{
  "category": "Abitur 2027",
  "productId": "bremen_deutsch",
  "version": "2027.1",
  "lastUpdated": "2026-10-02",
  "cardCount": 5,
  "cards": [
    {
      "id": "hb-de-lastminute-2027",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Vorbereitung in letzter Minute (2027)",
      "short": "Die letzten Tage vor der Deutschklausur: was in deinem Land drankommt, welche Lernzettel du jetzt öffnest und was du am Ende prüfst.",
      "cardType": "strategy",
      "content": "<!-- core-card:de-lastminute-2027 -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Prüfung</span><span>Abitur</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Dieser Lernzettel ist für die letzten Tage vor der schriftlichen Deutschprüfung. Oben steht, was in deinem Land amtlich gilt: Arbeitszeit, Auswahl, Hilfsmittel und Aufgabenarten. Darunter findest du die Lernzettel zu deinen Schwerpunkten, die du jetzt noch einmal öffnen solltest. Zum Schluss steht, was du in den letzten Minuten der Klausur prüfst. Uhrzeit und Raum erfährst du von deiner Schule.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt</span>\n<p>Du bekommst vier Aufgaben (I bis IV) und wählst eine. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten einschließlich Auswahlzeit. Hilfsmittel: Rechtschreiblexikon und die Textausgaben der behandelten Pflichtlektüren.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.bildung.bremen.de/abitur-4458\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abiturprüfung 2027, Regelungen für das erste bis dritte Prüfungsfach, Deutsch, S. 6</a></p></div>\n<!-- /land -->\n<h4>Deine Schwerpunkte</h4>\n<!-- land-extra -->\n<p>Öffne jetzt noch einmal diese Lernzettel:</p>\n<ul>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=hb-de-abitur-kleist-krug\">Kleist: Der zerbrochne Krug</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=hb-de-abitur-keun-nach-mitternacht\">Keun: Nach Mitternacht</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=hb-de-abitur-literatur-1800\">Literatur um 1800 / Romantik</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=hb-de-abitur-sprache-politik\">Politische Sprache</a></li>\n</ul>\n<p>Aufgabenarten: Textinterpretation, Textanalyse, Texterörterung, gestaltende Interpretation, adressatenbezogenes Schreiben; die letzten drei nur in Kombination mit Interpretation oder Analyse.</p>\n<p>Nur im Leistungskurs zusätzlich: eine Kleist-Erzählung („Das Erdbeben in Chili“ oder „Der Findling“) und Thomas Manns „Mario und der Zauberer“.</p>\n<!-- /land-extra -->\n\n<h4>Was du noch klären solltest</h4>\n<ul>\n<li><!-- pruefungstag --><strong>Prüfungstag:</strong> Dienstag, 27. April 2027. Uhrzeit und Raum erfährst du von deiner Schule. <a href=\"https://www.bildung.bremen.de/sixcms/media.php/13/Abiturtermine%202027.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amtliche Terminliste</a><!-- /pruefungstag --></li>\n<li><strong>Welche Textausgabe zugelassen ist:</strong> Wenn Lektüren als Hilfsmittel erlaubt sind, ist oft genau festgelegt, welche Ausgabe und ob Notizen darin stehen dürfen. Frag deine Lehrkraft, bevor du dein Exemplar einpackst.</li>\n<li><strong>Wörterbuch:</strong> Frag deine Lehrkraft, ob du ein eigenes Rechtschreibwörterbuch mitbringst oder die Schule eines stellt.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>In Abituraufgaben zu Texten zählt die Verstehensleistung etwa 70 %, die Darstellungsleistung etwa 30 %; bei materialgestützten Aufgaben etwa 60 zu 40. Zur Darstellung gehören Aufbau, Fachsprache, Zitieren und Belegen, Ausdruck und Stil sowie Rechtschreibung und Grammatik. Gerade diese Punkte kannst du in den letzten Minuten noch sichern.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">IQB, Abituraufgaben Deutsch, Bewertungshinweise (Interpretation gA 2024; Materialgestütztes Verfassen eA 2024).</p>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">So wird gewertet <span>· Zwei Balken zeigen, wie viel Verstehen und wie viel Darstellung zählen. Du siehst, wo sich die letzten Minuten lohnen.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 136\" role=\"img\" aria-labelledby=\"lm-t lm-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"lm-t\">So werden Textaufgaben gewertet</title>\n<desc id=\"lm-d\">Zwei Balken: Bei Abituraufgaben zu Texten zählt die Verstehensleistung etwa 70 Prozent und die Darstellungsleistung etwa 30 Prozent, bei materialgestützten Aufgaben etwa 60 zu 40.</desc>\n<text x=\"6\" y=\"14\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.75\">Aufgaben zu Texten</text>\n<rect x=\"6.0\" y=\"20\" width=\"243.6\" height=\"36\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"127.8\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Verstehen</text>\n<text x=\"127.8\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 70 %</text>\n<rect x=\"249.6\" y=\"20\" width=\"104.4\" height=\"36\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"301.8\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Darstellung</text>\n<text x=\"301.8\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 30 %</text>\n<text x=\"6\" y=\"76\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.75\">Materialgestützte Aufgaben</text>\n<rect x=\"6.0\" y=\"82\" width=\"208.8\" height=\"36\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"110.4\" y=\"98\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Verstehen</text>\n<text x=\"110.4\" y=\"112\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 60 %</text>\n<rect x=\"214.8\" y=\"82\" width=\"139.2\" height=\"36\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"284.4\" y=\"98\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Darstellung</text>\n<text x=\"284.4\" y=\"112\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 40 %</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Die Gewichtung aus diesem Lernzettel als Balken.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Die letzten zehn Minuten in der Klausur</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Operator.</strong> Lies die Aufgabe noch einmal: Hast du wirklich interpretiert, erörtert, verglichen, und alle Teilaufgaben bearbeitet?</li>\n<li><strong>Zitate.</strong> Wörtlich, in Anführungszeichen, mit Zeile oder Vers.</li>\n<li><strong>Tempus und Modus.</strong> Präsens für deine Aussagen über den Text, Konjunktiv für fremde Thesen.</li>\n<li><strong>Bezüge.</strong> Heißt es „der Erzähler“ und „das lyrische Ich“, nicht „der Autor sagt“?</li>\n<li><strong>Rechtschreibung.</strong> Namen und Titel aus der Vorlage abgleichen, Kommas vor „dass“ und bei Einschüben.</li>\n</ol>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · eine echte Aufgabenstellung lesen</span>\n<p><em>1. Stellen Sie den Gedankengang des Textes von Andreas Frey dar und erläutern Sie die Intention des Textes.</em> (ca. 40 %)<br><em>2. Erörtern Sie ausgehend vom vorliegenden Text die Position des Autors.</em> (ca. 60 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Erörterung pragmatischer Texte, erhöhtes Niveau (Aufgabe 2024).</p>\n<p>Beantworte in einer Minute: Welche Operatoren stecken darin? Welcher Teil bekommt mehr Zeit? Worauf muss sich die Erörterung beziehen?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Drei Operatoren: darstellen, erläutern (Teil 1) und erörtern (Teil 2). Teil 2 wiegt mit ca. 60 % schwerer und bekommt deshalb mehr Schreibzeit. Die Erörterung geht „ausgehend vom vorliegenden Text“ von der Position des Autors aus, nicht vom Thema allgemein.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler kurz vorher</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Neuen Stoff anfangen.</strong> In den letzten Tagen wiederholst du, was du kannst, statt ein neues Werk zu lesen.</li>\n<li><strong>Die Auswahl verschleppen.</strong> Entscheide dich in der Auswahlzeit und bleib dann bei deiner Aufgabe.</li>\n<li><strong>Ohne Konzept losschreiben.</strong> Ein Plan mit Hypothese und Gliederung spart später Zeit.</li>\n<li><strong>Keine Zeit für die Kontrolle.</strong> In den letzten Minuten lassen sich Fehler in der Darstellung noch beheben.</li>\n<li><strong>Falsche Ausgabe mitbringen.</strong> Wenn eine Lektüre erlaubt ist, gilt oft nur eine bestimmte Ausgabe ohne Notizen.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=hb-de-ausdruck-fehler\">Typische Ausdrucksfehler vermeiden</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hb-de-methoden-zitieren\">Richtig zitieren</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hb-de-methoden-einleitungssatz\">Einleitungssatz schreiben (TATT-Formel)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=hb-de-ausdruck-ueberleitung\">Überleitungen schreiben</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-lastminute-2027 -->"
    },
    {
      "id": "hb-de-abitur-kleist-krug",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Kleist: Der zerbrochne Krug",
