{
  "category": "Abitur 2027",
  "productId": "schleswig-holstein_deutsch",
  "version": "2027.1",
  "lastUpdated": "2026-10-02",
  "cardCount": 5,
  "cards": [
    {
      "id": "sh-de-lastminute-2027",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Vorbereitung in letzter Minute (2027)",
      "short": "Die letzten Tage vor der Deutschklausur: was in deinem Land drankommt, welche Lernzettel du jetzt öffnest und was du am Ende prüfst.",
      "cardType": "strategy",
      "content": "<!-- core-card:de-lastminute-2027 -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Prüfung</span><span>Abitur</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Dieser Lernzettel ist für die letzten Tage vor der schriftlichen Deutschprüfung. Oben steht, was in deinem Land amtlich gilt: Arbeitszeit, Auswahl, Hilfsmittel und Aufgabenarten. Darunter findest du die Lernzettel zu deinen Schwerpunkten, die du jetzt noch einmal öffnen solltest. Zum Schluss steht, was du in den letzten Minuten der Klausur prüfst. Uhrzeit und Raum erfährst du von deiner Schule.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was in der Prüfung drankommt</span><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Amtlicher Wortlaut anzeigen</summary><p>Du bekommst vier Aufgaben und bearbeitest eine. Erhöhtes Niveau 315, grundlegendes Niveau 255 Minuten einschließlich Lese- und Auswahlzeit. Hilfsmittel: ein Rechtschreibwörterbuch und dein eigenes Exemplar der Pflichtlektüren, wenn darin nur Markierungen und Randbemerkungen mit Textbezug stehen.</p></details><p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/bildung-hochschulen/zentrale-abschluesse/allg-zentralabitur/Zentralabitur_fachspez_Pruefungsregelungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsregelungen Deutsch, Land Schleswig-Holstein, S. 1</a></p></div>\n<!-- /land -->\n<h4>Deine Schwerpunkte</h4>\n<!-- land-extra -->\n<p>Öffne jetzt noch einmal diese Lernzettel:</p>\n<ul>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=sh-de-kleist-krug\">Kleist: Der zerbrochne Krug</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=sh-de-erpenbeck-werk\">Erpenbeck: Heimsuchung</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=sh-de-politische-sprache\">Sprache in politisch-gesellschaftlichen Zusammenhängen</a></li>\n<li><a href=\"?category=Abitur+2027&card=sh-de-lyrik-2027\">Lyrische Texte</a></li>\n</ul>\n\n<!-- /land-extra -->\n\n<h4>Was du noch klären solltest</h4>\n<ul>\n<li><!-- pruefungstag --><strong>Prüfungstag:</strong> Dienstag, 27. April 2027. Uhrzeit und Raum erfährst du von deiner Schule. <a href=\"https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/bildung-hochschulen/zentrale-abschluesse/allg-zentralabitur/Zentralabitur_Pruefungstermine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amtliche Terminliste</a><!-- /pruefungstag --></li>\n<li><strong>Welche Textausgabe zugelassen ist:</strong> Wenn Lektüren als Hilfsmittel erlaubt sind, ist oft genau festgelegt, welche Ausgabe und ob Notizen darin stehen dürfen. Frag deine Lehrkraft, bevor du dein Exemplar einpackst.</li>\n<li><strong>Wörterbuch:</strong> Frag deine Lehrkraft, ob du ein eigenes Rechtschreibwörterbuch mitbringst oder die Schule eines stellt.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wofür es Punkte gibt</h4>\n<p>In Abituraufgaben zu Texten zählt die Verstehensleistung etwa 70 %, die Darstellungsleistung etwa 30 %; bei materialgestützten Aufgaben etwa 60 zu 40. Zur Darstellung gehören Aufbau, Fachsprache, Zitieren und Belegen, Ausdruck und Stil sowie Rechtschreibung und Grammatik. Gerade diese Punkte kannst du in den letzten Minuten noch sichern.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">IQB, Abituraufgaben Deutsch, Bewertungshinweise (Interpretation gA 2024; Materialgestütztes Verfassen eA 2024).</p>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">So wird gewertet <span>· Zwei Balken zeigen, wie viel Verstehen und wie viel Darstellung zählen. Du siehst, wo sich die letzten Minuten lohnen.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 136\" role=\"img\" aria-labelledby=\"lm-t lm-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"lm-t\">So werden Textaufgaben gewertet</title>\n<desc id=\"lm-d\">Zwei Balken: Bei Abituraufgaben zu Texten zählt die Verstehensleistung etwa 70 Prozent und die Darstellungsleistung etwa 30 Prozent, bei materialgestützten Aufgaben etwa 60 zu 40.</desc>\n<text x=\"6\" y=\"14\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.75\">Aufgaben zu Texten</text>\n<rect x=\"6.0\" y=\"20\" width=\"243.6\" height=\"36\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"127.8\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Verstehen</text>\n<text x=\"127.8\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 70 %</text>\n<rect x=\"249.6\" y=\"20\" width=\"104.4\" height=\"36\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"301.8\" y=\"36\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Darstellung</text>\n<text x=\"301.8\" y=\"50\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 30 %</text>\n<text x=\"6\" y=\"76\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.75\">Materialgestützte Aufgaben</text>\n<rect x=\"6.0\" y=\"82\" width=\"208.8\" height=\"36\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#2563eb\"/>\n<text x=\"110.4\" y=\"98\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Verstehen</text>\n<text x=\"110.4\" y=\"112\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 60 %</text>\n<rect x=\"214.8\" y=\"82\" width=\"139.2\" height=\"36\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.18\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"284.4\" y=\"98\" font-size=\"10.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Darstellung</text>\n<text x=\"284.4\" y=\"112\" font-size=\"9.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">ca. 40 %</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Die Gewichtung aus diesem Lernzettel als Balken.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Die letzten zehn Minuten in der Klausur</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Operator.</strong> Lies die Aufgabe noch einmal: Hast du wirklich interpretiert, erörtert, verglichen, und alle Teilaufgaben bearbeitet?</li>\n<li><strong>Zitate.</strong> Wörtlich, in Anführungszeichen, mit Zeile oder Vers.</li>\n<li><strong>Tempus und Modus.</strong> Präsens für deine Aussagen über den Text, Konjunktiv für fremde Thesen.</li>\n<li><strong>Bezüge.</strong> Heißt es „der Erzähler“ und „das lyrische Ich“, nicht „der Autor sagt“?</li>\n<li><strong>Rechtschreibung.</strong> Namen und Titel aus der Vorlage abgleichen, Kommas vor „dass“ und bei Einschüben.</li>\n</ol>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · eine echte Aufgabenstellung lesen</span>\n<p><em>1. Stellen Sie den Gedankengang des Textes von Andreas Frey dar und erläutern Sie die Intention des Textes.</em> (ca. 40 %)<br><em>2. Erörtern Sie ausgehend vom vorliegenden Text die Position des Autors.</em> (ca. 60 %)</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Abituraufgabe des IQB, Erörterung pragmatischer Texte, erhöhtes Niveau (Aufgabe 2024).</p>\n<p>Beantworte in einer Minute: Welche Operatoren stecken darin? Welcher Teil bekommt mehr Zeit? Worauf muss sich die Erörterung beziehen?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Drei Operatoren: darstellen, erläutern (Teil 1) und erörtern (Teil 2). Teil 2 wiegt mit ca. 60 % schwerer und bekommt deshalb mehr Schreibzeit. Die Erörterung geht „ausgehend vom vorliegenden Text“ von der Position des Autors aus, nicht vom Thema allgemein.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler kurz vorher</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Neuen Stoff anfangen.</strong> In den letzten Tagen wiederholst du, was du kannst, statt ein neues Werk zu lesen.</li>\n<li><strong>Die Auswahl verschleppen.</strong> Entscheide dich in der Auswahlzeit und bleib dann bei deiner Aufgabe.</li>\n<li><strong>Ohne Konzept losschreiben.</strong> Ein Plan mit Hypothese und Gliederung spart später Zeit.</li>\n<li><strong>Keine Zeit für die Kontrolle.</strong> In den letzten Minuten lassen sich Fehler in der Darstellung noch beheben.</li>\n<li><strong>Falsche Ausgabe mitbringen.</strong> Wenn eine Lektüre erlaubt ist, gilt oft nur eine bestimmte Ausgabe ohne Notizen.</li>\n</ul>\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=sn-de-ausdruck-fehler\">Typische Ausdrucksfehler vermeiden</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=sh-de-methoden-zitieren\">Richtig zitieren</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=sh-de-methoden-einleitungssatz\">Einleitungssatz schreiben (TATT-Formel)</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Ausdruck+%26+Sprache&card=sn-de-ausdruck-ueberleitung\">Überleitungen schreiben</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:de-lastminute-2027 -->"
    },
    {
      "id": "sh-de-kleist-krug",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Kleist: Der zerbrochne Krug",
