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  "category": "Dauerhafter Friede",
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  "lastUpdated": "2026-10-11",
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      "title": "Wiener Kongress und Wiener System",
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      "short": "Wiener Kongress 1814/15 einfach erklärt: Restauration, Legitimität, Solidarität und Gleichgewicht, Neuordnung Europas, Deutscher Bund mit Bundesakte im Original, Heilige Allianz, „System Metternich“ und Karlsbader Beschlüsse, Stabilität des Wiener Systems, Vergleich mit 1919 und Forschungsstreit (Schroeder), mit Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-wiener-kongress -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Wiener Kongress und Wiener System 1814–1848</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Bei einer Aufgabe zum Wiener Kongress wartet in der Klausur keine reine Wissensfrage: Du wertest ein Material aus und nimmst begründet Stellung; Punkte gibt es für Belege und Urteil. Nach dem Sieg über Napoleon ordneten die Großmächte Europa von September 1814 bis Juni 1815 auf dem Wiener Kongress neu. Sie setzten auf Restauration, auf die Herrschaft der angestammten Fürsten (Legitimität), auf den Zusammenhalt der Monarchen gegen Revolutionen und auf ein Gleichgewicht, in dem keine Macht Europa beherrschen sollte. Frankreich wurde nicht zerschlagen, sondern wieder in den Kreis der Großmächte aufgenommen. In Deutschland entstand statt eines Nationalstaats der Deutsche Bund, ein lockerer Bund souveräner Fürsten. Zwischen den Großmächten hielt der Frieden fast vierzig Jahre; erkauft wurde er mit der Unterdrückung liberaler und nationaler Bewegungen.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt · Profilfach</span><p>Halbjahresthema „Dauerhafter Friede – eine Utopie? Friedensschlüsse und Lösungsversuche internationaler Konflikte“. Verbindlicher (fett gedruckter) Inhalt:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Der Wiener Kongress“</li>\n</ul>\n<p>Vorgeschlagene Problemfrage: „Gleichgewicht der Kräfte – ein funktionierendes Ordnungsmodell für Europa?“</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://fachportal.lernnetz.de/sh/faecher/geschichte/fachanforderungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachanforderungen Geschichte Sekundarstufe I und II (2016)</a>, Qualifikationsphase; verbindlich sind die fett gedruckten Inhalte.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Seit 1792 hatte Europa fast ununterbrochen Krieg geführt. Die Französische Revolution und Napoleon hatten Grenzen verschoben, Fürsten abgesetzt, das Heilige Römische Reich beendet und überall Ideen von Freiheit und Nation verbreitet. 1814 standen die Sieger vor der Frage: Wie verhindert man einen neuen großen Krieg und eine neue Revolution?</p>\n<p>Ihre Antwort war eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Friedensordnung<span class=\"wort-erkl\">die Regeln, Verträge und Einrichtungen, mit denen Staaten nach einem Krieg Grenzen festlegen und künftige Kriege verhindern wollen</span></span>, die auf Zusammenarbeit der Großmächte beruhte. In der Klausur sollst du ihre Prinzipien erklären, die Neuordnung beschreiben und beurteilen, wie stabil diese Ordnung war, oft im Vergleich mit 1919.</p>\n</div>\n\n<h4>Der Kongress</h4>\n<p>In Wien verhandelten vor allem die vier Siegermächte: Österreich (Außenminister Fürst Metternich), Russland (Zar Alexander I.), Großbritannien (Außenminister Lord Castlereagh) und Preußen (Staatskanzler Hardenberg). Das besiegte Frankreich saß mit Außenminister Talleyrand am Tisch und nutzte den Streit der Sieger geschickt. Fast wäre der Kongress an der polnisch-sächsischen Frage gescheitert: Russland wollte Polen, Preußen ganz Sachsen. Am Ende bekam Russland den größten Teil Polens, Preußen einen Teil Sachsens. Die Schlussakte wurde am 9. Juni 1815 unterzeichnet, wenige Tage vor Napoleons endgültiger Niederlage bei Waterloo.</p>\n\n<h4>Die Prinzipien</h4>\n<ul>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Restauration<span class=\"wort-erkl\">Wiederherstellung der vorrevolutionären Ordnung, soweit möglich</span></span>:</strong> die Verhältnisse vor 1789 so weit wie möglich wiederherstellen. Vieles blieb aber: Die meisten Kleinstaaten, die Napoleon aufgelöst hatte, kehrten nicht zurück.</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Legitimität<span class=\"wort-erkl\">rechtmäßig herrscht, wer aus einer angestammten Dynastie stammt, nicht wer gewählt oder durch Revolution an die Macht gekommen ist</span></span>:</strong> In Frankreich kehrten die Bourbonen zurück.</li>\n<li><strong>Solidarität:</strong> Die Monarchen sollten gemeinsam gegen Revolutionen vorgehen. Im September 1815 schlossen Russland, Österreich und Preußen die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Heilige Allianz<span class=\"wort-erkl\">Bündnis der Monarchen von Russland, Österreich und Preußen (September 1815), die sich auf christliche Grundsätze und gegenseitige Hilfe verpflichteten; praktisch ein Bund gegen Revolutionen</span></span>.</li>\n<li><strong>Gleichgewicht:</strong> Keine Macht sollte Europa beherrschen. Die Großmächte stimmten sich auf Konferenzen ab, das <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Konzert der Mächte<span class=\"wort-erkl\">regelmäßige Abstimmung der fünf Großmächte Großbritannien, Russland, Österreich, Preußen und ab 1818 Frankreich, um Konflikte gemeinsam zu lösen</span></span>.</li>\n</ul>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Die Prinzipien des Wiener Kongresses <span>· Welche Prinzipien Revolutionen im Inneren und welche Kriege zwischen den Staaten verhindern sollten.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 170\" role=\"img\" aria-labelledby=\"wk-t wk-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"wk-t\">Die Prinzipien des Wiener Kongresses</title>\n<desc id=\"wk-d\">Restauration, Legitimität und Solidarität sollten Revolutionen im Inneren verhindern, Gleichgewicht und Konzert der Großmächte Kriege zwischen den Staaten.</desc>\n<rect x=\"6\" y=\"6\" width=\"210\" height=\"158\" rx=\"12\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.06\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<text x=\"111\" y=\"26\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">gegen Revolutionen im Inneren</text>\n<rect x=\"16\" y=\"38\" width=\"190\" height=\"34\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"26\" y=\"53\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Restauration</text>\n<text x=\"26\" y=\"66\" font-size=\"10\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Zustand vor 1789</text>\n<rect x=\"16\" y=\"79\" width=\"190\" height=\"34\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"26\" y=\"94\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Legitimität</text>\n<text x=\"26\" y=\"107\" font-size=\"10\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">angestammte Fürsten</text>\n<rect x=\"16\" y=\"120\" width=\"190\" height=\"34\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"26\" y=\"135\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Solidarität</text>\n<text x=\"26\" y=\"148\" font-size=\"10\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Monarchen halten zusammen</text>\n<rect x=\"224\" y=\"6\" width=\"130\" height=\"158\" rx=\"12\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.06\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<text x=\"289\" y=\"26\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">gegen Kriege</text>\n<rect x=\"234\" y=\"38\" width=\"110\" height=\"116\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.1\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.6\"/>\n<text x=\"289\" y=\"84\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Gleichgewicht</text>\n<text x=\"289\" y=\"102\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">keine Macht</text>\n<text x=\"289\" y=\"115\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">beherrscht Europa</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Die Prinzipien aus dem Lernzettel, sortiert nach ihrem Zweck.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Die Neuordnung</h4>\n<ul>\n<li><strong>Frankreich</strong> blieb Großmacht in etwa den Grenzen von 1790 und wurde 1818 in das Konzert der Mächte aufgenommen.</li>\n<li><strong>Preußen</strong> erhielt das Rheinland, Westfalen und den Norden Sachsens und wurde damit zum Wächter an der Grenze zu Frankreich; <strong>Russland</strong> den größten Teil Polens als Königreich unter dem Zaren; <strong>Österreich</strong> Lombardei und Venetien in Norditalien; <strong>Großbritannien</strong> Stützpunkte und Kolonien wie Malta und das Kap.</li>\n<li><strong>Puffer gegen Frankreich:</strong> ein vereinigtes Königreich der Niederlande (mit dem heutigen Belgien) und eine gestärkte Schweiz.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Material: die Deutsche Bundesakte</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Deutsche Bundesakte, 8. Juni 1815 (Auszüge)</span>\n<p>Art. 2: „Der Zweck desselben ist Erhaltung der äußeren und inneren Sicherheit Deutschlands und der Unabhängigkeit und Unverletzbarkeit der einzelnen deutschen Staaten.“</p>\n<p>Art. 13: „In allen Bundesstaaten wird eine Landständische Verfassung stattfinden.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Nach E. R. Huber (Hg.), Dokumente zur deutschen Verfassungsgeschichte, Bd. 1, S. 84–90; Wortlaut nach German History in Documents and Images (GHDI). Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Art. 2 nennt zwei Zwecke, Sicherheit Deutschlands und die „Unabhängigkeit“ der Einzelstaaten. Der Bund schützt also gerade die Souveränität der Fürsten, nicht die Einheit der Nation. Art. 13 verspricht <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">landständische Verfassungen<span class=\"wort-erkl\">Verfassungen mit einer Vertretung von Ständen oder Bürgern im Land (Landtag), die bei Steuern und Gesetzen mitreden darf</span></span>, sagt aber weder, welche Rechte die Landstände haben, noch bis wann sie kommen. Süddeutsche Staaten wie Bayern, Baden und Württemberg erließen bald Verfassungen, Preußen und Österreich nicht.</p>\n<p>Der Deutsche Bund war ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Staatenbund<span class=\"wort-erkl\">Bund souveräner Staaten mit einem gemeinsamen Organ, aber ohne gemeinsame Regierung; anders als im Bundesstaat behalten die Mitglieder die volle Souveränität</span></span> aus souveränen Fürsten und freien Städten. Einziges Organ war die Bundesversammlung in Frankfurt aus weisungsgebundenen Gesandten unter Vorsitz Österreichs. Es gab kein Staatsoberhaupt, keine Regierung, kein Parlament und kein Bundesgericht; die Mitglieder verpflichteten sich nur, nicht gegeneinander Krieg zu führen (Art. 11). Die Gleichberechtigung der Juden überließ die Akte den Einzelstaaten.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO (DHM), „Deutsche Bundesakte 1815“: Unterzeichnung 10. Juni, Teil der Wiener Kongressakte vom 9. Juni, Organe, Art. 11, 13 und 16.</p>\n\n<h4>Das „System Metternich“</h4>\n<p>Für Liberale und Nationalbewegung war die Ordnung eine Enttäuschung: Sie hatten in den Befreiungskriegen für ein freies, einiges Deutschland gekämpft und bekamen einen Bund der Fürsten. Metternich sah in Verfassung, Pressefreiheit und Nationalstaat dagegen eine Gefahr für Österreich, einen Vielvölkerstaat, und für den Frieden. Nach dem Mord an dem Schriftsteller Kotzebue durch einen Burschenschafter beschloss die Bundesversammlung 1819 die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Karlsbader Beschlüsse<span class=\"wort-erkl\">Beschlüsse des Deutschen Bundes 1819: Zensur von Zeitungen und Büchern, Überwachung der Universitäten, Verbot der Burschenschaften, Verfolgung von „Demagogen“</span></span>. Diese Politik der Unterdrückung nennt man nach ihm das „System Metternich“. Sie hielt bis zur Revolution von 1848, in der Metternich fliehen musste.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Karlsbader Beschlüsse: LeMO, „Karlsbader Beschlüsse 1819“ (siehe Lernzettel zur Revolution 1848/49).</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Prinzipien hängen zusammen: Legitimität und Solidarität sollten Revolutionen im Inneren verhindern, Gleichgewicht und Konzert Kriege zwischen den Staaten. Beides sollte sich gegenseitig stützen, denn für die Monarchen war die Revolution die Ursache der Kriege seit 1792. Der Deutsche Bund passte in dieses System: Er sicherte die Mitte Europas, ohne einen mächtigen Nationalstaat zu schaffen, der das Gleichgewicht gestört hätte. Der Preis war, dass die Ideen von 1789, Freiheit, Verfassung und Nation, unterdrückt wurden. Sie meldeten sich 1830 und 1848 zurück.</p>\n\n<h4>Wie stabil war das Wiener System?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Stabil:</strong> Einen Krieg zwischen den Großmächten gab es bis zum Krimkrieg 1853 bis 1856 nicht. Der Verlierer Frankreich war eingebunden und hatte keinen Grund für einen Revanchekrieg.</li>\n<li><strong>Brüchig:</strong> Großbritannien zog sich bald aus der Interventionspolitik zurück; Revolutionen 1830 (Frankreich, Belgien, Polen) und 1848 zeigten, dass sich die Ideen von 1789 nicht dauerhaft unterdrücken ließen. Das Prinzip der Nation, das Wien ignorierte, sprengte die Ordnung schließlich mit der italienischen und der deutschen Einigung 1859 bis 1871.</li>\n</ul>\n<table>\n<thead><tr><th>Kriterium</th><th>Wien 1815</th><th>Paris 1919</th></tr></thead>\n<tbody>\n<tr><td>Verlierer</td><td>Frankreich verhandelt mit, 1818 aufgenommen</td><td>Deutschland ausgeschlossen, „Diktat“</td></tr>\n<tr><td>Ordnungsidee</td><td>Legitimität der Dynastien, Gleichgewicht</td><td>Selbstbestimmung der Nationen, Völkerbund</td></tr>\n<tr><td>Großmächte</td><td>alle fünf beteiligt</td><td>USA ziehen sich zurück, Sowjetrussland fehlt</td></tr>\n<tr><td>Dauer</td><td>kein Großmachtkrieg bis 1853</td><td>neuer Weltkrieg nach 20 Jahren</td></tr>\n</tbody>\n</table>\n\n<h4>Forschungsstreit: Gleichgewicht oder neues politisches Denken?