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      "short": "Bundesrepublik und DDR 1949 bis 1989 einfach erklärt: doppelte Staatsgründung, Grundgesetz und DDR-Verfassung im Wortlaut, Verfassung und Wirklichkeit, Wirtschaft und Zustimmung, 17. Juni 1953, Mauerbau, Protest in West und Ost, Stalin-Note als Forschungsstreit, mit Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-brd-ddr -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Bundesrepublik und DDR 1949–1989</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Aufgabe zu den zwei deutschen Staaten ab 1949 verlangt in der Klausur mehr als Erzählen: Du sollst Ursachen und Folgen erklären und am Ende selbst urteilen; Punkte gibt es für genaue Begriffe und Begründungen. 1949 entstanden aus den Besatzungszonen zwei deutsche Staaten: am 23. Mai die Bundesrepublik mit dem Grundgesetz, am 7. Oktober die DDR. Beide Verfassungen versprachen Grundrechte und Demokratie, doch nur im Westen galten sie wirklich; in der DDR bestimmte die SED, gewählt wurde mit Einheitslisten, und die Staatssicherheit verfolgte Gegner. Im Westen stützte der wachsende Wohlstand der Sozialen Marktwirtschaft die Zustimmung zur Demokratie, im Osten flohen bis zum Mauerbau am 13. August 1961 Millionen Menschen. Beide Staaten beanspruchten zunächst, für ganz Deutschland zu sprechen; die DDR strich die „deutsche Nation“ 1974 aus ihrer Verfassung. Ob die Teilung 1952 mit der Stalin-Note hätte überwunden werden können, ist bis heute ein Forschungsstreit.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Lehrplan Sachsen, Grundkurs und Leistungskurs:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Kennen der doppelten Staatsgründung 1948/49“</li>\n<li>„Beurteilen des demokratischen Anspruchs beider deutscher Staaten“</li>\n</ul>\n<p>Wirtschaft und Akzeptanz (Leistungskurs): „Beurteilen des Beitrags von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung zur Akzeptanz einer Staatsform“; dazu der Abschnitt „Wirtschaft und Zustimmung zum System“.</p>\n<p>Quellen: <a href=\"https://www.schulportal.sachsen.de/lplandb/index.php?lplanid=65\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrplan Gymnasium Geschichte (Lehrplandatenbank Sachsen)</a>; <a href=\"https://revosax.sachsen.de/vorschrift/21215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VwV Abiturprüfung 2027</a> (Ziffer I.2: alle Lernbereiche sind mögliche Prüfungsinhalte).</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>1945 teilten die Siegermächte Deutschland in vier Besatzungszonen. Die Westmächte und die Sowjetunion zerstritten sich bald. Dieser Konflikt heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kalter Krieg<span class=\"wort-erkl\">der Machtkampf zwischen USA und Sowjetunion nach 1945, ohne direkten Krieg, aber mit Wettrüsten</span></span>. Jede Seite baute ihren Teil nach eigenem Vorbild um: im Westen Demokratie und Marktwirtschaft, im Osten eine kommunistische Diktatur mit Planwirtschaft.</p>\n<p>In Klausuren vergleichst du beide Staaten meist an drei Fragen. Wie demokratisch waren sie wirklich (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Verfassung und Verfassungswirklichkeit<span class=\"wort-erkl\">was in der Verfassung steht und wie der Staat tatsächlich handelt</span></span>)? Warum stimmten die Menschen ihrem Staat zu oder nicht (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Systemakzeptanz<span class=\"wort-erkl\">wie sehr die Bevölkerung eine Staatsordnung annimmt, etwa weil sie Wohlstand, Sicherheit oder Freiheit bringt</span></span>)? Sahen sie sich als Teil einer Nation (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Deutsche Frage<span class=\"wort-erkl\">ob und wie die beiden deutschen Staaten wieder ein Staat werden können</span></span>)?</p>\n</div>\n\n<h4>Die doppelte Staatsgründung 1948/49</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Juni 1948, zwei Währungen:</strong> Am 21. Juni kommt in den Westzonen die D-Mark, drei Tage später eine eigene Währung in der Ostzone: zwei Wirtschaftsräume. Im Westen beginnt unter Ludwig Erhard die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Soziale Marktwirtschaft<span class=\"wort-erkl\">freier Markt und Wettbewerb, aber ein Staat, der soziale Härten ausgleicht und den Wettbewerb schützt („Wohlstand für alle“)</span></span>.</li>\n<li><strong>24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949, Berlin-Blockade:</strong> Weil die D-Mark auch in West-Berlin gilt, sperrt die Sowjetunion alle Zufahrten. Die Westmächte versorgen die Stadt über eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Luftbrücke<span class=\"wort-erkl\">Versorgung West-Berlins mit Flugzeugen, weil Straßen, Schienen und Wasserwege gesperrt waren</span></span>. Die Blockade scheitert, und aus Besatzern werden im Westen Schutzmächte.</li>\n<li><strong>23. Mai 1949, Grundgesetz:</strong> Der Parlamentarische Rat hat es am 8. Mai beschlossen. Es heißt bewusst nicht „Verfassung“, weil es nur für eine Übergangszeit gelten soll. Konrad Adenauer (CDU) ist von 1949 bis 1963 Bundeskanzler.</li>\n<li><strong>7. Oktober 1949, DDR:</strong> Ein „Volksrat“ setzt die DDR-Verfassung in Kraft. Er stammt von einem Volkskongress, der im Mai 1949 über eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Einheitsliste<span class=\"wort-erkl\">eine einzige Liste, auf der die Sitze schon vorher verteilt sind; man kann nur zustimmen oder ablehnen</span></span> gewählt worden war, die der SED die Mehrheit sicherte. Der Beschluss zur Staatsgründung war in Moskau gefallen.</li>\n</ol>\n<p>Für die Urteilsfrage: Der Westen ging bei Währung und Staat voran, der Osten zog nach. Die Sowjetunion hatte ihre Zone aber schon vorher nach ihrem Vorbild umgebaut. Beide Seiten trugen zur Teilung bei.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Haus der Geschichte, Kapitel „Doppelte Staatsgründung“ und Biografie Adenauer.</p>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Die doppelte Staatsgründung 1948/49 <span>· Vier Schritte vom Streit um die Währung bis zu zwei Staaten.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 196\" role=\"img\" aria-labelledby=\"sg-t sg-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"sg-t\">Die doppelte Staatsgründung 1948/49</title>\n<desc id=\"sg-d\">Vier Schritte: zwei Währungen im Juni 1948, Berlin-Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949, Grundgesetz am 23. Mai 1949, DDR-Verfassung am 7. Oktober 1949.</desc>\n<rect x=\"100\" y=\"8\" width=\"254\" height=\"38\" rx=\"8\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"6\" y=\"24\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">21. Juni 1948</text>\n<text x=\"6\" y=\"37\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">(24. Juni Ostzone)</text>\n<text x=\"110\" y=\"24\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Zwei Währungen</text>\n<text x=\"110\" y=\"38\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">D-Mark im Westen, eigene Währung im Osten</text>\n<rect x=\"100\" y=\"56\" width=\"254\" height=\"38\" rx=\"8\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"6\" y=\"72\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">24. Juni 1948</text>\n<text x=\"6\" y=\"85\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">bis 12. Mai 1949</text>\n<text x=\"110\" y=\"72\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Berlin-Blockade</text>\n<text x=\"110\" y=\"86\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Luftbrücke der Westmächte</text>\n<rect x=\"100\" y=\"104\" width=\"254\" height=\"38\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"6\" y=\"127\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">23. Mai 1949</text>\n<text x=\"110\" y=\"120\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Grundgesetz</text>\n<text x=\"110\" y=\"134\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Bundesrepublik, Adenauer Kanzler ab 1949</text>\n<rect x=\"100\" y=\"152\" width=\"254\" height=\"38\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"6\" y=\"175\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">7. Oktober 1949</text>\n<text x=\"110\" y=\"168\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">DDR-Verfassung</text>\n<text x=\"110\" y=\"182\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Volksrat, Beschluss in Moskau</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Vom Streit um die Währung zu zwei Staaten: Der Westen ging bei Währung und Staat voran, der Osten zog nach.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Das Material: was die beiden Verfassungen versprachen</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 (Auszüge)</span>\n<p>Präambel: „[…] hat das Deutsche Volk in den Ländern […], um dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine neue Ordnung zu geben, kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beschlossen. Es hat auch für jene Deutschen gehandelt, denen mitzuwirken versagt war. Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden.“</p>\n<p>Art. 1 (1): „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ (3): „Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.“</p>\n<p>Art. 21 (2): „Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen […], sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundesverfassungsgericht.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesgesetzblatt 1949, S. 1–19, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 7. Oktober 1949 (Auszüge)</span>\n<p>Art. 1 (1): „Deutschland ist eine unteilbare demokratische Republik; sie baut sich auf den deutschen Ländern auf.“</p>\n<p>Art. 6 (2): „Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen, Mordhetze gegen demokratische Politiker, Bekundung von Glaubens-, Rassen-, Völkerhaß, militaristische Propaganda sowie Kriegshetze und alle sonstigen Handlungen, die sich gegen die Gleichberechtigung richten, sind Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches.“</p>\n<p>Art. 9 (1): „Alle Bürger haben das Recht, innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze ihre Meinung frei und öffentlich zu äußern […].“ (2): „Eine Pressezensur findet nicht statt.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Gesetzblatt der DDR 1949, S. 5–16, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Beide Texte beanspruchen ganz Deutschland: Das Grundgesetz handelt auch für die, „denen mitzuwirken versagt war“, die DDR-Verfassung nennt Deutschland „unteilbar“. Beide versprechen Grundrechte. Im Grundgesetz binden sie jeden Staatsteil „als unmittelbar geltendes Recht“, über Parteiverbote entscheidet ein Gericht. In der DDR stand neben der Meinungsfreiheit der unbestimmte Begriff „Boykotthetze“. Nach ihm wurden Angriffe auf das System, „und was man dafür hielt“, hart bestraft. Ein Gericht, bei dem Bürger ihre Grundrechte einklagen konnten, gab es nicht.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Gebrauch von Art. 6 als politisches Strafgesetz: Friedrich-Christian Schroeder, „Die neuere Entwicklung des Strafrechts in beiden deutschen Staaten“, Aus Politik und Zeitgeschichte 4–5/1988 (bpb); Deutsches Historisches Museum, Ausstellung „Verfassung“, Text zur DDR-Verfassung 1949 („mit dem jede Opposition kriminalisiert werden konnte“).</p>\n\n<h4>Verfassung und Wirklichkeit im Westen</h4>\n<p>Aus den Fehlern von Weimar entstand eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„wehrhafte Demokratie“<span class=\"wort-erkl\">auch streitbare Demokratie: eine Demokratie, die sich mit eigenen Mitteln gegen Feinde wehrt, die sie auf legalem Weg abschaffen wollen</span></span>:</p>\n<ul>\n<li><strong>Grundrechte zuerst:</strong> Menschenwürde in Art. 1, Grundrechte vor dem Bundesverfassungsgericht einklagbar. In Weimar konnte der Reichspräsident sie nach Art. 48 außer Kraft setzen.</li>\n<li><strong>Stabile Regierung:</strong> Den Kanzler stürzt nur, wer zugleich einen Nachfolger wählt (Art. 67, <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">konstruktives Misstrauensvotum<span class=\"wort-erkl\">der Kanzler kann nur abgewählt werden, indem eine Mehrheit einen neuen Kanzler wählt; so entsteht keine Regierung ohne Mehrheit</span></span>). Der Bundespräsident hat kein Notverordnungsrecht.</li>\n<li><strong>Parteiverbot:</strong> Das Bundesverfassungsgericht verbot 1952 die Sozialistische Reichspartei, eine Nachfolgerin der NSDAP, und 1956 die KPD. Das KPD-Verbot ist bis heute umstritten.</li>\n</ul>\n<p>Auch im Westen gab es Konflikte, etwa um Wiederbewaffnung und Notstandsgesetze. Sie wurden aber öffentlich ausgetragen, vor Gericht entschieden und bei Wahlen beantwortet.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">bpb, „Verbot der KPD 1956“ und „Parteien und Verbote“; Bundesverfassungsgericht, Parteiverbotsverfahren.</p>\n\n<h4>Verfassung und Wirklichkeit im Osten</h4>\n<ul>\n<li><strong>Herrschaft der SED:</strong> Laut Verfassung war die Volkskammer das oberste Organ, tatsächlich bestimmte die Führung der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">SED<span class=\"wort-erkl\">Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, 1946 in der Ostzone durch die erzwungene Vereinigung von KPD und SPD entstanden; Staatspartei der DDR</span></span> Regierung und Justiz. Die anderen Parteien waren im Block mit der SED gebunden. Walter Ulbricht hatte schon 1945 gesagt: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“</li>\n<li><strong>„Staatssicherheit“:</strong> Am 8. Februar 1950 wurde das Ministerium für Staatssicherheit gegründet, die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Stasi<span class=\"wort-erkl\">Geheimpolizei der DDR, „Schild und Schwert der Partei“; überwachte die Bevölkerung mit offiziellen und geheimen Mitarbeitern</span></span>. Ihre Aufgaben waren nie gesetzlich begrenzt.</li>\n<li><strong>17. Juni 1953:</strong> Nach dem „planmäßigen Aufbau des Sozialismus“ (1952) wurde die Versorgung schlechter. Im Mai 1953 erhöhte die SED die Arbeitsnormen um rund zehn Prozent bei gleichem Lohn. Am 17. Juni protestierten rund eine Million Menschen in über 700 Orten, bald auch für freie Wahlen und die Einheit. Die Sowjetunion verhängte in 167 von 217 Kreisen den Ausnahmezustand, Panzer schlugen den Aufstand nieder, mehrere Dutzend Menschen starben.