter die Erde gegangen und nimmer herauf gekommen.“ Da wurden die Gemüther aller Umstehenden von Wehmuth und Thränen ergriffen, als sie sahen die ehemalige Braut jezt in der Gestalt des hingewelkten kraftlosen Alters und den Bräutigam noch in seiner jugendlichen Schöne, und wie in ihrer Brust nach 50 Jahren die Flamme der jugendlichen Liebe noch einmal erwachte; aber er öffnete den Mund nimmer zum Lächeln oder die Augen zum Wiedererkennen; und wie sie ihn endlich von den Bergleuten in ihr Stüblein tragen ließ, als die einzige, die ihm angehöre, und ein Recht an ihn habe, bis sein Grab gerüstet sey auf dem Kirchhof.</p>\n<p>[5] Den andern Tag, als das Grab gerüstet war auf dem Kirchhof und ihn die Bergleute holten, schloß sie ein Kästlein auf legte sie ihm das schwarzseidene Halstuch mit rothen Streifen um, und begleitete ihn alsdann in ihrem Sonntagsgewand, als wenn es ihr Hochzeittag und nicht der Tag seiner Beerdigung wäre. Denn als man ihn auf dem Kirchhof ins Grab legte, sagte sie: „Schlafe nun wohl, noch einen Tag oder zehen im kühlen Hochzeitbett, und laß dir die Zeit nicht lange werden. Ich habe nur noch wenig zu thun, und komme bald, und bald wirds wieder Tag. – Was die Erde einmal wieder gegeben hat, wird sie zum zweytenmal auch nicht behalten,“ sagte sie, als sie fortgieng, und noch einmal umschaute.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach dem Erstdruck der Sammlung: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, Cotta, Tübingen 1811, S. 292 bis 294 (Wikisource, nach dem Scan). Rechtschreibung wie dort. Abschnittsnummern von uns. Gemeinfrei. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Sanct Luciä<span class=\"wort-erkl\">Tag der heiligen Lucia, 13. Dezember</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">ausgerufen<span class=\"wort-erkl\">das Aufgebot verkündet: die geplante Hochzeit öffentlich bekannt gemacht</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">saumte<span class=\"wort-erkl\">nähte den Rand</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Johannis<span class=\"wort-erkl\">Johannistag, 24. Juni</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Ehlen<span class=\"wort-erkl\">Ellen, altes Längenmaß</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Gefreundte<span class=\"wort-erkl\">Verwandte</span></span></p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>1. Interpretieren Sie Johann Peter Hebels „Unverhofftes Wiedersehen“.</em> (ca. 70 %) <em>2. Erläutern Sie, inwiefern der Text als Kalendergeschichte gelten kann.</em> (ca. 30 %)</p>\n\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musteraufsatz, Teil 1</span>\n<p><strong>Einleitung.</strong> Johann Peter Hebels Kalendergeschichte „Unverhofftes Wiedersehen“ von 1811 erzählt von einem Bergmann, der kurz vor seiner Hochzeit im Bergwerk verunglückt, und von seiner Braut, die ihn fünfzig Jahre später unverwest wiedersieht. Die Geschichte zeigt eine Liebe, die stärker ist als die Zeit, und deutet den Tod am Ende als Aufschub der Hochzeit, nicht als ihr Ende.</p>\n<p><strong>Aufbau.</strong> Die Geschichte hat fünf Schritte: die Verlobung und das Unglück (Abs. 1), fünfzig Jahre in einem einzigen Absatz (Abs. 2), der Fund der Leiche (Abs. 3), das Wiedererkennen (Abs. 4) und die Beerdigung (Abs. 5). Auffällig ist das Verhältnis von Erzählzeit und erzählter Zeit. Ein halbes Jahrhundert füllt nur einen Absatz; Fund, Wiedersehen und Beerdigung, also wenige Tage, nehmen rund die Hälfte des Textes ein. Hebel dehnt also gerade die Stellen, an denen die Liebe sichtbar wird.</p>\n<p><strong>Das Unglück.</strong> Schon die erste Szene ist auf den Tod hin erzählt. Die Braut sagt, sie möchte ohne ihn „lieber im Grab seyn, als an einem andern Ort“ (Abs. 1). Die Frage des Pfarrers, ob „jemand Hinderniß wüßte anzuzeigen“, beantwortet der Erzähler mit dem knappen Satz „Da meldete sich der Tod“. Der Tod wird zur Person, die sich wie ein Zeuge in der Kirche meldet. Der Erzähler schiebt einen Kommentar ein: „der Bergmann hat sein Todtenkleid immer an“. So verbindet er Arbeitskleidung und Tod und bereitet den Leser vor. Der Abschied ist leise und genau: „guten Morgen, aber keinen guten Abend mehr“. Das schwarze Halstuch, das die Braut für den Hochzeitstag säumt, wird zum Zeichen, das am Ende wiederkehrt.</p>\n<p><strong>Die fünfzig Jahre.</strong> Der zweite Absatz rafft die Zeit, indem er Weltereignisse aufzählt: das Erdbeben von Lissabon, den Siebenjährigen Krieg, die Teilung Polens, die Französische Revolution bis zu Napoleon und zur Beschießung Kopenhagens. Die Ereignisse werden mit immer neuem „und“ verbunden, ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Polysyndeton<span class=\"wort-erkl\">Reihung, in der viele Glieder mit „und“ verbunden sind</span></span>. Dadurch klingen Kriege, Revolutionen und Todesfälle von Herrschern gleich wichtig, oder gleich unwichtig. Am Ende verschiebt sich die Aufzählung zur Arbeit der einfachen Leute: „die Ackerleute säeten und schnitten. Der Müller mahlte, und die Schmiede hämmerten“ (Abs. 2). Die große Geschichte vergeht, die Arbeit und der Lauf des Jahres bleiben. Von der Braut ist in diesem Absatz nicht die Rede. Ihr Warten wird nicht erzählt, und gerade das macht seine Länge spürbar.</p>\n<p><strong>Das Wiedersehen.</strong> Der Leichnam ist „unverwest und unverändert“, als ob er „ein wenig eingeschlafen wäre“ (Abs. 3). Die Braut dagegen kommt „Grau und Zusammengeschrumpft […] an einer Krücke“ (Abs. 4). Die Antithese von Jugend und Alter wird ausdrücklich gemacht: die Braut „in der Gestalt des hingewelkten kraftlosen Alters“, der Bräutigam „noch in seiner jugendlichen Schöne“. Trotzdem sinkt sie „mehr mit freudigem Entzücken als mit Schmerz“ auf die Leiche. Ihre Liebe ist nach fünfzig Jahren dieselbe, nur der Körper hat sich verändert. Der Erzähler hält dabei die Grenze klar: Der Tote „öffnete den Mund nimmer zum Lächeln oder die Augen zum Wiedererkennen“. Das Wiedersehen ist einseitig.</p>\n<p><strong>Die Beerdigung als Hochzeit.</strong> Am Ende verwandelt die alte Frau die Beerdigung in die Hochzeit, die nicht stattfand. Sie legt ihm das Halstuch um und geht „in ihrem Sonntagsgewand, als wenn es ihr Hochzeittag und nicht der Tag seiner Beerdigung wäre“ (Abs. 5). Das Grab nennt sie „Hochzeitbett“. Ihre letzten Worte, „bald wirds wieder Tag“ und „Was die Erde einmal wieder gegeben hat, wird sie zum zweytenmal auch nicht behalten“, sprechen den christlichen Glauben an die Auferstehung aus. Damit schließt sich ein Kreis zum Anfang: Aus dem verlorenen „guten Abend“ wird die Hoffnung auf einen neuen Tag.</p>\n<p><strong>Zweite Lesart.</strong> Man kann die Geschichte auch als Tragödie lesen: Eine Frau hat ihr Leben einem Toten geopfert, und die Welt ist an ihr vorbeigegangen, während Kaiser starben und Reiche fielen. Der Text gibt dieser Sicht aber wenig Raum. Er wertet ihre Treue nicht als Verlust, sondern stellt ihre Freude und ihre Zuversicht ans Ende. Die tragische Seite ist da, aber sie wird von der Hoffnung überwölbt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\"><strong>Warum das gut ist:</strong> Die Hypothese steht am Ende der Einleitung und wird am Schluss bestätigt. Aufbau und Zeitgestaltung werden mit ihrer Funktion erklärt, nicht nur festgestellt. Die Zitate sind kurz, in den Satz eingebaut und mit Absatz belegt. Eine zweite Lesart wird geprüft. Teil 2 folgt im Kasten „Jetzt du“.