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Die klassische Sicht:</strong> Wien habe das Gleichgewicht der Mächte nach den Regeln des 18. Jahrhunderts wiederhergestellt; die Stabilität beruhe auf dem Machtausgleich.</li>\n<li><strong>Die Gegenthese:</strong> Der US-Historiker Paul W. Schroeder argumentierte 1994, Wien habe Frieden gerade dadurch gestiftet, dass es die konkurrierende Gleichgewichtspolitik des 18. Jahrhunderts aufgab. An ihre Stelle sei ein neues Gleichgewicht von Rechten, Sicherheit und Zufriedenheit getreten, getragen von einem echten europäischen Konsens darüber, was Frieden bedeutet.</li>\n<li><strong>Die liberale und nationale Kritik:</strong> Aus Sicht des 19. Jahrhunderts war Wien eine Ordnung der Fürsten gegen die Völker. Wer den Frieden lobt, muss sagen, für wen er galt.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Paul W. Schroeder, The Transformation of European Politics 1763–1848, Oxford 1994, nach der Verlagsbeschreibung (Oxford Academic).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Friedenssicherung:</strong> Wie lange hielt der Frieden zwischen den Staaten?</li>\n<li><strong>Einbindung des Verlierers:</strong> Hatte Frankreich Gründe für Revanche?</li>\n<li><strong>Innere Stabilität:</strong> Wurden Konflikte gelöst oder nur unterdrückt?</li>\n<li><strong>Zukunftsfähigkeit:</strong> Konnte die Ordnung auf Nation und Verfassung reagieren?</li>\n<li><strong>Perspektive:</strong> Für wen war die Ordnung gut, für Fürsten oder für Bürger?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierungen „die europäische Friedensordnung des Wiener Systems prüfen“ und „beurteilen vergleichend die Stabilität der Friedensordnungen von 1815 und 1919“)</span>\n<p>1. Analysieren Sie M 1 und ordnen Sie die Bundesakte in die Ziele des Wiener Kongresses ein. (AFB I und II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie die Prinzipien des Wiener Kongresses und ihren Zusammenhang. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie vergleichend die Stabilität der Friedensordnungen von 1815 und 1919. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Verfassungsvertrag der souveränen Fürsten und freien Städte, Juni 1815, Teil der Wiener Kongressakte. Art. 2: Zweck ist äußere und innere Sicherheit und die Unabhängigkeit der Einzelstaaten, also kein Nationalstaat. Art. 13: Versprechen landständischer Verfassungen ohne Inhalt und Frist. Einordnung: Legitimität (Souveränität der Fürsten), Gleichgewicht (kein mächtiger Staat in der Mitte), Sicherung gegen Revolution (innere Sicherheit).</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Restauration, Legitimität, Solidarität (Heilige Allianz), Gleichgewicht (Konzert der Mächte). Zusammenhang: Revolution galt als Ursache der Kriege; Legitimität und Solidarität sollten Umstürze verhindern, Gleichgewicht und Konzert Kriege; die Einbindung Frankreichs verband beides.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>1815:</em> Verlierer eingebunden, alle Großmächte beteiligt, gemeinsame Ordnungsidee der Monarchen, kein Großmachtkrieg bis 1853; aber innere Unterdrückung, Revolutionen 1830 und 1848, Nationen ignoriert. <em>1919:</em> Verlierer ausgeschlossen und belastet (Art. 231), USA zurückgezogen, Sowjetrussland draußen, neue Nationalstaaten mit Minderheiten; neuer Weltkrieg nach zwanzig Jahren, wobei der Vertrag nicht die alleinige Ursache war. Ein gelungenes Urteil: Zwischen den Staaten war 1815 deutlich stabiler, weil der Verlierer eingebunden war und die Großmächte zusammenarbeiteten; im Inneren erkaufte Wien die Ruhe mit Unterdrückung. Für die oberen Noten: Du nennst Schroeders Deutung als Position und berücksichtigst die unterschiedlichen Ausgangslagen (Kabinettskriege gegen Massenkrieg, Monarchien gegen Demokratien).</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Warum war es klug, Frankreich 1815 nicht zu demütigen? Begründe mit zwei der Prinzipien.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Gleichgewicht: Ein eingebundenes Frankreich war Teil des Gleichgewichts der fünf Mächte und hatte weniger Grund für Revanche. Legitimität: Mit den Bourbonen saß wieder eine „rechtmäßige“ Dynastie auf dem Thron, die die Ordnung mittrug; eine harte Strafe hätte gerade diese Monarchie geschwächt und einer neuen Revolution Auftrieb gegeben.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Deutscher Bund gleich Nationalstaat.</strong> Er war ein Staatenbund ohne Regierung; Österreich und Preußen gehörten nur mit Teilen dazu.</li>\n<li><strong>Restauration als volle Rückkehr zu 1789.</strong> Viele Neuerungen der napoleonischen Zeit blieben, etwa das Ende der meisten Kleinstaaten.</li>\n<li><strong>Heilige Allianz und Konzert der Mächte verwechseln.</strong> Die Allianz war ein Bund dreier Monarchen, das Konzert die Abstimmung aller fünf Großmächte.</li>\n<li><strong>„Frieden“ ohne Preis.</strong> Die Stabilität wurde mit Unterdrückung von Freiheit und Nation erkauft.</li>\n<li><strong>1815 und 1919 ohne Kriterien vergleichen.</strong> Nenne immer, woran du misst.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Menschenrechte&card=sh-ge-franz-revolution\">Französische Revolution 1789–1799</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Nationale+Identit%C3%A4ten&card=sh-ge-revolution-1848\">Vormärz und Revolution 1848/49</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-versailles\">Versailler Vertrag und Völkerbund</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-westfaelischer-frieden\">Der Westfälische Frieden 1648</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Nationale+Identit%C3%A4ten&card=sh-ge-nation\">Nation und Nationalstaat: Deutschland, Frankreich, Polen</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-wiener-kongress -->"
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    {
      "id": "sh-ge-kalter-krieg",
      "cat": "Dauerhafter Friede",
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      "short": "Kalter Krieg einfach erklärt bis 1963: Zerfall der Anti-Hitler-Koalition, Eiserner Vorhang, Truman-Doktrin und Zwei-Lager-Theorie, Blockbildung, Koreakrieg, Berlin-Krisen, Kuba-Krise mit Originalquellen, Forschungsstreit um die Ursachen und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-kalter-krieg -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Kalter Krieg 1945–1963</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>In der Prüfung bekommst du zum Kalten Krieg eine Quelle oder Darstellung und sollst sie einordnen und beurteilen; Punkte gibt es für Belege am Material und ein begründetes Urteil, nicht fürs Aufzählen von Jahreszahlen. Nach 1945 zerfiel das Bündnis der Siegermächte, und die USA und die Sowjetunion standen sich als Gegner gegenüber, ohne direkt gegeneinander Krieg zu führen. Beide rechtfertigten ihre Politik als Verteidigung: die USA mit der Truman-Doktrin vom 12. März 1947, die Sowjetunion mit der Lehre von zwei Lagern, einem „imperialistischen“ und einem „demokratischen“. Daraus entstanden Blöcke in Wirtschaft (Marshallplan und RGW) und Militär (NATO 1949, Warschauer Pakt 1955), ein atomares Wettrüsten und heiße Kriege an den Rändern wie in Korea. In den Berlin-Krisen und vor allem in der Kuba-Krise im Oktober 1962 stand die Welt am Rand eines Atomkriegs; danach suchten beide Seiten Regeln wie den „heißen Draht“. Wer den Kalten Krieg mehr verursacht hat, ist unter Historikern umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt · Profilfach</span><p>Halbjahresthema „Dauerhafter Friede – eine Utopie? Friedensschlüsse und Lösungsversuche internationaler Konflikte“. Verbindlicher (fett gedruckter) Inhalt:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Internationale Beziehungen in der bipolaren Welt“</li>\n</ul>\n<p>Vorgeschlagene Problemfrage: „Gegenseitige Abschreckung – eine erfolgreiche Friedensstrategie?“</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://fachportal.lernnetz.de/sh/faecher/geschichte/fachanforderungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachanforderungen Geschichte Sekundarstufe I und II (2016)</a>, Qualifikationsphase; verbindlich sind die fett gedruckten Inhalte.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Im Zweiten Weltkrieg kämpften die USA, Großbritannien und die Sowjetunion gemeinsam gegen Hitler (die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Anti-Hitler-Koalition<span class=\"wort-erkl\">das Kriegsbündnis von USA, Großbritannien, Sowjetunion und weiteren Staaten gegen das nationalsozialistische Deutschland</span></span>). Sie verband nur der gemeinsame Feind. Danach traten die Gegensätze offen hervor.</p>\n<p>Der Kalte Krieg war zweierlei zugleich. Er war ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Systemkonflikt<span class=\"wort-erkl\">Streit zweier Ordnungen: Demokratie und Marktwirtschaft gegen kommunistische Einparteiherrschaft und Planwirtschaft; jede Seite hielt ihre für die bessere für alle Menschen</span></span>: Kapitalismus und Demokratie gegen Sozialismus und Einparteiherrschaft, Marktwirtschaft gegen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Zentralverwaltungswirtschaft<span class=\"wort-erkl\">anderes Wort für Planwirtschaft: Eine zentrale Behörde plant Produktion und Preise</span></span>. Und er war ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Machtkonflikt<span class=\"wort-erkl\">Kampf zweier Großmächte um Einfluss, Sicherheit und Vorherrschaft, unabhängig von der Ideologie</span></span> zweier Supermächte. Die Welt war <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">bipolar<span class=\"wort-erkl\">„zweipolig“: zwei Machtzentren, um die sich die übrigen Staaten gruppieren</span></span>. „Kalt“ hieß er, weil die beiden Atommächte nie direkt aufeinander schossen. Heiß gekämpft wurde trotzdem, in <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Stellvertreterkriegen<span class=\"wort-erkl\">Kriege, in denen die Supermächte nicht selbst gegeneinander kämpfen, sondern verbündete Staaten oder Gruppen unterstützen</span></span>.</p>\n</div>\n\n<h4>Vom Bündnis zur Gegnerschaft, 1945 bis 1947</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>Juli/August 1945, Potsdamer Konferenz:</strong> Die drei Siegermächte einigen sich auf Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Demokratisierung Deutschlands. Was „Demokratie“ heißt, verstehen sie aber verschieden, und die Reparationen holt sich jede Macht vor allem aus ihrer eigenen Zone.</li>\n<li><strong>1945 bis 1947, Sowjetisierung Osteuropas:</strong> In den Ländern, die die Rote Armee besetzt hat, kommen nach und nach kommunistische Parteien an die Macht.</li>\n<li><strong>5. März 1946, „Eiserner Vorhang“:</strong> Der frühere britische Premierminister Winston Churchill sagt in Fulton (USA), von Stettin bis Triest sei ein „eiserner Vorhang“ über Europa niedergegangen; dahinter lägen die Hauptstädte Mittel- und Osteuropas unter sowjetischem Einfluss.</li>\n<li><strong>12. März 1947, Truman-Doktrin:</strong> Anlass ist der Bürgerkrieg in Griechenland. Großbritannien kann die griechische Regierung gegen die Kommunisten nicht mehr unterstützen, nun springen die USA ein (M 1).</li>\n<li><strong>September 1947, Zwei-Lager-Theorie:</strong> Bei der Gründung des Kommunistischen Informationsbüros (Kominform) erklärt der sowjetische Spitzenfunktionär Andrei Schdanow, die Welt sei in zwei Lager geteilt: ein „imperialistisches und antidemokratisches“ unter Führung der USA und ein „antiimperialistisches und demokratisches“ um die Sowjetunion.</li>\n</ol>\n\n<h4>Das Material: wie beide Seiten sich rechtfertigten</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Harry S. Truman, Rede vor dem US-Kongress, 12. März 1947 (Auszug, eigene Übersetzung)</span>\n<p>„Im gegenwärtigen Augenblick der Weltgeschichte muss fast jede Nation zwischen zwei Lebensweisen wählen. […] Ich glaube, es muss die Politik der Vereinigten Staaten sein, freie Völker zu unterstützen, die sich der versuchten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch Druck von außen widersetzen.“</p>\n<p>Englisch: „I believe that it must be the policy of the United States to support free peoples who are resisting attempted subjugation by armed minorities or by outside pressures.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Public Papers of the Presidents, Harry S. Truman 1947, Wortlaut nach dem Avalon Project (Yale Law School). Amtlicher Text der US-Regierung, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>So liest du M 1. Truman nennt die Sowjetunion nicht, aber jeder wusste, wer mit „Druck von außen“ gemeint war. Er macht aus einer Hilfe für zwei Länder (Griechenland und die Türkei) einen Grundsatz für die ganze Welt: Die USA wollen eingreifen, wo immer „freie Völker“ bedroht sind. Daraus wurde die Politik der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Eindämmung<span class=\"wort-erkl\">englisch containment: die Ausbreitung des sowjetischen Einflusses langfristig und fest begrenzen, wie es der Diplomat George F. Kennan 1947 empfahl</span></span>. Spannend für das Urteil: Die US-Regierung glaubte, die Sowjetunion stütze die griechischen Kommunisten. Tatsächlich hatte Stalin ihnen bewusst keine Hilfe gegeben. Wahrnehmung und Wirklichkeit fielen auseinander, auf beiden Seiten.</p>\n<p>Die Zwei-Lager-Theorie ist das sowjetische Gegenstück. Sie dreht die Rollen um: Angreifer sind die „Imperialisten“, die Sowjetunion verteidigt den Frieden. In der Ostzone übernahm die SED diese Sprache und sprach vom „Friedenslager“ gegen die „Kriegstreiber“.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Anlass und Wahrnehmung: Office of the Historian (US-Außenministerium), „The Truman Doctrine, 1947“ und „Kennan and Containment, 1947“. Schdanow und Kominform: Deutsches Historisches Museum, Ausstellung „Kalter Krieg“; bpb, „Ideologie und Pragmatismus in der sowjetischen Außenpolitik“ (Aus Politik und Zeitgeschichte). Potsdam: LeMO, „Potsdamer Konferenz“, „Scheitern der Viermächte-Regierung“.