      "short": "Pflicht: Krug in gekürzter und Variant-Fassung, Briefe 1799–1801. LK: Erdbeben oder Findling.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Heinrich von Kleist: <em>Der zerbrochne Krug</em></h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In „Der zerbrochne Krug“ verhandelt Dorfrichter Adam an einem einzigen Vormittag einen Fall, den er selbst verursacht hat: Er war nachts bei Eve und hat auf der Flucht den Krug ihrer Mutter zerbrochen. Gerichtsrat Walter schaut ihm dabei zu, und Adam verstrickt sich in immer neue Lügen, bis Frau Brigitte seine Perücke bringt und Eve ihn als Täter nennt. Im 12. Auftritt erklärt Eve, warum sie geschwiegen hat: Adam hat ihr eingeredet, Ruprecht müsse als Soldat nach Ostindien, und ihr ein falsches Attest angeboten. In der langen Fassung, dem Variant, traut Eve danach keiner Obrigkeit mehr, bis Walter ihr sein Wort mit Geld beweist. Für die Prüfung brauchst du beides: die Komik um Adam und den Vertrauensverlust bei Eve.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Bremen ist „Der zerbrochne Krug“ Pflichtlektüre für den Schwerpunkt I „Gerechtigkeit und Wahrheit“. Schreib „zerbrochne“, nicht „zerbrochene“. Achte beim Lesen auf den Richter, der die Wahrheit verdunkelt, und auf Eve, deren Vertrauen in Recht und Menschen bricht.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben des Senators für Kinder und Bildung:</strong> GK und LK: <em>Der zerbrochne Krug</em> (1808/11; gekürzte und Variant-Fassung) plus Briefe Kleists 1799–1801. Variant des 12. Aufzugs: ausführlichere Figurenzeichnung Eves. <strong>Nur LK:</strong> eine Erzählung: <em>Das Erdbeben in Chili</em> <em>oder</em> <em>Der Findling</em>.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:werk:kleist-krug -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Heinrich von Kleist hat ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Lustspiel<span class=\"wort-erkl\">älteres Wort für Komödie</span></span> geschrieben, das in einem einzigen Raum spielt: in der Gerichtsstube von Huisum, einem Dorf bei Utrecht in den Niederlanden. Es gibt keine Akte, nur 13 Auftritte hintereinander. Ein neuer Auftritt beginnt, wenn eine Figur kommt oder geht.</p>\n<p>Das Stück ist in <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Blankversen<span class=\"wort-erkl\">Verse ohne Reim mit fünf betonten Silben</span></span> geschrieben. Deshalb zitierst du mit Auftritt und Vers.</p>\n<p>Die Tat ist schon passiert, bevor das Stück beginnt. Gezeigt wird, wie sie ans Licht kommt. So ein Stück heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">analytisches Drama<span class=\"wort-erkl\">die Tat liegt vor dem Anfang, gespielt wird ihre Aufklärung</span></span>. Das Besondere: Der Mann, der aufklären soll, ist selbst der Täter. Das Publikum ahnt das früh, die meisten Figuren nicht. Daraus entsteht <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">dramatische Ironie<span class=\"wort-erkl\">das Publikum weiß mehr als die Figuren und hört, wie sie sich verraten</span></span>.</p>\n</div>\n\n<h4>Die Handlung in 13 Auftritten</h4>\n<ul>\n<li><strong>1. bis 3. Auftritt, vor der Sitzung:</strong> Adam verbindet sich das Bein, sein Gesicht ist zerschunden, seine Perücke fehlt. Er erfindet Ausreden: ein Sturz am Ofen, eine Katze, die in die Perücke gejungt habe. Schreiber Licht meldet, dass Gerichtsrat Walter aus Utrecht die Dorfgerichte prüft und im Nachbarort Holla Richter und Schreiber suspendiert hat. Adam erzählt Licht einen Traum: Ein Kläger schleppt ihn vor Gericht, und er selbst sitzt dort als Richter.</li>\n<li><strong>4. und 5. Auftritt, Walter kommt:</strong> Walter will die Rechtspflege auf dem Land verbessern, heute aber nur „sehn“, nicht „strafen“. Eine geliehene Perücke gibt es nicht, also hält Adam kahlköpfig Gericht.</li>\n<li><strong>6. Auftritt, die Parteien:</strong> Frau Marthe Rull klagt gegen Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve. Ruprecht beschimpft Eve als „Metze“ (Hure) und will sie nicht mehr heiraten.</li>\n<li><strong>7. Auftritt, die Verhandlung:</strong> Adam droht Eve heimlich mit einem Attest, Walter verbietet ihm das Flüstern. Marthe beschreibt lang den Krug und seine Geschichte. Ruprecht erzählt die Nacht: Er sah Eve mit einem Mann im Garten, trat ihre Tür ein, der Krug fiel, und einer sprang aus dem Fenster. Ruprecht schlug ihm mit der Türklinke auf den Kopf und bekam Sand in die Augen. Er hält den Flickschuster Lebrecht für den Täter.</li>\n<li><strong>8. bis 10. Auftritt, Adam lenkt ab:</strong> Adam will, dass Eve Lebrecht oder Ruprecht nennt. Eve sagt nur, Ruprecht war es nicht, und schweigt über den Rest. Lebrecht war gestern in Utrecht. Frau Brigitte wird geholt. Beim Wein fragt Walter nach Adams Wunden, und Adam erklärt den Verlust der Perücke jetzt anders: Sie sei an der Kerze verbrannt.</li>\n<li><strong>11. Auftritt, die Entlarvung:</strong> Frau Brigitte bringt eine Perücke, die im Weinspalier unter Eves Fenster hing. Sie erzählt von einem Kahlkopf mit Pferdefuß und von einer Spur im Schnee bis zu Adams Haus. Adam spricht Ruprecht trotzdem schuldig. Da ruft Eve: „Der Richter Adam hat den Krug zerbrochen!“ Ruprecht prügelt los, Adam flieht.</li>\n<li><strong>12. Auftritt, Eve erklärt:</strong> Eve bittet Walter, Ruprecht vor der Aushebung zu retten. Adam hatte ihr erzählt, die Truppen kämen nach Ostindien, und ihr nachts ein falsches Krankheitsattest angeboten. Walter erklärt den Brief für falsch, Adam wird suspendiert, Licht übernimmt das Amt.</li>\n<li><strong>Letzter Auftritt:</strong> Marthe fragt, wo in Utrecht die Regierung sitzt: „Soll hier dem Kruge nicht sein Recht geschehn?“ Der Fall ist geklärt, der Krug bleibt kaputt.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wer mit wem</h4>\n<ul>\n<li><strong>Adam</strong>, Dorfrichter: Richter und Täter zugleich. Er hat die Macht über das Verfahren und nutzt sie, um sich zu schützen.</li>\n<li><strong>Walter</strong>, Gerichtsrat aus Utrecht: die höhere <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Instanz<span class=\"wort-erkl\">die nächsthöhere Stelle, die ein Urteil prüfen kann</span></span>. Er will Ordnung, schont aber auch den Ruf des Gerichts.</li>\n<li><strong>Licht</strong>, Schreiber: stichelt von Anfang an und stützt am Ende Brigittes Aussage. Adam weiß, dass Licht gern selbst Dorfrichter wäre.</li>\n<li><strong>Eve</strong>: weiß als Einzige, was passiert ist, und schweigt, um Ruprecht zu schützen.</li>\n<li><strong>Ruprecht</strong>, Sohn des Bauern Veit Tümpel: glaubt nur, was er sieht: „Was ich mit Händen greife, glaub’ ich gern“ (9. Auftritt).</li>\n<li><strong>Frau Marthe</strong>, Eves Mutter: klagt um den Krug und meint die Ehre der Tochter: „Dein guter Name lag in diesem Topfe“ (6. Auftritt).</li>\n<li><strong>Frau Brigitte</strong>, Ruprechts Tante: bringt das Beweisstück.</li>\n</ul>\n\n<h4>Der 12. Auftritt in zwei Fassungen</h4>\n<p>Kleist hat den 12. Auftritt für den Druck stark gekürzt und die ursprüngliche, lange Fassung als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Variant<span class=\"wort-erkl\">Kleists erste, lange Fassung des 12. Auftritts; sie steht im Anhang deiner Ausgabe</span></span> hinten angehängt. Du musst beide kennen.</p>\n<ul>\n<li><strong>Gekürzte Fassung:</strong> Eve erzählt in wenigen Sätzen vom Brief, von der Ostindien-Lüge und vom falschen Attest. Walter sagt, der Brief ist falsch, und Eve glaubt ihm sofort: „O Himmel! Wie belog der Böswicht mich!“ Die Verlobten versöhnen sich.</li>\n<li><strong>Variant:</strong> Eve erzählt alles selbst. Adam versprach ein Attest vom Arzt und wollte den Namen nachts in ihrer Kammer eintragen. Dort hängte er seine Perücke auf den Krug und riss vor dem Sprung aus dem Fenster Perücke und Krug vom Sims. Eve kann nicht lesen; Adam hat ihr den angeblichen Geheimbrief vorgelesen. Gelogen hat sie nach eigenen Worten nur durch Schweigen. Als Walter sagt, die Miliz bleibe im Land, glaubt sie auch ihm nicht. Erst ein Beutel mit zwanzig Gulden überzeugt sie.</li>\n</ul>\n<p><strong>Warum das wichtig ist:</strong> In der kurzen Fassung ist Eve Opfer einer Lüge, die schnell aufgeklärt wird. Im Variant sieht man, was die Lüge zerstört hat: Eve traut keinem Amt mehr, und Walter fragt sie, ob sie so wenig Vertrauen habe.</p>\n\n<h4>Deutungsansätze, jeweils mit Beleg</h4>\n<ul>\n<li><strong>Der Richter verhandelt gegen sich selbst.</strong> Adam träumt im 3. Auftritt, ein Kläger schleppe ihn „vor den Richtstuhl“, und er säße „gleichwohl auf dem Richtstuhl dort“. Das ist der Bauplan des Stücks. Kleist vergleicht in seiner Vorrede den misstrauischen Schreiber auf seiner Bildvorlage mit Kreon, der Ödipus ansieht: Wie in Sophokles’ „König Ödipus“ sucht einer den Täter und ist es selbst.</li>\n<li><strong>Sündenfall.</strong> Adam und Eve tragen die Namen aus der Bibel. Licht spielt gleich im 1. Auftritt darauf an: Adam stamme „von einem lockern Ältervater, / Der so beim Anbeginn der Dinge fiel“. Adams „Fall“ heißt also Sturz und Schuld zugleich.</li>\n<li><strong>Recht und Macht.</strong> Adam beruft sich auf „Statuten, eigentümliche, in Huisum, / Nicht aufgeschriebene“ (7. Auftritt): Recht ist, was der Richter sagt. Auch Walter schützt vor allem die Einrichtung: „Was euch schützt, / Ist einzig nur die Ehre des Gerichts“ (11. Auftritt). Am Schluss schickt er Licht, Adam zurückzuholen: Stimmen die Kassen, will er ihn nicht zur Flucht zwingen. Deutung: Das Stück zeigt nicht nur einen schlechten Richter, sondern ein Gericht, das sich selbst schont.</li>\n<li><strong>Sprache als Waffe.</strong> Adam spricht doppeldeutig mit Eve: „Ein Richter immer, weißt du, ist ein Richter, / Und einer braucht ihn heut, und einer morgen“ (9. Auftritt). Er wechselt die Ausreden (Ofen, Katze, Kerze). Eve dagegen kann nicht sagen, was sie weiß: „Es ist des Himmels wunderbare Fügung, / Die mir den Mund in dieser Sache schließt“ (9. Auftritt). Wer reden kann, hat Macht; wer schweigt, wird verdächtigt.</li>\n<li><strong>Der Krug als Bild der Geschichte.</strong> Auf dem Krug war die Übergabe der Niederlande an den spanischen König Philipp gemalt, und er wurde zu Beginn des Aufstands gegen Spanien einem Spanier abgenommen (7. Auftritt). Dass ausgerechnet ein Diener des eigenen Staates ihn zerbricht, liest der Germanist Dirk Grathoff als Zeichen einer neuen Zeit, in der der eigene Staat die Bürger bedrängt. Das ist eine Deutung, kein Fakt im Text.</li>\n<li><strong>Komik mit Ernst.</strong> Gelacht wird über den kahlen Richter und über Marthes Wortspiele („entscheiden“, „geschieden“, 6. Auftritt). Darunter liegen Erpressung und Angst, besonders im Variant.</li>\n</ul>\n\n<h4>Entstehung und Epoche</h4>\n<ul>\n<li>Den Anstoß gab 1802 in der Schweiz ein französischer Kupferstich, „Le juge, ou la cruche cassée“ (Der Richter oder der zerbrochene Krug). Kleist, Heinrich Zschokke und Ludwig Wieland verabredeten einen Dichterwettstreit dazu; nach Zschokkes Erinnerung gewann Kleists Lustspiel.