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      "title": "Krise und Opposition in der DDR in den 1980er-Jahren",
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      "short": "Krise und Opposition in der DDR in den 1980er-Jahren einfach erklärt: Verschuldung und Milliardenkredite, Mangelwirtschaft und Umweltzerstörung, Ausreisebewegung, Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen unter dem Dach der Kirche, Berliner Appell und Schürer-Papier im Wortlaut, Umweltbibliothek 1987, Sputnik-Verbot 1988, Wahlfälschung 1989 und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-ddr-1980er -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Krise und Opposition in der DDR 1980–1989</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Bei einer Aufgabe zur DDR der 1980er-Jahre wartet in der Klausur keine reine Wissensfrage: Du wertest ein Material aus und nimmst begründet Stellung; Punkte gibt es für Belege und Urteil. In den 1980er-Jahren lebte die DDR über ihre Verhältnisse: Honeckers Sozialpolitik wurde mit Krediten aus dem Westen bezahlt, und 1983 und 1984 halfen zwei Milliardenkredite aus der Bundesrepublik. Mangel im Alltag, verfallende Betriebe und die höchste Schwefeldioxid-Belastung Europas ließen die Unzufriedenheit wachsen, immer mehr Menschen stellten Ausreiseanträge. Unter dem Dach der evangelischen Kirche entstanden Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, die die Stasi überwachte, aber nicht mehr zum Schweigen brachte. Während Gorbatschow die Sowjetunion reformierte, lehnte die SED jede Reform ab. Als Oppositionelle im Mai 1989 die Fälschung der Kommunalwahl nachwiesen, waren Netzwerke und Themen für den Herbst 1989 da.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt · GK und LK</span>\n<p>Prüfungsschwerpunkt 2027: „Friedliche Revolution und deutsche Einheit“</p>\n<ul>\n<li>„Krise und Opposition in der DDR in den 1980er Jahren“</li>\n</ul>\n<p>Quellen: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/PS_Geschichte_GK_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Geschichte 2027, Grundkurs</a>, <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/PS_Geschichte_LK_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leistungskurs</a> (MBJS Brandenburg).</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Im Herbst 1987 wurde Staats- und Parteichef Erich Honecker in Bonn mit allen Ehren eines Staatsoberhaupts empfangen, der Höhepunkt des internationalen Ansehens der DDR. Zwei Jahre später war sein Staat am Ende. Dieser Lernzettel erklärt, was in den Jahren davor brüchig wurde: das Geld, der Alltag, die Umwelt und das Vertrauen.</p>\n<p>In der Klausur unterscheidest du zwei Stränge, die zusammenwirkten: die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Legitimitätskrise<span class=\"wort-erkl\">Verlust des Glaubens der Bevölkerung, dass die Herrschaft berechtigt ist und ihre Versprechen hält</span></span> der SED mit wirtschaftlichen Ursachen und die wachsende Opposition. Dazu gehört die Frage, welcher Strang den Ausschlag gab.</p>\n</div>\n\n<h4>Wirtschaft: Konsum auf Pump</h4>\n<ul>\n<li><strong>„Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“:</strong> Seit dem VIII. Parteitag 1971 sollten Wohnungsbau und Konsum die Menschen zufriedenstellen. Bezahlt wurde mit Krediten, das Geld fehlte für die Modernisierung der Betriebe. Die Auslandsschulden stiegen nach Angaben des Hauses der Geschichte zwischen 1975 und 1982 von 8,9 auf 26,1 Milliarden D-Mark.</li>\n<li><strong>Energie und Innovation:</strong> Anfang der 1980er-Jahre kürzte die Sowjetunion ihre Öllieferungen und erhöhte den Preis. Die DDR setzte stärker auf die eigene Braunkohle. Große Summen flossen in die Mikroelektronik, die mit westlichen Firmen trotzdem nicht mithalten konnte.</li>\n<li><strong>Milliardenkredite:</strong> 1983 und 1984 stimmte die Regierung Kohl zwei Milliardenkrediten westdeutscher Banken zu. Eingefädelt hatten sie Franz Josef Strauß und der DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski. Danach begann die DDR, die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze abzubauen.</li>\n<li><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mangelwirtschaft<span class=\"wort-erkl\">Wirtschaft, in der das Angebot dauerhaft hinter dem Bedarf zurückbleibt; man wartet, tauscht und braucht Beziehungen</span></span><strong>:</strong> Der Grundbedarf war gedeckt, aber gute Kleidung, Möbel, Obst oder Farbfernseher fehlten oft. Auf einen Trabant oder Wartburg wartete man im Schnitt 15 Jahre. 1988 kamen 28 Millionen Westpakete in die DDR.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Haus der Geschichte, „Wirtschaftspolitik“, „Mangelwirtschaft“, „Deutsch-deutsche Beziehungen“ (auch Honecker in Bonn 1987); Stasi-Mediathek des Bundesarchivs (Kredit vom 1. Juli 1983, Konsortium unter Führung der Bayerischen Landesbank).</p>\n\n<h4>Umwelt und Ausreise</h4>\n<ul>\n<li><strong>Umwelt:</strong> Auf dem Papier war die DDR fortschrittlich: Umweltschutz in der Verfassung von 1968, Landeskulturgesetz 1970, eigenes Umweltministerium 1972. Tatsächlich hatte die Wirtschaft Vorrang. Die Braunkohle verschmutzte vor allem die Luft um Halle, Leipzig, Dresden und Karl-Marx-Stadt; die DDR hatte in den 1970er- und 1980er-Jahren die höchste Schwefeldioxid-Belastung des Kontinents. Um Bitterfeld waren auch die Gewässer schwer verschmutzt.</li>\n<li><strong>Ausreisebewegung:</strong> 1983 regelte die SED das Verfahren zur „ständigen Ausreise“; schon im Jahr darauf stellten 41.000 Menschen einen Antrag. Die Antragsteller verloren oft ihre Arbeit und wurden verfolgt. Zugleich ließ die SED zwischen 1984 und 1988 rund 113.000 Menschen ausreisen, um Druck abzulassen. Wer gehen wollte, war nicht unbedingt Teil der Opposition; beide Gruppen trafen sich aber zunehmend in den Kirchen.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Umweltzerstörung“, „Ausreise“.</p>\n\n<h4>Opposition unter dem Dach der Kirche</h4>\n<p>Außerhalb der Kirchen ließ die SED keine freien Gruppen zu. Die evangelische Kirche hatte sich als „Kirche im Sozialismus“ mit dem Staat arrangiert, besaß aber eigene Räume, Zeitungen und Personal. So wurde sie zur <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">zweiten Öffentlichkeit<span class=\"wort-erkl\">Raum neben der staatlich gelenkten Öffentlichkeit, in dem offener gesprochen und gedruckt werden konnte</span></span>, ohne selbst Opposition zu sein. Die Gruppen waren klein und vom <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Ministerium für Staatssicherheit<span class=\"wort-erkl\">„Stasi“: Geheimpolizei und Nachrichtendienst der DDR, überwachte die Bevölkerung, setzte Spitzel ein und verfolgte Oppositionelle</span></span> durchsetzt.</p>\n<ul>\n<li><strong>Friedensbewegung:</strong> Seit November 1980 hielt der Bund der Evangelischen Kirchen jährlich Friedensdekaden unter dem Zeichen „Schwerter zu Pflugscharen“. In der Leipziger Nikolaikirche gab es seit dem 20. September 1982 jeden Montag ein Friedensgebet, anfangs mit nur 20 bis 30 Menschen.</li>\n<li><strong>Menschenrechte:</strong> Am 24. Januar 1986 gründete sich in Ost-Berlin die Initiative Frieden und Menschenrechte, nach dem Vorbild der „Charta 77“ in der Tschechoslowakei. Ab Juni 1986 gab sie die Untergrundzeitschrift „grenzfall“ heraus.</li>\n<li><strong>Umwelt:</strong> 1986 öffnete in der Ost-Berliner Zionskirche die Umweltbibliothek; sie druckte die „Umweltblätter“ und wurde ein Informationszentrum der Opposition.</li>\n</ul>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · „Berliner Appell – Frieden schaffen ohne Waffen“, 25. Januar 1982 (Auszüge)</span>\n<p>„Es kann in Europa nur noch einen Krieg geben, den Atomkrieg. Die in Ost und West angehäuften Waffen werden uns nicht schützen, sondern vernichten. […] Wir schlagen vor: Verhandlungen zwischen den Regierungen der beiden deutschen Staaten über die Entfernung aller Atomwaffen aus Deutschland. […]</p>\n<p>Wir schlagen vor, in einer Atmosphäre der Toleranz und der Anerkennung des Rechts auf freie Meinungsäußerung die große Aussprache über die Fragen des Friedens zu führen […]. b) Sollten wir nicht anstelle des Wehrkundeunterrichts an unseren Schulen einen Unterricht über Fragen des Friedens einführen? c) Sollten wir nicht anstelle des jetzigen Wehrersatzdienstes für Kriegsdienstverweigerer einen sozialen Friedensdienst zulassen?“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Erstunterzeichner u. a. Pfarrer Rainer Eppelmann und der Wissenschaftler Robert Havemann; abgedruckt in Wolfgang Büscher u. a. (Hg.), Friedensbewegung in der DDR. Texte 1978–1982, Hattingen 1982, S. 242–244; Wortlaut nach German History in Documents and Images (GHDI). Kurzer Auszug als Zitat.</p>\n</div>\n<p>So liest du M 1. Der Appell kritisiert die Rüstung in Ost und West zugleich und richtet sich an beide deutschen Staaten. Für die SED war gerade das gefährlich: Er verlangt freie Meinungsäußerung und stellt mit dem Wehrkundeunterricht und dem fehlenden zivilen Ersatzdienst die Militarisierung des eigenen Staates in Frage. Er fordert keinen Umsturz, sondern einen offenen Dialog, und genau diesen Anspruch konnte die SED nicht erfüllen.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Opposition und Bürgerbewegung“, „Kirche im Sozialismus“; evangelisch.de, „Nikolaikirche in Leipzig“ (2019), und Sonntagsblatt, Gespräch mit Christian Führer (erstes Friedensgebet 20.9.1982; die Universität Erfurt nennt den 13.9.1982); Bundesregierung, „Bürgerrechtler fordern Ende der Diktatur“ (IFM, „grenzfall“).</p>\n\n<h4>Zuspitzung 1987 bis Mai 1989</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Nacht zum 25. November 1987:</strong> Die Stasi durchsucht die Umweltbibliothek, beschlagnahmt die Druckmaschinen und nimmt die Anwesenden fest. Mahnwachen in und vor der Zionskirche und Proteste in der ganzen DDR erzwingen die Freilassung.</li>\n<li><strong>17. Januar 1988:</strong> Bei der staatlichen Demonstration zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Ost-Berlin werden Oppositionelle festgenommen. Danach kommen auch Ausreisewillige zu den Leipziger Friedensgebeten, die Zahl der Besucher steigt auf Hunderte.