</p>\n\n<h4>Zwei Blöcke</h4>\n<ul>\n<li><strong>Wirtschaft:</strong> Am 5. Juni 1947 kündigt US-Außenminister George C. Marshall den <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Marshallplan<span class=\"wort-erkl\">Wiederaufbauprogramm der USA für Europa (ERP) mit Krediten und Warenlieferungen, 1948 bis 1952</span></span> an. Die osteuropäischen Staaten nehmen auf Druck der Sowjetunion nicht teil. Als Antwort gründen die Sowjetunion und fünf osteuropäische Staaten am 25. Januar 1949 den Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW); die DDR tritt 1950 bei.</li>\n<li><strong>Militär:</strong> Am 4. April 1949 wird die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">NATO<span class=\"wort-erkl\">Nordatlantikpakt: Verteidigungsbündnis westlicher Staaten unter Führung der USA; ein Angriff auf ein Mitglied gilt als Angriff auf alle</span></span> gegründet. Die Bundesrepublik tritt 1955 bei, und am 14. Mai 1955 gründet die Sowjetunion mit ihren Verbündeten und der DDR den Warschauer Pakt.</li>\n<li><strong>Rüstung:</strong> Im August 1949 zündet auch die Sowjetunion eine Atombombe; das amerikanische Monopol ist vorbei. Es beginnt ein <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Rüstungswettlauf<span class=\"wort-erkl\">beide Seiten rüsten immer weiter auf, weil jede fürchtet, die andere könnte überlegen sein</span></span>. Als die Sowjetunion 1957 den ersten Satelliten (Sputnik) startet, ist der Westen geschockt: Wer Satelliten ins All bringt, kann auch Raketen über Kontinente schießen.</li>\n<li><strong>Deutschland:</strong> Die Teilung ist das Herzstück der Blockbildung: 1949 entstehen zwei Staaten, 1955 sind beide in die gegnerischen Bündnisse eingebunden.</li>\n</ul>\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Zwei Blöcke im Kalten Krieg <span>· Westen und Osten im Vergleich: jede Seite baut ihr eigenes Bündnis und ihren eigenen deutschen Staat.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 190\" role=\"img\" aria-labelledby=\"kk-t kk-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"kk-t\">Zwei Blöcke im Kalten Krieg</title>\n<desc id=\"kk-d\">Westen und Osten im Vergleich: Wirtschaft mit Marshallplan 1947 und RGW 1949, Militär mit NATO 1949 und Warschauer Pakt 1955, Deutschland mit Bundesrepublik 1949 und DDR 1949.</desc>\n<rect x=\"96\" y=\"6\" width=\"124\" height=\"30\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.16\" stroke=\"#2563eb\"/><text x=\"158\" y=\"26\" font-size=\"13\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Westen</text>\n<rect x=\"230\" y=\"6\" width=\"124\" height=\"30\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.14\" stroke=\"#dc2626\"/><text x=\"292\" y=\"26\" font-size=\"13\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Osten</text>\n<text x=\"6\" y=\"71\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Wirtschaft</text>\n<rect x=\"96\" y=\"48\" width=\"124\" height=\"36\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.07\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.5\"/><text x=\"158\" y=\"71\" font-size=\"11.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Marshallplan 1947</text>\n<rect x=\"230\" y=\"48\" width=\"124\" height=\"36\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.06\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.5\"/><text x=\"292\" y=\"71\" font-size=\"11.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">RGW 1949</text>\n<text x=\"6\" y=\"117\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Militär</text>\n<rect x=\"96\" y=\"94\" width=\"124\" height=\"36\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.07\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.5\"/><text x=\"158\" y=\"117\" font-size=\"11.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">NATO 1949</text>\n<rect x=\"230\" y=\"94\" width=\"124\" height=\"36\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.06\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.5\"/><text x=\"292\" y=\"117\" font-size=\"10.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Warschauer Pakt 1955</text>\n<text x=\"6\" y=\"163\" font-size=\"11.5\" font-weight=\"700\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Deutschland</text>\n<rect x=\"96\" y=\"140\" width=\"124\" height=\"36\" rx=\"8\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.07\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.5\"/><text x=\"158\" y=\"163\" font-size=\"11.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">Bundesrepublik 1949</text>\n<rect x=\"230\" y=\"140\" width=\"124\" height=\"36\" rx=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.06\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.5\"/><text x=\"292\" y=\"163\" font-size=\"11.5\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\">DDR 1949</text>\n<line x1=\"225\" y1=\"40\" x2=\"225\" y2=\"184\" stroke=\"currentColor\" stroke-width=\"2\" stroke-dasharray=\"4 4\" opacity=\"0.6\"/>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Jede Seite baut ihr eigenes Bündnis: in der Wirtschaft, im Militär und mit einem eigenen deutschen Staat. 1955 sind beide deutschen Staaten in den gegnerischen Bündnissen.</figcaption>\n</figure>\n<p>Beide Blöcke arbeiteten auch mit <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Propaganda<span class=\"wort-erkl\">gezielte, einseitige Werbung für die eigene Seite und Feindbilder von der anderen, über Plakate, Rundfunk, Film und Schule</span></span>: Der Westen sprach von der „freien Welt“, der Osten vom „Friedenslager“.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Marshall-Plan und Währungsreform“, „Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe“, „Militärallianzen“, „Beitritt zum Warschauer Pakt“, „Kalter Krieg“ (Sputnik 1957). Sowjetischer Atomtest 29.8.1949: Konrad-Adenauer-Stiftung, Zeitachse „Der Weg in das dritte nukleare Zeitalter“.</p>\n\n<h4>Ein heißer Krieg: Korea 1950 bis 1953</h4>\n<p>Korea war seit 1945 am 38. Breitengrad geteilt, der Norden kommunistisch, der Süden westlich orientiert. Im Juni 1950 überfiel Nordkorea den Süden. Truppen der Vereinten Nationen unter Führung der USA kämpften für den Süden, ab Ende Oktober 1950 chinesische „Freiwillige“ für den Norden. Erst am 27. Juli 1953 wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet, ein Friedensvertrag folgte nie. Der Westen sah im Krieg einen Beweis, dass der Kommunismus sich mit Gewalt ausbreiten wolle; in beiden deutschen Staaten wuchs die Angst, Deutschland könne der nächste Kriegsschauplatz sein. Der Koreakrieg beschleunigte deshalb die Aufrüstung und die Einbindung der Bundesrepublik in den Westen.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO, „Kalter Krieg“; Teilung am 38. Breitengrad, chinesisches Eingreifen und Waffenstillstand von Panmunjom: wissen.de, Lexikon „Koreakrieg“; Rolf Steininger, „Der vergessene Krieg. Korea 1950–1953“ (Inhaltsübersicht).</p>\n\n<h4>Krisen am Rand des Krieges</h4>\n<ul>\n<li><strong>Erste Berlin-Krise (Juni 1948 bis Mai 1949):</strong> Nach der Währungsreform sperrt die Sowjetunion alle Wege nach West-Berlin, die Westmächte versorgen die Stadt über die Luftbrücke. Die Sowjetunion gibt nach.</li>\n<li><strong>Zweite Berlin-Krise (ab November 1958):</strong> Chruschtschow fordert ultimativ den Abzug der Westmächte, West-Berlin solle eine „freie und entmilitarisierte Stadt“ werden. Die Flucht aus der DDR wächst, am 13. August 1961 riegelt die DDR die Sektorengrenze ab und baut die Mauer. Im Oktober 1961 stehen sich in Berlin amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. Die USA protestieren, nehmen die Teilung der Stadt aber hin, solange ihre Rechte in West-Berlin unberührt bleiben.</li>\n<li><strong>Kuba-Krise (Oktober 1962):</strong> Nach einem gescheiterten, von den USA unterstützten Angriff auf Kuba (April 1961) lässt die Sowjetunion heimlich Atomraketen auf der Insel aufbauen. Am 14. Oktober fotografiert ein US-Aufklärungsflugzeug die Stellungen. Kennedy lehnt einen Luftangriff ab, wie ihn die Militärs fordern, und wählt einen Mittelweg: Am 22. Oktober verhängt er eine Seesperre („quarantine“) und wendet sich im Fernsehen an die Öffentlichkeit (M 2).</li>\n</ul>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · John F. Kennedy, Fernsehansprache vom 22. Oktober 1962 (Auszug, eigene Übersetzung)</span>\n<p>„Es wird die Politik dieser Nation sein, jede von Kuba aus gegen irgendeine Nation der westlichen Hemisphäre abgeschossene Atomrakete als Angriff der Sowjetunion auf die Vereinigten Staaten zu betrachten, der einen vollen Vergeltungsschlag gegen die Sowjetunion erfordert.“</p>\n<p>Englisch: „It shall be the policy of this nation to regard any nuclear missile launched from Cuba against any nation in the Western Hemisphere as an attack by the Soviet Union on the United States, requiring a full retaliatory response upon the Soviet Union.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Wortlaut nach Office of the Historian, „The Cuban Missile Crisis, October 1962“; Rede eines US-Präsidenten im Amt, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>M 2 zeigt das Prinzip der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Abschreckung<span class=\"wort-erkl\">der Gegner greift nicht an, weil er weiß, dass er dann selbst vernichtet würde</span></span>: Kennedy droht nicht Kuba, sondern macht die Sowjetunion für jede Rakete verantwortlich. Gelöst wurde die Krise durch Verhandlungen. Am 26. Oktober bot Chruschtschow an, die Raketen abzuziehen, wenn die USA Kuba nicht angreifen. Am 27. Oktober verlangte er zusätzlich den Abzug amerikanischer Raketen aus der Türkei; am selben Tag wurde über Kuba ein US-Flugzeug abgeschossen. Kennedy ging öffentlich nur auf das erste Angebot ein, sein Bruder Robert sicherte dem sowjetischen Botschafter aber im Geheimen zu, die Raketen in der Türkei bald abzuziehen. Am 28. Oktober kündigte Chruschtschow den Abzug an.</p>\n<p><strong>Folgen:</strong> Beide Seiten hatten erlebt, wie leicht sie einander missverstehen. 1963 richteten sie eine direkte Leitung zwischen Weißem Haus und Kreml ein, den „heißen Draht“. Im selben Jahr unterzeichneten die USA, die Sowjetunion und Großbritannien einen Vertrag, der Atomtests in der Luft, im Weltraum und unter Wasser verbot. Das Wettrüsten ging trotzdem weiter. Wie die Krise gelöst wurde, nennen Lehrpläne <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Konfliktmanagement<span class=\"wort-erkl\">wie Gegner eine Krise so steuern, dass sie nicht in einen Krieg umschlägt: Drohung, Verhandlung, Zugeständnisse, Gesichtswahrung</span></span>: Drohung und Gesprächsbereitschaft zugleich, ein Ausweg, bei dem keine Seite das Gesicht verlor.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Office of the Historian, „The Cuban Missile Crisis, October 1962“ und „The Limited Test Ban Treaty, 1963“; LeMO, „Mauerbau“ (Ultimatum 1958, Panzer Oktober 1961), „Kalter Krieg“.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Wer hat den Kalten Krieg verursacht?</h4>\n<p>Über die Ursachen stritten Historiker jahrzehntelang. Man unterscheidet drei Richtungen; ihre Namen solltest du kennen, vor allem im Leistungskurs.</p>\n<ul>\n<li><strong>Traditionalisten</strong> (auch „Orthodoxe“): Die Sowjetunion wollte Osteuropa ganz beherrschen, die USA verteidigten die Demokratie und reagierten nur.</li>\n<li><strong>Revisionisten:</strong> Die USA wollten Osteuropa in eine kapitalistische Weltwirtschaft einbinden; die Sowjetunion antwortete darauf mit verschärften Zielen.</li>\n<li><strong>Postrevisionisten</strong> wie John Lewis Gaddis: Der Kalte Krieg sei „ein zu kompliziertes Ereignis“, um ihn mit nationaler Schuld oder Unvermeidlichkeit zu erklären. Beide Seiten trugen bei, auch durch falsche Wahrnehmung des anderen.</li>\n</ul>\n<p>Ein zweiter Streit betrifft die Abschreckung. Gaddis nannte die Zeit 1987 einen „langen Frieden“ (Long Peace), weil zwischen den Großmächten kein Krieg ausbrach. Bernd Greiner hält dagegen, dass zwischen 1947 und 1991 mehr als 150 größere bewaffnete Konflikte ausgefochten wurden, vor allem außerhalb Europas. Der Frieden in Europa wurde also mit Kriegen anderswo bezahlt.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Geir Lundestad, „Handlungsspielräume der USA in der Entstehung des Ost-West-Gegensatzes 1945 bis 1950“, Aus Politik und Zeitgeschichte 25/1983 (bpb), mit dem Gaddis-Zitat; Bernd Greiner, „Kalter Krieg und Cold War Studies“, Docupedia-Zeitgeschichte (2010).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Absicht oder Reaktion:</strong> Handelte eine Seite aus Expansionswillen oder aus Angst vor der anderen?</li>\n<li><strong>Wahrnehmung und Wirklichkeit:</strong> Wusste die Regierung, was die Gegenseite wirklich vorhatte (Griechenland 1947, Kuba 1962)?</li>\n<li><strong>Mittel:</strong> Wirtschaftshilfe, Bündnis, Drohung, Gewalt: Was setzte jede Seite ein, und wo?</li>\n<li><strong>Folgen:</strong> Mehr Sicherheit oder mehr Gefahr, in Europa und in der übrigen Welt?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „Konfliktmanagement unter den Bedingungen des Ost-West-Konfliktes am Beispiel der Kubakrise“)</span>\n<p>1. Analysieren Sie M 2. (AFB I bis II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, wie die Kuba-Krise beigelegt wurde. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, inwieweit die Kuba-Krise belegt, dass atomare Abschreckung den Frieden sicherte. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Fernsehansprache des US-Präsidenten am 22. Oktober 1962, an die eigene Bevölkerung, die Welt und die Sowjetführung zugleich gerichtet, eine Woche nach der Entdeckung der Raketen. Kennedy kündigt an, jeden Raketenangriff von Kuba als sowjetischen Angriff zu werten und mit vollem Gegenschlag zu beantworten. Absicht: Die Sowjetunion soll das Risiko erkennen und die Raketen abziehen, ohne dass die USA zuerst angreifen.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Seesperre statt Luftangriff; direkte und geheime Kontakte; Chruschtschows Angebot vom 26. Oktober (Abzug gegen Nichtangriff auf Kuba); die Forderung vom 27. Oktober (Türkei-Raketen); Kennedys öffentliche Antwort auf das erste Angebot und die geheime Zusage zur Türkei; Abzug ab 28. Oktober. Gute Antworten zeigen, warum der Kompromiss beiden Seiten das Gesicht wahrte.