</li>\n<li>Uraufführung am 2. März 1808 in Weimar, inszeniert von Goethe. Die Aufführung fiel durch.</li>\n<li>Das ganze Stück erschien erst 1811 bei einem Berliner Verlag, mit dem Variant im Anhang.</li>\n<li>Kleist (1777 bis 1811) schreibt zur Zeit von Klassik und Romantik, passt aber zu keiner: Sein Dorf wird nicht idealisiert, und romantische Sehnsucht fehlt. Der Germanist Harro Müller-Michaels spricht von einer „eigenen Spur“ neben Klassik und Romantik. Fragt eine Aufgabe nach der Literatur um 1800, taugt der Krug als Gegenbeispiel zu Klassik und Romantik.</li>\n</ul>\n<!-- bild:krug-titelseite-1811 -->\n<figure class=\"ks-abb ks-bild\">\n<img src=\"/images/blog/krug-titelseite-1811.webp\" width=\"369\" height=\"598\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Titelblatt eines alten Buchs: Der zerbrochne Krug, ein Lustspiel, von Heinrich von Kleist, Berlin 1811\">\n<figcaption><strong>Titelblatt der Erstausgabe, Berlin 1811. Im Titel steht „zerbrochne“, so schreibst du es auch in der Klausur.</strong><br><span class=\"ks-quelle\">Quelle: Erstausgabe Berlin 1811, „Der zerbrochne Krug, ein Lustspiel (Titelblatt)“, 1811. Gemeinfrei. <a href=\"https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Titelseite_von_Kleists_Der_zerbrochne_Krug_1811.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikimedia Commons</a></span></figcaption>\n</figure>\n<!-- /bild:krug-titelseite-1811 -->\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Bremen</span>\n<p>Schwerpunkt I heißt „Gerechtigkeit und Wahrheit im Werk Heinrich von Kleists“. Den Variant (in Bremen „12. Aufzug“) behandelt ihr mit der Leitfrage, was Eves ausführlichere Figurenzeichnung dort verändert. Dazu kommen Kleists Briefe von 1799 bis 1801. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten mit Auswahlzeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.bildung.bremen.de/abitur-4458\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abiturprüfung 2027, Regelungen für das erste bis dritte Prüfungsfach, S. 6 und 7</a></p>\n</div>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Untersuchen Sie, wie Eve im Variant des 12. Auftritts über Wahrheit und Lüge spricht, und erläutern Sie, wie diese Fassung den Schluss des Lustspiels verändert.</p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt eine Lektüre oft so vor: Du interpretierst einen Text, den du nicht kennst, und stellst dann einen Bezug zum Krug her. Eine literarische Erörterung bezieht sich immer auf ein ganzes Werk. Nacherzählen sollst du das Stück in keinem Fall.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Variant, 12. Auftritt</span>\n<p>WALTER gibt Eve neu geprägte Gulden, zeigt ihr darauf das Bild des spanischen Königs und fragt, ob sie meine, der König werde sie betrügen.</p>\n<p>EVE sieht auf den Münzen Gottes Antlitz und klagt, dass sie solche Münze nicht mehr erkenne.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Hier steht der Inhalt der Stelle in eigenen Worten; den Wortlaut und die Verszahlen nimmst du aus dem Variant deiner Ausgabe (Schluss, Gespräch zwischen Walter und Eve).</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> Schluss des Variants. Adam ist geflohen, Eve hat alles erzählt und glaubt Walter nicht.<em>Der Auszug steht am Ende des Variants, nachdem Eve die Nacht geschildert hat.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Walter beweist sein Wort nicht mit Argumenten, sondern mit Münzen.</li>\n<li><strong>Zitat mit Wirkung:</strong> Eves Ausruf ist eine Selbstanklage: Sie hat verlernt, Echtes von Falschem zu unterscheiden.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Das Vertrauen kommt zurück, aber nicht durch das Recht.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Am Ende des Variants zeigt sich, wie tief Adams Lüge Eves Vertrauen zerstört hat. Walters Wort genügt ihr nicht mehr, deshalb beweist er seine Aufrichtigkeit mit einem Beutel Gulden. Er verweist auf das Bild des spanischen Königs auf den Münzen und fragt, ob der König sie betrügen werde. Eve sieht darauf Gottes Antlitz und klagt sich selbst an, dass sie solche Münze nicht mehr erkenne. Der Ausruf zeigt, dass sie die Unterscheidung von echt und falsch verloren hat, die ein Gericht eigentlich sichern soll. Brisant ist, dass ausgerechnet der spanische König bürgt, gegen den Eve zu Beginn des Variants die Freiheit der Niederländer verteidigt hat. Das Vertrauen kehrt also zurück, aber durch Geld und ein fremdes Herrscherbild, nicht durch das Recht. Der Schluss bleibt so brüchig wie der Krug.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er ist textnah, baut kurze Zitate in eigene Sätze ein, sagt zu jeder Beobachtung, was sie bewirkt, und lässt eine Spannung stehen. Das verlangen die Bewertungshinweise des IQB für eine gute Interpretation. Dort zählt das Verstehen etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>11. Auftritt. Walter zu Adam: „Nichtswürd’ger! Wert, vor allem Volk ihn schmachvoll / Vom Tribunal zu jagen! Was euch schützt, / Ist einzig nur die Ehre des Gerichts.“ Schreib einen Absatz: Was will Walter hier schützen, und wie passt das zum Schluss des Stücks?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Walter verurteilt Adam scharf („Nichtswürd’ger!“), jagt ihn aber nicht vor allen Leuten vom Richterstuhl. Er schützt also nicht Adam, sondern das Ansehen des Gerichts.</p>\n<p>Das passt zum Schluss: Walter suspendiert Adam, schickt aber Licht, ihn zurückzuholen, und will ihn nicht zur Flucht zwingen, wenn die Kassen stimmen. Die Ordnung wird gerettet, ohne dass das Gericht öffentlich beschädigt wird. Gute Absätze nennen diese Spannung zwischen Gerechtigkeit und Schutz der Einrichtung.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Zitate aus dem Haupttext folgen dem Erstdruck von 1811 in heutiger Schreibung. Den Variant zitierst du nach deiner Ausgabe (Reclam druckt ihn mit Verszahlen im Anhang). Im übrigen Stück nennst du den Auftritt und den Vers deiner Ausgabe, zum Beispiel: „Zum Straucheln braucht’s doch nichts als Füße“ (1. Auftritt, V. 3).</p>\n<!-- land-extra -->\n<h4>Nur in Bremen: Kleists Briefe 1799 bis 1801</h4>\n<p>In Bremen werden Kleists Briefe aus den Jahren 1799 bis 1801 im Unterricht beispielhaft gelesen. Darin steckt die sogenannte Kant-Krise: Kleist verliert den Glauben, dass objektive Erkenntnis möglich ist; Wahrheit wird für ihn subjektiv und brüchig. Das passt zum Krug, in dem ein Richter die Wahrheit verdunkelt. In der Klausur nutzt du die Briefe nur, wenn der Text oder die Aufgabe den biographischen Hintergrund verlangt; ein Briefseminar ohne Anlass bringt keine Punkte.</p>\n\n<h4>Nur im Leistungskurs Bremen: „Das Erdbeben in Chili“ oder „Der Findling“</h4>\n<p>Im Leistungskurs kommt eine zweite Kleist-Erzählung dazu, entweder <em>Das Erdbeben in Chili</em> oder <em>Der Findling</em>, nicht beide. Beide fragen, wie Wahrheit und Moral im Erzählen entstehen. Im <em>Erdbeben</em> geht es um eine Katastrophe, um die Ordnung danach und darum, was „gerecht“ nach dem Einsturz noch heißt. Im <em>Findling</em> um Adoption, Undank, Gewalt und Wahrhaftigkeit in nahen Beziehungen. In der Klausur hilft dir die zweite Erzählung als Vergleich: dieselbe Frage nach der Wahrheit, an einer anderen Geschichte.</p>\n<!-- /land-extra -->\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Nacherzählen statt deuten.</strong> Den Auszug kurz einordnen, dann am Text arbeiten.</li>\n<li><strong>Nur über Adam lachen.</strong> Im Variant ist Eve die Hauptfigur, und ihre Not gehört in die Deutung.</li>\n<li><strong>Die Fassungen vermischen.</strong> Perücke auf dem Krug, Eve kann nicht lesen, zwanzig Gulden: Das steht nur im Variant.</li>\n<li><strong>Walter zum reinen Helden machen.</strong> Er klärt auf, schützt aber auch das Ansehen des Gerichts.</li>\n<li><strong>Eine Deutung als Tatsache hinstellen.</strong> Schreib „lässt sich deuten als“, wenn du zum Beispiel den Krug als Geschichtsbild liest.</li>\n<li><strong>Den Titel falsch schreiben.</strong> Er heißt „Der zerbrochne Krug“, ohne e.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->",
      "video": {
        "src": "/media/blog/krug.mp4",
        "poster": "/media/blog/krug-poster.png",
        "title": "Der zerbrochne Krug in unter einer Minute",
        "alt": "Kurzes Erklärvideo zu Kleists Lustspiel Der zerbrochne Krug: der Richter ist selbst der Täter.",
        "srcLandscape": "/media/blog/krug-landscape.mp4",
        "posterLandscape": "/media/blog/krug-landscape-poster.png"
      }
    },
    {
      "id": "hb-de-abitur-keun-nach-mitternacht",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Keun: Nach Mitternacht",