</li>\n<li><strong>Reformverweigerung:</strong> Seit 1985 reformiert Michail Gorbatschow die Sowjetunion mit <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Glasnost und Perestroika<span class=\"wort-erkl\">russisch für Offenheit und Umgestaltung: Gorbatschows Reformen für mehr Meinungsfreiheit und eine erneuerte Wirtschaft</span></span>. Die SED lehnt Reformen ab. Im November 1988 streicht sie die sowjetische Zeitschrift „Sputnik“ von der Postzeitungsliste, praktisch ein Verbot, weil sie über Stalins Verbrechen geschrieben hatte. Es folgen ungewöhnlich viele Leserbriefe, Parteiaustritte und Proteste.</li>\n<li><strong>7. Mai 1989, Kommunalwahlen:</strong> Zur Wahl steht wie immer nur die Einheitsliste der Nationalen Front. Oppositionelle beobachten die Auszählung und weisen Manipulationen nach. Egon Krenz verkündet über 98 Prozent Zustimmung. Die Fälschung wird bekannt, Menschen protestieren öffentlich; sie ist ein Ausgangspunkt der Leipziger Montagsdemonstrationen.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Bezirksamt Mitte von Berlin, Gedenktafel-Datenbank, „Umweltbibliothek“; Robert-Havemann-Gesellschaft, revolution89.de, „The Battle of Zion“; Universität Erfurt (17.1.1988 und Folgen); LeMO, „Glasnost und Perestroika“, „Kommunalwahlen in der DDR“; Berliner Zeitung, „Vor 15 Jahren wurde in der DDR die Zeitschrift Sputnik verboten“ (2003).</p>\n\n<h4>Das Material: das Schürer-Papier</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Gerhard Schürer u. a., „Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlußfolgerungen“, Vorlage für das Politbüro der SED, 30. Oktober 1989 (Auszüge)</span>\n<p>„Die Verschuldung im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet ist seit dem VIII. Parteitag gegenwärtig auf eine Höhe gestiegen, die die Zahlungsfähigkeit der DDR in Frage stellt. […] Es wurde mehr verbraucht als aus eigener Produktion erwirtschaftet wurde zu Lasten der Verschuldung im NSW, die sich von 2 Mrd. VM 1970 auf 49 Mrd. VM 1989 erhöht […]. Das bedeutet, daß die fälligen Zahlungen von Tilgungen und Zinsen, d. h. Schulden, mit neuen Schulden bezahlt werden. […]</p>\n<p>Allein ein Stoppen der Verschuldung würde im Jahre 1990 eine Senkung des Lebensstandards um 25 - 30 % erfordern und die DDR unregierbar machen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesarchiv, SAPMO, DY 30/J IV 2/2A/3252; Wortlaut nach der Abschrift bei chronik-der-mauer.de. Amtliches Dokument der DDR. NSW: nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet, also der Westen; VM: Valutamark, Verrechnungseinheit für Devisen.</p>\n</div>\n<p>So liest du M 2. Die Verfasser waren keine Oppositionellen, sondern die obersten Planer und Devisenbeschaffer der DDR, darunter Schalck-Golodkowski; das Papier ging als Geheimsache an das Politbüro, kurz nach Honeckers Sturz. Es entstand also im Herbst 1989, beschreibt aber die Entwicklung seit 1971. Beachte die Grenze der Zahlen: Spätere Berechnungen kamen auf eine deutlich niedrigere Nettoschuld, weil das Papier Devisenguthaben, vor allem aus Schalck-Golodkowskis Bereich „Kommerzielle Koordinierung“, nicht gegenrechnete. Ob die DDR 1989 wirklich zahlungsunfähig war, ist deshalb umstritten; unstrittig ist, dass die eigene Führung sie für kaum noch zahlungsfähig hielt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesregierung, „Die Krisenanalyse des DDR-Chefplaners“; der Freitag, „Total verschuldet?“, und Berliner Zeitung, „Propagandakracher ‚Schuldenlüge‘“ (spätere Nachrechnungen, unter anderem der Deutschen Bundesbank 1999).</p>\n\n<h4>Deutungen: Was brachte die DDR ins Wanken?</h4>\n<p>Die folgenden Gewichtungen sind Deutungen, keine Tatsachen. In guten Antworten verbindest du sie.</p>\n<ul>\n<li><strong>Wirtschaft:</strong> Die DDR sei an Verschuldung, Innovationsschwäche und Mangel gescheitert; das Schürer-Papier gilt dafür als Beleg.</li>\n<li><strong>Legitimität und Opposition:</strong> Entscheidend sei der Vertrauensverlust gewesen, sichtbar an Ausreise, Eingaben und der aufgedeckten Wahlfälschung; die Gruppen in den Kirchen gaben ihm eine Stimme.</li>\n<li><strong>Äußere Lage:</strong> Ohne Gorbatschows Reformen und den Verzicht der Sowjetunion auf ein Eingreifen hätte die SED ihre Macht mit Gewalt sichern können.</li>\n</ul>\n<p>Wie man den Umbruch im Herbst 1989 selbst deutet, als Revolution von unten oder als Zusammenbruch von innen, steht auf <a href=\"?category=Doppelte+deutsche+Geschichte&card=bb-ge-einheit\">dem Lernzettel zur Wiedervereinigung</a>.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ursache oder Anlass:</strong> Was war langfristig angelegt, was löste aus?</li>\n<li><strong>Reichweite:</strong> Wie viele Menschen erreichten die Gruppen, wie viele die Ausreisebewegung?</li>\n<li><strong>Handlungsspielraum der SED:</strong> Welche Möglichkeiten hatte sie, welche verweigerte sie?</li>\n<li><strong>Quellenwert:</strong> Wer spricht, wann und für wen?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „den Zusammenbruch des Ostblocks analysieren“, hier am Beispiel der DDR)</span>\n<p>1. Geben Sie die Forderungen des Berliner Appells wieder (M 1). (AFB I)</p>\n<p>2. Analysieren Sie M 2 und erläutern Sie die wirtschaftliche Lage der DDR in den 1980er-Jahren. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob die wirtschaftliche Krise oder die Opposition für den Machtverlust der SED wichtiger war. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland, Verhandlungen beider deutscher Staaten; offene Aussprache mit freier Meinungsäußerung; Friedensunterricht statt Wehrkunde; sozialer Friedensdienst statt Wehrersatzdienst.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Interne Analyse der obersten Wirtschaftsplaner für das Politbüro, 30. Oktober 1989, Geheimsache; Kernaussagen: Schulden im Westen von 2 auf 49 Milliarden VM seit 1970, Zahlungsfähigkeit in Frage, Schulden werden mit neuen Schulden bezahlt, Stopp der Verschuldung hieße 25 bis 30 Prozent weniger Lebensstandard. Erläuterung: Sozialpolitik auf Kredit seit 1971, Ölpreis und Braunkohle, Rückstand in der Mikroelektronik, Milliardenkredite 1983/84, Mangelwirtschaft. Kritik: spätere Nachrechnungen mit niedrigerer Nettoschuld.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Eigenes Urteil mit Kriterien. Wirtschaft: lange Ursache, nahm der SED den Spielraum für Konsum als Ersatz für Freiheit. Opposition: klein und überwacht, aber sie schuf Netzwerke, deckte die Wahlfälschung auf und gab dem Unmut eine Sprache. Dazu Ausreisebewegung und Gorbatschow als Rahmen. Ein mögliches Urteil: Die Wirtschaftskrise untergrub die Grundlage, die Opposition machte den Legitimitätsverlust öffentlich; erst beides zusammen im Rahmen der sowjetischen Reformen brachte die SED zu Fall. Für die oberen Noten: Gewichtung begründen statt aufzählen.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Warum war der Nachweis der Wahlfälschung im Mai 1989 für die SED so gefährlich? Zwei Sätze. b) Warum ist das Schürer-Papier eine besonders aussagekräftige Quelle, und wo liegt seine Grenze?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Die SED begründete ihre Herrschaft mit der angeblich fast einstimmigen Zustimmung des Volkes. Der Nachweis zeigte, dass sie log, und gab den Protesten ein Thema, das jeder verstand.</p>\n<p>b) Es stammt von den eigenen Spitzenplanern und war geheim, schönt also nicht für die Öffentlichkeit. Seine Zahlen ließen aber Devisenguthaben weg, deshalb zeigt es die Sicht der Führung, nicht unbedingt die genaue Schuldenhöhe.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Opposition gleich Ausreisewillige.</strong> Viele Oppositionelle wollten die DDR verändern, nicht verlassen; beide trafen sich aber in den Kirchen.</li>\n<li><strong>Die Kirche als Teil der Opposition.</strong> Sie bot Raum und Schutz; die Kirchenleitungen suchten zugleich den Ausgleich mit dem Staat.</li>\n<li><strong>Die Krise nur wirtschaftlich erklären.</strong> Ebenso wichtig waren fehlende Freiheit, Umweltzerstörung und die Reformverweigerung der SED.</li>\n<li><strong>Die 49 Milliarden als gesicherte Schuldenhöhe ausgeben.</strong> Das war die Rechnung der Führung von 1989, spätere Berechnungen fielen niedriger aus.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Doppelte+deutsche+Geschichte&card=bb-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Doppelte+deutsche+Geschichte&card=bb-ge-einheit\">Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Konflikte+seit+1945&card=bb-ge-sowjetunion-russland\">Sowjetunion und Russland seit 1945</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-ddr-1980er -->"
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      "title": "Friedliche Revolution und Einheit 1989/90",