</li>\n<li><strong>13. August 1961, Mauerbau:</strong> Von 1949 bis zum Mauerbau verließen je nach Zählung 2,7 bis 2,8 Millionen Menschen die DDR, meist jung und gut ausgebildet. West-Berlin war das letzte Schlupfloch, bis die DDR auch dort die Grenze schloss. Sie nannte die Mauer „antifaschistischen Schutzwall“; tatsächlich hielt sie die eigenen Bürger fest.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Verfassung und Führungsrolle der SED“ (Ulbricht-Zitat), „Aufbau des MfS“, „17. Juni 1953“, „Flucht und Notaufnahme“ (2,8 Millionen); bpb, „Der 17. Juni 1953 im Überblick“ und „Fluchtbewegung“ (2,7 Millionen).</p>\n\n<h4>Wirtschaft und Zustimmung zum System</h4>\n<ul>\n<li><strong>West:</strong> Mit Währungsreform und Marshallplan-Hilfe begann das „Wirtschaftswunder“; die Soziale Marktwirtschaft brachte vielen Wohlstand und soziale Sicherheit. Ab 1955 warb die Bundesrepublik Arbeitskräfte an, zuerst aus Italien, die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Gastarbeiter“<span class=\"wort-erkl\">damaliges Wort für angeworbene ausländische Arbeitskräfte; es unterstellte, dass sie bald gehen; viele blieben</span></span>. Die Demokratie galt vielen als die Ordnung, die Wohlstand bringt.</li>\n<li><strong>Ost:</strong> Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Planwirtschaft<span class=\"wort-erkl\">der Staat legt in Plänen fest, was produziert wird, zu welchen Preisen und in welcher Menge; Betriebe gehören meist dem Staat</span></span> setzte auf Schwerindustrie statt Konsumgüter. Betriebe wurden zu Volkseigenen Betrieben, die Bauern wurden bis 1960 unter Druck in Genossenschaften (LPG) gezwungen. 1971 versprach Erich Honecker die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“, also mehr Wohnungen und Konsumgüter. Der Alltag blieb von Mangel geprägt: Auf ein Auto wartete man im Schnitt 15 Jahre.</li>\n</ul>\n<p>Im Westen stärkten Wohlstand und Freiheit sich gegenseitig. Im Osten sollte Versorgung die fehlende Freiheit ausgleichen; weil sie hinter dem Westen zurückblieb, blieb die Zustimmung brüchig.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Wirtschaftswunder“, „Gastarbeiter“, „Sozialistische Zentralplanwirtschaft“, „VIII. SED-Parteitag“, „Mangelwirtschaft“; Kollektivierung 1960: bpb, „Gesetz über die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“.</p>\n\n<h4>Wie sich beide Staaten selbst verstanden</h4>\n<p>Die Bundesrepublik beanspruchte, als einziger frei gewählter Staat für alle Deutschen zu sprechen (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Alleinvertretungsanspruch<span class=\"wort-erkl\">die Bundesrepublik sah sich als einzige legitime Vertretung Deutschlands und wollte verhindern, dass andere Staaten die DDR anerkennen</span></span>), und setzte auf <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Westintegration<span class=\"wort-erkl\">Adenauers Politik, die Bundesrepublik wirtschaftlich und militärisch fest in den Westen einzubinden</span></span>, 1955 mit dem NATO-Beitritt. Die DDR sang anfangs in ihrer Hymne von „Deutschland, einig Vaterland“. Ab Mitte der 1960er grenzte sie sich ab: 1967 eigene Staatsbürgerschaft, ab Anfang der 1970er-Jahre wurde der Hymnentext nicht mehr gesungen.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 3 · Verfassung der DDR, Artikel 1, Satz 1: Fassung von 1968 und Fassung von 1974</span>\n<p>1968: „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat deutscher Nation.“</p>\n<p>1974: „Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Gesetzblatt der DDR 1968 I, S. 199–222, und Fassung vom 7. Oktober 1974 (GBl. 1974 I, S. 432), Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtliche Texte, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Satz 2 beider Fassungen nennt die Führung „der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei“: Die Herrschaft der SED stand seit 1968 in der Verfassung. 1974 gab die SED die gemeinsame deutsche Nation auch im Text auf.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Gesamtdeutscher Anspruch“, „Abgrenzung vom Westen“, „Deutsche Frage“, „Militärallianzen“.</p>\n\n<h4>Umgang mit Protest in West und Ost</h4>\n<p>Nennt der Kasten oben die Friedens- und Umweltbewegung, gehört dieser Vergleich in deine Antwort.</p>\n<ul>\n<li><strong>West:</strong> Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„68er-Bewegung“<span class=\"wort-erkl\">Protestbewegung vor allem von Studierenden Ende der 1960er-Jahre, etwa gegen Vietnamkrieg und Notstandsgesetze</span></span> veränderte die Gesellschaft. Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">sozial-liberale Koalition<span class=\"wort-erkl\">Regierung aus SPD und FDP ab 1969, zuerst unter Willy Brandt</span></span> trat unter dem Leitwort „Mehr Demokratie wagen“ an: Wahlalter 18 ab 1970, BAföG 1971. Gegen den <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">NATO-Doppelbeschluss<span class=\"wort-erkl\">NATO-Beschluss vom 12. Dezember 1979: neue US-Raketen in Westeuropa aufstellen und zugleich Verhandlungen anbieten</span></span> demonstrierten Hunderttausende; der Bundestag stimmte der Stationierung am 22. November 1983 trotzdem zu. Aus der Umweltbewegung entstanden 1980 Die Grünen, 1983 im Bundestag. Protest wurde Teil der Politik.</li>\n<li><strong>Ost:</strong> Unter dem Dach der evangelischen Kirche entstanden Friedens- und Umweltgruppen, Zeichen seit 1980: „Schwerter zu Pflugscharen“. Die SED ging scharf dagegen vor, Jugendlichen mit dem Aufnäher wurden Konsequenzen angedroht. 1986 entstand in Ost-Berlin die Umweltbibliothek. Die Stasi überwachte die Gruppen, das Strafrecht („Staatsfeindliche Hetze“) bot jederzeit eine Handhabe. Protest blieb außerhalb der Politik, bis er 1989 die SED stürzte.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Sozialliberale Reformen“, „Friedensbewegung“, „Die Grünen“, „Opposition und Bürgerbewegung“; bpb, „22. November 1983: Bundestag bestätigt Entscheidung zum NATO-Doppelbeschluss“ und „Die Grünen“; Aufnäher: Deutsches Historisches Museum, „Friedensagitation“; evangelisch.de, Gespräch mit Harald Bretschneider (2019).</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: War die Teilung 1952 vermeidbar?</h4>\n<p>Am 10. März 1952 bot Stalin den Westmächten in einer Note ein vereintes Deutschland an, verlangte dafür aber strikte Neutralität. Der Westen lehnte ab und setzte auf Westintegration. Ob das eine verpasste Chance war, ist unter Historikern seit Jahrzehnten umstritten, auch nach Öffnung sowjetischer Akten.</p>\n<ul>\n<li><strong>Deutung „ernst gemeintes Angebot“:</strong> Wilfried Loth sieht in den Moskauer Akten das Bemühen, die Note für den Westen annehmbar zu machen.</li>\n<li><strong>Deutung „Störmanöver“:</strong> Hermann Graml weist auf Bedingungen hin, die für den Westen unannehmbar waren, etwa die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, und auf den Herrschaftswillen der Sowjetunion. Gerhard Wettig hält die Note für ein „Störfeuer“ gegen die Verhandlungen über eine westeuropäische Armee.</li>\n</ul>\n<p>Nenn beide Deutungen, sag, dass die Frage offen ist, und begründe, welcher du eher folgst.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Jürgen Zarusky (Hg.), „Die Stalin-Note vom 10. März 1952“ (2002), Beiträge von Loth, Graml und Wettig, nach den Rezensionen bei Perlentaucher; LeMO, „Deutsche Frage“.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<p>Maßstäbe für ein Sachurteil über den demokratischen Anspruch:</p>\n<ul>\n<li><strong>Freie Wahlen:</strong> Konnten die Bürger die Regierung abwählen?</li>\n<li><strong>Grundrechte:</strong> Galten sie auch gegen den Staat, und gab es ein Gericht, das sie schützte?</li>\n<li><strong>Gewaltenteilung:</strong> Waren Justiz und Parlament unabhängig von einer Partei?</li>\n<li><strong>Umgang mit Opposition:</strong> Wurde Protest ausgehalten, beantwortet oder verfolgt?</li>\n<li><strong>Abstimmung mit den Füßen:</strong> Wohin gingen die Menschen?</li>\n</ul>\n<p>Für ein Werturteil misst du offen an Menschenwürde, Freiheit und Rechtsstaat (<a href=\"?category=Methoden&card=sn-ge-urteil\">Karte Urteilen</a>).</p>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Beurteilen des demokratischen Anspruchs beider deutscher Staaten“)</span>\n<p>1. Arbeiten Sie aus M 1 und M 2 heraus, welche Ordnung die beiden Verfassungen von 1949 versprechen. (AFB I bis II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, wie in beiden Staaten bis 1961 Verfassung und Verfassungswirklichkeit zueinander standen. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, inwieweit beide deutsche Staaten ihren demokratischen Anspruch einlösten. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Beide beanspruchen ganz Deutschland (M 1: Auftrag zur Einheit; M 2: „unteilbare demokratische Republik“) und versprechen Grundrechte. Erwartet wird der Befund, der nicht wörtlich dasteht: M 1 sichert die Grundrechte ab (unmittelbar geltend, Parteiverbot nur durch das Verfassungsgericht), M 2 enthält mit der „Boykotthetze“ einen unbestimmten Straftatbestand, der die Grundrechte aushöhlen kann.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> West: Grundrechte vor Gericht einklagbar, Regierungswechsel durch Wahlen, wehrhafte Demokratie mit Parteiverboten 1952 und 1956, Konflikte öffentlich ausgetragen. Ost: Einheitslisten statt Wahl, Führung der SED über Regierung und Justiz, Stasi seit 1950, politische Urteile nach Art. 6, Niederschlagung des 17. Juni 1953, Flucht von Millionen, Mauerbau 1961. Gute Antworten erklären den Widerspruch von Wortlaut und Praxis, statt Ereignisse aufzuzählen.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Urteil mit Kriterien (freie Wahlen, Grundrechte, Gewaltenteilung). Die Bundesrepublik löste ihren Anspruch weitgehend ein; auch Streitfälle wie das KPD-Verbot wurden innerhalb der Verfassung entschieden. Die DDR löste ihn kaum ein: Sie „sah demokratisch aus“, die Macht lag bei der SED, Protest wurde mit Gewalt beantwortet. Für die oberen Noten: Die DDR verstand unter Demokratie die Führung durch die Partei der Arbeiterklasse, also etwas anderes als das Grundgesetz.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Erkläre an M 3 in zwei Sätzen, wie sich das Selbstverständnis der DDR zwischen 1968 und 1974 änderte. b) Begründe in drei Sätzen, warum das Grundgesetz 1949 „Grundgesetz“ heißt und nicht „Verfassung“ (M 1).</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) 1968 nannte sich die DDR noch „Staat deutscher Nation“ und hielt damit an einer gemeinsamen Nation fest. 1974 strich sie den Bezug zur Nation und nannte sich „Staat der Arbeiter und Bauern“; sie wollte sich nach den Verträgen der Entspannungspolitik als eigener Staat vom Westen abgrenzen.</p>\n<p>b) Der Parlamentarische Rat wollte die Teilung nicht noch vertiefen. Das Grundgesetz sollte nur „für eine Übergangszeit“ gelten, bis das „gesamte Deutsche Volk“ die Einheit „in freier Selbstbestimmung“ vollendet.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Die DDR-Verfassung für bare Münze nehmen.</strong> Meinungsfreiheit stand drin, Kritiker wurden trotzdem verurteilt.</li>\n<li><strong>Die Bundesrepublik als konfliktfrei darstellen.</strong> Auch dort gab es Streit; der Unterschied ist, wie er ausgetragen wurde.</li>\n<li><strong>Daten vertauschen.</strong> Grundgesetz 23. Mai 1949, DDR 7. Oktober 1949, Aufstand 17. Juni 1953, Mauerbau 13. August 1961, Öffnung der Mauer 9. November 1989.</li>\n<li><strong>Nur einer Seite die Teilung zuschreiben.</strong> Beide Seiten bauten ihre Zone nach eigenem Vorbild um; die Stalin-Note ist ein offener Forschungsstreit.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimar+und+NS-Diktatur&card=sn-ge-holocaust\">Entrechtung und Völkermord 1933–1945</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-einheit\">Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Herausforderung+Frieden&card=sn-ge-kalter-krieg\">Kalter Krieg bis 1963: Blöcke und Krisen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Geschichtskultur+%28LK%29&card=sn-ge-erinnerungskultur\">Geschichts- und Erinnerungskultur</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Operatoren&card=sn-ge-op-beurteilen\">Beurteilen, bewerten, Stellung nehmen, diskutieren (AFB III)</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-brd-ddr -->"
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    {
      "id": "sn-ge-brd-rechtsstaat",
      "cat": "BRD und DDR",
