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      "title": "Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung",
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      "short": "Anfänge der Weimarer Republik einfach erklärt: Novemberrevolution 1918, Rat der Volksbeauftragten, Ebert-Groener-Pakt, Rätekongress, Spartakusaufstand, Wahl zur Nationalversammlung mit Frauenwahlrecht, Weimarer Verfassung im Wortlaut mit Schema, Errungenschaften und Schwächen, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-weimar-gruendung -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Novemberrevolution und Weimarer Verfassung 1918/19</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Bei einer Aufgabe zur Gründung der Weimarer Republik wartet in der Klausur keine reine Wissensfrage: Du wertest ein Material aus und nimmst begründet Stellung; Punkte gibt es für Belege und Urteil. Im November 1918 brach das Kaiserreich zusammen: Matrosen meuterten, überall bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, und am 9. November wurde in Berlin die Republik ausgerufen. Die Mehrheitssozialdemokraten unter Friedrich Ebert setzten auf Wahlen zu einer Nationalversammlung statt auf eine Räterepublik und verbündeten sich dafür mit der alten Heeresführung; die radikale Linke unterlag im Januar 1919 blutig. Am 19. Januar 1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen. Die Weimarer Verfassung vom 11. August 1919 machte das Reich zur demokratischen Republik mit Grundrechten, gab aber dem direkt gewählten Reichspräsidenten große Macht. Ob die Revolution ein Sieg der Demokratie war oder „stecken blieb“, weil die alten Eliten im Amt blieben, ist ein Forschungsstreit.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt · gA und eA</span><p>Schwerpunkt I 2027: „Die Weimarer Republik“. Inhaltsfeld für beide Niveaus:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Von der Novemberrevolution bis zur Währungsstabilisierung“</li>\n</ul>\n<p>Der Rahmenplan nennt dazu unter anderem: „Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Novemberrevolution“, „Die Weimarer Verfassung“.</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1074128/9a9b1afacd506b6058cb4c3379abaeb6/abitur-a-heft-2027-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben, Abitur 2027 (A-Heft)</a>, Abschnitt 15 Geschichte; Rahmenplan Geschichte, Bildungsplan Studienstufe 2022.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Im Herbst 1918 war der Erste Weltkrieg verloren. Im Kaiserreich hatte der Kaiser den Kanzler ernannt, ohne dass der Reichstag ihn stürzen konnte, und in Preußen galt noch das <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Dreiklassenwahlrecht<span class=\"wort-erkl\">preußisches Wahlrecht bis 1918, bei dem die Stimmen nach der Steuerleistung gewichtet wurden; wenige Reiche hatten so viel Gewicht wie die Masse der Armen</span></span>. Nun wollten viele Menschen Frieden, Brot und Mitbestimmung.</p>\n<p>Wie die neue Ordnung aussehen sollte, war umstritten. Die einen wollten eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">parlamentarische Demokratie<span class=\"wort-erkl\">das Volk wählt ein Parlament, und die Regierung braucht dessen Vertrauen</span></span>, die anderen ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Rätesystem<span class=\"wort-erkl\">Herrschaft von gewählten Räten der Arbeiter und Soldaten, die jederzeit abberufen werden können; Vorbild war Russland 1917</span></span>. In der Klausur musst du diese Gruppen auseinanderhalten und erklären, warum die erste deutsche Demokratie mit Belastungen startete, die sie bis 1933 begleiteten.</p>\n</div>\n\n<h4>Die Novemberrevolution, Schritt für Schritt</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Anfang November, Kiel:</strong> Die Seekriegsleitung will die Flotte zu einem letzten Gefecht auslaufen lassen. Matrosen verweigern sich, am 3. November erschießt eine Patrouille in Kiel sieben Demonstranten. Am 4. November ist Kiel in der Hand der Aufständischen, die den ersten Arbeiter- und Soldatenrat bilden. In wenigen Tagen entstehen in fast allen Städten Räte. In München wird Kurt Eisner (USPD) Regierungschef des neuen Freistaats Bayern.</li>\n<li><strong>9. November, Berlin:</strong> Reichskanzler Max von Baden verkündet eigenmächtig die Abdankung des Kaisers und übergibt das Amt an Friedrich Ebert (SPD). Philipp Scheidemann (SPD) ruft vom Reichstag die „Deutsche Republik“ aus, kurz darauf Karl Liebknecht vom Stadtschloss die „freie sozialistische Republik“. Wilhelm II. geht im November 1918 ins Exil in die Niederlande.</li>\n<li><strong>10. November, Rat der Volksbeauftragten und Ebert-Groener-Pakt:</strong> Je drei Vertreter von <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">SPD<span class=\"wort-erkl\">hier die Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) um Ebert, die größte Arbeiterpartei</span></span> und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">USPD<span class=\"wort-erkl\">Unabhängige Sozialdemokraten, 1917 im Streit um die Kriegskredite von der SPD abgespalten; links von der SPD</span></span> bilden die Regierung. Am selben Tag sichert General Wilhelm Groener von der Obersten Heeresleitung Ebert die Unterstützung des Heeres gegen linksradikale Umsturzversuche zu; im Gegenzug bleibt die Befehlsgewalt beim Offizierskorps.</li>\n<li><strong>11. November:</strong> Der Waffenstillstand beendet die Kämpfe. Am 12. November verkündet die Regierung das gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen ab 20 Jahren, am 15. November erkennen die Unternehmer im Stinnes-Legien-Abkommen die Gewerkschaften an und stimmen dem Achtstundentag zu.</li>\n<li><strong>Mitte Dezember, Reichsrätekongress:</strong> Rund 500 Delegierte der Räte, zwei Drittel davon SPD-Mitglieder, entscheiden sich mit großer Mehrheit für Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 und gegen ein Rätesystem. Nach blutigen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und revolutionären Matrosen um Weihnachten verlässt die USPD die Regierung.</li>\n<li><strong>Januar 1919, Spartakusaufstand:</strong> Anhänger von USPD und der neu gegründeten <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">KPD<span class=\"wort-erkl\">Kommunistische Partei Deutschlands, Ende Dezember 1918 aus dem Spartakusbund um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gegründet</span></span> wollen die Wahl verhindern und eine Räterepublik errichten. Regierungstruppen und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Freikorps<span class=\"wort-erkl\">Freiwilligenverbände meist rechtsgerichteter Soldaten und Offiziere, die nach dem Krieg gegen Aufständische eingesetzt wurden</span></span> unter Gustav Noske (SPD) schlagen den Aufstand nieder. Am 15. Januar ermorden Soldaten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Deutsches Historisches Museum, „Matrosenaufstand 1918“, „Abdankung Wilhelms II.“, „Rat der Volksbeauftragten“, „Ebert-Groener-Pakt“, „Einführung des Frauenwahlrechts“, „Stinnes-Legien-Abkommen“, „Reichsrätekongress 1918“, „Januaraufstand 1919“, „Ermordung von Luxemburg und Liebknecht“, „Münchner Räterepublik“; Ausrufung der Republik: bpb, „Das Quiz zum 9. November“; Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, „Novemberrevolution 1918/19“.</p>\n\n<h4>Wer wollte was?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Mehrheits-SPD:</strong> parlamentarische Demokratie, Wahl einer Nationalversammlung, rasch Ordnung und Versorgung. Die großen Fragen von Staat und Wirtschaft sollte die gewählte Versammlung entscheiden. Dafür arbeitete sie mit Heeresführung, Beamten und Unternehmern zusammen.</li>\n<li><strong>USPD:</strong> gespalten zwischen Anhängern von Parlament und Räten; forderte, vor der Wahl die Wirtschaft umzugestalten („Alle Macht den Räten“).</li>\n<li><strong>Spartakusbund und KPD:</strong> Räterepublik nach russischem Vorbild, Sozialisierung der Betriebe; die KPD trat zur Wahl im Januar 1919 nicht an.</li>\n<li><strong>Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„alten Eliten“<span class=\"wort-erkl\">die Führungsschichten des Kaiserreichs: Offiziere, hohe Beamte, Richter, Großgrundbesitzer, Teile der Industrie</span></span>:</strong> Militär, Justiz und Verwaltung blieben weitgehend im Amt und standen der Republik oft fern.</li>\n</ul>\n<p>Daraus entstand die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Spaltung der Arbeiterschaft<span class=\"wort-erkl\">der Bruch zwischen SPD auf der einen und USPD und KPD auf der anderen Seite, der die Linke bis 1933 schwächte</span></span>: Viele Anhänger der Linken fühlten sich durch das Bündnis mit den Militärs und die Morde vom Januar 1919 verraten. Bis 1933 standen sich SPD und KPD feindlich gegenüber.</p>\n\n<h4>Die Wahl vom 19. Januar 1919</h4>\n<p>Frauen durften zum ersten Mal wählen und gewählt werden, das Wahlalter sank von 25 auf 20 Jahre. 37 Frauen zogen in die Nationalversammlung ein. Die SPD wurde mit 165 von 423 Sitzen stärkste Kraft, vor dem katholischen Zentrum (91) und der linksliberalen DDP (75). Diese drei bildeten die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Weimarer Koalition“<span class=\"wort-erkl\">Regierungsbündnis aus SPD, Zentrum und DDP, den Parteien, die die Republik trugen</span></span> mit einer Dreiviertelmehrheit. Die Nationalversammlung trat am 6. Februar in Weimar zusammen, fern der Unruhen in Berlin, und wählte Ebert zum Reichspräsidenten. Schon bei der Reichstagswahl 1920 verlor die Weimarer Koalition ihre Mehrheit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Wahlen zur Nationalversammlung“, „Einführung des Frauenwahlrechts“ (37 Frauen), „Nationalversammlung“.</p>\n\n<h4>Das Material: die Weimarer Reichsverfassung</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919 (Auszüge)</span>\n<p>Art. 1: „(1) Das Deutsche Reich ist eine Republik. (2) Die Staatsgewalt geht vom Volke aus.“</p>\n<p>Art. 22 (1): „Die Abgeordneten werden in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl von den über zwanzig Jahre alten Männern und Frauen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt.“</p>\n<p>Art. 41 (1): „Der Reichspräsident wird vom ganzen deutschen Volke gewählt.“</p>\n<p>Art. 54: „Der Reichskanzler und die Reichsminister bedürfen zu ihrer Amtsführung des Vertrauens des Reichstags. Jeder von ihnen muß zurücktreten, wenn ihm der Reichstag durch ausdrücklichen Beschluß sein Vertrauen entzieht.“</p>\n<p>Art. 109 (1): „Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich. Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Reichs-Gesetzblatt 1919, S. 1383, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei. Beschlossen am 31. Juli 1919 mit 262 zu 75 Stimmen, in Kraft am 14. August (LeMO).</p>\n</div>\n<!-- fig:weimar-verfassung -->\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Die Weimarer Reichsverfassung im Überblick <span>· Du siehst das Schema der Verfassung von 1919. Rot ist der Notstandsartikel.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 420 340\" xmlns=\"http://www.w3.org/2000/svg\" role=\"img\" aria-labelledby=\"weimar-verfassung-t weimar-verfassung-d\" font-family=\"system-ui, sans-serif\">\n<title id=\"weimar-verfassung-t\">Schema der Weimarer Reichsverfassung 1919</title>\n<desc id=\"weimar-verfassung-d\">Die Wahlberechtigten wählen Reichspräsident und Reichstag. Der Reichspräsident ernennt den Reichskanzler, kann den Reichstag auflösen und Notverordnungen erlassen; der Reichstag kann dem Kanzler das Vertrauen entziehen.</desc>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"100\" y=\"286\" width=\"220\" height=\"48\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.6\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"210\" y=\"304\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Wahlberechtigte</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"210\" y=\"320\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Männer und Frauen über 20 Jahre (Art. 22)</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"34\" y=\"150\" width=\"156\" height=\"74\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.6\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"112\" y=\"168\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Reichspräsident</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"112\" y=\"184\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Wahl alle 7 Jahre (Art. 43)</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"112\" y=\"197\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Oberbefehl über die</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"112\" y=\"210\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Streitkräfte (Art. 47)</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"230\" y=\"150\" width=\"156\" height=\"74\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.6\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"308\" y=\"168\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Reichstag</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"308\" y=\"184\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Wahl alle 4 Jahre (Art. 23)</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"308\" y=\"197\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Verhältniswahl (Art. 22)</text>\n<rect class=\"g-linie\" x=\"135\" y=\"10\" width=\"150\" height=\"60\" rx=\"8\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.6\"/>\n<text class=\"g-text\" x=\"210\" y=\"28\" font-size=\"12.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\" font-weight=\"700\">Reichsregierung</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"210\" y=\"44\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Reichskanzler und</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"210\" y=\"57\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Reichsminister</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"160\" y1=\"286\" x2=\"113\" y2=\"226\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"113,226 119.1,229.4 114.8,232.8\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"118\" y=\"262\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"end\" fill=\"currentColor\">wählt</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"260\" y1=\"286\" x2=\"307\" y2=\"226\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"307,226 305.2,232.8 300.9,229.4\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"302\" y=\"262\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">wählt</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"100\" y1=\"150\" x2=\"150\" y2=\"72\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"150,72 148.8,78.9 144.2,76\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"114\" y=\"96\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"end\" fill=\"currentColor\">ernennt und</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"114\" y=\"108\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"end\" fill=\"currentColor\">entlässt</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"114\" y=\"120\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"end\" fill=\"currentColor\">(Art. 53)</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"320\" y1=\"150\" x2=\"270\" y2=\"72\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"270,72 275.8,76 271.2,78.9\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"306\" y=\"96\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">kann ihr das</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"306\" y=\"108\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">Vertrauen</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"306\" y=\"120\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" fill=\"currentColor\">entziehen (Art. 54)</text>\n<line class=\"g-linie\" x1=\"190\" y1=\"172\" x2=\"228\" y2=\"172\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"1.4\"/>\n<polygon class=\"g-pfeil\" points=\"228,172 221.6,174.7 221.6,169.3\" fill=\"currentColor\"/>\n<text class=\"g-klein\" x=\"210\" y=\"166\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Art. 25</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"210\" y=\"188\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">löst</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"210\" y=\"200\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">auf</text>\n<text class=\"g-rot\" x=\"210\" y=\"244\" font-size=\"11\" text-anchor=\"middle\" fill=\"#ef4444\" font-weight=\"700\">Art. 48: Notverordnungen,</text>\n<text class=\"g-klein\" x=\"210\" y=\"257\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"middle\" fill=\"currentColor\">Reichstag kann sie aufheben</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Die Weimarer Reichsverfassung (1919), vereinfacht.</strong> Rot: der Notstandsartikel, der ab 1930 zum Regieren am Reichstag vorbei genutzt wurde. Eigene Grafik nach dem Verfassungstext.</figcaption>\n</figure>\n<!-- /fig:weimar-verfassung -->\n<p>So liest du M 1 mit dem Schema. Die Verfassung hat zwei Machtzentren, die beide vom Volk gewählt werden: den Reichstag und den Reichspräsidenten. Die Regierung braucht das Vertrauen des Reichstags (Art. 54); das ist der Kern einer parlamentarischen Demokratie. Zugleich ernennt der Präsident den Kanzler (Art. 53), kann den Reichstag auflösen (Art. 25) und im Notfall mit Verordnungen regieren (Art. 48). Den Entwurf schrieb vor allem der liberale Staatsrechtler Hugo Preuß. Die starke Stellung des Präsidenten war Ausdruck des Misstrauens der Nationalversammlung gegen die Parteiendemokratie; man nannte ihn deshalb einen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Ersatzkaiser“<span class=\"wort-erkl\">zeitgenössisches Schlagwort für den Reichspräsidenten, weil er ähnlich viel Macht hatte wie früher der Kaiser</span></span>.</p>\n\n<h4>Errungenschaften und Schwächen, verknüpft</h4>\n<ul>\n<li><strong>Errungenschaften:</strong> <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Volkssouveränität<span class=\"wort-erkl\">alle Staatsgewalt geht vom Volk aus, nicht vom Monarchen</span></span> (Art. 1), gleiches Wahlrecht für Männer und Frauen ab 20 (Art. 22, 109), Grundrechte wie Meinungs-, Versammlungs- und Glaubensfreiheit, eine vom Reichstag abhängige Regierung (Art. 54), Volksbegehren und Volksentscheid (Art. 73).</li>\n<li><strong>Schwächen:</strong> Die Macht des Präsidenten (Art. 25, 48, 53) bot einen Weg, am Parlament vorbei zu regieren. Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Verhältniswahl<span class=\"wort-erkl\">die Sitze werden nach dem Anteil der Stimmen verteilt; ohne Sperrklausel kommen auch sehr kleine Parteien ins Parlament</span></span> ohne Sperrklausel förderte eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Fragmentierung<span class=\"wort-erkl\">Zersplitterung in viele Parteien, die schwer Koalitionen bilden können</span></span> des Parteiensystems. Die Parteien wurden in der Verfassung nicht als Teil der politischen Willensbildung anerkannt, und es gab keinen Schutz gegen Parteien, die die Verfassung abschaffen wollten.