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      "short": "Friedliche Revolution und Wiedervereinigung 1989/90 einfach erklärt: Ursachen innen und außen, Bürgerrechtsbewegung, Montagsdemonstrationen, Mauerfall, Runder Tisch, Volkskammerwahl, Währungsunion, Zwei-plus-Vier-Vertrag und Artikel 23 oder 146 im Wortlaut, mit Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-einheit -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Aufgabe zu Friedlicher Revolution und Einheit verlangt in der Klausur mehr als Erzählen: Du sollst Ursachen und Folgen erklären und am Ende selbst urteilen; Punkte gibt es für genaue Begriffe und Begründungen. 1989 brach die SED-Herrschaft in wenigen Monaten zusammen, ohne dass ein Schuss fiel. Von außen öffnete Gorbatschow den Spielraum, weil die Sowjetunion Reformen in den Nachbarstaaten nicht mehr mit Panzern stoppte; von innen trieben Massenflucht, Bürgerrechtsgruppen und Demonstrationen wie die in Leipzig am 9. Oktober 1989 die SED in die Enge. Am 9. November öffnete sich die Mauer, und aus dem Ruf „Wir sind das Volk“ wurde „Wir sind ein Volk“. Nach der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 folgten die Währungsunion, der Zwei-plus-Vier-Vertrag mit den Siegermächten und am 3. Oktober 1990 der Beitritt der DDR nach Artikel 23 des Grundgesetzes. Wer die Revolution vor allem trug, die Opposition oder die vielen „Normalbürger“, ist unter Forschern umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt · GK und LK</span><p>Prüfungsschwerpunkt 2027: „Friedliche Revolution und deutsche Einheit“</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Krise und Opposition in der DDR in den 1980er Jahren“</li>\n<li>„Akteure, Ziele und Verlauf des Umbruchs 1989“</li>\n<li>„vom 9. November 1989 bis zur Wiedervereinigung“</li>\n</ul>\n<p>Quellen: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/PS_Geschichte_GK_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Geschichte 2027, Grundkurs</a>, <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/PS_Geschichte_LK_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leistungskurs</a> (MBJS Brandenburg).</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Revolution<span class=\"wort-erkl\">ein schneller, grundlegender Umsturz der politischen Ordnung, der von unten erzwungen wird</span></span> stellt man sich mit Barrikaden vor. 1989 war es anders: Die Menschen in der DDR stürzten eine Diktatur mit Kerzen, Gebeten, Demonstrationen und mit den Füßen, indem sie das Land verließen. Deshalb heißt der Umbruch <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">friedliche Revolution<span class=\"wort-erkl\">der gewaltfreie Sturz der SED-Herrschaft im Herbst 1989; „friedlich“, weil weder Demonstranten noch Staatsmacht Gewalt im großen Stil anwendeten</span></span>.</p>\n<p>In der Klausur unterscheidest du zwei Abschnitte, die oft verwechselt werden. Bis Ende 1989 ging es um Demokratie in der DDR: freie Wahlen, Reisefreiheit, Ende der Stasi. Ab Ende 1989 ging es zunehmend um die Einheit, und dabei redeten nicht nur Deutsche mit, sondern auch die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Beide Abschnitte hängen zusammen, haben aber verschiedene Akteure und Ziele.</p>\n</div>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Friedliche Revolution und Einheit <span>· Zwei Abschnitte auf einer Zeitleiste: erst Demokratie in der DDR, dann der Weg zur Einheit.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 412\" role=\"img\" aria-labelledby=\"ei-t ei-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"ei-t\">Friedliche Revolution und Einheit in zwei Abschnitten</title>\n<desc id=\"ei-d\">Zeitleiste mit zwei Abschnitten. Bis Ende 1989 Demokratie in der DDR: 9. Oktober Leipzig, 9. November Mauerfall, 1. Dezember Führungsanspruch der SED gestrichen. Ab Ende 1989 die Einheit, bei der die Siegermächte mitreden: 18. März 1990 Volkskammerwahl, 1. Juli Währungsunion, 23. August Beitrittsbeschluss, 12. September Zwei-plus-Vier-Vertrag, 3. Oktober Beitritt nach Artikel 23.</desc>\n<text x=\"180\" y=\"14\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.9\">1989/90: erst Demokratie in der DDR, dann Einheit</text>\n<circle cx=\"94\" cy=\"67\" r=\"4.5\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"105\" r=\"4.5\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"143\" r=\"4.5\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"211\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"249\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"287\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"325\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"363\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<rect x=\"14\" y=\"28\" width=\"332\" height=\"22\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.14\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"180\" y=\"43\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Bis Ende 1989: Demokratie in der DDR</text>\n<text x=\"78\" y=\"71\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">9.10.1989</text>\n<text x=\"106\" y=\"71\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Leipzig</text>\n<text x=\"106\" y=\"83\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">rund 70.000 auf dem Ring, „Keine Gewalt“</text>\n<text x=\"78\" y=\"109\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">9.11.1989</text>\n<text x=\"106\" y=\"109\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Mauerfall</text>\n<text x=\"106\" y=\"121\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Schabowski, Grenzsoldaten öffnen</text>\n<text x=\"78\" y=\"147\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">1.12.1989</text>\n<text x=\"106\" y=\"147\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">SED-Führungsanspruch gestrichen</text>\n<text x=\"106\" y=\"159\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">ab 7. Dezember Runder Tisch</text>\n<rect x=\"14\" y=\"172\" width=\"332\" height=\"22\" rx=\"6\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.14\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"180\" y=\"187\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Ab Ende 1989: Einheit, die Siegermächte reden mit</text>\n<text x=\"78\" y=\"215\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">18.3.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"215\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Erste freie Volkskammerwahl</text>\n<text x=\"106\" y=\"227\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Allianz für Deutschland rund 48 %</text>\n<text x=\"78\" y=\"253\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">1.7.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"253\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Währungsunion</text>\n<text x=\"106\" y=\"265\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Löhne, Renten, Mieten 1 : 1</text>\n<text x=\"78\" y=\"291\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">23.8.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"291\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Beitrittsbeschluss</text>\n<text x=\"106\" y=\"303\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">294 von 400 Stimmen</text>\n<text x=\"78\" y=\"329\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">12.9.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"329\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Zwei-plus-Vier-Vertrag</text>\n<text x=\"106\" y=\"341\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Siegermächte regeln die äußeren Fragen</text>\n<text x=\"78\" y=\"367\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">3.10.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"367\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Beitritt nach Artikel 23</text>\n<text x=\"106\" y=\"379\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">fünf neue Länder, Berlin Hauptstadt</text>\n<text x=\"180\" y=\"402\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Zwischen Mauerfall und Beitritt liegt fast ein Jahr.</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Blau der Abschnitt, in dem es um Demokratie in der DDR ging, gelb der Abschnitt, in dem es um die Einheit ging und auch die Siegermächte mitredeten; nicht maßstabsgetreu.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Warum es 1989 geschah: Ursachen außen und innen</h4>\n<ul>\n<li><strong>Außen, Gorbatschow:</strong> Seit 1985 führte Michail Gorbatschow die Sowjetunion. Mit <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Glasnost<span class=\"wort-erkl\">russisch „Offenheit“: mehr öffentliche Kritik und Information</span></span> und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Perestroika<span class=\"wort-erkl\">russisch „Umbau“: Reform von Wirtschaft, Staat und Partei</span></span> wollte er das System retten. Er gab die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Breschnew-Doktrin<span class=\"wort-erkl\">Grundsatz, dass die Sowjetunion eingreift, wenn in einem Bruderstaat der Sozialismus gefährdet scheint, wie 1968 in Prag</span></span> auf. Polen und Ungarn reformierten, die SED unter Erich Honecker lehnte Reformen ab.</li>\n<li><strong>Außen, Ungarn:</strong> Ab Anfang Mai 1989 baute Ungarn die Grenzanlagen zu Österreich ab und öffnete im September die Grenze ganz. Zehntausende DDR-Bürger flohen über Ungarn, andere in die bundesdeutschen Botschaften in Prag und Warschau. Bis zum Mauerfall verließen etwa 200.000 Menschen die DDR.</li>\n<li><strong>Innen:</strong> Mangelwirtschaft, Umweltzerstörung und fehlende Freiheit. Bei der Kommunalwahl am 7. Mai 1989 wiesen Oppositionelle, die die Auszählung beobachteten, Fälschungen nach; offiziell stimmten über 98 Prozent für die Einheitsliste. Das Vertrauen in die SED brach weiter ein.</li>\n</ul>\n\n<h4>Herbst 1989: der Sturz der SED</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>September, Bürgerrechtsgruppen:</strong> Am 9./10. September gründen Bärbel Bohley, Jens Reich und andere das Neue Forum mit dem Aufruf „Aufbruch 89“. Es folgen Demokratie Jetzt, der Demokratische Aufbruch und eine Sozialdemokratische Partei. Der Antrag des Neuen Forums auf Zulassung wird als „staatsfeindlich“ abgelehnt, bis Jahresende unterschreiben 200.000 Menschen den Aufruf.</li>\n<li><strong>9. Oktober, Leipzig:</strong> Nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche ziehen rund 70.000 Menschen über den Ring und rufen „Wir sind das Volk“ und „Keine Gewalt“. Viele fürchteten ein Blutbad; die Staatsmacht weicht zurück, die sowjetischen Truppen bleiben in den Kasernen. Danach wachsen die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Montagsdemonstrationen<span class=\"wort-erkl\">wöchentliche Demonstrationen in Leipzig nach dem Montagsgebet in der Nikolaikirche, ab September 1989; bald auch in vielen anderen Städten</span></span> immer weiter.</li>\n<li><strong>18. Oktober, Honecker gestürzt:</strong> Die eigene Parteispitze zwingt ihn zum Rücktritt. Sein Nachfolger Egon Krenz verspricht eine „Wende“, um die Macht der SED zu retten.</li>\n<li><strong>9. November, Mauerfall:</strong> Politbüromitglied Günter Schabowski verkündet auf einer Pressekonferenz neue Reiseregeln, die nach seinen Worten „sofort, unverzüglich“ gelten. Tausende strömen an die Grenzübergänge, die Grenzsoldaten öffnen ohne klaren Befehl.