      "short": "Pflicht. Recht und Gerechtigkeit. 12. Auftritt: gekürzte Fassung und Variant.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Heinrich von Kleist: <em>Der zerbrochne Krug</em> (1811)</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In „Der zerbrochne Krug“ verhandelt Dorfrichter Adam an einem einzigen Vormittag einen Fall, den er selbst verursacht hat: Er war nachts bei Eve und hat auf der Flucht den Krug ihrer Mutter zerbrochen. Gerichtsrat Walter schaut ihm dabei zu, und Adam verstrickt sich in immer neue Lügen, bis Frau Brigitte seine Perücke bringt und Eve ihn als Täter nennt. Im 12. Auftritt erklärt Eve, warum sie geschwiegen hat: Adam hat ihr eingeredet, Ruprecht müsse als Soldat nach Ostindien, und ihr ein falsches Attest angeboten. In der langen Fassung, dem Variant, traut Eve danach keiner Obrigkeit mehr, bis Walter ihr sein Wort mit Geld beweist. Für die Prüfung brauchst du beides: die Komik um Adam und den Vertrauensverlust bei Eve.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Schleswig-Holstein ist „Der zerbrochne Krug“ verbindliche Lektüre, und der Titel schreibt sich „zerbrochne“. Achte beim Lesen auf den Richter, der die Wahrheit verdunkelt, und auf Eve, deren Vertrauen in Recht und Menschen bricht.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Recht und Gerechtigkeit als Themen der Literatur: Heinrich von Kleist, <em>Der zerbrochne Krug</em>. Textausgabe mit Variant (ursprüngliche Fassung des 12. Auftritts). gN und eN. Eigenes Exemplar in der Prüfung, wenn nur Markierungen und Randbemerkungen mit unmittelbarem Textbezug.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:werk:kleist-krug -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Heinrich von Kleist hat ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Lustspiel<span class=\"wort-erkl\">älteres Wort für Komödie</span></span> geschrieben, das in einem einzigen Raum spielt: in der Gerichtsstube von Huisum, einem Dorf bei Utrecht in den Niederlanden. Es gibt keine Akte, nur 13 Auftritte hintereinander. Ein neuer Auftritt beginnt, wenn eine Figur kommt oder geht.</p>\n<p>Das Stück ist in <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Blankversen<span class=\"wort-erkl\">Verse ohne Reim mit fünf betonten Silben</span></span> geschrieben. Deshalb zitierst du mit Auftritt und Vers.</p>\n<p>Die Tat ist schon passiert, bevor das Stück beginnt. Gezeigt wird, wie sie ans Licht kommt. So ein Stück heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">analytisches Drama<span class=\"wort-erkl\">die Tat liegt vor dem Anfang, gespielt wird ihre Aufklärung</span></span>. Das Besondere: Der Mann, der aufklären soll, ist selbst der Täter. Das Publikum ahnt das früh, die meisten Figuren nicht. Daraus entsteht <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">dramatische Ironie<span class=\"wort-erkl\">das Publikum weiß mehr als die Figuren und hört, wie sie sich verraten</span></span>.</p>\n</div>\n\n<h4>Die Handlung in 13 Auftritten</h4>\n<ul>\n<li><strong>1. bis 3. Auftritt, vor der Sitzung:</strong> Adam verbindet sich das Bein, sein Gesicht ist zerschunden, seine Perücke fehlt. Er erfindet Ausreden: ein Sturz am Ofen, eine Katze, die in die Perücke gejungt habe. Schreiber Licht meldet, dass Gerichtsrat Walter aus Utrecht die Dorfgerichte prüft und im Nachbarort Holla Richter und Schreiber suspendiert hat. Adam erzählt Licht einen Traum: Ein Kläger schleppt ihn vor Gericht, und er selbst sitzt dort als Richter.</li>\n<li><strong>4. und 5. Auftritt, Walter kommt:</strong> Walter will die Rechtspflege auf dem Land verbessern, heute aber nur „sehn“, nicht „strafen“. Eine geliehene Perücke gibt es nicht, also hält Adam kahlköpfig Gericht.</li>\n<li><strong>6. Auftritt, die Parteien:</strong> Frau Marthe Rull klagt gegen Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve. Ruprecht beschimpft Eve als „Metze“ (Hure) und will sie nicht mehr heiraten.</li>\n<li><strong>7. Auftritt, die Verhandlung:</strong> Adam droht Eve heimlich mit einem Attest, Walter verbietet ihm das Flüstern. Marthe beschreibt lang den Krug und seine Geschichte. Ruprecht erzählt die Nacht: Er sah Eve mit einem Mann im Garten, trat ihre Tür ein, der Krug fiel, und einer sprang aus dem Fenster. Ruprecht schlug ihm mit der Türklinke auf den Kopf und bekam Sand in die Augen. Er hält den Flickschuster Lebrecht für den Täter.</li>\n<li><strong>8. bis 10. Auftritt, Adam lenkt ab:</strong> Adam will, dass Eve Lebrecht oder Ruprecht nennt. Eve sagt nur, Ruprecht war es nicht, und schweigt über den Rest. Lebrecht war gestern in Utrecht. Frau Brigitte wird geholt. Beim Wein fragt Walter nach Adams Wunden, und Adam erklärt den Verlust der Perücke jetzt anders: Sie sei an der Kerze verbrannt.</li>\n<li><strong>11. Auftritt, die Entlarvung:</strong> Frau Brigitte bringt eine Perücke, die im Weinspalier unter Eves Fenster hing. Sie erzählt von einem Kahlkopf mit Pferdefuß und von einer Spur im Schnee bis zu Adams Haus. Adam spricht Ruprecht trotzdem schuldig. Da ruft Eve: „Der Richter Adam hat den Krug zerbrochen!“ Ruprecht prügelt los, Adam flieht.</li>\n<li><strong>12. Auftritt, Eve erklärt:</strong> Eve bittet Walter, Ruprecht vor der Aushebung zu retten. Adam hatte ihr erzählt, die Truppen kämen nach Ostindien, und ihr nachts ein falsches Krankheitsattest angeboten. Walter erklärt den Brief für falsch, Adam wird suspendiert, Licht übernimmt das Amt.</li>\n<li><strong>Letzter Auftritt:</strong> Marthe fragt, wo in Utrecht die Regierung sitzt: „Soll hier dem Kruge nicht sein Recht geschehn?“ Der Fall ist geklärt, der Krug bleibt kaputt.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wer mit wem</h4>\n<ul>\n<li><strong>Adam</strong>, Dorfrichter: Richter und Täter zugleich. Er hat die Macht über das Verfahren und nutzt sie, um sich zu schützen.</li>\n<li><strong>Walter</strong>, Gerichtsrat aus Utrecht: die höhere <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Instanz<span class=\"wort-erkl\">die nächsthöhere Stelle, die ein Urteil prüfen kann</span></span>. Er will Ordnung, schont aber auch den Ruf des Gerichts.</li>\n<li><strong>Licht</strong>, Schreiber: stichelt von Anfang an und stützt am Ende Brigittes Aussage. Adam weiß, dass Licht gern selbst Dorfrichter wäre.</li>\n<li><strong>Eve</strong>: weiß als Einzige, was passiert ist, und schweigt, um Ruprecht zu schützen.</li>\n<li><strong>Ruprecht</strong>, Sohn des Bauern Veit Tümpel: glaubt nur, was er sieht: „Was ich mit Händen greife, glaub’ ich gern“ (9. Auftritt).</li>\n<li><strong>Frau Marthe</strong>, Eves Mutter: klagt um den Krug und meint die Ehre der Tochter: „Dein guter Name lag in diesem Topfe“ (6. Auftritt).</li>\n<li><strong>Frau Brigitte</strong>, Ruprechts Tante: bringt das Beweisstück.</li>\n</ul>\n\n<h4>Der 12. Auftritt in zwei Fassungen</h4>\n<p>Kleist hat den 12. Auftritt für den Druck stark gekürzt und die ursprüngliche, lange Fassung als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Variant<span class=\"wort-erkl\">Kleists erste, lange Fassung des 12. Auftritts; sie steht im Anhang deiner Ausgabe</span></span> hinten angehängt. Du musst beide kennen.</p>\n<ul>\n<li><strong>Gekürzte Fassung:</strong> Eve erzählt in wenigen Sätzen vom Brief, von der Ostindien-Lüge und vom falschen Attest. Walter sagt, der Brief ist falsch, und Eve glaubt ihm sofort: „O Himmel! Wie belog der Böswicht mich!“ Die Verlobten versöhnen sich.</li>\n<li><strong>Variant:</strong> Eve erzählt alles selbst. Adam versprach ein Attest vom Arzt und wollte den Namen nachts in ihrer Kammer eintragen. Dort hängte er seine Perücke auf den Krug und riss vor dem Sprung aus dem Fenster Perücke und Krug vom Sims. Eve kann nicht lesen; Adam hat ihr den angeblichen Geheimbrief vorgelesen. Gelogen hat sie nach eigenen Worten nur durch Schweigen. Als Walter sagt, die Miliz bleibe im Land, glaubt sie auch ihm nicht. Erst ein Beutel mit zwanzig Gulden überzeugt sie.</li>\n</ul>\n<p><strong>Warum das wichtig ist:</strong> In der kurzen Fassung ist Eve Opfer einer Lüge, die schnell aufgeklärt wird. Im Variant sieht man, was die Lüge zerstört hat: Eve traut keinem Amt mehr, und Walter fragt sie, ob sie so wenig Vertrauen habe.</p>\n\n<h4>Deutungsansätze, jeweils mit Beleg</h4>\n<ul>\n<li><strong>Der Richter verhandelt gegen sich selbst.</strong> Adam träumt im 3. Auftritt, ein Kläger schleppe ihn „vor den Richtstuhl“, und er säße „gleichwohl auf dem Richtstuhl dort“. Das ist der Bauplan des Stücks. Kleist vergleicht in seiner Vorrede den misstrauischen Schreiber auf seiner Bildvorlage mit Kreon, der Ödipus ansieht: Wie in Sophokles’ „König Ödipus“ sucht einer den Täter und ist es selbst.</li>\n<li><strong>Sündenfall.</strong> Adam und Eve tragen die Namen aus der Bibel. Licht spielt gleich im 1. Auftritt darauf an: Adam stamme „von einem lockern Ältervater, / Der so beim Anbeginn der Dinge fiel“. Adams „Fall“ heißt also Sturz und Schuld zugleich.</li>\n<li><strong>Recht und Macht.</strong> Adam beruft sich auf „Statuten, eigentümliche, in Huisum, / Nicht aufgeschriebene“ (7. Auftritt): Recht ist, was der Richter sagt. Auch Walter schützt vor allem die Einrichtung: „Was euch schützt, / Ist einzig nur die Ehre des Gerichts“ (11. Auftritt). Am Schluss schickt er Licht, Adam zurückzuholen: Stimmen die Kassen, will er ihn nicht zur Flucht zwingen. Deutung: Das Stück zeigt nicht nur einen schlechten Richter, sondern ein Gericht, das sich selbst schont.</li>\n<li><strong>Sprache als Waffe.