      "title": "Wehrhafte Demokratie: Parteiverbote, Spiegel-Affäre, RAF",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Rechtsstaat und wehrhafte Demokratie in der Bundesrepublik einfach erklärt: Parteiverbote SRP 1952 und KPD 1956, Spiegel-Affäre 1962 mit Spiegel-Urteil im Original, APO, Radikalenerlass 1972 mit Zahlen, Terrorismus der RAF und Deutscher Herbst 1977, Grenzen der Freiheit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-brd-rechtsstaat -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Rechtsstaat und Umgang mit Andersdenkenden in der Bundesrepublik 1952–1977</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du zum Rechtsstaat der Bundesrepublik eine Quelle oder Darstellung und sollst sie einordnen und beurteilen; Punkte gibt es für Belege am Material und ein begründetes Urteil, nicht fürs Aufzählen von Jahreszahlen. Aus dem Scheitern von Weimar zog das Grundgesetz die Lehre, dass sich eine Demokratie gegen ihre Feinde wehren darf; man spricht von wehrhafter Demokratie. Das Bundesverfassungsgericht verbot deshalb 1952 die neonazistische SRP und 1956 die KPD. Zugleich musste der Staat zeigen, dass er Kritik aushält: In der Spiegel-Affäre 1962 ließ die Regierung eine Redaktion durchsuchen, die Öffentlichkeit wehrte sich, und das Gericht betonte die Bedeutung der freien Presse. Der Radikalenerlass von 1972 und der Kampf gegen den Terror der RAF bis zum Deutschen Herbst 1977 stellten erneut die Frage, wie weit ein Rechtsstaat gehen darf, um sich zu schützen.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Lehrplan Sachsen, Grundkurs und Leistungskurs:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Rechtsstaatlichkeit und Umgang mit Andersdenkenden in der Bundesrepublik“</li>\n<li>„Terrorismus der RAF“</li>\n</ul>\n<p>Quellen: <a href=\"https://www.schulportal.sachsen.de/lplandb/index.php?lplanid=65\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrplan Gymnasium Geschichte (Lehrplandatenbank Sachsen)</a>; <a href=\"https://revosax.sachsen.de/vorschrift/21215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VwV Abiturprüfung 2027</a> (Ziffer I.2: alle Lernbereiche sind mögliche Prüfungsinhalte).</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Rechtsstaat<span class=\"wort-erkl\">Staat, in dem alle staatliche Macht an Gesetze gebunden ist, Grundrechte gelten und unabhängige Gerichte die Regierung kontrollieren</span></span> bindet sich selbst an Recht und Grundrechte. Das macht ihn verletzlich: In Weimar hatten Feinde der Demokratie ihre Freiheiten genutzt, um sie abzuschaffen. Das Grundgesetz von 1949 wollte das verhindern und gab der Demokratie Mittel, sich zu wehren.</p>\n<p>Daraus entsteht eine Spannung, die bis heute gilt: Wer die Demokratie schützt, muss manchmal Freiheiten einschränken, und wer zu viel einschränkt, beschädigt, was er schützen will. In der Klausur sollst du an Beispielen zeigen, wie die Bundesrepublik mit Gegnern und Kritikern umging, und beurteilen, wo sich der Rechtsstaat bewährte und wo er an Grenzen ging.</p>\n</div>\n\n<h4>Wehrhafte Demokratie: Parteiverbote</h4>\n<p>Nach Art. 21 Abs. 2 des Grundgesetzes sind Parteien verfassungswidrig, die die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">freiheitliche demokratische Grundordnung<span class=\"wort-erkl\">die Kernprinzipien des Grundgesetzes: Menschenwürde, Demokratie, Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Mehrparteiensystem, unabhängige Gerichte</span></span> beseitigen wollen; darüber entscheidet allein das Bundesverfassungsgericht. Dieses Prinzip der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">wehrhaften Demokratie<span class=\"wort-erkl\">Grundsatz, dass die Demokratie ihre Gegner nicht gewähren lassen muss: Parteien und Vereinigungen, die sie beseitigen wollen, können verboten werden</span></span> wurde zweimal angewandt:</p>\n<ul>\n<li><strong>1952:</strong> Verbot der neonazistischen Sozialistischen Reichspartei (SRP).</li>\n<li><strong>1956:</strong> Verbot der KPD. Es folgten zahlreiche Ermittlungsverfahren gegen Kommunisten. Kritiker sehen darin bis heute eine Überreaktion im Kalten Krieg; die Partei war bei der Bundestagswahl 1953 schon an der Fünfprozenthürde gescheitert.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Parteiverbote und Kritik: bpb, „Verbot der KPD 1956“ und „Parteien und Verbote“; BVerfG, Parteiverbotsverfahren (siehe Karte zu Bundesrepublik und DDR).</p>\n\n<h4>Die Spiegel-Affäre 1962</h4>\n<p>Am 10. Oktober 1962 erschien im „Spiegel“, damals mit rund 500.000 Exemplaren, der Artikel „Bedingt abwehrbereit“ über die Schwächen der Bundeswehr in einer NATO-Übung. Wegen des Verdachts auf Landesverrat durchsuchte die Polizei Ende Oktober die Redaktion; Herausgeber Rudolf Augstein und mehrere Redakteure wurden verhaftet. Das Verteidigungsministerium hatte das Vorgehen unterstützt. Es gab Demonstrationen und Proteste in der Presse, die FDP zog ihre Minister aus der Regierung zurück, Verteidigungsminister Franz Josef Strauß musste gehen.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Bundesverfassungsgericht, Urteil vom 5. August 1966 („Spiegel-Urteil“), Leitgedanke (Auszug)</span>\n<p>„Eine freie, nicht von der öffentlichen Gewalt gelenkte, keiner Zensur unterworfene Presse ist ein Wesenselement des freiheitlichen Staates; insbesondere ist eine freie, regelmäßig erscheinende politische Presse für die moderne Demokratie unentbehrlich. Soll der Bürger politische Entscheidungen treffen, muß er umfassend informiert sein, aber auch die Meinungen kennen und gegeneinander abwägen können, die andere sich gebildet haben.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">BVerfGE 20, 162 (Erster Senat); Wortlaut nach dem Projekt „Deutschsprachiges Fallrecht“ der Universität Bern (servat.unibe.ch). Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Das Gericht formulierte Grundsätze, die bis heute zitiert werden. Die Verfassungsbeschwerde des „Spiegel“ wies es aber zurück: Die Richter waren gespalten, und bei Stimmengleichheit konnte nach dem Gesetz kein Verstoß gegen das Grundgesetz festgestellt werden. Die Affäre zeigt beides: die Bereitschaft der Regierung, unbequeme Journalisten zu verfolgen, und die Kraft einer Öffentlichkeit, die sich dagegen wehrte. Viele sehen in ihr deshalb einen Wendepunkt zu einer selbstbewussteren Demokratie.</p>\n\n<h4>Protest und Radikalenerlass</h4>\n<p>Ende der 1960er-Jahre protestierte die Außerparlamentarische Opposition gegen Notstandsgesetze, Vietnamkrieg und das Schweigen über die NS-Zeit (<a href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-1968\">mehr auf der Karte zu 1968</a>). Am 28. Januar 1972 beschlossen Bundeskanzler Willy Brandt und die Ministerpräsidenten den <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Radikalenerlass<span class=\"wort-erkl\">Beschluss von 1972: Bewerber und Beschäftigte im öffentlichen Dienst werden auf ihre Verfassungstreue geprüft; Kritiker sprachen von „Berufsverboten“</span></span>: Einstellungsbehörden fragten beim Verfassungsschutz an, ob „verfassungsfeindliche Aktivitäten“ bekannt seien.</p>\n<ul>\n<li><strong>Umfang:</strong> Allein bis 1976 wurden fast eine halbe Million Bewerber überprüft und 430 abgelehnt. Von 1972 bis 1991 soll es bis zu 3,5 Millionen Anfragen gegeben haben, nach Schätzungen rund 1.250 Ablehnungen und etwa 260 Entlassungen. Etwa 80 Prozent der Betroffenen waren angehende oder aktive Lehrerinnen und Lehrer.</li>\n<li><strong>Recht:</strong> Das Bundesverfassungsgericht bestätigte 1975, dass Behörden Bewerber ablehnen dürfen, wenn sie einer als verfassungsfeindlich eingestuften Partei angehören, auch wenn diese nicht verboten ist.</li>\n<li><strong>Kritik und Ende:</strong> Nach Kritik im In- und Ausland schwächte der Bund die Regeln 1976 ab und fragte ab 1979 nur noch bei konkretem Verdacht an; die Länder folgten bis 1991. 1995 gab der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte einer entlassenen Lehrerin, Mitglied der DKP, Recht.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">bpb, „Vor 50 Jahren: ‚Radikalenerlass‘“ (Hintergrund aktuell, 2022).</p>\n\n<h4>Terrorismus der RAF und der Deutsche Herbst 1977</h4>\n<p>Aus einer kleinen Minderheit der Protestbewegung entstand ab 1970 die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Rote Armee Fraktion<span class=\"wort-erkl\">RAF: linksterroristische Gruppe um Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof, die den Staat mit Anschlägen und Morden bekämpfte</span></span>, die den Staat mit Anschlägen und Morden bekämpfte. Ihren Höhepunkt erreichte der Terror 1977, im „Deutschen Herbst“:</p>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>5. September 1977:</strong> Die RAF entführte in Köln Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, ermordete seine Begleiter und forderte die Freilassung von elf inhaftierten RAF-Mitgliedern.</li>\n<li><strong>13. Oktober:</strong> Palästinensische Terroristen entführten zur Unterstützung die Lufthansa-Maschine „Landshut“; in Aden erschossen sie den Piloten Jürgen Schumann.</li>\n<li><strong>18. Oktober:</strong> Kurz nach Mitternacht stürmte die Spezialeinheit GSG 9 in Mogadischu das Flugzeug und befreite die Geiseln. In derselben Nacht nahmen sich Baader, Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen in Stuttgart-Stammheim das Leben.</li>\n<li><strong>19. Oktober:</strong> Schleyers Leiche wurde in Mülhausen im Elsass in einem Kofferraum gefunden.</li>\n</ol>\n<p>Die Bundesregierung unter Helmut Schmidt ließ sich nicht erpressen. Um die Kommunikation der Gefangenen zu unterbinden, beschloss der Bundestag im September 1977 in wenigen Tagen ein Gesetz, das Kontakte der Häftlinge, auch zu Anwälten, sperren ließ. Kritiker warnten vor einem Abbau von Grundrechten im Ausnahmezustand.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO (Haus der Geschichte), „Deutscher Herbst“, Biografie „Hanns Martin Schleyer“ und Jahreschronik 1977; bpb, „Vor 45 Jahren: Entführung der ‚Landshut‘“. Kontaktsperregesetz: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Alle Beispiele zeigen dieselbe Spannung. Parteiverbote, Radikalenerlass und Antiterrorgesetze schützten die Demokratie nach der Lehre aus Weimar, schränkten aber Freiheiten ein, oft vor allem auf der Linken und im Klima des Kalten Krieges. Zugleich zeigten Presse, Öffentlichkeit und Gerichte, etwa in der Spiegel-Affäre, dass sich der Staat selbst kontrollieren ließ. So lernte die junge Bundesrepublik, Kritik auszuhalten, und blieb auch im Deutschen Herbst ein Rechtsstaat, der seine Regeln nicht aufgab.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Bewährungsprobe oder Übermaß?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Bewährung:</strong> Die Bundesrepublik habe gezeigt, dass eine wehrhafte Demokratie ihre Feinde abwehren kann, ohne ihre Grundrechte aufzugeben; der Staat ließ sich 1977 nicht erpressen und blieb an Gesetze gebunden.</li>\n<li><strong>Übermaß:</strong> Kritiker betonen, dass KPD-Verbot und Radikalenerlass vor allem Linke trafen, während frühere Nationalsozialisten in Ämtern saßen, und dass die Angst vor dem Terror zu Überwachung und Eingriffen führte, die Unbeteiligte trafen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gab ihnen 1995 in einem Fall recht.</li>\n<li><strong>Heute:</strong> Die Debatte wird bei jedem neuen Parteiverbotsverfahren und jedem Sicherheitsgesetz neu geführt.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Positionen: Lehrbuchwissen; EGMR 1995: bpb (s. o.).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Verhältnismäßigkeit:</strong> War der Eingriff nötig und angemessen zur Bedrohung?</li>\n<li><strong>Gleichbehandlung:</strong> Traf der Staat Feinde von links und rechts gleich?</li>\n<li><strong>Kontrolle:</strong> Konnten Gerichte, Parlament und Öffentlichkeit den Staat überprüfen?</li>\n<li><strong>Zeitbezug:</strong> Welche Rolle spielten Kalter Krieg und Terrorangst?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierungen „Rechtsstaatlichkeit und Umgang mit Andersdenkenden in der Bundesrepublik“ und „die Bedeutung des Bundesverfassungsgerichts für die Verfassungswirklichkeit der frühen Bundesrepublik“)</span>\n<p>1. Analysieren Sie M 1. (AFB I und II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie an zwei Beispielen, wie die Bundesrepublik zwischen 1952 und 1977 mit Gegnern und Kritikern umging. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob sich der Rechtsstaat in diesen Jahren bewährt hat. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Urteil des Bundesverfassungsgerichts, August 1966, vier Jahre nach der Durchsuchung; Inhalt: freie Presse als „Wesenselement“ des freiheitlichen Staates, unentbehrlich für informierte Bürger und öffentliche Diskussion. Einordnung: Grundsatzurteil zu Art. 5 GG, aber die Beschwerde wurde bei Stimmengleichheit zurückgewiesen; Wirkung vor allem durch die Grundsätze.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Beispiele: Parteiverbote 1952 und 1956 als wehrhafte Demokratie (Art. 21); Spiegel-Affäre 1962 mit Durchsuchung, Verhaftungen, Protesten, Rücktritt Strauß; Radikalenerlass 1972 mit Regelanfragen, Ablehnungen, Kritik und Abschwächung; Deutscher Herbst 1977 mit Härte gegen Erpressung und Kontaktsperre.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Bewährt:</em> Gerichte und Öffentlichkeit kontrollierten den Staat (Spiegel-Affäre), Verbote erfolgten durch das Verfassungsgericht, der Staat blieb 1977 an Gesetze gebunden und ließ sich nicht erpressen. <em>Grenzen:</em> KPD-Verbot und Radikalenerlass trafen viele Unbeteiligte und vor allem Linke; Eingriffe in Grundrechte im Namen der Sicherheit; EGMR-Urteil 1995. Ein gelungenes Urteil: Der Rechtsstaat bewährte sich in seinen Institutionen, überschritt aber im Klima von Kaltem Krieg und Terror mehrfach die Grenze der Verhältnismäßigkeit. Für die oberen Noten: Du nennst klare Kriterien und unterscheidest Sach- und Werturteil.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Beurteile: Hat sich der Rechtsstaat in der Spiegel-Affäre bewährt? Nenne ein Argument dafür und eins dagegen, und beziehe M 1 ein.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Dafür: Öffentlichkeit und Koalitionspartner reagierten, der verantwortliche Minister trat zurück, und das Bundesverfassungsgericht formulierte in M 1 die Bedeutung der freien Presse. Dagegen: Zunächst ließ der Staat eine Redaktion durchsuchen und Journalisten verhaften, weil sie kritisch über die Bundeswehr berichtet hatten, und die Verfassungsbeschwerde scheiterte am Ende bei Stimmengleichheit.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Parteiverbot durch die Regierung.</strong> Verbieten kann nur das Bundesverfassungsgericht.</li>\n<li><strong>„Der Spiegel gewann vor Gericht.“</strong> Die Beschwerde wurde bei Stimmengleichheit zurückgewiesen; wichtig wurden die Grundsätze des Urteils.</li>\n<li><strong>Studentenbewegung gleich RAF.</strong> Nur eine kleine Minderheit ging in den Terrorismus.</li>\n<li><strong>Die Landshut von der RAF entführt.</strong> Es waren palästinensische Terroristen, die die Forderungen der RAF unterstützten.</li>\n<li><strong>Radikalenerlass nur gegen Extremisten.</strong> Betroffen waren vor allem Lehrkräfte, oft wegen Mitgliedschaft in nicht verbotenen Parteien.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-1968\">1968: Protest und Aufbruch in der Bundesrepublik</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-diktaturvergleich\">Diktaturen vergleichen: NS-Staat, Stalin, DDR</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Geschichtskultur+%28LK%29&card=sn-ge-vergangenheitspolitik\">Vergangenheitspolitik: Umgang mit dem Nationalsozialismus nach 1945</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-brd-rechtsstaat -->"
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    {
      "id": "sn-ge-1968",
      "cat": "BRD und DDR",
      "title": "1968: Protest und Aufbruch in der Bundesrepublik",
      "cardType": "wissen",