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> Dafür: Die Angst vor der Vernichtung zwang beide Führungen zum Nachgeben; danach folgten heißer Draht und Teststoppvertrag. Dagegen: Die Abschreckung hatte die Krise mit ausgelöst (Raketen als Gegengewicht), und die Welt war mehrmals nah am Krieg, etwa als am 27. Oktober ein Flugzeug abgeschossen wurde; Frieden hing auch an Glück und an der Entscheidung gegen den Luftangriff. Erwartet wird ein Urteil mit Grad, etwa: Die Krise zeigt, dass Abschreckung einen Krieg verhindern half, aber nur zusammen mit Verhandlungen, und dass sie selbst ein großes Risiko war. Für die oberen Noten: Hinweis auf den Forschungsstreit (Gaddis' „langer Frieden“ gegen die Kriege außerhalb Europas).</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Ordne zu und begründe je in einem Satz: Gehört die Maßnahme eher zum Systemkonflikt oder zum Machtkonflikt? a) Marshallplan 1947 b) Gründung des Warschauer Pakts 1955 c) Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba 1962.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>a) Vor allem Systemkonflikt: Die Hilfe war an eine marktwirtschaftliche Zusammenarbeit gebunden und sollte die Ausbreitung des Kommunismus verhindern. b) Vor allem Machtkonflikt: Die Sowjetunion antwortete auf den NATO-Beitritt der Bundesrepublik und sicherte ihre Kontrolle über die Verbündeten. c) Beides: Die Sowjetunion wollte ein kommunistisches Kuba schützen und zugleich ein militärisches Gegengewicht zu den USA schaffen. Gute Antworten sagen, dass sich beide Seiten des Konflikts meist überlagern.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„Kalt“ heißt friedlich.</strong> In Korea und anderswo wurde heiß gekämpft, nur nicht direkt zwischen den Supermächten.</li>\n<li><strong>Nur eine Seite als Ursache nennen.</strong> Erwartet wird, beide Perspektiven zu prüfen, und der Forschungsstreit gehört als Deutung in die Antwort.</li>\n<li><strong>Berlin-Krisen verwechseln.</strong> 1948/49 Blockade und Luftbrücke, 1958 bis 1961 Ultimatum und Mauerbau.</li>\n<li><strong>Die Kuba-Krise als Sieg Kennedys erzählen.</strong> Ohne die geheime Zusage zu den Raketen in der Türkei ist die Lösung nicht erklärt.</li>\n<li><strong>Zeitgenössische Begriffe übernehmen.</strong> „Freie Welt“ und „Friedenslager“ sind Selbstbezeichnungen; setz sie in Anführungszeichen.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-frieden-nach-1945\">Frieden nach 1945: UNO, KSZE, Zwei-plus-Vier</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Nationale+Identit%C3%A4ten&card=sh-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Nationale+Identit%C3%A4ten&card=sh-ge-brd-ddr\">Bundesrepublik und DDR 1949–1989</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=sh-ge-karikatur\">Karikaturen analysieren</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-kalter-krieg -->"
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    {
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Die KSZE-Schlussakte von Helsinki 1975 verband die Unverletzlichkeit der Grenzen mit Menschenrechten, auf die sich bald Bürgerrechtler im Osten beriefen. Erst der Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 regelte die deutsche Frage endgültig und übernahm die Rolle eines Friedensvertrags.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt · Profilfach</span><p>Halbjahresthema „Dauerhafter Friede – eine Utopie? Friedensschlüsse und Lösungsversuche internationaler Konflikte“. Verbindlicher (fett gedruckter) Inhalt:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Internationale Beziehungen in der bipolaren Welt“</li>\n</ul>\n<p>Vorgeschlagene Kontroverse: „Das Ende des Kalten Krieges – Ergebnis des militärischen Niederrüstens?“</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://fachportal.lernnetz.de/sh/faecher/geschichte/fachanforderungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachanforderungen Geschichte Sekundarstufe I und II (2016)</a>, Qualifikationsphase; verbindlich sind die fett gedruckten Inhalte.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Eine <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Friedensordnung<span class=\"wort-erkl\">die Regeln, Verträge und Organisationen, mit denen Staaten nach einem Krieg Grenzen festlegen, Streit lösen und einen neuen Krieg verhindern wollen</span></span> braucht drei Dinge: anerkannte Grenzen, Regeln für Streit und jemanden, der die Regeln durchsetzt. 1919 hatte das nicht funktioniert. Der Verlierer saß nicht am Tisch, und der Völkerbund war schwach. 1945 wollten die Sieger aus diesen Fehlern lernen.</p>\n<p>Doch sie zerstritten sich schnell. Aus der Anti-Hitler-Koalition wurden zwei Blöcke, die sich mit Atomwaffen bedrohten. Frieden hieß deshalb über Jahrzehnte nicht Versöhnung, sondern: Kein Block greift den anderen an. In der Klausur sollst du erklären, auf welchen Wegen man nach 1945 Frieden sichern wollte, und beurteilen, was UNO, Abschreckung, KSZE und Zwei-plus-Vier dazu beitrugen.</p>\n</div>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Abstimmung im UN-Sicherheitsrat <span>· Zwei durchgerechnete Fälle zeigen, warum ein einziges Veto schwerer wiegt als 14 Ja-Stimmen.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 296\" role=\"img\" aria-labelledby=\"un-t un-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"un-t\">Abstimmung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen</title>\n<desc id=\"un-d\">Zwei Reihen mit je 15 Kreisen, davon fünf große für die ständigen Mitglieder. In Fall A stimmen neun zu, darunter alle fünf ständigen: beschlossen. In Fall B stimmen 14 zu, aber ein ständiges Mitglied ist dagegen: blockiert durch das Veto.</desc>\n<text x=\"180\" y=\"14\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Sicherheitsrat: Wer muss zustimmen?</text>\n<rect x=\"20\" y=\"26\" width=\"320\" height=\"52\" rx=\"6\" fill=\"#7c3aed\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#7c3aed\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"180\" y=\"43\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Beschluss in Sachfragen (Art. 27 Abs. 3)</text>\n<text x=\"180\" y=\"55\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Zustimmung von neun der 15 Mitglieder,</text>\n<text x=\"180\" y=\"67\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">einschließlich aller ständigen Mitglieder</text>\n<text x=\"180\" y=\"98\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.9\">große Kreise: die fünf ständigen Mitglieder</text>\n<text x=\"180\" y=\"110\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">USA, Sowjetunion bzw. Russland,</text>\n<text x=\"180\" y=\"122\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.8\">Großbritannien, Frankreich, China</text>\n<text x=\"180\" y=\"146\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Fall A: 9 Ja-Stimmen, alle ständigen dabei</text>\n<circle cx=\"30\" cy=\"164\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"50\" cy=\"164\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"70\" cy=\"164\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"90\" cy=\"164\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"110\" cy=\"164\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"130\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"150\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"170\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"190\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"210\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<circle cx=\"230\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<circle cx=\"250\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<circle cx=\"270\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<circle cx=\"290\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<circle cx=\"310\" cy=\"164\" r=\"6\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<text x=\"180\" y=\"188\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">beschlossen</text>\n<text x=\"180\" y=\"214\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Fall B: 14 Ja-Stimmen, ein ständiges dagegen</text>\n<circle cx=\"30\" cy=\"232\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"50\" cy=\"232\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"70\" cy=\"232\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"90\" cy=\"232\" r=\"8\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"110\" cy=\"232\" r=\"8\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.85\" stroke=\"#dc2626\"/>\n<circle cx=\"130\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"150\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"170\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"190\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"210\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"230\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"250\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"270\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"290\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<circle cx=\"310\" cy=\"232\" r=\"6\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"180\" y=\"256\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">blockiert durch das Veto</text>\n<circle cx=\"62\" cy=\"278\" r=\"5\" fill=\"#16a34a\" fill-opacity=\"0.8\" stroke=\"#16a34a\"/>\n<text x=\"72\" y=\"282\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Ja</text>\n<circle cx=\"122\" cy=\"278\" r=\"5\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.85\" stroke=\"#dc2626\"/>\n<text x=\"132\" y=\"282\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Gegenstimme</text>\n<circle cx=\"222\" cy=\"278\" r=\"5\" fill=\"none\" stroke=\"currentColor\" stroke-opacity=\"0.5\"/>\n<text x=\"232\" y=\"282\" font-size=\"10\" text-anchor=\"start\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">ohne Ja</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Die Regel aus Art. 27 Abs. 3 der UN-Charta (heutige Fassung, 15 Mitglieder), an zwei durchgerechneten Fällen: Ein einziges Veto wiegt schwerer als 14 Ja-Stimmen.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>1945: Minimalkonsens statt Friedensvertrag</h4>\n<p>Auf der Potsdamer Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945) einigten sich die USA, die Sowjetunion und Großbritannien auf Grundsätze für das besetzte Deutschland: Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Demokratisierung, Dezentralisierung und Reparationen. Frankreich war nicht eingeladen, wurde aber vierte Besatzungsmacht. Alles Weitere sollte eine spätere Friedenskonferenz regeln.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Mitteilung über die Dreimächtekonferenz von Berlin („Potsdamer Abkommen“), 2. August 1945 (Auszüge)</span>\n<p>Abschnitt IX b: „Die Häupter der drei Regierungen bekräftigen ihre Auffassung, daß die endgültige Festlegung der Westgrenze Polens bis zu der Friedenskonferenz zurückgestellt werden soll.“ Bis dahin sollen die Gebiete östlich von Oder und westlicher Neiße „unter die Verwaltung des polnischen Staates kommen“.</p>\n<p>Abschnitt XIII: „[…] daß die Überführung der deutschen Bevölkerung oder Bestandteile derselben, die in Polen, Tschechoslowakei und Ungarn zurückgeblieben sind, nach Deutschland durchgeführt werden muß. Sie stimmen darin überein, daß jede derartige Überführung, die stattfinden wird, in ordnungsgemäßer und humaner Weise erfolgen soll.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Amtsblatt des Kontrollrats in Deutschland, Ergänzungsblatt Nr. 1, S. 13–20, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Die Grenze ist nur „zurückgestellt“, die Gebiete stehen nur unter „Verwaltung“. Die Friedenskonferenz kam nie, weil der Kalte Krieg sie verhinderte. Die „Überführung“ der Deutschen war in Wahrheit eine Vertreibung, die schon vorher begonnen hatte und alles andere als „human“ verlief. Diese offenen Fragen blieben 45 Jahre lang Streitstoff.</p>\n\n<h4>Die Vereinten Nationen: der zweite Versuch</h4>\n<p>Am 26. Juni 1945 unterzeichneten 50 Staaten in San Francisco die Charta der Vereinten Nationen; am 24. Oktober 1945 trat sie in Kraft.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Charta der Vereinten Nationen, 1945 (Auszüge, amtliche deutsche Übersetzung)</span>\n<p>Präambel: „Wir, die Völker der Vereinten Nationen – fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat […]“</p>\n<p>Art. 2 Nr. 4: „Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt.“</p>\n<p>Art. 27 Abs. 3: „Beschlüsse des Sicherheitsrats über alle sonstigen Fragen bedürfen der Zustimmung von neun Mitgliedern einschließlich sämtlicher ständigen Mitglieder […].“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Charta der Vereinten Nationen, deutsche Fassung beim Regionalen Informationszentrum der Vereinten Nationen (unric.org). Art. 27 in der heutigen Fassung; bis 1965 hatte der Sicherheitsrat 11 statt 15 Mitglieder. Amtlicher Text.</p>\n</div>\n<ul>\n<li><strong>Gewaltverbot:</strong> Art. 2 Nr. 4 verbietet nicht nur den Krieg, sondern schon die Drohung mit Gewalt. Erlaubt bleiben die Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff (Art. 51) und Maßnahmen, die der Sicherheitsrat beschließt.</li>\n<li><strong>Sicherheitsrat:</strong> Er trägt die „Hauptverantwortung“ für den Weltfrieden (Art. 24), seine Beschlüsse sind für alle Mitglieder bindend (Art. 25). Er kann Sanktionen verhängen (Art. 41) und militärische Maßnahmen beschließen (Art. 42).</li>\n<li><strong><span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Vetorecht<span class=\"wort-erkl\">jedes der fünf ständigen Mitglieder (USA, Sowjetunion bzw. heute Russland, Großbritannien, Frankreich, China) kann mit seiner Gegenstimme jeden Beschluss in Sachfragen verhindern</span></span>:</strong> Ohne die Zustimmung aller fünf ständigen Mitglieder geht nichts (Art. 27 Abs. 3). Das hält die Großmächte in der Organisation, macht sie aber handlungsunfähig, wenn eine Großmacht selbst beteiligt ist.</li>\n<li><strong>Menschenrechte:</strong> Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Generalversammlung die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, eine Erklärung, kein bindender Vertrag.