</strong> Adam spricht doppeldeutig mit Eve: „Ein Richter immer, weißt du, ist ein Richter, / Und einer braucht ihn heut, und einer morgen“ (9. Auftritt). Er wechselt die Ausreden (Ofen, Katze, Kerze). Eve dagegen kann nicht sagen, was sie weiß: „Es ist des Himmels wunderbare Fügung, / Die mir den Mund in dieser Sache schließt“ (9. Auftritt). Wer reden kann, hat Macht; wer schweigt, wird verdächtigt.</li>\n<li><strong>Der Krug als Bild der Geschichte.</strong> Auf dem Krug war die Übergabe der Niederlande an den spanischen König Philipp gemalt, und er wurde zu Beginn des Aufstands gegen Spanien einem Spanier abgenommen (7. Auftritt). Dass ausgerechnet ein Diener des eigenen Staates ihn zerbricht, liest der Germanist Dirk Grathoff als Zeichen einer neuen Zeit, in der der eigene Staat die Bürger bedrängt. Das ist eine Deutung, kein Fakt im Text.</li>\n<li><strong>Komik mit Ernst.</strong> Gelacht wird über den kahlen Richter und über Marthes Wortspiele („entscheiden“, „geschieden“, 6. Auftritt). Darunter liegen Erpressung und Angst, besonders im Variant.</li>\n</ul>\n\n<h4>Entstehung und Epoche</h4>\n<ul>\n<li>Den Anstoß gab 1802 in der Schweiz ein französischer Kupferstich, „Le juge, ou la cruche cassée“ (Der Richter oder der zerbrochene Krug). Kleist, Heinrich Zschokke und Ludwig Wieland verabredeten einen Dichterwettstreit dazu; nach Zschokkes Erinnerung gewann Kleists Lustspiel.</li>\n<li>Uraufführung am 2. März 1808 in Weimar, inszeniert von Goethe. Die Aufführung fiel durch.</li>\n<li>Das ganze Stück erschien erst 1811 bei einem Berliner Verlag, mit dem Variant im Anhang.</li>\n<li>Kleist (1777 bis 1811) schreibt zur Zeit von Klassik und Romantik, passt aber zu keiner: Sein Dorf wird nicht idealisiert, und romantische Sehnsucht fehlt. Der Germanist Harro Müller-Michaels spricht von einer „eigenen Spur“ neben Klassik und Romantik. Fragt eine Aufgabe nach der Literatur um 1800, taugt der Krug als Gegenbeispiel zu Klassik und Romantik.</li>\n</ul>\n<!-- bild:krug-titelseite-1811 -->\n<figure class=\"ks-abb ks-bild\">\n<img src=\"/images/blog/krug-titelseite-1811.webp\" width=\"369\" height=\"598\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Titelblatt eines alten Buchs: Der zerbrochne Krug, ein Lustspiel, von Heinrich von Kleist, Berlin 1811\">\n<figcaption><strong>Titelblatt der Erstausgabe, Berlin 1811. Im Titel steht „zerbrochne“, so schreibst du es auch in der Klausur.</strong><br><span class=\"ks-quelle\">Quelle: Erstausgabe Berlin 1811, „Der zerbrochne Krug, ein Lustspiel (Titelblatt)“, 1811. Gemeinfrei. <a href=\"https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Titelseite_von_Kleists_Der_zerbrochne_Krug_1811.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikimedia Commons</a></span></figcaption>\n</figure>\n<!-- /bild:krug-titelseite-1811 -->\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Schleswig-Holstein</span>\n<p>Q 1.1 heißt „Recht und Gerechtigkeit als Themen der Literatur“, mit dem Krug als Werk. Im Unterricht nutzt ihr eine Ausgabe mit dem Variant. In die Prüfung darfst du dein eigenes Exemplar mitnehmen, wenn darin nur Markierungen und Randbemerkungen mit direktem Textbezug stehen. eN 315, gN 255 Minuten.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/bildung-hochschulen/zentrale-abschluesse/allg-zentralabitur/Zentralabitur_fachspez_Pruefungsregelungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsregelungen Deutsch, Land Schleswig-Holstein</a></p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt eine Lektüre oft so vor: Du interpretierst einen Text, den du nicht kennst, und stellst dann einen Bezug zum Krug her. Eine literarische Erörterung bezieht sich immer auf ein ganzes Werk. Nacherzählen sollst du das Stück in keinem Fall.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Variant, 12. Auftritt</span>\n<p>WALTER gibt Eve neu geprägte Gulden, zeigt ihr darauf das Bild des spanischen Königs und fragt, ob sie meine, der König werde sie betrügen.</p>\n<p>EVE sieht auf den Münzen Gottes Antlitz und klagt, dass sie solche Münze nicht mehr erkenne.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Hier steht der Inhalt der Stelle in eigenen Worten; den Wortlaut und die Verszahlen nimmst du aus dem Variant deiner Ausgabe (Schluss, Gespräch zwischen Walter und Eve).</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> Schluss des Variants. Adam ist geflohen, Eve hat alles erzählt und glaubt Walter nicht.<em>Der Auszug steht am Ende des Variants, nachdem Eve die Nacht geschildert hat.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Walter beweist sein Wort nicht mit Argumenten, sondern mit Münzen.</li>\n<li><strong>Zitat mit Wirkung:</strong> Eves Ausruf ist eine Selbstanklage: Sie hat verlernt, Echtes von Falschem zu unterscheiden.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Das Vertrauen kommt zurück, aber nicht durch das Recht.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Am Ende des Variants zeigt sich, wie tief Adams Lüge Eves Vertrauen zerstört hat. Walters Wort genügt ihr nicht mehr, deshalb beweist er seine Aufrichtigkeit mit einem Beutel Gulden. Er verweist auf das Bild des spanischen Königs auf den Münzen und fragt, ob der König sie betrügen werde. Eve sieht darauf Gottes Antlitz und klagt sich selbst an, dass sie solche Münze nicht mehr erkenne. Der Ausruf zeigt, dass sie die Unterscheidung von echt und falsch verloren hat, die ein Gericht eigentlich sichern soll. Brisant ist, dass ausgerechnet der spanische König bürgt, gegen den Eve zu Beginn des Variants die Freiheit der Niederländer verteidigt hat. Das Vertrauen kehrt also zurück, aber durch Geld und ein fremdes Herrscherbild, nicht durch das Recht. Der Schluss bleibt so brüchig wie der Krug.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er ist textnah, baut kurze Zitate in eigene Sätze ein, sagt zu jeder Beobachtung, was sie bewirkt, und lässt eine Spannung stehen. Das verlangen die Bewertungshinweise des IQB für eine gute Interpretation. Dort zählt das Verstehen etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>11. Auftritt. Walter zu Adam: „Nichtswürd’ger! Wert, vor allem Volk ihn schmachvoll / Vom Tribunal zu jagen! Was euch schützt, / Ist einzig nur die Ehre des Gerichts.“ Schreib einen Absatz: Was will Walter hier schützen, und wie passt das zum Schluss des Stücks?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Walter verurteilt Adam scharf („Nichtswürd’ger!“), jagt ihn aber nicht vor allen Leuten vom Richterstuhl. Er schützt also nicht Adam, sondern das Ansehen des Gerichts.</p>\n<p>Das passt zum Schluss: Walter suspendiert Adam, schickt aber Licht, ihn zurückzuholen, und will ihn nicht zur Flucht zwingen, wenn die Kassen stimmen. Die Ordnung wird gerettet, ohne dass das Gericht öffentlich beschädigt wird. Gute Absätze nennen diese Spannung zwischen Gerechtigkeit und Schutz der Einrichtung.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Zitate aus dem Haupttext folgen dem Erstdruck von 1811 in heutiger Schreibung. Den Variant zitierst du nach deiner Ausgabe (Reclam druckt ihn mit Verszahlen im Anhang). Im übrigen Stück nennst du den Auftritt und den Vers deiner Ausgabe, zum Beispiel: „Zum Straucheln braucht’s doch nichts als Füße“ (1. Auftritt, V. 3).</p>\n<!-- land-extra -->\n<h4>Nur in Schleswig-Holstein: andere Texte zum Thema Recht</h4>\n<p>Pflichtwerk bleibt der Krug, aber im Unterricht oder in der Aufgabe können andere Texte zum Thema Recht auftauchen: näher Kleists <em>Michael Kohlhaas</em>, weiter etwa Kafka. Vergleiche nur, wenn die Aufgabe es verlangt; ein erzwungener Vergleich bringt keine Punkte.</p>\n<!-- /land-extra -->\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Nacherzählen statt deuten.</strong> Den Auszug kurz einordnen, dann am Text arbeiten.</li>\n<li><strong>Nur über Adam lachen.</strong> Im Variant ist Eve die Hauptfigur, und ihre Not gehört in die Deutung.</li>\n<li><strong>Die Fassungen vermischen.</strong> Perücke auf dem Krug, Eve kann nicht lesen, zwanzig Gulden: Das steht nur im Variant.</li>\n<li><strong>Walter zum reinen Helden machen.</strong> Er klärt auf, schützt aber auch das Ansehen des Gerichts.</li>\n<li><strong>Eine Deutung als Tatsache hinstellen.</strong> Schreib „lässt sich deuten als“, wenn du zum Beispiel den Krug als Geschichtsbild liest.</li>\n<li><strong>Den Titel falsch schreiben.</strong> Er heißt „Der zerbrochne Krug“, ohne e.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->",
      "video": {
        "src": "/media/blog/krug.mp4",
        "poster": "/media/blog/krug-poster.png",
        "title": "Der zerbrochne Krug in unter einer Minute",
        "alt": "Kurzes Erklärvideo zu Kleists Lustspiel Der zerbrochne Krug: der Richter ist selbst der Täter.",
        "srcLandscape": "/media/blog/krug-landscape.mp4",
        "posterLandscape": "/media/blog/krug-landscape-poster.png"
      }
    },
    {
      "id": "sh-de-erpenbeck-werk",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Erpenbeck: Heimsuchung",