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · der zweite Teil der Aufgabe</span>\n<p>Schreib Teil 2: <em>Erläutern Sie, inwiefern der Text als Kalendergeschichte gelten kann.</em> Beginne mit einer Überleitung aus Teil 1. Wissen von außen, das du brauchst: Ein Volkskalender war ein billiges Jahrbuch für ein breites Publikum. Er enthielt neben dem Kalendarium kurze Geschichten zur Unterhaltung und Belehrung. Hebel gab den Kalender „Der Rheinländische Hausfreund“ heraus und schrieb selbst Geschichten darin.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Musterlösung Teil 2 zeigen</summary><div>\n<p>Die Interpretation hat gezeigt, dass Hebel eine außergewöhnliche Treue schlicht und mit großer Anteilnahme erzählt. Gerade diese Art des Erzählens macht den Text zu einer typischen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kalendergeschichte<span class=\"wort-erkl\">kurze Erzählung für einen Volkskalender, die unterhalten und belehren soll</span></span>. Erstens ist er kurz und für ein breites Publikum geschrieben: Die Sätze sind meist einfach gebaut, die Handlung ist leicht zu verfolgen, und Wörter wie „Nestlein“ und „Stüblein“ kommen aus der Alltagssprache. Zweitens tritt der Erzähler als vertraute Stimme hervor, etwa mit dem Einschub „der Bergmann hat sein Todtenkleid immer an“ (Abs. 1), der den Lesern ohne Bergbauwissen etwas erklärt. Drittens verbindet die Geschichte das Besondere mit dem, was die Leser selbst kennen: Die Weltereignisse im zweiten Absatz waren für die Käufer des Kalenders von 1811 erlebte Zeitgeschichte, und die Arbeit von Ackerleuten, Müllern und Schmieden war ihr Alltag. Viertens will die Geschichte nicht nur unterhalten, sondern auch etwas zeigen. Hebel setzt keinen ausdrücklichen Merksatz ans Ende, wie in manchen anderen Kalendergeschichten, aber die Schlussworte der Braut tragen eine Lehre, die jeder Leser verstehen kann: Treue und Glaube sind stärker als die Zeit. Der Text ist also eine Kalendergeschichte, die die Form ganz erfüllt und sie zugleich durch ihre Tiefe übersteigt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eine mögliche Lösung: Überleitung aus Teil 1, vier Merkmale, jedes mit Textbeleg, Zusatzwissen zur Gattung, zusammenfassender Schlusssatz.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Satzanfänge</h4>\n<ul class=\"phrase-list\">\n<li><em>Die Erzählung … zeigt …, und sie deutet … als …</em><span class=\"wozu\">Deutungshypothese</span></li>\n<li><em>Während fünfzig Jahre in einem Absatz vergehen, dehnt der Erzähler …</em><span class=\"wozu\">Zeitgestaltung</span></li>\n<li><em>Der Erzähler kommentiert … · Er wendet sich an …</em><span class=\"wozu\">Erzählerstimme</span></li>\n<li><em>Man könnte den Text auch als … lesen. Dagegen spricht …</em><span class=\"wozu\">zweite Lesart</span></li>\n<li><em>Die Interpretation hat gezeigt, dass … Daran lässt sich anknüpfen, wenn …</em><span class=\"wozu\">Überleitung zu Teil 2</span></li>\n</ul>\n\n<h4>Vor der Abgabe prüfen</h4>\n<ul>\n<li>Hast du beide Teile mit dem richtigen Operator bearbeitet?</li>\n<li>Bekommt der stärker gewichtete Teil auch mehr Raum?</li>\n<li>Gibt es eine Überleitung, die Teil 2 auf Ergebnisse aus Teil 1 stützt?</li>\n<li>Sind die Belege genau (Zeile, Vers oder Absatz)?</li>\n</ul>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Teil 2 zu lang, Teil 1 zu kurz.</strong> Wer beim zweiten Teil mehr weiß, schreibt dort gern mehr. Die Punkte liegen aber im ersten.</li>\n<li><strong>Zwei getrennte Aufsätze.</strong> Ohne Überleitung wirkt Teil 2 angeklebt. Greif Ergebnisse aus Teil 1 auf.</li>\n<li><strong>Inhaltsangabe statt Interpretation.</strong> Zwei, drei Sätze zum Inhalt genügen. Danach geht es um das Wie und Warum.</li>\n<li><strong>Gattungs- oder Epochenwissen als Liste.</strong> Jedes Merkmal braucht einen Beleg im Text.</li>\n<li><strong>Die Gewichtung überlesen.</strong> „ca. 70 %“ und „ca. 30 %“ sagen dir, wie du die Zeit einteilst.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-interpretieren\">interpretieren</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb2-erlaeutern\">erläutern</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb2-vergleichen\">vergleichen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-de-methoden-erzaehlperspektive\">Erzählperspektiven erkennen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-de-methoden-zitieren\">Richtig zitieren</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-format-literarisch -->",
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      "content": "<!-- core-card:de-format-eroerterung-literarisch -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Textsorte</span><span>Klausur-Formate</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Bei der Erörterung literarischer Texte setzt du dich in der Prüfung mit einer These oder strittigen Frage zu einem Werk auseinander, das ihr im Unterricht gelesen habt; Punkte gibt es für die Abwägung mit Belegen, nicht für die Nacherzählung. Die These ist entweder vorgegeben, oder du musst sie selbst aus einem Sachtext herausarbeiten, etwa aus einer Rede oder einer Kritik. Du prüfst sie am ganzen Werk, mit Belegen aus verschiedenen Stellen, wägst ab und kommst zu einem begründeten Urteil. Eine Nacherzählung oder eine reine Interpretation reicht nicht: Jede Beobachtung muss der Abwägung dienen. Gewertet wird das Verstehen mit ungefähr 70 %, die Darstellung mit etwa 30 %.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span><p>Die Erörterung literarischer Texte gehört zu den möglichen Aufgabenarten; Aufgaben zu den verpflichtenden Ganzschriften verlangen, dass du die Ganzschrift in der Prüfung verwendest.</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Du bekommst vier Aufgaben und wählst eine. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit. Hilfsmittel: Nachschlagewerke zur Rechtschreibung und die verpflichtenden Ganzschriften.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Bei der <strong>Erörterung literarischer Texte</strong> liegt der Schwerpunkt auf der „argumentativen Auseinandersetzung mit einer These oder strittigen Frage“. Sie erfolgt „stets mit Bezug zu einem längeren literarischen Werk, das aus dem Unterricht bekannt ist“; die Lektüre liegt dir in der Prüfung vor. Es gibt drei Formen:</p>\n<ul>\n<li><strong>Variante A:</strong> Die These ist vorgegeben, dazu bekommst du einen oder mehrere Auszüge aus dem Werk.</li>\n<li><strong>Variante B:</strong> Die These ist vorgegeben, ohne Auszug. Du suchst die Belege selbst im Werk.</li>\n<li><strong>Variante C:</strong> Die These ist nicht vorgegeben. Du erschließt sie aus einem pragmatischen Text über das Werk, zum Beispiel einer Rede oder einer Rezension, und erörterst sie dann.</li>\n</ul>\n<p>Analyse und Interpretation gehören dazu, aber nur so weit, wie sie für die Erörterung nötig sind. Was in deinem Land drankommt, steht im Kasten oben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Erläuterungen zur Konstruktion der Aufgaben (Stand 03.03.2023), S. 2.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">So könnte eine Aufgabe lauten</span>\n<p><em>1. Stellen Sie die wesentlichen Aussagen des Textauszugs […] dar und formulieren Sie schlussfolgernd, wie [die Verfasserin] die Figur […] interpretiert.</em> (ca. 30 %)<br><em>2. Erörtern Sie diesen Interpretationsansatz. Beziehen Sie dabei Ihre Kenntnisse zu […] Dramentext ein.</em> (ca. 70 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Erörterung literarischer Texte, Variante C, erhöhtes Niveau (Aufgabe 2025). Grundlage ist der Auszug aus einer Dankrede zu einem Literaturpreis; Namen und Werk von uns ausgelassen.