      "short": "Nach Mitternacht von Irmgard Keun: Zusammenfassung, Sanna, Franz, Algin, Heini, Erzählweise. Lernzettel fürs Abitur.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Irmgard Keun: <em>Nach Mitternacht</em> (1937)</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du zu Keuns „Nach Mitternacht“ eine Textstelle oder eine These und sollst sie am Text deuten; Punkte gibt es für Belege und Deutung, nicht fürs Nacherzählen. Im Roman (1937) erzählt die 19-jährige Susanne Moder, genannt Sanna, von zwei Tagen in Frankfurt am Main um 1936. Sie lebt bei ihrem Halbbruder Algin, einem Schriftsteller, dessen Bücher die Nationalsozialisten verboten haben und der sich jetzt anpasst. In Rückblenden erzählt sie, wie ihre Tante in Köln sie wegen einer harmlosen Bemerkung bei der Gestapo angezeigt hat. Auf einem Fest tötet sich Algins Freund Heini, ein Journalist, vor allen Gästen. Nach Mitternacht verlässt Sanna mit ihrem Cousin und Verlobten Franz, der nach einer Denunziation fliehen muss, Deutschland.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Bremen gehört Keuns „Nach Mitternacht“ zum Schwerpunkt II „Mensch, Macht und Manipulation: Narrative Texte der 1930er Jahre“. Der Exilroman wird von der jungen Sanna in einem scheinbar harmlosen Ton erzählt, der das Regime bloßstellt.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben des Senators für Kinder und Bildung:</strong> Im Grund- und Leistungskurs: Irmgard Keun, <em>Nach Mitternacht</em> (1937). <strong>Nur im Leistungskurs:</strong> Thomas Mann, <em>Mario und der Zauberer</em> (1930). Zum Basiswissen gehört auch, Bezüge zu aktuellen gesellschaftlich-politischen Entwicklungen herzustellen.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:werk:keun-nach-mitternacht -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>„Nach Mitternacht“ ist ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Exilroman<span class=\"wort-erkl\">ein Roman, den jemand geschrieben hat, der aus seinem Land fliehen musste; hier aus dem NS-Staat</span></span>. Keun lebte seit 1936 im Exil, vor allem in Ostende in Belgien, und das Buch erschien 1937 im Querido Verlag in Amsterdam. Ihre Bücher waren in Deutschland schon beschlagnahmt.</p>\n<p>Sanna erzählt als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Ich-Erzählerin<span class=\"wort-erkl\">eine Figur erzählt selbst; du siehst nur, was sie sieht und versteht</span></span> in einfacher, plaudernder Alltagssprache. Sie gibt Gespräche und Parolen so wieder, wie sie sie hört, und kommentiert wenig. Gerade dadurch wirken die Phrasen der Zeit lächerlich oder bedrohlich. Diese Art zu erzählen nennt man <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">satirisch<span class=\"wort-erkl\">übertreibt oder stellt bloß, um Missstände sichtbar zu machen</span></span>. Die Bremer Vorgaben nennen das eine „naiv-satirische Erzählweise“.</p>\n<p>Der Roman ist geschützt. Auf diesem Lernzettel stehen nur kurze Zitate, die in Fachliteratur wörtlich belegt sind. Lies die Stellen in deiner Ausgabe nach und zitiere mit Seite.</p>\n</div>\n\n<h4>Die Handlung als Gedächtnisstütze</h4>\n<ul>\n<li><strong>Vorgeschichte in Rückblenden:</strong> Sanna wächst als Wirtstochter im Moseldorf Lappesheim auf. Mit 16 kommt sie zu ihrer Tante Adelheid nach Köln und verliebt sich dort in deren Sohn Franz. Die Tante, eine überzeugte Nationalsozialistin, zeigt Sanna wegen einer spöttischen Bemerkung über Göring und Hitler an. Sanna wird verhört und wieder freigelassen.</li>\n<li><strong>Frankfurt, erster Tag:</strong> Sanna lebt seit einem Jahr bei Algin und seiner Frau Liska. Mit ihrer Freundin Gerti sitzt sie in Lokalen und Cafés. Gerti liebt Dieter Aaron, der nach den Rassengesetzen als „Halbjude“ gilt, und wird von dem SA-Mann Kurt Pielmann umworben.</li>\n<li><strong>Hitler am Opernplatz:</strong> Sanna und Gerti sehen vom Balkon eines Cafés zu, wie Hitler durch die Menge fährt. Das kleine Bertchen Silias soll ihm Blumen überreichen, doch er übersieht sie. Danach muss das Kind im Lokal immer wieder sein Gedicht für den „Führer“ aufsagen, bis es tot zusammenbricht.</li>\n<li><strong>Algin und Heini:</strong> Algin war ein erfolgreicher, gesellschaftskritischer Schriftsteller; sein Roman kam auf die schwarze Liste. Jetzt schreibt er über Natur und Heimat. Sein Freund Heini, ein Journalist, sagt offen, was er vom Regime hält, und wirft Algin seine Anpassung vor. Liska liebt Heini, er erwidert es nicht.</li>\n<li><strong>Franz:</strong> In Köln wollte er mit seinem Freund Paul ein Zigarettengeschäft eröffnen. Ein Konkurrent hat ihn angezeigt, er kam drei Monate in Schutzhaft. Danach ist er auf den Denunzianten losgegangen, vermutlich hat er ihn getötet. Er flieht zu Sanna nach Frankfurt.</li>\n<li><strong>Liskas Fest:</strong> Freunde und Bekannte feiern in Algins Wohnung, während Franz sich versteckt. Heini nennt die Gäste eine Gesellschaft, die nach den neuen Gesetzen eingesperrt sein müsste, und tötet sich dann vor allen.</li>\n<li><strong>Nach Mitternacht:</strong> Sanna entscheidet sich und verlässt mit Franz Deutschland, einer ungewissen Zukunft im Ausland entgegen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wer mit wem</h4>\n<ul>\n<li><strong>Sanna (Susanne Moder):</strong> Ich-Erzählerin, 19, Beobachterin und Zuhörerin. Am Ende muss sie selbst entscheiden.</li>\n<li><strong>Franz:</strong> ihr Cousin und Verlobter, Sohn der Tante Adelheid. Er ist still und unauffällig und wird trotzdem zum Opfer einer Denunziation.</li>\n<li><strong>Tante Adelheid:</strong> lebt in Köln, schwärmt für Hitler und zeigt die eigene Nichte an.</li>\n<li><strong>Algin (Alois Moder)</strong>, Sannas 17 Jahre älterer Halbbruder, und seine Frau <strong>Liska:</strong> ein Künstlerpaar, dessen Ehe in der Krise ist.</li>\n<li><strong>Heini:</strong> Journalist, Algins Freund, die schärfste Stimme gegen das Regime.</li>\n<li><strong>Gerti</strong> und <strong>Dieter Aaron:</strong> ein Paar, das nach den Rassengesetzen nicht zusammen sein darf.</li>\n<li><strong>Kurt Pielmann</strong> und die Familie <strong>Silias:</strong> Menschen, die ganz mitmachen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Deutungsansätze, jeweils mit Beleg</h4>\n<ul>\n<li><strong>Der Führer als Karnevalsprinz.</strong> Am Opernplatz steht Hitler im Auto „wie der Prinz Karneval“, wirft aber keine Bonbons, sondern hebt nur die „leere Hand“. Sanna beschreibt, was sie sieht, und gerade der harmlose Vergleich macht die Inszenierung lächerlich. Die Germanistin Bettina Widner liest die Stelle so: Der „Führer“ hat der Menge nichts mitgebracht.</li>\n<li><strong>Die scheinbar naive Stimme.</strong> Sanna sagt über politische Reden, sie wisse „bis heute nicht, worum es geht und was gemeint ist. Es ist mir viel zu gefährlich, jemand zu fragen.“ Ihr Unwissen ist auch Selbstschutz. Widner nennt Sanna deshalb eine „Schelmin“, also eine Figur, die sich dumm stellt und so die Phrasen der Mächtigen bloßlegt. Die Bremer Vorgaben sagen, Keuns Erzählweise „demaskiert“ die „Perfidie und Kulissenhaftigkeit des Systems“.</li>\n<li><strong>Denunziation im Alltag.</strong> Die Diktatur wirkt nicht nur durch Polizei und Partei, sondern durch Verwandte, Nachbarn und Konkurrenten: Die Tante zeigt Sanna an, ein Geschäftsrivale zeigt Franz an. Die Bremer Vorgaben nennen „Einschüchterung, Denunziation und Gewalt“ als Mittel des Regimes.</li>\n<li><strong>Zerstörte Lebensentwürfe.</strong> Algin gibt sein kritisches Schreiben auf, Gerti und Dieter dürfen sich nicht lieben, Franz verliert sein Geschäft und seine Freiheit, Liska verliert sich ganz an ihre Rolle für Heini: Sie setzt sich immer wieder neu zusammen „wie ein kunstvolles Mosaik, von dem sie denkt, es könne dem Heini gefallen“. Genau diese Lebensentwürfe stellen die Bremer Vorgaben in den Mittelpunkt.</li>\n<li><strong>Heinis Tod.</strong> Er tötet sich mitten im Fest, vor allen Gästen. Danach beschreibt Sanna die Szene so: „Wir leben nicht, wir sind gemalt.“ Deutung: Widner sieht in der Szene das Zentrum des Romans. Wer nicht schweigen und sich nicht anpassen will, findet in diesem Staat keinen Ort mehr.</li>\n<li><strong>Kinder als Opfer der Begeisterung.</strong> Bertchen Silias stirbt, weil die Erwachsenen sie zur Führer-Verehrerin machen wollen. Widner liest ihren Tod als Opfer einer „kollektiven Hysterie“. Das passt zu dem, was die Bremer Vorgaben „massenhypnotische Phänomene“ nennen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Entstehung und Kontext</h4>\n<ul>\n<li>Irmgard Keun (1905 bis 1982) wurde um 1931/32 mit Romanen wie „Das kunstseidene Mädchen“ bekannt. Unter den Nationalsozialisten wurden ihre Bücher beschlagnahmt, 1936 ging sie ins Exil.</li>\n<li>„Nach Mitternacht“ erschien 1937 bei Querido in Amsterdam.</li>\n<li>Geschichtlicher Hintergrund in Stichworten: Nürnberger Rassengesetze von 1935, Ausgrenzung jüdischer Deutscher, Schutzhaft, Bücherverbote und die Reichsschrifttumskammer, Massenkundgebungen und Führerkult.</li>\n</ul>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Bremen</span>\n<p>Aufgabe II gehört zu Schwerpunkt II „Mensch, Macht und Manipulation: Narrative Texte der 1930er Jahre“. „Nach Mitternacht“ muss im Grund- und Leistungskurs behandelt werden. Im Mittelpunkt stehen Lebensentwürfe von Figuren, die durch die Diktatur beeinträchtigt oder zunichtegemacht werden, Mechanismen totalitärer Herrschaft und Keuns „naiv-satirische Erzählweise“.</p>\n<p>Zum Basiswissen gehört unter anderem: den Roman als autonome Einheit interpretieren, die Erzählweise und ihre Wirkung analysieren und beurteilen, die Figuren mit Blick auf ihre zerstörten Lebensentwürfe charakterisieren, massenpsychologische Phänomene kritisch reflektieren und Bezüge zu aktuellen gesellschaftlich-politischen Entwicklungen herstellen.</p>\n<p>Du bekommst vier Aufgaben und wählst eine. Aufgabenarten sind Textinterpretation, Textanalyse, Texterörterung, gestaltende Interpretation und adressatenbezogenes Schreiben; Erörtern und Gestalten kommen nur zusammen mit Interpretation oder Analyse vor. Leistungskurs 315 Minuten, Grundkurs 255 Minuten, jeweils mit Auswahlzeit. Hilfsmittel: Rechtschreiblexikon und die Textausgaben der im Unterricht behandelten Pflichtlektüren.</p>\n<p>Nur im Leistungskurs: Dazu kommt Thomas Manns Erzählung „Mario und der Zauberer“ (1930), „die als parabolische Vorausdeutung des Nationalsozialismus gelesen werden kann“. Vertieft werden Manipulation und Demagogie und die Faszination für charismatische Führungsfiguren.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.bildung.bremen.de/sixcms/media.php/13/20260615_Korrektur_Mitteilung_115-2025_Anlage_1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abiturprüfung 2027, Regelungen für das erste bis dritte Prüfungsfach, S. 6 bis 8</a></p>\n</div>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>1. Interpretieren Sie die Szene auf Liskas Fest unter besonderer Berücksichtigung der Erzählweise. 2. Erörtern Sie, inwiefern der Roman zeigt, wie eine Diktatur Lebensentwürfe zerstört. Beziehen Sie mindestens zwei weitere Figuren ein.