      "short": "Pflicht. Ein Ort und seine Geschichten: Grundstück, Besitz, Vertreibung, Erinnerung.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Jenny Erpenbeck: <em>Heimsuchung</em> (2008)</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du zu Erpenbecks „Heimsuchung“ eine Textstelle oder eine These und sollst sie am Text deuten; Punkte gibt es für Belege und Deutung, nicht fürs Nacherzählen. Der Roman (2008) erzählt nicht von einer Hauptfigur, sondern von einem Ort: einem Grundstück mit Haus am Scharmützelsee, den der Roman Märkisches Meer nennt. Elf Lebensgeschichten von Bewohnerinnen und Bewohnern und die des namenlosen Gärtners hängen an diesem Ort, vom Ende des 19. Jahrhunderts über NS-Zeit, Krieg und DDR bis nach 2000. Wer dort baut, kauft, flieht oder enteignet wird, entscheidet jedes Mal die Politik. Vor jedem Bewohnerkapitel steht ein kurzes Kapitel „Der Gärtner“; in seinem letzten Kapitel verschwindet er, danach wird das Haus abgerissen. Die meisten Figuren heißen nach ihrer Rolle, und die Kapitel springen in der Zeit vor und zurück.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Schleswig-Holstein ist „Heimsuchung“ verbindliche Lektüre. Der Roman erzählt von einem Grundstück am Scharmützelsee, im Roman Märkisches Meer, und von seinen Bewohnerinnen und Bewohnern vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach 2000. Die großen Themen: Bauen, Besitz, Vertreibung, Mitmachen und Leerstand.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Ein Ort und seine Geschichten: Jenny Erpenbeck, <em>Heimsuchung</em>. Ort und Raum als literarischer Aspekt, konkret oder abstrakt. gN und eN. Eigenes Exemplar in der Prüfung, wenn nur Markierungen und Randbemerkungen mit unmittelbarem Textbezug.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:werk:erpenbeck-heimsuchung -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>„Heimsuchung“ ist ein kurzer Roman der Gegenwartsliteratur, knapp 190 Seiten, aber sehr dicht. Der See heißt im Roman Märkisches Meer. Das ist der alte Name für den Scharmützelsee in der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mark<span class=\"wort-erkl\">alter Name für die Landschaft rund um die Hauptstadt, daher „märkisch“</span></span>, wo Erpenbecks Großeltern ein Haus hatten. Nach der Wende musste die Familie es zurückgeben. Danach hat Erpenbeck in Archiven die Geschichte des Grundstücks recherchiert.</p>\n<p>Der Titel hat zwei Seiten. Eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Heimsuchung<span class=\"wort-erkl\">ein Unglück, das über Menschen hereinbricht; im Wort steckt auch „ein Heim suchen“</span></span> trifft Menschen von außen. Beides passiert hier: Die Figuren suchen am See ein Zuhause, und die Geschichte des 20. Jahrhunderts sucht sie heim.</p>\n<p>Ein Wort für den Schluss: Wer in der DDR enteignet worden war, konnte nach der Wende sein Grundstück zurückfordern. Das heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Restitution<span class=\"wort-erkl\">Rückübertragung von Eigentum an die früheren Besitzer oder ihre Erben</span></span>. Deshalb verliert am Ende eine Familie das Haus, die dort Jahrzehnte gelebt hat.</p>\n</div>\n\n<h4>Die Kapitel in ihrer Reihenfolge</h4>\n<p>Nach dem Prolog folgen 22 Kapitel und ein Epilog. Die ungeraden Kapitel 1 bis 21 heißen jedes „Der Gärtner“ und stehen vor dem jeweiligen Bewohnerkapitel. Die geraden Kapitel 2 bis 22 erzählen je eine Figur. Nach Kapitel 22 kommt kein Gärtner-Kapitel mehr. In Kapitel 21 zieht sich der Gärtner zurück und verschwindet. Die Bewohnerkapitel sind nicht chronologisch: Das Kapitel über den Architekten (Kapitel 4) spielt Anfang der 1950er-Jahre, das über die jüdische Familie (Kapitel 6) danach in den 1930ern.</p>\n<ul>\n<li><strong>Prolog:</strong> Vor ungefähr 24 000 Jahren schiebt sich das Eis vor. Der See entsteht erst später, als das Toteis taut, und bekommt den Namen Märkisches Meer. Am Ende steht, dass auch er einmal verschwinden wird.</li>\n<li><strong>Kapitel 2, Der Großbauer und seine vier Töchter:</strong> Der Dorfschulze Wurrach lässt seine jüngste Tochter Klara, die psychisch krank wird, entmündigen. Ihr Erbe, den Wald am See, teilt er in drei Grundstücke und verkauft sie: an einen Kaffee- und Teeimporteur, an einen jüdischen Tuchfabrikanten aus Guben und an einen Berliner Architekten. Klara geht im Winter in den See.</li>\n<li><strong>Kapitel 4, Der Architekt:</strong> Anfang der 1950er geht er ein letztes Mal durch sein Haus. Er muss in den Westen fliehen, weil er für einen Bau in Ost-Berlin Schrauben aus dem Westen besorgt hat. Das Nachbargrundstück der jüdischen Familie hat er 1939 weit unter Wert gekauft.</li>\n<li><strong>Kapitel 6, Der Tuchfabrikant:</strong> Arthur und Hermine verbringen mit Sohn Ludwig und Enkelin Doris Tage am See. Ludwig wandert mit Anna nach Südafrika aus, die Eltern besuchen ihn in Kapstadt und kehren zurück. 1939 verkaufen sie das Grundstück, um auszureisen. Die Ausreise scheitert, sie werden ermordet.</li>\n<li><strong>Kapitel 8, Die Frau des Architekten:</strong> Sechs Jahre nach dem Krieg erinnert sie sich an ihr Leben im Haus. Bei Kriegsende hat sie sich vor sowjetischen Soldaten in einem geheimen Schrank versteckt. Der junge Offizier fand sie dort, es kam zu einem erzwungenen Geschlechtsakt. Das Erlebnis hat „ein Loch in ihre Ewigkeit“ gebohrt.</li>\n<li><strong>Kapitel 10, Das Mädchen:</strong> Doris, die zwölfjährige Enkelin des Tuchfabrikanten, versteckt sich im geräumten Warschauer Ghetto in einer dunklen Kammer und erinnert sich an die Sommer am See. Sie wird entdeckt, verschleppt und ermordet.</li>\n<li><strong>Kapitel 12, Der Rotarmist:</strong> Der junge Offizier, dessen Familie von deutschen Soldaten ermordet wurde, besetzt mit seinen Männern das Haus. Dieselbe Nacht im Schrank wird jetzt aus seiner Sicht erzählt.</li>\n<li><strong>Kapitel 14, Die Schriftstellerin:</strong> Eine Kommunistin, die aus dem Exil in der Sowjetunion in die DDR zurückgekehrt ist, hat das Haus vom Staat gepachtet. Sie schreibt über ihre Heimkehr und streitet mit dem Nachbarn um das Grundstück.</li>\n<li><strong>Kapitel 16, Die Besucherin:</strong> Die Großmutter der Schwiegertochter der Schriftstellerin ist bei Kriegsende mit drei Enkeln aus Ostpreußen geflohen. Am See fühlt sie sich fremd.</li>\n<li><strong>Kapitel 18, Die Unterpächter:</strong> Ein Rentnerehepaar hat die Werkstatt am Ufer als Wochenendhaus gepachtet und segelt von dort aus. Nach der Wende erfährt die Frau, dass sie als Flüchtlingskind von ihrer Schwester getrennt wurde. Der Mann denkt an seinen gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR. Weil unklar ist, wem das Grundstück gehört, fürchten beide, die Werkstatt aufgeben zu müssen.</li>\n<li><strong>Kapitel 20, Der Kinderfreund:</strong> Ein Mann aus dem Dorf repariert das leerstehende Haus. Er erinnert sich an die Kindheit mit der Enkelin der Schriftstellerin und an die Vergewaltigung eines zwölfjährigen Mädchens, die beide als Kinder aus einem Versteck mit ansahen.</li>\n<li><strong>Kapitel 22, Die unberechtigte Eigenbesitzerin:</strong> Die Enkelin muss das Haus aufgeben, weil die Erben der Frau des Architekten es zurückfordern. Sie versteckt sich im selben Schrank und hört der Maklerin zu.</li>\n<li><strong>Epilog:</strong> Das Haus wird nach allen Vorschriften abgerissen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wer mit wem</h4>\n<ul>\n<li><strong>Das Dorf:</strong> der Großbauer Wurrach und seine Töchter; der Gärtner, von dem im Dorf niemand weiß, woher er kommt.</li>\n<li><strong>Das Architektenpaar:</strong> baut das Haus; bei Kriegsende dringt der Rotarmist ein.</li>\n<li><strong>Die jüdische Familie aus Guben:</strong> Arthur und Hermine; Sohn Ludwig mit Anna in Kapstadt; Tochter Elisabeth mit Ernst und ihrer Tochter Doris.</li>\n<li><strong>Die Familie der Schriftstellerin:</strong> ihr Sohn, seine Frau, deren Großmutter (die Besucherin), die Enkelin (später die Eigenbesitzerin) und ihr Kinderfreund; dazu die Unterpächter.</li>\n</ul>\n<p>Mit Vornamen erscheinen vor allem die jüdische Familie und die Bauernfamilie, alle anderen heißen nach ihrer Rolle. Deutung: Die Rollennamen machen jede Figur zum Beispiel für ihre Zeit, die Namen halten die Ermordeten fest.</p>\n\n<h4>Woran du die Erzählweise erkennst</h4>\n<ul>\n<li><strong>Zeitsprünge:</strong> Die Kapitel springen vor und zurück und überblenden Zeitebenen. Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb das als Geschichte als „geschichtete Zeit“.</li>\n<li><strong>Ein Ort, mehrere Sichten:</strong> Die Nacht im Schrank steht zweimal da, aus Sicht der Frau und aus Sicht des Rotarmisten. Vergleiche beide, statt einer zu glauben.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Leitmotive<span class=\"wort-erkl\">Wörter, Bilder oder Dinge, die immer wiederkehren und Stellen miteinander verbinden</span></span>:</strong> der Schrank mit dem geheimen Mechanismus, das Badehaus, der Satz „Ich kehre heim“, im Kapitel des Architekten das Wort „Abschließen“. Sie verbinden Kapitel, die zeitlich weit auseinanderliegen.</li>\n<li><strong>Erzählbericht ohne Anführungszeichen:</strong> Figurenrede steht oft ohne Anführungszeichen im Text, vieles klingt wie Erinnerung. Erzählt wird meist <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">zeitraffend<span class=\"wort-erkl\">viel Zeit wird in wenigen Sätzen erzählt</span></span>, die Szene im Schrank dagegen sehr langsam.</li>\n<li><strong>Der wortlose Gärtner:</strong> Er arbeitet, aber er spricht und urteilt nicht. Ein Urteil über die Figuren musst du selbst begründen. In Kapitel 21 verschwindet er und wird nicht wieder gesehen.