</li>\n<li><strong>Die Verknüpfung:</strong> Die Schwächen wirkten erst zusammen mit der politischen Lage. Solange Parteien Koalitionen bildeten, regierte das Parlament. Als sie es ab 1930 nicht mehr taten, wurde der Präsident zum Zentrum der Macht (<a href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-ende\">Lernzettel Ende der Weimarer Republik</a>).</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Verfassung“ (Hugo Preuß, „Ersatzkaiser“, Misstrauen gegen die Parteiendemokratie, Parteien nicht anerkannt, Grundrechte, Volksentscheide). Eberts Gebrauch von Art. 48 im Jahr 1923: Deutscher Bundestag, „Die Rolle des Reichstages in der Hyperinflationskrise“ und Interview mit Walter Mühlhausen (100 Jahre Weimar).</p>\n\n<h4>Belastungen von Anfang an</h4>\n<ul>\n<li><strong>Versailles:</strong> Im Juni 1919 billigte die Nationalversammlung unter alliierter Drohung den Friedensvertrag, unterzeichnet am 28. Juni. Deutschland verlor ein Siebtel seines Gebiets, alle Kolonien, musste abrüsten und Reparationen zahlen. Wegen des „Kriegsschuldartikels“ lehnten fast alle Parteien ihn als „Diktat“ ab, und die Republik wurde mit ihm verbunden.</li>\n<li><strong>Dolchstoßlegende:</strong> Die Oberste Heeresleitung hatte im Herbst 1918 selbst den Waffenstillstand verlangt. Trotzdem behauptete Paul von Hindenburg am 18. November 1919 vor einem Untersuchungsausschuss, das Heer sei „von hinten erdolcht worden“. So wurden die Demokraten für die Niederlage verantwortlich gemacht.</li>\n<li><strong>Gewalt von rechts und links:</strong> Putschversuche und politische Morde prägten die ersten Jahre, bis zum Krisenjahr 1923.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Versailles“, „Dolchstoßlegende“. Die Abstimmung über den Vertrag datiert LeMO einmal auf den 22. und einmal auf den 23. Juni 1919.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Sieg der Demokratie oder „steckengebliebene“ Revolution?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ältere Deutung:</strong> Lange galt fast unbestritten, dass es 1918/19 nur die Wahl gab zwischen einer „Rätediktatur“ nach russischem Vorbild und einer parlamentarischen Demokratie im Bündnis mit den alten Kräften. Ebert habe die Demokratie gerettet.</li>\n<li><strong>Kritische Deutung seit den 1960er-Jahren:</strong> Studien zu den Arbeiter- und Soldatenräten, etwa von Eberhard Kolb, zeigten deren demokratisches Potenzial und ihren Reformwillen. Daraus folgte harte Kritik an der SPD-Führung: Sie habe die Chance verpasst, Militär, Verwaltung und Wirtschaft zu demokratisieren; die Revolution sei „steckengeblieben“.</li>\n<li><strong>Heutige Sicht:</strong> Ob die Räte genug Rückhalt für eine entschlossene Demokratisierung boten, wird wieder skeptischer gesehen. Der Politikwissenschaftler Richard Löwenthal argumentierte, in einer arbeitsteiligen Industriegesellschaft sei ein Austausch der Eliten kaum möglich, ohne Versorgung und Ordnung zu gefährden. Die Kritik an der SPD wird dadurch relativiert, aber nicht aufgehoben.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Ursula Büttner, „Ausgeforscht? Die Weimarer Republik als Gegenstand historischer Forschung“, Aus Politik und Zeitgeschichte (bpb), 27.04.2018, mit Verweis auf Eberhard Kolb, „Die Arbeiterräte in der deutschen Innenpolitik 1918 bis 1919“, und Richard Löwenthal, Historische Zeitschrift 1981. Ein längerer Auszug steht auf <a href=\"?category=Methoden&card=hh-ge-darstellung\">dem Lernzettel Darstellungen analysieren</a>.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Handlungsspielraum:</strong> Welche Wege standen Ebert offen, und welche Folgen drohten (Bürgerkrieg, Hunger, alliierte Besetzung)?</li>\n<li><strong>Ziel und Ergebnis:</strong> Wurde die Demokratie gesichert, und um welchen Preis (alte Eliten im Amt, Spaltung der Linken)?</li>\n<li><strong>Verfassung und politische Kultur:</strong> Lag die Schwäche im Text oder bei denen, die ihn anwenden sollten?</li>\n<li><strong>Zeitbezug:</strong> Was konnten die Akteure 1918/19 wissen, was wissen wir erst wegen 1933?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Errungenschaften und strukturelle Defizite der Weimarer Reichsverfassung“)</span>\n<p>1. Arbeiten Sie aus M 1 die Grundzüge der politischen Ordnung heraus. (AFB I bis II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie die Machtverteilung zwischen Reichstag und Reichspräsident. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, inwieweit die Weimarer Reichsverfassung eine stabile Demokratie ermöglichte. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Republik und Volkssouveränität (Art. 1), allgemeines, gleiches, geheimes Wahlrecht für Männer und Frauen ab 20 nach Verhältniswahl (Art. 22), Direktwahl des Präsidenten (Art. 41), Abhängigkeit der Regierung vom Reichstag (Art. 54), Gleichheit vor dem Gesetz und gleiche staatsbürgerliche Rechte (Art. 109). Befund: eine parlamentarische Demokratie mit einem zweiten, ebenfalls vom Volk gewählten Machtzentrum.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Reichstag: Gesetzgebung, Haushalt, Kontrolle, Misstrauensvotum (Art. 54). Präsident: Wahl alle sieben Jahre, Ernennung und Entlassung des Kanzlers (Art. 53), Auflösung des Reichstags (Art. 25), Notverordnungen (Art. 48), Oberbefehl. Erwartet wird die Wechselwirkung: Ein Kanzler konnte mit dem Präsidenten regieren, wenn der Reichstag keine Mehrheit fand, und hob der Reichstag eine Notverordnung auf, konnte der Präsident ihn auflösen.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Urteil mit Kriterium. Dafür: weitgehende Grundrechte, Frauenwahlrecht, parlamentarische Verantwortung der Regierung; bis 1930 arbeiteten die meisten Regierungen mit dem Parlament. Dagegen: Art. 48 und 25 boten einen Weg am Reichstag vorbei, die Verhältniswahl ohne Sperrklausel erschwerte Mehrheiten, die Verfassung schützte sich nicht gegen ihre Feinde. Ein mögliches Urteil: Die Verfassung ermöglichte eine Demokratie, sicherte sie aber nicht ab; ob sie hielt, hing an den Parteien, am Präsidenten und an der Bereitschaft der Eliten. Für die oberen Noten: Hinweis, dass die Forschung diese Gewichtung unterschiedlich vornimmt und das Grundgesetz 1949 aus diesen Schwächen Lehren zog.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Erkläre mit dem Schema, wie ein Reichskanzler ab 1930 ohne Mehrheit im Reichstag regieren konnte. b) Nenne zwei Belastungen der Republik, die nicht in der Verfassung lagen.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Der Reichspräsident ernannte ihn (Art. 53) und erließ für ihn Notverordnungen (Art. 48). Wollte der Reichstag die Verordnungen aufheben, konnte der Präsident ihn auflösen (Art. 25). So regierte der Kanzler mit dem Präsidenten statt mit dem Parlament.</p>\n<p>b) Zum Beispiel der Versailler Vertrag, der als „Diktat“ mit der Republik verbunden wurde, die Dolchstoßlegende, die Spaltung der Arbeiterschaft oder die alten Eliten in Militär, Justiz und Verwaltung, die der Republik fernstanden.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Revolution gleich KPD.</strong> Die Mehrheit der Arbeiterschaft folgte der SPD und wollte eine parlamentarische Republik; selbst der Rätekongress stimmte für Wahlen.</li>\n<li><strong>Art. 48 als Fehler von Anfang an.</strong> Ebert nutzte ihn in den Krisen der ersten Jahre, etwa 1923, um die Republik zu schützen; zur Gefahr wurde er, als er ab 1930 zum Dauerzustand wurde.</li>\n<li><strong>Frauenwahlrecht erst 1949.</strong> Frauen wählten schon am 19. Januar 1919.</li>\n<li><strong>Scheidemann und Liebknecht verwechseln.</strong> Scheidemann rief die „Deutsche Republik“ aus, Liebknecht die „sozialistische Republik“.</li>\n<li><strong>NS-nahe Begriffe übernehmen.</strong> „Dolchstoß“ und „Diktat“ sind Kampfbegriffe der Gegner der Republik; setz sie in Anführungszeichen.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-moderne\">Moderne: Großstadt, Frauenbewegung, Massenkultur, Theorien</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-ende\">Das Ende von Weimar 1930–1933</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hh-ge-darstellung\">Darstellungen analysieren: Texte von Historikern</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-weimar-gruendung -->"
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      "cat": "Weimarer Republik",
      "title": "Versailler Vertrag und Völkerbund",
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      "short": "Versailler Vertrag 1919 einfach erklärt: Wilsons 14 Punkte, Ziele der Sieger, Gebietsverluste, Reparationen, Kriegsschuldartikel 231, Völkerbund, Pariser Vorortverträge und die Frage, warum der Frieden nicht hielt, mit Originalquelle und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-versailles -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Versailler Vertrag und Pariser Friedensordnung 1919/20</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Fragt die Klausur zum Versailler Vertrag, prüft sie, ob du eine Entwicklung erklären und einordnen kannst; Punkte gibt es, wenn du Material und Wissen verbindest und dein Urteil begründest. Im Januar 1919 trafen sich die Sieger des Ersten Weltkriegs in Paris, um eine neue Ordnung für Europa und die Welt zu schaffen. Der Vertrag mit Deutschland, unterschrieben am 28. Juni 1919 in Versailles, nahm dem Reich ein Siebtel seines Gebiets, alle Kolonien und fast das ganze Militär und verpflichtete es zu Reparationen. Artikel 231 machte Deutschland und seine Verbündeten als „Urheber“ für alle Schäden verantwortlich; in Deutschland las man ihn als Schuldspruch und bekämpfte den ganzen Vertrag als „Diktat“. Der neu gegründete Völkerbund sollte künftige Kriege verhindern, doch die USA traten nicht bei. Ob der Frieden zu hart, zu weich oder einfach überfordert war, ist bis heute umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt · gA und eA</span>\n<p>Schwerpunkt I 2027: „Die Weimarer Republik“. Inhaltsfeld für beide Niveaus:</p>\n<ul>\n<li>„Von der Novemberrevolution bis zur Währungsstabilisierung“</li>\n</ul>\n<p>Der Rahmenplan nennt dazu unter anderem: „Der Versailler Vertrag“.</p>\n<p>Quelle: <a href=\"https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1074128/9a9b1afacd506b6058cb4c3379abaeb6/abitur-a-heft-2027-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben, Abitur 2027 (A-Heft)</a>, Abschnitt 15 Geschichte; Rahmenplan Geschichte, Bildungsplan Studienstufe 2022.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Ein Friedensvertrag beendet einen Krieg nicht nur auf dem Papier. Er legt fest, wer welches Gebiet bekommt, wer für die Schäden zahlt und wie man einen neuen Krieg verhindert. 1919 war das schwieriger als je zuvor: Vier Kaiserreiche waren zerfallen (das deutsche, das österreichisch-ungarische, das russische und das osmanische), Millionen Tote waren zu beklagen, und in Osteuropa wurde weiter gekämpft.</p>\n<p>Die Sieger wollten Verschiedenes. Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson wollte eine neue Weltordnung mit offener Diplomatie und einem <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Völkerbund<span class=\"wort-erkl\">internationale Organisation ab 1920 mit Sitz in Genf; die Mitglieder sollten Streit friedlich lösen und gemeinsam gegen einen Angreifer vorgehen (kollektive Sicherheit)</span></span>. Frankreich wollte vor allem Sicherheit vor Deutschland. Großbritannien wollte Deutschland als Flotten- und Kolonialmacht ausschalten, aber Europa nicht aus dem Gleichgewicht bringen. In der Klausur sollst du die Bestimmungen kennen, die Folgen für die Weimarer Republik erklären und beurteilen, ob der Vertrag den Frieden sichern konnte.</p>\n</div>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Artikel 231 des Versailler Vertrags <span>· Links das, was im Text steht, rechts, wie er in Deutschland verstanden wurde.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 274\" role=\"img\" aria-labelledby=\"vs-t vs-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"vs-t\">Artikel 231 des Versailler Vertrags: Wortlaut und Wirkung</title>\n<desc id=\"vs-d\">Links der Wortlaut: Artikel 231 steht im Teil Wiedergutmachungen, nennt Deutschland und seine Verbündeten Urheber der Schäden und den Krieg einen Angriff, das Wort Schuld kommt nicht vor, Artikel 232 räumt ein, dass Deutschland nicht alles ersetzen kann. Rechts die Wirkung in Deutschland: Kriegsschuldartikel, Diktat und Schandfrieden, Ablehnung fast aller Parteien, Schuldbestreiten der Rechten.</desc>\n<text x=\"180\" y=\"14\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Artikel 231: Wortlaut und Wirkung</text>\n<text x=\"90\" y=\"38\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Was im Vertrag steht</text>\n<text x=\"270\" y=\"38\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Wie man es in Deutschland las</text>\n<rect x=\"10\" y=\"48\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"90\" y=\"65\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Teil VIII „Wiedergutmachungen“,</text>\n<text x=\"90\" y=\"78\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">also Grund der Reparationen</text>\n<rect x=\"10\" y=\"100\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"90\" y=\"117\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Deutschland und Verbündete</text>\n<text x=\"90\" y=\"130\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">als „Urheber“ der Schäden</text>\n<rect x=\"10\" y=\"152\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"90\" y=\"169\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Der Krieg heißt „Angriff“;</text>\n<text x=\"90\" y=\"182\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">das Wort „Schuld“ fehlt</text>\n<rect x=\"10\" y=\"204\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"90\" y=\"221\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Art. 232: Deutschland kann</text>\n<text x=\"90\" y=\"234\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">nicht alles ersetzen</text>\n<rect x=\"190\" y=\"48\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"270\" y=\"65\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">„Kriegsschuldartikel“:</text>\n<text x=\"270\" y=\"78\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Schuldspruch gegen Deutschland</text>\n<rect x=\"190\" y=\"100\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"270\" y=\"117\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Vertrag als „Diktat“ und</text>\n<text x=\"270\" y=\"130\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">„Schandfrieden“</text>\n<rect x=\"190\" y=\"152\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"270\" y=\"169\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Fast alle Parteien lehnen</text>\n<text x=\"270\" y=\"182\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">den Vertrag ab</text>\n<rect x=\"190\" y=\"204\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"270\" y=\"221\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Rechte: Schuld bestreiten,</text>\n<text x=\"270\" y=\"234\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Republik wird zum Sündenbock</text>\n<line x1=\"172\" y1=\"150\" x2=\"181\" y2=\"150\" stroke=\"#64748b\" stroke-opacity=\"0.8\" stroke-width=\"1.5\"/><polygon points=\"188,150 181.0,153.5 181.0,146.5\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"180\" y=\"262\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Die Wirkung ging über den Wortlaut hinaus</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Links das, was im Text steht, rechts, wie er in Deutschland verstanden wurde; beides zusammen erklärt, warum der Artikel so stark wirkte.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Die Ziele der Sieger</h4>\n<ul>\n<li><strong>USA, Woodrow Wilson:</strong> Seine 14 Punkte vom 8. Januar 1918 forderten unter anderem offene Verträge, Freiheit der Meere, Abrüstung, Grenzen „nach den klar erkennbaren Linien der Nationalität“, einen unabhängigen polnischen Staat und eine „allgemeine Gesellschaft von Nationen“. Das Wort Selbstbestimmung steht nicht darin, es wurde aber zum Schlagwort für sein Programm.</li>\n<li><strong>Frankreich, Georges Clemenceau:</strong> Sicherheit vor dem größeren Nachbarn, das Rheinland als Puffer, Entschädigung für den zerstörten Norden Frankreichs.</li>\n<li><strong>Großbritannien, David Lloyd George:</strong> keine deutsche Flotte und keine Kolonien mehr, hohe Reparationen (im Wahlkampf 1918 hieß es „Germany must pay“), aber kein französisches Übergewicht auf dem Kontinent.</li>\n</ul>\n<p>Entschieden wurde im Rat der Vier: Wilson, Lloyd George, Clemenceau und der Italiener Vittorio Orlando. Deutschland durfte nicht mitverhandeln; es bekam im Mai 1919 einen fertigen Entwurf und konnte nur schriftlich Einwände erheben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Wilsons 14 Punkte: documentArchiv.de (nach: Der Waffenstillstand 1918–1919, Bd. 1, Berlin 1928, S. 3–6). Rat der Vier: Jörn Leonhard, „Erwartung und Überforderung“, APuZ 15/2019 (bpb). „Germany must pay“: Eckart Conze, „Verhasster Vertrag“, APuZ 15/2019 (bpb).</p>\n\n<h4>Das Material: der umstrittenste Artikel</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Friedensvertrag von Versailles, 28. Juni 1919, Artikel 231 und 232 (Auszug)</span>\n<p>Art. 231: „Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.“</p>\n<p>Art. 232: „Die alliierten und assoziierten Regierungen erkennen an, daß die Hilfsmittel Deutschlands […] nicht ausreichen, um die volle Wiedergutmachung aller dieser Verluste und Schäden sicherzustellen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Reichsgesetzblatt 1919, S. 985–1051, Teil VIII „Wiedergutmachungen“, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Artikel 231 steht im Teil über die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Reparationen<span class=\"wort-erkl\">Wiedergutmachung: Zahlungen und Sachleistungen (Kohle, Schiffe, Vieh) eines Kriegsverlierers an die Sieger für Kriegsschäden</span></span>. Er begründet, warum Deutschland zahlen soll, und nennt den Krieg einen „Angriff“. Das Wort „Schuld“ kommt nicht vor. Artikel 232 gibt sogar zu, dass Deutschland nicht alles bezahlen kann. In Deutschland wurde der Artikel trotzdem als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Kriegsschuldartikel“<span class=\"wort-erkl\">deutsche Bezeichnung für Art. 231: als hätten die Sieger Deutschland die alleinige moralische Schuld am Krieg zugeschrieben</span></span> verstanden. Fast alle Parteien, von der äußersten Rechten bis zur SPD, lehnten den Vertrag deshalb als „Diktat-“ und „Schandfrieden“ ab.