      "short": "1968 in der Bundesrepublik einfach erklärt: Große Koalition und APO, Studentenbewegung und ihre Ideen, Vietnam-Protest, Tod Benno Ohnesorgs 1967, Attentat auf Dutschke, Notstandsgesetze mit Böll-Zitat und Widerstandsrecht, Zerfall, RAF und Folgen, Prager Frühling, Deutungen von „Fundamentalliberalisierung“ bis Mythos, mit Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-1968 -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>„1968“: Protest und Aufbruch in der Bundesrepublik 1965–1970</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Ab Mitte der 1960er-Jahre protestierten in der Bundesrepublik Studierende zuerst für eine Reform der Hochschulen, dann gegen die ganze Ordnung ihrer Elterngeneration. Weil die Große Koalition von CDU/CSU und SPD ab 1966 kaum noch Opposition im Bundestag ließ, sammelte sich der Protest außerhalb des Parlaments in der APO. Der Tod Benno Ohnesorgs bei einer Demonstration am 2. Juni 1967, das Attentat auf Rudi Dutschke im April 1968 und der Streit um die Notstandsgesetze im Mai 1968 waren die Höhepunkte. Danach zerfiel die Bewegung; eine kleine Minderheit ging in den Terrorismus. Ob „1968“ den Wandel der Gesellschaft auslöste oder nur beschleunigte, ist bis heute umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Lehrplan Sachsen, Grundkurs und Leistungskurs:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Rechtsstaatlichkeit und Umgang mit Andersdenkenden in der Bundesrepublik“</li>\n</ul>\n<p>Genannt sind im Lehrplan die Außerparlamentarische Opposition und die „68er-Bewegung“.</p>\n<p>Quellen: <a href=\"https://www.schulportal.sachsen.de/lplandb/index.php?lplanid=65\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrplan Gymnasium Geschichte (Lehrplandatenbank Sachsen)</a>; <a href=\"https://revosax.sachsen.de/vorschrift/21215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VwV Abiturprüfung 2027</a> (Ziffer I.2: alle Lernbereiche sind mögliche Prüfungsinhalte).</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Die Bundesrepublik der 1950er- und frühen 1960er-Jahre war wirtschaftlich erfolgreich, aber gesellschaftlich eng: Autorität in Familie, Schule und Universität wurde selten infrage gestellt, über die NS-Zeit sprachen viele nicht, und an den Hochschulen lehrten Professoren, die schon im Nationalsozialismus gelehrt hatten. Eine Generation, die nach dem Krieg geboren oder aufgewachsen war, wollte das nicht mehr hinnehmen.</p>\n<p>„1968“ ist deshalb mehr als ein Jahr: ein Kürzel für eine Protest- und Aufbruchszeit von etwa 1965 bis Anfang der 1970er-Jahre, die es auch in den USA, Frankreich und vielen anderen Ländern gab. In der Klausur sollst du Ursachen, Ereignisse und Folgen erklären und beurteilen, was der Protest bewirkte.</p>\n</div>\n\n<h4>Ursachen und Ideen</h4>\n<ul>\n<li><strong>Große Koalition ohne Opposition:</strong> Ab Dezember 1966 regierten CDU/CSU und SPD gemeinsam; im Bundestag blieb nur die kleine FDP als Opposition. Viele sahen die Opposition deshalb auf der Straße: die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">APO<span class=\"wort-erkl\">Außerparlamentarische Opposition: Sammelname für Studentengruppen, Intellektuelle, Teile der Gewerkschaften und Kirchen, die außerhalb des Parlaments protestierten</span></span>.</li>\n<li><strong>Hochschule und Gesellschaft:</strong> Seit 1965 forderten Studierende, zuerst in Berlin, eine Reform der Hochschulen; daraus wurde eine Revolte gegen die Werte der Gesellschaft.</li>\n<li><strong>Die NS-Vergangenheit:</strong> In den Augen der Studierenden hatte die Vätergeneration über dem Wiederaufbau die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus versäumt.</li>\n<li><strong>Vietnam und die „Dritte Welt“:</strong> Der amerikanische Krieg in Vietnam und die Unterstützung autoritärer Regime durch den Westen trafen überall auf Protest.</li>\n<li><strong>Theorie:</strong> Grundlage der Kritik war ein wiederentdeckter <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Marxismus<span class=\"wort-erkl\">auf Karl Marx zurückgehende Lehre, die Gesellschaft als Kampf von Klassen versteht und den Kapitalismus überwinden will</span></span>; großen Einfluss hatten die Sozialwissenschaftler der „Frankfurter Schule“ wie Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer mit ihrer Kritik an der kapitalistischen Überflussgesellschaft. Gefeiert wurden auch Rosa Luxemburg, Mao Tse-tung und Che Guevara.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO (Haus der Geschichte), „Studentenbewegung und APO“.</p>\n\n<h4>Die Schlüsselereignisse</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>2. Juni 1967:</strong> Bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien in West-Berlin erschoss der Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg. In vielen Städten folgten Unruhen. Kurras wurde in mehreren Instanzen freigesprochen; das führte bei vielen Studierenden zu einer grundsätzlichen Ablehnung des Staates. Erst 2009 wurde bekannt, dass Kurras SED-Mitglied und Informant der Stasi war.</li>\n<li><strong>Kampf gegen die Springer-Presse:</strong> Die Berliner Springer-Zeitungen, vor allem „Bild“, berichteten scharf gegen die Studierenden; die Bewegung warf dem Verlag Hetze vor. Es kam auch zu Brandanschlägen auf Kaufhäuser als Symbole des „kapitalistischen Systems“.</li>\n<li><strong>11. April 1968:</strong> In West-Berlin schoss ein junger Arbeiter auf Rudi Dutschke, den bekanntesten Sprecher des <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">SDS<span class=\"wort-erkl\">Sozialistischer Deutscher Studentenbund, wichtigster Studentenverband der Bewegung; 1961 von der SPD getrennt</span></span>. Dutschke überlebte schwer verletzt und starb 1979 an den Spätfolgen. In den Ostertagen versuchten Demonstranten in vielen Städten, die Auslieferung der „Bild“ zu blockieren; es gab schwere Gewalt.</li>\n<li><strong>11. Mai 1968:</strong> Über 40.000 Menschen zogen im Sternmarsch nach Bonn gegen die geplanten Notstandsgesetze, aufgerufen vom Kuratorium „Notstand der Demokratie“ aus Studierenden, Wissenschaft, Kultur, Gewerkschaften und Kirchen.</li>\n<li><strong>30. Mai 1968:</strong> Der Bundestag beschloss die Notstandsgesetze mit der Zweidrittelmehrheit der Großen Koalition.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Studentenbewegung und APO“ und Biografie „Rudi Dutschke“; bpb, „Notstandsgesetze: Testfall für die Demokratie“ (Hintergrund aktuell). Die Teilnehmerzahl des Sternmarschs schwankt je nach Quelle zwischen 30.000 und 60.000.</p>\n\n<h4>Das Material: der Streit um die Notstandsgesetze</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Heinrich Böll, Schriftsteller, auf der Abschlusskundgebung des Sternmarschs, Bonn, 11. Mai 1968 (Auszug)</span>\n<p>„Aufgrund meiner Erfahrungen mit verschiedenen Notständen der deutschen Geschichte bin ich der Überzeugung, dass Notstände – was hier bedeutet Krieg oder Bürgerkrieg – durch Gesetze nicht zu regeln sind.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Zitiert nach bpb, „Notstandsgesetze: Testfall für die Demokratie“ (Hintergrund aktuell).</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Grundgesetz, Artikel 20 Absatz 4, eingefügt mit den Notstandsgesetzen 1968</span>\n<p>„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Art. 20 Abs. 4 (amtlicher Text, gemeinfrei).</p>\n</div>\n<p>Worum ging es? Das Grundgesetz von 1949 enthielt keine Regeln für Krieg, Katastrophe oder Aufruhr; bis dahin hatten sich die Westalliierten für den Krisenfall Rechte vorbehalten. Befürworter wollten, dass Staat und Parlament auch im Notfall handlungsfähig bleiben. Kritiker erinnerten an Artikel 48 der Weimarer Verfassung, mit dem 1933 die Reichstagsbrandverordnung erlassen worden war. Die Gesetze von 1968 änderten das Grundgesetz an mehr als 20 Stellen: Sie regelten Verteidigungsfall, Spannungsfall und inneren Notstand, erlaubten dann Eingriffe etwa ins Post- und Fernmeldegeheimnis, sicherten aber auch den Bundestag (er darf im Verteidigungsfall nicht aufgelöst werden) und fügten das Widerstandsrecht (M 2) ein, auch um die Kritik der Gewerkschaften zu entkräften. Anders als in Weimar liegt die Entscheidung nicht bei einem Präsidenten, sondern beim Parlament.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">bpb (s. o.).</p>\n\n<h4>Zerfall und Folgen</h4>\n<ul>\n<li><strong>Zerfall:</strong> Nach dem Beschluss brach das Bündnis aus Studierenden und Gewerkschaften auseinander; die Gewerkschaftsführungen hatten Streiks gegen die Gesetze abgelehnt. Die Bewegung zersplitterte in viele Gruppen; der SDS löste sich 1970 auf.</li>\n<li><strong>Terrorismus:</strong> Eine kleine Minderheit ging in den bewaffneten Untergrund; daraus entstand die Rote Armee Fraktion (RAF), die in den 1970er-Jahren mordete, bis zum „Deutschen Herbst“ 1977.</li>\n<li><strong>Gesellschaft:</strong> Lebensstile und Sexualmoral wurden freier, eine neue Frauenbewegung entstand, Erziehung, Schulen und Hochschulen veränderten sich, Bürgerinitiativen und später die neuen sozialen Bewegungen (Umwelt, Frieden) knüpften an die Protestformen an. Die Frage nach den Tätern der NS-Zeit wurde lauter gestellt.</li>\n<li><strong>Politik:</strong> 1969 wurde Willy Brandt Kanzler und versprach „mehr Demokratie wagen“; manche Achtundsechziger engagierten sich später in Parteien, auch bei den Grünen.</li>\n</ul>\n<p><strong>Im Osten:</strong> 1968 hofften viele Menschen in der Tschechoslowakei auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, den Prager Frühling. Im August 1968 schlugen Truppen des Warschauer Pakts ihn nieder. In der DDR protestierten Einzelne mit Flugblättern und Parolen und wurden verhaftet; eine Massenbewegung wie im Westen gab es nicht.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Zerfall nach den Notstandsgesetzen: bpb (s. o.). Übrige Daten: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Ursachen verstärkten sich: Die Große Koalition nahm der Kritik den Platz im Parlament, der Vietnamkrieg gab ihr ein Thema, die Theorie gab ihr eine Sprache. Der Tod Ohnesorgs und der Freispruch des Polizisten machten aus Protest Ablehnung des Staates; das Attentat auf Dutschke führte zu Gewalt auf beiden Seiten. Die Notstandsgesetze verbanden Studierende und Gewerkschaften, ihr Beschluss trennte sie wieder. Politisch scheiterte die Bewegung, gesellschaftlich wirkte sie lange nach.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Auslöser, Beschleuniger oder Mythos?</h4>\n<ul>\n<li><strong>„Fundamentalliberalisierung“:</strong> Der Philosoph Jürgen Habermas sah in der Protestbewegung den ersten Schub einer grundlegenden Liberalisierung der westdeutschen Gesellschaft, also einen Durchbruch zur Demokratie im Alltag.</li>\n<li><strong>Beschleuniger:</strong> Der Politikwissenschaftler Claus Leggewie deutet „1968“ als Beschleunigung eines Wandels, der schon in Gang war: Wohlstand, Bildungsexpansion, Fernsehen und eine neue Jugendkultur hatten die Gesellschaft schon seit den späten 1950er-Jahren verändert.</li>\n<li><strong>Geschichtspolitischer Streit:</strong> Der Historiker Edgar Wolfrum beschreibt, wie „1968“ zum Dreh- und Angelpunkt des Streits um das Selbstverständnis der Bundesrepublik wurde: Die einen feiern die Achtundsechziger als Demokratisierer, andere machen sie für Werteverfall und Terror verantwortlich. Frühere Aktivisten haben sich inzwischen selbst scharf kritisiert, etwa für die Bewunderung von Diktatoren wie Mao.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Habermas: Humanistische Union, „Katalysator der Verständigung über die Bundesrepublik“ (vorgänge 181); Leggewie: APuZ „1968 ist Geschichte“ (bpb); Wolfrum: APuZ „1968 in der gegenwärtigen deutschen Geschichtspolitik“ (bpb).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ziele und Ergebnisse:</strong> Was wollte die Bewegung (Revolution, Reform), was erreichte sie?</li>\n<li><strong>Mittel:</strong> Wie verhielten sich Demonstranten und Staat, und wo kippte Protest in Gewalt?</li>\n<li><strong>Demokratie:</strong> Stärkte die Bewegung die Demokratie oder bedrohte sie sie, und waren die Notstandsgesetze eine Gefahr oder eine Sicherung?</li>\n<li><strong>Dauer und Wandel:</strong> Was hatte schon vorher begonnen, was kam durch „1968“?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierungen „Die Radikalisierung im Gefolge nach der Erschießung Benno Ohnesorgs“ und „‚1968‘ und die Folgen“)</span>\n<p>1. Erläutern Sie die Ursachen der Protestbewegung in der Bundesrepublik. (AFB II)</p>\n<p>2. Erklären Sie mit M 1 und M 2 den Streit um die Notstandsgesetze. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob „1968“ die Bundesrepublik demokratischer gemacht hat. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Große Koalition ohne nennenswerte Opposition, Hochschulreform als Ausgangspunkt, Kritik am Schweigen über die NS-Zeit, Vietnamkrieg und Dritte-Welt-Politik, marxistische Theorie und Frankfurter Schule, internationale Protestwelle; Radikalisierung nach dem Tod Ohnesorgs 1967 und dem Freispruch des Polizisten.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> M 1: Böll warnt aus Erfahrung mit deutschen „Notständen“, dass Krieg und Bürgerkrieg sich nicht durch Gesetze regeln lassen, und fürchtet eine Mobilmachung der Gesellschaft; Hintergrund ist Weimar (Art. 48, Reichstagsbrandverordnung). Befürworter: Handlungsfähigkeit im Krisenfall, Ablösung alliierter Vorbehaltsrechte. M 2: Das Widerstandsrecht wurde eingefügt, um Missbrauch entgegenzuwirken und die Gewerkschaften zu beruhigen. Zusätzliche Sicherungen: Parlament entscheidet, Bundestag kann nicht aufgelöst werden.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Dafür:</em> Fundamentalliberalisierung (Habermas), Frauenbewegung, Bürgerinitiativen, offenere Erziehung, stärkere Aufarbeitung der NS-Zeit, „mehr Demokratie wagen“. <em>Dagegen oder einschränkend:</em> Viele Ziele waren antidemokratisch oder revolutionär, Bewunderung für Diktatoren; Gewalt und RAF; der Wandel hatte schon vorher begonnen (Leggewie); die Notstandsgesetze wurden trotzdem beschlossen und haben die Demokratie nicht beschädigt. Ein gelungenes Urteil: „1968“ beschleunigte eine Demokratisierung der Gesellschaft, obwohl Teile der Bewegung die parlamentarische Demokratie ablehnten. Für die oberen Noten: Du trennst Absicht und Wirkung und nennst die Deutungen als Positionen.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Erkläre, warum die Große Koalition (1966 bis 1969) den Protest außerhalb des Parlaments verstärkte. Nenne zwei Gründe.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Erstens gab es im Bundestag kaum noch Opposition, Kritik fand also keinen Platz im Parlament. Zweitens hatte die Koalition die Zweidrittelmehrheit für Grundgesetzänderungen und konnte so die umstrittenen Notstandsgesetze beschließen, an denen frühere Regierungen gescheitert waren.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„1968“ gleich ein Jahr.</strong> Gemeint ist eine Protestzeit etwa von Mitte der 1960er bis Anfang der 1970er-Jahre.</li>\n<li><strong>Studentenbewegung gleich RAF.</strong> Nur eine kleine Minderheit ging in den Terrorismus.</li>\n<li><strong>Ohnesorg und Dutschke verwechseln.</strong> Ohnesorg starb 1967 durch die Kugel eines Polizisten; auf Dutschke schoss 1968 ein junger Arbeiter.</li>\n<li><strong>Die Studierenden als Führung des Notstandsprotests.</strong> Federführend waren vor allem die Gewerkschaften, besonders die IG Metall.</li>\n<li><strong>Notstandsgesetze gleich Artikel 48.</strong> Anders als nach der Weimarer Verfassung entscheidet das Parlament, und es gibt Sicherungen wie das Widerstandsrecht.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Herausforderung+Frieden&card=sn-ge-ostpolitik\">Stalin-Note und Neue Ostpolitik</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Geschichtskultur+%28LK%29&card=sn-ge-vergangenheitspolitik\">Vergangenheitspolitik: Umgang mit dem Nationalsozialismus nach 1945</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Herausforderung+Frieden&card=sn-ge-kalter-krieg\">Kalter Krieg bis 1963: Blöcke und Krisen</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-1968 -->"