</li>\n</ul>\n\n<h4>Deutungsansätze, jeweils mit Beleg</h4>\n<ul>\n<li><strong>Heimat finden und verlieren.</strong> Fast jede Figur sucht am See ein Zuhause und muss es wieder verlassen. Die Schriftstellerin tippt immer wieder den Satz „I-c-h k-e-h-r-e h-e-i-m“, obwohl sie das Haus nur gepachtet hat.</li>\n<li><strong>Besitz und Unrecht.</strong> Der Architekt kauft 1939 das Grundstück der jüdischen Familie weit unter Wert; nach der Wende fordern die Erben seiner Frau das Haus zurück. Schon der Prolog sagt, dass auch der See vergehen wird. Deutung: Besitz ist in diesem Roman immer vorläufig, und jeder Erwerb hat eine Vorgeschichte.</li>\n<li><strong>Erinnern an die Ermordeten.</strong> Der Roman ist Doris Kaplan gewidmet, einem jüdischen Mädchen, das 1942 mit seiner Mutter ins Warschauer Ghetto deportiert wurde. Das Kapitel „Das Mädchen“ erzählt ihr Schicksal nach Recherchen. Deutung: Die Widmung mit vollem Namen stellt sich gegen das Vergessen.</li>\n<li><strong>Natur gegen Geschichte.</strong> Prolog und Epilog rahmen die Menschengeschichte mit Erdgeschichte. Die Neue Zürcher Zeitung las die Naturbilder als Gleichnisse für die Verletzungen, die Menschen der Natur und einander zufügen.</li>\n<li><strong>Gewalt aus beiden Richtungen.</strong> Die Familie des Rotarmisten wurde von Deutschen ermordet, er selbst tut der Frau Gewalt an. Der Roman erzählt beide Seiten. Wie der Roman Sexualität und Gewalt erzählt, ist umstritten: Die Süddeutsche Zeitung kritisierte Passagen als „pornografischen Kitsch“.</li>\n</ul>\n\n<h4>Entstehung und Kontext</h4>\n<ul>\n<li>Erschienen 2008. Ausgangspunkt war das Haus der Großeltern am Scharmützelsee und der Verlust nach der Wende.</li>\n<li>Erpenbeck hat für die Kapitel über die jüdische Familie in Archiven recherchiert; reale Spuren und Erfindung gehen ineinander über. Deshalb liest man den Roman auch als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Erinnerungsliteratur<span class=\"wort-erkl\">Literatur, die erzählt, wie eine Gesellschaft sich an ihre Vergangenheit erinnert</span></span>.</li>\n<li>Geschichtlicher Hintergrund in Stichworten: Arisierung jüdischen Besitzes in der NS-Zeit, Holocaust, Flucht und Vertreibung bei Kriegsende, Enteignung in der DDR, Republikflucht, Rückübertragung nach der Wende.</li>\n</ul>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Schleswig-Holstein</span>\n<p>Q 2.1 heißt „Ein Ort und seine Geschichten“, mit Heimsuchung als Werk. In die Prüfung darfst du dein eigenes Exemplar mitnehmen, wenn darin nur Markierungen und Randbemerkungen mit direktem Textbezug stehen. eN 315, gN 255 Minuten.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/bildung-hochschulen/zentrale-abschluesse/allg-zentralabitur/Zentralabitur_fachspez_Pruefungsregelungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsregelungen Deutsch, Land Schleswig-Holstein</a></p>\n</div>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Untersuchen Sie, wie im vorliegenden Auszug der Ort zum Träger von Erinnerung wird.</p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt eine Lektüre oft so vor: Du interpretierst einen Text, den du nicht kennst, und stellst dann einen Bezug zum Roman her. Eine literarische Erörterung bezieht sich immer auf ein ganzes Werk. Das ganze Jahrhundert nacherzählen sollst du in keinem Fall.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Kapitel „Die Schriftstellerin“</span>\n<p>Die Schriftstellerin sitzt an der Schreibmaschine und tippt: „I-c-h k-e-h-r-e h-e-i-m“ (Penguin-Taschenbuch S. 112, Reclam S. 107). Der Satz kehrt im Kapitel wieder.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> DDR, die Schriftstellerin ist aus dem sowjetischen Exil zurück und hat das Haus vom Staat gepachtet.<em>Der Auszug stammt aus dem Kapitel „Die Schriftstellerin“, das in der DDR spielt.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Die Bindestriche zerlegen den Satz in einzelne Buchstaben.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Die Heimkehr wird nicht behauptet, sie wird mühsam getippt, Anschlag für Anschlag.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Titel und Leitmotiv Heimat.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Im Kapitel „Die Schriftstellerin“ tippt die Figur immer wieder denselben Satz: „I-c-h k-e-h-r-e h-e-i-m“ (S. 112). Die Bindestriche zerlegen ihn in einzelne Buchstaben. So wird aus einer einfachen Aussage ein mühsamer Vorgang, Anschlag für Anschlag. Das passt zu ihrer Lage: Sie ist aus dem Exil in die DDR zurückgekehrt, doch das Haus am See hat sie nur vom Staat gepachtet, und um das Grundstück streitet sie mit dem Nachbarn. Die Heimkehr, die der Satz behauptet, ist also nicht abgeschlossen; sie muss immer neu geschrieben werden. Damit greift die Stelle den Titel auf: Heimat ist in diesem Roman kein sicherer Besitz, sondern etwas, das man sucht und wieder verlieren kann.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: eine genaue Beobachtung an der Sprache, ein kurzes Zitat mit Seite, die Wirkung, die Einordnung ins Kapitel und am Ende der Bogen zum ganzen Roman. Kurze Zitate aus einem geschützten Roman sind für die Analyse erlaubt; lange Abschriften nicht.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Schlag das Kapitel „Die Frau des Architekten“ auf und such die Wendung vom „Loch in ihre Ewigkeit“. Schreib einen Absatz: Was meint „Ewigkeit“ für diese Figur, und was hat das Loch hineingebohrt? Vergleiche kurz mit dem Kapitel „Der Rotarmist“.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>„Ewigkeit“ steht für das Leben, das sie für immer friedlich am See führen wollte: das Haus, die Gäste, die Sommer. Das „Loch“ ist die Nacht bei Kriegsende, als der Offizier sie im Schrank fand. Seitdem ist diese Zeit nicht mehr heil.</p>\n<p>Im Kapitel „Der Rotarmist“ steht dieselbe Nacht aus seiner Sicht, mit seiner eigenen Geschichte von Verlust und Rache. Ein guter Absatz nennt beide Sichten und urteilt nicht vorschnell, sondern zeigt, was der Wechsel der Perspektive bewirkt.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Nenn Kapitel und Seite deiner Ausgabe, zum Beispiel „(Kapitel ‚Die Schriftstellerin‘, S. 112)“. Bau kurze Halbsätze in deine eigenen Sätze ein.</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Das Jahrhundert nacherzählen.</strong> Den Auszug kurz einordnen, dann an der Sprache arbeiten.</li>\n<li><strong>Die Zeitsprünge übersehen.</strong> Die Kapitelfolge ist nicht die Reihenfolge der Ereignisse.</li>\n<li><strong>Den Gärtner zum Erzähler machen.</strong> Er bleibt wortlos und erklärt nichts.</li>\n<li><strong>Figuren nur in Täter und Opfer sortieren.</strong> Der Architekt profitiert 1939 und muss später selbst fliehen; der Rotarmist ist Opfer und Täter.</li>\n<li><strong>Roman und Familiengeschichte gleichsetzen.</strong> Das Haus hat ein reales Vorbild, die Figuren sind trotzdem erzählt.</li>\n<li><strong>Lange Passagen abschreiben.</strong> Kurze Zitate mit Kapitel und Seite reichen.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->",
      "video": {
        "src": "/media/karten/heimsuchung.mp4",
        "poster": "/media/blog/heimsuchung-poster.png",
        "title": "Heimsuchung in 30 Sekunden",
        "alt": "Kurzes Video zu Erpenbecks Heimsuchung: ein Grundstück am Scharmützelsee, elf Bewohnerkapitel, vor jedem der Gärtner, vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach 2000.",
        "srcLandscape": "/media/karten/heimsuchung-landscape.mp4",
        "posterLandscape": "/media/blog/heimsuchung-landscape-poster.png"
      }
    },
    {
      "id": "sh-de-politische-sprache",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Sprache in politisch-gesellschaftlichen Zusammenhängen",
      "short": "Politische Sprache: Verständigung und Strategie, Framing, Redeanalyse an einer echten Rede. Lernzettel fürs Abitur.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In diesem Themenfeld gibt es kein Pflichtbuch: In der Prüfung liegt ein Sachtext, den du nicht kennst, etwa eine Rede, ein Kommentar, ein Interview oder ein Post. Du untersuchst, ob der Text eine Sache gemeinsam klären will (Verständigung) oder vor allem gewinnen will (Strategie), und an welchen Wörtern und Mitteln man das sieht. Dazu kommt, wie das Medium den Text prägt: Eine Rede wirkt anders als ein Zeitungskommentar oder ein Post. Je nach Aufgabe analysierst du den Text, erörterst seine These oder nutzt ihn als Material für einen eigenen Beitrag. Mit ein paar Modellen und Fachwörtern kannst du das genau benennen, aber die Punkte holst du am Text.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Schleswig-Holstein arbeitest du in diesem Schwerpunkt mit Sachtexten oder Materialien. Es geht um Verständigung und Strategie in der Kommunikation, um sprachliche Merkmale und um schriftlichen und mündlichen Sprachgebrauch in unterschiedlichen Medien.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen: Kommunikation zwischen Verständigung und Strategie; sprachliche Merkmale; schriftlicher und mündlicher Sprachgebrauch in unterschiedlichen Medien. gN und eN. Keine extra benannte Ganzschrift in diesem Schwerpunkt.