</li>\n<li><strong>Dezember, Ende der SED-Herrschaft:</strong> Am 1. Dezember streicht die Volkskammer den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung. Ab dem 7. Dezember verhandeln am <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Runden Tisch<span class=\"wort-erkl\">Gesprächsrunde aus Regierung, alten Parteien, Bürgerrechtsgruppen und Kirchen, die bis zur freien Wahl die Regierung kontrollierte; nach polnischem Vorbild</span></span> alte Kräfte und Opposition über freie Wahlen, die Auflösung der Stasi und eine neue Verfassung.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Haus der Geschichte, Kapitel „Deutsche Einheit“ (Glasnost und Perestroika, Kommunalwahlen, Massenflucht, Neues Forum, Montagsdemonstrationen, Führungswechsel, Fall der Mauer, Runder Tisch); Leipzig 9. Oktober: auch Martin Sabrow, „Mythos 1989“, Deutschland Archiv (bpb), 28.11.2019.</p>\n\n<h4>1990: der Weg zur Einheit</h4>\n<ul>\n<li><strong>Vom Volk zum einen Volk:</strong> Am 28. November 1989 legte Bundeskanzler Helmut Kohl im Bundestag überraschend ein Zehn-Punkte-Programm vor, das über gemeinsame Strukturen zur Einheit führen sollte. Ab Mitte November riefen Demonstranten „Wir sind ein Volk“ und „Deutschland, einig Vaterland“. Viele Bürgerrechtler wollten dagegen eine erneuerte, eigene DDR.</li>\n<li><strong>18. März 1990, erste freie Volkskammerwahl:</strong> Die Wahlbeteiligung lag über 93 Prozent. Die „Allianz für Deutschland“ um die Ost-CDU, die die schnelle Einheit versprach, gewann rund 48 Prozent; das Bündnis 90 der Bürgerrechtsgruppen kam auf 2,9 Prozent. Lothar de Maizière (CDU) wurde Ministerpräsident.</li>\n<li><strong>1. Juli 1990, Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion:</strong> Die D-Mark wurde Zahlungsmittel, Löhne, Gehälter, Renten und Mieten wurden 1 : 1 umgestellt, die DDR übernahm die Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik. Kritiker warnten, viele Ostbetriebe würden dem Wettbewerb nicht standhalten.</li>\n<li><strong>23. August 1990, Beitrittsbeschluss:</strong> Die Volkskammer beschloss mit 294 von 400 Stimmen den Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zum 3. Oktober. Am 31. August folgte der Einigungsvertrag.</li>\n<li><strong>12. September 1990, Zwei-plus-Vier-Vertrag:</strong> Die beiden deutschen Staaten und die vier Siegermächte regelten die äußeren Fragen (M 2). Gorbatschow hatte im Sommer zugestimmt, dass das vereinte Deutschland in der NATO bleiben darf; im Gegenzug gab es Wirtschaftshilfe, und auf dem Gebiet der DDR sollten keine NATO-Truppen stehen.</li>\n<li><strong>3. Oktober 1990:</strong> Die DDR tritt bei, die fünf neuen Länder entstehen, Berlin wird Hauptstadt.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Zehn-Punkte-Programm“, „Freie Volkskammerwahl“, „Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion“, „Einigungsvertrag“, „Zwei-plus-Vier-Vertrag“; Wahlergebnis auch: German History in Documents and Images (GHDI), „Ergebnis der Volkskammerwahlen, 18. März 1990“.</p>\n\n<h4>Das Material: zwei Wege im Grundgesetz und der Vertrag mit den Siegermächten</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Grundgesetz vom 23. Mai 1949, Artikel 23 und Artikel 146 (Fassung bis 1990)</span>\n<p>Art. 23: „Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder […]. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.“</p>\n<p>Art. 146: „Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesgesetzblatt 1949, S. 1–19, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland („Zwei-plus-Vier-Vertrag“), 12. September 1990 (Auszüge)</span>\n<p>Art. 1 (1): „Das vereinte Deutschland wird die Gebiete der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik und ganz Berlins umfassen. Seine Außengrenzen werden die Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland sein und werden am Tage des Inkrafttretens dieses Vertrags endgültig sein.“</p>\n<p>Art. 7 (2): „Das vereinte Deutschland hat demgemäß volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesgesetzblatt 1990 II, S. 1318 ff., Wortlaut nach der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Dossier „Zwei-plus-Vier-Vertrag“. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>So liest du M 1. Das Grundgesetz bot zwei Wege. Nach Art. 23 konnten weitere Teile Deutschlands einfach beitreten, das Grundgesetz galt dann auch dort. Nach Art. 146 hätte das ganze deutsche Volk eine neue Verfassung beschließen können. Gewählt wurde Art. 23: schneller, und mit einer bewährten Verfassung. Viele Bürgerrechtler wollten Art. 146, damit auch die Erfahrungen aus der DDR in eine gemeinsame Verfassung eingehen. Der Runde Tisch legte im April 1990 einen eigenen Verfassungsentwurf vor; die neu gewählte Volkskammer lehnte es Ende April mit 179 zu 167 Stimmen ab, ihn weiter zu beraten.</p>\n<p>M 2 zeigt, warum die Einheit auch eine internationale Frage war. Seit 1945 hatten die vier Mächte Rechte für „Deutschland als Ganzes“. Erst mit Art. 7 endeten sie. Art. 1 machte die Grenzen endgültig, also auch die Oder-Neiße-Grenze zu Polen. Deshalb wurde Art. 23 nach dem Beitritt gestrichen: Es sollte keine „anderen Teile Deutschlands“ mehr geben, die beitreten könnten. Art. 146 blieb mit einem neuen Wortlaut, der von der „Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands“ spricht. Eine Verfassungskommission führte 1994 zu Änderungen des Grundgesetzes, etwa dem Umweltschutz als Staatsziel (Art. 20a).</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Streichung von Art. 23 und Neufassung von Art. 146: Einigungsvertrag, Art. 4 (gesetze-im-internet.de); Verfassungsentwurf und Abstimmung 179 zu 167: bpb, „Verpasste Chancen“, Aus Politik und Zeitgeschichte (In guter Verfassung, 2024). Art. 20a: Deutscher Bundestag, Textarchiv 2013, „Umweltschutz im Grundgesetz“; bpb, Lexikon Recht A–Z, „Umweltschutz“.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Wer hat die Revolution gemacht?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Deutung „Werk der Opposition“:</strong> Viele frühere Bürgerrechtler und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk betonen, dass wenige Mutige den Umbruch erzwangen, während die Mehrheit lange abwartete.</li>\n<li><strong>Deutung „Aufstand der Normalbürger“:</strong> Der Religionssoziologe Detlef Pollack hält die Erzählung von der Bürgerbewegung als Hauptakteur für eine Legende; entscheidend seien die vielen gewöhnlichen Menschen gewesen, die flohen und demonstrierten.</li>\n<li><strong>Einordnung:</strong> Der Historiker Martin Sabrow zeigt, dass die Sichten weniger weit auseinanderlagen, als der heftige Streit 2019 vermuten ließ; auch Kowalczuk nennt die Ausreisebewegung einen herausragenden Faktor. Umstritten ist auch das Wort „Wende“: Egon Krenz nutzte es im Oktober 1989, um die SED an die Spitze der Veränderungen zu setzen. Viele lehnen es deshalb ab und sprechen von Revolution.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Martin Sabrow, „Mythos 1989“, Deutschland Archiv (bpb), 28.11.2019 (Pollack-Kowalczuk-Debatte, Wende und Revolution); LeMO, „Führungswechsel“ (Krenz, „Wende“).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Akteure:</strong> Wer erzwang was? Opposition, Ausreisende, Demonstranten, SED-Reformer, Gorbatschow, Bundesregierung.</li>\n<li><strong>Gewichtung von außen und innen:</strong> Hätte es den Umbruch ohne Gorbatschow gegeben, und ohne die Menschen auf der Straße?</li>\n<li><strong>Tempo und Form der Einheit:</strong> Was sprach für den schnellen Beitritt (Abwanderung, Zustimmung der Siegermächte, Wahlergebnis), was für eine neue Verfassung (Mitsprache der Ostdeutschen)?</li>\n<li><strong>Folgen:</strong> Freiheit und Wohlstand einerseits, Arbeitslosigkeit und das Gefühl vieler Ostdeutscher, übernommen worden zu sein, andererseits.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Bedeutung des Grundgesetzes im Prozess der Wiedervereinigung“)</span>\n<p>1. Geben Sie die in M 1 genannten Wege zur Einheit wieder. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, warum 1990 der Weg über Artikel 23 gewählt wurde. Beziehen Sie M 2 ein. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, inwieweit der Beitritt nach Artikel 23 der richtige Weg zur Einheit war. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Art. 23: Beitritt weiterer Teile Deutschlands, das Grundgesetz gilt dann dort. Art. 146: Ablösung des Grundgesetzes durch eine Verfassung, die das deutsche Volk „in freier Entscheidung“ beschließt.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Erwartet werden Gründe im Zusammenhang: anhaltende Abwanderung in den Westen und wirtschaftlicher Zusammenbruch der DDR; Wahlsieg der Allianz für Deutschland am 18. März 1990 mit dem Versprechen schneller Einheit; Währungsunion am 1. Juli als Vorstufe; das günstige Zeitfenster, solange Gorbatschow zustimmte; Art. 23 setzte eine bewährte Verfassung sofort in Kraft. M 2 zeigt, dass die Einheit nur mit Zustimmung der vier Mächte möglich war und die Grenzfrage endgültig regeln musste.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Urteil mit Kriterium (Legitimität und Folgen). Dafür: Die frei gewählte Volkskammer beschloss den Beitritt mit großer Mehrheit, das Zeitfenster war unsicher, das Grundgesetz war erprobt. Dagegen: Die Ostdeutschen konnten über die gemeinsame Verfassung nicht abstimmen, der Entwurf des Runden Tisches wurde nicht beraten, und viele empfanden die Einheit als Übernahme. Ein mögliches Urteil: Der Beitritt war politisch nachvollziehbar und demokratisch beschlossen, ließ aber eine Chance zur gemeinsamen Verfassungsdebatte ungenutzt. Für die oberen Noten: Hinweis, dass auch heute über die Folgen gestritten wird.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Ordne zu, ob es sich um eine äußere oder innere Ursache des Umbruchs handelt: Aufgabe der Breschnew-Doktrin, gefälschte Kommunalwahl im Mai 1989, Grenzöffnung Ungarns, Gründung des Neuen Forums. b) Erkläre in zwei Sätzen, was der Wechsel von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“ zeigt.