</p>\n\n<h4>Was der Vertrag bestimmte</h4>\n<ul>\n<li><strong>Gebiete:</strong> Deutschland verlor ein Siebtel seines Gebiets mit einem Zehntel seiner Bevölkerung. Elsass-Lothringen ging an Frankreich, Posen und Westpreußen an Polen (der „Korridor“ trennte Ostpreußen vom Reich), das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei. Danzig wurde Freie Stadt unter dem Völkerbund, das Memelgebiet kam unter alliierte Kontrolle. Abstimmungen 1920 brachten Eupen-Malmedy an Belgien und teilten Nordschleswig mit Dänemark; im südlichen Ostpreußen stimmten fast alle für den Verbleib beim Reich. Das Saargebiet kam für 15 Jahre unter den Völkerbund. Alle Kolonien gingen verloren.</li>\n<li><strong>Militär:</strong> Heer von 100.000 Berufssoldaten, Marine von 15.000 Mann, keine Luftstreitkräfte und keine schweren Waffen, überwacht von einer Kontrollkommission. Das linke Rheinufer wurde für 15 Jahre besetzt, das Rheinland entmilitarisiert.</li>\n<li><strong>Verbot des Anschlusses:</strong> Deutschland und Österreich durften sich nicht zusammenschließen, obwohl beide es wollten.</li>\n<li><strong>Reparationen:</strong> Der Vertrag nannte keine Summe. Erst 1921 forderten die Sieger im <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Londoner Ultimatum<span class=\"wort-erkl\">Forderung der Alliierten vom Mai 1921, die Summe von 132 Milliarden Goldmark anzunehmen; sonst drohte die Besetzung des Ruhrgebiets</span></span> 132 Milliarden Goldmark.</li>\n<li><strong>Völkerbund:</strong> Seine Satzung steht am Anfang des Vertrags. Die früheren deutschen Kolonien und osmanischen Gebiete wurden <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mandate<span class=\"wort-erkl\">Gebiete, die der Völkerbund einer Siegermacht zur Verwaltung übergab, mit dem Auftrag, sie auf die Selbstständigkeit vorzubereiten; in der Praxis oft Kolonien unter neuem Namen</span></span>.</li>\n</ul>\n<p>Die Nationalversammlung billigte den Vertrag am 22. Juni 1919 mit 237 gegen 138 Stimmen. Die Regierung Scheidemann war vorher zurückgetreten, um nicht unterschreiben zu müssen. Militärischer Widerstand galt selbst der Heeresführung als aussichtslos. Am 28. Juni unterzeichneten Außenminister Hermann Müller (SPD) und Verkehrsminister Johannes Bell (Zentrum) im Spiegelsaal von Versailles, wo 1871 das Kaiserreich ausgerufen worden war. In Kraft trat der Vertrag am 10. Januar 1920.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO (Deutsches Historisches Museum), „Der Versailler Vertrag“; Londoner Ultimatum und 132 Milliarden: Conze (s. o.).</p>\n\n<h4>Die Pariser Friedensordnung: mehr als Versailles</h4>\n<p>Mit den anderen Verlierern schlossen die Sieger eigene Verträge, benannt nach Orten bei Paris: Saint-Germain (Österreich), Trianon (Ungarn), Neuilly (Bulgarien) und Sèvres (Osmanisches Reich). Sèvres wurde nie ratifiziert; 1923 trat an seine Stelle der Vertrag von Lausanne mit der neuen Türkei. Zusammen nennt man sie die Pariser Friedensordnung.</p>\n<ul>\n<li><strong>Neue Staaten:</strong> Polen, die Tschechoslowakei, das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, die baltischen Staaten. Nach dem Grundsatz der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Selbstbestimmung<span class=\"wort-erkl\">jedes Volk soll selbst entscheiden, zu welchem Staat es gehört und wie es regiert wird</span></span> sollten Nationalstaaten entstehen. Weil die Völker in Ostmitteleuropa gemischt lebten, entstanden in Wahrheit neue Nationalitätenstaaten mit großen Minderheiten.</li>\n<li><strong>Minderheiten:</strong> Die Zahl der Menschen, die dort unter einer fremden Nationalität lebten, sank von 60 auf 30 Millionen. Minderheitenschutzverträge sollten die übrigen schützen.</li>\n<li><strong>Zwangsmigration:</strong> Die Vertragsmacher vermieden Umsiedlungen, mit brutalen Ausnahmen: 1923 der Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei, dazu Ausweisungen von Deutschen aus Elsass-Lothringen.</li>\n<li><strong>Enttäuschte Hoffnungen außerhalb Europas:</strong> Die Selbstbestimmung galt nicht für die Kolonien. Japans Forderung nach einer Klausel gegen Rassendiskriminierung in der Völkerbundsatzung scheiterte. In Korea und China kam es 1919 zu Protesten, auch weil Japan das frühere deutsche Kiautschou bekam.</li>\n</ul>\n<p>Wilson selbst sagte im August 1919 vor dem US-Senat, er habe vom Selbstbestimmungsrecht „ohne das Wissen um all die Nationalitäten“ gesprochen, die „Tag für Tag“ zu ihm kämen. Der Senat lehnte den Vertrag ab; die USA traten dem Völkerbund nie bei. Deutschland wurde erst 1926 Mitglied und trat 1933 aus. Gegen Japan (Mandschurei 1931) und Italien (Abessinien 1935) blieb der Bund machtlos.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Alan Sharp, „‚Mit Dynamit geladen‘. Das Prinzip nationaler Selbstbestimmung und sein globales Vermächtnis“, APuZ 15/2019 (bpb), dort auch Wilsons Senatsrede vom 19. August 1919; Leonhard (s. o.) für Nationalitätenstaaten, Minderheitenschutz und die japanische Klausel.</p>\n\n<h4>Die Reparationen: Streit über Jahre</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>1919:</strong> Pflicht zu zahlen, aber keine Summe, weil sich die Sieger nicht einigen konnten. Deutschland selbst hatte 100 Milliarden Goldmark (zinsfrei) angeboten.</li>\n<li><strong>1921:</strong> Londoner Ultimatum über 132 Milliarden Goldmark.</li>\n<li><strong>1923:</strong> Frankreich und Belgien besetzen das Ruhrgebiet, weil Lieferungen ausbleiben; Ruhrkampf und Hyperinflation folgen.</li>\n<li><strong>1924, Dawes-Plan:</strong> Die Gesamtsumme bleibt, aber die Jahresraten richten sich nach der deutschen Wirtschaftskraft; amerikanische Kredite fließen.</li>\n<li><strong>1929, Young-Plan:</strong> Die Summe sinkt deutlich, Zahlungen sind bis 1988 vorgesehen. Die Rechte mit der NSDAP kämpft mit einem Volksbegehren dagegen.</li>\n<li><strong>1931/32:</strong> In der Weltwirtschaftskrise erst ein Zahlungsaufschub, 1932 das faktische Ende der Reparationen.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Conze (s. o.), Abschnitt „Kernfrage Reparationen“.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>So hängt alles zusammen: Art. 231 begründet die Reparationen. Weil die Deutschen den Artikel als moralische Verurteilung lasen, wurde die Kriegsschuldfrage zum Hebel gegen den ganzen Vertrag. Wer die Schuld des Kaiserreichs bestritt, entlastete zugleich die alte Führung und machte die Republik, die unterschrieben hatte, zum Sündenbock. Zusammen mit der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Dolchstoßlegende<span class=\"wort-erkl\">die Lüge, das deutsche Heer sei im Krieg unbesiegt gewesen und von Revolutionären in der Heimat „von hinten erdolcht“ worden</span></span> wurde „Versailles“ so zur Waffe gegen die Demokratie. Die Revision des Vertrags war das Ziel jeder Weimarer Regierung; Stresemann suchte sie durch Verständigung, Hitler durch Bruch des Vertrags.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: zu hart, zu weich oder überfordert?</h4>\n<ul>\n<li><strong>„Karthagischer Frieden“:</strong> Der britische Ökonom John Maynard Keynes, Mitglied der britischen Delegation, hielt den Vertrag für einen Frieden der Vernichtung, wirtschaftlich unvernünftig. In Deutschland wurde er zum Kronzeugen aller Gegner des Vertrags. Noch 1984 schrieb der US-Diplomat George F. Kennan, der „dumme und demütigende Straffrieden“ habe den Zweiten Weltkrieg hervorgebracht.</li>\n<li><strong>Zu weich:</strong> Für viele französische Politiker ließ der Vertrag Deutschland zu stark, weil das Rheinland nur vorübergehend besetzt wurde.</li>\n<li><strong>Neuere Forschung:</strong> Eckart Conze urteilt, Versailles sei „kein milder, aber auch kein ‚karthagischer Frieden‘“ gewesen: Deutschland blieb Staat und „potenzielle Großmacht“. Jörn Leonhard nennt ihn einen „überforderten Frieden“: Er sollte zu viele Probleme auf einmal lösen und schuf zugleich neue Institutionen wie Völkerbund und Minderheitenschutz, mit denen man ihn hätte weiterentwickeln können.</li>\n<li><strong>Versailles als Ursache für Hitler?</strong> Der Historiker Friedrich Meinecke nannte 1930 den Vertrag „die letzte und stärkste Ursache des Nationalsozialismus“. Conze hält dagegen: Nicht der Vertrag, sondern ein radikaler Nationalismus habe Europa in den nächsten Krieg gestürzt; wer den Erfolg der NSDAP allein mit Versailles erkläre, wolle meist Deutschland von Verantwortung freisprechen.</li>\n</ul>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Eckart Conze, Historiker, 2019</span>\n<p>„Versailles war nicht die Ursache für den rechten Hass auf die Republik und ihre demokratischen Repräsentanten (der von Anfang an antisemitisch aufgeladen war), aber dieser Hass fand im Friedensschluss neue Nahrung und in den Augen seiner Träger neue Bestätigung.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eckart Conze, „Verhasster Vertrag. ‚Versailles‘ als Propagandawaffe gegen die Weimarer Republik“, APuZ 15/2019 (bpb).</p>\n</div>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Friedenssicherung:</strong> Machte der Vertrag einen neuen Krieg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher? Band er den Verlierer ein?</li>\n<li><strong>Durchsetzbarkeit:</strong> Hatten die Sieger den Willen und die Mittel, ihn durchzusetzen, nachdem die USA sich zurückzogen?</li>\n<li><strong>Angemessenheit:</strong> Standen Gebietsverluste und Reparationen im Verhältnis zu den Schäden und zu dem, was Deutschland 1918 im Frieden von Brest-Litowsk Russland auferlegt hatte?</li>\n<li><strong>Prinzipien:</strong> Hielt sich der Vertrag an Wilsons eigene Grundsätze, etwa beim Anschlussverbot?</li>\n<li><strong>Zeitbezug:</strong> Urteilst du aus der Sicht von 1919 oder vom Wissen um 1933 und 1939 her?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „beurteilen die Bedeutung des Kriegsschuldartikels im Versailler Vertrag für die Friedenssicherung in Europa“)</span>\n<p>1. Geben Sie die Aussagen von M 1 wieder und ordnen Sie den Artikel in den Vertrag ein. (AFB I und II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, warum Artikel 231 in Deutschland eine viel größere Wirkung hatte, als sein Wortlaut nahelegt. Beziehen Sie M 2 ein. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie die Bedeutung des Kriegsschuldartikels für die Friedenssicherung in Europa. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Art. 231: Deutschland erkennt an, dass es und seine Verbündeten „als Urheber“ für alle Verluste und Schäden der Sieger verantwortlich sind, die durch ihren „Angriff“ entstanden. Art. 232: Die Sieger erkennen an, dass Deutschland nicht alles ersetzen kann. Einordnung: Teil VIII „Wiedergutmachungen“, also Rechtsgrund der Reparationen; Summe 1919 offen, 1921 132 Milliarden Goldmark.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Die Deutschen lasen den Artikel als moralischen Schuldspruch. Fast alle Parteien lehnten den Vertrag als „Diktat“ ab, Deutschland war von den Verhandlungen ausgeschlossen. Die Rechte bestritt die Schuld, um das Kaiserreich zu entlasten, und machte die Republik, die unterschreiben musste, zum Schuldigen (Dolchstoßlegende). M 2: Conze sieht den Vertrag nicht als Ursache, aber als „neue Nahrung“ für einen Hass, den es schon gab. Beispiel: Kampagne gegen den Young-Plan 1929.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Belastend:</em> Der Artikel stiftete einen Anti-Versailles-Konsens, der die Revision zum Ziel aller Regierungen machte und Republikfeinden ein Thema gab; er erschwerte die Aussöhnung mit Frankreich (Ruhrbesetzung 1923). <em>Relativierend:</em> Nicht der Wortlaut, sondern seine Deutung und Ausnutzung schadeten; mit Dawes-Plan, Locarno und Völkerbundbeitritt 1926 gab es Wege der Verständigung; den Krieg 1939 wollte Hitler aus anderen Gründen (Lebensraum, Rassenideologie), nicht nur um Versailles zu revidieren. Ein gelungenes Urteil: Der Artikel war für die Friedenssicherung eine schwere Hypothek, weil er Deutschland nicht einband, sondern beschämte; entscheidend wurde aber, was die deutsche Politik daraus machte. Für die oberen Noten: Du trennst Wortlaut und Wirkung und kennzeichnest Keynes, Conze und Leonhard als Positionen.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Vergleiche den Wiener Kongress 1815 und Versailles 1919 an einem Kriterium: Wie wurde der Verlierer behandelt?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>1815 verhandelte Frankreich in Wien mit und wurde 1818 wieder in den Kreis der Großmächte aufgenommen. 1919 war Deutschland von den Verhandlungen ausgeschlossen, musste Art. 231 anerkennen und kam erst 1926 in den Völkerbund. 1815 wurde der Verlierer eingebunden, 1919 blieb er draußen. Das förderte in Deutschland den Wunsch, den Vertrag zu revidieren, statt ihn mitzutragen.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„Im Vertrag steht, Deutschland sei schuld am Krieg.“</strong> Art. 231 spricht von Verantwortung „als Urheber“ für Schäden; die Deutung als Schuldspruch machte ihn politisch wirksam.</li>\n<li><strong>Versailles als alleinige Ursache für Hitler.</strong> Er belastete die Republik; Weltwirtschaftskrise, Eliten und NSDAP-Propaganda gehören dazu.</li>\n<li><strong>Die USA als Mitglied des Völkerbunds.</strong> Wilsons Idee, aber der Senat lehnte den Beitritt ab.</li>\n<li><strong>Die Reparationssumme von 1919.</strong> Der Vertrag nannte keine Summe; 132 Milliarden Goldmark kamen erst 1921.</li>\n<li><strong>Nur Deutschland betrachten.</strong> Die Friedensordnung umfasste fünf Verträge und neue Staaten von der Ostsee bis zum Nahen Osten.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-gruendung\">Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hh-ge-urteil\">Sachurteil und Werturteil</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-versailles -->"
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    {
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      "cat": "Weimarer Republik",
      "title": "Krisenjahre der Weimarer Republik 1919–1923",
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      "short": "Krisenjahre der Weimarer Republik 1919 bis 1923 einfach erklärt: politische Gewalt von links und rechts, Kapp-Lüttwitz-Putsch und Generalstreik 1920, Morde an Erzberger und Rathenau, Republikschutz, Gumbels Statistik, Krisenjahr 1923 mit Hitlerputsch, Wirths Rede im Wortlaut, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-weimar-krisenjahre -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Krisenjahre der Weimarer Republik 1919–1923</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Fragt die Klausur zu den Krisenjahren der Weimarer Republik, prüft sie, ob du eine Entwicklung erklären und einordnen kannst; Punkte gibt es, wenn du Material und Wissen verbindest und dein Urteil begründest. In ihren ersten fünf Jahren wurde die Weimarer Republik von links und von rechts mit Gewalt angegriffen. Den Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920 beendeten ein Generalstreik und Beamte, die den Putschisten nicht gehorchten; die Reichswehr dagegen weigerte sich, die Regierung zu verteidigen. Rechtsradikale ermordeten 1921 Matthias Erzberger und 1922 Außenminister Walther Rathenau; die Republik antwortete mit Gesetzen zu ihrem Schutz, doch Gerichte bestraften rechte Täter weit milder als linke. 1923 kamen Ruhrbesetzung, Hyperinflation, Umsturzversuche von links und Hitlers Putsch zusammen, und trotzdem überstand die Republik das Jahr. Ob sie damit ihre Stärke bewies oder nur Glück hatte, ist eine Deutungsfrage.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt · gA und eA</span>\n<p>Schwerpunkt I 2027: „Die Weimarer Republik“. Inhaltsfeld für beide Niveaus:</p>\n<ul>\n<li>„Von der Novemberrevolution bis zur Währungsstabilisierung“</li>\n</ul>\n<p>Der Rahmenplan nennt dazu unter anderem: „Politische Gewalt von rechts und links“, „Ruhrbesetzung und Hyperinflation“.</p>\n<p>Quelle: <a href=\"https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1074128/9a9b1afacd506b6058cb4c3379abaeb6/abitur-a-heft-2027-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben, Abitur 2027 (A-Heft)</a>, Abschnitt 15 Geschichte; Rahmenplan Geschichte, Bildungsplan Studienstufe 2022.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Eine Demokratie braucht ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Gewaltmonopol<span class=\"wort-erkl\">nur der Staat darf Gewalt anwenden, durch Polizei und Armee, nach Recht und Gesetz; private Truppen und Selbstjustiz sind verboten</span></span>: Nur der Staat darf Gewalt anwenden, und Streit wird mit Wahlen und Gerichten ausgetragen. Nach dem Ersten Weltkrieg galt das in Deutschland nicht. Millionen Männer kamen aus dem Krieg, viele waren an Gewalt gewöhnt, Waffen gab es überall, und viele lehnten die neue Republik ab.</p>\n<p>Gewalt kam von zwei Seiten. Die radikale Linke wollte die Revolution von 1918 zu einer Räterepublik weitertreiben. Die radikale Rechte wollte die Republik stürzen, die sie für Niederlage und Versailler Vertrag verantwortlich machte. In Klausuren sollst du beide Seiten unterscheiden und zeigen, wie die Republik sich wehrte, wer sie verteidigte und wer nicht. Daran misst man, wie <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">wehrhaft<span class=\"wort-erkl\">fähig und bereit, sich gegen die eigenen Feinde zu verteidigen</span></span> sie war.</p>\n</div>\n\n<h4>Gewalt von links</h4>\n<ul>\n<li><strong>Januar 1919:</strong> Regierungstruppen und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Freikorps<span class=\"wort-erkl\">Freiwilligenverbände meist rechtsgerichteter Soldaten, die die Regierung gegen Aufständische einsetzte</span></span> schlugen den Spartakusaufstand in Berlin nieder (<a href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-gruendung\">Karte Novemberrevolution</a>). Im Frühjahr 1919 folgte die Niederschlagung der Münchner Räterepublik.</li>\n<li><strong>März 1920, „Rote Ruhrarmee“:</strong> Im Generalstreik gegen den Kapp-Putsch übernahmen im Ruhrgebiet Räte von USPD und KPD die Macht; eine Arbeiterarmee von rund 50.000 Bewaffneten kontrollierte das Revier. Regierungstruppen und Freikorps, darunter die Putschisten der Brigade Ehrhardt, schlugen den Aufstand im April mit großer Härte nieder.</li>\n<li><strong>Oktober 1923, „deutscher Oktober“:</strong> Die KPD plante auf Drängen Moskaus einen Umsturz, brach die Pläne aber ab; nur in Hamburg kam es vom 23. bis 25. Oktober zu einem isolierten Aufstand, den die Polizei mit Dutzenden Toten niederschlug.</li>\n</ul>\n<p>Keiner dieser Aufstände hatte eine Mehrheit hinter sich. Sie verstärkten aber im Bürgertum die Angst vor einer Revolution nach russischem Vorbild.</p>\n\n<h4>Der Kapp-Lüttwitz-Putsch, März 1920</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Anlass:</strong> Der Versailler Vertrag verlangte, das Heer auf 100.000 Mann zu verkleinern. Als Reichswehrminister Noske am 29. Februar 1920 die rund 6.000 Mann starke Marinebrigade Ehrhardt auflösen sollte, widersetzte sich General Walther von Lüttwitz. Hinter ihm stand eine Verschwörergruppe um Wolfgang Kapp, die eine Militärdiktatur wollte.