</p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt der Roman meist so vor: Du interpretierst einen Auszug, achtest dabei besonders auf Sannas Erzählweise und ordnest ihn in den Roman und in die Zeit ein. Oft folgt ein Auftrag zur Erörterung oder zum Vergleich mit einem anderen Text. Den Roman nacherzählen oder eine Geschichtsstunde über 1936 halten sollst du in keinem Fall.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Szene am Opernplatz (Inhalt mit kurzen Zitaten)</span>\n<p>Sanna und Gerti stehen auf einem Balkon über dem Opernplatz. Langsam fährt ein Auto vorbei, darin steht der Führer „wie der Prinz Karneval“. Er ist aber nicht so lustig wie ein Karnevalsprinz und wirft auch keine Bonbons, sondern hebt nur die „leere Hand“.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> Erster Tag in Frankfurt, Höhepunkt des öffentlichen Lebens.<em>Die Szene steht am Anfang des Romans, beim Besuch Hitlers in Frankfurt.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Ein Vergleich aus dem Karneval, mitten in einer politischen Kundgebung.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Der „Führer“ wird zur Faschingsfigur, die nichts zu verteilen hat.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Sannas scheinbar naive Stimme entlarvt den Führerkult.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Der Höhepunkt des ersten Tages, Hitlers Fahrt über den Opernplatz, wird von Sanna nicht als feierliches Ereignis erzählt. Sie vergleicht den „Führer“ im Auto mit dem „Prinz Karneval“, also mit einer Figur aus dem Volksfest. Der Vergleich klingt harmlos und kindlich, aber er nimmt der Inszenierung jede Größe. Sanna führt ihn sogar weiter: Anders als der Karnevalsprinz wirft Hitler nichts in die Menge und hebt nur die „leere Hand“. Damit wird der Gruß, der eigentlich Macht zeigen soll, zu einem Bild des Mangels. Die Menge jubelt, aber sie bekommt nichts. Man kann die Stelle auch so lesen, dass Sanna gar nicht spotten will und nur sagt, was ihr auffällt; gerade dann wirkt die Entlarvung umso stärker, weil sie nicht als Meinung daherkommt. So zeigt die kurze Szene, wie Keuns naiv-satirische Erzählweise den Führerkult als Kulisse bloßstellt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er ordnet ein, arbeitet an einem sprachlichen Mittel (dem Vergleich), sagt, was es bewirkt, nennt eine zweite Lesart und verbindet die Stelle mit der Erzählweise des ganzen Romans. Das verlangen die Bewertungshinweise des IQB für eine gute Interpretation. Dort zählt das Verstehen etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent. Kurze Zitate aus einem geschützten Roman sind für die Analyse erlaubt; lange Abschriften nicht.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Schlag die Szene auf, in der Bertchen Silias nach der Kundgebung im Lokal immer wieder ihr Gedicht für den „Führer“ aufsagen muss, bis sie zusammenbricht. Schreib einen Absatz: Wie erzählt Sanna diese Szene, und was zeigt sie über die Erwachsenen? Vergleiche kurz mit Heinis Tod auf Liskas Fest.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Sanna erzählt den Tod des Kindes ohne großes Urteil, aus der Nähe einer Zuschauerin. Die Eltern und die Gäste machen das kranke Kind zur Darstellerin ihrer eigenen Begeisterung, und niemand hört rechtzeitig auf. Die Schuld liegt deshalb bei allen, die mitmachen, nicht bei einem einzelnen Täter.</p>\n<p>Beide Szenen beginnen als Geselligkeit und enden mit dem Tod einer Figur. Bertchen stirbt an der Begeisterung der anderen, Heini wählt den Tod, weil er nicht mehr schweigen will. Ein guter Absatz zeigt diese Parallele und belegt beide Szenen mit kurzen Zitaten aus deiner Ausgabe.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Nenn die Szene oder das Kapitel und die Seite deiner Ausgabe. Die Seitenzahlen und manchmal auch einzelne Wörter unterscheiden sich zwischen den Ausgaben, deshalb gilt immer das Buch, das du in der Prüfung benutzt. Bau kurze Halbsätze in deine eigenen Sätze ein, zum Beispiel: Hitler hebt nur die „leere Hand“ (S. …).</p>\n<!-- land-extra -->\n<h4>Nur im Leistungskurs: Mario und der Zauberer</h4>\n<p>Thomas Manns Novelle von 1930 spielt in einem Badeort im faschistischen Italien. Der Hypnotiseur Cipolla unterwirft in einer Abendvorstellung sein Publikum, bis ihn der Kellner Mario erschießt.</p>\n<p>Für den Vergleich: Bei Keun erzählt eine junge Frau den Alltag in einer Diktatur, die schon besteht. Bei Mann berichtet ein Urlauber im Rückblick, wie eine Menge einem Verführer folgt. Zeig an je einer Stelle, wie Inszenierung und Beschämung wirken; „Faschismus“ allein ist kein Ergebnis.</p>\n<!-- /land-extra -->\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Eine Geschichtsklausur schreiben.</strong> Hintergrundwissen nur dort einsetzen, wo es eine Stelle im Roman erklärt.</li>\n<li><strong>Sanna einfach naiv nennen.</strong> Zeig die Lücke zwischen dem, was sie sagt, und dem, was der Text dich sehen lässt.</li>\n<li><strong>Figuren verwechseln.</strong> Algin ist Sannas Halbbruder, Franz ihr Cousin und Verlobter, die Tante lebt in Köln.</li>\n<li><strong>Alle Figuren in Täter und Opfer sortieren.</strong> Algin ist Opfer und passt sich trotzdem an; die Tante ist Mitläuferin und Täterin zugleich.</li>\n<li><strong>Lange Passagen abschreiben.</strong> Kurze Zitate mit Seite reichen, der Rest ist deine Deutung.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->"
    },
    {
      "id": "hb-de-abitur-literatur-1800",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Literatur um 1800 / Romantik",
      "short": "Literatur um 1800 und Romantik: Klassik, Motive, Mondnacht, Gedichtvergleich. Lernzettel fürs Abitur, ohne Pflichtbuch.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Literatur um 1800, besonders die Romantik</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du kein Pflichtbuch, sondern einen Text, den du nicht kennst: meist ein Gedicht, einen Erzählauszug oder zwei Gedichte zum Vergleich, manchmal eins davon aus dem 20. oder 21. Jahrhundert. Punkte holst du, wenn du romantische Motive und Haltungen am Text zeigst und erklärst, was sie bewirken, nicht mit einer Liste von Epochenmerkmalen. Dafür brauchst du den Hintergrund: Um 1800 entstehen in Deutschland zwei literarische Antworten auf dieselbe Umbruchzeit. Die Weimarer Klassik um Goethe und Schiller sucht Maß, Harmonie und das Ideal des guten Menschen, die Romantik sucht das Unendliche, die Nacht, die Sehnsucht und das Wunderbare. Hintergrund sind die Aufklärung, die Französische Revolution und die Kriege Napoleons.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Bremen verlangt Schwerpunkt III einen lyrischen oder epischen Text; eine benannte Pflichtganzschrift gibt es nicht. Deine Schule wählt die Gedichte und mindestens einen epischen Auszug aus.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben des Senators für Kinder und Bildung:</strong> Literatur um 1800 am Beispiel der Interpretation eines lyrischen oder epischen Texts. Fokus: kultur- und geistesgeschichtliche Entwicklungen; Epochen um 1800 mit besonderer Berücksichtigung der Romantik; zentrale Motive, exemplarisch auch in Texten des 20./21. Jahrhunderts. GK und LK: lyrische Texte plus Auszüge aus mindestens einem epischen Text.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:feld:literatur-um-1800 -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Das Themenfeld heißt amtlich „Literatur um 1800“, mit besonderem Blick auf die Romantik. Drei Punkte stehen in den Vorgaben:</p>\n<ul>\n<li><strong>Spiegelung der Zeit:</strong> wie sich Aufklärung, Revolution und neue Philosophie in den Texten zeigen.</li>\n<li><strong>Literaturgeschichte:</strong> wie Klassik und Romantik nebeneinander entstehen und sich voneinander abgrenzen.</li>\n<li><strong>Themen und Motive der Romantik,</strong> auch so, wie Texte des 20. und 21. Jahrhunderts sie wieder aufnehmen.</li>\n</ul>\n<p>Ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Motiv<span class=\"wort-erkl\">ein wiederkehrendes Bild oder eine typische Situation mit Bedeutung, etwa Nacht, Wanderschaft oder das Fenster</span></span> ist dein wichtigstes Werkzeug: Du findest es im Text, zeigst, was es dort bedeutet, und schließt erst dann auf die Epoche. Gedichte zitierst du mit Vers, Prosa mit Zeile.</p>\n</div>\n\n<h4>Was um 1800 passiert</h4>\n<ul>\n<li><strong>Aufklärung:</strong> Der Mensch soll seinen Verstand selbst gebrauchen. Vernunft wird zum Maßstab für alles. Die Romantik antwortet darauf später mit der Frage, was die Vernunft nicht erfasst: Traum, Gefühl, Unbewusstes.</li>\n<li><strong>Französische Revolution (1789):</strong> Freiheit und Gleichheit werden politische Forderungen. Manche Dichter begeistern sich zuerst und wenden sich nach der Schreckensherrschaft wieder ab.</li>\n<li><strong>Napoleon:</strong> Seine Kriege verändern Europa. 1806 endet das Heilige Römische Reich, nach den Befreiungskriegen ordnet der Wiener Kongress 1815 Europa neu, es folgt eine Zeit der Restauration.</li>\n<li><strong>Neue Philosophie:</strong> Kant, Fichte und Schelling fragen, wie viel von der Welt das Ich selbst hervorbringt. Für die Romantiker wird das Ich zum Ort, an dem Welt und Unendliches sich begegnen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Klassik und Romantik nebeneinander</h4>\n<ul>\n<li><strong>Weimarer Klassik</strong> (etwa 1786 bis 1805, von Goethes Italienreise bis zu Schillers Tod): Vorbild ist die Antike. Gesucht werden Maß, Harmonie und das Ideal der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Humanität<span class=\"wort-erkl\">Menschlichkeit als Ziel: der Mensch soll edel, hilfsbereit und gut werden</span></span>. Kunst soll den Menschen bilden, nicht einem Zweck dienen (Schiller, „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“, 1795).