</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>Die <strong>Verstehensleistung</strong> zählt ungefähr 70 %, die Teilaufgaben sind gewichtet, in der Aufgabe oben 30 zu 70. Punkte gibt es dafür, dass du die These genau erfasst, sie mit treffenden Stellen aus dem ganzen Werk prüfst, Gegenargumente ernst nimmst und zu einem Urteil kommst, das aus der Abwägung folgt. Gute Arbeiten zeigen sichere Werkkenntnis: nicht nur Handlung, sondern Figurenrede, Erzählweise, Motive.</p>\n<p>Die <strong>Darstellungsleistung</strong> zählt etwa 30 %: ein klarer argumentativer Aufbau, Fachsprache, genaue Belege mit Kapitel oder Seite, eigener Stil, sprachliche Richtigkeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Abituraufgabe Erörterung literarischer Texte eA, Variante C (2025), Gewichtung der Teilaufgaben und Bewertungshinweise.</p>\n\n<h4>So baust du den Aufsatz auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>These klären.</strong> Was genau wird behauptet? Welche Begriffe musst du bestimmen (etwa „Opfer“, „Schuld“)?</li>\n<li><strong>Stellen sammeln.</strong> Zu jeder Seite drei, vier Stellen aus verschiedenen Teilen des Werks, mit Kapitel oder Seite.</li>\n<li><strong>Einleitung.</strong> Werk, Autor, Erscheinungsjahr, in zwei Sätzen worum es geht, dann die These und die Frage.</li>\n<li><strong>Hauptteil.</strong> Erst die Seite, die du am Ende weniger stark findest, dann die andere. Jedes Argument: Behauptung, Beleg aus dem Werk, Deutung, Bezug zur These.</li>\n<li><strong>Urteil.</strong> Eine Antwort, die genauer ist als „teils, teils“: Wo hat die These recht, wo greift sie zu kurz, und was folgt daraus für das Verständnis des Werks?</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein ganzer Aufsatz an einem echten Werk</h4>\n<p>Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ erschien 1894/95 in Fortsetzungen in der Zeitschrift „Deutsche Rundschau“ und im Oktober 1895 als Buch, vordatiert auf 1896. Die junge Effi heiratet den Landrat Geert von Innstetten, der „gerade so alt wie Mama“ ist (Kap. 2), und zieht mit ihm in den Ostseeort Kessin. Dort beginnt sie eine Beziehung mit dem Major Crampas. Jahre später, längst in Berlin, findet Innstetten Briefe von Crampas, tötet ihn im Duell und lässt sich scheiden. Effi lebt allein in Berlin, kehrt schließlich zu den Eltern zurück und stirbt.</p>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt, Variante B): <em>„Effi Briest ist vor allem ein Opfer der Gesellschaft.“ Erörtern Sie diese These.</em></p>\n\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musteraufsatz</span>\n<p><strong>Einleitung.</strong> In Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ (1895) zerbricht das Leben einer jungen Frau an einem Ehebruch, der Jahre zurückliegt. Die These, Effi sei „vor allem ein Opfer der Gesellschaft“, liegt nahe: Eine Gesellschaft, die nach einem Ehrenkodex urteilt, zerstört ihr Leben. Zu prüfen ist, ob das „vor allem“ trifft oder ob Fontane Effi auch eine eigene Verantwortung zuschreibt.</p>\n<p><strong>Für die These: die Ehe.</strong> Schon die Heirat ist eher ein Vorgang der Gesellschaft als Effis eigene Entscheidung. Innstetten hatte einst ihre Mutter umworben, nun wird er der Mann der Tochter. Wie schnell das ging, hält der Erzähler fest, als Effi sich später daran erinnert: „und eine Stunde später war sie Braut“ (Kap. 24). Eine junge Frau aus dem Adel hat in dieser Welt kaum eine andere Rolle als die der standesgemäß verheirateten Ehefrau.</p>\n<p><strong>Für die These: das Duell.</strong> Am deutlichsten zeigt sich der Druck der Gesellschaft, als Innstetten die Briefe findet. Er spricht ohne Hass und gibt zu, wer „weltabgewandt weiter existieren will“, könne den Nebenbuhler „auch laufen lassen“. Aber: „Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an“. Das „uns tyrannisierende Gesellschafts-Etwas“ frage „nicht nach Charme und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung. Ich habe keine Wahl. Ich muß.“ (Kap. 27). Nach dem Duell nennt Innstetten das Ganze in Gedanken selbst „eine gemachte Geschichte, halbe Komödie“ (Kap. 29). Wenn sogar der, der handelt, nicht an den Sinn seiner Tat glaubt, folgt er einem Zwang, den die Gesellschaft ausübt.</p>\n<p><strong>Für die These: die Folgen.</strong> Die Strafe trifft fast nur Effi. Ihre Mutter schreibt ihr, „auch das elterliche Haus wird Dir verschlossen sein“ (Kap. 31). Ihre Tochter Annie, von Innstetten erzogen, begegnet ihr wie einer Fremden und antwortet auf jede Einladung nur „O gewiß, wenn ich darf“ (Kap. 33). Effi verliert Ehe, Kind, Stellung und Elternhaus, während Innstetten Karriere macht. Diese Ungleichheit ist Kritik an einer Gesellschaft, die Ehebruch bei der Frau anders bestraft als beim Mann.</p>\n<p><strong>Gegen die These: Effis eigene Wünsche.</strong> Fontane zeichnet Effi aber nicht nur als hilflos Gestoßene. Vor der Ehe sagt sie der Mutter, sie sei „für Zärtlichkeit und Liebe“, und wenn es das nicht sein könne, dann „für Reichtum und ein vornehmes Haus“ (Kap. 4). Sie will also selbst, was die Gesellschaft ihr anbietet, und geht die Ehe nicht nur unter Zwang ein.</p>\n<p><strong>Gegen die These: Schuld und Lüge.</strong> Effi selbst spricht von Schuld. Nach dem Abschied von Kessin, bei den Eltern, denkt sie: „Und ich sitze dabei und höre es und habe die Schuld auf meiner Seele.“ Was sie quält, ist aber weniger die Tat als die Lüge: „Ich schäme mich bloß von wegen dem ewigen Lug und Trug“; sie habe „nicht die rechte Reue“ (Kap. 24). Auch die Mutter sagt am Ende: „eigentlich hast Du doch Euer Leid heraufbeschworen“ (Kap. 36). Effi stimmt zu und bittet, Innstetten solle erfahren, dass er „in allem recht gehandelt“ habe (Kap. 36). Wer die These vertritt, muss erklären, warum die Figur sich selbst nicht nur als Opfer sieht.</p>\n<p><strong>Abwägung.</strong> Diese Gegenargumente schwächen die These, widerlegen sie aber nicht. Effis Wünsche nach Reichtum und einem vornehmen Haus sind selbst von der Gesellschaft geprägt, in der sie aufwächst. Und ihr spätes Urteil über Innstetten ist nicht nur Einsicht: Im selben Satz sagt sie, er sei „so edel, wie jemand sein kann, der ohne rechte Liebe ist“ (Kap. 36). Das ist versöhnlich und zugleich ein genauer Vorwurf. Effi ist also beides: eine Frau, die eigene Entscheidungen trifft und dafür Verantwortung übernimmt, und eine Frau, deren Entscheidungen von Anfang an in einen engen Rahmen gestellt sind und die dafür viel härter büßt als die Männer.</p>\n<p><strong>Urteil.</strong> Die These trifft zu, wenn man „Gesellschaft“ nicht nur als äußere Macht versteht, sondern als etwas, das die Figuren selbst verinnerlicht haben. Innstetten handelt nach ihrem Kodex, obwohl er nicht an ihn glaubt; Effi wünscht sich, was sie ihr verspricht, und urteilt am Ende über sich mit ihren Maßstäben. In diesem Sinn ist Effi „vor allem“ ein Opfer der Gesellschaft, aber nicht ihr einziges, und nicht ohne eigenen Anteil. Fontane fällt kein einfaches Urteil. Bezeichnend ist, dass der Roman mit Briests Wort endet, das sei „ein zu weites Feld“.</p>\n<p class=\"ks-quelle\"><strong>Warum das gut ist:</strong> Die Einleitung benennt das Schlüsselwort der These („vor allem“) und macht es zur Frage. Die Argumente stammen aus verschiedenen Teilen des Romans (Kap. 4, 24, 27, 29, 31, 33, 36), jedes mit Beleg und Deutung. Die Gegenseite wird ernst genommen und mit Textstellen gestützt. Die Abwägung prüft die Gegenargumente selbst, und das Urteil folgt aus ihr, statt einfach zuzustimmen. Zitiert wird nach Kapitel, weil Ausgaben verschiedene Seitenzahlen haben; in der Klausur gibst du die Seiten der vorliegenden Ausgabe an.