</li>\n<li><strong>13. März:</strong> Die Brigade besetzte das Berliner Regierungsviertel. Die Generäle lehnten einen Einsatz gegen die Putschisten ab; General Hans von Seeckt meinte, Reichswehrtruppen würden „niemals auf andere Reichswehrtruppen schießen“. Regierung und Reichspräsident flohen aus Berlin, zuletzt nach Stuttgart.</li>\n<li><strong>Ab 15. März, Generalstreik:</strong> Die SPD-Minister und Gewerkschaften riefen zum Streik auf, Millionen Beschäftigte legten die Arbeit nieder, Berlin war ohne Verkehr, Gas und Strom. Die Ministerialbeamten verweigerten Kapp den Gehorsam.</li>\n<li><strong>17. März:</strong> Kapp und Lüttwitz gaben nach vier Tagen auf.</li>\n<li><strong>Danach:</strong> Ein Amnestiegesetz vom August 1920 ließ die meisten Beteiligten straffrei, viele Verfahren wurden eingestellt. Gegen Mitglieder der Roten Ruhrarmee verhängten Gerichte dagegen viele hohe Strafen.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Deutsches Historisches Museum, „Lüttwitz-Kapp-Putsch 1920“, „Generalstreik 1920“, „Märzaufstand 1920“, „Deutscher Oktober 1923“; Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Dossier Nationalsozialismus, „Kampf um die Republik 1919–1923“ (Seeckt-Zitat, Flucht nach Stuttgart, Amnestie und Zahlen).</p>\n\n<h4>Politische Morde und Republikschutz</h4>\n<ul>\n<li><strong>August 1921, Matthias Erzberger:</strong> Der Zentrumspolitiker hatte 1918 den Waffenstillstand unterzeichnet und war Hassfigur der Rechten. Mitglieder der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Organisation Consul<span class=\"wort-erkl\">geheime rechtsterroristische Gruppe, aus der aufgelösten Marinebrigade Ehrhardt hervorgegangen; verübte politische Morde</span></span> erschossen ihn.</li>\n<li><strong>24. Juni 1922, Walther Rathenau:</strong> Der Außenminister (DDP) wurde in Berlin-Grunewald von Mitgliedern der Organisation Consul ermordet. Teile der nationalistischen Presse hatten zuvor offen gegen „den Juden Rathenau“ gehetzt; er hatte den Rapallo-Vertrag unterzeichnet und stand für die Erfüllungspolitik. In Berlin demonstrierten mehrere Hunderttausend Menschen für die Republik.</li>\n<li><strong>Republikschutz:</strong> Unmittelbar nach dem Mord erließ Reichspräsident Ebert nach Art. 48 eine Verordnung zum Schutz der Republik (M 1). Im Juli 1922 folgte das fast gleichlautende Gesetz zum Schutze der Republik: Verbote republikfeindlicher Vereine, Versammlungen und Schriften und ein eigener Staatsgerichtshof. Die Justiz wandte es nach Darstellung des Deutschen Historischen Museums aber vor allem gegen die republikfeindliche Linke an.</li>\n</ul>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Reichskanzler Joseph Wirth, Erklärung der Reichsregierung im Reichstag, 24. Juni 1922 (Auszug)</span>\n<p>„Eine rastlose und nichtswürdige Verhetzung, welche sich gegen die Staatsform richtet und ihre Diener für vogelfrei erklärt, treibt immer wieder unklare, politisch verblendete oder verwilderte Köpfe zu Mordversuchen und Mord. Ein Netz von Verschwörung droht den inneren Frieden, die Grundlage einer deutschen Erneuerung, zu zerstören. Der Mord an Rathenau ist nur ein Glied in einer Kette wohlvorbereiteter Anschläge auf die Republik.</p>\n<p>(Sehr wahr! links.)</p>\n<p>Zuerst sollen die Führer der Republik, dann soll die Republik selbst fallen. […] Dem wachsenden Terror, dem Nihilismus, […] der sich vielfach unter dem Deckmantel nationaler Gesinnung verbirgt, […] darf nicht mehr mit Nachsicht begegnet werden.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Verhandlungen des Reichstags, I. Wahlperiode 1920, Bd. 355, 235. Sitzung, 24. Juni 1922, Wortlaut nach German History in Documents and Images (GHDI), „Verordnung zum Schutze der Republik“. Amtliches Protokoll, gemeinfrei. Die Zwischenrufe stehen im Protokoll.</p>\n</div>\n<p>So liest du M 1. Wirth spricht als Regierungschef am Tag des Mordes. Er nennt den Mord kein Einzelereignis, sondern Teil einer „Kette“, und er benennt die Ursache: die „Verhetzung“, die sich „unter dem Deckmantel nationaler Gesinnung“ verbirgt, also die Rechte. Die Zwischenrufe zeigen, wer zustimmte: die Linke und die Mitte. Tags darauf verdichtete Wirth das zu dem berühmten Satz „dieser Feind steht rechts“. Als Quelle zeigt M 1, wie die Regierung die Bedrohung sah und dass sie sich wehren wollte; ob die Abwehr wirkte, zeigt erst M 2.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Emil Julius Gumbel, „Vier Jahre politischer Mord“ (1922), Übersicht der Morde 1919 bis 1922</span>\n<table>\n<thead><tr><th></th><th>von Linksstehenden begangen</th><th>von Rechtsstehenden begangen</th></tr></thead>\n<tbody>\n<tr><td>politische Morde</td><td>22</td><td>354</td></tr>\n<tr><td>davon ungesühnt</td><td>4</td><td>326</td></tr>\n<tr><td>verhängte Strafen insgesamt</td><td>10 Hinrichtungen, 248 Jahre 9 Monate Haft</td><td>90 Jahre 2 Monate Haft, 1-mal lebenslang, 730 Mark Geldstrafe</td></tr>\n</tbody>\n</table>\n<p class=\"ks-quelle\">Gumbel, Vier Jahre politischer Mord, Berlin 1922, Abschnitt „Die Sühne der politischen Morde“ und Tabellen, nach dem Volltext bei Project Gutenberg; Zahlen ebenso bei der Technischen Universität München, Pressemitteilung zu Gumbel (2017). Gumbel war Statistiker und Pazifist und schrieb als Kritiker der Justiz.</p>\n</div>\n<p>M 2 ist eine Statistik eines Zeitgenossen mit klarem Standpunkt; du musst sie deshalb als Quelle mit Perspektive behandeln. Gumbel nannte zu jedem Fall Namen, Tat und Urteil, so dass man seine Angaben nachprüfen kann. Die Zahlen zeigen zweierlei: Fast alle politischen Morde kamen von rechts, und rechte Täter blieben fast immer straflos, linke nicht. Das passt zu dem, was die Amnestie nach dem Kapp-Putsch zeigt: Viele Richter stammten aus dem Kaiserreich und standen der Republik fern.</p>\n\n<h4>1923: das Krisenjahr</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ruhrbesetzung und Hyperinflation:</strong> Ab Januar besetzten französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet; der passive Widerstand wurde mit gedrucktem Geld bezahlt, die Mark verfiel bis November auf 4,2 Billionen für einen Dollar (<a href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-aussenpolitik\">Lernzettel Weimarer Außenpolitik</a>).</li>\n<li><strong>Bayern gegen das Reich:</strong> Am 26. September verhängte die rechtskonservative bayerische Regierung den Ausnahmezustand und übertrug Gustav von Kahr diktatorische Vollmachten; Ebert verhängte daraufhin den Ausnahmezustand über das ganze Reich.</li>\n<li><strong>Sachsen und Thüringen:</strong> Als dort SPD und KPD gemeinsam regierten und bewaffnete „Proletarische Hundertschaften“ aufstellten, marschierte am 23. Oktober die Reichswehr in Sachsen ein, und die Landesregierung wurde abgesetzt (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Reichsexekution<span class=\"wort-erkl\">Zwangsmaßnahme des Reiches gegen ein Land, das seine Pflichten verletzt, nach Art. 48 Abs. 1 der Verfassung</span></span>). Gegen das rechte Bayern ging das Reich nicht so vor.</li>\n<li><strong>8./9. November, Hitlerputsch:</strong> Hitler rief im Münchner Bürgerbräukeller die „nationale Revolution“ aus. Am nächsten Tag stoppte die bayerische Landespolizei den Marsch an der Feldherrnhalle mit Schüssen, es gab Tote auf beiden Seiten. Hitler erhielt im April 1924 fünf Jahre Festungshaft mit Aussicht auf Begnadigung nach sechs Monaten, ein mildes Urteil.</li>\n<li><strong>Wende:</strong> Am 26. September endete der passive Widerstand, am 15. November kam die Rentenmark, 1924 der Dawes-Plan. Die Republik hatte überlebt.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Deutscher Oktober 1923“, „Hitler“, „Inflation“; bpb, „Kampf um die Republik 1919–1923“ (Bayern, Kahr, Ausnahmezustand, Reichsexekution, Urteil 1924). Die Zahl der Toten in Hamburg geben LeMO (rund 100) und bpb (24 Kommunisten, 17 Polizisten) verschieden an.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Woher kam die Gewalt, und warum überlebte die Republik 1923?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ursachen der Gewalt:</strong> Viele Forscher sehen im Anschluss an den Historiker George Mosse die Ursache in einer „Brutalisierung“ der Soldaten durch den Krieg. Andere halten die Erfahrung der Niederlage, die Wut über den Versailler Vertrag oder die Angst vor dem „Bolschewismus“ für wichtiger.</li>\n<li><strong>1923 und 1932 im Vergleich:</strong> Die Historikerin Ursula Büttner hält die Lage 1923 für eher noch gefährlicher als in der Endphase der Republik. Den Unterschied sieht sie in politischen Entscheidungen: 1923 wechselte die Regierung rechtzeitig den Kurs, und Ebert nutzte die Notstandsvollmachten nur vorübergehend und im Sinn der Verfassung; Hindenburg nutzte sie ab 1930, um am Parlament vorbei zu regieren.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Ursula Büttner, „Ausgeforscht? Die Weimarer Republik als Gegenstand historischer Forschung“, Aus Politik und Zeitgeschichte (bpb), 27.04.2018.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Verteidiger der Republik:</strong> Wer stand 1920 und 1923 zu ihr: Arbeiterschaft, Gewerkschaften, Beamte, Reichswehr, Justiz?</li>\n<li><strong>Mittel der Abwehr:</strong> Streik, Gesetze, Ausnahmezustand, Reichsexekution: Waren sie geeignet und wurden sie gleich gegen links und rechts eingesetzt?</li>\n<li><strong>Ergebnis:</strong> Die Republik überlebte jeden Angriff. Um welchen Preis, und mit welchen Hypotheken für später?</li>\n<li><strong>Perspektive der Quellen:</strong> Regierung (M 1) und Kritiker der Justiz (M 2) haben eigene Absichten.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Belastungen und Bewährungen der Weimarer Republik in den Jahren 1919 bis 1923“)</span>\n<p>1. Analysieren Sie M 1 und M 2. (AFB I bis II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie an zwei Beispielen, wie die Republik sich 1920 bis 1923 gegen ihre Gegner verteidigte. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, inwieweit die Weimarer Republik in den Jahren 1919 bis 1923 eine wehrhafte Demokratie war. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> M 1: Regierungserklärung des Zentrumskanzlers Wirth im Reichstag am Tag des Rathenau-Mordes, an Parlament und Öffentlichkeit gerichtet; sieht eine Verschwörung gegen die Republik, nennt die rechte Hetze als Ursache und kündigt härteres Vorgehen an; Zustimmung von links und aus der Mitte. M 2: Statistik des Pazifisten Gumbel von 1922; 354 Morde von rechts, 22 von links; von den rechten blieben 326 ungesühnt, von den linken 4. Erwartet wird der Befund, dass die Justiz mit zweierlei Maß maß, und der Hinweis auf Gumbels Standpunkt.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Zum Beispiel: Generalstreik und Gehorsamsverweigerung der Beamten beendeten 1920 den Kapp-Putsch; Verordnung und Gesetz zum Schutz der Republik 1922; Ausnahmezustand und Reichsexekution 1923; die Polizei stoppte den Hitlerputsch. Gute Antworten zeigen, wer jeweils handelte und mit welchem Ergebnis.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Urteil mit Kriterium. Dafür: Die Republik überstand alle Angriffe, Teile der Bevölkerung verteidigten sie aktiv, Regierung und Präsident nutzten ihre Mittel. Dagegen: Die Reichswehr verweigerte 1920 den Schutz, die Justiz verfolgte rechte Täter kaum (M 2), Amnestien ließen Putschisten frei, das Reich ging gegen das linke Sachsen härter vor als gegen das rechte Bayern. Ein mögliches Urteil: Die Republik war wehrhaft, wo Demokraten handelten, aber ihre eigenen Machtmittel in Armee und Justiz waren unzuverlässig; das wirkte bis 1933 nach. Für die oberen Noten: Hinweis auf den Vergleich 1923 und 1932 als Forschungsdeutung.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Ordne zu, ob die Gewalt von links oder rechts kam: Kapp-Lüttwitz-Putsch, Rote Ruhrarmee, Mord an Rathenau, Hamburger Aufstand, Hitlerputsch. b) Begründe in zwei Sätzen, warum der Kapp-Putsch scheiterte, obwohl die Reichswehr nicht eingriff.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Links: Rote Ruhrarmee 1920, Hamburger Aufstand 1923. Rechts: Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920, Mord an Rathenau 1922, Hitlerputsch 1923.</p>\n<p>b) Die Putschisten konnten nicht regieren, weil die Ministerialbeamten ihnen nicht gehorchten und der Generalstreik Verkehr, Strom und Gas lahmlegte. Die Republik wurde also von Arbeitern, Gewerkschaften und Beamten gerettet, nicht von ihrer Armee.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Kapp-Putsch und Hitlerputsch verwechseln.</strong> Kapp im März 1920 in Berlin, Hitler im November 1923 in München.</li>\n<li><strong>„Die Reichswehr verteidigte 1920 die Regierung.“</strong> Die Generäle verweigerten den Einsatz gegen die Putschisten.</li>\n<li><strong>Gewalt nur einer Seite zuschreiben.</strong> Es gab Gewalt von links und rechts; die politischen Morde kamen ganz überwiegend von rechts.</li>\n<li><strong>Gumbels Zahlen als neutrale Statistik ausgeben.</strong> Sie sind eine Quelle mit Standpunkt; nenn den Autor und seine Absicht.</li>\n<li><strong>1923 nur als Inflation erzählen.</strong> Dazu gehören Ruhrkampf, Bayern, Sachsen und Thüringen, Hamburg und der Hitlerputsch.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-gruendung\">Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-aussenpolitik\">Weimarer Außenpolitik: Reparationen, Krisenjahr 1923, Stresemann</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-versailles\">Versailler Vertrag und Völkerbund</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-ende\">Das Ende von Weimar 1930–1933</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-weimar-krisenjahre -->"
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      "short": "Weimarer Außenpolitik und „goldene“ Jahre einfach erklärt: Reparationen und Londoner Ultimatum, Rapallo, Ruhrbesetzung und Hyperinflation 1923, Rentenmark, Ära Stresemann mit Dawes-Plan, Locarno, Völkerbund und Young-Plan, Kronprinzenbrief im Wortlaut, Forschungsstreit Europäer oder Revisionist, mit Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-weimar-aussenpolitik -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Weimarer Außenpolitik und Stabilisierung 1919–1932</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Aufgabe zur Außenpolitik der Weimarer Republik verlangt in der Klausur mehr als Erzählen: Du sollst Ursachen und Folgen erklären und am Ende selbst urteilen; Punkte gibt es für genaue Begriffe und Begründungen. Fast alle Parteien der Weimarer Republik wollten den Versailler Vertrag ändern; strittig war nur, ob durch Konfrontation oder durch Verständigung. Nach dem Londoner Ultimatum von 1921 (132 Milliarden Goldmark Reparationen) und dem Ruhrkampf 1923, der in die Hyperinflation führte, setzte Außenminister Gustav Stresemann auf Verständigung mit dem Westen. Dawes-Plan 1924, Locarno 1925, Völkerbund 1926 und Young-Plan 1929 brachten tragbarere Zahlungen, ein freies Rheinland und Gleichberechtigung; dazu flossen amerikanische Kredite, und die Wirtschaft wuchs. Im Osten aber hielt Stresemann eine Revision der Grenzen zu Polen offen und pflegte die Beziehungen zur Sowjetunion. Ob er ein „guter Europäer“ war oder ein geschickter nationaler Revisionist, ist ein Forschungsstreit.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt · gA und eA</span><p>Schwerpunkt I 2027: „Die Weimarer Republik“. Inhaltsfeld für beide Niveaus:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Von der Novemberrevolution bis zur Währungsstabilisierung“</li>\n</ul>\n<p>Zusätzlich auf erhöhtem Anforderungsniveau:</p>\n<ul>\n<li>„Zwischen Verständigung und Revisionismus: Außenpolitik ab 1924“</li>\n</ul>\n<p>Der Rahmenplan nennt dazu unter anderem: „Ruhrbesetzung und Hyperinflation“, „Währungsreform als Stabilisierungsinstrument“, „Der Dawes-Plan als Grundlage relativer Stabilisierung“.</p>\n<p>Den Abschnitt zu 1923 brauchen alle, die Abschnitte zur Ära Stresemann und zum „Kronprinzenbrief“ zur Außenpolitik ab 1924 vor allem das erhöhte Niveau.</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1074128/9a9b1afacd506b6058cb4c3379abaeb6/abitur-a-heft-2027-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben, Abitur 2027 (A-Heft)</a>, Abschnitt 15 Geschichte; Rahmenplan Geschichte, Bildungsplan Studienstufe 2022.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Der Versailler Vertrag von 1919 legte fest, dass Deutschland die Kriegsschäden ersetzen muss, die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Reparationen<span class=\"wort-erkl\">Entschädigungszahlungen und Sachlieferungen eines Kriegsverlierers an die Sieger</span></span>, nannte aber noch keine Summe. Er beschränkte das Heer auf 100.000 Mann und trennte Gebiete vom Reich, im Osten vor allem an Polen. Die meisten Deutschen empfanden das als ungerecht. Das Ziel, den Vertrag zu ändern, nennt man <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Revisionismus<span class=\"wort-erkl\">hier: das außenpolitische Ziel, den Versailler Vertrag zu ändern, vor allem Reparationen, Rüstungsgrenzen und die Ostgrenze</span></span>.</p>\n<p>In Klausuren fragst du deshalb nach Zielen, Methoden und Ergebnissen. Die Ziele waren bei fast allen gleich. Die Methoden unterschieden sich: Annäherung an den Westen, der Kredite und Garantien geben konnte, oder Anlehnung an Sowjetrussland, das ebenfalls außerhalb der Versailler Ordnung stand. Die Jahre 1924 bis 1929 gelten als Phase der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">relativen Stabilisierung<span class=\"wort-erkl\">die Zeit zwischen Krisenjahr 1923 und Weltwirtschaftskrise, in der Währung, Wirtschaft und Außenpolitik ruhiger wurden; „relativ“, weil die Probleme blieben</span></span>, oft „goldene Zwanziger“ genannt.</p>\n</div>\n\n<h4>Reparationen und Erfüllungspolitik 1921/22</h4>\n<ul>\n<li><strong>5. Mai 1921, Londoner Ultimatum:</strong> Die Alliierten verlangten die Anerkennung eines Zahlungsplans über 132 Milliarden Goldmark und drohten sonst mit der Besetzung des Ruhrgebiets. Die neue Regierung unter Joseph Wirth und der Reichstag nahmen am 11. Mai an.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Erfüllungspolitik<span class=\"wort-erkl\">die Regierung erfüllte die Forderungen so weit wie möglich, um zu zeigen, dass sie unerfüllbar sind</span></span>:</strong> Die Rechte hetzte gegen die „Erfüllungspolitiker“; Matthias Erzberger und Außenminister Walther Rathenau wurden von Rechtsradikalen ermordet.</li>\n<li><strong>16. April 1922, Rapallo:</strong> Am Rand der Konferenz von Genua nahm Deutschland die Beziehungen zu Sowjetrussland wieder auf, beide verzichteten auf gegenseitige Entschädigungen. Beide wollten ihre Isolierung durchbrechen. Die Westmächte fürchteten eine Erschütterung der Versailler Ordnung, vor allem um Polen; ein Bündnis wurde der Vertrag aber nicht.