</li>\n<li><strong>Frühromantik</strong> (ab etwa 1795, Jena): die Brüder Schlegel, Novalis, Ludwig Tieck. Ihre Zeitschrift „Athenaeum“ (1798 bis 1800) entwirft das Programm.</li>\n<li><strong>Hochromantik</strong> (Heidelberger Romantik): Achim von Arnim und Clemens Brentano sammeln Volkslieder („Des Knaben Wunderhorn“, 1805 bis 1808). In Kassel sammeln die Brüder Grimm Märchen („Kinder- und Hausmärchen“, ab 1812).</li>\n<li><strong>Spätromantik</strong> (etwa 1815 bis 1830): Joseph von Eichendorff, E. T. A. Hoffmann. Volksliedton, Wanderer, Nachtseiten der Seele.</li>\n<li><strong>Dazwischen:</strong> Kleist, Hölderlin und Jean Paul gehören zu keiner Gruppe ganz. Das ist kein Fehler deines Wissens, sondern selbst ein Merkmal der Zeit.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Programm der Romantik in zwei Sätzen</h4>\n<ul>\n<li>Friedrich Schlegel, 116. Athenaeums-Fragment (1798): „Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie.“ <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Universalpoesie<span class=\"wort-erkl\">eine Dichtung, die alle Gattungen mischt, Poesie und Philosophie verbindet und nie fertig wird</span></span> heißt: Gattungen mischen, Poesie und Philosophie verbinden, das Leben poetisch machen. „Progressiv“ heißt: Sie wird nie fertig.</li>\n<li>Novalis, Notizen aus dem Frühjahr 1798: „Die Welt muß romantisirt werden.“ Gemeint ist: dem Gewöhnlichen einen geheimnisvollen, unendlichen Sinn geben.</li>\n</ul>\n<p>Daraus folgen zwei Formmerkmale. Romantische Texte bleiben oft absichtlich offen, als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Fragment<span class=\"wort-erkl\">ein Text, der bewusst unfertig bleibt, weil das Unendliche sich nicht abschließen lässt</span></span>. Und sie brechen gern ihre eigene Illusion: In Tiecks Komödie „Der gestiefelte Kater“ (1797) spielen Figuren das Publikum im Parkett und reden ins Stück hinein. Das heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">romantische Ironie<span class=\"wort-erkl\">der Text zeigt, dass er gemacht ist, und hebt seine eigene Stimmung auf</span></span>.</p>\n\n<h4>Motive, die du erkennen solltest</h4>\n<ul>\n<li><strong>Sehnsucht und Ferne:</strong> Das Ich will weg, ins Unbestimmte, und kommt selten an. Oft steht es am Fenster oder hört ein Posthorn.</li>\n<li><strong>Nacht und Traum:</strong> Die Nacht öffnet, was der Tag verdeckt (Novalis, „Hymnen an die Nacht“, 1800).</li>\n<li><strong>Wandern:</strong> Unterwegssein als Freiheit, gegen den geregelten Alltag des <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Philisters<span class=\"wort-erkl\">so nannten die Romantiker den engstirnigen Bürger, der nur an Arbeit, Besitz und Ordnung denkt</span></span>.</li>\n<li><strong>Natur als Seelenraum:</strong> Landschaft spiegelt das Innere. Wald, Mond und Rauschen sind keine Kulisse, sondern Stimmung.</li>\n<li><strong>Die blaue Blume:</strong> Bild der unerreichbaren Sehnsucht, aus Novalis’ Roman „Heinrich von Ofterdingen“ (1802).</li>\n<li><strong>Nachtseiten:</strong> Wahnsinn, Doppelgänger, das Unheimliche, etwa in E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“ (1816). Oft bleibt offen, ob das Wunderbare wirklich ist oder nur eingebildet.</li>\n<li><strong>Volkslied, Märchen, Mittelalter:</strong> Die Romantiker suchen eine ursprüngliche, gemeinsame Poesie.</li>\n</ul>\n\n<h4>Deutungsansätze, jeweils mit Beleg</h4>\n<ul>\n<li><strong>Natur ohne Gefühl, Natur als Seele.</strong> Goethe schreibt schon 1783 in „Das Göttliche“: „Edel sey der Mensch, / Hülfreich und gut!“ und gleich danach: „Denn unfühlend / Ist die Natur“. Gut ist der Mensch, nicht die Natur. In Eichendorffs „Mondnacht“ dagegen ist es, „als hätt’ der Himmel / Die Erde still geküßt“: Die Natur scheint zu fühlen. An diesem Gegensatz kannst du Klassik und Romantik unterscheiden.</li>\n<li><strong>Freiheit gegen Philisterleben.</strong> In Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1826) schickt der Vater den Sohn mit „Du Taugenichts!“ in die Welt. Der zieht mit der Geige los, während die anderen „graben und pflügen“: „Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüthe.“ Deutung: Der Text feiert das zweckfreie Leben und macht sich zugleich leise darüber lustig.</li>\n<li><strong>Sehnsucht, die nicht ankommt.</strong> In Eichendorffs „Sehnsucht“ steht das Ich „am Fenster“ und hört „aus weiter Ferne / Ein Posthorn“: „Ach, wer da mitreisen könnte“. Das Ich bleibt drinnen. Die Ferne gibt es nur im Lied der anderen.</li>\n<li><strong>Klassisch gesund, romantisch krank?</strong> Goethe sagte 1829 zu Eckermann: „Das Classische nenne ich das Gesunde, und das Romantische das Kranke.“ Er meinte damit vor allem die neueste Literatur seiner Zeit. Das ist ein Urteil eines Beteiligten, keine Definition. Nutz es als These, die du an einem Text prüfst.</li>\n<li><strong>Romantik heute.</strong> Neuere Texte nehmen romantische Motive auf und brechen sie. In einer amtlichen Beispielaufgabe für den Leistungskurs wird Eichendorffs „Der verspätete Wanderer“ mit Günter Kunerts „Straßen“ (entstanden 1965 bis 1969 in der DDR) verglichen: Bei beiden ist das Leben eine Reise, aber bei Kunert führen die Straßen ins Leere, und die Gehenden fragen „vergebens / den leeren Himmel“.</li>\n</ul>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Bremen</span>\n<p>Aufgabe III hat dieses Themenfeld als Schwerpunkt, „am Beispiel der Interpretation eines lyrischen oder epischen Textes“. Du sollst unter anderem die Bedeutung der Aufklärung und der Französischen Revolution erfassen, die Epochen um 1800 in Beziehung setzen, die Programmatik der Romantik beschreiben und erkennen, wie ihre Motive in der Literatur seit 1900 wiederkehren. Behandelt werden Gedichte und Auszüge aus mindestens einem epischen Text. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten mit Auswahlzeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.bildung.bremen.de/abitur-4458\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abiturprüfung 2027, Regelungen für das erste bis dritte Prüfungsfach, Deutsch, S. 6 und 9</a></p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt das Themenfeld meist so vor: Du interpretierst ein Gedicht oder einen Erzählauszug, oder du vergleichst zwei Gedichte, oft ein romantisches mit einem neueren. Die Aufgabe nennt dann eine Hinsicht, etwa „im Hinblick auf die Gestaltung des Motivs des Unterwegsseins“, und verlangt, die Entstehungszeit zu berücksichtigen.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Joseph von Eichendorff, „Mondnacht“ (entstanden um 1835, gedruckt 1837)</span>\n<p>Es war, als hätt’ der Himmel<br>Die Erde still geküßt,<br>Daß sie im Blütenschimmer<br>Von ihm nun träumen müßt’.</p>\n<p>Die Luft ging durch die Felder,<br>Die Aehren wogten sacht,<br>Es rauschten leis die Wälder,<br>So sternklar war die Nacht.</p>\n<p>Und meine Seele spannte<br>Weit ihre Flügel aus,<br>Flog durch die stillen Lande,<br>Als flöge sie nach Haus.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach Eichendorffs Sämmtlichen Werken, Bd. 1, Leipzig 1864, S. 604 (Wikisource), in der Schreibung dieser Ausgabe.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> ein Naturgedicht der Spätromantik in drei Strophen, gesprochen erst ohne, dann mit Ich.<em>Das Gedicht beschreibt eine Mondnacht und führt erst in der letzten Strophe ein Ich ein.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Am Anfang steht „als hätt’“, am Ende „Als flöge“. Beides ist <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Konjunktiv<span class=\"wort-erkl\">Möglichkeitsform: so wäre es, aber so ist es nicht wirklich</span></span>.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Der Kuss von Himmel und Erde und der Heimflug der Seele geschehen nur „als ob“.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> romantische Sehnsucht nach einer Heimat jenseits der sichtbaren Welt.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Eichendorffs „Mondnacht“ beschreibt keine Wirklichkeit, sondern einen Wunsch. Das zeigt schon der Anfang: „Es war, als hätt’ der Himmel / Die Erde still geküßt“ (V. 1 f.). Durch den Konjunktiv wird die Vereinigung von Himmel und Erde zu einem Vergleich, sie geschieht nur in der Vorstellung. Die mittlere Strophe bleibt dagegen ganz im Indikativ und bei dem, was man wahrnimmt: Luft, Ähren, Wälder, Sterne. Erst in der dritten Strophe tritt das Ich hervor, und seine „Seele“ (V. 9) bekommt Flügel. Doch auch dieser Flug endet im Konjunktiv: „Als flöge sie nach Haus“ (V. 12). Das Gedicht ist also von zwei „als ob“ gerahmt. Darin zeigt sich die romantische Grundhaltung: Die Natur wird zum Ort, an dem eine unendliche Heimat aufscheint, aber sie wird nicht erreicht. Man kann das auch anders lesen, als sanfte Gewissheit eines Glaubens. Für beide Lesarten spricht der Text, entscheidend ist, dass die Heimkehr Bild bleibt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er beobachtet genau (Konjunktiv am Anfang und Ende, Indikativ in der Mitte), zitiert kurz mit Versangabe, sagt, was die Form bewirkt, nennt eine zweite Lesart und kommt erst am Ende zur Epoche. So beschreiben die Bewertungshinweise des IQB eine gute Interpretation: textnah, funktional, mit Blick auf alternative Lesarten und einer differenzierten Epocheneinordnung. Das Verstehen zählt etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Eichendorff, „Sehnsucht“ (erste Strophe, Erstdruck 1834): „Es schienen so golden die Sterne, / Am Fenster ich einsam stand / Und hörte aus weiter Ferne / Ein Posthorn im stillen Land. / Das Herz mir im Leib entbrennte, / Da hab’ ich mir heimlich gedacht: / Ach, wer da mitreisen könnte / In der prächtigen Sommernacht!“ Schreib einen Absatz: Wo steht das Ich, wohin will es, und was sagt der Ausruf am Ende über seine Lage?