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:feld:politische-sprache -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Das Themenfeld heißt amtlich „Sprache in politisch-gesellschaftlichen Verwendungszusammenhängen“. Gemeint ist: Wie Menschen in Politik und Öffentlichkeit mit Sprache handeln. Wer redet, will etwas erreichen: überzeugen, beruhigen, mobilisieren, den Gegner schwächen.</p>\n<p>Drei Punkte stehen in den Vorgaben, und die kannst du dir als drei Fragen an jeden Text merken:</p>\n<ul>\n<li><strong>Verständigung oder Strategie?</strong> Will der Text eine Frage gemeinsam klären, oder will er vor allem Zustimmung und Sieg?</li>\n<li><strong>Mit welchen sprachlichen Mitteln?</strong> Welche Wörter, Bilder und Satzbaumuster lenken, wie du die Sache siehst?</li>\n<li><strong>In welchem Medium?</strong> Gesprochen oder geschrieben, im Parlament, in der Zeitung, im Netz: Was macht das mit dem Text?</li>\n</ul>\n<p>Die Texte heißen in der Prüfung <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">pragmatische Texte<span class=\"wort-erkl\">Sachtexte, die in der Wirklichkeit etwas bewirken sollen: Reden, Kommentare, Essays, Interviews, Posts</span></span>. Zitiert wird mit Zeilenangabe, zum Beispiel „ein wenig Geduld“ (Z. 3).</p>\n</div>\n\n<h4>Verständigung und Strategie</h4>\n<p>Die Unterscheidung geht auf den Philosophen Jürgen Habermas zurück („Theorie des kommunikativen Handelns“, 1981). Er trennt Handeln, das auf <strong>Verständigung</strong> zielt, von Handeln, das auf <strong>Erfolg</strong> zielt. Wer sich verständigen will, legt Gründe offen und lässt sich vom besseren Argument überzeugen. Wer strategisch handelt, behandelt die anderen als Mittel: Er will, dass sie etwas tun oder glauben, egal wie.</p>\n<ul>\n<li><strong>Zeichen für Verständigung:</strong> Gründe statt Behauptungen, Gegenargumente werden genannt und ernst genommen, Begriffe werden erklärt, Fragen bleiben offen, wo die Sache offen ist.</li>\n<li><strong>Zeichen für Strategie:</strong> Ziele, gegen die niemand sein kann, an der Stelle von Gründen; Gegner werden abgewertet statt widerlegt; Gefühle wie Angst oder Stolz ersetzen Belege; Wichtiges wird verschwiegen oder im Passiv versteckt.</li>\n</ul>\n<p>In echten Texten kommt fast immer beides vor. Stark wird deine Analyse, wenn du zeigst, an welcher Stelle der Text von einem ins andere wechselt. Strategie ist dabei nicht automatisch unanständig: Auch wer für eine gute Sache wirbt, will gewinnen. Bewerte also, was der Text tut, nicht ob dir seine Meinung gefällt.</p>\n\n<h4>Modelle, mit denen du Kommunikation beschreibst</h4>\n<p>Modelle helfen dir, Beobachtungen genau zu benennen. Nenn sie nur, wenn du sie an einer Stelle im Text anwendest.</p>\n<ul>\n<li><strong>Organon-Modell</strong> (Karl Bühler, „Sprachtheorie“, 1934): Jede Äußerung hat drei Seiten. Sie stellt eine Sache dar (<em>Darstellung</em>), sie zeigt etwas über den Sprecher (<em>Ausdruck</em>) und sie will beim Hörer etwas bewirken (<em>Appell</em>). Politische Reden sind oft stark appellativ.</li>\n<li><strong>Vier Seiten einer Nachricht</strong> (Friedemann Schulz von Thun, „Miteinander reden“, 1981): Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehung, Appell. Hilfreich, wenn du zeigen willst, wie ein Redner sein Verhältnis zum Publikum gestaltet, etwa mit „wir alle“.</li>\n<li><strong>„Man kann nicht nicht kommunizieren“</strong> (Paul Watzlawick und andere, 1967): Auch Schweigen, Auslassen und Tonfall sagen etwas. Gut für die Frage, was ein Text weglässt.</li>\n<li><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mehrfachadressierung<span class=\"wort-erkl\">ein Text richtet sich zugleich an mehrere Gruppen, etwa an Gegner, eigene Anhänger und die Öffentlichkeit</span></span>: Wer im Parlament spricht, redet scheinbar zu den anderen Abgeordneten, gemeint sind aber oft die Zuschauer, die Medien und die eigene Partei. Der Sprachwissenschaftler Walther Dieckmann nannte das schon 1981 eine „trialogische“ Lage.</li>\n</ul>\n\n<h4>Wörter, die lenken</h4>\n<p>In der politischen Sprache wird um Wörter gekämpft. Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf sprach 1973 auf einem Parteitag davon, man müsse Begriffe „besetzen“. Seitdem ist das ein fester Ausdruck.</p>\n<ul>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Fahnenwort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort, mit dem eine Gruppe ihre eigenen Ziele positiv kennzeichnet</span></span> und <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Stigmawort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort, das die Gegenseite oder ihre Ziele abwertet</span></span>:</strong> Die Begriffe stammen vom Sprachwissenschaftler Fritz Hermanns (1982). Oft ist das Fahnenwort der einen Seite das Stigmawort der anderen.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Hochwertwort<span class=\"wort-erkl\">ein Wort für einen Wert, den fast alle teilen, etwa Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit</span></span>:</strong> Gegen „Sicherheit“ ist niemand. Wer sein Vorhaben damit verbindet, macht Widerspruch schwer.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Framing<span class=\"wort-erkl\">ein Wort ruft einen ganzen Deutungsrahmen auf und legt fest, wie wir eine Sache sehen</span></span>:</strong> Die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling („Politisches Framing“, 2016) zeigt das an der „Steuerlast“: Das Wort lässt Steuern als Gewicht erscheinen, das einen erdrückt. Wer von „Steuerbeitrag“ spricht, rahmt dieselbe Sache als Beitrag zum Gemeinwesen. Und „Steueroase“ lässt Steuerflucht klingen wie einen rettenden Ort in der Wüste.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Euphemismus<span class=\"wort-erkl\">beschönigendes Wort, das etwas Unangenehmes harmloser klingen lässt</span></span> und Kampfbegriff:</strong> Das eine verharmlost, das andere greift an.</li>\n<li><strong>Satzbau und Pronomen:</strong> Das Passiv versteckt, wer handelt („Die Gebühren werden erhöht“). „Wir“ schafft Gemeinschaft, „die da oben“ oder „die anderen“ ziehen eine Grenze.</li>\n<li><strong>Bilder:</strong> Metaphern wie „Flut“, „Welle“ oder „Lawine“ machen aus Menschen eine Naturgewalt. Frag immer: Was legt das Bild nahe, ohne es zu sagen?</li>\n</ul>\n\n<h4>Wie Reden überzeugen wollen</h4>\n<p>Schon Aristoteles hat in seiner „Rhetorik“ drei Wege unterschieden, mit denen ein Redner überzeugt:</p>\n<ul>\n<li><strong>Ethos:</strong> durch seine Glaubwürdigkeit („Ich habe dreißig Jahre als Ärztin gearbeitet …“).</li>\n<li><strong>Pathos:</strong> durch Gefühle beim Publikum (Angst, Mitleid, Stolz, Empörung).</li>\n<li><strong>Logos:</strong> durch Argumente und Belege.</li>\n</ul>\n<p>Für deine Analyse heißt das: Benenne, worauf ein Abschnitt setzt, und frag, ob die Gefühle ein Argument stützen oder ersetzen. Typische Mittel dabei sind <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">rhetorische Fragen<span class=\"wort-erkl\">Fragen, auf die keine Antwort erwartet wird, weil sie die Antwort schon nahelegen</span></span>, Wiederholungen (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Anapher<span class=\"wort-erkl\">mehrere Sätze oder Satzteile beginnen mit demselben Wort</span></span>), Dreierfiguren und Gegensätze (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Antithese<span class=\"wort-erkl\">zwei gegensätzliche Begriffe oder Aussagen werden gegenübergestellt</span></span>).</p>\n\n<h4>Gesprochen, geschrieben, gepostet</h4>\n<ul>\n<li><strong>Die Rede</strong> wirkt über Stimme, Pausen und Reaktionen im Saal. Im Protokoll stehen Zwischenrufe und Beifall: Sie zeigen, wen ein Satz erreicht hat.</li>\n<li><strong>Der Kommentar</strong> in der Zeitung hat Zeit für Begründungen und Gegenargumente. Fehlen sie, ist das eine Beobachtung wert.</li>\n<li><strong>Der Post</strong> lebt von Kürze, Zuspitzung, Bild und Wiederholung. Er erreicht viele, begründet aber wenig.</li>\n<li>Die Sprachwissenschaftler Peter Koch und Wulf Oesterreicher (1985) unterscheiden <strong>Sprache der Nähe</strong> (spontan, persönlich, wie im Gespräch) und <strong>Sprache der Distanz</strong> (geplant, sachlich, wie im Gesetz). Ein Post ist oft geschrieben, klingt aber wie gesprochen. Wenn eine Politikerin so schreibt, wirkt sie nahbar.</li>\n</ul>\n\n<h4>Sprachkritik: wenn Wörter Unrecht verdecken</h4>\n<p>Wie Sprache Denken lenken kann, hat der Romanist Victor Klemperer an der Sprache des Nationalsozialismus beschrieben („LTI“, 1947). Heute sucht die Jury der „Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres“ jedes Jahr ein Wort, das Menschen herabsetzt oder etwas verschleiert; das erste war 1991 „ausländerfrei“. Solche sprachkritischen Texte können in der Prüfung als Material liegen. Dann fragst du: Welche Wirkung wird dem Wort zugeschrieben, und überzeugt die Begründung?</p>\n\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">Nur auf erhöhtem Niveau (Leistungskurs)</span>\n<p>Im Leistungskurs sollst du laut den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz sprachliche Handlungen „theoriegestützt“ beschreiben und sprachphilosophische Positionen zur Analyse heranziehen. Für dieses Themenfeld heißt das: Habermas, Bühler, Schulz von Thun oder Framing nicht nur nennen, sondern an einer Stelle zeigen, was das Modell sichtbar macht und wo es an seine Grenze kommt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2012/2012_10_18-Bildungsstandards-Deutsch-Abi.