</li>\n</ul>\n<table>\n<thead><tr><th>Kriterium</th><th>Völkerbund (1920)</th><th>Vereinte Nationen (1945)</th></tr></thead>\n<tbody>\n<tr><td>Großmächte</td><td>USA nie Mitglied, Deutschland erst 1926, Sowjetunion erst 1934</td><td>alle Siegermächte von Anfang an, als ständige Mitglieder</td></tr>\n<tr><td>Entscheidungen</td><td>meist einstimmig, Empfehlungen</td><td>Sicherheitsrat entscheidet bindend, aber mit Veto</td></tr>\n<tr><td>Durchsetzung</td><td>keine eigenen Mittel</td><td>Sanktionen und militärische Maßnahmen möglich</td></tr>\n<tr><td>Gewalt</td><td>Krieg erschwert, nicht verboten</td><td>allgemeines Gewaltverbot</td></tr>\n</tbody>\n</table>\n<p>Im Kalten Krieg blockierten sich die Großmächte im Sicherheitsrat oft gegenseitig. Eine Ausnahme war der Koreakrieg 1950: Weil die Sowjetunion den Rat damals boykottierte, konnte er Truppen unter UN-Flagge gegen den Angriff Nordkoreas schicken. Später entwickelten die Vereinten Nationen <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Blauhelm-Missionen<span class=\"wort-erkl\">leicht bewaffnete UN-Truppen, die mit Zustimmung der Konfliktparteien einen Waffenstillstand überwachen</span></span>. Die Bundesrepublik und die DDR wurden 1973 gleichzeitig Mitglied.</p>\n\n<h4>Frieden durch Abschreckung und Rüstungskontrolle</h4>\n<p>Zwischen den Blöcken hielt vor allem das „Gleichgewicht des Schreckens“: Weil beide Seiten den Gegner mit Atomwaffen vernichten konnten, war ein Atomkrieg für keine Seite zu gewinnen. Nach Berlin- und Kubakrise suchten beide Seiten Regeln, um das Risiko zu begrenzen.</p>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>1963:</strong> „heißer Draht“ zwischen Washington und Moskau, Teststoppvertrag (keine Atomtests mehr in der Luft, im Weltraum und unter Wasser).</li>\n<li><strong>1968:</strong> Atomwaffensperrvertrag; im selben Jahr wurden Gespräche über die Begrenzung der Langstreckenwaffen verabredet, aber nach der Niederschlagung des Prager Frühlings zunächst verschoben.</li>\n<li><strong>26. Mai 1972, SALT I:</strong> erste Begrenzung der strategischen Rüstung. Ziel war nicht Abrüstung, sondern ein stabiles Gleichgewicht.</li>\n<li><strong>Ab 1977:</strong> Die Sowjetunion stationiert neue Mittelstreckenraketen (SS-20) in Europa. Die NATO antwortet am 12. Dezember 1979 mit dem <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Doppelbeschluss<span class=\"wort-erkl\">Angebot von Verhandlungen über Mittelstreckenraketen, verbunden mit der Drohung, ab 1983 eigene Raketen (Pershing II) in Westeuropa aufzustellen, wenn die Verhandlungen scheitern</span></span>. Kurz danach marschiert die Sowjetunion in Afghanistan ein; die Entspannung ist vorerst vorbei.</li>\n<li><strong>23. März 1983:</strong> US-Präsident Reagan kündigt die Raketenabwehr SDI an, die das Gleichgewicht infrage stellt.</li>\n<li><strong>1987, INF-Vertrag:</strong> Unter Gorbatschow vereinbaren beide Seiten, alle landgestützten Mittelstreckenraketen zu vernichten, erstmals eine echte Abrüstung.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Bernd Stöver, „Der Kalte Krieg und das Wettrüsten“, bpb, Dossier USA (2008).</p>\n\n<h4>Helsinki 1975: Grenzen und Menschenrechte</h4>\n<p>Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (<span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">KSZE<span class=\"wort-erkl\">Treffen aller europäischen Staaten außer Albanien sowie der USA und Kanadas ab 1973; heute die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)</span></span>) ging auf einen Vorschlag des Ostblocks zurück. Die Sowjetunion wollte die Grenzen nach 1945 anerkannt sehen. Der Westen setzte im Gegenzug Menschenrechte und Kontakte zwischen den Menschen durch. Am 1. August 1975 unterzeichneten 35 Staaten in Helsinki die Schlussakte, darunter beide deutsche Staaten.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 3 · KSZE-Schlussakte von Helsinki, 1. August 1975 (Auszüge aus dem Prinzipienkatalog)</span>\n<p>Prinzip I (Auszug): Die Teilnehmerstaaten sind der Auffassung, „daß ihre Grenzen, in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht, durch friedliche Mittel und durch Vereinbarung verändert werden können.“</p>\n<p>Prinzip III: „Die Teilnehmerstaaten betrachten gegenseitig alle ihre Grenzen sowie die Grenzen aller Staaten in Europa als unverletzlich und werden deshalb jetzt und in der Zukunft keinen Anschlag auf diese Grenzen verüben.“</p>\n<p>Prinzip VII: „Die Teilnehmerstaaten werden die Menschenrechte und Grundfreiheiten, einschließlich der Gedanken-, Gewissens-, Religions- oder Überzeugungsfreiheit für alle ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Sprache oder der Religion achten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Schlussakte der KSZE, Helsinki 1975, deutsche Fassung bei der OSZE (osce.org). Amtlicher Text.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: „Unverletzlich“ heißt, die Grenzen nicht mit Gewalt zu ändern. Prinzip I lässt friedliche Änderungen ausdrücklich zu; das war der Bundesrepublik wichtig, weil sie die Einheit offenhalten wollte. Die Schlussakte war kein völkerrechtlicher Vertrag; sie ist nach ihrem eigenen Text „nicht registrierbar“ bei den Vereinten Nationen. Trotzdem wirkte sie: Jeder Staat musste sie veröffentlichen. Nach der Folgekonferenz 1977 wurden die Menschenrechte ein Hebel des Westens, und Bürgerrechtler im Osten, etwa die Charta 77 in der Tschechoslowakei und Ausreisewillige in der DDR, beriefen sich auf sie.</p>\n\n<h4>1990: der Ersatz für den Friedensvertrag</h4>\n<p>Am 12. September 1990 unterzeichneten die Bundesrepublik, die DDR und die vier Siegermächte in Moskau den Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland, den Zwei-plus-Vier-Vertrag.</p>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 4 · Zwei-plus-Vier-Vertrag, 12. September 1990 (Auszüge)</span>\n<p>Art. 1 Abs. 1: „Das vereinte Deutschland wird die Gebiete der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik und ganz Berlins umfassen. […] Die Bestätigung des endgültigen Charakters der Grenzen des vereinten Deutschland ist ein wesentlicher Bestandteil der Friedensordnung in Europa.“</p>\n<p>Art. 7 Abs. 1 und 2: Die vier Mächte „beenden hiermit ihre Rechte und Verantwortlichkeiten in bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes. […] Das vereinte Deutschland hat demgemäß volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">BGBl. 1990 II, S. 1318 ff., Wortlaut nach bpb, Dossier „Zwei-plus-Vier-Vertrag“. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Damit war erledigt, was Potsdam „zurückgestellt“ hatte: Die Oder-Neiße-Grenze wurde endgültig (bestätigt im deutsch-polnischen Grenzvertrag vom November 1990), die Bundeswehr wurde auf 370.000 Soldaten begrenzt, die sowjetischen Truppen zogen bis 1994 ab. Im November 1990 erklärten die KSZE-Staaten in der Charta von Paris die Spaltung Europas für beendet. Im Dezember 1991 löste sich die Sowjetunion auf.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Potsdam ließ Grenzen und deutsche Frage offen, weil die Sieger sich nicht einigen konnten. Die UNO sollte den Frieden weltweit sichern, war aber im Konflikt der Großmächte durch das Veto gelähmt. Deshalb sicherten Abschreckung und Rüstungskontrolle den Frieden zwischen den Blöcken, die Ostverträge der Bundesrepublik (1970 bis 1973) und die KSZE schufen Vertrauen und erkannten die Grenzen an. Die Menschenrechte von Helsinki stärkten die Opposition im Osten, Gorbatschows Reformen öffneten den Weg zur Einheit. Zwei-plus-Vier schloss 1990 ab, was 1945 offengeblieben war.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Warum endete der Kalte Krieg friedlich?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Druck von außen:</strong> Die Aufrüstung unter Reagan und das teure SDI-Programm hätten die Sowjetunion überfordert, sie sei „totgerüstet“ worden. Diese These ist nach Bernd Stöver „nach wie vor zu Recht heftig umstritten“.</li>\n<li><strong>Krise von innen:</strong> Andere betonen die wirtschaftlichen und politischen Probleme der Sowjetunion selbst und die wachsenden Konsumwünsche und Freiheitsforderungen ihrer Bevölkerung.</li>\n<li><strong>Wandel durch Annäherung:</strong> Eine dritte Erklärung sieht die Wirkung der Entspannung: Egon Bahr wollte 1963 gezielt Konsumwünsche im Osten wecken, Information und Handel sollten den Ostblock von innen verändern.</li>\n<li><strong>Die Rolle Gorbatschows:</strong> Stöver hält die Verknüpfung aller drei Thesen für am ehesten richtig, schreibt aber Gorbatschow den größten Anteil zu: Der riskante Reformweg sei nicht zwangsläufig gewesen.</li>\n<li><strong>„Langer Frieden“:</strong> Der US-Historiker John Lewis Gaddis nannte die Zeit 1947 bis 1991 einen „langen Frieden“ (1987), weil zwischen den Großmächten kein Krieg ausbrach. Kritiker verweisen auf über 150 Kriege und Konflikte in dieser Zeit, vor allem außerhalb Europas.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Stöver (s. o.), Abschnitte zur Kontroverse und „Maßgebliche Rolle Michail Gorbatschows“; Gaddis und die Zahl der Konflikte: Bernd Greiner, „Kalter Krieg und ‚Cold War Studies‘“, Docupedia-Zeitgeschichte (2010).</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Wirksamkeit:</strong> Verhinderte die Einrichtung Kriege, oder verhinderte sie nur einen Krieg zwischen Großmächten?</li>\n<li><strong>Reichweite:</strong> Galt der Frieden für Europa oder auch für Korea, Vietnam, Afghanistan?</li>\n<li><strong>Beteiligung:</strong> Waren alle Mächte dabei, und konnten sie ihre Interessen einbringen?</li>\n<li><strong>Verbindlichkeit:</strong> Vertrag mit Rechtspflichten oder politische Erklärung?</li>\n<li><strong>Gerechtigkeit:</strong> Stabilisierte die Ordnung Diktaturen im Osten, oder half sie den Menschen dort?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „beurteilen die Bedeutung des Völkerbundes und der UNO für eine internationale Friedenssicherung“)</span>\n<p>1. Arbeiten Sie aus M 2 heraus, wie die Vereinten Nationen den Frieden sichern sollen. (AFB I)</p>\n<p>2. Vergleichen Sie die Konstruktion der Vereinten Nationen mit der des Völkerbunds. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie die Bedeutung der UNO für die Friedenssicherung in der Zeit des Kalten Krieges. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Ziel laut Präambel: künftige Generationen vor Krieg bewahren. Mittel: allgemeines Gewaltverbot einschließlich der Drohung (Art. 2 Nr. 4); Sicherheitsrat mit Hauptverantwortung und bindenden Beschlüssen; Entscheidungen nur mit Zustimmung aller ständigen Mitglieder (Art. 27 Abs. 3).</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Gemeinsam: kollektive Sicherheit, friedliche Streitbeilegung. Unterschiede: Im Völkerbund fehlten die USA ganz, Deutschland und die Sowjetunion lange; die UNO umfasste alle Siegermächte von Anfang an. Der Völkerbund gab Empfehlungen, der Sicherheitsrat kann bindend Sanktionen und militärische Maßnahmen beschließen. Der Preis dafür ist das Veto der fünf Großmächte.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Leistungen:</em> Keine Großmacht verließ die UNO, sie blieb Gesprächsforum auch in Krisen; Korea 1950 als einziger Fall kollektiver Gegenwehr; Blauhelme; Menschenrechtserklärung als Maßstab; Aufnahme beider deutscher Staaten 1973 als Zeichen der Entspannung. <em>Grenzen:</em> Das Veto lähmte den Sicherheitsrat in fast allen Konflikten, an denen Großmächte beteiligt waren; den Frieden zwischen den Blöcken sicherten eher Abschreckung, Rüstungskontrolle und KSZE. Ein gelungenes Urteil: Die UNO hielt die Großmächte zusammen und ist darin stabiler als der Völkerbund, aber sie konnte den Frieden nicht gegen eine Großmacht durchsetzen. Für die oberen Noten: Du unterscheidest Konstruktion und Praxis und gewichtest die UNO gegenüber Abschreckung und KSZE.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Ein Lehrplan nennt die KSZE-Schlussakte „eine Absichtserklärung mit weitreichenden Folgen“. Erkläre mit M 3, warum beide Teile dieser Formulierung stimmen.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p><em>Absichtserklärung:</em> Die Schlussakte war kein völkerrechtlicher Vertrag, sie war nicht bei den Vereinten Nationen registrierbar; niemand konnte die Einhaltung erzwingen. <em>Weitreichende Folgen:</em> Die Sowjetunion bekam die Anerkennung der Grenzen (Prinzip III), aber die Bundesrepublik sicherte sich die Möglichkeit friedlicher Grenzänderung (Prinzip I), die 1990 die Einheit erleichterte. Und weil die Staaten die Menschenrechte zu achten versprachen (Prinzip VII) und den Text veröffentlichen mussten, konnten Bürgerrechtler im Osten ihre eigenen Regierungen beim Wort nehmen.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„1945 wurde ein Friedensvertrag mit Deutschland geschlossen.“</strong> Es gab keinen; 1990 übernahm der Zwei-plus-Vier-Vertrag diese Rolle.</li>\n<li><strong>Potsdam mit Jalta verwechseln.</strong> Jalta war im Februar 1945 noch im Krieg, Potsdam nach der Kapitulation.</li>\n<li><strong>Die Oder-Neiße-Grenze ab 1945 als endgültig.</strong> Potsdam stellte sie nur „unter Verwaltung“; endgültig wurde sie 1990.</li>\n<li><strong>KSZE nur als Anerkennung der Grenzen.</strong> Die Menschenrechte und die friedliche Grenzänderung waren genauso wichtig.</li>\n<li><strong>Die UNO als Weltregierung.</strong> Sie kann nur handeln, wenn die ständigen Mitglieder sich einig sind.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-kalter-krieg\">Kalter Krieg bis 1963: Blöcke und Krisen</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-versailles\">Versailler Vertrag und Völkerbund</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Nationale+Identit%C3%A4ten&card=sh-ge-einheit\">Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-frieden-nach-1945 -->"
    },
    {
      "id": "sh-ge-wettruesten",
      "cat": "Dauerhafter Friede",
      "title": "Wettrüsten, Abrüstung und Friedensbewegungen 1972–1991",
      "cardType": "wissen",