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Deutsches Historisches Museum, „Londoner Ultimatum“, „Reparationen“, „Vertrag von Rapallo“.</p>\n\n<h4>1923: Ruhrkampf, Hyperinflation und Rentenmark</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Januar 1923, Ruhrbesetzung:</strong> Wegen eines geringen Lieferrückstands marschierten französische und belgische Truppen ins Ruhrgebiet ein. Die Regierung Cuno rief zum <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">passiven Widerstand<span class=\"wort-erkl\">Streik und Verweigerung ohne Gewalt: Beamte und Arbeiter befolgten keine Befehle der Besatzer</span></span> auf und bezahlte die Streikenden mit neu gedrucktem Geld.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Hyperinflation<span class=\"wort-erkl\">extrem schnelle Geldentwertung, bei der sich die Preise in kurzer Zeit vervielfachen</span></span>:</strong> Die Entwertung hatte mit der Kriegsfinanzierung über Anleihen und Notenpresse begonnen; der Ruhrkampf brachte den Absturz. Ersparnisse und Kriegsanleihen wurden wertlos, viele Menschen verarmten, das Vertrauen in den Staat brach ein. Der Staat dagegen wurde seine Schulden in Mark praktisch los.</li>\n<li><strong>26. September 1923:</strong> Der neue Reichskanzler Gustav Stresemann beendete den passiven Widerstand. Im Herbst folgten Krisen im ganzen Reich, darunter ein kommunistischer Aufstand in Hamburg und Hitlers Putschversuch in München am 8./9. November.</li>\n<li><strong>15. November 1923, Rentenmark:</strong> 1 Rentenmark entsprach 1 Billion Papiermark, ein Dollar 4,20 Rentenmark, also 4,2 Billionen Mark. Die Inflation endete schlagartig.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Ruhrbesetzung 1923“, „Inflation“, „Währungsreform 1923“.</p>\n\n<h4>Die Ära Stresemann 1923 bis 1929</h4>\n<p>Stresemann (DVP) war im Herbst 1923 kurz Reichskanzler und blieb danach bis zu seinem Tod am 3. Oktober 1929 Außenminister. Sein Weg: Vertrauen im Westen gewinnen und damit schrittweise Änderungen erreichen.</p>\n<ul>\n<li><strong>Dawes-Plan 1924:</strong> Jahresraten nach Leistungsfähigkeit, zuerst 1 Milliarde, nach fünf Jahren 2,5 Milliarden Reichsmark, ohne Gesamtsumme und Enddatum. Reichsbahn und Reichsbank kamen unter internationale Kontrolle, Frankreich sagte das Ende der Ruhrbesetzung zu. Amerikanische Kredite flossen, die Wirtschaft wuchs.</li>\n<li><strong>Locarno 1925</strong> (Verhandlung im Oktober, Unterzeichnung am 1. Dezember in London): Deutschland, Frankreich und Belgien verzichteten auf eine gewaltsame Änderung ihrer Grenzen; Deutschland bestätigte die Westgrenze und die Entmilitarisierung des Rheinlands, Großbritannien und Italien traten als Garantiemächte dafür ein. Mit Polen und der Tschechoslowakei gab es nur <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Schiedsverträge<span class=\"wort-erkl\">Verträge, nach denen Streit vor einer internationalen Kommission geklärt wird; sie bedeuteten keine Anerkennung der Grenze</span></span>; die Ostgrenze erkannte Deutschland nicht an.</li>\n<li><strong>Berliner Vertrag, 24. April 1926:</strong> Freundschafts- und Neutralitätsvertrag mit der Sowjetunion, auch als Druckmittel gegen Polen. Stresemann zeigte so, dass die Westpolitik Rapallo nicht aufhob.</li>\n<li><strong>10. September 1926, Völkerbund:</strong> Aufnahme mit ständigem Sitz im Rat. Stresemann und der französische Außenminister Aristide Briand erhielten den Friedensnobelpreis für 1926.</li>\n<li><strong>Young-Plan 1929:</strong> Reparationen von 112 Milliarden mit Laufzeit bis 1988, durchschnittlich 2 Milliarden im Jahr, ohne ausländische Kontrolle. Dafür räumten die Alliierten das Rheinland bis zum 30. Juni 1930, fünf Jahre früher als geplant. DNVP, NSDAP und Stahlhelm erzwangen einen Volksentscheid dagegen; am 22. Dezember 1929 stimmten nur 13,8 Prozent der Wahlberechtigten zu, nötig waren 50. Für die NSDAP brachte die Kampagne trotzdem Bekanntheit.</li>\n<li><strong>Lausanne 1932:</strong> In der Weltwirtschaftskrise wurden die Reparationen gegen eine Schlusszahlung von 3 Milliarden Reichsmark beendet, die nie gezahlt wurde.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Dawesplan“, „Locarno“, „Berliner Vertrag“, „Völkerbund“, „Young-Plan 1929“, „Volksentscheid gegen den Young-Plan 1929“, „Konferenz von Lausanne“. Unterzeichnung in London am 1.12.1925: bpb, „Vor 90 Jahren: Die Verträge von Locarno“; Historisches Lexikon der Schweiz, „Verträge von Locarno“.</p>\n\n<h4>Das Material: Stresemanns „Kronprinzenbrief“</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Gustav Stresemann an den früheren Kronprinzen Wilhelm, 7. September 1925 (Auszug)</span>\n<p>„Zu der Frage des Eintritts in den Völkerbund möchte ich folgendes bemerken: die deutsche Außenpolitik hat nach meiner Auffassung für die nächste, absehbare Zeit drei große Aufgaben:</p>\n<p>Einmal die Lösung der Reparationsfrage in einem für Deutschland erträglichen Sinne und die Sicherung des Friedens, die die Voraussetzung für eine Wiedererstarkung Deutschlands ist.</p>\n<p>Zweitens rechne ich dazu den Schutz der Auslandsdeutschen, jener zehn bis zwölf Millionen Stammesgenossen, die jetzt unter fremdem Joch in fremden Ländern leben.</p>\n<p>Die dritte große Aufgabe ist die Korrektur der Ostgrenzen: die Wiedergewinnung von Danzig, vom polnischen Korridor und eine Korrektur der Grenze in Oberschlesien. […]</p>\n<p>Wollen wir diese Ziele erreichen, so müssen wir uns aber auch auf diese Aufgaben konzentrieren. Daher der Sicherheitspakt, der uns einmal den Frieden garantieren und England, sowie, wenn Mussolini mitmacht, Italien als Garanten der deutschen Westgrenze festlegen soll.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Wortlaut nach Henry Bernhard, „Gustav Stresemann. Tatsachen und Legenden“, Aus Politik und Zeitgeschichte 41/1959 (bpb), Anhang I. Der Brief erschien gekürzt zuerst 1932 in Stresemanns Nachlass. Gemeinfrei (Stresemann starb 1929).</p>\n</div>\n<p>So liest du M 1. Es ist ein vertraulicher Brief an einen Monarchisten, den Sohn des letzten Kaisers. Stresemann wollte ihn und die Rechte für seine Politik gewinnen und betont deshalb die nationalen Ziele. Wichtig ist der Zusammenhang der Ziele: Frieden und Reparationsfrage sind die „Voraussetzung“, die Ostgrenze das Ziel danach, und der Sicherheitspakt im Westen (Locarno) soll den Rücken freihalten. Von Krieg spricht der Brief nicht. Als Quelle verrät er viel über Stresemanns Absichten, aber du musst den Adressaten mitdenken: Was jemand einem Gegner der Republik schreibt, ist auch Taktik.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: guter Europäer oder nationaler Revisionist?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Deutung „erster Europäer“:</strong> Frühe Biografien und Verteidiger wie der britische Historiker John Wheeler-Bennett sahen in Stresemann einen Friedenspolitiker, der Deutschland in eine europäische Ordnung führte; dafür stehen Locarno, Völkerbund und Nobelpreis.</li>\n<li><strong>Deutung „nationaler Revisionist“:</strong> Nach 1945 betonten Historiker wie Hans W. Gatzke seinen fortdauernden Nationalismus und zweifelten an seinen friedlichen Absichten; als Belege dienten der Kronprinzenbrief und die Zusammenarbeit von Reichswehr und Roter Armee.</li>\n<li><strong>Heutige Sicht:</strong> Neuere Darstellungen wie die Biografie von Jonathan Wright verbinden beides: Stresemann wollte deutsche Großmachtinteressen und die Revision, sah aber in Verständigung und wirtschaftlicher Verflechtung den gangbaren, friedlichen Weg. Er wollte den Vertrag erfüllen, um ihn zu überwinden.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Encyclopedia of World Biography, „Gustav Stresemann“ (Literaturbericht: frühe Biografien als „good European“, Bretton 1953, Gatzke 1954); Times Higher Education, Rezension zu Jonathan Wright, „Gustav Stresemann. Weimar's Greatest Statesman“ (2002); Bernhard, APuZ 41/1959. Zusammenarbeit Reichswehr und Rote Armee: LeMO, „Berliner Vertrag“.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ziele und Mittel:</strong> Revision mit friedlichen Mitteln ist etwas anderes als Revision mit Krieg; prüf beides getrennt.</li>\n<li><strong>Ergebnisse:</strong> Was war 1929 erreicht (Rheinland, Reparationen, Gleichberechtigung), was nicht (Ostgrenze)?</li>\n<li><strong>Handlungsspielraum:</strong> Welche Alternativen hatte ein Land ohne starke Armee, das auf Kredite angewiesen war?</li>\n<li><strong>Innenpolitik:</strong> Wie stark war die Unterstützung zu Hause, und wer arbeitete dagegen?</li>\n<li><strong>Nachhaltigkeit:</strong> Wie abhängig war die Stabilisierung von Krediten aus den USA?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Zwischen Verständigung und Revisionismus: Außenpolitik ab 1924“)</span>\n<p>1. Arbeiten Sie aus M 1 die außenpolitischen Ziele Stresemanns heraus. (AFB I bis II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, mit welchen Mitteln Stresemann diese Ziele bis 1929 verfolgte. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, inwieweit Stresemanns Außenpolitik als Verständigungspolitik bezeichnet werden kann. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Drei Ziele in einer Reihenfolge: tragbare Lösung der Reparationen und Sicherung des Friedens als „Voraussetzung“ der Wiedererstarkung; Schutz der Deutschen im Ausland; Korrektur der Ostgrenze (Danzig, Korridor, Oberschlesien). Der Sicherheitspakt im Westen ist Mittel zum Zweck. Erwartet wird der Befund, dass Verständigung im Westen und Revision im Osten zusammengehören, und der Hinweis auf den Adressaten.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Dawes-Plan (Zahlungen nach Leistungsfähigkeit, Kredite, Ende der Ruhrbesetzung), Locarno (Westgrenze anerkannt, Ostgrenze offen, nur Schiedsverträge), Berliner Vertrag (Neutralität mit der Sowjetunion, Druck auf Polen), Völkerbund (ständiger Ratssitz), Young-Plan (geringere Raten, Räumung des Rheinlands). Gute Antworten zeigen, wie jeder Schritt den nächsten vorbereitete.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Dafür: Gewaltverzicht im Westen, Aussöhnung mit Frankreich, Nobelpreis, Rückkehr in die Staatengemeinschaft. Dagegen: Die Ostgrenze blieb Revisionsziel, die Zusammenarbeit von Reichswehr und Roter Armee lief weiter, und Verständigung war für Stresemann auch ein Mittel nationaler Ziele. Ein mögliches Urteil: Es war eine Verständigungspolitik in den Mitteln, aber eine Revisionspolitik in den Zielen; im Unterschied zur späteren NS-Politik setzte sie auf Frieden und Verträge. Für die oberen Noten: Einordnung als Forschungsstreit und Hinweis auf die Abhängigkeit von US-Krediten.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Ordne zu: Rapallo, Locarno, Berliner Vertrag. Welcher Vertrag zeigt Westorientierung, welcher Ostorientierung? b) Erkläre in zwei Sätzen, warum die Hyperinflation dem Staat nützte und den Sparern schadete.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Westorientierung: Locarno (Anerkennung der Westgrenze, Weg in den Völkerbund). Ostorientierung: Rapallo 1922 und Berliner Vertrag 1926 (Beziehungen und Neutralität mit der Sowjetunion). Stresemann wollte im Westen Vertrauen und Kredite gewinnen, im Osten Druck auf Polen behalten.</p>\n<p>b) Schulden in Mark blieben dem Betrag nach gleich, während das Geld fast nichts mehr wert war; so schrumpften die Schulden des Staates fast auf null. Für Sparer galt dasselbe umgekehrt: Ihre Guthaben und Kriegsanleihen wurden wertlos.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Locarno als Anerkennung aller Grenzen.</strong> Bestätigt wurde nur die Westgrenze; im Osten gab es bloß Schiedsverträge.</li>\n<li><strong>Dawes- und Young-Plan verwechseln.</strong> Dawes 1924: Raten ohne Gesamtsumme, internationale Kontrolle, Ende der Ruhrbesetzung. Young 1929: Gesamtsumme mit Laufzeit, keine Kontrolle mehr, Räumung des Rheinlands.</li>\n<li><strong>Inflation 1923 nur mit den Reparationen erklären.</strong> Sie begann mit der Kriegsfinanzierung; der Ruhrkampf brachte den Absturz.</li>\n<li><strong>„Goldene Zwanziger“ wörtlich nehmen.</strong> Die Stabilisierung hing an Krediten und endete mit der Weltwirtschaftskrise.</li>\n<li><strong>Stresemanns Revisionspolitik mit Hitlers Außenpolitik gleichsetzen.</strong> Die Ziele überschnitten sich teilweise, die Mittel nicht.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-versailles\">Versailler Vertrag und Völkerbund</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-ende\">Das Ende von Weimar 1930–1933</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-gruendung\">Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weltwirtschaftskrise\">Die Weltwirtschaftskrise ab 1929</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-weimar-aussenpolitik -->"
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Reichskanzler Brüning antwortete mit einem harten Sparkurs per Notverordnung, Präsident Roosevelt in den USA ab 1933 mit staatlichen Programmen, dem New Deal. In Deutschland wurde aus der Wirtschaftskrise eine Staatskrise, von der NSDAP und KPD profitierten. Ob Brüning anders hätte handeln können, ist bis heute umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt · gA und eA</span>\n<p>Schwerpunkt I 2027: „Die Weimarer Republik“. Inhaltsfeld für beide Niveaus:</p>\n<ul>\n<li>„Staatskrise und Aufstieg des Nationalsozialismus (1930-1933)“</li>\n</ul>\n<p>Der Rahmenplan nennt dazu unter anderem: „Weltwirtschaftskrise und Deflationspolitik“.</p>\n<p>Quelle: <a href=\"https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1074128/9a9b1afacd506b6058cb4c3379abaeb6/abitur-a-heft-2027-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben, Abitur 2027 (A-Heft)</a>, Abschnitt 15 Geschichte; Rahmenplan Geschichte, Bildungsplan Studienstufe 2022.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Konjunktur<span class=\"wort-erkl\">das Auf und Ab der Wirtschaft: Aufschwung mit mehr Produktion und Arbeit, Abschwung mit weniger</span></span> schwankt immer. Eine Depression ist mehr: Firmen gehen pleite, Banken brechen zusammen, Menschen verlieren ihre Arbeit, kaufen weniger, und das treibt weitere Firmen in die Pleite. Die Krise nährt sich selbst.</p>\n<p>So eine Abwärtsspirale erlebte die Welt ab 1929. Sie war nicht nur ein Wirtschaftsereignis: In Deutschland zerstörte sie das Vertrauen in die Demokratie. In der Klausur sollst du Ursachen und Folgen als Kette erklären, die Krisenpolitik in Deutschland und den USA vergleichen und die Entscheidungen der Politiker mit ihren Handlungsspielräumen beurteilen.</p>\n</div>\n\n<h4>Die Vorgeschichte: ein Kreislauf auf Kredit</h4>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg schuldeten Großbritannien und Frankreich den USA Geld, Deutschland zahlte ihnen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Reparationen<span class=\"wort-erkl\">Zahlungen eines Kriegsverlierers an die Sieger für Kriegsschäden</span></span>. Seit dem Dawes-Plan von 1924 flossen amerikanische Kredite nach Deutschland, oft kurzfristig, aber langfristig angelegt. So entstand ein Kreislauf: amerikanische Kredite → deutsche Reparationen → Rückzahlung der Kriegsschulden an die USA. Er funktionierte nur, solange Geld aus Amerika kam.</p>\n\n<h4>Der Absturz in Wirkungsketten</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Spekulation und Börsenkrach:</strong> In den USA kauften viele in den 1920er-Jahren Aktien auf Kredit. Ende Oktober 1929 brachen die Kurse ein („Schwarzer Donnerstag“, 24. Oktober). Banken, die selbst spekuliert hatten, brachen zusammen.</li>\n<li><strong>Abzug der Kredite:</strong> Amerikanische Banken holten ihr Geld aus Europa zurück. Der Kapitalstrom nach Deutschland versiegte; im Juli 1931 brach die deutsche Bankenkrise aus.</li>\n<li><strong>Abschottung:</strong> Die USA erhöhten 1930 ihre Zölle, andere Staaten folgten. Der Welthandel fiel bis 1932 um 25 Prozent, der deutsche Export von 13,5 auf 5,7 Milliarden Reichsmark.</li>\n<li><strong>Produktion und Arbeit:</strong> Die deutsche Industrieproduktion fiel um rund 40 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen stieg von 1,3 Millionen im September 1929 auf über sechs Millionen Anfang 1933, das Realeinkommen sank um ein Drittel.</li>\n<li><strong>Not:</strong> Armut, Hunger, Obdachlosigkeit und Selbstmorde nahmen zu; Menschen hielten sich mit Hausieren, Tauschgeschäften und Straßenmusik über Wasser.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO (DHM), „Die Weltwirtschaftskrise“ (Weimarer Republik).</p>\n\n<h4>Zwei Antworten auf die Krise</h4>\n<ul>\n<li><strong>Deutschland, Brüning (1930 bis 1932):</strong> Er erhöhte Steuern, kürzte Ausgaben, Gehälter, Renten und Versicherungsleistungen und wollte die Preise senken, damit deutsche Waren im Ausland billiger würden. Diese <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Deflationspolitik<span class=\"wort-erkl\">der Staat spart, kürzt Löhne und Leistungen und will die Preise senken, um den Haushalt auszugleichen und den Export zu fördern; in der Krise verschärft das die Not</span></span> setzte er mit Notverordnungen des Reichspräsidenten durch. Sie entsprach der herrschenden Lehre der Zeit, ging aber nicht auf: Der Export brach trotzdem ein. Ein Ziel war auch, zu zeigen, dass Deutschland die Reparationen nicht zahlen konnte; 1931 setzte das Hoover-Moratorium die Zahlungen aus, 1932 wurden sie in Lausanne praktisch beendet.</li>\n<li><strong>USA, Roosevelt (ab 1933):</strong> Der New Deal brachte staatliche Arbeitsprogramme, etwa Aufforstung und Staudammbau, Aufsicht über Banken und Börse, Hilfen für Bauern und 1935 eine Sozialversicherung (Social Security Act). Der Staat gab mehr aus, auch auf Schulden. In den USA war 1933 etwa jeder Vierte ohne Arbeit; die Arbeitslosigkeit sank danach, blieb aber bis zum Zweiten Weltkrieg hoch.</li>\n</ul>\n<p>Dahinter steht eine Grundfrage: Soll der Staat in der Krise sparen oder <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">antizyklisch<span class=\"wort-erkl\">gegen den Konjunkturverlauf handeln: in der Krise mehr ausgeben, um Nachfrage zu schaffen, im Aufschwung sparen; verbunden mit John Maynard Keynes (1936)</span></span> gegensteuern? Die Theorie dazu formulierte Keynes erst 1936, nach der Krise.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Brünings Maßnahmen und ihre Einordnung: LeMO (s. o.). New Deal, Hoover-Moratorium, Lausanne, Keynes: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Das Material: Roosevelts Antrittsrede</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Franklin D. Roosevelt, Antrittsrede als Präsident, Washington, 4. März 1933 (Auszüge, Übersetzung von uns)</span>\n<p>„Lassen Sie mich zuallererst meine feste Überzeugung aussprechen, dass das Einzige, was wir zu fürchten haben, die Furcht selbst ist […].