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Variante A mit Auszug</span>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Theodor Fontane: Effi Briest, Kap. 36 (Auszug)</span>\n<p>„Ja. Und es liegt mir daran, daß er erfährt, wie mir hier in meinen Krankheitstagen, die doch fast meine schönsten gewesen sind, wie mir hier klar geworden, daß er in allem recht gehandelt. […] Laß ihn das wissen, daß ich in dieser Überzeugung gestorben bin. Es wird ihn trösten, aufrichten, vielleicht versöhnen. Denn er hatte viel Gutes in seiner Natur und war so edel, wie jemand sein kann, der ohne rechte Liebe ist.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Zitiert nach der Erstausgabe, F. Fontane &amp; Co., Berlin 1896, S. 517 f. (Deutsches Textarchiv). Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>Erörtern Sie, ob Innstetten tatsächlich „in allem recht gehandelt“ hat, wie Effi am Ende sagt.</em> Schreib eine Gliederung: These, zwei Argumente dafür, zwei dagegen, jeweils mit einer Stelle aus dem Roman, und ein Urteil in einem Satz.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Mögliche Gliederung zeigen</summary><div>\n<p><strong>These:</strong> Effi spricht Innstetten frei; zu prüfen ist, ob der Roman ihr darin folgt.</p>\n<p><strong>Dafür:</strong> (1) Er handelt nach den Regeln seiner Zeit, die auch Effi kennt; er sagt selbst, er habe „keine Wahl“ (Kap. 27). (2) Er handelt nicht aus Rache, sondern prüft sich vorher im Gespräch mit Wüllersdorf und gibt diesem die Entscheidung in die Hand (Kap. 27).</p>\n<p><strong>Dagegen:</strong> (1) Er selbst zweifelt nach dem Duell und nennt alles „halbe Komödie“ (Kap. 29); wer so urteilt, hat nicht „in allem recht gehandelt“. (2) Er entfremdet Annie von ihrer Mutter, sodass sie nur noch „wenn ich darf“ sagt (Kap. 33). Das folgt keinem Ehrenkodex, sondern ist seine Entscheidung.</p>\n<p><strong>Urteil:</strong> Effis Satz ist eine Versöhnung, kein Freispruch, denn derselbe Satz endet mit dem Vorwurf, er sei „ohne rechte Liebe“.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eine mögliche Lösung. Die Stellen aus Kap. 27, 29 und 33 suchst du in der Klausur in deiner Ausgabe.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Satzanfänge</h4>\n<ul class=\"phrase-list\">\n<li><em>Die These behauptet, dass … Entscheidend ist dabei das Wort „…“.</em><span class=\"wozu\">These klären</span></li>\n<li><em>Für diese Sicht spricht vor allem die Szene, in der …</em><span class=\"wozu\">Argument mit Werkbezug</span></li>\n<li><em>Dem steht entgegen, dass die Figur selbst …</em><span class=\"wozu\">Gegenargument</span></li>\n<li><em>Dieser Einwand schwächt die These, widerlegt sie aber nicht, denn …</em><span class=\"wozu\">Abwägung</span></li>\n<li><em>Die These trifft zu, sofern man unter … versteht.</em><span class=\"wozu\">Urteil mit Einschränkung</span></li>\n</ul>\n\n<h4>Vor der Abgabe prüfen</h4>\n<ul>\n<li>Sind die Schlüsselbegriffe der These geklärt?</li>\n<li>Kommen die Belege aus verschiedenen Teilen des Werks?</li>\n<li>Hat jedes Argument einen Beleg und eine Deutung?</li>\n<li>Werden die Gegenargumente selbst noch einmal geprüft?</li>\n<li>Ist das Urteil genauer als „teils, teils“?</li>\n</ul>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Nacherzählen.</strong> Die Handlung ist bekannt. Erzählt wird nur, was ein Argument braucht.</li>\n<li><strong>Interpretation ohne Erörterung.</strong> Eine schöne Deutung einer Szene bringt nur Punkte, wenn sie für oder gegen die These spricht.</li>\n<li><strong>Belege nur vom Anfang.</strong> Wer nur das erste Kapitel kennt, kann die These nicht am ganzen Werk prüfen.</li>\n<li><strong>Figur und Autor verwechseln.</strong> Was Innstetten sagt, ist nicht automatisch Fontanes Meinung.</li>\n<li><strong>Heutige Maßstäbe ohne Kontext.</strong> Ein Urteil über Figuren von 1895 braucht den Blick auf ihre Zeit, auch wenn du am Ende anders wertest.</li>\n<li><strong>Bei Variante C den Sachtext vergessen.</strong> Die These kommt aus dem Text; die Erörterung muss auf ihn zurückkommen.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-eroertern\">erörtern</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-sich-auseinandersetzen\">sich auseinandersetzen mit</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-beurteilen\">beurteilen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-de-methoden-charakterisierung\">Charakterisierung</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-de-methoden-zitieren\">Richtig zitieren</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-format-eroerterung-literarisch -->",
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Gewertet wird das Verstehen mit ungefähr 70 %, die Darstellung mit etwa 30 %.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span><p>Die Erörterung pragmatischer Texte gehört zu den möglichen Aufgabenarten.</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Du bekommst vier Aufgaben und wählst eine. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit. Hilfsmittel: Nachschlagewerke zur Rechtschreibung und die verpflichtenden Ganzschriften.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Bei der <strong>Erörterung pragmatischer Texte</strong> liegt der Schwerpunkt auf der Erörterung: „Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit einer strittigen Frage.“ Die Analyse des Textes ist nötig, aber sie dient der Erörterung; sie soll nicht als eigener Aufsatz danebenstehen. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Pragmatische Texte<span class=\"wort-erkl\">Sachtexte, die etwas mitteilen oder bewirken wollen: Reden, Kommentare, Essays, Briefe, Reportagen</span></span> sind Texte aus der Wirklichkeit, keine Dichtung.</p>\n<p>Der Unterschied zur <strong>Analyse</strong> pragmatischer Texte: Dort steht die Untersuchung im Mittelpunkt, hier dein begründetes Urteil. Der Unterschied zur <strong>Stellungnahme</strong>: Eine Erörterung wägt ausdrücklich Gründe und Gegengründe ab, bevor sie urteilt. Was in deinem Land drankommt, steht im Kasten oben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Erläuterungen zur Konstruktion der Aufgaben (Stand 03.03.2023), S. 2 f.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">So könnte eine Aufgabe lauten</span>\n<p><em>1. Stellen Sie den Gedankengang des Textes von Andreas Frey dar und erläutern Sie die Intention des Textes.</em> (ca. 40 %)<br><em>2. Erörtern Sie ausgehend vom vorliegenden Text die Position des Autors.</em> (ca. 60 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Erörterung pragmatischer Texte, erhöhtes Niveau (Frey, „Was gute Sprache mit guten Menschen zu tun hat“, Aufgabe 2024).</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>Die <strong>Verstehensleistung</strong> zählt ungefähr 70 %, und innerhalb davon sind die Teilaufgaben gewichtet, in der Frey-Aufgabe 40 zu 60. Im ersten Teil zählen eine genaue Darstellung des Gedankengangs und die erkannte Absicht des Textes. Im zweiten Teil zählt, dass du die Position des Autors erfasst, Argumente dafür und dagegen entwickelst, sie gewichtest und zu einem Urteil kommst, das aus der Abwägung folgt. Für „gut“ verlangen die Bildungsstandards in einer Beispielaufgabe, dass „die in der Textvorlage enthaltenen Argumente eingehend geprüft“ werden und „ein eigener begründeter und in der Sache fundierter Standpunkt erkennbar ist“.