      "short": "Wettrüsten und Abrüstung 1972–1991 einfach erklärt: Abschreckung, SALT I und II, SS-20 und NATO-Doppelbeschluss mit Auszug aus dem Beschluss vom 12. Dezember 1979, Raketenkrise der 1980er-Jahre, INF-Vertrag und START, Friedensbewegungen in Bundesrepublik und DDR, Forschungsstreit und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-wettruesten -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Wettrüsten, Abrüstung und Friedensbewegungen 1972–1991</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Kommt im Abitur etwas zum Wettrüsten dran, sollst du zeigen, dass du Zusammenhänge verstehst; Punkte gibt es für Erklären und Bewerten, nicht fürs Auswendiglernen von Daten. Im Kalten Krieg hatten die USA und die Sowjetunion so viele Atomwaffen, dass ein Krieg beide vernichtet hätte; Sicherheit beruhte auf Abschreckung. Mit den SALT-Verträgen von 1972 und 1979 begrenzten beide Seiten ihre Rüstung, schafften aber nichts ab. Als die Sowjetunion neue Mittelstreckenraketen auf Westeuropa richtete, beschloss die NATO 1979, selbst nachzurüsten und zugleich zu verhandeln; 1983 kamen die Raketen, trotz Massenprotesten. In der DDR entstand unter dem Dach der Kirche eine verfolgte, unabhängige Friedensbewegung. Erst unter Gorbatschow gelang echte Abrüstung: Der INF-Vertrag 1987 schaffte alle landgestützten Mittelstreckenraketen ab, START 1991 verringerte die großen Atomwaffen.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt · Profilfach</span>\n<p>Halbjahresthema „Dauerhafter Friede – eine Utopie? Friedensschlüsse und Lösungsversuche internationaler Konflikte“. Verbindlicher (fett gedruckter) Inhalt:</p>\n<ul>\n<li>„Internationale Beziehungen in der bipolaren Welt“</li>\n</ul>\n<p>Quelle: <a href=\"https://fachportal.lernnetz.de/sh/faecher/geschichte/fachanforderungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachanforderungen Geschichte Sekundarstufe I und II (2016)</a>, Qualifikationsphase; verbindlich sind die fett gedruckten Inhalte.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Stell dir zwei Gegner vor, die beide eine Waffe an den Kopf des anderen halten. Keiner schießt, weil er weiß, dass er selbst stirbt. So funktionierte die atomare Abschreckung. Gefährlich wurde es, wenn eine Seite glaubte, sie könne zuerst schießen und überleben. Darum ging es im <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Wettrüsten<span class=\"wort-erkl\">gegenseitiges Aufrüsten zweier Gegner, bei dem jede neue Waffe der einen Seite eine Antwort der anderen auslöst</span></span>.</p>\n<p>Wichtig ist ein Unterschied: <strong>Rüstungskontrolle</strong> setzt Obergrenzen, <strong>Abrüstung</strong> schafft Waffen ab. In der Klausur erklärst du, wie es von der einen zur anderen kam, und vergleichst die Friedensbewegungen in beiden deutschen Staaten.</p>\n</div>\n\n<h4>Atomare Bedrohung: das Gleichgewicht des Schreckens</h4>\n<p>Im Kalten Krieg besaßen USA und Sowjetunion so viele Atomwaffen, dass ein Krieg beide vernichtet hätte. Sicherheit beruhte auf <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Abschreckung<span class=\"wort-erkl\">Jede Seite verzichtet auf einen Angriff, weil die andere auch nach einem Erstschlag noch vernichtend zurückschlagen könnte</span></span>. Rüstungskontrolle sollte dieses Gleichgewicht stabil halten und das Wettrüsten bremsen, ohne es zu beenden.</p>\n\n<h4>Entspannung: SALT</h4>\n<ul>\n<li><strong>26. Mai 1972, SALT I:</strong> Nixon und Breschnew unterzeichnen in Moskau den <strong>ABM-Vertrag</strong>, der Raketenabwehrsysteme begrenzt, und ein auf fünf Jahre befristetes Abkommen über Angriffswaffen. Keine Seite soll sich vollständig schützen können; so bleibt Abschreckung glaubwürdig.</li>\n<li><strong>18. Juni 1979, SALT II:</strong> Carter und Breschnew unterzeichnen in Wien Obergrenzen für Trägersysteme. Nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan (Dezember 1979) ratifiziert der US-Senat den Vertrag nicht.</li>\n</ul>\n\n<h4>Die Raketenkrise der 1980er-Jahre</h4>\n<ul>\n<li><strong>Mittelstreckenraketen:</strong> In den 1970er-Jahren ersetzt die Sowjetunion ihre auf Westeuropa gerichteten Mittelstreckenraketen durch moderne SS-20. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) fordert 1977 in London, diese Waffen in die Rüstungskontrolle einzubeziehen.</li>\n<li><strong>12. Dezember 1979, <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">NATO-Doppelbeschluss<span class=\"wort-erkl\">NATO-Beschluss, der zwei Wege verband: Verhandlungen mit der Sowjetunion über Mittelstreckenraketen und zugleich die Aufstellung eigener neuer Raketen in Westeuropa</span></span>:</strong> Die NATO beschließt, in Westeuropa 108 Pershing II und 464 Marschflugkörper der USA aufzustellen, vor allem in der Bundesrepublik, und zugleich der Sowjetunion Verhandlungen über die Mittelstreckenraketen beider Seiten anzubieten. 1.000 amerikanische Atomsprengköpfe sollen aus Europa abgezogen werden. Bringen die Verhandlungen nichts, beginnt die Aufstellung Ende 1983.</li>\n<li><strong>1981–1983:</strong> Verhandlungen in Genf ohne Ergebnis. Reagan schlägt 1981 die „Null-Lösung“ vor: keine neuen NATO-Raketen, wenn die Sowjetunion alle SS-20 abbaut; Moskau lehnt ab. US-Präsident Reagan setzt auf Aufrüstung und plant ein Raketenabwehrsystem im Weltraum (SDI).</li>\n<li><strong>22. November 1983:</strong> Der Bundestag stimmt der Stationierung mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP gegen SPD und Grüne zu. Die Sowjetunion bricht die Gespräche ab.</li>\n</ul>\n\n<h4>Das Material: Der Doppelbeschluss</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Kommuniqué der Außen- und Verteidigungsminister der NATO, Brüssel, 12. Dezember 1979, Ziffer 11 (Auszug)</span>\n<p>„Die Minister haben beschlossen, diese beiden parallelen und einander ergänzenden Wege zu verfolgen, um ein Wettrüsten in Europa abzuwenden, das durch die sowjetische Aufrüstung mit nuklearen Mittelstreckenwaffen verursacht ist, und zugleich die Tragfähigkeit der NATO-Strategie der Abschreckung und Verteidigung zu bewahren […]. Ein Modernisierungsbeschluss, einschließlich einer Verpflichtung zur Aufstellung, ist notwendig, […] um eine glaubwürdige Antwort auf die einseitige sowjetische Aufstellung zu geben und die Grundlage für ernsthafte Verhandlungen zu schaffen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Englischer Wortlaut („two parallel and complementary approaches“) nach nato.int, Official Texts; Übersetzung von uns. Amtlicher Text eines Bündnisses.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Die NATO stellt ihren Beschluss als Antwort dar, Ursache des Wettrüstens sei die Sowjetunion. Die Logik: Nur wer selbst Raketen ankündigt, wird ernst genommen. Genau das bestritten die Kritiker, für sie trieb der Beschluss das Wettrüsten weiter an. Die Sowjetunion wiederum sah in der SS-20 nur einen Ersatz alter Raketen.</p>\n\n<h4>Abrüstung unter Gorbatschow</h4>\n<ul>\n<li><strong>8. Dezember 1987, INF-Vertrag:</strong> Reagan und Gorbatschow vereinbaren in Washington, alle landgestützten Mittelstreckenraketen mit 500 bis 5.500 Kilometern Reichweite zu vernichten. Erstmals wird eine ganze Waffengattung abgeschafft.</li>\n<li><strong>1991, START I:</strong> Bush und Gorbatschow unterzeichnen einen Vertrag zur Verringerung der strategischen Atomwaffen.</li>\n</ul>\n<p>Warum klappte es jetzt? Gorbatschow brauchte Entlastung für die kriselnde sowjetische Wirtschaft und Reformen. Mit seinem „Neuen Denken“ setzte er auf gemeinsame Sicherheit statt Überlegenheit.</p>\n\n<h4>Friedensbewegungen in Ost und West</h4>\n<ul>\n<li><strong>Bundesrepublik:</strong> Gegen den Doppelbeschluss wächst eine Massenbewegung aus Ostermarsch-Tradition, Kirchen, Gewerkschaftern, Grünen und Alternativen. Am <strong>22. Oktober 1983</strong> demonstrieren bundesweit nach Schätzungen rund 1,3 Millionen Menschen, mit Großkundgebung im Bonner Hofgarten und einer Menschenkette zwischen Stuttgart und Ulm. Die Stationierung verhindern sie nicht, doch sie prägen eine neue politische Kultur.</li>\n<li><strong>DDR:</strong> Unter dem Dach der evangelischen Kirche entstehen unabhängige Friedensgruppen. Sie wenden sich gegen Raketen in Ost und West und gegen die Militarisierung der DDR-Gesellschaft. Ihr Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ (nach der Bibel, Micha 4) verbreitet sich Anfang der 1980er-Jahre als Aufnäher; Polizei und Schulen gehen gegen die Träger vor. Am 25. Januar 1982 veröffentlichen Robert Havemann und Rainer Eppelmann den <strong>Berliner Appell</strong> „Frieden schaffen ohne Waffen“. Gegen ein neues Wehrdienstgesetz von 1982, das auch Frauen erfasst, gründet sich das Netzwerk „Frauen für den Frieden“.</li>\n</ul>\n<p>Der Unterschied: Im Westen war Protest erlaubt und öffentlich, im Osten fand er nur unter dem Dach der Kirchen Raum und wurde überwacht und verfolgt. Für die Friedliche Revolution 1989 lohnt der Blick zurück: Viele Gruppen, die dann auftraten, hatten hier ihre Wurzeln.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Abschreckung war der Ausgangspunkt: Weil keine Seite unterlegen sein wollte, löste jede neue Waffe eine Antwort aus. SALT bremste das bei den großen Langstreckenwaffen, ließ aber Lücken, etwa bei den Mittelstreckenraketen. In diese Lücke stieß die SS-20, darauf antwortete der Doppelbeschluss (M 1). Der Streit um die Stationierung brachte im Westen die größte Protestbewegung der Bundesrepublik hervor, im Osten unabhängige Friedensgruppen, die sich auch gegen den eigenen Staat richteten. Gelöst wurde die Raketenkrise erst, als in Moskau mit Gorbatschow jemand regierte, der Entlastung brauchte und wollte. Aus den DDR-Gruppen kamen 1989 viele, die die Friedliche Revolution trugen.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: Was beendete das Wettrüsten?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Stärke:</strong> Manche sehen den Doppelbeschluss und Reagans Aufrüstung als Ursache: Die Sowjetunion habe nicht mithalten können und deshalb eingelenkt.</li>\n<li><strong>Neues Denken:</strong> Andere betonen Gorbatschow: Ohne seinen Willen zur Abrüstung hätte auch Druck nichts erreicht; seine Vorgänger hatten auf Härte mit Härte geantwortet.</li>\n<li><strong>Gesellschaft:</strong> Wieder andere fragen nach der Wirkung der Friedensbewegungen: Die Raketen verhinderten sie nicht, aber sie erhöhten den Druck auf die Regierungen, zu verhandeln, und veränderten die politische Kultur.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Sicherheit:</strong> Machte ein Schritt den Frieden stabiler oder gefährlicher?</li>\n<li><strong>Kontrolle oder Abrüstung:</strong> Wurde nur begrenzt oder wirklich abgeschafft?</li>\n<li><strong>Perspektive:</strong> Regierungen, Bündnispartner, Menschen in Mitteleuropa als möglichem Schlachtfeld.</li>\n<li><strong>Freiheit des Protests:</strong> erlaubt im Westen, verfolgt im Osten.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Prüfungsschwerpunkte „Der NATO-Doppelbeschluss und die Friedensbewegung der BRD“ und „Friedensbewegungen in der BRD und in der DDR in den 1980er Jahren“)</span>\n<p>1. Geben Sie die Begründung des NATO-Doppelbeschlusses in M 1 wieder. (AFB I)</p>\n<p>2. Vergleichen Sie die Friedensbewegungen in der Bundesrepublik und in der DDR. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob der NATO-Doppelbeschluss zur Abrüstung beitrug. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Zwei parallele Wege, Modernisierung und Rüstungskontrolle; Ziel, ein Wettrüsten in Europa abzuwenden, dessen Ursache die sowjetische Aufrüstung sei; Abschreckung bewahren; die Verpflichtung zur Aufstellung als Grundlage für ernsthafte Verhandlungen.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> <em>Gemeinsam:</em> Ablehnung neuer Atomraketen, christliche Motive („Schwerter zu Pflugscharen“), Wunsch nach Abrüstung. <em>Unterschiede:</em> im Westen Massenbewegung mit Demonstrationen, Parteien und Gewerkschaften, offen und erlaubt; im Osten kleine Gruppen unter dem Dach der Kirche, gegen Rüstung in Ost und West und gegen die Militarisierung der DDR, überwacht und verfolgt.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Dafür:</em> Der INF-Vertrag 1987 entsprach der „Null-Lösung“, die der Westen 1981 vorgeschlagen hatte; die Stationierung gab dem Westen ein Verhandlungspfand. <em>Dagegen:</em> Zunächst Abbruch der Gespräche 1983, gefährliche Zuspitzung; abgerüstet wurde erst, als Gorbatschow regierte. Ein gelungenes Urteil: Der Beschluss schuf eine Voraussetzung, den Ausschlag gab der Wandel in Moskau. Für die oberen Noten: Du nennst den Forschungsstreit.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Erkläre, warum der NATO-Doppelbeschluss „doppelt“ hieß, und nenne je ein Argument von Befürwortern und Gegnern.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Er verband zwei Wege: Verhandlungen über den Abbau der SS-20 und, falls sie scheitern, eigene Nachrüstung. Befürworter: Nur mit Gegendruck verhandelt die Sowjetunion ernsthaft, das Gleichgewicht muss gewahrt bleiben. Gegner: Neue Raketen machen Mitteleuropa zum Schlachtfeld und treiben das Wettrüsten weiter an.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>Rüstungskontrolle = Abrüstung.</strong> SALT begrenzte nur; erst der INF-Vertrag schaffte Waffen ab.</li>\n<li><strong>Die Friedensbewegung als Erfolg im Sinne ihrer Ziele werten.</strong> Die Raketen wurden 1983 stationiert; abgebaut wurden sie erst nach dem INF-Vertrag.</li>\n<li><strong>Friedensbewegung der DDR als staatlich gelenkt darstellen.</strong> Der Staat hatte eine eigene „Friedenspolitik“; die unabhängigen Gruppen wurden verfolgt.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Voraussetzung</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-kalter-krieg\">Kalter Krieg bis 1963: Blöcke und Krisen</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Nationale+Identit%C3%A4ten&card=sh-ge-einheit\">Friedliche Revolution und Einheit 1989/90</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-frieden-nach-1945\">Frieden nach 1945: UNO, KSZE, Zwei-plus-Vier</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-wettruesten -->"
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    {
      "id": "sh-ge-westfaelischer-frieden",
      "cat": "Dauerhafter Friede",
      "title": "Der Westfälische Frieden 1648",