“</p>\n<p>„Unsere größte und wichtigste Aufgabe ist es, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen. […] Das kann teilweise dadurch geschehen, dass die Regierung selbst unmittelbar einstellt und die Aufgabe so behandelt, wie wir den Notfall eines Krieges behandeln würden […].“</p>\n<p>Falls der Kongress nicht handle, werde er ihn um das eine verbleibende Instrument bitten, „weitreichende Vollmachten der Exekutive, um einen Krieg gegen den Notstand zu führen“.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Inaugural Address, 4.3.1933, englischer Text nach dem Avalon Project (Yale Law School); Übersetzung von uns. Amtliche Rede eines US-Präsidenten, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Roosevelt spricht die Angst der Menschen direkt an und verspricht Handeln statt Abwarten. Er sieht den Staat als Arbeitgeber und vergleicht die Krise mit einem Krieg. Und er droht, sich notfalls Sondervollmachten zu holen, aber vom Kongress, nicht an ihm vorbei. In Deutschland regierte Brüning zur selben Zeit mit Notverordnungen am Parlament vorbei; beide Demokratien standen unter Druck, gingen aber verschiedene Wege.</p>\n\n<h4>Von der Wirtschaftskrise zur Staatskrise</h4>\n<p>In Deutschland wurde aus der Wirtschafts- eine Staatskrise. Die Große Koalition zerbrach im März 1930 am Streit um die Arbeitslosenversicherung. Die Gegner der Republik von rechts und links nutzten die Not für eine beispiellose Hetze gegen die Demokratie. Die NSDAP stieg bei den Reichstagswahlen im September 1930 und im Juli 1932 zur Massenpartei auf, auch die KPD gewann; die liberalen Parteien versanken in der Bedeutungslosigkeit. Die USA blieben eine Demokratie; anders als in Deutschland gab es dort keine Massenpartei, die die Verfassung abschaffen wollte.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO (s. o.); Ende der Großen Koalition: siehe Lernzettel zum Ende der Weimarer Republik.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Krise kam aus den USA, aber sie traf Deutschland so hart, weil seine Wirtschaft auf kurzfristigen Krediten stand, weil der Welthandel durch Zölle zusammenbrach und weil die Regierung mit Sparen statt mit Ausgaben antwortete. Die Folgen waren wirtschaftlich (Produktion, Export), sozial (Arbeitslosigkeit, Not) und politisch (Aufstieg der Radikalen, Regieren per Notverordnung). Diese drei Ebenen solltest du in der Klausur unterscheiden und verbinden.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Hatte Brüning eine Wahl?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Die ältere Sicht:</strong> Brünings Deflationspolitik habe die Krise verschärft und so Hitler den Weg bereitet; eine Politik der Arbeitsbeschaffung auf Kredit wäre möglich gewesen.</li>\n<li><strong>Borchardt 1979:</strong> Der Wirtschaftshistoriker Knut Borchardt widersprach in seinem Vortrag „Zwangslagen und Handlungsspielräume in der großen Wirtschaftskrise der frühen dreißiger Jahre“: Die deutsche Wirtschaft sei schon vor 1929 geschwächt gewesen, weil die Löhne schneller stiegen als die Produktivität. Brüning habe weder Kredit im Ausland noch Spielraum im Inland gehabt; die Angst vor einer neuen Inflation wie 1923 habe jede Ausgabenpolitik blockiert.</li>\n<li><strong>Die Kritik:</strong> Andere hielten dagegen, es habe Berater gegeben, die zu Arbeitsbeschaffung rieten; nur ein Jahr nach Brünings Sturz sei eine ausgabenfreudige Politik möglich gewesen; Brüning habe die Krise auch genutzt, um das Ende der Reparationen zu erreichen. Der Streit dauerte rund zwei Jahrzehnte.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Borchardt, Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1979, S. 87–132 (Titel nach Literaturangaben); Darstellung der Kontroverse: bpb, Informationen zur politischen Bildung „Weimarer Republik“, Kapitel „Zerstörung der Demokratie 1930–1933“.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Handlungsspielraum:</strong> Welche Alternativen gab es damals wirklich (Kredit, Reparationen, Inflationsangst)?</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Linderte die Politik die Not oder verschärfte sie sie?</li>\n<li><strong>Ziele:</strong> Ging es um Wirtschaft, um Reparationen oder um Machtpolitik?</li>\n<li><strong>Demokratie:</strong> Stärkte oder schwächte die Krisenpolitik das parlamentarische System?</li>\n<li><strong>Zeitbezug:</strong> Urteilst du mit dem Wissen von Keynes und 1933, oder aus dem Wissen der Zeit?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „beurteilen die im Kontext der Weltwirtschaftskrise getroffenen wirtschaftlichen und politischen Krisenentscheidungen der Handelnden in Deutschland und den USA unter Berücksichtigung ihrer Handlungsspielräume“)</span>\n<p>1. Erklären Sie, warum die Weltwirtschaftskrise Deutschland besonders hart traf. (AFB II)</p>\n<p>2. Analysieren Sie M 1 und vergleichen Sie Roosevelts Ansatz mit der Krisenpolitik Brünings. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie die Krisenentscheidungen Brünings unter Berücksichtigung seiner Handlungsspielräume. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Abhängigkeit von kurzfristigen US-Krediten seit 1924, die nach dem Börsenkrach abgezogen wurden; Kreislauf von Krediten, Reparationen und Kriegsschulden; Bankenkrise Juli 1931; Exportabhängigkeit bei sinkendem Welthandel (−25 Prozent, deutscher Export von 13,5 auf 5,7 Milliarden RM); Folgen: Produktion −40 Prozent, über sechs Millionen Arbeitslose.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> M 1: Antrittsrede, März 1933, auf dem Tiefpunkt der Krise; Adressat das amerikanische Volk; Ziel Vertrauen und Handeln: Furcht überwinden, Arbeit schaffen durch den Staat wie im Krieg, notfalls Vollmachten vom Kongress. Vergleich: Roosevelt setzt auf staatliche Ausgaben und Arbeitsprogramme, Brüning auf Sparen und Preissenkung; Roosevelt sucht die Zustimmung des Kongresses, Brüning regiert per Notverordnung ohne Mehrheit. Zu beachten: Roosevelt beginnt 1933, als die Krise ihren Tiefpunkt erreicht hatte; Brüning handelte 1930 bis 1932 in der Abwärtsbewegung.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Für eingeschränkten Spielraum (Borchardt):</em> keine Auslandskredite, Inflationstrauma von 1923, Reparationspflichten, herrschende Lehre des ausgeglichenen Haushalts, keine Mehrheit im Reichstag. <em>Für mehr Spielraum (Kritiker):</em> Berater mit Plänen zur Arbeitsbeschaffung, Kurswende kurz danach möglich, Sparkurs auch als Mittel der Reparationspolitik; die Not trieb Wähler zu NSDAP und KPD. Ein gelungenes Urteil: Brünings Spielraum war eng, aber nicht null; seine Entscheidungen verschärften die Krise und schwächten die Demokratie, auch wenn sie dem Wissen der Zeit entsprachen. Für die oberen Noten: Du nennst die Borchardt-Kontroverse als Forschungsstreit und trennst Sach- und Werturteil.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Erkläre in einer Kette aus vier Gliedern, warum ein Börsenkrach in New York zu Massenarbeitslosigkeit in Deutschland führte.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Börsenkrach und Bankenpleiten in den USA → amerikanische Banken ziehen kurzfristige Kredite aus Deutschland ab → deutsche Banken und Firmen verlieren Kapital, die Bankenkrise 1931 verschärft das → zugleich bricht der Export ein, weil Zölle den Welthandel drosseln → Betriebe schließen, die Arbeitslosigkeit steigt auf über sechs Millionen. Verstärkt wird das durch Brünings Sparkurs, der die Nachfrage weiter senkt.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Der Börsenkrach als einzige Ursache.</strong> Entscheidend waren auch Kreditabhängigkeit, Bankenkrisen, Zölle und die Krisenpolitik.</li>\n<li><strong>Inflation 1923 und Weltwirtschaftskrise verwechseln.</strong> 1923 verlor das Geld seinen Wert; ab 1929 fehlten Geld, Kredit und Arbeit, die Preise fielen.</li>\n<li><strong>Brüning ohne Maßstab verurteilen.</strong> Beim Beurteilen nennst du die Spielräume, die er damals hatte.</li>\n<li><strong>Roosevelt als Vorbild für Brüning.</strong> Der New Deal begann erst 1933, nach Brünings Sturz.</li>\n<li><strong>Krise und NSDAP gleichsetzen.</strong> Die Krise erklärt den Aufstieg der NSDAP mit, aber nicht die Ernennung Hitlers.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-gruendung\">Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-ende\">Das Ende von Weimar 1930–1933</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hh-ge-statistik\">Statistiken und Diagramme auswerten</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=hh-ge-op-beurteilen\">Beurteilen, bewerten, Stellung nehmen, erörtern (AFB III)</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-weltwirtschaftskrise -->"
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    {
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      "cat": "Weimarer Republik",
      "title": "Das Ende von Weimar 1930–1933",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Das Ende der Weimarer Republik einfach erklärt: Präsidialkabinette Brüning, Papen, Schleicher, Art. 48 und Art. 25, Weltwirtschaftskrise, Aufstieg der NSDAP, Machtübertragung an Hitler 1933, Gründe des Scheiterns und Forschungsstreit, mit Originalquelle und echter Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-weimar-ende -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Ende der Weimarer Republik 1930–1933</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Kommt im Abitur etwas zum Ende der Weimarer Republik dran, sollst du zeigen, dass du Zusammenhänge verstehst; Punkte gibt es für Erklären und Bewerten, nicht fürs Auswendiglernen von Daten. Im März 1930 zerbrach die letzte Regierung, die sich auf eine Mehrheit im Reichstag stützte. Danach regierten die Kanzler Brüning, Papen und Schleicher mit dem Vertrauen des Reichspräsidenten Hindenburg statt mit dem Parlament: Sie ließen Gesetze als Notverordnungen nach Artikel 48 erlassen und den Reichstag nach Artikel 25 auflösen, wenn er widersprach. In der Weltwirtschaftskrise mit über sechs Millionen Arbeitslosen wurde die NSDAP 1932 zur stärksten Partei, eine eigene Mehrheit bekam sie nie. Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler, auf Drängen konservativer Politiker um Papen; Historiker sprechen deshalb von einer Machtübertragung. Warum die Republik scheiterte, erklärt kein einzelner Grund, und wie man die Gründe gewichtet, ist bis heute umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt · gA und eA</span>\n<p>Schwerpunkt I 2027: „Die Weimarer Republik“. Inhaltsfeld für beide Niveaus:</p>\n<ul>\n<li>„Staatskrise und Aufstieg des Nationalsozialismus (1930-1933)“</li>\n</ul>\n<p>Der Rahmenplan nennt dazu unter anderem: „Präsidialkabinette“.</p>\n<p>Quelle: <a href=\"https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1074128/9a9b1afacd506b6058cb4c3379abaeb6/abitur-a-heft-2027-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben, Abitur 2027 (A-Heft)</a>, Abschnitt 15 Geschichte; Rahmenplan Geschichte, Bildungsplan Studienstufe 2022.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>In einer <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">parlamentarischen Demokratie<span class=\"wort-erkl\">eine Demokratie, in der die Regierung das Vertrauen der Mehrheit im Parlament braucht und von ihm gestürzt werden kann</span></span> braucht die Regierung eine Mehrheit im Parlament. Die Weimarer Verfassung von 1919 sah das vor (Art. 54). Sie gab aber auch dem Reichspräsidenten, den das Volk direkt wählte, viel Macht: Er ernannte den Kanzler, durfte den Reichstag auflösen und im Notfall selbst Verordnungen mit Gesetzeskraft erlassen.</p>\n<p>Ab 1930 wurde aus dem Notfall der Normalfall. Die Regierung kam ohne Parlament aus, solange der Präsident mitmachte. Man nennt diese Regierungen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Präsidialkabinette<span class=\"wort-erkl\">Regierungen, die sich nicht auf eine Mehrheit im Reichstag stützen, sondern auf das Vertrauen des Reichspräsidenten und seine Notverordnungen</span></span>. Sie waren noch keine Diktatur, aber sie gewöhnten Politik und Bevölkerung daran, dass das Parlament nicht mehr entscheidet. In der Klausur sollst du diesen Abbau der Demokratie in Stufen erklären und die Gründe des Scheiterns gewichten.</p>\n</div>\n\n<h4>Das Material: die Verfassung, die das möglich machte</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919 (Auszüge)</span>\n<p>Art. 25 (1): „Der Reichspräsident kann den Reichstag auflösen, jedoch nur einmal aus dem gleichen Anlaß.“</p>\n<p>Art. 48 (2): „Der Reichspräsident kann, wenn im Deutschen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maßnahmen treffen […].“</p>\n<p>Art. 48 (3): „Von allen gemäß Abs. 1 oder Abs. 2 dieses Artikels getroffenen Maßnahmen hat der Reichspräsident unverzüglich dem Reichstag Kenntnis zu geben. Die Maßnahmen sind auf Verlangen des Reichstags außer Kraft zu setzen.“</p>\n<p>Art. 53: „Der Reichskanzler und auf seinen Vorschlag die Reichsminister werden vom Reichspräsidenten ernannt und entlassen.“</p>\n<p>Art. 54: „Der Reichskanzler und die Reichsminister bedürfen zu ihrer Amtsführung des Vertrauens des Reichstags. […]“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Reichsgesetzblatt 1919, S. 1383, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>So greifen die Artikel ineinander: Der Präsident ernennt einen Kanzler ohne Mehrheit (Art. 53). Dieser lässt Gesetze als Notverordnung erlassen (Art. 48 Abs. 2). Verlangt der Reichstag die Aufhebung (Art. 48 Abs. 3) oder droht ein Misstrauensvotum (Art. 54), löst der Präsident ihn auf (Art. 25). Bis zur Neuwahl regiert die Regierung weiter mit Notverordnungen. Genau das geschah im Juli 1930 zum ersten Mal.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Gesetze des Reichstags und Notverordnungen des Reichspräsidenten</span>\n<table>\n<thead><tr><th>Jahr</th><th>Gesetze des Reichstags</th><th>Notverordnungen</th></tr></thead>\n<tbody>\n<tr><td>1930</td><td>98</td><td>5</td></tr>\n<tr><td>1931</td><td>34</td><td>42</td></tr>\n<tr><td>1932</td><td>5</td><td>60</td></tr>\n</tbody>\n</table>\n<p class=\"ks-quelle\">Hans Schneider, „Das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933“, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1 (1953), S. 198 f.; 1930 (5 Notverordnungen, 98 Gesetze) und 1932 (5 Gesetze) ebenso LeMO (Deutsches Historisches Museum), Jahreschronik 1932, die für 1932 66 Notverordnungen nennt. Die Zahlen für 1931 stammen nur von Schneider. Die Zählungen weichen je nach Quelle etwas ab, die Entwicklung ist in beiden Quellen dieselbe.</p>\n</div>\n\n<h4>Der Abbau der Demokratie in Stufen</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>27. März 1930, Ende der Großen Koalition:</strong> Die Regierung Hermann Müller (SPD) tritt zurück. Streitpunkt ist die Arbeitslosenversicherung, die in der Krise kein Geld mehr hat: Die DVP will Leistungen kürzen, die SPD höhere Beiträge. Es ist die letzte Regierung mit einer Mehrheit im Reichstag.</li>\n<li><strong>1930 bis Mai 1932, Brüning:</strong> Hindenburg beauftragt Heinrich Brüning (Zentrum), sein Kabinett „nicht auf der Basis koalitionsmäßiger Bindungen“ zu bilden. Brüning setzt einen harten Sparkurs durch, die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Deflationspolitik<span class=\"wort-erkl\">der Staat spart, kürzt Löhne, Gehälter und Unterstützung und erhöht Steuern, damit der Haushalt ausgeglichen ist und die Preise sinken; in der Krise verschärft das die Not</span></span>. Als der Reichstag am 18. Juli 1930 eine Notverordnung aufhebt, löst Hindenburg ihn auf und setzt die Verordnung neu in Kraft. Bei der Wahl am 14. September 1930 steigt die NSDAP von 12 auf 107 Sitze. Danach <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">toleriert<span class=\"wort-erkl\">duldet: Die SPD stimmte Anträgen auf Aufhebung der Notverordnungen und Misstrauensanträgen nicht zu, ohne in der Regierung zu sein</span></span> die SPD Brüning, um Neuwahlen und eine noch stärkere NSDAP zu verhindern.</li>\n<li><strong>1932, Hindenburg gegen Hitler:</strong> Bei der Wahl des Reichspräsidenten wird Hindenburg im zweiten Wahlgang am 10. April mit 53 Prozent gegen Hitler (36,8 Prozent) wiedergewählt, getragen von SPD und Zentrum. Ende Mai entzieht er Brüning trotzdem das Vertrauen.</li>\n<li><strong>Juni bis November 1932, Papen:</strong> Franz von Papen regiert mit einem Kabinett, das im Reichstag nur die DNVP stützt. Er hebt das Verbot von SA und SS auf und setzt am 20. Juli 1932 im <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Preußenschlag“<span class=\"wort-erkl\">Absetzung der preußischen Regierung unter Otto Braun (SPD) durch Notverordnung; Papen übernahm als Reichskommissar die Macht im größten Land</span></span> die SPD-geführte Regierung Preußens ab. Bei der Wahl am 31. Juli wird die NSDAP mit 37,3 Prozent stärkste Partei; NSDAP und KPD haben zusammen eine Mehrheit, mit der keine Regierung möglich ist, aber jede Regierung gestürzt werden kann. Am 12. September verlangt der Reichstag mit 512 gegen 42 Stimmen die Aufhebung einer Notverordnung; Papen lässt ihn erneut auflösen. Am 6. November verliert die NSDAP Stimmen (33,1 Prozent).</li>\n<li><strong>Dezember 1932 bis Januar 1933, Schleicher:</strong> General Kurt von Schleicher sucht eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Querfront“<span class=\"wort-erkl\">Plan Schleichers, Gewerkschaften und den Flügel der NSDAP um Gregor Strasser hinter einer Regierung zu sammeln und die NSDAP so zu spalten</span></span> und scheitert. Hindenburg verweigert ihm die Auflösung des Reichstags mit verschobener Neuwahl; Schleicher tritt am 28. Januar 1933 zurück.</li>\n<li><strong>30. Januar 1933, Hitler Reichskanzler:</strong> Papen, Hindenburgs Sohn Oskar und Staatssekretär Meißner überzeugen den Präsidenten. Im Kabinett sitzen neben Hitler nur zwei Nationalsozialisten, Frick und Göring; die Konservativen glauben, Hitler kontrollieren zu können. Schon am 1. Februar wird der Reichstag aufgelöst.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Chronologie: LeMO (Deutsches Historisches Museum), Jahreschroniken 1930 und 1932; Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung „Weimarer Republik“, Kapitel „Zerstörung der Demokratie 1930–1933“ (2021).</p>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Abbau der Demokratie 1930 bis 1933 <span>· Die Stufen vom Ende der Großen Koalition bis zum 30. Januar 1933.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 200\" role=\"img\" aria-labelledby=\"wei-t wei-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"wei-t\">Abbau der Demokratie in Stufen 1930 bis 1933</title>\n<desc id=\"wei-d\">27. März 1930 Ende der Großen Koalition, 18. Juli 1930 Auflösung des Reichstags und erneute Notverordnung, 14. September 1930 NSDAP steigt von 12 auf 107 Sitze, 20. Juli 1932 Preußenschlag, 30. Januar 1933 Hitler Reichskanzler.