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    {
      "id": "sn-ge-ddr-1980er",
      "cat": "BRD und DDR",
      "title": "Krise und Opposition in der DDR in den 1980er-Jahren",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Krise und Opposition in der DDR in den 1980er-Jahren einfach erklärt: Verschuldung und Milliardenkredite, Mangelwirtschaft und Umweltzerstörung, Ausreisebewegung, Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen unter dem Dach der Kirche, Berliner Appell und Schürer-Papier im Wortlaut, Umweltbibliothek 1987, Sputnik-Verbot 1988, Wahlfälschung 1989 und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-ddr-1980er -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Krise und Opposition in der DDR 1980–1989</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Bei einer Aufgabe zur DDR der 1980er-Jahre wartet in der Klausur keine reine Wissensfrage: Du wertest ein Material aus und nimmst begründet Stellung; Punkte gibt es für Belege und Urteil. In den 1980er-Jahren lebte die DDR über ihre Verhältnisse: Honeckers Sozialpolitik wurde mit Krediten aus dem Westen bezahlt, und 1983 und 1984 halfen zwei Milliardenkredite aus der Bundesrepublik. Mangel im Alltag, verfallende Betriebe und die höchste Schwefeldioxid-Belastung Europas ließen die Unzufriedenheit wachsen, immer mehr Menschen stellten Ausreiseanträge. Unter dem Dach der evangelischen Kirche entstanden Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, die die Stasi überwachte, aber nicht mehr zum Schweigen brachte. Während Gorbatschow die Sowjetunion reformierte, lehnte die SED jede Reform ab. Als Oppositionelle im Mai 1989 die Fälschung der Kommunalwahl nachwiesen, waren Netzwerke und Themen für den Herbst 1989 da.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Lehrplan Sachsen, Grundkurs und Leistungskurs:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Friedliche Revolution und Demokratisierung der DDR“</li>\n</ul>\n<p>Die Oppositionsbewegung der 1980er Jahre in der DDR ist im Lehrplan ausdrücklich genannt.</p>\n<p>Quellen: <a href=\"https://www.schulportal.sachsen.de/lplandb/index.php?lplanid=65\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrplan Gymnasium Geschichte (Lehrplandatenbank Sachsen)</a>; <a href=\"https://revosax.sachsen.de/vorschrift/21215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VwV Abiturprüfung 2027</a> (Ziffer I.2: alle Lernbereiche sind mögliche Prüfungsinhalte).</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Im Herbst 1987 wurde Staats- und Parteichef Erich Honecker in Bonn mit allen Ehren eines Staatsoberhaupts empfangen, der Höhepunkt des internationalen Ansehens der DDR. Zwei Jahre später war sein Staat am Ende. Dieser Lernzettel erklärt, was in den Jahren davor brüchig wurde: das Geld, der Alltag, die Umwelt und das Vertrauen.</p>\n<p>In der Klausur unterscheidest du zwei Stränge, die zusammenwirkten: die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Legitimitätskrise<span class=\"wort-erkl\">Verlust des Glaubens der Bevölkerung, dass die Herrschaft berechtigt ist und ihre Versprechen hält</span></span> der SED mit wirtschaftlichen Ursachen und die wachsende Opposition. Dazu gehört die Frage, welcher Strang den Ausschlag gab.</p>\n</div>\n\n<h4>Wirtschaft: Konsum auf Pump</h4>\n<ul>\n<li><strong>„Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“:</strong> Seit dem VIII. Parteitag 1971 sollten Wohnungsbau und Konsum die Menschen zufriedenstellen. Bezahlt wurde mit Krediten, das Geld fehlte für die Modernisierung der Betriebe. Die Auslandsschulden stiegen nach Angaben des Hauses der Geschichte zwischen 1975 und 1982 von 8,9 auf 26,1 Milliarden D-Mark.</li>\n<li><strong>Energie und Innovation:</strong> Anfang der 1980er-Jahre kürzte die Sowjetunion ihre Öllieferungen und erhöhte den Preis. Die DDR setzte stärker auf die eigene Braunkohle. Große Summen flossen in die Mikroelektronik, die mit westlichen Firmen trotzdem nicht mithalten konnte.</li>\n<li><strong>Milliardenkredite:</strong> 1983 und 1984 stimmte die Regierung Kohl zwei Milliardenkrediten westdeutscher Banken zu. Eingefädelt hatten sie Franz Josef Strauß und der DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski. Danach begann die DDR, die Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze abzubauen.</li>\n<li><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mangelwirtschaft<span class=\"wort-erkl\">Wirtschaft, in der das Angebot dauerhaft hinter dem Bedarf zurückbleibt; man wartet, tauscht und braucht Beziehungen</span></span><strong>:</strong> Der Grundbedarf war gedeckt, aber gute Kleidung, Möbel, Obst oder Farbfernseher fehlten oft. Auf einen Trabant oder Wartburg wartete man im Schnitt 15 Jahre. 1988 kamen 28 Millionen Westpakete in die DDR.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Haus der Geschichte, „Wirtschaftspolitik“, „Mangelwirtschaft“, „Deutsch-deutsche Beziehungen“ (auch Honecker in Bonn 1987); Stasi-Mediathek des Bundesarchivs (Kredit vom 1. Juli 1983, Konsortium unter Führung der Bayerischen Landesbank).</p>\n\n<h4>Umwelt und Ausreise</h4>\n<ul>\n<li><strong>Umwelt:</strong> Auf dem Papier war die DDR fortschrittlich: Umweltschutz in der Verfassung von 1968, Landeskulturgesetz 1970, eigenes Umweltministerium 1972. Tatsächlich hatte die Wirtschaft Vorrang. Die Braunkohle verschmutzte vor allem die Luft um Halle, Leipzig, Dresden und Karl-Marx-Stadt; die DDR hatte in den 1970er- und 1980er-Jahren die höchste Schwefeldioxid-Belastung des Kontinents. Um Bitterfeld waren auch die Gewässer schwer verschmutzt.</li>\n<li><strong>Ausreisebewegung:</strong> 1983 regelte die SED das Verfahren zur „ständigen Ausreise“; schon im Jahr darauf stellten 41.000 Menschen einen Antrag. Die Antragsteller verloren oft ihre Arbeit und wurden verfolgt. Zugleich ließ die SED zwischen 1984 und 1988 rund 113.000 Menschen ausreisen, um Druck abzulassen. Wer gehen wollte, war nicht unbedingt Teil der Opposition; beide Gruppen trafen sich aber zunehmend in den Kirchen.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Umweltzerstörung“, „Ausreise“.</p>\n\n<h4>Opposition unter dem Dach der Kirche</h4>\n<p>Außerhalb der Kirchen ließ die SED keine freien Gruppen zu. Die evangelische Kirche hatte sich als „Kirche im Sozialismus“ mit dem Staat arrangiert, besaß aber eigene Räume, Zeitungen und Personal. So wurde sie zur <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">zweiten Öffentlichkeit<span class=\"wort-erkl\">Raum neben der staatlich gelenkten Öffentlichkeit, in dem offener gesprochen und gedruckt werden konnte</span></span>, ohne selbst Opposition zu sein. Die Gruppen waren klein und vom <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Ministerium für Staatssicherheit<span class=\"wort-erkl\">„Stasi“: Geheimpolizei und Nachrichtendienst der DDR, überwachte die Bevölkerung, setzte Spitzel ein und verfolgte Oppositionelle</span></span> durchsetzt.</p>\n<ul>\n<li><strong>Friedensbewegung:</strong> Seit November 1980 hielt der Bund der Evangelischen Kirchen jährlich Friedensdekaden unter dem Zeichen „Schwerter zu Pflugscharen“. In der Leipziger Nikolaikirche gab es seit dem 20. September 1982 jeden Montag ein Friedensgebet, anfangs mit nur 20 bis 30 Menschen.</li>\n<li><strong>Menschenrechte:</strong> Am 24. Januar 1986 gründete sich in Ost-Berlin die Initiative Frieden und Menschenrechte, nach dem Vorbild der „Charta 77“ in der Tschechoslowakei. Ab Juni 1986 gab sie die Untergrundzeitschrift „grenzfall“ heraus.</li>\n<li><strong>Umwelt:</strong> 1986 öffnete in der Ost-Berliner Zionskirche die Umweltbibliothek; sie druckte die „Umweltblätter“ und wurde ein Informationszentrum der Opposition.</li>\n</ul>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · „Berliner Appell – Frieden schaffen ohne Waffen“, 25. Januar 1982 (Auszüge)</span>\n<p>„Es kann in Europa nur noch einen Krieg geben, den Atomkrieg. Die in Ost und West angehäuften Waffen werden uns nicht schützen, sondern vernichten. […] Wir schlagen vor: Verhandlungen zwischen den Regierungen der beiden deutschen Staaten über die Entfernung aller Atomwaffen aus Deutschland. […]</p>\n<p>Wir schlagen vor, in einer Atmosphäre der Toleranz und der Anerkennung des Rechts auf freie Meinungsäußerung die große Aussprache über die Fragen des Friedens zu führen […]. b) Sollten wir nicht anstelle des Wehrkundeunterrichts an unseren Schulen einen Unterricht über Fragen des Friedens einführen? c) Sollten wir nicht anstelle des jetzigen Wehrersatzdienstes für Kriegsdienstverweigerer einen sozialen Friedensdienst zulassen?“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Erstunterzeichner u. a. Pfarrer Rainer Eppelmann und der Wissenschaftler Robert Havemann; abgedruckt in Wolfgang Büscher u. a. (Hg.), Friedensbewegung in der DDR. Texte 1978–1982, Hattingen 1982, S. 242–244; Wortlaut nach German History in Documents and Images (GHDI). Kurzer Auszug als Zitat.</p>\n</div>\n<p>So liest du M 1. Der Appell kritisiert die Rüstung in Ost und West zugleich und richtet sich an beide deutschen Staaten. Für die SED war gerade das gefährlich: Er verlangt freie Meinungsäußerung und stellt mit dem Wehrkundeunterricht und dem fehlenden zivilen Ersatzdienst die Militarisierung des eigenen Staates in Frage. Er fordert keinen Umsturz, sondern einen offenen Dialog, und genau diesen Anspruch konnte die SED nicht erfüllen.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Opposition und Bürgerbewegung“, „Kirche im Sozialismus“; evangelisch.de, „Nikolaikirche in Leipzig“ (2019), und Sonntagsblatt, Gespräch mit Christian Führer (erstes Friedensgebet 20.9.1982; die Universität Erfurt nennt den 13.9.1982); Bundesregierung, „Bürgerrechtler fordern Ende der Diktatur“ (IFM, „grenzfall“).</p>\n\n<h4>Zuspitzung 1987 bis Mai 1989</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Nacht zum 25. November 1987:</strong> Die Stasi durchsucht die Umweltbibliothek, beschlagnahmt die Druckmaschinen und nimmt die Anwesenden fest. Mahnwachen in und vor der Zionskirche und Proteste in der ganzen DDR erzwingen die Freilassung.</li>\n<li><strong>17. Januar 1988:</strong> Bei der staatlichen Demonstration zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Ost-Berlin werden Oppositionelle festgenommen. Danach kommen auch Ausreisewillige zu den Leipziger Friedensgebeten, die Zahl der Besucher steigt auf Hunderte.</li>\n<li><strong>Reformverweigerung:</strong> Seit 1985 reformiert Michail Gorbatschow die Sowjetunion mit <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Glasnost und Perestroika<span class=\"wort-erkl\">russisch für Offenheit und Umgestaltung: Gorbatschows Reformen für mehr Meinungsfreiheit und eine erneuerte Wirtschaft</span></span>. Die SED lehnt Reformen ab. Im November 1988 streicht sie die sowjetische Zeitschrift „Sputnik“ von der Postzeitungsliste, praktisch ein Verbot, weil sie über Stalins Verbrechen geschrieben hatte. Es folgen ungewöhnlich viele Leserbriefe, Parteiaustritte und Proteste.</li>\n<li><strong>7. Mai 1989, Kommunalwahlen:</strong> Zur Wahl steht wie immer nur die Einheitsliste der Nationalen Front. Oppositionelle beobachten die Auszählung und weisen Manipulationen nach. Egon Krenz verkündet über 98 Prozent Zustimmung. Die Fälschung wird bekannt, Menschen protestieren öffentlich; sie ist ein Ausgangspunkt der Leipziger Montagsdemonstrationen.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Bezirksamt Mitte von Berlin, Gedenktafel-Datenbank, „Umweltbibliothek“; Robert-Havemann-Gesellschaft, revolution89.de, „The Battle of Zion“; Universität Erfurt (17.1.1988 und Folgen); LeMO, „Glasnost und Perestroika“, „Kommunalwahlen in der DDR“; Berliner Zeitung, „Vor 15 Jahren wurde in der DDR die Zeitschrift Sputnik verboten“ (2003).</p>\n\n<h4>Das Material: das Schürer-Papier</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Gerhard Schürer u. a., „Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlußfolgerungen“, Vorlage für das Politbüro der SED, 30. Oktober 1989 (Auszüge)</span>\n<p>„Die Verschuldung im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet ist seit dem VIII. Parteitag gegenwärtig auf eine Höhe gestiegen, die die Zahlungsfähigkeit der DDR in Frage stellt. […] Es wurde mehr verbraucht als aus eigener Produktion erwirtschaftet wurde zu Lasten der Verschuldung im NSW, die sich von 2 Mrd. VM 1970 auf 49 Mrd. VM 1989 erhöht […]. Das bedeutet, daß die fälligen Zahlungen von Tilgungen und Zinsen, d. h. Schulden, mit neuen Schulden bezahlt werden. […]</p>\n<p>Allein ein Stoppen der Verschuldung würde im Jahre 1990 eine Senkung des Lebensstandards um 25 - 30 % erfordern und die DDR unregierbar machen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesarchiv, SAPMO, DY 30/J IV 2/2A/3252; Wortlaut nach der Abschrift bei chronik-der-mauer.de. Amtliches Dokument der DDR. NSW: nichtsozialistisches Wirtschaftsgebiet, also der Westen; VM: Valutamark, Verrechnungseinheit für Devisen.