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      "content": "<!-- core-card:ge-westfaelischer-frieden -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Der Westfälische Frieden 1648</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Die Aufgabe zum Westfälischen Frieden verlangt in der Klausur mehr als Erzählen: Du sollst Ursachen und Folgen erklären und am Ende selbst urteilen; Punkte gibt es für genaue Begriffe und Begründungen. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war zugleich ein Krieg um Religion, um die Macht des Kaisers im Reich und um die Vorherrschaft in Europa; weite Teile Deutschlands wurden verwüstet. Ab 1643/44 verhandelten Gesandte fast aller beteiligten Mächte in Münster und Osnabrück, am 24. Oktober 1648 wurden die Verträge unterzeichnet. Sie versprachen ewigen Frieden und ewiges Vergessen allen Unrechts, regelten das Nebeneinander der Konfessionen, stärkten die Reichsstände und gaben Frankreich und Schweden Gebiete und die Rolle von Garantiemächten. Weil viele Mächte gemeinsam einen Ausgleich ihrer Interessen fanden, statt dass ein Sieger diktierte, gilt der Frieden als Muster eines multilateralen Interessenausgleichs. Ob er das moderne System souveräner Staaten begründete, ist umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt · Profilfach</span><p>Halbjahresthema „Dauerhafter Friede – eine Utopie? Friedensschlüsse und Lösungsversuche internationaler Konflikte“. Verbindlicher (fett gedruckter) Inhalt:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Der Wiener Kongress“</li>\n<li>„Internationale Beziehungen in der bipolaren Welt“</li>\n</ul>\n<p>Ergänzend (nicht fett, also Vorschlag): „Der Westfälische Friede“.</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://fachportal.lernnetz.de/sh/faecher/geschichte/fachanforderungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachanforderungen Geschichte Sekundarstufe I und II (2016)</a>, Qualifikationsphase; verbindlich sind die fett gedruckten Inhalte.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Wie beendet man einen Krieg, an dem fast ganz Europa beteiligt ist und in dem jede Seite etwas anderes will? 1648 war die Antwort: Man setzt sich alle zusammen an einen Tisch, oder genauer an zwei Tische in zwei Städten, und verhandelt jahrelang, bis jeder etwas bekommt.</p>\n<p>Dafür steht der Begriff <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">multilateral<span class=\"wort-erkl\">zwischen vielen Beteiligten zugleich; ein multilateraler Frieden wird von vielen Mächten gemeinsam ausgehandelt, nicht nur zwischen zwei Gegnern</span></span>. In der Klausur sollst du erklären, worum im Krieg gestritten wurde, was die Verträge regelten und warum sie als Interessenausgleich gelten. Vergleiche mit dem Wiener Kongress 1815 und mit Versailles 1919 bieten sich an.</p>\n</div>\n\n<h4>Ein Krieg mit vielen Ebenen</h4>\n<p>Der Krieg begann 1618 mit dem Prager Fenstersturz, einem Aufstand böhmischer Protestanten gegen den katholischen Habsburger, der König von Böhmen und bald Kaiser war. Daraus wurde ein Krieg mit drei Ebenen:</p>\n<ul>\n<li><strong>Religion:</strong> katholische und protestantische Reichsstände.</li>\n<li><strong>Verfassung des Reiches:</strong> Die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Reichsstände<span class=\"wort-erkl\">die Fürsten, Grafen, geistlichen Herren und Reichsstädte, die im Reichstag vertreten waren und ihre Gebiete weitgehend selbst regierten</span></span> stritten mit dem Kaiser: Wie viel Macht hat der Kaiser gegenüber den Reichsständen?</li>\n<li><strong>Europa:</strong> Dänemark, Schweden und Frankreich griffen ein, auch um die Macht der Habsburger zu begrenzen; dazu lief der Krieg Spaniens gegen die Niederlande.</li>\n</ul>\n<p>Weite Teile des Reiches wurden verwüstet; Krieg, Seuchen und Hunger kosteten regional sehr unterschiedlich, in manchen Gegenden einen großen Teil der Bevölkerung das Leben.</p>\n\n<h4>Der Kongress</h4>\n<p>Ab 1643/44 kamen Gesandte fast aller beteiligten Mächte in zwei Städten zusammen: in <strong>Münster</strong> (Kaiser mit Frankreich, dazu Spanien mit den Niederlanden) und in <strong>Osnabrück</strong> (Kaiser mit Schweden und den protestantischen Ständen). Am <strong>24. Oktober 1648</strong> wurden die Verträge unterzeichnet. Schon Anfang 1648 (unterzeichnet am 30. Januar) hatte Spanien im Frieden von Münster die Unabhängigkeit der Niederlande anerkannt.</p>\n\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Friedensvertrag von Münster zwischen dem Kaiser und Frankreich, 24. Oktober 1648, Artikel I und II (Auszug)</span>\n<p>„I. Es soll ein christlicher und allgemeiner Friede und eine immerwährende, wahre und aufrichtige Freundschaft sein […]. II. Es soll auf beiden Seiten ein immerwährendes Vergessen, eine Amnestie oder Verzeihung alles dessen sein, was seit Beginn dieser Unruhen begangen worden ist, an welchem Ort und auf welche Weise auch immer Feindseligkeiten verübt wurden, sodass niemand unter irgendeinem Vorwand Feindseligkeiten üben, Feindschaft hegen oder dem anderen Schwierigkeiten bereiten soll […].“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Lateinisches Original („perpetua oblivio et amnestia“); Wortlaut nach der englischen Übersetzung des 18. Jahrhunderts im Avalon Project der Yale Law School, daraus übersetzt von uns. Gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Der Frieden fragt nicht nach Schuld. Statt einen Schuldigen zu bestrafen, sollen alle Taten des Krieges „vergessen“ sein. Das ist das Gegenteil eines Siegfriedens und ein Grund, warum die Verträge lange hielten. Die Verträge wurden auf Latein geschlossen; das Avalon Project bietet eine alte englische Übersetzung, die Karte übersetzt daraus.</p>\n\n<h4>Was geregelt wurde</h4>\n<ul>\n<li><strong>Religion:</strong> Der Augsburger Religionsfrieden von 1555 gilt weiter und jetzt auch für die Reformierten (Calvinisten). Stichtag für den Besitzstand ist das <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Normaljahr<span class=\"wort-erkl\">1624: Wer am 1. Januar 1624 Kirchengut besaß oder welche Konfession an einem Ort galt, sollte so bleiben</span></span>. In Religionsfragen entscheidet der Reichstag nicht mehr per Mehrheit, sondern durch Einigung zwischen den konfessionellen Gruppen.</li>\n<li><strong>Reich:</strong> Die Reichsstände erhalten das Recht, Bündnisse zu schließen, aber nicht gegen Kaiser und Reich. Die Macht des Kaisers bleibt begrenzt.</li>\n<li><strong>Gebiete:</strong> Frankreich erhält Rechte im Elsass und die Bestätigung von Metz, Toul und Verdun; Schweden erhält Vorpommern und weitere Gebiete und wird Reichsstand. Die Unabhängigkeit der Schweiz vom Reich wird anerkannt.</li>\n<li><strong>Garantie:</strong> Frankreich und Schweden werden Garantiemächte des Friedens.</li>\n</ul>\n\n<h4>Forschungsstreit: Gab es ein „Westfälisches System“?</h4>\n<ul>\n<li><strong>Geburt der Staatenwelt:</strong> In der Politikwissenschaft heißt es oft, 1648 sei die moderne Ordnung gleichberechtigter, souveräner Staaten entstanden, die sich nicht in innere Angelegenheiten anderer einmischen.</li>\n<li><strong>Späterer Mythos:</strong> Viele Historiker halten das für eine Deutung des 19. und 20. Jahrhunderts: Das Reich blieb bestehen, Frankreich und Schweden erhielten als Garantiemächte gerade ein Recht zur Einmischung, und Souveränität im heutigen Sinn regelten die Verträge nicht.</li>\n<li><strong>Neues Verfahren:</strong> Unbestritten ist das Neue am Verfahren: Viele Mächte handelten einen Ausgleich ihrer Interessen gemeinsam aus, und die Regeln für das Reich galten als Grundgesetz bis 1806.</li>\n</ul>\n<p class=\"ks-quelle\">Deutungen und Daten: Lehrbuchwissen.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>Die Regelungen antworten auf die drei Ebenen des Krieges. Auf den Religionsstreit antworten das Normaljahr, die Anerkennung der Reformierten und die Regel, dass in Glaubensfragen nicht mehr abgestimmt, sondern verhandelt wird. Auf den Verfassungsstreit antwortet das Bündnisrecht der Reichsstände bei begrenzter Macht des Kaisers. Auf den europäischen Machtkampf antworten Gebiete und Garantenrolle für Frankreich und Schweden. Zusammengehalten wird alles durch das Verfahren und die Vergessensklausel (M 1): Weil keine Seite als Schuldige dastand, konnten alle zustimmen. Genau das macht den Frieden zum Beispiel eines multilateralen Interessenausgleichs.</p>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Ausgleich:</strong> Bekamen alle wichtigen Beteiligten etwas, oder diktierte ein Sieger?</li>\n<li><strong>Dauer:</strong> Wie lange hielt die Ordnung, und warum?</li>\n<li><strong>Kosten:</strong> Wer zahlte den Preis, etwa die Bevölkerung, das Reich als Ganzes?</li>\n<li><strong>Vergleich:</strong> mit dem Wiener Kongress 1815 und Versailles 1919.</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an den Schwerpunkt „Multilateraler Interessenausgleich nach dem Dreißigjährigen Krieg“)</span>\n<p>1. Geben Sie wieder, was die Artikel I und II in M 1 festlegen. (AFB I)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, wie die Regelungen von 1648 auf die Konflikte des Krieges antworteten. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie, ob der Westfälische Frieden zu Recht als Muster eines multilateralen Interessenausgleichs gilt. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Christlicher, allgemeiner Friede und dauerhafte Freundschaft; immerwährendes Vergessen und Amnestie für alles seit Kriegsbeginn Geschehene; niemand soll aus dem Krieg Ansprüche oder Feindschaft ableiten. Einordnung: Vertrag zwischen Kaiser und Frankreich, Münster 1648.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> <em>Religion:</em> Augsburger Religionsfrieden bestätigt und auf Reformierte ausgeweitet, Normaljahr 1624, Einigung statt Mehrheit in Religionsfragen. <em>Reich:</em> Bündnisrecht der Stände, begrenzte Kaisermacht. <em>Europa:</em> Gebiete für Frankreich und Schweden, Schweden Reichsstand, Garantiemächte, Unabhängigkeit der Niederlande und der Schweiz.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Dafür:</em> Kongress fast aller Mächte, Ausgleich statt Diktat, Vergessensklausel, lange Geltung der Reichsordnung bis 1806. <em>Einschränkend:</em> Frankreich und Schweden gewannen auf Kosten des Reiches, der Krieg zwischen Frankreich und Spanien ging bis 1659 weiter, die Bevölkerung war nicht beteiligt, das „Westfälische System“ ist eine spätere Deutung. Ein gelungenes Urteil: ein Muster im Verfahren, kein vollkommener Frieden. Für die oberen Noten: Du vergleichst mit 1815 oder 1919 und nennst den Forschungsstreit.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Warum nennt man den Westfälischen Frieden einen „multilateralen Interessenausgleich“? Zwei Gründe.</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>Erstens verhandelten viele Mächte zugleich, nicht nur Sieger und Besiegte. Zweitens bekam fast jede Seite etwas: die Protestanten Rechtssicherheit, die Stände mehr Rechte, Frankreich und Schweden Gebiete und eine Garantenrolle, der Kaiser behielt seine Krone.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„1648 endete das Heilige Römische Reich.“</strong> Es bestand bis 1806.</li>\n<li><strong>Den Krieg als reinen Religionskrieg darstellen.</strong> Es ging ebenso um Macht im Reich und in Europa.</li>\n<li><strong>Das „Westfälische System“ als Tatsache übernehmen.</strong> Nenne die Kritik daran.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-wiener-kongress\">Wiener Kongress und Wiener System</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-versailles\">Versailler Vertrag und Völkerbund</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=sh-ge-urteil\">Sachurteil und Werturteil</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=sh-ge-zeitleiste\">Zeitleiste: von Athen bis 2013</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-westfaelischer-frieden -->"
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      "cat": "Dauerhafter Friede",
      "title": "Versailler Vertrag und Völkerbund",
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      "short": "Versailler Vertrag 1919 einfach erklärt: Wilsons 14 Punkte, Ziele der Sieger, Gebietsverluste, Reparationen, Kriegsschuldartikel 231, Völkerbund, Pariser Vorortverträge und die Frage, warum der Frieden nicht hielt, mit Originalquelle und Abituraufgabe.",