</desc>\n<rect x=\"10\" y=\"12\" width=\"330\" height=\"30\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.08\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"20\" y=\"32\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">27.3.1930</text>\n<text x=\"94\" y=\"32\" font-size=\"11\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Große Koalition zerbricht</text>\n<rect x=\"40\" y=\"48\" width=\"300\" height=\"30\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.11\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"50\" y=\"68\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">18.7.1930</text>\n<text x=\"124\" y=\"68\" font-size=\"11\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Reichstag aufgelöst, Notverordnung</text>\n<rect x=\"70\" y=\"84\" width=\"270\" height=\"30\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.14\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"80\" y=\"104\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">14.9.1930</text>\n<text x=\"154\" y=\"104\" font-size=\"11\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">NSDAP: 12 → 107 Sitze</text>\n<rect x=\"100\" y=\"120\" width=\"240\" height=\"30\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.17\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"110\" y=\"140\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">20.7.1932</text>\n<text x=\"184\" y=\"140\" font-size=\"11\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">„Preußenschlag“</text>\n<rect x=\"130\" y=\"156\" width=\"210\" height=\"30\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.20\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"140\" y=\"176\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">30.1.1933</text>\n<text x=\"214\" y=\"176\" font-size=\"11\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Hitler Reichskanzler</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik, Stufen.</strong> Daten wie im Abschnitt „Der Abbau der Demokratie in Stufen“.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Warum die Republik scheiterte: die Gründe einzeln und zusammen</h4>\n<p>Die Lehrpläne verlangen, dass du lang- und kurzfristige Gründe unterscheidest und ihren Zusammenhang mit dem Aufstieg der NSDAP erklärst. Lern die Gründe einzeln, aber schreib sie in der Klausur als Kette:</p>\n<ul>\n<li><strong>Langfristig, Belastungen seit 1918/19:</strong> der Versailler Vertrag und die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Dolchstoßlegende<span class=\"wort-erkl\">die Lüge, das deutsche Heer sei im Ersten Weltkrieg unbesiegt gewesen und von Revolutionären in der Heimat „von hinten erdolcht“ worden</span></span>, die viele der Republik anlasteten; Eliten in Militär, Justiz, Verwaltung und Großgrundbesitz, die die Republik ablehnten; viele Bürger, denen eine republikanische Gesinnung fehlte und die Demokratie und Parlament verachteten.</li>\n<li><strong>Verfassung:</strong> Die starke Stellung des Präsidenten (Art. 25, 48, 53) machte es möglich, am Parlament vorbei zu regieren. Die Verfassung erzwang das nicht; sie ließ es zu.</li>\n<li><strong>Parteien:</strong> Nach dem Ende der Großen Koalition fanden die Parteien keinen Kompromiss mehr. Ab Juli 1932 hatten NSDAP und KPD, die beide die Republik zerstören wollten, zusammen die Mehrheit.</li>\n<li><strong>Kurzfristig, die Weltwirtschaftskrise:</strong> Anfang 1932 waren über sechs Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, jeder dritte Arbeitnehmer. Not und Angst vor dem Absturz trieben Wähler zu den radikalen Parteien.</li>\n<li><strong>Die NSDAP selbst:</strong> moderne Propaganda, Gewalt der SA auf der Straße, das Versprechen einer „Volksgemeinschaft“ und Hitler als Gegenbild zu den „Parteien“.</li>\n<li><strong>Entscheidungen von Personen:</strong> Hindenburg und sein Umfeld wollten einen autoritären Staat ohne SPD. Papen half Hitler ins Amt, weil er glaubte, ihn mit konservativen Ministern unter Kontrolle halten zu können.</li>\n</ul>\n<p>So hängen die Gründe zusammen: Die Krise machte die NSDAP groß. Die Verfassung gab dem Präsidenten die Mittel, ohne Parlament zu regieren. Die Eliten nutzten diese Mittel, um die Demokratie abzubauen, und holten am Ende die NSDAP als Massenbasis in die Regierung.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: zwangsläufig oder gemacht?</h4>\n<ul>\n<li><strong>„Machtergreifung“ oder „Machtübertragung“:</strong> Die Nationalsozialisten feierten den 30. Januar als „Machtergreifung“. Heute betonen viele Historiker, dass er zunächst eine Machtübertragung war, die Aufgabe der Macht durch die alten Eliten. Hitlers Kanzlerschaft sei nicht unvermeidlich, sondern gewollt gewesen, zuletzt auch von Hindenburg.</li>\n<li><strong>Die Borchardt-Kontroverse:</strong> Lange galt als sicher, dass Brünings Sparpolitik die Krise verschärfte und so Hitler den Weg bereitete. 1979 widersprach der Wirtschaftshistoriker Knut Borchardt: Brüning habe in einer Zwangslage gesteckt und keine echte Alternative gehabt, die Wirtschaft sei schon vor der Krise geschwächt gewesen. Kritiker hielten dagegen, es habe Berater gegeben, die zu anderen Wegen rieten. Der Streit dauerte rund zwei Jahrzehnte.</li>\n<li><strong>Strukturen oder Personen:</strong> Wer die Belastungen seit 1918 betont, sieht die Republik von Anfang an schwach. Wer die Entscheidungen von 1932/33 betont, sieht eine Zerstörung, die hätte verhindert werden können. Der Historiker Karl Dietrich Bracher nannte Papen den „Mörder einer Demokratie“.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">bpb, Informationen zur politischen Bildung „Weimarer Republik“, Kapitel „Zerstörung der Demokratie 1930–1933“ (2021): Machtübertragung, Borchardt 1979, Bracher über Papen.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Handlungsspielraum:</strong> Wer hätte 1930 bis 1933 anders entscheiden können (Parteien, Brüning, Hindenburg), und gab es Alternativen?</li>\n<li><strong>Gewicht:</strong> Welcher Grund war notwendig, welcher nur verstärkend? Ohne Krise kein Massenerfolg der NSDAP, ohne Hindenburgs Entscheidung kein Kanzler Hitler.</li>\n<li><strong>Zeit:</strong> Langfristige Belastung oder kurzfristiger Auslöser?</li>\n<li><strong>Verfassung und Praxis:</strong> Lag der Fehler im Text der Verfassung oder darin, wie Präsident und Kanzler ihn nutzten?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Abituraufgabe, erhöhtes Niveau, Prüfungsteil A (Beispielaufgabe des Staatsinstituts für Schulqualität in München)</span>\n<p>1. Erläutern Sie den Abbau der Demokratie in der Endphase der Weimarer Republik! (16 BE, AFB II)</p>\n<p>Dazu von uns: 2. Beurteilen Sie, ob das Scheitern der Weimarer Republik zwangsläufig war. (AFB III)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">ISB München, Illustrierende Prüfungsaufgaben Geschichte, Beispielaufgaben eA, Aufgabe II 1, und „Erläuterungen und Lösungsvorschläge eA“ (Stand August 2025), S. 10 (<a href=\"https://www.isb.bayern.de/fileadmin/user_upload/Gymnasium/IlluPA/G/IlluPA_Geschichte_Erlaeuterungen_und_Loesungsvorschlaege_eA.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PDF beim ISB</a>).</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1, was der amtliche Lösungsvorschlag erwartet:</strong> wachsende Gefahr durch teilweise zusammenarbeitende antidemokratische Kräfte, Hetze und Gewalt; wachsende Bedeutung antiparlamentarischer Parteien, vor allem der NSDAP, bei den Reichstagswahlen; Unfähigkeit der Parteien zum Kompromiss nach dem Ende der Großen Koalition; „gezielte Aushebelung des Reichstags durch die Kombination der Art. 25 und 48“ und die allein dem Präsidenten verantwortlichen Präsidialkabinette; mangelndes Eintreten breiter Teile der Bevölkerung für die Demokratie; Ernennung Hitlers und die „legalistische Organisation einer Mehrheit aus NSDAP und DNVP“.</p>\n<p><em>So kann ein Absatz klingen:</em> Nach dem Rücktritt der Regierung Müller im März 1930 regierte Brüning ohne parlamentarische Mehrheit. Als der Reichstag im Juli 1930 eine Notverordnung aufhob, ließ Hindenburg ihn nach Art. 25 auflösen und setzte die Verordnung erneut in Kraft. Damit war das Recht des Reichstags aus Art. 48 Abs. 3 ausgehebelt. Wie weit das Parlament an Bedeutung verlor, zeigen die Zahlen: 1930 beschloss der Reichstag noch 98 Gesetze, 1932 nur noch 5, während 60 Notverordnungen ergingen.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Erwartet wird ein Sachurteil mit Kriterium (Handlungsspielraum). <em>Für</em> „zwangsläufig“: Belastungen seit 1918, fehlende republikanische Gesinnung, Weltwirtschaftskrise, ab Juli 1932 eine Mehrheit der Republikgegner im Reichstag; Borchardts These von der Zwangslage. <em>Dagegen:</em> Die NSDAP erreichte nie eine eigene Mehrheit und verlor im November 1932 Stimmen; Hindenburg hätte Hitler nicht ernennen müssen; die Konservativen wählten das Bündnis mit ihm bewusst (Machtübertragung). Ein gelungener Schluss: Die Belastungen machten das Scheitern wahrscheinlich, die Machtübertragung an Hitler aber war eine Entscheidung und nicht zwangsläufig. Für die oberen Noten: Du kennzeichnest Deutungen als Positionen der Forschung (Borchardt, „Machtübertragung“).</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Erkläre mit M 1, warum die Tolerierung durch die SPD für Brüning so wichtig war, und was sich änderte, als die SPD ab Sommer 1932 im Reichstag zusammen mit NSDAP und KPD gegen Papen stimmte.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Nach Art. 48 Abs. 3 konnte der Reichstag mit Mehrheit verlangen, dass Notverordnungen aufgehoben werden. Ohne die Stimmen der SPD kam diese Mehrheit gegen Brüning nicht zustande. Die SPD ermöglichte so das Regieren per Notverordnung. Papen hatte nur die DNVP hinter sich: Am 12. September 1932 stimmten 512 Abgeordnete gegen 42 für die Aufhebung seiner Notverordnung. Papen antwortete mit der Auflösung nach Art. 25. Das Parlament konnte die Regierung zwar ablehnen, aber nicht mehr bilden.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„Hitler wurde gewählt.“</strong> Die NSDAP hatte bei freien Wahlen nie eine eigene Mehrheit; Hitler wurde ernannt.</li>\n<li><strong>„Machtergreifung“ ohne Anführungszeichen.</strong> Der Begriff ist NS-Propaganda; schreib „Machtübertragung“ oder setz ihn in Anführungszeichen.</li>\n<li><strong>Präsidialkabinette als Diktatur.</strong> Sie waren autoritär, aber noch an die Verfassung gebunden; Wahlen, Presse und Parteien gab es noch.</li>\n<li><strong>Ein einziger Grund.</strong> Gefragt ist fast immer die Gewichtung mehrerer Gründe, lang- und kurzfristig.</li>\n<li><strong>Artikel 48 allein.</strong> Erst die Kombination mit Art. 25 und Art. 53 hebelte den Reichstag aus.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-gruendung\">Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hh-ge-statistik\">Statistiken und Diagramme auswerten</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hh-ge-darstellung\">Darstellungen analysieren: Texte von Historikern</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=hh-ge-op-beurteilen\">Beurteilen, bewerten, Stellung nehmen, erörtern (AFB III)</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-weimar-ende -->"
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      "id": "hh-ge-moderne",
      "cat": "Weimarer Republik",
      "title": "Moderne: Großstadt, Frauenbewegung, Massenkultur, Theorien",
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      "short": "Die Moderne 1871–1933 einfach erklärt: Großstadt, Frauenbewegung, Jugendbewegung, Medien und Massenkultur, „Goldene Zwanziger“, Kritik an der Moderne und Antisemitismus, Modernisierungstheorien von Marx, Weber (Original) und Wehler mit Anwendung auf Material und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-moderne -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Die Moderne in Kaiserreich und Weimarer Republik 1871–1933</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Zwischen der Reichsgründung und 1933 veränderte sich das Leben in Deutschland so schnell wie nie zuvor: Großstädte wuchsen, Frauen erkämpften Zugang zu Bildung und 1918 das Wahlrecht, Kino, Illustrierte und Radio schufen eine Massenkultur. Historiker fassen diesen Wandel in Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Kultur mit dem Begriff Moderne zusammen. Vielen ging er zu schnell; Kulturpessimisten, Lebensreformer und völkische Gruppen kritisierten die Moderne, oft verbunden mit Antisemitismus. Marx deutete den Wandel als Klassenkampf, Max Weber als Rationalisierung und „Entzauberung der Welt“, Hans-Ulrich Wehler sah im Kaiserreich eine nur halbe Modernisierung. In der Klausur prüfst du solche Theorien an Material.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt</span><p>Schwerpunkt I 2027: „Die Weimarer Republik“. Inhaltsfeld für beide Niveaus:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Von der Novemberrevolution bis zur Währungsstabilisierung“</li>\n</ul>\n<p>Zusätzlich auf erhöhtem Anforderungsniveau:</p>\n<ul>\n<li>„„Goldene Zwanziger Jahre?“ Kultur und Medien in der Weimarer Republik“</li>\n</ul>\n<p>Für das erhöhte Niveau: Großstadt, Massenkultur und Medien der Weimarer Zeit und ihre Gegner; die Frage im Titel lautet, für wen die Zwanziger „golden“ waren.</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1074128/9a9b1afacd506b6058cb4c3379abaeb6/abitur-a-heft-2027-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben, Abitur 2027 (A-Heft)</a>, Abschnitt 15 Geschichte; Rahmenplan Geschichte, Bildungsplan Studienstufe 2022.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>„Modern“ heißt im Alltag neu oder zeitgemäß. In der Geschichtswissenschaft meint <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Moderne<span class=\"wort-erkl\">die Epoche seit dem späten 18. Jahrhundert, geprägt von Industrialisierung, Verstädterung, Rationalisierung, Massendemokratie und Massenkultur</span></span> einen Wandel in vielen Bereichen zugleich: Wirtschaft (Industrie statt Landwirtschaft), Gesellschaft (Klassen statt Stände), Politik (Wahlen und Parteien für alle), Kultur (neue Medien, neue Lebensformen).</p>\n<p>Schon die Zeitgenossen benutzten „modern“ als Lob und als Vorwurf. Deshalb gehört zur Moderne auch der Widerstand gegen sie. In der Klausur sollst du Beispiele für Modernisierung und für Kritik daran kennen und Theorien der Moderne auf Material anwenden, etwa ein Plakat, einen Text oder eine Großstadtansicht.</p>\n</div>\n\n<h4>Moderne zum Anfassen</h4>\n<ul>\n<li><strong>Großstadt:</strong> Die Städte wuchsen durch Zuwanderung vom Land. Straßenbahn, elektrisches Licht, Kanalisation, Warenhäuser und Mietskasernen veränderten das Leben, das Tempo stieg, Nachbarn blieben einander fremd.</li>\n<li><strong>Frauenbewegung:</strong> Der Allgemeine Deutsche Frauenverein (1865, Louise Otto-Peters) kämpfte für Bildung und Arbeit; in Preußen durften Frauen ab 1908 regulär studieren. Im November 1918 bekamen Frauen das Wahlrecht. In Weimar stand die „Neue Frau“, berufstätig, mit Bubikopf, für Selbstbestimmung, oft mehr Bild als Alltag.</li>\n<li><strong>Jugendbewegung:</strong> Der Wandervogel (ab 1901) suchte Natur und Gemeinschaft gegen Stadt und Schule.</li>\n<li><strong>Medien und Massenkultur:</strong> Illustrierte, Kino und ab 1923 der Rundfunk erreichten Millionen; Sport wurde zum Massenereignis. Avantgarde in Kunst und Architektur: das Bauhaus (1919), Filme wie „Metropolis“ (1927).</li>\n<li><strong>Wissenschaft und Technik:</strong> Elektrotechnik, Chemie, Auto und Flugzeug; Deutschland gehörte zu den führenden Industrieländern.</li>\n</ul>\n\n<h4>Die Kritik an der Moderne</h4>\n<p>Vielen ging der Wandel zu schnell. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kulturpessimisten<span class=\"wort-erkl\">Kritiker, die in der modernen Zivilisation einen Verfall von Kultur, Moral und Gemeinschaft sahen</span></span> beklagten Entwurzelung und „Vermassung“, die Lebensreform suchte das Natürliche (Ernährung, Kleidung, Siedlungen), Heimatbewegung und völkische Gruppen das angeblich Ursprüngliche. Oft verband sich die Kritik an Großstadt, Kapitalismus und Presse mit Antisemitismus: Juden wurden zum Sinnbild der ungeliebten Moderne gemacht. In der Weimarer Republik richtete sich die Kritik auch gegen Demokratie, Jazz, „Amerikanismus“ und die „Neue Frau“; die Nationalsozialisten nutzten sie und verbanden sie zugleich mit moderner Technik und Propaganda.</p>\n\n<h4>Das Material: Max Weber über die „Entzauberung der Welt“</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Max Weber, Soziologe, „Wissenschaft als Beruf“, Vortrag in München 1917, gedruckt 1919 (Auszug)</span>\n<p>„Die zunehmende Intellektualisierung und Rationalisierung bedeutet also nicht eine zunehmende allgemeine Kenntnis der Lebensbedingungen, unter denen man steht. Sondern sie bedeutet etwas anderes: das Wissen davon oder den Glauben daran: daß man, wenn man nur wollte, es jederzeit erfahren könnte, daß es also prinzipiell keine geheimnisvollen unberechenbare Mächte gebe, die da hineinspielen, daß man vielmehr alle Dinge – im Prinzip – durch Berechnen beherrschen könne. Das aber bedeutet: die Entzauberung der Welt.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Max Weber, Wissenschaft als Beruf, München und Leipzig 1919, S. 16; Wortlaut und Schreibweise wie im Druck, nach Wikisource. Der Verfasser starb 1920, der Text ist gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Weber behauptet nicht, moderne Menschen wüssten mehr. Ein Straßenbahnfahrer muss nicht wissen, wie die Bahn funktioniert. Neu ist der Glaube, man könne es jederzeit erfahren und alles berechnen. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Rationalisierung<span class=\"wort-erkl\">bei Weber: Durchdringung aller Lebensbereiche mit planvollem, berechnendem Handeln, etwa in Bürokratie, Wirtschaft, Recht und Wissenschaft</span></span> heißt: Bürokratie, Rechnen, Planen, Wissenschaft treten an die Stelle von Tradition, Magie und Religion. Die Welt verliert ihren Zauber, aber auch ihren selbstverständlichen Sinn.</p>\n\n<h4>Drei Theorien der Moderne</h4>\n<table>\n<thead><tr><th>Theorie</th><th>Kernaussage</th><th>Woran du sie im Material erkennst</th></tr></thead>\n<tbody>\n<tr><td>Karl Marx (19. Jahrhundert)</td><td>Geschichte als Klassenkampf; der Kapitalismus beutet das Proletariat aus und entfremdet den Menschen von seiner Arbeit; er werde in eine klassenlose Gesellschaft münden.</td><td>Fabrik, Gegensatz von Arbeitern und Besitzenden, Ausbeutung, Entfremdung</td></tr>\n<tr><td>Max Weber (um 1900)</td><td>Moderne als Rationalisierung und „Entzauberung der Welt“ (M 1); Bürokratie als „stahlhartes Gehäuse“.</td><td>Berechnung, Planung, Verwaltung, Technik, Verlust religiöser Deutung</td></tr>\n<tr><td>Hans-Ulrich Wehler (Historiker, 1931–2014)</td><td>Das Kaiserreich war wirtschaftlich modern, politisch aber rückständig (Macht von Adel, Militär und Monarch, schwaches Parlament). Diese „partielle Modernisierung“ gilt ihm als Teil eines deutschen „Sonderwegs“.