</p>\n<p>Die <strong>Darstellungsleistung</strong> zählt etwa 30 %: ein klarer, logisch verbundener Aufbau, Fachsprache, genaue Belege mit Zeile, Ausdruck und Stil, sprachliche Richtigkeit. Bei Erörterungen achten Korrektoren besonders auf die Verknüpfung: <em>deshalb, dagegen spricht, allerdings, daraus folgt</em>.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quellen: IQB, Abituraufgabe Erörterung pragmatischer Texte eA (Frey, 2024), Gewichtung der Teilaufgaben und Bewertungshinweise; KMK, Bildungsstandards Deutsch (2012), S. 25 und Beispielaufgabe S. 92.</p>\n\n<h4>So baust du den Aufsatz auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Kernthese finden.</strong> Was behauptet der Text, in einem Satz? Welche Frage steckt dahinter?</li>\n<li><strong>Teil 1: Gedankengang.</strong> Schritt für Schritt, mit Zeilen: These, Begründung, Beispiele, Folgerung. Danach die Absicht: Wen will der Text wovon überzeugen?</li>\n<li><strong>Überleitung.</strong> Die strittige Frage formulieren, um die es in Teil 2 geht.</li>\n<li><strong>Teil 2: Argumente.</strong> Was spricht für die Position, was dagegen? Mindestens zwei Argumente auf jeder Seite, jeweils mit Begründung und Beispiel. Dazu Argumente des Textes selbst prüfen.</li>\n<li><strong>Anordnen.</strong> Meist zuerst die Seite, die du am Ende nicht vertrittst, dann deine Seite, das stärkste Argument zuletzt.</li>\n<li><strong>Urteil.</strong> Eine klare Antwort auf die strittige Frage, die sagt, warum die eine Seite schwerer wiegt.</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein ganzer Aufsatz an einem echten Text</h4>\n<p>Immanuel Kant antwortete 1784 in der „Berlinischen Monatsschrift“ auf eine Frage, die dort im Jahr davor ein Pfarrer gestellt hatte: Was ist eigentlich Aufklärung? Der Anfang seiner Antwort gehört zu den bekanntesten Sätzen der deutschen Philosophie.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Echter Text · Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Anfang)</span>\n<p>[1] Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.</p>\n<p>[2] Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Theil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter majorennes), dennoch gerne Zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt der für mich die Diät beurtheilt, u. s. w. so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen. Daß der bei weitem größte Theil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte: dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben, und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften; so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen allein zu gehen. Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemahl Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern, und schrekt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach dem Erstdruck: Berlinische Monatsschrift, Bd. 4, 12. Stück (Dezember 1784), S. 481 f. (Wikisource, nach dem Scan). Rechtschreibung wie dort, Hervorhebungen weggelassen. Absatznummern von uns. Gemeinfrei. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Sapere aude<span class=\"wort-erkl\">lateinisch: Wage, weise zu sein (nach dem römischen Dichter Horaz)</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">naturaliter majorennes<span class=\"wort-erkl\">lateinisch: von Natur aus volljährig</span></span> · <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Gängelwagen<span class=\"wort-erkl\">Laufgestell, in dem kleine Kinder gehen lernten</span></span></p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>1. Stellen Sie den Gedankengang des Textauszugs dar und erläutern Sie Kants Absicht.</em> (ca. 40 %) <em>2. Erörtern Sie ausgehend vom Text, ob Kants Satz „Es ist so bequem, unmündig zu sein“ auch für die Gegenwart gilt.</em> (ca. 60 %)</p>\n\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musteraufsatz</span>\n<p><strong>Einleitung.</strong> In seinem Aufsatz „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“, erschienen 1784 in der „Berlinischen Monatsschrift“, bestimmt Immanuel Kant Aufklärung als den Schritt des Menschen in die geistige Selbstständigkeit. Im vorliegenden Anfang des Textes erklärt er, warum die meisten Menschen diesen Schritt nicht tun: nicht weil sie zu dumm sind, sondern weil es bequem ist, andere für sich denken zu lassen.</p>\n<p><strong>Teil 1: Gedankengang.</strong> Kant beginnt mit einer Definition: Aufklärung sei „der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Abs. 1). Dann erklärt er die beiden Begriffe dieser Definition. Unmündigkeit sei das Unvermögen, den eigenen Verstand „ohne Leitung eines anderen“ zu gebrauchen; selbstverschuldet sei sie, wenn es nicht am Verstand fehle, sondern am „Muthe“. Daraus leitet er den Wahlspruch ab: „Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Im zweiten Absatz nennt er die Ursachen: „Faulheit und Feigheit“ (Abs. 2). Die Faulheit veranschaulicht er mit drei Beispielen, dem Buch, dem Seelsorger und dem Arzt, die für den Menschen Verstand, Gewissen und Urteil übernehmen. Die Feigheit erklärt er mit den „Vormündern“, die den Menschen den Schritt zur Mündigkeit als „gefährlich“ darstellen. Dafür wählt er ein bitteres Bild: Die Vormünder machen ihr „Hausvieh zuerst dumm“, sperren es in den „Gängelwagen“ und zeigen ihm dann die Gefahr des Alleingehens. Kant schließt, die Gefahr sei „eben so groß nicht“, denn man lerne durch „einigemahl Fallen“ gehen.</p>\n<p><strong>Absicht.</strong> Kant will seine Leser nicht nur belehren, er will sie aufrütteln. Darauf deuten der Imperativ „Habe Muth“, die Ich-Form der Beispiele („Habe ich ein Buch …“), mit der er den Leser die Bequemlichkeit selbst aussprechen lässt, und die Ironie, mit der er von Vormündern spricht, die die Aufsicht „gütigst“ übernommen hätten. Die Unmündigkeit erscheint als Schuld des Einzelnen, aber auch als Interesse derer, die von ihr profitieren.</p>\n<p><strong>Überleitung.</strong> Kants Diagnose ist fast 250 Jahre alt. Zu fragen ist, ob sie auch für uns gilt, die wir mehr Wissen zur Verfügung haben als je zuvor.</p>\n<p><strong>Teil 2: Was für Kant spricht.</strong> Vieles spricht dafür, dass Kants Satz heute sogar mehr zutrifft als 1784. Seine drei Beispiele lassen sich mühelos fortsetzen: Eine Navigations-App findet für uns den Weg, eine Suchmaschine sortiert für uns die Antworten, ein Programm schreibt auf Wunsch den Text, den wir selbst schreiben sollten. Kants Satz „Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann“ gilt hier fast wörtlich, oft wird sogar nur mit Daten bezahlt. Je bequemer die Hilfe ist, desto seltener prüfen wir sie. Auch das zweite Argument trifft zu: Wer sich nie selbst ein Urteil bildet, verliert die Übung darin, so wie Kants Kind ohne Gängelwagen „schüchtern“ wird.</p>\n<p><strong>Was gegen Kant spricht.</strong> Dennoch greift die Diagnose zu kurz, wenn man sie wörtlich nimmt. Erstens ist es nicht immer Faulheit, anderen zu folgen. Niemand kann zugleich Arzt, Jurist und Ingenieur sein; einer Ärztin zu vertrauen ist in einer arbeitsteiligen Welt vernünftig, nicht feige. Zweitens unterschätzt Kant äußere Gründe. Wer keinen Zugang zu Bildung hat, ist nicht aus „Faulheit und Feigheit“ unmündig. Der Text selbst zeigt diese Grenze, wenn er „das ganze schöne Geschlecht“ in einer Klammer mitzählt, als lägen die Gründe bei den Frauen selbst und nicht in einer Gesellschaft, die ihnen damals Bildung und Rechte vorenthielt. Drittens kann gerade die Fülle an Informationen das Selbstdenken erschweren: Wer überall widersprüchliche Angaben findet, braucht Orientierung, und die sucht er bei anderen.