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Das Ich steht „am Fenster“ und „einsam“: Es ist drinnen, die Welt draußen. Das Posthorn kommt „aus weiter Ferne“, die Sehnsucht wird also durch ein Geräusch geweckt, nicht durch eine Reise. Der Wunsch „Ach, wer da mitreisen könnte“ steht im Konjunktiv und als Ausruf: Das Ich reist nicht, es wünscht sich nur, es könnte.</p>\n<p>Gute Absätze verbinden das mit dem Fenster als Grenze zwischen enger Wirklichkeit und weiter Welt und schließen auf die romantische Sehnsucht, die nicht erfüllt wird. Wer weiterliest, sieht: In den nächsten Strophen singen zwei junge Gesellen im Wandern von der Ferne, das Ich bleibt Zuhörer.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Gedichte mit Versangabe: „Als flöge sie nach Haus“ (V. 12). Bei zwei Gedichten nennst du einmal den Titel, danach Kurztitel und Vers. Ältere Schreibung (geküßt, Aehren) übernimmst du so, wie sie in deinem Prüfungstext steht.</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Epochenwissen abladen.</strong> Merkmale der Romantik ohne Stelle im Text bringen kaum Punkte.</li>\n<li><strong>„Romantik heißt Gefühl und Natur“ als Ergebnis.</strong> Sag, welches Gefühl, an welcher Stelle, mit welcher Wirkung.</li>\n<li><strong>Das lyrische Ich mit dem Dichter gleichsetzen.</strong> Schreib „das lyrische Ich“, nicht „Eichendorff sehnt sich“.</li>\n<li><strong>Klassik und Romantik als feindliche Lager darstellen.</strong> Sie entstehen zur selben Zeit und haben gemeinsame Wurzeln. Zeig den Unterschied am Text.</li>\n<li><strong>Im neueren Text ein Motiv erfinden.</strong> Nimm nur auf, was wirklich da ist, und zeig, wo es gebrochen wird.</li>\n<li><strong>Das Wunderbare entscheiden, wo der Text es offenlässt.</strong> Oft ist genau die Offenheit deine Beobachtung.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->"
    },
    {
      "id": "hb-de-abitur-sprache-politik",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Politische Sprache",
      "short": "Schwerpunkt IV: Sachtext analysieren oder erörtern. Verständigung und Strategie, Framing, Redeanalyse.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In diesem Themenfeld gibt es kein Pflichtbuch: In der Prüfung liegt ein Sachtext, den du nicht kennst, etwa eine Rede, ein Kommentar, ein Interview oder ein Post. Du untersuchst, ob der Text eine Sache gemeinsam klären will (Verständigung) oder vor allem gewinnen will (Strategie), und an welchen Wörtern und Mitteln man das sieht. Dazu kommt, wie das Medium den Text prägt: Eine Rede wirkt anders als ein Zeitungskommentar oder ein Post. Je nach Aufgabe analysierst du den Text, erörterst seine These oder nutzt ihn als Material für einen eigenen Beitrag. Mit ein paar Modellen und Fachwörtern kannst du das genau benennen, aber die Punkte holst du am Text.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Bremen ist Schwerpunkt IV ein Sachtext, den du analysierst oder erörterst. Es geht um Verständigung und Strategie, um sprachliche Merkmale und um schriftlichen und mündlichen Sprachgebrauch in unterschiedlichen Medien.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben des Senators für Kinder und Bildung:</strong> Analyse oder Erörterung eines Sachtexts. Aspekte: Kommunikation zwischen Verständigung und Strategie; sprachliche Merkmale; schriftlicher und mündlicher Sprachgebrauch in unterschiedlichen Medien. GK und LK: Sachtexte zu diesem Schwerpunkt.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:feld:politische-sprache -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Das Themenfeld heißt amtlich „Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen“. Gemeint ist: Wie Menschen in Politik und Öffentlichkeit mit Sprache handeln. Wer redet, will etwas erreichen: überzeugen, beruhigen, mobilisieren, den Gegner schwächen.</p>\n<p>Drei Punkte stehen in den Vorgaben, und die kannst du dir als drei Fragen an jeden Text merken:</p>\n<ul>\n<li><strong>Verständigung oder Strategie?</strong> Will der Text eine Frage gemeinsam klären, oder will er vor allem Zustimmung und Sieg?</li>\n<li><strong>Mit welchen sprachlichen Mitteln?</strong> Welche Wörter, Bilder und Satzbaumuster lenken, wie du die Sache siehst?</li>\n<li><strong>In welchem Medium?</strong> Gesprochen oder geschrieben, im Parlament, in der Zeitung, im Netz: Was macht das mit dem Text?</li>\n</ul>\n<p>Die Texte heißen in der Prüfung <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">pragmatische Texte<span class=\"wort-erkl\">Sachtexte, die in der Wirklichkeit etwas bewirken sollen: Reden, Kommentare, Essays, Interviews, Posts</span></span>. Zitiert wird mit Zeilenangabe, zum Beispiel „ein wenig Geduld“ (Z. 3).</p>\n</div>\n\n<h4>Verständigung und Strategie</h4>\n<p>Die Unterscheidung geht auf den Philosophen Jürgen Habermas zurück („Theorie des kommunikativen Handelns“, 1981). Er trennt Handeln, das auf <strong>Verständigung</strong> zielt, von Handeln, das auf <strong>Erfolg</strong> zielt. Wer sich verständigen will, legt Gründe offen und lässt sich vom besseren Argument überzeugen. Wer strategisch handelt, behandelt die anderen als Mittel: Er will, dass sie etwas tun oder glauben, egal wie.</p>\n<ul>\n<li><strong>Zeichen für Verständigung:</strong> Gründe statt Behauptungen, Gegenargumente werden genannt und ernst genommen, Begriffe werden erklärt, Fragen bleiben offen, wo die Sache offen ist.</li>\n<li><strong>Zeichen für Strategie:</strong> Ziele, gegen die niemand sein kann, an der Stelle von Gründen; Gegner werden abgewertet statt widerlegt; Gefühle wie Angst oder Stolz ersetzen Belege; Wichtiges wird verschwiegen oder im Passiv versteckt.</li>\n</ul>\n<p>In echten Texten kommt fast immer beides vor. Stark wird deine Analyse, wenn du zeigst, an welcher Stelle der Text von einem ins andere wechselt. Strategie ist dabei nicht automatisch unanständig: Auch wer für eine gute Sache wirbt, will gewinnen. Bewerte also, was der Text tut, nicht ob dir seine Meinung gefällt.</p>\n\n<h4>Modelle, mit denen du Kommunikation beschreibst</h4>\n<p>Modelle helfen dir, Beobachtungen genau zu benennen. Nenn sie nur, wenn du sie an einer Stelle im Text anwendest.</p>\n<ul>\n<li><strong>Organon-Modell</strong> (Karl Bühler, „Sprachtheorie“, 1934): Jede Äußerung hat drei Seiten. Sie stellt eine Sache dar (<em>Darstellung</em>), sie zeigt etwas über den Sprecher (<em>Ausdruck</em>) und sie will beim Hörer etwas bewirken (<em>Appell</em>). Politische Reden sind oft stark appellativ.</li>\n<li><strong>Vier Seiten einer Nachricht</strong> (Friedemann Schulz von Thun, „Miteinander reden“, 1981): Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehung, Appell. Hilfreich, wenn du zeigen willst, wie ein Redner sein Verhältnis zum Publikum gestaltet, etwa mit „wir alle“.</li>\n<li><strong>„Man kann nicht nicht kommunizieren“</strong> (Paul Watzlawick und andere, 1967): Auch Schweigen, Auslassen und Tonfall sagen etwas. Gut für die Frage, was ein Text weglässt.</li>\n<li><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mehrfachadressierung<span class=\"wort-erkl\">ein Text richtet sich zugleich an mehrere Gruppen, etwa an Gegner, eigene Anhänger und die Öffentlichkeit</span></span>: Wer im Parlament spricht, redet scheinbar zu den anderen Abgeordneten, gemeint sind aber oft die Zuschauer, die Medien und die eigene Partei. Der Sprachwissenschaftler Walther Dieckmann nannte das schon 1981 eine „trialogische“ Lage.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wörter, die lenken</h4>\n<p>In der politischen Sprache wird um Wörter gekämpft. Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf sprach 1973 auf einem Parteitag davon, man müsse Begriffe „besetzen“. Seitdem ist das ein fester Ausdruck.</p>\n<ul>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Fahnenwort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort, mit dem eine Gruppe ihre eigenen Ziele positiv kennzeichnet</span></span> und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Stigmawort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort, das die Gegenseite oder ihre Ziele abwertet</span></span>:</strong> Die Begriffe stammen vom Sprachwissenschaftler Fritz Hermanns (1982). Oft ist das Fahnenwort der einen Seite das Stigmawort der anderen.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Hochwertwort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort für einen Wert, den fast alle teilen, etwa Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit</span></span>:</strong> Gegen „Sicherheit“ ist niemand. Wer sein Vorhaben damit verbindet, macht Widerspruch schwer.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Framing<span class=\"wort-erkl\">ein Wort ruft einen ganzen Deutungsrahmen auf und legt fest, wie wir eine Sache sehen</span></span>:</strong> Die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling („Politisches Framing“, 2016) zeigt das an der „Steuerlast“: Das Wort lässt Steuern als Gewicht erscheinen, das einen erdrückt. Wer von „Steuerbeitrag“ spricht, rahmt dieselbe Sache als Beitrag zum Gemeinwesen. Und „Steueroase“ lässt Steuerflucht klingen wie einen rettenden Ort in der Wüste.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Euphemismus<span class=\"wort-erkl\">beschönigendes Wort, das etwas Unangenehmes harmloser klingen lässt</span></span> und Kampfbegriff:</strong> Das eine verharmlost, das andere greift an.</li>\n<li><strong>Satzbau und Pronomen:</strong> Das Passiv versteckt, wer handelt („Die Gebühren werden erhöht“). „Wir“ schafft Gemeinschaft, „die da oben“ oder „die anderen“ ziehen eine Grenze.</li>\n<li><strong>Bilder:</strong> Metaphern wie „Flut“, „Welle“ oder „Lawine“ machen aus Menschen eine Naturgewalt. Frag immer: Was legt das Bild nahe, ohne es zu sagen?</li>\n</ul>\n\n<h4>Wie Reden überzeugen wollen</h4>\n<p>Schon Aristoteles hat in seiner „Rhetorik“ drei Wege unterschieden, mit denen ein Redner überzeugt:</p>\n<ul>\n<li><strong>Ethos:</strong> durch seine Glaubwürdigkeit („Ich habe dreißig Jahre als Ärztin gearbeitet …“).