</p>\n</div>\n<p>So liest du M 2. Die Verfasser waren keine Oppositionellen, sondern die obersten Planer und Devisenbeschaffer der DDR, darunter Schalck-Golodkowski; das Papier ging als Geheimsache an das Politbüro, kurz nach Honeckers Sturz. Es entstand also im Herbst 1989, beschreibt aber die Entwicklung seit 1971. Beachte die Grenze der Zahlen: Spätere Berechnungen kamen auf eine deutlich niedrigere Nettoschuld, weil das Papier Devisenguthaben, vor allem aus Schalck-Golodkowskis Bereich „Kommerzielle Koordinierung“, nicht gegenrechnete. Ob die DDR 1989 wirklich zahlungsunfähig war, ist deshalb umstritten; unstrittig ist, dass die eigene Führung sie für kaum noch zahlungsfähig hielt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesregierung, „Die Krisenanalyse des DDR-Chefplaners“; der Freitag, „Total verschuldet?“, und Berliner Zeitung, „Propagandakracher ‚Schuldenlüge‘“ (spätere Nachrechnungen, unter anderem der Deutschen Bundesbank 1999).</p>\n\n<h4>Deutungen: Was brachte die DDR ins Wanken?</h4>\n<p>Die folgenden Gewichtungen sind Deutungen, keine Tatsachen. In guten Antworten verbindest du sie.</p>\n<ul>\n<li><strong>Wirtschaft:</strong> Die DDR sei an Verschuldung, Innovationsschwäche und Mangel gescheitert; das Schürer-Papier gilt dafür als Beleg.</li>\n<li><strong>Legitimität und Opposition:</strong> Entscheidend sei der Vertrauensverlust gewesen, sichtbar an Ausreise, Eingaben und der aufgedeckten Wahlfälschung; die Gruppen in den Kirchen gaben ihm eine Stimme.</li>\n<li><strong>Äußere Lage:</strong> Ohne Gorbatschows Reformen und den Verzicht der Sowjetunion auf ein Eingreifen hätte die SED ihre Macht mit Gewalt sichern können.</li>\n</ul>\n<p>Wie man den Umbruch im Herbst 1989 selbst deutet, als Revolution von unten oder als Zusammenbruch von innen, steht auf <a href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-einheit\">dem Lernzettel zur Wiedervereinigung</a>.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ursache oder Anlass:</strong> Was war langfristig angelegt, was löste aus?</li>\n<li><strong>Reichweite:</strong> Wie viele Menschen erreichten die Gruppen, wie viele die Ausreisebewegung?</li>\n<li><strong>Handlungsspielraum der SED:</strong> Welche Möglichkeiten hatte sie, welche verweigerte sie?</li>\n<li><strong>Quellenwert:</strong> Wer spricht, wann und für wen?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „den Zusammenbruch des Ostblocks analysieren“, hier am Beispiel der DDR)</span>\n<p>1. Geben Sie die Forderungen des Berliner Appells wieder (M 1). (AFB I)</p>\n<p>2. Analysieren Sie M 2 und erläutern Sie die wirtschaftliche Lage der DDR in den 1980er-Jahren. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob die wirtschaftliche Krise oder die Opposition für den Machtverlust der SED wichtiger war. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland, Verhandlungen beider deutscher Staaten; offene Aussprache mit freier Meinungsäußerung; Friedensunterricht statt Wehrkunde; sozialer Friedensdienst statt Wehrersatzdienst.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Interne Analyse der obersten Wirtschaftsplaner für das Politbüro, 30. Oktober 1989, Geheimsache; Kernaussagen: Schulden im Westen von 2 auf 49 Milliarden VM seit 1970, Zahlungsfähigkeit in Frage, Schulden werden mit neuen Schulden bezahlt, Stopp der Verschuldung hieße 25 bis 30 Prozent weniger Lebensstandard. Erläuterung: Sozialpolitik auf Kredit seit 1971, Ölpreis und Braunkohle, Rückstand in der Mikroelektronik, Milliardenkredite 1983/84, Mangelwirtschaft. Kritik: spätere Nachrechnungen mit niedrigerer Nettoschuld.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Eigenes Urteil mit Kriterien. Wirtschaft: lange Ursache, nahm der SED den Spielraum für Konsum als Ersatz für Freiheit. Opposition: klein und überwacht, aber sie schuf Netzwerke, deckte die Wahlfälschung auf und gab dem Unmut eine Sprache. Dazu Ausreisebewegung und Gorbatschow als Rahmen. Ein mögliches Urteil: Die Wirtschaftskrise untergrub die Grundlage, die Opposition machte den Legitimitätsverlust öffentlich; erst beides zusammen im Rahmen der sowjetischen Reformen brachte die SED zu Fall. Für die oberen Noten: Gewichtung begründen statt aufzählen.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Warum war der Nachweis der Wahlfälschung im Mai 1989 für die SED so gefährlich? Zwei Sätze. b) Warum ist das Schürer-Papier eine besonders aussagekräftige Quelle, und wo liegt seine Grenze?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Die SED begründete ihre Herrschaft mit der angeblich fast einstimmigen Zustimmung des Volkes. Der Nachweis zeigte, dass sie log, und gab den Protesten ein Thema, das jeder verstand.</p>\n<p>b) Es stammt von den eigenen Spitzenplanern und war geheim, schönt also nicht für die Öffentlichkeit. Seine Zahlen ließen aber Devisenguthaben weg, deshalb zeigt es die Sicht der Führung, nicht unbedingt die genaue Schuldenhöhe.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Opposition gleich Ausreisewillige.</strong> Viele Oppositionelle wollten die DDR verändern, nicht verlassen; beide trafen sich aber in den Kirchen.</li>\n<li><strong>Die Kirche als Teil der Opposition.</strong> Sie bot Raum und Schutz; die Kirchenleitungen suchten zugleich den Ausgleich mit dem Staat.</li>\n<li><strong>Die Krise nur wirtschaftlich erklären.</strong> Ebenso wichtig waren fehlende Freiheit, Umweltzerstörung und die Reformverweigerung der SED.</li>\n<li><strong>Die 49 Milliarden als gesicherte Schuldenhöhe ausgeben.</strong> Das war die Rechnung der Führung von 1989, spätere Berechnungen fielen niedriger aus.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-einheit\">Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Herausforderung+Frieden&card=sn-ge-wettruesten\">Wettrüsten, Abrüstung und Friedensbewegungen 1972–1991</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-ddr-1980er -->"
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    {
      "id": "sn-ge-einheit",
      "cat": "BRD und DDR",
      "title": "Friedliche Revolution und Einheit 1989/90",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Friedliche Revolution und Wiedervereinigung 1989/90 einfach erklärt: Ursachen innen und außen, Bürgerrechtsbewegung, Montagsdemonstrationen, Mauerfall, Runder Tisch, Volkskammerwahl, Währungsunion, Zwei-plus-Vier-Vertrag und Artikel 23 oder 146 im Wortlaut, mit Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-einheit -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Aufgabe zu Friedlicher Revolution und Einheit verlangt in der Klausur mehr als Erzählen: Du sollst Ursachen und Folgen erklären und am Ende selbst urteilen; Punkte gibt es für genaue Begriffe und Begründungen. 1989 brach die SED-Herrschaft in wenigen Monaten zusammen, ohne dass ein Schuss fiel. Von außen öffnete Gorbatschow den Spielraum, weil die Sowjetunion Reformen in den Nachbarstaaten nicht mehr mit Panzern stoppte; von innen trieben Massenflucht, Bürgerrechtsgruppen und Demonstrationen wie die in Leipzig am 9. Oktober 1989 die SED in die Enge. Am 9. November öffnete sich die Mauer, und aus dem Ruf „Wir sind das Volk“ wurde „Wir sind ein Volk“. Nach der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 folgten die Währungsunion, der Zwei-plus-Vier-Vertrag mit den Siegermächten und am 3. Oktober 1990 der Beitritt der DDR nach Artikel 23 des Grundgesetzes. Wer die Revolution vor allem trug, die Opposition oder die vielen „Normalbürger“, ist unter Forschern umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span>\n<p>Lehrplan Sachsen, Grundkurs und Leistungskurs:</p>\n<ul>\n<li>„Friedliche Revolution und Demokratisierung der DDR“</li>\n</ul>\n<p>Quellen: <a href=\"https://www.schulportal.sachsen.de/lplandb/index.php?lplanid=65\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrplan Gymnasium Geschichte (Lehrplandatenbank Sachsen)</a>; <a href=\"https://revosax.sachsen.de/vorschrift/21215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VwV Abiturprüfung 2027</a> (Ziffer I.2: alle Lernbereiche sind mögliche Prüfungsinhalte).</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Revolution<span class=\"wort-erkl\">ein schneller, grundlegender Umsturz der politischen Ordnung, der von unten erzwungen wird</span></span> stellt man sich mit Barrikaden vor. 1989 war es anders: Die Menschen in der DDR stürzten eine Diktatur mit Kerzen, Gebeten, Demonstrationen und mit den Füßen, indem sie das Land verließen. Deshalb heißt der Umbruch <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">friedliche Revolution<span class=\"wort-erkl\">der gewaltfreie Sturz der SED-Herrschaft im Herbst 1989; „friedlich“, weil weder Demonstranten noch Staatsmacht Gewalt im großen Stil anwendeten</span></span>.</p>\n<p>In der Klausur unterscheidest du zwei Abschnitte, die oft verwechselt werden. Bis Ende 1989 ging es um Demokratie in der DDR: freie Wahlen, Reisefreiheit, Ende der Stasi. Ab Ende 1989 ging es zunehmend um die Einheit, und dabei redeten nicht nur Deutsche mit, sondern auch die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs. Beide Abschnitte hängen zusammen, haben aber verschiedene Akteure und Ziele.</p>\n</div>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Friedliche Revolution und Einheit <span>· Zwei Abschnitte auf einer Zeitleiste: erst Demokratie in der DDR, dann der Weg zur Einheit.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 412\" role=\"img\" aria-labelledby=\"ei-t ei-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"ei-t\">Friedliche Revolution und Einheit in zwei Abschnitten</title>\n<desc id=\"ei-d\">Zeitleiste mit zwei Abschnitten. Bis Ende 1989 Demokratie in der DDR: 9. Oktober Leipzig, 9. November Mauerfall, 1. Dezember Führungsanspruch der SED gestrichen. Ab Ende 1989 die Einheit, bei der die Siegermächte mitreden: 18. März 1990 Volkskammerwahl, 1. Juli Währungsunion, 23. August Beitrittsbeschluss, 12. September Zwei-plus-Vier-Vertrag, 3. Oktober Beitritt nach Artikel 23.</desc>\n<text x=\"180\" y=\"14\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.9\">1989/90: erst Demokratie in der DDR, dann Einheit</text>\n<circle cx=\"94\" cy=\"67\" r=\"4.5\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"105\" r=\"4.5\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"143\" r=\"4.5\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"211\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"249\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"287\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"325\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<circle cx=\"94\" cy=\"363\" r=\"4.5\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.5\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.9\"/>\n<rect x=\"14\" y=\"28\" width=\"332\" height=\"22\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.14\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"180\" y=\"43\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Bis Ende 1989: Demokratie in der DDR</text>\n<text x=\"78\" y=\"71\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">9.10.1989</text>\n<text x=\"106\" y=\"71\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Leipzig</text>\n<text x=\"106\" y=\"83\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">rund 70.000 auf dem Ring, „Keine Gewalt“</text>\n<text x=\"78\" y=\"109\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">9.11.1989</text>\n<text x=\"106\" y=\"109\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Mauerfall</text>\n<text x=\"106\" y=\"121\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Schabowski, Grenzsoldaten öffnen</text>\n<text x=\"78\" y=\"147\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">1.12.1989</text>\n<text x=\"106\" y=\"147\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">SED-Führungsanspruch gestrichen</text>\n<text x=\"106\" y=\"159\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">ab 7. Dezember Runder Tisch</text>\n<rect x=\"14\" y=\"172\" width=\"332\" height=\"22\" rx=\"6\" fill=\"#d97706\" fill-opacity=\"0.14\" stroke=\"#d97706\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"180\" y=\"187\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Ab Ende 1989: Einheit, die Siegermächte reden mit</text>\n<text x=\"78\" y=\"215\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">18.3.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"215\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Erste freie Volkskammerwahl</text>\n<text x=\"106\" y=\"227\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Allianz für Deutschland rund 48 %</text>\n<text x=\"78\" y=\"253\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">1.7.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"253\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Währungsunion</text>\n<text x=\"106\" y=\"265\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Löhne, Renten, Mieten 1 : 1</text>\n<text x=\"78\" y=\"291\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">23.8.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"291\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Beitrittsbeschluss</text>\n<text x=\"106\" y=\"303\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">294 von 400 Stimmen</text>\n<text x=\"78\" y=\"329\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">12.9.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"329\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Zwei-plus-Vier-Vertrag</text>\n<text x=\"106\" y=\"341\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Siegermächte regeln die äußeren Fragen</text>\n<text x=\"78\" y=\"367\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"end\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">3.10.1990</text>\n<text x=\"106\" y=\"367\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Beitritt nach Artikel 23</text>\n<text x=\"106\" y=\"379\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">fünf neue Länder, Berlin Hauptstadt</text>\n<text x=\"180\" y=\"402\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Zwischen Mauerfall und Beitritt liegt fast ein Jahr.