</p>\n<p><strong>Urteil.</strong> Kants Satz bleibt richtig, aber er muss genauer gefasst werden. Unmündig ist heute nicht, wer anderen vertraut, sondern wer nicht mehr prüft, wem er vertraut. Mündigkeit heißt dann nicht, alles selbst zu wissen, sondern die eigene Urteilskraft zu gebrauchen, wenn man Quellen, Programme und Experten auswählt. In diesem Sinn ist Kants Wahlspruch „Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ für die Gegenwart sogar dringender geworden: Es ist noch bequemer, unmündig zu sein, als zu seiner Zeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\"><strong>Warum das gut ist:</strong> Teil 1 gibt den Gedankengang in Schritten mit Belegen wieder (Definition, Begriffe, Ursachen, Bild, Folgerung) und erläutert die Absicht an sprachlichen Mitteln. Die Überleitung formuliert die strittige Frage. Teil 2 prüft zuerst die Seite, die nur teilweise überzeugt, dann die Einwände, und kommt zu einem Urteil, das beide verbindet, statt sich einfach einer Seite anzuschließen. Die Argumente haben Begründung und Beispiel. Kants Thesen stehen im Konjunktiv (sei, fehle), die eigene Position im Indikativ. Die Gewichtung 40 zu 60 zeigt sich im Umfang.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · eine zweite Stelle aus demselben Text</span>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Immanuel Kant: Was ist Aufklärung? (Fortsetzung, Auszug)</span>\n<p>Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. […] Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur Freiheit läßt, beinahe unausbleiblich.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Berlinische Monatsschrift, Bd. 4 (1784), S. 482 f. (Wikisource). Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>Erörtern Sie Kants These, dass ein Publikum sich leichter selbst aufkläre als der Einzelne.</em> Schreib den Hauptteil in Stichpunkten: zwei Argumente dafür, zwei dagegen, dann ein Urteil in einem Satz.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Mögliche Lösung zeigen</summary><div>\n<p><strong>Dafür:</strong> Gemeinsam fällt das Selbstdenken leichter, weil man sich gegenseitig ermutigt und korrigiert; Kant rechnet mit „einige[n] Selbstdenkende[n]“, die ihre Haltung „um sich verbreiten“ (S. 483). Außerdem kann ein Publikum, wenn es frei diskutieren darf, Fehler Einzelner ausgleichen, wie in einer offenen Debatte.</p>\n<p><strong>Dagegen:</strong> Ein Publikum kann auch gemeinsam irren, wenn alle denselben Vorurteilen folgen; Kant sieht diese Gefahr selbst, wenn er schreibt, ein Publikum könne „nur langsam zur Aufklärung gelangen“ (S. 484). Und Freiheit allein genügt nicht: Wo jeder nur liest, was er ohnehin glaubt, verstärkt das Publikum seine Meinungen, statt sie zu prüfen.</p>\n<p><strong>Urteil:</strong> Kants These überzeugt, aber nur unter seiner eigenen Bedingung: Ein Publikum klärt sich auf, wenn die Freiheit zum öffentlichen Streit wirklich genutzt wird, nicht schon, weil es sie gibt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eine mögliche Lösung. Die Zitate von S. 483 f. stehen im Text kurz nach dem abgedruckten Auszug.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Satzanfänge</h4>\n<ul class=\"phrase-list\">\n<li><em>Zunächst definiert der Autor … · Daran schließt er … an · Daraus folgert er …</em><span class=\"wozu\">Gedankengang</span></li>\n<li><em>Der Autor will seine Leser dazu bringen, … Darauf deutet …</em><span class=\"wozu\">Absicht</span></li>\n<li><em>Es stellt sich die Frage, ob …</em><span class=\"wozu\">Überleitung</span></li>\n<li><em>Für diese Position spricht, dass … · Ein Beispiel dafür ist …</em><span class=\"wozu\">Argument</span></li>\n<li><em>Dagegen lässt sich einwenden, … · Allerdings übersieht der Autor …</em><span class=\"wozu\">Gegenargument</span></li>\n<li><em>Wägt man beide Seiten ab, zeigt sich …</em><span class=\"wozu\">Urteil</span></li>\n</ul>\n\n<h4>Vor der Abgabe prüfen</h4>\n<ul>\n<li>Ist der Gedankengang dargestellt und nicht nur der Inhalt?</li>\n<li>Steht die strittige Frage ausdrücklich vor Teil 2?</li>\n<li>Hat jedes Argument eine Begründung und ein Beispiel?</li>\n<li>Bezieht sich die Erörterung auf den Text, nicht nur auf das Thema?</li>\n<li>Folgt das Urteil aus der Abwägung?</li>\n</ul>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Freie Erörterung zum Thema.</strong> Wer den Text nach Teil 1 vergisst, verfehlt die Aufgabe. Erörtert wird „ausgehend vom Text“.</li>\n<li><strong>Zusammenfassung statt Gedankengang.</strong> „Kant schreibt über Aufklärung“ reicht nicht. Zeig, wie ein Schritt aus dem anderen folgt.</li>\n<li><strong>Nur Zustimmung.</strong> Wer dem Text in allem recht gibt, erörtert nicht. Auch wenn du am Ende zustimmst, musst du Einwände prüfen.</li>\n<li><strong>Behauptung ohne Beispiel.</strong> „Heute denken die Menschen weniger selbst“ ist eine Meinung. Mach sie an einem Beispiel greifbar.</li>\n<li><strong>Urteil ohne Abwägung.</strong> „Ich finde beides wichtig“ ist kein Urteil. Sag, welche Seite schwerer wiegt und warum.</li>\n<li><strong>Den historischen Abstand übersehen.</strong> Ein Text von 1784 spricht unter anderen Bedingungen. Das ist kein Grund, ihn abzutun, aber ein Punkt in der Abwägung.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-eroertern\">erörtern</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=bb-de-ausdruck-ueberleitung\">Überleitungen schreiben</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-stellung-nehmen\">Stellung nehmen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-beurteilen\">beurteilen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=bb-de-ausdruck-ueberleitung\">Überleitungen schreiben</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-format-eroerterung-pragmatisch -->",
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      "content": "<!-- core-card:de-format-materialgestuetzt-argumentierend -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Textsorte</span><span>Klausur-Formate</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Beim materialgestützten Verfassen argumentierender Texte bekommst du ein Dossier mit mehreren Materialien zu einer strittigen Frage: Texte, Tabellen, Grafiken. Daraus schreibst du einen eigenen Text für eine genannte Situation und Leserschaft, zum Beispiel einen Kommentar oder einen Beitrag für ein Heft. Du nimmst begründet Stellung, nutzt alle Materialien und dein Unterrichtswissen und gehst auf Gegenargumente ein. Überschrift, Einstieg und Wortzahl gehören zur Aufgabe. Hier zählt die Darstellung mehr als sonst: Verstehen etwa 60 %, Darstellung etwa 40 %.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">So prüft Brandenburg</span><p>Das materialgestützte Verfassen argumentierender Texte gehört zu den möglichen Aufgabenarten. Ein materialgestütztes Verfassen informierender Texte nennen die Prüfungsschwerpunkte nicht.</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><p>Du bekommst vier Aufgaben und wählst eine. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten, jeweils mit 30 Minuten Lese- und Auswahlzeit. Hilfsmittel: Nachschlagewerke zur Rechtschreibung und die verpflichtenden Ganzschriften.