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KMK, Bildungsstandards Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife, S. 21</a></p>\n</div>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Schleswig-Holstein</span>\n<p>Das Themenfeld liegt in Q 1.2 und Q 2.1. Du bekommst vier Aufgaben und bearbeitest eine. Möglich sind die Analyse und die Erörterung eines pragmatischen Textes und das materialgestützte Verfassen eines informierenden oder argumentierenden Textes. Erhöhtes Niveau 315, grundlegendes Niveau 255 Minuten mit Lese- und Auswahlzeit.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/bildung-hochschulen/zentrale-abschluesse/allg-zentralabitur/Zentralabitur_fachspez_Pruefungsregelungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsregelungen Deutsch, Land Schleswig-Holstein, S. 1 und 2</a></p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt das Themenfeld meist so vor: Du analysierst einen pragmatischen Text (Argumentation, sprachliche Mittel, Intention), du erörterst seine These, oder du schreibst aus mehreren Materialien einen eigenen Beitrag, etwa einen Kommentar. Das Themenfeld wird dabei in der Aufgabe oft ausdrücklich genannt.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Otto Wels (SPD) im Reichstag, 23. März 1933, gegen das Ermächtigungsgesetz</span>\n<p>„Wir Sozialdemokraten wissen, daß man machtpolitische Tatsachen durch bloße Rechtsverwahrungen nicht beseitigen kann. Wir sehen die machtpolitische Tatsache Ihrer augenblicklichen Herrschaft. Aber auch das Rechtsbewußtsein des Volkes ist eine politische Macht, und wir werden nicht aufhören, an dieses Rechtsbewußtsein zu appellieren.“</p>\n<p>„Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Wortlaut nach dem Abdruck bei German History in Documents and Images (aus: Dokumente der deutschen Politik, Bd. 1, 1935, S. 36 bis 38), abgeglichen mit einem Auszug aus dem Reichstagsprotokoll. Die Rede ist gemeinfrei.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> Die Regierung Hitler will sich vom Reichstag ermächtigen lassen, Gesetze ohne das Parlament zu beschließen. Die SPD stimmt als einzige Partei dagegen; das Gesetz wird mit 444 zu 94 Stimmen angenommen. Wels weiß also, dass er die Abstimmung verliert.<em>Der Auszug stammt aus der Rede, mit der Otto Wels die Ablehnung der SPD begründet.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Das Wort „Macht“ kommt dreimal vor, aber jedes Mal anders: als Tatsache der Gegner, als Macht des Rechtsbewusstseins, als Macht, die das Gesetz nicht gibt.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Wels gibt die Niederlage zu und deutet im selben Atemzug um, was Macht ist.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> Verständigung mit der Mehrheit ist nicht mehr möglich. Die Rede wendet sich an andere Adressaten.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Wels spricht in einer Lage, in der Verständigung mit der Mehrheit nicht mehr möglich ist: Das Ergebnis der Abstimmung steht fest. Er versucht deshalb nicht, die Abgeordneten der Regierungsparteien umzustimmen, sondern deutet den Begriff um, auf den sie sich stützen. Zunächst räumt er ein, man könne „machtpolitische Tatsachen“ nicht durch „bloße Rechtsverwahrungen“ beseitigen. Diese Einräumung macht ihn glaubwürdig, weil er die Lage nicht schönredet. Gleich danach setzt er mit „Aber“ eine zweite Macht dagegen: „das Rechtsbewußtsein des Volkes“. Die Wiederholung des Wortes „Macht“ verschiebt seine Bedeutung von der Gewalt der Regierung zur Überzeugung der Menschen. Damit richtet sich die Rede über den Saal hinaus an die Öffentlichkeit und die eigenen Anhänger. Der Schlusssatz „Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen […] zu vernichten“ greift den Namen des Gesetzes auf und kehrt ihn gegen die, die es beschließen. Die Rede ist also strategisch gebaut, aber nicht um zu siegen, sondern um für die Zeit nach der Niederlage eine Gegenposition festzuhalten.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er ordnet die Situation ein, belegt jede Beobachtung mit einem kurzen Zitat, sagt, was das Mittel bewirkt (Einräumung, Wiederholung, Umdeutung), und kommt zu einem Urteil über Verständigung und Strategie. So beschreiben die Bewertungshinweise des IQB eine gute Analyse: textnah, funktional, mit eigenständigem Urteil. Bei textbezogenen Aufgaben zählt das Verstehen etwa 70 Prozent, die Darstellung etwa 30 Prozent.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte am 8. Mai 1985 im Bundestag, 40 Jahre nach Kriegsende: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ Die ganze Rede steht auf bundespraesident.de. Schreib einen Absatz: Welchen Rahmen setzt das Wort „Befreiung“, und welche anderen Wörter für denselben Tag schiebt es beiseite?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Für den 8. Mai 1945 gab es in Deutschland andere Wörter: Niederlage, Kapitulation, Zusammenbruch. Sie stellen das Ende des Kriegs als Verlust dar. „Befreiung“ setzt einen anderen Rahmen: Befreit wird man von etwas Schlechtem, also war die NS-Herrschaft das Unrecht, nicht ihr Ende. Mit „uns alle“ bezieht Weizsäcker auch die Deutschen ein, die den Tag als Niederlage erlebt hatten.</p>\n<p>Gute Absätze zeigen außerdem, dass die Rede die anderen Erfahrungen nicht verschweigt: Kurz vorher sagt Weizsäcker, der 8. Mai sei „kein Tag zum Feiern“, und nennt Heimkehr, Heimatlosigkeit und Gefangenschaft. Das Framing wirkt gerade, weil es die Gegenwörter anerkennt und dann überbietet.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Gib bei Sachtexten die Zeile an: „ein wenig Geduld“ (Z. 3). Nenn bei Reden Redner, Anlass und Datum einmal in der Einleitung, danach reichen die Zeilen. Zwischenrufe aus dem Protokoll darfst du zitieren, sie gehören zur Kommunikationssituation.</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Mittel aufzählen ohne Wirkung.</strong> „Es gibt eine Anapher“ bringt nichts. Sag, was sie beim Publikum bewirkt.</li>\n<li><strong>Über das Thema schreiben statt über den Text.</strong> In der Erörterung prüfst du die These des Textes, nicht deine allgemeine Meinung zum Thema.</li>\n<li><strong>Die eigene politische Meinung als Analyse ausgeben.</strong> Bewerte, wie der Text argumentiert, nicht ob dir seine Partei gefällt.</li>\n<li><strong>Strategie mit Lüge verwechseln.</strong> Strategisch heißt: auf Wirkung angelegt. Ob etwas falsch ist, musst du gesondert begründen.</li>\n<li><strong>Modelle abladen.</strong> Ein Modell zählt nur, wenn du es an einer Stelle anwendest.</li>\n<li><strong>Medium vergessen.</strong> Ob Rede, Kommentar oder Post, sag in einem Satz, was das Medium mit dem Text macht.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->"
    },
    {
      "id": "sh-de-lyrik-2027",
      "cat": "Abitur 2027",
      "title": "Lyrische Texte",
      "short": "Gedichtanalyse und Gedichtvergleich: Sprechsituation, Reim, Metrum, Bilder an Goethe-Gedichten. Lernzettel fürs Abitur.",
      "cardType": "theme",
      "content": "<!-- land-kopf -->\n<h3>Lyrische Texte</h3>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Hier ist keine Epoche und kein Pflichtgedicht festgelegt: In der Prüfung liegt ein Gedicht, das du nicht kennst, manchmal zwei zum Vergleich. Du brauchst deshalb keinen Kanon, sondern einen Weg, der bei jedem Gedicht funktioniert. Er hat drei Fragen: Wer spricht zu wem, was wiederholt sich, und wo verändert sich die Form? Dazu kommen die Fachwörter für Vers, Reim, Metrum und Bilder, aber nur mit dem Satz, was sie im Gedicht bewirken. Eine Epoche nennst du, wenn der Text oder die Aufgabe sie verlangt, und dann belegst du sie am Text.</p></div>\n<p class='intro-text'><em>In Schleswig-Holstein sind lyrische Texte ohne zeitliche Zuordnung im Unterricht der Oberstufe zu behandeln. Eine extra benannte Ganzschrift gibt es nicht. Kleist und Erpenbeck haben eigene Lernzettel.</em></p>\n<div class=\"ks-land\"><strong>Vorgaben vom Bildungsministerium:</strong> Lyrische Texte, ohne zeitliche Zuordnung. gN und eN. Keine Epoche und kein Pflichtgedicht sind festgeschrieben.</div>\n<!-- /land-kopf -->\n\n<!-- spine:feld:lyrik -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Ein Gedicht sagt viel auf wenig Raum. Deshalb zählt jedes Wort, jeder Zeilenbruch und jeder Reim. Interpretieren heißt: zeigen, wie Inhalt und Form zusammen eine Bedeutung ergeben.</p>\n<p>Die Stimme im Gedicht heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">lyrisches Ich<span class=\"wort-erkl\">die Stimme, die im Gedicht spricht; nicht der Dichter selbst</span></span>, auch wenn kein „ich“ dasteht; manche sagen dann „Sprecher“. Ihre Lage heißt <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Sprechsituation<span class=\"wort-erkl\">wer im Gedicht spricht, zu wem, wann und wo</span></span>. Zitiert wird mit Versangabe: „Ist Ruh’“ (V. 2).</p>\n</div>\n\n<h4>Was du am Gedicht beschreibst</h4>\n<ul>\n<li><strong>Aufbau:</strong> Strophen und Verse, ein Wendepunkt (oft zwischen zwei Strophen oder vor dem letzten Vers).</li>\n<li><strong>Reim:</strong> <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Paarreim<span class=\"wort-erkl\">aabb: zwei Verse hintereinander reimen sich</span></span>, <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Kreuzreim<span class=\"wort-erkl\">abab: jeder zweite Vers reimt sich</span></span>, <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">umarmender Reim<span class=\"wort-erkl\">abba: ein Reimpaar umschließt ein anderes</span></span>. Wichtig ist, was der Reim verbindet: Welche Wörter stehen durch ihn nebeneinander?