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Außen: Breschnew-Doktrin, Grenzöffnung Ungarns. Innen: gefälschte Kommunalwahl, Neues Forum. Gute Antworten zeigen die Verbindung: Die Grenzöffnung wirkte nur, weil so viele Menschen gehen wollten.</p>\n<p>b) „Wir sind das Volk“ forderte Demokratie in der DDR: Das Volk, nicht die SED, soll bestimmen. „Wir sind ein Volk“ forderte die Einheit mit der Bundesrepublik; das Ziel vieler Demonstranten verschob sich nach dem Mauerfall von der Reform der DDR zur Wiedervereinigung.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Mauerfall gleich Einheit.</strong> Zwischen dem 9. November 1989 und dem 3. Oktober 1990 liegt fast ein Jahr.</li>\n<li><strong>Die Einheit als Werk von Politikern allein.</strong> Ohne Flucht und Demonstrationen hätte es keinen Mauerfall gegeben.</li>\n<li><strong>Art. 23 und Art. 146 verwechseln.</strong> Die DDR trat nach Art. 23 bei; Art. 146 wäre der Weg über eine neue Verfassung gewesen.</li>\n<li><strong>Die Siegermächte vergessen.</strong> Ohne den Zwei-plus-Vier-Vertrag gab es keine volle Souveränität.</li>\n<li><strong>„Wende“ unkommentiert verwenden.</strong> Das Wort stammt im politischen Gebrauch von Egon Krenz; „friedliche Revolution“ ist der Fachbegriff.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Doppelte+deutsche+Geschichte&card=bb-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-ge-narration\">Eine historische Darstellung schreiben (Narration)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Konflikte+seit+1945&card=bb-ge-sowjetunion-russland\">Sowjetunion und Russland seit 1945</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-einheit -->"
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      "title": "Bundesrepublik und DDR 1949–1989",
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      "content": "<!-- core-card:ge-brd-ddr -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Bundesrepublik und DDR 1949–1989</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Aufgabe zu den zwei deutschen Staaten ab 1949 verlangt in der Klausur mehr als Erzählen: Du sollst Ursachen und Folgen erklären und am Ende selbst urteilen; Punkte gibt es für genaue Begriffe und Begründungen. 1949 entstanden aus den Besatzungszonen zwei deutsche Staaten: am 23. Mai die Bundesrepublik mit dem Grundgesetz, am 7. Oktober die DDR. Beide Verfassungen versprachen Grundrechte und Demokratie, doch nur im Westen galten sie wirklich; in der DDR bestimmte die SED, gewählt wurde mit Einheitslisten, und die Staatssicherheit verfolgte Gegner. Im Westen stützte der wachsende Wohlstand der Sozialen Marktwirtschaft die Zustimmung zur Demokratie, im Osten flohen bis zum Mauerbau am 13. August 1961 Millionen Menschen. Beide Staaten beanspruchten zunächst, für ganz Deutschland zu sprechen; die DDR strich die „deutsche Nation“ 1974 aus ihrer Verfassung. Ob die Teilung 1952 mit der Stalin-Note hätte überwunden werden können, ist bis heute ein Forschungsstreit.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Das Kurshalbjahr heißt „Ereignis und Struktur am Beispiel der doppelten deutschen Geschichte“. Geprüft wird 2027:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Krise und Opposition in der DDR in den 1980er Jahren“</li>\n<li>„Akteure, Ziele und Verlauf des Umbruchs 1989“</li>\n</ul>\n<p>Diese Karte liefert die Grundlagen der beiden Staaten bis 1989.</p>\n<p>Quellen: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/PS_Geschichte_GK_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Geschichte 2027, Grundkurs</a>, <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/PS_Geschichte_LK_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leistungskurs</a> (MBJS Brandenburg).</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>1945 teilten die Siegermächte Deutschland in vier Besatzungszonen. Die Westmächte und die Sowjetunion zerstritten sich bald. Dieser Konflikt heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kalter Krieg<span class=\"wort-erkl\">der Machtkampf zwischen USA und Sowjetunion nach 1945, ohne direkten Krieg, aber mit Wettrüsten</span></span>. Jede Seite baute ihren Teil nach eigenem Vorbild um: im Westen Demokratie und Marktwirtschaft, im Osten eine kommunistische Diktatur mit Planwirtschaft.</p>\n<p>In Klausuren vergleichst du beide Staaten meist an drei Fragen. Wie demokratisch waren sie wirklich (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Verfassung und Verfassungswirklichkeit<span class=\"wort-erkl\">was in der Verfassung steht und wie der Staat tatsächlich handelt</span></span>)? Warum stimmten die Menschen ihrem Staat zu oder nicht (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Systemakzeptanz<span class=\"wort-erkl\">wie sehr die Bevölkerung eine Staatsordnung annimmt, etwa weil sie Wohlstand, Sicherheit oder Freiheit bringt</span></span>)? Sahen sie sich als Teil einer Nation (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Deutsche Frage<span class=\"wort-erkl\">ob und wie die beiden deutschen Staaten wieder ein Staat werden können</span></span>)?</p>\n</div>\n\n<h4>Die doppelte Staatsgründung 1948/49</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Juni 1948, zwei Währungen:</strong> Am 21. Juni kommt in den Westzonen die D-Mark, drei Tage später eine eigene Währung in der Ostzone: zwei Wirtschaftsräume. Im Westen beginnt unter Ludwig Erhard die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Soziale Marktwirtschaft<span class=\"wort-erkl\">freier Markt und Wettbewerb, aber ein Staat, der soziale Härten ausgleicht und den Wettbewerb schützt („Wohlstand für alle“)</span></span>.</li>\n<li><strong>24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949, Berlin-Blockade:</strong> Weil die D-Mark auch in West-Berlin gilt, sperrt die Sowjetunion alle Zufahrten. Die Westmächte versorgen die Stadt über eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Luftbrücke<span class=\"wort-erkl\">Versorgung West-Berlins mit Flugzeugen, weil Straßen, Schienen und Wasserwege gesperrt waren</span></span>. Die Blockade scheitert, und aus Besatzern werden im Westen Schutzmächte.</li>\n<li><strong>23. Mai 1949, Grundgesetz:</strong> Der Parlamentarische Rat hat es am 8. Mai beschlossen. Es heißt bewusst nicht „Verfassung“, weil es nur für eine Übergangszeit gelten soll. Konrad Adenauer (CDU) ist von 1949 bis 1963 Bundeskanzler.</li>\n<li><strong>7. Oktober 1949, DDR:</strong> Ein „Volksrat“ setzt die DDR-Verfassung in Kraft. Er stammt von einem Volkskongress, der im Mai 1949 über eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Einheitsliste<span class=\"wort-erkl\">eine einzige Liste, auf der die Sitze schon vorher verteilt sind; man kann nur zustimmen oder ablehnen</span></span> gewählt worden war, die der SED die Mehrheit sicherte. Der Beschluss zur Staatsgründung war in Moskau gefallen.</li>\n</ol>\n<p>Für die Urteilsfrage: Der Westen ging bei Währung und Staat voran, der Osten zog nach. Die Sowjetunion hatte ihre Zone aber schon vorher nach ihrem Vorbild umgebaut. Beide Seiten trugen zur Teilung bei.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Haus der Geschichte, Kapitel „Doppelte Staatsgründung“ und Biografie Adenauer.</p>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Die doppelte Staatsgründung 1948/49 <span>· Vier Schritte vom Streit um die Währung bis zu zwei Staaten.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 196\" role=\"img\" aria-labelledby=\"sg-t sg-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"sg-t\">Die doppelte Staatsgründung 1948/49</title>\n<desc id=\"sg-d\">Vier Schritte: zwei Währungen im Juni 1948, Berlin-Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949, Grundgesetz am 23. Mai 1949, DDR-Verfassung am 7. Oktober 1949.</desc>\n<rect x=\"100\" y=\"8\" width=\"254\" height=\"38\" rx=\"8\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"6\" y=\"24\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">21. Juni 1948</text>\n<text x=\"6\" y=\"37\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">(24. Juni Ostzone)</text>\n<text x=\"110\" y=\"24\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Zwei Währungen</text>\n<text x=\"110\" y=\"38\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">D-Mark im Westen, eigene Währung im Osten</text>\n<rect x=\"100\" y=\"56\" width=\"254\" height=\"38\" rx=\"8\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"6\" y=\"72\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">24. Juni 1948</text>\n<text x=\"6\" y=\"85\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">bis 12. Mai 1949</text>\n<text x=\"110\" y=\"72\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Berlin-Blockade</text>\n<text x=\"110\" y=\"86\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Luftbrücke der Westmächte</text>\n<rect x=\"100\" y=\"104\" width=\"254\" height=\"38\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"6\" y=\"127\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">23. Mai 1949</text>\n<text x=\"110\" y=\"120\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Grundgesetz</text>\n<text x=\"110\" y=\"134\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Bundesrepublik, Adenauer Kanzler ab 1949</text>\n<rect x=\"100\" y=\"152\" width=\"254\" height=\"38\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"6\" y=\"175\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">7. Oktober 1949</text>\n<text x=\"110\" y=\"168\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">DDR-Verfassung</text>\n<text x=\"110\" y=\"182\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Volksrat, Beschluss in Moskau</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Vom Streit um die Währung zu zwei Staaten: Der Westen ging bei Währung und Staat voran, der Osten zog nach.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Das Material: was die beiden Verfassungen versprachen</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 (Auszüge)</span>\n<p>Präambel: „[…] hat das Deutsche Volk in den Ländern […], um dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine neue Ordnung zu geben, kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beschlossen. Es hat auch für jene Deutschen gehandelt, denen mitzuwirken versagt war. Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.“</p>\n<p>Art. 1 (1): „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (3): „Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“</p>\n<p>Art. 21 (2): „Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen […], sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundesverfassungsgericht.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesgesetzblatt 1949, S. 1–19, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 7. Oktober 1949 (Auszüge)</span>\n<p>Art. 1 (1): „Deutschland ist eine unteilbare demokratische Republik; sie baut sich auf den deutschen Ländern auf.“</p>\n<p>Art. 6 (2): „Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen, Mordhetze gegen demokratische Politiker, Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhaß, militaristische Propaganda sowie Kriegshetze und alle sonstigen Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, sind Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches.“</p>\n<p>Art. 9 (1): „Alle Bürger haben das Recht, innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze ihre Meinung frei und öffentlich zu äußern […].“ (2): „Eine Pressezensur findet nicht statt.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Gesetzblatt der DDR 1949, S. 5–16, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Beide Texte beanspruchen ganz Deutschland: Das Grundgesetz handelt auch für die, „denen mitzuwirken versagt war“, die DDR-Verfassung nennt Deutschland „unteilbar“. Beide versprechen Grundrechte. Im Grundgesetz binden sie jeden Staatsteil „als unmittelbar geltendes Recht“, über Parteiverbote entscheidet ein Gericht. In der DDR stand neben der Meinungsfreiheit der unbestimmte Begriff „Boykotthetze“. Nach ihm wurden Angriffe auf das System, „und was man dafür hielt“, hart bestraft. Ein Gericht, bei dem Bürger ihre Grundrechte einklagen konnten, gab es nicht.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Gebrauch von Art. 6 als politisches Strafgesetz: Friedrich-Christian Schroeder, „Die neuere Entwicklung des Strafrechts in beiden deutschen Staaten“, Aus Politik und Zeitgeschichte 4–5/1988 (bpb); Deutsches Historisches Museum, Ausstellung „Verfassung“, Text zur DDR-Verfassung 1949 („mit dem jede Opposition kriminalisiert werden konnte“).</p>\n\n<h4>Verfassung und Wirklichkeit im Westen</h4>\n<p>Aus den Fehlern von Weimar entstand eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„wehrhafte Demokratie“<span class=\"wort-erkl\">auch streitbare Demokratie: eine Demokratie, die sich mit eigenen Mitteln gegen Feinde wehrt, die sie auf legalem Weg abschaffen wollen</span></span>:</p>\n<ul>\n<li><strong>Grundrechte zuerst:</strong> Menschenwürde in Art. 1, Grundrechte vor dem Bundesverfassungsgericht einklagbar. In Weimar konnte der Reichspräsident sie nach Art. 48 außer Kraft setzen.</li>\n<li><strong>Stabile Regierung:</strong> Den Kanzler stürzt nur, wer zugleich einen Nachfolger wählt (Art. 67, <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">konstruktives Misstrauensvotum<span class=\"wort-erkl\">der Kanzler kann nur abgewählt werden, indem eine Mehrheit einen neuen Kanzler wählt; so entsteht keine Regierung ohne Mehrheit</span></span>). Der Bundespräsident hat kein Notverordnungsrecht.</li>\n<li><strong>Parteiverbot:</strong> Das Bundesverfassungsgericht verbot 1952 die Sozialistische Reichspartei, eine Nachfolgerin der NSDAP, und 1956 die KPD. Das KPD-Verbot ist bis heute umstritten.</li>\n</ul>\n<p>Auch im Westen gab es Konflikte, etwa um Wiederbewaffnung und Notstandsgesetze. Sie wurden aber öffentlich ausgetragen, vor Gericht entschieden und bei Wahlen beantwortet.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">bpb, „Verbot der KPD 1956“ und „Parteien und Verbote“; Bundesverfassungsgericht, Parteiverbotsverfahren.</p>\n\n<h4>Verfassung und Wirklichkeit im Osten</h4>\n<ul>\n<li><strong>Herrschaft der SED:</strong> Laut Verfassung war die Volkskammer das oberste Organ, tatsächlich bestimmte die Führung der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">SED<span class=\"wort-erkl\">Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, 1946 in der Ostzone durch die erzwungene Vereinigung von KPD und SPD entstanden; Staatspartei der DDR</span></span> Regierung und Justiz. Die anderen Parteien waren im Block mit der SED gebunden. Walter Ulbricht hatte schon 1945 gesagt: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“</li>\n<li><strong>„Staatssicherheit“:</strong> Am 8. Februar 1950 wurde das Ministerium für Staatssicherheit gegründet, die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Stasi<span class=\"wort-erkl\">Geheimpolizei der DDR, „Schild und Schwert der Partei“; überwachte die Bevölkerung mit offiziellen und geheimen Mitarbeitern</span></span>. Ihre Aufgaben waren nie gesetzlich begrenzt.</li>\n<li><strong>17. Juni 1953:</strong> Nach dem „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“ (1952) wurde die Versorgung schlechter. Im Mai 1953 erhöhte die SED die Arbeitsnormen um rund zehn Prozent bei gleichem Lohn. Am 17. Juni protestierten rund eine Million Menschen in über 700 Orten, bald auch für freie Wahlen und die Einheit. Die Sowjetunion verhängte in 167 von 217 Kreisen den Ausnahmezustand, Panzer schlugen den Aufstand nieder, mehrere Dutzend Menschen starben.</li>\n<li><strong>13. August 1961, Mauerbau:</strong> Von 1949 bis zum Mauerbau verließen je nach Zählung 2,7 bis 2,8 Millionen Menschen die DDR, meist jung und gut ausgebildet. West-Berlin war das letzte Schlupfloch, bis die DDR auch dort die Grenze schloss. Sie nannte die Mauer „antifaschistischen Schutzwall“; tatsächlich hielt sie die eigenen Bürger fest.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Verfassung und Führungsrolle der SED“ (Ulbricht-Zitat), „Aufbau des MfS“, „17. Juni 1953“, „Flucht und Notaufnahme“ (2,8 Millionen); bpb, „Der 17. Juni 1953 im Überblick“ und „Fluchtbewegung“ (2,7 Millionen).</p>\n\n<h4>Wirtschaft und Zustimmung zum System</h4>\n<ul>\n<li><strong>West:</strong> Mit Währungsreform und Marshallplan-Hilfe begann das „Wirtschaftswunder“; die Soziale Marktwirtschaft brachte vielen Wohlstand und soziale Sicherheit. Ab 1955 warb die Bundesrepublik Arbeitskräfte an, zuerst aus Italien, die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Gastarbeiter“<span class=\"wort-erkl\">damaliges Wort für angeworbene ausländische Arbeitskräfte; es unterstellte, dass sie bald gehen; viele blieben</span></span>. Die Demokratie galt vielen als die Ordnung, die Wohlstand bringt.</li>\n<li><strong>Ost:</strong> Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Planwirtschaft<span class=\"wort-erkl\">der Staat legt in Plänen fest, was produziert wird, zu welchen Preisen und in welcher Menge; Betriebe gehören meist dem Staat</span></span> setzte auf Schwerindustrie statt Konsumgüter. Betriebe wurden zu Volkseigenen Betrieben, die Bauern wurden bis 1960 unter Druck in Genossenschaften (LPG) gezwungen. 1971 versprach Erich Honecker die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“, also mehr Wohnungen und Konsumgüter. Der Alltag blieb von Mangel geprägt: Auf ein Auto wartete man im Schnitt 15 Jahre.</li>\n</ul>\n<p>Im Westen stärkten Wohlstand und Freiheit sich gegenseitig. Im Osten sollte Versorgung die fehlende Freiheit ausgleichen; weil sie hinter dem Westen zurückblieb, blieb die Zustimmung brüchig.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Wirtschaftswunder“, „Gastarbeiter“, „Sozialistische Zentralplanwirtschaft“, „VIII. SED-Parteitag“, „Mangelwirtschaft“; Kollektivierung 1960: bpb, „Gesetz über die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“.</p>\n\n<h4>Wie sich beide Staaten selbst verstanden</h4>\n<p>Die Bundesrepublik beanspruchte, als einziger frei gewählter Staat für alle Deutschen zu sprechen (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Alleinvertretungsanspruch<span class=\"wort-erkl\">die Bundesrepublik sah sich als einzige legitime Vertretung Deutschlands und wollte verhindern, dass andere Staaten die DDR anerkennen</span></span>), und setzte auf <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Westintegration<span class=\"wort-erkl\">Adenauers Politik, die Bundesrepublik wirtschaftlich und militärisch fest in den Westen einzubinden</span></span>, 1955 mit dem NATO-Beitritt. Die DDR sang anfangs in ihrer Hymne von „Deutschland, einig Vaterland“. Ab Mitte der 1960er grenzte sie sich ab: 1967 eigene Staatsbürgerschaft, ab Anfang der 1970er-Jahre wurde der Hymnentext nicht mehr gesungen.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 3 · Verfassung der DDR, Artikel 1, Satz 1: Fassung von 1968 und Fassung von 1974</span>\n<p>1968: „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat deutscher Nation.“</p>\n<p>1974: „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Gesetzblatt der DDR 1968 I, S. 199–222, und Fassung vom 7. Oktober 1974 (GBl. 1974 I, S. 432), Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtliche Texte, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Satz 2 beider Fassungen nennt die Führung „der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei“: Die Herrschaft der SED stand seit 1968 in der Verfassung. 1974 gab die SED die gemeinsame deutsche Nation auch im Text auf.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Gesamtdeutscher Anspruch“, „Abgrenzung vom Westen“, „Deutsche Frage“, „Militärallianzen“.</p>\n\n<h4>Umgang mit Protest in West und Ost</h4>\n<p>Nennt der Kasten oben die Friedens- und Umweltbewegung, gehört dieser Vergleich in deine Antwort.</p>\n<ul>\n<li><strong>West:</strong> Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„68er-Bewegung“<span class=\"wort-erkl\">Protestbewegung vor allem von Studierenden Ende der 1960er-Jahre, etwa gegen Vietnamkrieg und Notstandsgesetze</span></span> veränderte die Gesellschaft. Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">sozial-liberale Koalition<span class=\"wort-erkl\">Regierung aus SPD und FDP ab 1969, zuerst unter Willy Brandt</span></span> trat unter dem Leitwort „Mehr Demokratie wagen“ an: Wahlalter 18 ab 1970, BAföG 1971. Gegen den <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">NATO-Doppelbeschluss<span class=\"wort-erkl\">NATO-Beschluss vom 12. Dezember 1979: neue US-Raketen in Westeuropa aufstellen und zugleich Verhandlungen anbieten</span></span> demonstrierten Hunderttausende; der Bundestag stimmte der Stationierung am 22. November 1983 trotzdem zu. Aus der Umweltbewegung entstanden 1980 Die Grünen, 1983 im Bundestag. Protest wurde Teil der Politik.</li>\n<li><strong>Ost:</strong> Unter dem Dach der evangelischen Kirche entstanden Friedens- und Umweltgruppen, Zeichen seit 1980: „Schwerter zu Pflugscharen“. Die SED ging scharf dagegen vor, Jugendlichen mit dem Aufnäher wurden Konsequenzen angedroht. 1986 entstand in Ost-Berlin die Umweltbibliothek. Die Stasi überwachte die Gruppen, das Strafrecht („Staatsfeindliche Hetze“) bot jederzeit eine Handhabe. Protest blieb außerhalb der Politik, bis er 1989 die SED stürzte.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Sozialliberale Reformen“, „Friedensbewegung“, „Die Grünen“, „Opposition und Bürgerbewegung“; bpb, „22. November 1983: Bundestag bestätigt Entscheidung zum NATO-Doppelbeschluss“ und „Die Grünen“; Aufnäher: Deutsches Historisches Museum, „Friedensagitation“; evangelisch.de, Gespräch mit Harald Bretschneider (2019).</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: War die Teilung 1952 vermeidbar?</h4>\n<p>Am 10. März 1952 bot Stalin den Westmächten in einer Note ein vereintes Deutschland an, verlangte dafür aber strikte Neutralität. Der Westen lehnte ab und setzte auf Westintegration. Ob das eine verpasste Chance war, ist unter Historikern seit Jahrzehnten umstritten, auch nach Öffnung sowjetischer Akten.</p>\n<ul>\n<li><strong>Deutung „ernst gemeintes Angebot“:</strong> Wilfried Loth sieht in den Moskauer Akten das Bemühen, die Note für den Westen annehmbar zu machen.</li>\n<li><strong>Deutung „Störmanöver“:</strong> Hermann Graml weist auf Bedingungen hin, die für den Westen unannehmbar waren, etwa die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, und auf den Herrschaftswillen der Sowjetunion. Gerhard Wettig hält die Note für ein „Störfeuer“ gegen die Verhandlungen über eine westeuropäische Armee.</li>\n</ul>\n<p>Nenn beide Deutungen, sag, dass die Frage offen ist, und begründe, welcher du eher folgst.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Jürgen Zarusky (Hg.), „Die Stalin-Note vom 10. März 1952“ (2002), Beiträge von Loth, Graml und Wettig, nach den Rezensionen bei Perlentaucher; LeMO, „Deutsche Frage“.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<p>Maßstäbe für ein Sachurteil über den demokratischen Anspruch:</p>\n<ul>\n<li><strong>Freie Wahlen:</strong> Konnten die Bürger die Regierung abwählen?</li>\n<li><strong>Grundrechte:</strong> Galten sie auch gegen den Staat, und gab es ein Gericht, das sie schützte?</li>\n<li><strong>Gewaltenteilung:</strong> Waren Justiz und Parlament unabhängig von einer Partei?</li>\n<li><strong>Umgang mit Opposition:</strong> Wurde Protest ausgehalten, beantwortet oder verfolgt?</li>\n<li><strong>Abstimmung mit den Füßen:</strong> Wohin gingen die Menschen?</li>\n</ul>\n<p>Für ein Werturteil misst du offen an Menschenwürde, Freiheit und Rechtsstaat (<a href=\"?category=Methoden&card=bb-ge-urteil\">Karte Urteilen</a>).</p>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Beurteilen des demokratischen Anspruchs beider deutscher Staaten“)</span>\n<p>1. Arbeiten Sie aus M 1 und M 2 heraus, welche Ordnung die beiden Verfassungen von 1949 versprechen. (AFB I bis II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, wie in beiden Staaten bis 1961 Verfassung und Verfassungswirklichkeit zueinander standen. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, inwieweit beide deutsche Staaten ihren demokratischen Anspruch einlösten. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Beide beanspruchen ganz Deutschland (M 1: Auftrag zur Einheit; M 2: „unteilbare demokratische Republik“) und versprechen Grundrechte. Erwartet wird der Befund, der nicht wörtlich dasteht: M 1 sichert die Grundrechte ab (unmittelbar geltend, Parteiverbot nur durch das Verfassungsgericht), M 2 enthält mit der „Boykotthetze“ einen unbestimmten Straftatbestand, der die Grundrechte aushöhlen kann.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> West: Grundrechte vor Gericht einklagbar, Regierungswechsel durch Wahlen, wehrhafte Demokratie mit Parteiverboten 1952 und 1956, Konflikte öffentlich ausgetragen. Ost: Einheitslisten statt Wahl, Führung der SED über Regierung und Justiz, Stasi seit 1950, politische Urteile nach Art. 6, Niederschlagung des 17. Juni 1953, Flucht von Millionen, Mauerbau 1961. Gute Antworten erklären den Widerspruch von Wortlaut und Praxis, statt Ereignisse aufzuzählen.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Urteil mit Kriterien (freie Wahlen, Grundrechte, Gewaltenteilung). Die Bundesrepublik löste ihren Anspruch weitgehend ein; auch Streitfälle wie das KPD-Verbot wurden innerhalb der Verfassung entschieden. Die DDR löste ihn kaum ein: Sie „sah demokratisch aus“, die Macht lag bei der SED, Protest wurde mit Gewalt beantwortet. Für die oberen Noten: Die DDR verstand unter Demokratie die Führung durch die Partei der Arbeiterklasse, also etwas anderes als das Grundgesetz.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Erkläre an M 3 in zwei Sätzen, wie sich das Selbstverständnis der DDR zwischen 1968 und 1974 änderte. b) Begründe in drei Sätzen, warum das Grundgesetz 1949 „Grundgesetz“ heißt und nicht „Verfassung“ (M 1).</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) 1968 nannte sich die DDR noch „Staat deutscher Nation“ und hielt damit an einer gemeinsamen Nation fest. 1974 strich sie den Bezug zur Nation und nannte sich „Staat der Arbeiter und Bauern“; sie wollte sich nach den Verträgen der Entspannungspolitik als eigener Staat vom Westen abgrenzen.</p>\n<p>b) Der Parlamentarische Rat wollte die Teilung nicht noch vertiefen. Das Grundgesetz sollte nur „für eine Übergangszeit“ gelten, bis das „gesamte Deutsche Volk“ die Einheit „in freier Selbstbestimmung“ vollendet.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Die DDR-Verfassung für bare Münze nehmen.</strong> Meinungsfreiheit stand drin, Kritiker wurden trotzdem verurteilt.</li>\n<li><strong>Die Bundesrepublik als konfliktfrei darstellen.</strong> Auch dort gab es Streit; der Unterschied ist, wie er ausgetragen wurde.</li>\n<li><strong>Daten vertauschen.</strong> Grundgesetz 23. Mai 1949, DDR 7. Oktober 1949, Aufstand 17. Juni 1953, Mauerbau 13. August 1961, Öffnung der Mauer 9. November 1989.</li>\n<li><strong>Nur einer Seite die Teilung zuschreiben.</strong> Beide Seiten bauten ihre Zone nach eigenem Vorbild um; die Stalin-Note ist ein offener Forschungsstreit.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=bb-ge-holocaust\">Entrechtung und Völkermord 1933–1945</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Doppelte+deutsche+Geschichte&card=bb-ge-einheit\">Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Konflikte+seit+1945&card=bb-ge-kalter-krieg\">Kalter Krieg bis 1963: Blöcke und Krisen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Demokratie+und+Diktatur&card=bb-ge-erinnerungskultur\">Geschichts- und Erinnerungskultur</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=bb-ge-op-beurteilen\">Beurteilen, bewerten, Stellung nehmen, diskutieren (AFB III)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Konflikte+seit+1945&card=bb-ge-sowjetunion-russland\">Sowjetunion und Russland seit 1945</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-brd-ddr -->"
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      "content": "<!-- core-card:ge-migration-brd-ddr -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>„Gastarbeiter“ und Vertragsarbeiter 1955–1997</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Im Wirtschaftswunder fehlten der Bundesrepublik Arbeitskräfte, deshalb warb sie ab 1955 Menschen aus Italien, der Türkei und anderen Ländern als „Gastarbeiter“ an. Gedacht war ein Kommen und Gehen, doch nach dem Anwerbestopp 1973 blieben viele und holten ihre Familien nach; die Politik erkannte erst sehr spät an, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden war. Auch die DDR holte Arbeitskräfte, als Vertragsarbeiter aus sozialistischen Staaten wie Vietnam und Mosambik, streng befristet und in Wohnheimen kontrolliert. Nach 1990 verloren die meisten von ihnen Arbeit und Aufenthalt, viele wurden Opfer rassistischer Gewalt. In der Klausur vergleichst du beide Formen und beurteilst, was aus den Erwartungen wurde.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span>\n<p>Prüfungsschwerpunkt 2027 im Leistungskurs: „Migration und Integration“</p>\n<ul>\n<li>„Einwanderungsland BRD: „Gastarbeiter““</li>\n<li>„Vertragsarbeiter in der DDR“</li>\n</ul>\n<p>Quellen: <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/PS_Geschichte_GK_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsschwerpunkte Geschichte 2027, Grundkurs</a>, <a href=\"https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/pruefungen/abitur_bb/RS_ZA_2027/PS_Geschichte_LK_2027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leistungskurs</a> (MBJS Brandenburg).</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Arbeitsmigration<span class=\"wort-erkl\">Wanderung von Menschen in ein anderes Land, um dort zu arbeiten, oft mit dem Plan, später zurückzukehren</span></span> heißt: Menschen gehen dorthin, wo es Arbeit gibt. Beide deutschen Staaten brauchten nach dem Krieg Arbeitskräfte, und beide holten sie aus dem Ausland, aber auf sehr verschiedene Weise.</p>\n<p>Vielleicht stammt jemand in deiner Klasse aus einer Familie, die so nach Deutschland kam. Die Geschichte zeigt, wie aus einer Notlösung auf Zeit eine dauerhafte Veränderung der Gesellschaft wurde. In der Klausur geht es um Ursachen, Lebensbedingungen und Folgen, und um die Frage, wie Staat und Gesellschaft mit den Menschen umgingen.