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/unterricht/pruefungen/abitur-brandenburg/zentrale-schriftliche-abiturpruefung-2027\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Deutsch, Bildungsserver Berlin-Brandenburg</a></p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Die Aufgabenstellung nennt immer eine Schreibsituation: „Ausgangssituation, Adressatenbezug, ggf. Veröffentlichungsort“ und ein Schreibziel. Der Zieltext ist „lebensweltlich verankert“, also ein Text, wie es ihn wirklich gibt, und er wird als „argumentierender Beitrag“ verlangt, mit einer Wortzahl, die mit „ca.“ angegeben ist. „Für die Bearbeitung der Aufgabe sind alle Materialien zu nutzen.“ Das Dossier umfasst im Abitur meist rund 1500 Wörter auf grundlegendem und rund 2000 Wörter auf erhöhtem Niveau.</p>\n<p>Der Unterschied zum <strong>informierenden</strong> Text: Dort erklärst du sachlich, hier vertrittst du eine Position und willst die Leser überzeugen. Der Unterschied zur <strong>Erörterung</strong>: Du bekommst nicht einen Text, mit dem du dich auseinandersetzt, sondern mehrere Materialien, aus denen du deine Argumente baust. Was in deinem Land drankommt, steht im Kasten oben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: IQB, Erläuterungen zur Konstruktion der Aufgaben (Stand 03.03.2023), S. 3 f.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">So könnte eine Aufgabe lauten</span>\n<p><em>Verfassen Sie für das Begleitheft der Projekttage einen argumentierenden Beitrag, in dem Sie zu der Frage Stellung nehmen, inwiefern Journalistinnen und Journalisten in ihrer Arbeit unvoreingenommen sein sollten. Nutzen Sie dazu die folgenden Materialien 1 bis 8 und beziehen Sie unterrichtliches Wissen und eigene Erfahrungen ein. Formulieren Sie eine geeignete Überschrift. […] Ihr Beitrag sollte etwa 1200 Wörter umfassen.</em></p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Materialgestütztes Verfassen argumentierender Texte, erhöhtes Niveau (Aufgabe 2024): acht Materialien mit zusammen 2238 Wörtern, darunter vier Kommentarauszüge, drei Informationstexte und ein Schaubild.</p>\n</div>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>Bei materialgestützten Aufgaben zählt die <strong>Verstehensleistung</strong> ungefähr 60 %, die <strong>Darstellungsleistung</strong> ungefähr 40 %. Im Erwartungshorizont stehen für das Verstehen unter anderem: eine Überschrift, die zum Text passt, ein Einstieg, der die Leser gewinnt, eine Position, die „durch Bezugnahme auf die Materialien“ begründet wird, Argumente für beide Seiten und eine Positionierung, die abwägt. Für „gut“ zählt das eigenständige Verknüpfen der Materialien mit eigenem Wissen.</p>\n<p>Zur Darstellung gehören hier auch die Passung zur Textsorte und zur Leserschaft, die Wortzahl (eine „deutliche Unter- oder Überschreitung“ wird berücksichtigt) und die Art, wie du auf die Materialien verweist: mit Autor oder Titel, nicht mit langen Zitaten.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quellen: IQB, Abituraufgabe Materialgestütztes Verfassen argumentierender Texte eA (2024), Erwartungshorizont S. 11 bis 13 und Gewichtung S. 15; IQB, Erläuterungen zur Konstruktion (2023), S. 4.</p>\n\n<h4>So baust du den Text auf</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Situation klären.</strong> Wer liest den Text, wo erscheint er, was soll er bewirken? Daraus folgen Ton und Anrede.</li>\n<li><strong>Material auswerten.</strong> Zu jedem Material ein Satz: Was sagt es zur Frage, für welche Seite? Tabellen und Grafiken genau lesen: Was zeigen die Zahlen, was nicht?</li>\n<li><strong>Position festlegen.</strong> Eine klare Antwort auf die Frage. Erst dann Argumente ordnen.</li>\n<li><strong>Überschrift und Einstieg.</strong> Kurz, treffend, mit einem Aufhänger: ein Zitat, eine Zahl, ein aktueller Anlass.</li>\n<li><strong>Hauptteil.</strong> Gegenargumente aufgreifen und entkräften oder einräumen, eigene Argumente steigern, jedes mit Beleg aus dem Material oder aus deinem Wissen.</li>\n<li><strong>Schluss.</strong> Position bekräftigen, eventuell ein Appell an die Leser. Am Ende Wörter grob zählen.</li>\n</ol>\n\n<h4>Ein ganzer Text mit einem echten Dossier</h4>\n<p>Das Dossier hier ist kleiner als im Abitur, damit es auf einen Lernzettel passt. Die vier Materialien sind echte amtliche Texte und Zahlen; die Zusammenstellung ist von uns.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M1 · Grundgesetz, Artikel 38 Absatz 2</span>\n<p>„Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat; wählbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljährigkeit eintritt.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Gilt für die Wahl zum Deutschen Bundestag. gesetze-im-internet.de, abgerufen am 13.10.2026.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M2 · Bürgerliches Gesetzbuch, § 2</span>\n<p>„Die Volljährigkeit tritt mit der Vollendung des 18. Lebensjahres ein.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">gesetze-im-internet.de, abgerufen am 13.10.2026.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M3 · Europawahlgesetz, § 6 Absatz 1 (Auszug), und die Bundeswahlleiterin</span>\n<p>„Wahlberechtigt sind alle Deutschen im Sinne des Artikels 116 Abs. 1 des Grundgesetzes, die am Wahltage 1. das sechzehnte Lebensjahr vollendet haben, […]“</p>\n<p>„Unter den Wahlberechtigten befinden sich etwa 4,8 Millionen (2019: 3,7 Millionen) potenzielle deutsche Erstwählerinnen und -wähler. […] Zum ersten Mal können bei Europawahlen auch 16- und 17-Jährige teilnehmen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">gesetze-im-internet.de; Die Bundeswahlleiterin, Pressemitteilung Nr. 06/24 vom 21.02.2024 (Europawahl am 9. Juni 2024).</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M4 · Wahlbeteiligung bei der Europawahl 2024 nach Alter</span>\n<table class=\"table-keep\">\n<thead><tr><th>Altersgruppe</th><th>Wahlbeteiligung</th></tr></thead>\n<tbody>\n<tr><td>16 bis 20 Jahre</td><td>60,3 % (1,7 Prozentpunkte mehr als 2019)</td></tr>\n<tr><td>21 bis 24 Jahre</td><td>57,7 %</td></tr>\n<tr><td>50 bis 59 Jahre</td><td>68,2 %</td></tr>\n<tr><td>60 bis 69 Jahre</td><td>68,9 %</td></tr>\n<tr><td>insgesamt</td><td>64,7 %</td></tr>\n</tbody>\n</table>\n<p>Anteil an allen Wahlberechtigten: unter 30 Jahre 15,5 % (9,6 Millionen), ab 60 Jahre 40,2 % (24,9 Millionen).</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Die Bundeswahlleiterin, Pressemitteilung Nr. 07/25 vom 24.01.2025 (repräsentative Wahlstatistik); Tabelle von uns zusammengestellt.</p>\n</div>\n<p>Aufgabe (von uns gestellt): <em>Ihre Schülerzeitung plant eine Ausgabe zur Frage, ob auch bei Bundestagswahlen schon 16-Jährige wählen dürfen sollten. Verfassen Sie für diese Ausgabe einen Kommentar, in dem Sie Stellung nehmen. Nutzen Sie die Materialien M1 bis M4 und Ihr Wissen aus dem Unterricht. Formulieren Sie eine Überschrift. Ihr Text sollte etwa 500 Wörter umfassen.</em></p>\n\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Mustertext · Kommentar, rund 500 Wörter</span>\n<p><strong>Wer mit 16 Europa wählt, kann auch den Bundestag wählen</strong></p>\n<p>Im Juni 2024 standen zum ersten Mal 16- und 17-Jährige in den Wahlkabinen der Europawahl. Rund 4,8 Millionen junge Deutsche konnten damals zum ersten Mal wählen, 2019 waren es 3,7 Millionen (M3). Bei Bundestagswahlen gilt dagegen weiter das Grundgesetz: „Wahlberechtigt ist, wer das achtzehnte Lebensjahr vollendet hat“ (M1). Eine 16-Jährige darf also über das Europäische Parlament mitentscheiden, über den Bundestag aber nicht. Das ist nicht nur widersprüchlich. Es ist auch ein Grund, die Grenze zu senken.