</li>\n<li><strong>Pathos:</strong> durch Gefühle beim Publikum (Angst, Mitleid, Stolz, Empörung).</li>\n<li><strong>Logos:</strong> durch Argumente und Belege.</li>\n</ul>\n<p>Für deine Analyse heißt das: Benenne, worauf ein Abschnitt setzt, und frag, ob die Gefühle ein Argument stützen oder ersetzen. Typische Mittel dabei sind <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">rhetorische Fragen<span class=\"wort-erkl\">Fragen, auf die keine Antwort erwartet wird, weil sie die Antwort schon nahelegen</span></span>, Wiederholungen (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Anapher<span class=\"wort-erkl\">mehrere Sätze oder Satzteile beginnen mit demselben Wort</span></span>), Dreierfiguren und Gegensätze (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Antithese<span class=\"wort-erkl\">zwei gegensätzliche Begriffe oder Aussagen werden gegenübergestellt</span></span>).</p>\n\n<h4>Gesprochen, geschrieben, gepostet</h4>\n<ul>\n<li><strong>Die Rede</strong> wirkt über Stimme, Pausen und Reaktionen im Saal. Im Protokoll stehen Zwischenrufe und Beifall: Sie zeigen, wen ein Satz erreicht hat.</li>\n<li><strong>Der Kommentar</strong> in der Zeitung hat Zeit für Begründungen und Gegenargumente. Fehlen sie, ist das eine Beobachtung wert.</li>\n<li><strong>Der Post</strong> lebt von Kürze, Zuspitzung, Bild und Wiederholung. Er erreicht viele, begründet aber wenig.</li>\n<li>Die Sprachwissenschaftler Peter Koch und Wulf Oesterreicher (1985) unterscheiden <strong>Sprache der Nähe</strong> (spontan, persönlich, wie im Gespräch) und <strong>Sprache der Distanz</strong> (geplant, sachlich, wie im Gesetz). Ein Post ist oft geschrieben, klingt aber wie gesprochen. Wenn eine Politikerin so schreibt, wirkt sie nahbar.</li>\n</ul>\n\n<h4>Sprachkritik: wenn Wörter Unrecht verdecken</h4>\n<p>Wie Sprache Denken lenken kann, hat der Romanist Victor Klemperer an der Sprache des Nationalsozialismus beschrieben („LTI“, 1947). Heute sucht die Jury der „Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres“ jedes Jahr ein Wort, das Menschen herabsetzt oder etwas verschleiert; das erste war 1991 „ausländerfrei“. Solche sprachkritischen Texte können in der Prüfung als Material liegen. Dann fragst du: Welche Wirkung wird dem Wort zugeschrieben, und überzeugt die Begründung?</p>\n\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">Nur auf erhöhtem Niveau (Leistungskurs)</span>\n<p>Im Leistungskurs sollst du laut den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz sprachliche Handlungen „theoriegestützt“ beschreiben und sprachphilosophische Positionen zur Analyse heranziehen. Für dieses Themenfeld heißt das: Habermas, Bühler, Schulz von Thun oder Framing nicht nur nennen, sondern an einer Stelle zeigen, was das Modell sichtbar macht und wo es an seine Grenze kommt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_10_18-Bildungsstandards-Deutsch-Abi.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KMK, Bildungsstandards Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife, S. 21</a></p>\n</div>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Bremen</span>\n<p>Aufgabe IV hat dieses Themenfeld als Schwerpunkt, „am Beispiel der Analyse oder Erörterung eines pragmatischen Textes“. Du sollst unter anderem Kommunikation „im Kontext von Verständigungs- und Strategieinteressen“ betrachten, Unterschiede im schriftlichen und mündlichen Sprachgebrauch in verschiedenen Medien erkennen und Thesen eines Textes erörtern. Eine Erörterung kommt nur zusammen mit einer Analyse vor. Grundkurs 255, Leistungskurs 315 Minuten mit Auswahlzeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.bildung.bremen.de/abitur-4458\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abiturprüfung 2027, Regelungen für das erste bis dritte Prüfungsfach, Deutsch, S. 6, 9 und 10</a></p>\n</div>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>1. Analysieren Sie die vorliegende Rede im Hinblick auf Argumentation und sprachliche Gestaltung. 2. Erörtern Sie, ob die Rede eher auf Verständigung oder auf Strategie angelegt ist.</p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt das Themenfeld meist so vor: Du analysierst einen pragmatischen Text (Argumentation, sprachliche Mittel, Intention), du erörterst seine These, oder du schreibst aus mehreren Materialien einen eigenen Beitrag, etwa einen Kommentar. Das Themenfeld wird dabei in der Aufgabe oft ausdrücklich genannt.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Otto Wels (SPD) im Reichstag, 23. März 1933, gegen das Ermächtigungsgesetz</span>\n<p>„Wir Sozialdemokraten wissen, daß man machtpolitische Tatsachen durch bloße Rechtsverwahrungen nicht beseitigen kann. Wir sehen die machtpolitische Tatsache Ihrer augenblicklichen Herrschaft. Aber auch das Rechtsbewußtsein des Volkes ist eine politische Macht, und wir werden nicht aufhören, an dieses Rechtsbewußtsein zu appellieren.“</p>\n<p>„Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Wortlaut nach dem Abdruck bei German History in Documents and Images (aus: Dokumente der deutschen Politik, Bd. 1, 1935, S. 36 bis 38), abgeglichen mit einem Auszug aus dem Reichstagsprotokoll. Die Rede ist gemeinfrei.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> Die Regierung Hitler will sich vom Reichstag ermächtigen lassen, Gesetze ohne das Parlament zu beschließen. Die SPD stimmt als einzige Partei dagegen; das Gesetz wird mit 444 zu 94 Stimmen angenommen. Wels weiß also, dass er die Abstimmung verliert.<em>Der Auszug stammt aus der Rede, mit der Otto Wels die Ablehnung der SPD begründet.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Das Wort „Macht“ kommt dreimal vor, aber jedes Mal anders: als Tatsache der Gegner, als Macht des Rechtsbewusstseins, als Macht, die das Gesetz nicht gibt.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Wels gibt die Niederlage zu und deutet im selben Atemzug um, was Macht ist.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Verständigung mit der Mehrheit ist nicht mehr möglich. Die Rede wendet sich an andere Adressaten.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Wels spricht in einer Lage, in der Verständigung mit der Mehrheit nicht mehr möglich ist: Das Ergebnis der Abstimmung steht fest. Er versucht deshalb nicht, die Abgeordneten der Regierungsparteien umzustimmen, sondern deutet den Begriff um, auf den sie sich stützen. Zunächst räumt er ein, man könne „machtpolitische Tatsachen“ nicht durch „bloße Rechtsverwahrungen“ beseitigen. Diese Einräumung macht ihn glaubwürdig, weil er die Lage nicht schönredet. Gleich danach setzt er mit „Aber“ eine zweite Macht dagegen: „das Rechtsbewußtsein des Volkes“. Die Wiederholung des Wortes „Macht“ verschiebt seine Bedeutung von der Gewalt der Regierung zur Überzeugung der Menschen. Damit richtet sich die Rede über den Saal hinaus an die Öffentlichkeit und die eigenen Anhänger. Der Schlusssatz „Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen […] zu vernichten“ greift den Namen des Gesetzes auf und kehrt ihn gegen die, die es beschließen. Die Rede ist also strategisch gebaut, aber nicht um zu siegen, sondern um für die Zeit nach der Niederlage eine Gegenposition festzuhalten.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er ordnet die Situation ein, belegt jede Beobachtung mit einem kurzen Zitat, sagt, was das Mittel bewirkt (Einräumung, Wiederholung, Umdeutung), und kommt zu einem Urteil über Verständigung und Strategie. So beschreiben die Bewertungshinweise des IQB eine gute Analyse: textnah, funktional, mit eigenständigem Urteil. Bei textbezogenen Aufgaben zählt das Verstehen etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte am 8. Mai 1985 im Bundestag, 40 Jahre nach Kriegsende: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Die ganze Rede steht auf bundespraesident.de. Schreib einen Absatz: Welchen Rahmen setzt das Wort „Befreiung“, und welche anderen Wörter für denselben Tag schiebt es beiseite?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Für den 8. Mai 1945 gab es in Deutschland andere Wörter: Niederlage, Kapitulation, Zusammenbruch. Sie stellen das Ende des Kriegs als Verlust dar. „Befreiung“ setzt einen anderen Rahmen: Befreit wird man von etwas Schlechtem, also war die NS-Herrschaft das Unrecht, nicht ihr Ende. Mit „uns alle“ bezieht Weizsäcker auch die Deutschen ein, die den Tag als Niederlage erlebt hatten.</p>\n<p>Gute Absätze zeigen außerdem, dass die Rede die anderen Erfahrungen nicht verschweigt: Kurz vorher sagt Weizsäcker, der 8. Mai sei „kein Tag zum Feiern“, und nennt Heimkehr, Heimatlosigkeit und Gefangenschaft. Das Framing wirkt gerade, weil es die Gegenwörter anerkennt und dann überbietet.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Gib bei Sachtexten die Zeile an: „ein wenig Geduld“ (Z. 3). Nenn bei Reden Redner, Anlass und Datum einmal in der Einleitung, danach reichen die Zeilen. Zwischenrufe aus dem Protokoll darfst du zitieren, sie gehören zur Kommunikationssituation.</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Mittel aufzählen ohne Wirkung.</strong> „Es gibt eine Anapher“ bringt nichts. Sag, was sie beim Publikum bewirkt.</li>\n<li><strong>Über das Thema schreiben statt über den Text.</strong> In der Erörterung prüfst du die These des Textes, nicht deine allgemeine Meinung zum Thema.</li>\n<li><strong>Die eigene politische Meinung als Analyse ausgeben.</strong> Bewerte, wie der Text argumentiert, nicht ob dir seine Partei gefällt.</li>\n<li><strong>Strategie mit Lüge verwechseln.</strong> Strategisch heißt: auf Wirkung angelegt. Ob etwas falsch ist, musst du gesondert begründen.</li>\n<li><strong>Modelle abladen.</strong> Ein Modell zählt nur, wenn du es an einer Stelle anwendest.</li>\n<li><strong>Medium vergessen.</strong> Ob Rede, Kommentar oder Post, sag in einem Satz, was das Medium mit dem Text macht.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->"
    }
  ]
}