</td><td>Gegensatz von Industrie und Obrigkeitsstaat</td></tr>\n</tbody>\n</table>\n<p class=\"ks-quelle\">Marx und Wehler: Lehrbuchwissen (Standarddeutungen); Weber: M 1. Das Bild vom „stahlharten Gehäuse“ stammt aus Webers „Protestantischer Ethik“ (1904/05), Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Großstadt, Frauenbewegung und Massenkultur sind Formen desselben Wandels, den die Theorien deuten: Weber erklärt das Planen und Berechnen der Großstadt und der Verwaltung, Marx die neue Klassengesellschaft, Wehler das deutsche Nebeneinander von moderner Wirtschaft und altem Staat. Die Kritik an der Moderne war keine Randerscheinung, sondern ihr Schatten: Je schneller der Wandel, desto stärker die Sehnsucht nach einer heilen, oft völkisch gedachten Gemeinschaft. Das erklärt, warum die Weimarer Republik als besonders modern und zugleich als besonders umkämpft gilt.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Sonderweg oder normale Moderne?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Sonderweg:</strong> Wehler und andere sahen in der „partiellen Modernisierung“ des Kaiserreichs eine Ursache dafür, dass die Demokratie in Deutschland später scheiterte als in westlichen Ländern.</li>\n<li><strong>Kritik:</strong> Die britischen Historiker David Blackbourn und Geoff Eley widersprachen in den 1980er-Jahren: Es gebe keinen „normalen“ westlichen Weg, und das Bürgertum des Kaiserreichs sei durchaus einflussreich gewesen.</li>\n<li><strong>„Krisenjahre der klassischen Moderne“:</strong> Der Historiker Detlev Peukert deutete die Weimarer Republik nicht als rückständig, sondern als Zeit, in der die Moderne selbst in die Krise geriet.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen: Lehrbuchwissen (Wehler, „Das Deutsche Kaiserreich“ 1973; Blackbourn/Eley 1980; Peukert, „Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne“ 1987).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Passung:</strong> Welche Merkmale der Theorie zeigt das Material, welche nicht?</li>\n<li><strong>Reichweite:</strong> Galt die Moderne für alle oder nur für Großstädter und Bürgerliche?</li>\n<li><strong>Bewertung:</strong> Fortschritt oder Verlust, für wen?</li>\n<li><strong>Zeitbezug:</strong> Schreibt der Theoretiker als Zeitgenosse (Marx, Weber) oder mit Abstand (Wehler)?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrpläne: Modernisierungstheorien „Marx, Weber, Wehler“ und „Goldene Zwanziger Jahre?“)</span>\n<p>1. Geben Sie Webers Verständnis der Moderne in M 1 wieder. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie an zwei Beispielen aus Kaiserreich oder Weimarer Republik, wie sich Rationalisierung im Alltag zeigte. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob die 1920er-Jahre als „golden“ bezeichnet werden können. Beziehen Sie die Kritik an der Moderne ein. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Rationalisierung heißt nicht mehr Wissen jedes Einzelnen, sondern der Glaube, alles sei grundsätzlich erfahrbar und berechenbar; es gebe keine „geheimnisvollen“ Mächte mehr. Ergebnis: „Entzauberung der Welt“, Verlust magischer und religiöser Deutung.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Beispiele: Bürokratie in Staat und Unternehmen, Fahrpläne und Stechuhren, Fließband und Normen in der Industrie, Statistik, Stadtplanung mit Kanalisation und Straßenbahn, Wissenschaft und Medizin statt Tradition.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Golden:</em> Kino, Radio, Bauhaus, Wissenschaft, Freiheiten für Frauen, Vielfalt in Berlin, wirtschaftliche Erholung nach 1924. <em>Nicht golden:</em> nur wenige Jahre zwischen Inflation 1923 und Weltwirtschaftskrise 1929, viele profitierten nicht (Land, Arbeitslose), die „Neue Frau“ oft nur Bild, heftige Kritik an der Moderne von rechts, Antisemitismus. Ein gelungenes Urteil: Die Zwanziger waren für eine städtische Minderheit eine Zeit des Aufbruchs, für die Mehrheit eine Zeit der Unsicherheit; „golden“ ist ein Rückblick. Für die oberen Noten: Du nennst Peukerts Deutung der Krise der Moderne.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Ein Plakat zeigt eine Großstadt mit Wolkenkratzern und einen Menschen, der wie eine Maschine aussieht (ausgedachtes Beispiel). Welche Theorie passt besser, Marx oder Weber? Nenne ein Argument je Seite.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Weber: Die durchgeplante, technische Stadt steht für Rationalisierung und eine „entzauberte“ Welt. Marx: Der Maschinenmensch kann für die Entfremdung des Arbeiters stehen. Was fehlt, um Marx ganz zu treffen: Klassengegensatz und Klassenkampf sind nicht zu sehen. Gutes Fazit: Weber passt besser, Marx nur in einem Punkt.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Moderne gleich Fortschritt.</strong> Zur Moderne gehört auch die Gegenbewegung.</li>\n<li><strong>Theorie nur nennen.</strong> Du musst sie am Material zeigen: Was passt, was nicht?</li>\n<li><strong>Wehler als Zeitgenossen.</strong> Er ist Historiker der Bundesrepublik und schreibt mit Abstand; Marx und Weber sind Zeitgenossen der Moderne.</li>\n<li><strong>„Entzauberung“ als „mehr Wissen“.</strong> Weber meint den Glauben an Berechenbarkeit, nicht das Wissen jedes Einzelnen.</li>\n<li><strong>Die „Goldenen Zwanziger“ als Tatsache.</strong> Der Begriff ist ein Rückblick und galt nur für wenige.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-ende\">Das Ende von Weimar 1930–1933</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hh-ge-darstellung\">Darstellungen analysieren: Texte von Historikern</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-gruendung\">Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=hh-ge-bildquelle\">Bildquellen analysieren: Foto, Gemälde, Plakat</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-moderne -->"
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      "content": "<!-- core-card:ge-weimar-kultur -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Gesellschaft und Kultur der Weimarer Republik 1918–1933</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Weimarer Republik brachte nicht nur Demokratie, sondern auch einen gesellschaftlichen Aufbruch: Frauen durften wählen, die Verfassung versprach grundsätzlich gleiche Rechte und eine gemeinsame Grundschule für alle Kinder. Das Bauhaus wollte mit moderner Gestaltung gute und bezahlbare Dinge und Wohnungen für viele schaffen, Reformpädagogen eine Schule „vom Kinde aus“, Kino und Radio wurden Massenmedien. Diese Moderne war aber vor allem eine Sache der Großstädte und wurde von rechts als „Kulturbolschewismus“ bekämpft. Der Glanz der „Goldenen Zwanziger“ betraf wenige Jahre und wenige Menschen. In der Klausur prüfst du Bild und Wirklichkeit, auch in heutigen Darstellungen wie „Babylon Berlin“.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt</span><p>Schwerpunkt I 2027: „Die Weimarer Republik“. Inhaltsfeld für beide Niveaus:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Von der Novemberrevolution bis zur Währungsstabilisierung“</li>\n</ul>\n<p>Zusätzlich auf erhöhtem Anforderungsniveau:</p>\n<ul>\n<li>„„Goldene Zwanziger Jahre?“ Kultur und Medien in der Weimarer Republik“</li>\n</ul>\n<p>Der passende Lernzettel zur Frage im Titel: Neue Frau, Bauhaus, Gegenkräfte und der Mythos der Goldenen Zwanziger.</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://dokumente.hamburg.de/resource/blob/1074128/9a9b1afacd506b6058cb4c3379abaeb6/abitur-a-heft-2027-data.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Regelungen für die zentralen schriftlichen Prüfungsaufgaben, Abitur 2027 (A-Heft)</a>, Abschnitt 15 Geschichte; Rahmenplan Geschichte, Bildungsplan Studienstufe 2022.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Wenn heute von den „Zwanzigern“ die Rede ist, denken viele an Charleston, Bubikopf und Berliner Nachtleben. Das ist ein Bild, aber nicht die ganze Wirklichkeit. Die Weimarer Republik war eine Zeit, in der vieles erlaubt und ausprobiert wurde, was im Kaiserreich undenkbar war: in den Rollen von Frauen und Männern, in Kunst und Architektur, in der Erziehung.</p>\n<p>Fachleute sprechen von <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Liberalisierung<span class=\"wort-erkl\">Abbau von Zwängen und Verboten, mehr Freiheit für den Einzelnen in Lebensführung, Kunst und Meinung</span></span>. In der Klausur sollst du Beispiele kennen, erklären, warum sie auf heftigen Widerstand stießen, und heutige Bilder dieser Zeit kritisch prüfen.</p>\n</div>\n\n<h4>Frauen: neue Rechte, neue Bilder</h4>\n<p>Am 12. November 1918 erhielten Frauen das Wahlrecht, die Verfassung von 1919 gab Männern und Frauen „grundsätzlich“ dieselben staatsbürgerlichen Rechte. In Filmen, Zeitschriften und Mode entstand das Bild der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Neuen Frau“<span class=\"wort-erkl\">Leitbild der 1920er-Jahre: berufstätig, unabhängig, mit Bubikopf, Freizeit in Kino, Tanz und Sport</span></span>, etwa der Stenotypistin oder Verkäuferin mit eigenem Geld. Das Bild war vor allem eine Medienfigur. Viele Frauen verdienten deutlich weniger als Männer, arbeiteten nur bis zur Heirat und trugen neben der Arbeit Haushalt und Kinder allein.</p>\n\n<h4>Das Material: Die Verfassung verspricht Gleichheit</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Verfassung des Deutschen Reichs vom 11. August 1919, Artikel 109 und 146 (Auszüge)</span>\n<p>Artikel 109: „Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich. Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.“</p>\n<p>Artikel 146: „Das öffentliche Schulwesen ist organisch auszugestalten. Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich das mittlere und höhere Schulwesen auf. Für diesen Aufbau ist die Mannigfaltigkeit der Lebensberufe, für die Aufnahme eines Kindes in eine bestimmte Schule sind seine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung oder das Religionsbekenntnis seiner Eltern maßgebend.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Reichsgesetzblatt 1919, Nr. 152, S. 1383–1418; Wortlaut nach Wikisource. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Das kleine Wort „grundsätzlich“ ist wichtig. Gleich waren Frauen bei den staatsbürgerlichen Rechten, also vor allem beim Wählen. Im Ehe- und Familienrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs entschied aber weiter der Mann, etwa über Wohnort und Arbeit der Frau. Artikel 146 zeigt den Anspruch, Herkunft und Geld sollten nicht über die Schule entscheiden. Umgesetzt wurde davon vor allem die vierjährige gemeinsame Grundschule.</p>\n\n<h4>Das Bauhaus: Kunst für das Leben aller</h4>\n<ul>\n<li><strong>1919:</strong> Walter Gropius gründet in Weimar das Staatliche Bauhaus, eine Schule für Architektur, Kunst und Gestaltung. Die Schule steht für Moderne und Funktionalität und erprobt neue Formen der Produktion.</li>\n<li><strong>1925:</strong> Nach Streit mit der neuen konservativen Regierung Thüringens zieht das Bauhaus nach Dessau.</li>\n<li><strong>Sozialer Anspruch:</strong> In der Siedlung Dessau-Törten (1926–1928) entstehen 314 kleine Häuser mit Garten. Gropius will mit rationalisiertem Bauen die Kosten senken und so Wohnungen für viele schaffen.</li>\n<li><strong>Ende:</strong> 1932 beschließt der Dessauer Gemeinderat auf Antrag der NSDAP die Schließung. In Berlin arbeitet das Bauhaus unter Ludwig Mies van der Rohe als private Schule weiter, bis Polizei und SA das Gebäude im April 1933 versiegeln; im Juli 1933 lösen es die Lehrer selbst auf.</li>\n</ul>\n\n<h4>Schule und Erziehung</h4>\n<p>Das Reichsgrundschulgesetz von 1920 schuf die vierjährige Grundschule, gemeinsam für alle Kinder. Sie sollte die Kluft zwischen den sozialen Schichten verringern; danach trennten sich die Wege in Volksschule, Mittelschule und höhere Schule. Reformpädagogen wollten eine Schule „vom Kinde aus“. In Hamburg entstanden Versuchsschulen, in Berlin-Neukölln baute Fritz Karsen die Karl-Marx-Schule als Versuchsschule auf.</p>\n\n<h4>Film, Rundfunk und Massenkultur</h4>\n<p>Kino und Radio machten Kultur zur Massenware. 1923 begann in Berlin der regelmäßige Rundfunk. Deutsche Filme galten als Weltspitze: „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920) mit verzerrten Kulissen, „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang über eine Großstadt der Zukunft, „Der blaue Engel“ (1930) mit Marlene Dietrich, einer der ersten deutschen Tonfilme. Illustrierte, Schlager, Sportereignisse und Revuen erreichten Millionen. Der Film zeigte die Moderne und ihre Ängste zugleich: Technik, Masse und Großstadt als Verheißung und Bedrohung.</p>\n\n<h4>Gegenkräfte</h4>\n<p>Die moderne Kunst und das Neue Bauen wurden schon in den 1920er-Jahren von rechts scharf angegriffen. Die nationalsozialistische Propaganda nutzte dafür den <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kampfbegriff<span class=\"wort-erkl\">Wort, das nicht beschreibt, sondern den Gegner abwerten und Menschen gegen ihn aufbringen soll</span></span> „Kulturbolschewismus“; konservativen Kreisen galt das Bauhaus als links und international. Der kulturelle Aufbruch war zudem fast nur ein Phänomen der Großstädte.</p>\n\n<h4>Die „Goldenen Zwanziger“ heute</h4>\n<p>Gemeint ist meist die Zeit von etwa 1924 bis 1929, zwischen Inflation und Weltwirtschaftskrise, und vor allem Berlin. Historiker sehen den Begriff skeptisch: Der Glanz betraf wenige Großstädte, daneben standen Armut, politische Gewalt und soziale Kämpfe. Die Fernsehserie „Babylon Berlin“ (ab 2017, nach dem Roman „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher) spielt 1929 in Berlin und zeigt beides: Tanz und Glamour, aber auch Elend, Korruption und Extremisten. Als Geschichtsdarstellung prüfst du sie wie jede Darstellung: Was ist belegt, was erfunden, welches Bild von Weimar entsteht?</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Bereiche hängen zusammen: Die Verfassung (M 1) gab den rechtlichen Rahmen für Frauenrechte und gemeinsame Grundschule. Bauhaus, Reformpädagogik und „Neue Frau“ teilen dieselbe Idee: mit alten Formen brechen und ein Leben für viele modern gestalten. Kino und Radio verbreiteten diese Bilder, oft schöner als die Wirklichkeit. Gerade weil der Aufbruch so sichtbar war, wurde er zum Feindbild: Für Konservative und Nationalsozialisten standen Bauhaus, Jazz und „Neue Frau“ für alles, was sie an der Republik hassten. Kultur war in Weimar deshalb nie nur Kultur, sondern Teil des Kampfes um die Demokratie.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Golden oder krisenhaft?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Kulturelle Blüte:</strong> Viele Darstellungen betonen die einzigartige Kreativität dieser Jahre, deren Folgen bis heute wirken, vom Design bis zum Film.</li>\n<li><strong>Krise der Moderne:</strong> Der Historiker Detlev Peukert sprach von den „Krisenjahren der klassischen Moderne“: Der Aufbruch selbst habe Unsicherheit und Widerstand erzeugt.</li>\n<li><strong>Mythos im Rückblick:</strong> Andere zeigen, dass das Bild der „Goldenen Zwanziger“ vor allem im Rückblick entstand, nach der Diktatur, und Armut und Gewalt ausblendet.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen: Lehrbuchwissen (Peukert, „Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne“, 1987).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Reichweite:</strong> Großstadt oder ganzes Land, Bürgertum oder alle Schichten?</li>\n<li><strong>Recht und Wirklichkeit:</strong> Was versprach die Verfassung, was änderte sich im Alltag?</li>\n<li><strong>Zeitraum:</strong> Krisenjahre bis 1923 und ab 1929 oder die mittleren Jahre?</li>\n<li><strong>Darstellung:</strong> Quelle aus der Zeit oder Bild von heute?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an das Basiswissen „Gesellschaftliche Liberalisierungstendenzen in Kunst, Geschlechterfragen oder Erziehung“ und die Frage „‚Goldene Zwanziger Jahre?‘“)</span>\n<p>1. Arbeiten Sie heraus, welche Gleichheit M 1 verspricht. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie Liberalisierungstendenzen in der Weimarer Republik an zwei Beispielen. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob die Bezeichnung „Goldene Zwanziger“ die Weimarer Gesellschaft treffend beschreibt. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Gleichheit vor dem Gesetz; „grundsätzlich“ gleiche staatsbürgerliche Rechte und Pflichten für Männer und Frauen; gemeinsame Grundschule; Zugang zu Schulen nach Anlage und Neigung, nicht nach Stand, Vermögen oder Religion der Eltern. Einschränkung durch „grundsätzlich“.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Beispiele: Frauenwahlrecht und „Neue Frau“ (Bild und Wirklichkeit), Bauhaus mit sozialem Wohnungsbau (Dessau-Törten), Grundschule und Reformpädagogik (Hamburger Versuchsschulen, Karsen), Film und Rundfunk als Massenkultur.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Golden:</em> Kreativität in Kunst, Film und Architektur, neue Freiheiten, wirtschaftliche Erholung 1924–1929. <em>Nicht golden:</em> nur wenige Jahre, vor allem Berlin und Großstädte, Lohnungleichheit und Doppelbelastung der Frauen, Armut, Angriffe von rechts, politische Gewalt; der Begriff entstand im Rückblick. Ein gelungenes Urteil: golden für eine städtische Minderheit, krisenhaft für die Mehrheit. Für die oberen Noten: Du nennst Peukerts Deutung und prüfst ein heutiges Bild wie „Babylon Berlin“.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Erkläre am Beispiel der „Neuen Frau“, warum Bild und Wirklichkeit der Weimarer Gesellschaft auseinanderfielen.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Das Bild der unabhängigen, berufstätigen Frau verbreiteten Film, Werbung und Zeitschriften. Rechtlich hatten Frauen nun das Wahlrecht und grundsätzlich gleiche Rechte. Im Alltag verdienten sie aber weniger, arbeiteten oft nur bis zur Heirat und trugen Haushalt und Kinder allein. Das Bild zeigte also eine Möglichkeit für wenige, nicht die Lage der meisten.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„Goldene Zwanziger“ für die ganze Weimarer Zeit.</strong> Die Jahre bis 1923 und ab 1929 waren Krisenzeiten.</li>\n<li><strong>Bauhaus nur als Stil sehen.</strong> Es hatte einen sozialen Anspruch, etwa günstigen Wohnungsbau für viele.</li>\n<li><strong>Eine Serie als Quelle behandeln.</strong> „Babylon Berlin“ ist eine Darstellung von heute, keine Quelle aus der Zeit.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-gruendung\">Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-ende\">Das Ende von Weimar 1930–1933</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-moderne\">Moderne: Großstadt, Frauenbewegung, Massenkultur, Theorien</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimarer+Republik&card=hh-ge-weimar-krisenjahre\">Krisenjahre der Weimarer Republik 1919–1923</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-weimar-kultur -->"
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