</p>\n<p>Das stärkste Argument gegen das Wahlalter 16 lautet: Wer wählt, soll volljährig sein. Volljährig wird man mit 18 (M2), und das Grundgesetz knüpft sogar die Wählbarkeit ausdrücklich an die Volljährigkeit (M1). Wer noch keinen Vertrag allein unterschreiben darf, so das Argument, soll auch nicht über die Regierung mitbestimmen. Das klingt folgerichtig, verwechselt aber zwei Dinge. Die Volljährigkeit regelt, wann man für sich selbst haftet. Das Wahlrecht regelt, wer an Entscheidungen beteiligt wird, die ihn betreffen. Beides muss nicht am selben Tag beginnen; das Europawahlgesetz trennt es bereits (M3).</p>\n<p>Ein zweites Gegenargument lautet, junge Menschen interessierten sich zu wenig für Politik und gingen ohnehin kaum wählen. Die Zahlen der Bundeswahlleiterin sprechen eine andere Sprache. 60,3 Prozent der 16- bis 20-Jährigen haben 2024 gewählt (M4). Das liegt zwar unter dem Durchschnitt von 64,7 Prozent, aber über der Beteiligung der 21- bis 24-Jährigen mit 57,7 Prozent. Die Jüngsten wählten also nicht seltener als die etwas Älteren. Die Beteiligung der Jüngsten ist sogar gestiegen, obwohl erstmals auch 16- und 17-Jährige mitgezählt wurden.</p>\n<p>Für die Senkung spricht vor allem eine Zahl aus derselben Statistik. Bei der Europawahl 2024 waren 40,2 Prozent aller Wahlberechtigten mindestens 60 Jahre alt, die unter 30-Jährigen nur 15,5 Prozent (M4). Ältere gehen zudem häufiger wählen. Damit entscheidet eine Generation über die Zukunft, die diese Zukunft am kürzesten erleben wird. Fragen wie Klimaschutz, Rente oder Staatsschulden betreffen die Jüngsten am längsten. Ein früheres Wahlrecht würde dieses Ungleichgewicht nicht aufheben, aber es würde ihre Stimme stärker machen.</p>\n<p>Dazu kommt ein Argument aus der Schule. Mit 16 sind die meisten noch im Unterricht, wo Wahlen, Parteien und das Grundgesetz Thema sind. Wer dann gleich wählen darf, kann das Gelernte anwenden, oft gemeinsam mit Klasse und Familie. Mit 18 oder 19 sind viele gerade umgezogen, in Ausbildung oder Studium, und die erste Wahl geht leichter unter. Das könnte auch erklären, warum die 21- bis 24-Jährigen am seltensten wählen.</p>\n<p>Natürlich ist nicht jeder 16-Jährige politisch gut informiert. Das ist aber auch nicht jeder 50-Jährige, und niemand verlangt von Erwachsenen einen Test vor der Wahl. Ein Wahlrecht setzt nicht voraus, dass jemand perfekt urteilt, sondern dass er betroffen ist und ernst genommen wird.</p>\n<p>Die Europawahl 2024 hat gezeigt, dass das Wahlalter 16 funktioniert. Jetzt sollte auch der Bundestag folgen. Dafür müsste das Grundgesetz geändert werden, und dafür braucht es eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. Bis dahin gilt für alle, die schon wählen dürfen: Geht hin, und zeigt, dass die Zahlen von 2024 erst der Anfang waren.</p>\n<p class=\"ks-quelle\"><strong>Warum das gut ist:</strong> Überschrift und Einstieg greifen einen aktuellen Anlass und eine Zahl auf. Die Position steht am Ende des ersten Absatzes. Alle vier Materialien werden genutzt, und zwar für Argumente, nicht als Zusammenfassung; die Verweise sind kurz (M1 bis M4). Zwei Gegenargumente werden ernst genommen und mit Material entkräftet. Unterrichtswissen kommt dazu (Zweidrittelmehrheit für eine Grundgesetzänderung). Die Statistik wird genau gelesen und nicht überdehnt („könnte erklären“). Ton und Anrede passen zur Schülerzeitung. Der Text hat rund 500 Wörter, wie verlangt.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · die Gegenseite</span>\n<p>Schreib mit denselben Materialien den Hauptteilabsatz eines Kommentars, der beim Wahlalter 18 bleiben will. Nutze mindestens zwei Materialien und entkräfte das Argument mit den 4,8 Millionen Erstwählern.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Musterabsatz zeigen</summary><div>\n<p>Befürworter verweisen gern darauf, dass 2024 rund 4,8 Millionen junge Deutsche zum ersten Mal wählen durften (M3). Eine große Zahl Berechtigter sagt aber noch nichts darüber, wie viele das Recht nutzen. Tatsächlich lag die Wahlbeteiligung der 16- bis 20-Jährigen mit 60,3 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt von 64,7 Prozent (M4). Wichtiger ist ein grundsätzlicher Punkt: Unsere Rechtsordnung bindet die volle Verantwortung an ein Alter, die Volljährigkeit mit 18 (M2), und das Grundgesetz knüpft daran auch das Recht, gewählt zu werden (M1). Wer mit 16 wählen dürfte, aber nicht gewählt werden könnte und noch nicht voll geschäftsfähig ist, hätte ein Recht ohne die Verantwortung, die sonst dazu gehört. Dass die Europawahl hier eine Ausnahme macht, ist kein Grund, sie auf den Bundestag zu übertragen; man kann sie auch als Versuch sehen, dessen Ergebnis noch offen ist.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Ein möglicher Absatz: Gegenargument aufgegriffen und mit M4 entkräftet, eigene Begründung aus M1 und M2, Einschränkung am Ende. Beide Positionen lassen sich mit demselben Material vertreten; bewertet wird, wie gut du begründest.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Satzanfänge</h4>\n<ul class=\"phrase-list\">\n<li><em>Als im Juni … · Rund … Prozent der …</em><span class=\"wozu\">Einstieg mit Anlass oder Zahl</span></li>\n<li><em>Kritiker wenden ein, dass … Das klingt überzeugend, übersieht aber …</em><span class=\"wozu\">Gegenargument entkräften</span></li>\n<li><em>Die Zahlen der … (M4) zeigen …</em><span class=\"wozu\">Material als Beleg</span></li>\n<li><em>Noch schwerer wiegt …</em><span class=\"wozu\">Steigerung</span></li>\n<li><em>Natürlich ist … Das ist aber kein Grund, …</em><span class=\"wozu\">Einräumen</span></li>\n<li><em>Deshalb sollte … · Für alle, die …, gilt:</em><span class=\"wozu\">Schluss und Appell</span></li>\n</ul>\n\n<h4>Vor der Abgabe prüfen</h4>\n<ul>\n<li>Passt der Text zu Situation, Leserschaft und Textsorte?</li>\n<li>Gibt es eine Überschrift und einen Einstieg, der Leser gewinnt?</li>\n<li>Ist jedes Material genutzt, mit kurzem Verweis?</li>\n<li>Werden Gegenargumente aufgegriffen?</li>\n<li>Liegt die Wortzahl ungefähr bei der Vorgabe?</li>\n</ul>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Material nacheinander zusammenfassen.</strong> „M1 sagt …, M2 sagt …“ ist kein Kommentar. Die Materialien liefern Belege für deine Argumente.</li>\n<li><strong>Ein Material weglassen.</strong> Alle Materialien sind zu nutzen, auch das, das deiner Position widerspricht.</li>\n<li><strong>Zahlen überdehnen.</strong> Eine Statistik zur Wahlbeteiligung sagt nichts über Reife. Schreib nur, was die Zahlen zeigen.</li>\n<li><strong>Keine Position.</strong> Ein argumentierender Text, der am Ende beide Seiten gleich stehen lässt, verfehlt das Schreibziel.</li>\n<li><strong>Situation vergessen.</strong> Ein Kommentar für eine Schülerzeitung klingt anders als ein Schulaufsatz. Keine Einleitung mit „In diesem Text geht es um …“.</li>\n<li><strong>Wortzahl ignorieren.</strong> Eine deutliche Abweichung wird in der Bewertung berücksichtigt.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-stellung-nehmen\">Stellung nehmen</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=bb-de-ausdruck-ueberleitung\">Überleitungen schreiben</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb3-eroertern\">erörtern</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-de-afb2-erlaeutern\">erläutern</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-format-materialgestuetzt-argumentierend -->",
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