</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Blau der Abschnitt, in dem es um Demokratie in der DDR ging, gelb der Abschnitt, in dem es um die Einheit ging und auch die Siegermächte mitredeten; nicht maßstabsgetreu.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Warum es 1989 geschah: Ursachen außen und innen</h4>\n<ul>\n<li><strong>Außen, Gorbatschow:</strong> Seit 1985 führte Michail Gorbatschow die Sowjetunion. Mit <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Glasnost<span class=\"wort-erkl\">russisch „Offenheit“: mehr öffentliche Kritik und Information</span></span> und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Perestroika<span class=\"wort-erkl\">russisch „Umbau“: Reform von Wirtschaft, Staat und Partei</span></span> wollte er das System retten. Er gab die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Breschnew-Doktrin<span class=\"wort-erkl\">Grundsatz, dass die Sowjetunion eingreift, wenn in einem Bruderstaat der Sozialismus gefährdet scheint, wie 1968 in Prag</span></span> auf. Polen und Ungarn reformierten, die SED unter Erich Honecker lehnte Reformen ab.</li>\n<li><strong>Außen, Ungarn:</strong> Ab Anfang Mai 1989 baute Ungarn die Grenzanlagen zu Österreich ab und öffnete im September die Grenze ganz. Zehntausende DDR-Bürger flohen über Ungarn, andere in die bundesdeutschen Botschaften in Prag und Warschau. Bis zum Mauerfall verließen etwa 200.000 Menschen die DDR.</li>\n<li><strong>Innen:</strong> Mangelwirtschaft, Umweltzerstörung und fehlende Freiheit. Bei der Kommunalwahl am 7. Mai 1989 wiesen Oppositionelle, die die Auszählung beobachteten, Fälschungen nach; offiziell stimmten über 98 Prozent für die Einheitsliste. Das Vertrauen in die SED brach weiter ein.</li>\n</ul>\n\n<h4>Herbst 1989: der Sturz der SED</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>September, Bürgerrechtsgruppen:</strong> Am 9./10. September gründen Bärbel Bohley, Jens Reich und andere das Neue Forum mit dem Aufruf „Aufbruch 89“. Es folgen Demokratie Jetzt, der Demokratische Aufbruch und eine Sozialdemokratische Partei. Der Antrag des Neuen Forums auf Zulassung wird als „staatsfeindlich“ abgelehnt, bis Jahresende unterschreiben 200.000 Menschen den Aufruf.</li>\n<li><strong>9. Oktober, Leipzig:</strong> Nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche ziehen rund 70.000 Menschen über den Ring und rufen „Wir sind das Volk“ und „Keine Gewalt“. Viele fürchteten ein Blutbad; die Staatsmacht weicht zurück, die sowjetischen Truppen bleiben in den Kasernen. Danach wachsen die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Montagsdemonstrationen<span class=\"wort-erkl\">wöchentliche Demonstrationen in Leipzig nach dem Montagsgebet in der Nikolaikirche, ab September 1989; bald auch in vielen anderen Städten</span></span> immer weiter.</li>\n<li><strong>18. Oktober, Honecker gestürzt:</strong> Die eigene Parteispitze zwingt ihn zum Rücktritt. Sein Nachfolger Egon Krenz verspricht eine „Wende“, um die Macht der SED zu retten.</li>\n<li><strong>9. November, Mauerfall:</strong> Politbüromitglied Günter Schabowski verkündet auf einer Pressekonferenz neue Reiseregeln, die nach seinen Worten „sofort, unverzüglich“ gelten. Tausende strömen an die Grenzübergänge, die Grenzsoldaten öffnen ohne klaren Befehl.</li>\n<li><strong>Dezember, Ende der SED-Herrschaft:</strong> Am 1. Dezember streicht die Volkskammer den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung. Ab dem 7. Dezember verhandeln am <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Runden Tisch<span class=\"wort-erkl\">Gesprächsrunde aus Regierung, alten Parteien, Bürgerrechtsgruppen und Kirchen, die bis zur freien Wahl die Regierung kontrollierte; nach polnischem Vorbild</span></span> alte Kräfte und Opposition über freie Wahlen, die Auflösung der Stasi und eine neue Verfassung.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Lebendiges Museum Online (LeMO), Haus der Geschichte, Kapitel „Deutsche Einheit“ (Glasnost und Perestroika, Kommunalwahlen, Massenflucht, Neues Forum, Montagsdemonstrationen, Führungswechsel, Fall der Mauer, Runder Tisch); Leipzig 9. Oktober: auch Martin Sabrow, „Mythos 1989“, Deutschland Archiv (bpb), 28.11.2019.</p>\n\n<h4>1990: der Weg zur Einheit</h4>\n<ul>\n<li><strong>Vom Volk zum einen Volk:</strong> Am 28. November 1989 legte Bundeskanzler Helmut Kohl im Bundestag überraschend ein Zehn-Punkte-Programm vor, das über gemeinsame Strukturen zur Einheit führen sollte. Ab Mitte November riefen Demonstranten „Wir sind ein Volk“ und „Deutschland, einig Vaterland“. Viele Bürgerrechtler wollten dagegen eine erneuerte, eigene DDR.</li>\n<li><strong>18. März 1990, erste freie Volkskammerwahl:</strong> Die Wahlbeteiligung lag über 93 Prozent. Die „Allianz für Deutschland“ um die Ost-CDU, die die schnelle Einheit versprach, gewann rund 48 Prozent; das Bündnis 90 der Bürgerrechtsgruppen kam auf 2,9 Prozent. Lothar de Maizière (CDU) wurde Ministerpräsident.</li>\n<li><strong>1. Juli 1990, Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion:</strong> Die D-Mark wurde Zahlungsmittel, Löhne, Gehälter, Renten und Mieten wurden 1 : 1 umgestellt, die DDR übernahm die Wirtschafts- und Sozialordnung der Bundesrepublik. Kritiker warnten, viele Ostbetriebe würden dem Wettbewerb nicht standhalten.</li>\n<li><strong>23. August 1990, Beitrittsbeschluss:</strong> Die Volkskammer beschloss mit 294 von 400 Stimmen den Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zum 3. Oktober. Am 31. August folgte der Einigungsvertrag.</li>\n<li><strong>12. September 1990, Zwei-plus-Vier-Vertrag:</strong> Die beiden deutschen Staaten und die vier Siegermächte regelten die äußeren Fragen (M 2). Gorbatschow hatte im Sommer zugestimmt, dass das vereinte Deutschland in der NATO bleiben darf; im Gegenzug gab es Wirtschaftshilfe, und auf dem Gebiet der DDR sollten keine NATO-Truppen stehen.</li>\n<li><strong>3. Oktober 1990:</strong> Die DDR tritt bei, die fünf neuen Länder entstehen, Berlin wird Hauptstadt.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Zehn-Punkte-Programm“, „Freie Volkskammerwahl“, „Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion“, „Einigungsvertrag“, „Zwei-plus-Vier-Vertrag“; Wahlergebnis auch: German History in Documents and Images (GHDI), „Ergebnis der Volkskammerwahlen, 18. März 1990“.</p>\n\n<h4>Das Material: zwei Wege im Grundgesetz und der Vertrag mit den Siegermächten</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Grundgesetz vom 23. Mai 1949, Artikel 23 und Artikel 146 (Fassung bis 1990)</span>\n<p>Art. 23: „Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder […]. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.“</p>\n<p>Art. 146: „Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesgesetzblatt 1949, S. 1–19, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland („Zwei-plus-Vier-Vertrag“), 12. September 1990 (Auszüge)</span>\n<p>Art. 1 (1): „Das vereinte Deutschland wird die Gebiete der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik und ganz Berlins umfassen. Seine Außengrenzen werden die Grenzen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland sein und werden am Tage des Inkrafttretens dieses Vertrags endgültig sein.“</p>\n<p>Art. 7 (2): „Das vereinte Deutschland hat demgemäß volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Bundesgesetzblatt 1990 II, S. 1318 ff., Wortlaut nach der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Dossier „Zwei-plus-Vier-Vertrag“. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>So liest du M 1. Das Grundgesetz bot zwei Wege. Nach Art. 23 konnten weitere Teile Deutschlands einfach beitreten, das Grundgesetz galt dann auch dort. Nach Art. 146 hätte das ganze deutsche Volk eine neue Verfassung beschließen können. Gewählt wurde Art. 23: schneller, und mit einer bewährten Verfassung. Viele Bürgerrechtler wollten Art. 146, damit auch die Erfahrungen aus der DDR in eine gemeinsame Verfassung eingehen. Der Runde Tisch legte im April 1990 einen eigenen Verfassungsentwurf vor; die neu gewählte Volkskammer lehnte es Ende April mit 179 zu 167 Stimmen ab, ihn weiter zu beraten.</p>\n<p>M 2 zeigt, warum die Einheit auch eine internationale Frage war. Seit 1945 hatten die vier Mächte Rechte für „Deutschland als Ganzes“. Erst mit Art. 7 endeten sie. Art. 1 machte die Grenzen endgültig, also auch die Oder-Neiße-Grenze zu Polen. Deshalb wurde Art. 23 nach dem Beitritt gestrichen: Es sollte keine „anderen Teile Deutschlands“ mehr geben, die beitreten könnten. Art. 146 blieb mit einem neuen Wortlaut, der von der „Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands“ spricht. Eine Verfassungskommission führte 1994 zu Änderungen des Grundgesetzes, etwa dem Umweltschutz als Staatsziel (Art. 20a).</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Streichung von Art. 23 und Neufassung von Art. 146: Einigungsvertrag, Art. 4 (gesetze-im-internet.de); Verfassungsentwurf und Abstimmung 179 zu 167: bpb, „Verpasste Chancen“, Aus Politik und Zeitgeschichte (In guter Verfassung, 2024). Art. 20a: Deutscher Bundestag, Textarchiv 2013, „Umweltschutz im Grundgesetz“; bpb, Lexikon Recht A–Z, „Umweltschutz“.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Wer hat die Revolution gemacht?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Deutung „Werk der Opposition“:</strong> Viele frühere Bürgerrechtler und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk betonen, dass wenige Mutige den Umbruch erzwangen, während die Mehrheit lange abwartete.</li>\n<li><strong>Deutung „Aufstand der Normalbürger“:</strong> Der Religionssoziologe Detlef Pollack hält die Erzählung von der Bürgerbewegung als Hauptakteur für eine Legende; entscheidend seien die vielen gewöhnlichen Menschen gewesen, die flohen und demonstrierten.</li>\n<li><strong>Einordnung:</strong> Der Historiker Martin Sabrow zeigt, dass die Sichten weniger weit auseinanderlagen, als der heftige Streit 2019 vermuten ließ; auch Kowalczuk nennt die Ausreisebewegung einen herausragenden Faktor. Umstritten ist auch das Wort „Wende“: Egon Krenz nutzte es im Oktober 1989, um die SED an die Spitze der Veränderungen zu setzen. Viele lehnen es deshalb ab und sprechen von Revolution.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Martin Sabrow, „Mythos 1989“, Deutschland Archiv (bpb), 28.11.2019 (Pollack-Kowalczuk-Debatte, Wende und Revolution); LeMO, „Führungswechsel“ (Krenz, „Wende“).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Akteure:</strong> Wer erzwang was? Opposition, Ausreisende, Demonstranten, SED-Reformer, Gorbatschow, Bundesregierung.</li>\n<li><strong>Gewichtung von außen und innen:</strong> Hätte es den Umbruch ohne Gorbatschow gegeben, und ohne die Menschen auf der Straße?</li>\n<li><strong>Tempo und Form der Einheit:</strong> Was sprach für den schnellen Beitritt (Abwanderung, Zustimmung der Siegermächte, Wahlergebnis), was für eine neue Verfassung (Mitsprache der Ostdeutschen)?</li>\n<li><strong>Folgen:</strong> Freiheit und Wohlstand einerseits, Arbeitslosigkeit und das Gefühl vieler Ostdeutscher, übernommen worden zu sein, andererseits.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Bedeutung des Grundgesetzes im Prozess der Wiedervereinigung“)</span>\n<p>1. Geben Sie die in M 1 genannten Wege zur Einheit wieder. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, warum 1990 der Weg über Artikel 23 gewählt wurde. Beziehen Sie M 2 ein. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, inwieweit der Beitritt nach Artikel 23 der richtige Weg zur Einheit war. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Art. 23: Beitritt weiterer Teile Deutschlands, das Grundgesetz gilt dann dort. Art. 146: Ablösung des Grundgesetzes durch eine Verfassung, die das deutsche Volk „in freier Entscheidung“ beschließt.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Erwartet werden Gründe im Zusammenhang: anhaltende Abwanderung in den Westen und wirtschaftlicher Zusammenbruch der DDR; Wahlsieg der Allianz für Deutschland am 18. März 1990 mit dem Versprechen schneller Einheit; Währungsunion am 1. Juli als Vorstufe; das günstige Zeitfenster, solange Gorbatschow zustimmte; Art. 23 setzte eine bewährte Verfassung sofort in Kraft. M 2 zeigt, dass die Einheit nur mit Zustimmung der vier Mächte möglich war und die Grenzfrage endgültig regeln musste.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Urteil mit Kriterium (Legitimität und Folgen). Dafür: Die frei gewählte Volkskammer beschloss den Beitritt mit großer Mehrheit, das Zeitfenster war unsicher, das Grundgesetz war erprobt. Dagegen: Die Ostdeutschen konnten über die gemeinsame Verfassung nicht abstimmen, der Entwurf des Runden Tisches wurde nicht beraten, und viele empfanden die Einheit als Übernahme. Ein mögliches Urteil: Der Beitritt war politisch nachvollziehbar und demokratisch beschlossen, ließ aber eine Chance zur gemeinsamen Verfassungsdebatte ungenutzt. Für die oberen Noten: Hinweis, dass auch heute über die Folgen gestritten wird.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>a) Ordne zu, ob es sich um eine äußere oder innere Ursache des Umbruchs handelt: Aufgabe der Breschnew-Doktrin, gefälschte Kommunalwahl im Mai 1989, Grenzöffnung Ungarns, Gründung des Neuen Forums. b) Erkläre in zwei Sätzen, was der Wechsel von „Wir sind das Volk“ zu „Wir sind ein Volk“ zeigt.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Außen: Breschnew-Doktrin, Grenzöffnung Ungarns. Innen: gefälschte Kommunalwahl, Neues Forum. Gute Antworten zeigen die Verbindung: Die Grenzöffnung wirkte nur, weil so viele Menschen gehen wollten.</p>\n<p>b) „Wir sind das Volk“ forderte Demokratie in der DDR: Das Volk, nicht die SED, soll bestimmen. „Wir sind ein Volk“ forderte die Einheit mit der Bundesrepublik; das Ziel vieler Demonstranten verschob sich nach dem Mauerfall von der Reform der DDR zur Wiedervereinigung.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Mauerfall gleich Einheit.</strong> Zwischen dem 9. November 1989 und dem 3. Oktober 1990 liegt fast ein Jahr.</li>\n<li><strong>Die Einheit als Werk von Politikern allein.</strong> Ohne Flucht und Demonstrationen hätte es keinen Mauerfall gegeben.</li>\n<li><strong>Art. 23 und Art. 146 verwechseln.</strong> Die DDR trat nach Art. 23 bei; Art. 146 wäre der Weg über eine neue Verfassung gewesen.</li>\n<li><strong>Die Siegermächte vergessen.</strong> Ohne den Zwei-plus-Vier-Vertrag gab es keine volle Souveränität.</li>\n<li><strong>„Wende“ unkommentiert verwenden.</strong> Das Wort stammt im politischen Gebrauch von Egon Krenz; „friedliche Revolution“ ist der Fachbegriff.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Herausforderung+Frieden&card=sn-ge-wiener-kongress\">Wiener Kongress und Wiener System</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=sn-ge-narration\">Eine historische Darstellung schreiben (Narration)</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-einheit -->"