</li>\n<li><strong>Metrum:</strong> die Folge betonter und unbetonter Silben, etwa Jambus (unbetont, betont) oder Trochäus (betont, unbetont). Frag, wo es bricht.</li>\n<li><strong>Versende:</strong> Läuft der Satz über das Versende weiter, heißt das <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Enjambement<span class=\"wort-erkl\">der Satz läuft über das Versende in den nächsten Vers</span></span>. Schließt jeder Vers einen Satz, ist das Zeilenstil.</li>\n<li><strong>Bilder:</strong> Metapher, Vergleich, <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Personifikation<span class=\"wort-erkl\">Dinge oder Natur handeln oder fühlen wie Menschen</span></span>, Symbol. Ein Bild reicht, wenn du sagst, was es macht.</li>\n<li><strong>Klang und Satzbau:</strong> Wiederholung, Anapher, Alliteration, Ausruf, Frage, Imperativ.</li>\n<li><strong>Gedichtformen,</strong> die du kennen solltest: Lied, Ballade, Sonett (14 Verse, zwei Quartette und zwei Terzette), Ode und Hymne, freie Verse ohne Reim und festes Metrum.</li>\n</ul>\n\n<h4>So kommst du von der Beobachtung zur Deutung</h4>\n<ol>\n<li><strong>Erster Eindruck und Deutungshypothese:</strong> Worum geht es, und was ist auffällig? Schreib einen Satz, den du danach prüfst.</li>\n<li><strong>Sprechsituation:</strong> Wer spricht, zu wem, in welcher Lage? Gibt es ein Du?</li>\n<li><strong>Wiederholungen und Gegensätze:</strong> Welche Wörter, Bilder oder Laute kehren wieder, was steht gegeneinander?</li>\n<li><strong>Form mit Funktion:</strong> Wo verändert sich die Form, und warum genau dort?</li>\n<li><strong>Deutung und, wenn verlangt, Epoche:</strong> erst die Aussage, ganz am Ende die Einordnung.</li>\n</ol>\n<p>Du kannst dabei Strophe für Strophe vorgehen oder nach Aspekten. Beides ist erlaubt, wenn jede Beobachtung eine Wirkung bekommt.</p>\n\n<h4>Zwei Gedichte vergleichen</h4>\n<ul>\n<li><strong>Erst die Hinsicht klären:</strong> Die Aufgabe nennt meist, worauf du vergleichst, etwa ein Motiv oder die Gestaltung von Natur.</li>\n<li><strong>Gemeinsamkeiten und Unterschiede am Text:</strong> zu jedem Punkt ein Beleg aus beiden Gedichten.</li>\n<li><strong>Unterschiede erklären:</strong> mit Sprechsituation, Form und, wenn verlangt, der Entstehungszeit.</li>\n<li><strong>Kein Ranking:</strong> Welches Gedicht schöner ist, ist keine Frage der Aufgabe.</li>\n</ul>\n\n<h4>Epochen als Orientierung</h4>\n<p>Eine Epoche ist kein Etikett, sondern eine Hilfe, Auffälligkeiten zu erklären. Grob: Barock (Vergänglichkeit, Sonett), Aufklärung, Sturm und Drang (Gefühl, Natur als Gegenüber), Klassik (Maß, Humanität), Romantik (Sehnsucht, Nacht, Volksliedton), Realismus, Naturalismus, Expressionismus (Großstadt, Reihungsstil), Neue Sachlichkeit, Nachkriegslyrik, Gegenwart. Nenn eine Epoche nur, wenn du sie mit zwei Beobachtungen am Text belegen kannst.</p>\n\n<h4>So sieht die Aufgabe bei dir aus</h4>\n<div class=\"ks-land\">\n<span class=\"ks-label\">So prüft Schleswig-Holstein</span>\n<p>„Lyrische Texte“ stehen ohne zeitliche Zuordnung in den Vorgaben: Sie werden in der ganzen Oberstufe behandelt. Du bekommst vier Aufgaben und bearbeitest eine; möglich ist unter anderem die Interpretation eines literarischen Textes. Erhöhtes Niveau 315, grundlegendes Niveau 255 Minuten mit Lese- und Auswahlzeit, dazu ein Rechtschreibwörterbuch.</p>\n<p>Bewertet werden Verstehensleistung und Darstellungsleistung, die Gewichtung steht in den Beurteilungshinweisen zur Aufgabe. Gravierende Mängel in der äußeren Form können ein bis zwei Punkte kosten.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Quelle: <a href=\"https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/bildung-hochschulen/zentrale-abschluesse/allg-zentralabitur/Zentralabitur_fachspez_Pruefungsregelungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prüfungsregelungen Deutsch, Land Schleswig-Holstein, S. 1 bis 4</a></p>\n</div>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Interpretieren Sie Goethes Gedicht „Ein gleiches“. Vergleichen Sie es anschließend mit „Wandrers Nachtlied“ im Hinblick auf die Gestaltung der Sehnsucht nach Ruhe.</p>\n</div>\n<p>In Abituraufgaben kommt Lyrik meist so vor: Du interpretierst ein Gedicht, oft unter einer bestimmten Hinsicht, oder du vergleichst zwei Gedichte aus verschiedenen Zeiten zu einem gemeinsamen Motiv.</p>\n\n<h4>Ein Musterabsatz an einer echten Stelle</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">Johann Wolfgang Goethe, „Ein gleiches“ (geschrieben 1780)</span>\n<p>Ueber allen Gipfeln<br>Ist Ruh’,<br>In allen Wipfeln<br>Spürest du<br>Kaum einen Hauch;<br>Die Vögelein schweigen im Walde.<br>Warte nur, balde<br>Ruhest du auch.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Text nach Goethes Werken, Ausgabe letzter Hand, Bd. 1, 1827, S. 99 (Wikisource). Der Titel bezieht sich auf das Gedicht davor, „Wandrers Nachtlied“; deshalb heißt das Gedicht oft auch so.</p>\n</div>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Einordnen:</strong> acht kurze Verse, eine Abendlandschaft und ein Du.<em>Das Gedicht beschreibt eine Abendstimmung im Gebirge und spricht am Ende ein Du an.</em></li>\n<li><strong>Auffälligkeit:</strong> Die Ruhe wandert von oben nach unten: Gipfel, Wipfel, Vögel, dann das Du. Der Vers mit den Vögeln ist der längste.</li>\n<li><strong>Wirkung:</strong> Die Natur kommt zur Ruhe, und das Du soll ihr folgen.</li>\n<li><strong>Bogen zum Ganzen:</strong> „Ruhest du auch“ kann Schlaf heißen oder Tod. Der Text lässt beides zu.</li>\n</ol>\n<div class=\"ks-beispiel\">\n<span class=\"ks-label\">Musterabsatz</span>\n<p>Das Gedicht führt die Ruhe von außen nach innen. Es beginnt ganz oben, „Ueber allen Gipfeln“ (V. 1), steigt zu den „Wipfeln“ (V. 3) und den Vögeln, die „schweigen im Walde“ (V. 6), und kommt erst am Ende beim Du an: „Warte nur, balde / Ruhest du auch“ (V. 7 f.). Die Form unterstützt diese Bewegung. Die Verse sind sehr kurz, nur der Vers mit den Vögeln ist lang und lässt die Stille ausklingen; danach wird es wieder knapp. Der Reim verbindet „Ruh’“ mit „du“ und „Hauch“ mit „auch“: Lautlich ist das Du schon in die Ruhe eingebunden, bevor das Gedicht es ausspricht. Offen bleibt, was diese Ruhe ist. Man kann das „balde“ als Trost am Abend lesen oder als Hinweis auf den Tod. Gerade weil der Text das nicht entscheidet, wirkt er zugleich beruhigend und ernst.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Warum der Absatz gut ist: Er beobachtet genau (Bewegung von oben nach unten, Verslänge, Reim), zitiert kurz mit Versangabe, verbindet jede Form mit ihrer Wirkung und hält zwei Lesarten fest, statt eine zu behaupten. Das ist textnah und funktional, wie es die Bewertungshinweise verlangen. In Schleswig-Holstein werden Verstehens- und Darstellungsleistung getrennt beurteilt, die Gewichtung steht in den Beurteilungshinweisen der jeweiligen Aufgabe.</p>\n</div>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du</span>\n<p>Goethe hat „Ein gleiches“ in seinen Werken direkt hinter „Wandrers Nachtlied“ (1776) gestellt: „Der du von dem Himmel bist, / Alles Leid und Schmerzen stillest, / Den, der doppelt elend ist, / Doppelt mit Erquickung füllest; / Ach, ich bin des Treibens müde! / Was soll all der Schmerz und Lust? / Süßer Friede, / Komm, ach komm in meine Brust!“ Schreib einen Vergleichsabsatz: Wie wird die Sehnsucht nach Ruhe in beiden Gedichten gestaltet?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Gemeinsam ist beiden der Wunsch nach Ruhe am Ende eines bewegten Lebens. In „Wandrers Nachtlied“ spricht ein Ich, das den Frieden direkt anruft: Es redet ihn mit „Der du“ an, klagt („Ach, ich bin des Treibens müde!“) und bittet „Komm, ach komm“. Die Ruhe fehlt und wird erbeten.</p>\n<p>In „Ein gleiches“ gibt es kein klagendes Ich. Die Ruhe ist in der Natur schon da, das Du wird nur gelassen auf sie verwiesen: „Warte nur“. Aus dem Gebet wird eine Beobachtung, aus der Bitte eine Gewissheit. Gute Absätze belegen beides mit kurzen Zitaten und erklären den Unterschied mit der Sprechhaltung: Anrede und Ausruf im ersten, ruhige Beschreibung im zweiten Gedicht.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<p><strong>Zitieren:</strong> Versangabe in Klammern: „Kaum einen Hauch“ (V. 5). Zwei Verse mit Schrägstrich: „Warte nur, balde / Ruhest du auch“ (V. 7 f.). Ältere Schreibung übernimmst du so, wie sie in der Vorlage steht.</p>\n\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Nacherzählen statt deuten.</strong> Ein Gedicht in Prosa wiederzugeben bringt kaum Punkte.</li>\n<li><strong>Form ohne Funktion.</strong> „Kreuzreim, Jambus“ reicht nicht. Sag, was die Form an dieser Stelle bewirkt.</li>\n<li><strong>Das lyrische Ich mit dem Dichter gleichsetzen.</strong> Schreib „das lyrische Ich“ oder „der Sprecher“.</li>\n<li><strong>Eine Epoche behaupten, die du nicht belegst.</strong> Zwei Beobachtungen am Text, sonst lass sie weg.</li>\n<li><strong>Beim Vergleich zwei Interpretationen hintereinanderkleben.</strong> Vergleiche Punkt für Punkt unter der Hinsicht der Aufgabe.</li>\n</ul>\n<!-- /spine -->"
    }
  ]
}