</p>\n</div>\n\n<h4>Bundesrepublik: „Gastarbeiter“</h4>\n<p>Im Wirtschaftswunder fehlten Arbeitskräfte. Die Bundesrepublik schloss deshalb <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Anwerbeabkommen<span class=\"wort-erkl\">zwischenstaatliche Verträge, nach denen Arbeitskräfte für eine begrenzte Zeit in deutschen Betrieben arbeiten sollten</span></span>: mit Italien (20. Dezember 1955), Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968). Das Wort „Gastarbeiter“ verrät die Erwartung: Sie sollten kommen, arbeiten und wieder gehen.</p>\n<ul>\n<li><strong>Zeitlich begrenzt gedacht:</strong> Im Abkommen mit der Türkei war der Aufenthalt zunächst auf zwei Jahre begrenzt. Auf Druck der Unternehmen und der türkischen Regierung fiel diese Grenze 1964.</li>\n<li><strong>Anwerbestopp, November 1973:</strong> Mit Blick auf die Ölkrise stoppt die Bundesregierung die Anwerbung. Die erwartete Rückkehrwelle bleibt aus: Viele bleiben und holen ihre Familien nach.</li>\n<li><strong>Alltag:</strong> Die Arbeitsmigranten arbeiteten oft am Fließband, im Bergbau und im Bau, lebten anfangs in Baracken oder Wohnheimen und sprachen wenig Deutsch, weil niemand mit ihrem Bleiben rechnete. 1964 wurde der Portugiese Armando Rodrigues de Sá als einmillionster „Gastarbeiter“ mit einem Moped begrüßt.</li>\n<li><strong>Bilanz:</strong> Bis 1973 kamen rund 14 Millionen Arbeitsmigranten, etwa 11 Millionen kehrten zurück. Aus „Gästen“ wurden Einwanderer, ohne dass die Politik das lange anerkannte.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Material: „Einwanderungsland“</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Heinz Kühn, erster Ausländerbeauftragter der Bundesregierung, Rede in Stuttgart, Dezember 1979 (nach einem Zeitungsbericht)</span>\n<p>„Für vier Millionen ausländische Arbeitnehmer und ihre Familien ist die Bundesrepublik zu einem Einwanderungsland geworden.“ […] „Aber denen, die bei uns bleiben wollen, müssen wir uns mit allen Konsequenzen öffnen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Jutta Roitsch, „Kühn warnt Deutsche vor einem neuen rassischen Hochmut“, Frankfurter Rundschau, Dezember 1979; Wortlaut nach German History in Documents and Images (GHDI). Kurzes Zitat zum Zweck der Analyse.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Kühn, früher Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (SPD), nennt seine eigene Aussage laut dem Bericht eine „für viele schockierende Auffassung“. In seinem Memorandum an die Bundesregierung hatte er unter anderem das kommunale Wahlrecht für Ausländer und eine leichte Einbürgerung für hier geborene Kinder gefordert. Die Regierungen der folgenden Jahre griffen das kaum auf; 1983 zahlte die Regierung Kohl sogar Prämien für die Rückkehr. Erst mit dem neuen Staatsangehörigkeitsrecht 2000 und dem Zuwanderungsgesetz 2005 erkannte die Politik die Einwanderung offiziell an.</p>\n\n<h4>DDR: Vertragsarbeiter</h4>\n<p>Auch die DDR brauchte Arbeitskräfte. Sie schloss Abkommen mit sozialistischen Staaten, unter anderem Polen (1963), Ungarn (1967), Algerien (1974), Kuba (1975), Mosambik (1979), Vietnam (1980) und Angola (1984). Offiziell sollten die Vertragsarbeiter eine Ausbildung erhalten, tatsächlich ging es vor allem um billige Arbeit, oft in schwerer, gesundheitsschädlicher Schichtarbeit, die DDR-Bürger mieden.</p>\n<ul>\n<li><strong>Regeln:</strong> Verträge über vier Jahre, verlängerbar auf sieben; Unterbringung in kontrollierten Wohnheimen, Kontakte zu DDR-Bürgern waren unerwünscht; ein Daueraufenthalt war nicht vorgesehen. Schwangere Vertragsarbeiterinnen standen lange vor der Wahl, abzutreiben oder das Land zu verlassen.</li>\n<li><strong>Zahlen:</strong> 1989 lebten über 90.000 Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter in der DDR, rund zwei Drittel aus Vietnam.</li>\n<li><strong>Nach 1990:</strong> Sie wurden als Erste entlassen, Wohnheime wurden geschlossen, Rückkehrzahlungen sollten zur Ausreise bewegen. Bis zur Einheit verließen viele das Land. Wer blieb, hatte lange nur unsicheren Aufenthalt; erst 1997 wurde die Lage geklärt. Rassistische Gewalt traf sie besonders; der Tod des Angolaners Amadeu Antonio nach einem Überfall in Eberswalde 1990 wurde zum Symbol. 1992 griffen Randalierer in Rostock-Lichtenhagen ein Haus an, in dem frühere vietnamesische Vertragsarbeiter wohnten.</li>\n</ul>\n\n<h4>Vergleich</h4>\n<div class=\"table-wrap\"><table>\n<thead><tr><th></th><th>Bundesrepublik</th><th>DDR</th></tr></thead>\n<tbody>\n<tr><td>Herkunft</td><td>Südeuropa, Türkei, Nordafrika</td><td>sozialistische Staaten, vor allem Vietnam und Mosambik</td></tr>\n<tr><td>Grundlage</td><td>Anwerbeabkommen</td><td>Regierungsabkommen</td></tr>\n<tr><td>Dauer</td><td>befristet gedacht, viele blieben</td><td>befristet, Bleiben nicht vorgesehen</td></tr>\n<tr><td>Familie</td><td>Familiennachzug, vor allem nach 1973</td><td>kein Daueraufenthalt mit Familie vorgesehen</td></tr>\n<tr><td>Ergebnis</td><td>Einwanderungsgesellschaft</td><td>nach 1990 meist Rückkehr, eine kleine Gemeinschaft blieb</td></tr>\n</tbody></table></div>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>In beiden Staaten war der Ausgangspunkt derselbe: Arbeitskräftemangel. Auch die Erwartung war gleich: Die Menschen sollten nur auf Zeit bleiben. Der Unterschied lag im politischen System. In der Demokratie konnten die Arbeitsmigranten Familien nachholen, Gerichte stärkten ihr Bleiberecht, und so wurde aus Anwerbung Einwanderung, auch wenn die Politik das lange bestritt (M 1). In der Diktatur bestimmte der Staat Wohnort, Kontakte und Dauer, ein Bleiben war nicht vorgesehen. Nach 1990 trafen beide Geschichten zusammen: Die früheren Vertragsarbeiter waren nun Ausländer im vereinten Deutschland, ohne die Rechte, die sich die „Gastarbeiter“ über Jahrzehnte erworben hatten, und die rechtsextreme Gewalt richtete sich gegen beide Gruppen.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Erfolg oder Versäumnis?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Bundesrepublik:</strong> Manche Historiker betonen die Erfolgsgeschichte: Millionen fanden Arbeit, Familien stiegen auf, die Gesellschaft wurde vielfältiger. Andere sehen eine verpasste Integration: Jahrzehntelang habe die Politik bestritten, ein Einwanderungsland zu sein, und Sprachkurse, Bildung und Bürgerrechte vernachlässigt.</li>\n<li><strong>DDR:</strong> Die DDR sprach von Solidarität und Ausbildung für befreundete Staaten. Viele Forscher sehen dagegen vor allem billige, kontrollierte Arbeitskräfte; Zeitzeugen erinnern sich aber auch an Freundschaften und Ausbildung.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen und Zahlen: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Erwartung und Ergebnis:</strong> Was planten die Staaten, was wurde daraus?</li>\n<li><strong>Rechte:</strong> Aufenthalt, Familie, Wohnung, Arbeitsplatzwechsel, Bürgerrechte.</li>\n<li><strong>Perspektive:</strong> Staat, Unternehmen, Migranten, einheimische Bevölkerung.</li>\n<li><strong>Folgen:</strong> für die Gesellschaft bis heute.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Prüfungsschwerpunkte „Einwanderungsland BRD: ‚Gastarbeiter‘“ und „Vertragsarbeiter in der DDR“)</span>\n<p>1. Geben Sie Kühns Position in M 1 wieder. (AFB I)</p>\n<p>2. Vergleichen Sie die Arbeitsmigration in die Bundesrepublik und in die DDR. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob die Bundesrepublik bis 1990 ein „Einwanderungsland“ war. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Die Bundesrepublik ist für vier Millionen ausländische Arbeitnehmer und ihre Familien ein Einwanderungsland geworden; wer bleiben will, dem muss sich die Gesellschaft „mit allen Konsequenzen“ öffnen. Einordnung: Gegenposition zur Regierungslinie, Ende 1979, Memorandum mit Wahlrecht und Einbürgerung.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> <em>Gemeinsam:</em> Arbeitskräftemangel, befristete Planung, schwere Arbeit. <em>Unterschiede:</em> Herkunft (Südeuropa und Türkei gegen sozialistische Staaten), Rechte (Familiennachzug und Bleiberecht gegen Wohnheim, Kontrolle, keine Familie), Ergebnis (Einwanderungsgesellschaft gegen Rückkehr nach 1990).</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Ja, tatsächlich:</em> Millionen blieben, Familien kamen, Kinder wuchsen hier auf (M 1). <em>Nein, politisch und rechtlich:</em> Regierungen bestritten es, Rückkehrprämien 1983, Einbürgerung schwer, kein Wahlrecht. Ein gelungenes Urteil: tatsächlich ja, nach seinem Selbstverständnis nein; die Lücke zwischen beiden prägte die Integrationsprobleme. Für die oberen Noten: Du unterscheidest Sach- und Werturteil und nennst den Forschungsstreit.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Erkläre, warum der Anwerbestopp 1973 die Zahl der Ausländer in der Bundesrepublik nicht senkte.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Die erwartete Rückkehrwelle blieb aus: Viele „Gastarbeiter“ blieben und holten ihre Familien nach. Neue Arbeitskräfte kamen zwar nicht mehr, aber Ehepartner und Kinder. Aus befristeter Arbeitsmigration wurde dauerhafte Einwanderung.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„Gastarbeiter“ unkritisch übernehmen.</strong> Das Wort ist zeitgenössisch und drückt die Erwartung einer Rückkehr aus; setze es in Anführungszeichen.</li>\n<li><strong>Vertragsarbeit als Solidarität darstellen.</strong> Das war die offizielle Begründung; im Vordergrund stand der Arbeitskräftebedarf.</li>\n<li><strong>Nur Zahlen nennen.</strong> Zur Beurteilung gehören Lebensbedingungen, Rechte und die Folgen bis heute.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Doppelte+deutsche+Geschichte&card=bb-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Doppelte+deutsche+Geschichte&card=bb-ge-einheit\">Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=bb-ge-statistik\">Statistiken und Diagramme auswerten</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-migration-brd-ddr -->"
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