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      "title": "Diktaturen vergleichen: NS-Staat, Stalin, DDR",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Diktaturen vergleichen einfach erklärt: NS-Staat, Sowjetunion unter Stalin und DDR nach Ideologie, Herrschaft, Terror, Selbstdarstellung und Haltung der Bevölkerung; Gedenkstättenkonzeption des Bundes im Wortlaut, Totalitarismusbegriff nach Arendt und Friedrich, Fürsorgediktatur, Debatte um den „Unrechtsstaat“, Grenzen des Vergleichs und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-diktaturvergleich -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Diktaturen im Vergleich: NS-Staat, Stalin, DDR</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du zum Vergleich von Diktaturen eine Quelle oder Darstellung und sollst sie einordnen und beurteilen; Punkte gibt es für Belege am Material und ein begründetes Urteil, nicht fürs Aufzählen von Jahreszahlen. Der NS-Staat, die Sowjetunion unter Stalin und die DDR waren Diktaturen mit einer herrschenden Partei, einer Staatsideologie, Propaganda und Geheimpolizei. Sie unterschieden sich aber in ihren Zielen, im Ausmaß des Terrors und in ihrem Ende: Der Holocaust und der Vernichtungskrieg stehen für Verbrechen, die die DDR nicht beging. Ein Vergleich nach festen Kriterien zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede, er setzt nicht gleich. Der Begriff „totalitär“ passt auf NS-Staat und Stalinismus gut, für die DDR ist er umstritten. Die Bundesregierung hat als Leitlinie festgelegt: NS-Verbrechen nicht relativieren, SED-Unrecht nicht bagatellisieren.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt</span><p>Lehrplan Sachsen, Grundkurs und Leistungskurs:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Sich positionieren zum Problem der Vergleichbarkeit der beiden Diktaturen in Deutschland“</li>\n<li>„Vergleichbarkeit von Diktaturen am Beispiel des NS-Staates, der Sowjetunion unter Stalin und der DDR“</li>\n</ul>\n<p>Der Grundkurs vergleicht NS-Staat und DDR, der Leistungskurs zusätzlich die Sowjetunion unter Stalin.</p>\n<p>Quellen: <a href=\"https://www.schulportal.sachsen.de/lplandb/index.php?lplanid=65\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lehrplan Gymnasium Geschichte (Lehrplandatenbank Sachsen)</a>; <a href=\"https://revosax.sachsen.de/vorschrift/21215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VwV Abiturprüfung 2027</a> (Ziffer I.2: alle Lernbereiche sind mögliche Prüfungsinhalte).</p></details></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Diktatur<span class=\"wort-erkl\">Herrschaft, in der eine Person oder Gruppe die Macht ohne freie Wahlen, Gewaltenteilung und Grundrechte ausübt</span></span> ist das Gegenteil einer Demokratie. Aber Diktaturen sind nicht alle gleich. Deutschland hatte im 20. Jahrhundert zwei, den NS-Staat und die DDR, und darum wird hier besonders genau gefragt, wie man sie vergleichen darf.</p>\n<p>Vergleichen ist ein Werkzeug: Du legst Kriterien fest, prüfst jede Diktatur danach und urteilst dann. Das ist kein Gleichsetzen, und es ist auch kein Verharmlosen. In der Klausur sollst du zeigen, dass du beides auseinanderhalten kannst.</p>\n</div>\n\n<h4>Vergleichen heißt nicht gleichsetzen</h4>\n<p>Ein Vergleich sucht Gemeinsamkeiten <em>und</em> Unterschiede nach klaren Kriterien. Für die Erinnerung an beide deutsche Diktaturen hat die Bundesrepublik eine Leitlinie festgeschrieben. Sie geht auf eine Formel des Historikers Bernd Faulenbach aus den 1990er-Jahren zurück.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption des Bundes, 19. Juni 2008 (Auszug)</span>\n<p>„Jede Erinnerung an die Diktaturvergangenheit in Deutschland hat davon auszugehen, dass weder die nationalsozialistischen Verbrechen relativiert werden dürfen noch das von der SED-Diktatur verübte Unrecht bagatellisiert werden darf.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutscher Bundestag, Drucksache 16/9875 (Unterrichtung durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien); Wortlaut nach dserver.bundestag.de. Amtlicher Text.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Zwei Verben, zwei Gefahren. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Relativieren<span class=\"wort-erkl\">etwas kleiner erscheinen lassen, indem man es mit anderem gleichstellt oder „aufrechnet“</span></span> hieße, die NS-Verbrechen durch den Vergleich mit der DDR kleiner zu machen. <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Bagatellisieren<span class=\"wort-erkl\">als unbedeutend oder harmlos hinstellen</span></span> hieße, das SED-Unrecht abzutun, weil es kleiner war als der Holocaust. Die Formel verlangt also beides zugleich: Unterschiede ernst nehmen und Unrecht beim Namen nennen.</p>\n\n<h4>Die drei Diktaturen nach Kriterien</h4>\n<div class=\"table-wrap\"><table>\n<thead><tr><th>Kriterium</th><th>NS-Staat 1933–1945</th><th>Sowjetunion unter Stalin</th><th>DDR 1949–1989</th></tr></thead>\n<tbody>\n<tr><td>Ideologie</td><td>Rassenideologie, „Volksgemeinschaft“, „Lebensraum“</td><td>Marxismus-Leninismus, Klassenkampf, „Sozialismus in einem Land“</td><td>Marxismus-Leninismus nach sowjetischem Vorbild</td></tr>\n<tr><td>Machtzentrum</td><td>„Führer“ und NSDAP</td><td>Stalin und KPdSU</td><td>SED, „führende Rolle“ ab 1968 in der Verfassung</td></tr>\n<tr><td>Terror</td><td>Konzentrationslager, Völkermord an den europäischen Juden, Vernichtungskrieg</td><td>Großer Terror, Gulag, Deportationen, Hungersnot durch Kollektivierung</td><td>Staatssicherheit, politische Haft, Grenzregime mit Toten an der Mauer; in den frühen Jahren offene Gewalt bis zu Todesurteilen, später vor allem verdeckte „Zersetzung“</td></tr>\n<tr><td>Selbstdarstellung</td><td>Führerkult, Massenfeiern, Propagandaministerium</td><td>Stalinkult, Sozialistischer Realismus</td><td>Massenorganisationen (FDJ), Kult um den Sozialismus, Abgrenzung vom Westen</td></tr>\n<tr><td>Haltung der Bevölkerung</td><td>breite Zustimmung bis in den Krieg, Anpassung, wenig Widerstand</td><td>Angst, Anpassung, Loyalitätsdefizit</td><td>Anpassung und Rückzug ins Private, Aufstand 1953, Flucht und Ausreise, Opposition in den 1980er-Jahren</td></tr>\n<tr><td>Ende</td><td>militärische Niederlage 1945</td><td>Tod Stalins 1953, danach Entstalinisierung</td><td>Friedliche Revolution 1989</td></tr>\n</tbody></table></div>\n\n<h4>Forschungsstreit: Totalitarismus, ein Begriff für alle drei?</h4>\n<p>Nach 1945 entwickelten die Philosophin Hannah Arendt („Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, 1951 zuerst auf Englisch) und der Politikwissenschaftler Carl Joachim Friedrich (mit Zbigniew Brzezinski, 1956) Theorien der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">totalitären Herrschaft<span class=\"wort-erkl\">Herrschaft, die mit einer allumfassenden Ideologie, einer Einheitspartei, Terror und der Kontrolle von Medien, Waffen und Wirtschaft den ganzen Menschen erfassen will</span></span>. Friedrichs Merkmalsliste beginnt mit einer offiziellen Ideologie, die alle Lebensbereiche erfasst, und einer einzigen Massenpartei, meist unter einem Führer. NS-Staat und Stalins Sowjetunion passen gut darauf.</p>\n<p>Bei der DDR ist der Begriff umstritten. Sie war eine Diktatur mit Einheitspartei und Geheimpolizei, aber ohne Massenterror im Ausmaß der Jahre 1937/38 oder des Holocaust. Andere Begriffe betonen das, etwa „Fürsorgediktatur“ (Konrad Jarausch: Versorgung und soziale Sicherheit gegen politische Unterordnung). Umstritten ist auch der Begriff <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Unrechtsstaat“<span class=\"wort-erkl\">Staat, in dem Recht nicht die Bürger vor dem Staat schützt, sondern der Macht der Herrschenden dient; politisch umkämpfter Begriff für die DDR</span></span>: Für die einen ist er treffend, weil Gerichte und Gesetze der SED dienten und es keine unabhängige Justiz gab; andere lehnen ihn ab, weil er das Leben vieler Menschen in der DDR pauschal abwerte und im Alltag durchaus Recht galt.</p>\n\n<h4>Grenzen des Vergleichs</h4>\n<ul>\n<li>Der Holocaust als staatlich geplanter Völkermord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden bleibt singulär.</li>\n<li>Die DDR war kein souveräner Staat wie das NS-Reich, sondern abhängig von der Sowjetunion.</li>\n<li>Ein guter Vergleich nennt zuerst die Kriterien, dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede, dann ein abgewogenes Urteil.</li>\n</ul>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Kriterien hängen zusammen: Die Ideologie bestimmte, wer als Feind galt, und damit, gegen wen sich der Terror richtete: im NS-Staat gegen „rassisch“ Ausgegrenzte, vor allem Juden, bei Stalin und in der DDR gegen „Klassenfeinde“ und politische Gegner. Das Machtzentrum entschied, wie weit Terror ging: Ein Diktator wie Hitler oder Stalin konnte Massenmorde anordnen, die DDR als von Moskau abhängiger Parteistaat setzte nach den frühen Jahren eher auf Überwachung. Selbstdarstellung und Versorgung sollten Zustimmung schaffen, die Haltung der Bevölkerung reichte deshalb von Begeisterung über Anpassung bis Widerstand. Die Leitlinie aus M 1 verbindet alles: Erst die Kriterien zeigen, wo die Diktaturen gleich und wo sie verschieden waren.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ausmaß:</strong> Zahl und Art der Opfer, Völkermord und Krieg.</li>\n<li><strong>Ziel:</strong> Wofür wurde Gewalt eingesetzt?</li>\n<li><strong>Dauer und Wandel:</strong> frühe gewaltsame Phase und späte Überwachungsdiktatur in der DDR.</li>\n<li><strong>Abhängigkeit:</strong> souveräner Staat oder Satellit einer Großmacht?</li>\n<li><strong>Begriffe:</strong> Welches Wort passt, welches verwischt Unterschiede?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierungen „Sich positionieren zum Problem der Vergleichbarkeit der beiden Diktaturen in Deutschland“ und „Diktaturen des 20. Jahrhunderts im Vergleich“)</span>\n<p>1. Geben Sie die Leitlinie in M 1 mit eigenen Worten wieder. (AFB I)</p>\n<p>2. Vergleichen Sie NS-Staat und DDR nach drei Kriterien. (AFB II)</p>\n<p>3. Nehmen Sie Stellung zur Frage, ob NS-Staat und DDR als „totalitäre Diktaturen“ bezeichnet werden können. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Wer an die deutschen Diktaturen erinnert, darf die NS-Verbrechen nicht durch Vergleich kleiner machen und das SED-Unrecht nicht als harmlos abtun; Einordnung als amtliche Leitlinie für Gedenkstätten (2008), zurückgehend auf Faulenbach.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> <em>Ideologie:</em> Rassenideologie gegen Marxismus-Leninismus. <em>Machtzentrum:</em> „Führer“ und NSDAP gegen SED unter sowjetischer Oberhoheit. <em>Terror:</em> Lager, Völkermord, Vernichtungskrieg gegen Stasi, politische Haft, Mauertote, „Zersetzung“. Dazu Gemeinsamkeiten: Einheitspartei, Propaganda, Massenorganisationen, keine freien Wahlen.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>NS-Staat:</em> passt auf die Merkmale von Arendt und Friedrich. <em>DDR:</em> Einheitspartei, Ideologie, Geheimpolizei, Medienkontrolle sprechen dafür; fehlender Massenterror nach den frühen Jahren, Abhängigkeit von Moskau, Rückzugsräume im Privaten sprechen dagegen. Ein gelungenes Urteil: NS-Staat totalitär, DDR eine Diktatur mit totalitärem Anspruch, aber anderer Praxis; Begriffe wie „Fürsorgediktatur“ fassen das genauer. Für die oberen Noten: Du beziehst M 1 ein und nennst die Debatte um den „Unrechtsstaat“.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>„Die DDR war wie der NS-Staat eine totalitäre Diktatur.“ Nimm in vier Sätzen Stellung.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Dafür: Einheitspartei, Staatsideologie, Geheimpolizei und Kontrolle der Medien gab es in beiden Systemen. Dagegen: Die DDR kannte keinen Völkermord und keinen Vernichtungskrieg; Terror war nach den frühen Jahren seltener, die SED setzte stärker auf Überwachung und soziale Versorgung. Deshalb ist „Diktatur“ unstrittig, „totalitär“ für die DDR umstritten. Ein Vergleich darf die Unterschiede nicht verwischen.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„Vergleichen heißt gleichsetzen.“</strong> Vergleichen heißt, auch die Unterschiede zu zeigen.</li>\n<li><strong>Ohne Kriterien vergleichen.</strong> Lege vorher fest, worauf du schaust: Ideologie, Herrschaft, Terror, Bevölkerung.</li>\n<li><strong>Den Holocaust als ein Verbrechen unter vielen behandeln.</strong> Er hat im Vergleich eine eigene Stellung.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Weimar+und+NS-Diktatur&card=sn-ge-ns-staat\">Der NS-Staat: Gleichschaltung, Ideologie, Widerstand</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Geschichtskultur+%28LK%29&card=sn-ge-vergangenheitspolitik\">Vergangenheitspolitik: Umgang mit dem Nationalsozialismus nach 1945</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Industrie+und+Soziale+Frage&card=sn-ge-stalinismus\">Stalinismus 1924–1938</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=BRD+und+DDR&card=sn-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Industrie+und+Soziale+Frage&card=sn-ge-kommunismus\">Sowjetkommunismus: Ideologie und antiliberale Modernisierung</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=sn-ge-urteil\">Sachurteil und Werturteil</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-diktaturvergleich -->"
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