      "content": "<!-- core-card:ge-versailles -->\n<p class=\"ks-kopf\"><span class=\"ks-typ\">Wissen</span><span>Versailler Vertrag und Pariser Friedensordnung 1919/20</span></p>\n<div class=\"ks-kurz ks-oben\"><span class=\"ks-label\">Das Wichtigste in Kürze</span><p>Fragt die Klausur zum Versailler Vertrag, prüft sie, ob du eine Entwicklung erklären und einordnen kannst; Punkte gibt es, wenn du Material und Wissen verbindest und dein Urteil begründest. Im Januar 1919 trafen sich die Sieger des Ersten Weltkriegs in Paris, um eine neue Ordnung für Europa und die Welt zu schaffen. Der Vertrag mit Deutschland, unterschrieben am 28. Juni 1919 in Versailles, nahm dem Reich ein Siebtel seines Gebiets, alle Kolonien und fast das ganze Militär und verpflichtete es zu Reparationen. Artikel 231 machte Deutschland und seine Verbündeten als „Urheber“ für alle Schäden verantwortlich; in Deutschland las man ihn als Schuldspruch und bekämpfte den ganzen Vertrag als „Diktat“. Der neu gegründete Völkerbund sollte künftige Kriege verhindern, doch die USA traten nicht bei. Ob der Frieden zu hart, zu weich oder einfach überfordert war, ist bis heute umstritten.</p></div>\n<!-- land -->\n<div class=\"ks-land\"><span class=\"ks-label\">Was der Lehrplan sagt · Profilfach</span><p>Halbjahresthema „Dauerhafter Friede – eine Utopie? Friedensschlüsse und Lösungsversuche internationaler Konflikte“. Verbindlicher (fett gedruckter) Inhalt:</p><details class=\"ks-wortlaut\"><summary>Mehr aus den amtlichen Vorgaben</summary><ul>\n<li>„Der Wiener Kongress“</li>\n<li>„Internationale Beziehungen in der bipolaren Welt“</li>\n</ul>\n<p>Ergänzend (nicht fett, also Vorschlag): „Der Versailler Vertrag“.</p>\n<p>Vorgeschlagene Problemfrage: „Der Versailler Vertrag – eine vertane Chance?“</p></details><p>Quelle: <a href=\"https://fachportal.lernnetz.de/sh/faecher/geschichte/fachanforderungen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fachanforderungen Geschichte Sekundarstufe I und II (2016)</a>, Qualifikationsphase; verbindlich sind die fett gedruckten Inhalte.</p></div>\n<!-- /land -->\n<div class=\"ks-einstieg\">\n<span class=\"ks-label\">Worum es geht</span>\n<p>Ein Friedensvertrag beendet einen Krieg nicht nur auf dem Papier. Er legt fest, wer welches Gebiet bekommt, wer für die Schäden zahlt und wie man einen neuen Krieg verhindert. 1919 war das schwieriger als je zuvor: Vier Kaiserreiche waren zerfallen (das deutsche, das österreichisch-ungarische, das russische und das osmanische), Millionen Tote waren zu beklagen, und in Osteuropa wurde weiter gekämpft.</p>\n<p>Die Sieger wollten Verschiedenes. Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson wollte eine neue Weltordnung mit offener Diplomatie und einem <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Völkerbund<span class=\"wort-erkl\">internationale Organisation ab 1920 mit Sitz in Genf; die Mitglieder sollten Streit friedlich lösen und gemeinsam gegen einen Angreifer vorgehen (kollektive Sicherheit)</span></span>. Frankreich wollte vor allem Sicherheit vor Deutschland. Großbritannien wollte Deutschland als Flotten- und Kolonialmacht ausschalten, aber Europa nicht aus dem Gleichgewicht bringen. In der Klausur sollst du die Bestimmungen kennen, die Folgen für die Weimarer Republik erklären und beurteilen, ob der Vertrag den Frieden sichern konnte.</p>\n</div>\n\n<figure class=\"ks-abb\">\n<p class=\"ks-abb-kopf\">Artikel 231 des Versailler Vertrags <span>· Links das, was im Text steht, rechts, wie er in Deutschland verstanden wurde.</span></p>\n<svg viewBox=\"0 0 360 274\" role=\"img\" aria-labelledby=\"vs-t vs-d\" fill=\"currentColor\">\n<title id=\"vs-t\">Artikel 231 des Versailler Vertrags: Wortlaut und Wirkung</title>\n<desc id=\"vs-d\">Links der Wortlaut: Artikel 231 steht im Teil Wiedergutmachungen, nennt Deutschland und seine Verbündeten Urheber der Schäden und den Krieg einen Angriff, das Wort Schuld kommt nicht vor, Artikel 232 räumt ein, dass Deutschland nicht alles ersetzen kann. Rechts die Wirkung in Deutschland: Kriegsschuldartikel, Diktat und Schandfrieden, Ablehnung fast aller Parteien, Schuldbestreiten der Rechten.</desc>\n<text x=\"180\" y=\"14\" font-size=\"11\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Artikel 231: Wortlaut und Wirkung</text>\n<text x=\"90\" y=\"38\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Was im Vertrag steht</text>\n<text x=\"270\" y=\"38\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Wie man es in Deutschland las</text>\n<rect x=\"10\" y=\"48\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"90\" y=\"65\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Teil VIII „Wiedergutmachungen“,</text>\n<text x=\"90\" y=\"78\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">also Grund der Reparationen</text>\n<rect x=\"10\" y=\"100\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"90\" y=\"117\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Deutschland und Verbündete</text>\n<text x=\"90\" y=\"130\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">als „Urheber“ der Schäden</text>\n<rect x=\"10\" y=\"152\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"90\" y=\"169\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Der Krieg heißt „Angriff“;</text>\n<text x=\"90\" y=\"182\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">das Wort „Schuld“ fehlt</text>\n<rect x=\"10\" y=\"204\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#2563eb\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#2563eb\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"90\" y=\"221\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Art. 232: Deutschland kann</text>\n<text x=\"90\" y=\"234\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">nicht alles ersetzen</text>\n<rect x=\"190\" y=\"48\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"270\" y=\"65\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">„Kriegsschuldartikel“:</text>\n<text x=\"270\" y=\"78\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Schuldspruch gegen Deutschland</text>\n<rect x=\"190\" y=\"100\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"270\" y=\"117\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Vertrag als „Diktat“ und</text>\n<text x=\"270\" y=\"130\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">„Schandfrieden“</text>\n<rect x=\"190\" y=\"152\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"270\" y=\"169\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Fast alle Parteien lehnen</text>\n<text x=\"270\" y=\"182\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">den Vertrag ab</text>\n<rect x=\"190\" y=\"204\" width=\"160\" height=\"42\" rx=\"6\" fill=\"#dc2626\" fill-opacity=\"0.22\" stroke=\"#dc2626\" stroke-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"270\" y=\"221\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Rechte: Schuld bestreiten,</text>\n<text x=\"270\" y=\"234\" font-size=\"10\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.85\">Republik wird zum Sündenbock</text>\n<line x1=\"172\" y1=\"150\" x2=\"181\" y2=\"150\" stroke=\"#64748b\" stroke-opacity=\"0.8\" stroke-width=\"1.5\"/><polygon points=\"188,150 181.0,153.5 181.0,146.5\" fill=\"#64748b\" fill-opacity=\"0.8\"/>\n<text x=\"180\" y=\"262\" font-size=\"10\" font-weight=\"700\" text-anchor=\"middle\" font-family=\"system-ui,sans-serif\" fill=\"currentColor\" opacity=\"0.95\">Die Wirkung ging über den Wortlaut hinaus</text>\n</svg>\n<figcaption><strong>Eigene Grafik.</strong> Links das, was im Text steht, rechts, wie er in Deutschland verstanden wurde; beides zusammen erklärt, warum der Artikel so stark wirkte.</figcaption>\n</figure>\n\n<h4>Die Ziele der Sieger</h4>\n<ul>\n<li><strong>USA, Woodrow Wilson:</strong> Seine 14 Punkte vom 8. Januar 1918 forderten unter anderem offene Verträge, Freiheit der Meere, Abrüstung, Grenzen „nach den klar erkennbaren Linien der Nationalität“, einen unabhängigen polnischen Staat und eine „allgemeine Gesellschaft von Nationen“. Das Wort Selbstbestimmung steht nicht darin, es wurde aber zum Schlagwort für sein Programm.</li>\n<li><strong>Frankreich, Georges Clemenceau:</strong> Sicherheit vor dem größeren Nachbarn, das Rheinland als Puffer, Entschädigung für den zerstörten Norden Frankreichs.</li>\n<li><strong>Großbritannien, David Lloyd George:</strong> keine deutsche Flotte und keine Kolonien mehr, hohe Reparationen (im Wahlkampf 1918 hieß es „Germany must pay“), aber kein französisches Übergewicht auf dem Kontinent.</li>\n</ul>\n<p>Entschieden wurde im Rat der Vier: Wilson, Lloyd George, Clemenceau und der Italiener Vittorio Orlando. Deutschland durfte nicht mitverhandeln; es bekam im Mai 1919 einen fertigen Entwurf und konnte nur schriftlich Einwände erheben.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Wilsons 14 Punkte: documentArchiv.de (nach: Der Waffenstillstand 1918–1919, Bd. 1, Berlin 1928, S. 3–6). Rat der Vier: Jörn Leonhard, „Erwartung und Überforderung“, APuZ 15/2019 (bpb). „Germany must pay“: Eckart Conze, „Verhasster Vertrag“, APuZ 15/2019 (bpb).</p>\n\n<h4>Das Material: der umstrittenste Artikel</h4>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 1 · Friedensvertrag von Versailles, 28. Juni 1919, Artikel 231 und 232 (Auszug)</span>\n<p>Art. 231: „Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungenen Krieges erlitten haben.“</p>\n<p>Art. 232: „Die alliierten und assoziierten Regierungen erkennen an, daß die Hilfsmittel Deutschlands […] nicht ausreichen, um die volle Wiedergutmachung aller dieser Verluste und Schäden sicherzustellen.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Reichsgesetzblatt 1919, S. 985–1051, Teil VIII „Wiedergutmachungen“, Wortlaut nach documentArchiv.de. Amtlicher Text, gemeinfrei.</p>\n</div>\n<p>Lies genau: Artikel 231 steht im Teil über die <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Reparationen<span class=\"wort-erkl\">Wiedergutmachung: Zahlungen und Sachleistungen (Kohle, Schiffe, Vieh) eines Kriegsverlierers an die Sieger für Kriegsschäden</span></span>. Er begründet, warum Deutschland zahlen soll, und nennt den Krieg einen „Angriff“. Das Wort „Schuld“ kommt nicht vor. Artikel 232 gibt sogar zu, dass Deutschland nicht alles bezahlen kann. In Deutschland wurde der Artikel trotzdem als <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">„Kriegsschuldartikel“<span class=\"wort-erkl\">deutsche Bezeichnung für Art. 231: als hätten die Sieger Deutschland die alleinige moralische Schuld am Krieg zugeschrieben</span></span> verstanden. Fast alle Parteien, von der äußersten Rechten bis zur SPD, lehnten den Vertrag deshalb als „Diktat-“ und „Schandfrieden“ ab.</p>\n\n<h4>Was der Vertrag bestimmte</h4>\n<ul>\n<li><strong>Gebiete:</strong> Deutschland verlor ein Siebtel seines Gebiets mit einem Zehntel seiner Bevölkerung. Elsass-Lothringen ging an Frankreich, Posen und Westpreußen an Polen (der „Korridor“ trennte Ostpreußen vom Reich), das Hultschiner Ländchen an die Tschechoslowakei. Danzig wurde Freie Stadt unter dem Völkerbund, das Memelgebiet kam unter alliierte Kontrolle. Abstimmungen 1920 brachten Eupen-Malmedy an Belgien und teilten Nordschleswig mit Dänemark; im südlichen Ostpreußen stimmten fast alle für den Verbleib beim Reich. Das Saargebiet kam für 15 Jahre unter den Völkerbund. Alle Kolonien gingen verloren.</li>\n<li><strong>Militär:</strong> Heer von 100.000 Berufssoldaten, Marine von 15.000 Mann, keine Luftstreitkräfte und keine schweren Waffen, überwacht von einer Kontrollkommission. Das linke Rheinufer wurde für 15 Jahre besetzt, das Rheinland entmilitarisiert.</li>\n<li><strong>Verbot des Anschlusses:</strong> Deutschland und Österreich durften sich nicht zusammenschließen, obwohl beide es wollten.</li>\n<li><strong>Reparationen:</strong> Der Vertrag nannte keine Summe. Erst 1921 forderten die Sieger im <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Londoner Ultimatum<span class=\"wort-erkl\">Forderung der Alliierten vom Mai 1921, die Summe von 132 Milliarden Goldmark anzunehmen; sonst drohte die Besetzung des Ruhrgebiets</span></span> 132 Milliarden Goldmark.</li>\n<li><strong>Völkerbund:</strong> Seine Satzung steht am Anfang des Vertrags. Die früheren deutschen Kolonien und osmanischen Gebiete wurden <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Mandate<span class=\"wort-erkl\">Gebiete, die der Völkerbund einer Siegermacht zur Verwaltung übergab, mit dem Auftrag, sie auf die Selbstständigkeit vorzubereiten; in der Praxis oft Kolonien unter neuem Namen</span></span>.</li>\n</ul>\n<p>Die Nationalversammlung billigte den Vertrag am 22. Juni 1919 mit 237 gegen 138 Stimmen. Die Regierung Scheidemann war vorher zurückgetreten, um nicht unterschreiben zu müssen. Militärischer Widerstand galt selbst der Heeresführung als aussichtslos. Am 28. Juni unterzeichneten Außenminister Hermann Müller (SPD) und Verkehrsminister Johannes Bell (Zentrum) im Spiegelsaal von Versailles, wo 1871 das Kaiserreich ausgerufen worden war. In Kraft trat der Vertrag am 10. Januar 1920.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">LeMO (Deutsches Historisches Museum), „Der Versailler Vertrag“; Londoner Ultimatum und 132 Milliarden: Conze (s. o.).</p>\n\n<h4>Die Pariser Friedensordnung: mehr als Versailles</h4>\n<p>Mit den anderen Verlierern schlossen die Sieger eigene Verträge, benannt nach Orten bei Paris: Saint-Germain (Österreich), Trianon (Ungarn), Neuilly (Bulgarien) und Sèvres (Osmanisches Reich). Sèvres wurde nie ratifiziert; 1923 trat an seine Stelle der Vertrag von Lausanne mit der neuen Türkei. Zusammen nennt man sie die Pariser Friedensordnung.</p>\n<ul>\n<li><strong>Neue Staaten:</strong> Polen, die Tschechoslowakei, das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, die baltischen Staaten. Nach dem Grundsatz der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Selbstbestimmung<span class=\"wort-erkl\">jedes Volk soll selbst entscheiden, zu welchem Staat es gehört und wie es regiert wird</span></span> sollten Nationalstaaten entstehen. Weil die Völker in Ostmitteleuropa gemischt lebten, entstanden in Wahrheit neue Nationalitätenstaaten mit großen Minderheiten.</li>\n<li><strong>Minderheiten:</strong> Die Zahl der Menschen, die dort unter einer fremden Nationalität lebten, sank von 60 auf 30 Millionen. Minderheitenschutzverträge sollten die übrigen schützen.</li>\n<li><strong>Zwangsmigration:</strong> Die Vertragsmacher vermieden Umsiedlungen, mit brutalen Ausnahmen: 1923 der Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei, dazu Ausweisungen von Deutschen aus Elsass-Lothringen.</li>\n<li><strong>Enttäuschte Hoffnungen außerhalb Europas:</strong> Die Selbstbestimmung galt nicht für die Kolonien. Japans Forderung nach einer Klausel gegen Rassendiskriminierung in der Völkerbundsatzung scheiterte. In Korea und China kam es 1919 zu Protesten, auch weil Japan das frühere deutsche Kiautschou bekam.</li>\n</ul>\n<p>Wilson selbst sagte im August 1919 vor dem US-Senat, er habe vom Selbstbestimmungsrecht „ohne das Wissen um all die Nationalitäten“ gesprochen, die „Tag für Tag“ zu ihm kämen. Der Senat lehnte den Vertrag ab; die USA traten dem Völkerbund nie bei. Deutschland wurde erst 1926 Mitglied und trat 1933 aus. Gegen Japan (Mandschurei 1931) und Italien (Abessinien 1935) blieb der Bund machtlos.</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Alan Sharp, „‚Mit Dynamit geladen‘. Das Prinzip nationaler Selbstbestimmung und sein globales Vermächtnis“, APuZ 15/2019 (bpb), dort auch Wilsons Senatsrede vom 19. August 1919; Leonhard (s. o.) für Nationalitätenstaaten, Minderheitenschutz und die japanische Klausel.</p>\n\n<h4>Die Reparationen: Streit über Jahre</h4>\n<ol class=\"ks-schritte\">\n<li><strong>1919:</strong> Pflicht zu zahlen, aber keine Summe, weil sich die Sieger nicht einigen konnten. Deutschland selbst hatte 100 Milliarden Goldmark (zinsfrei) angeboten.</li>\n<li><strong>1921:</strong> Londoner Ultimatum über 132 Milliarden Goldmark.</li>\n<li><strong>1923:</strong> Frankreich und Belgien besetzen das Ruhrgebiet, weil Lieferungen ausbleiben; Ruhrkampf und Hyperinflation folgen.</li>\n<li><strong>1924, Dawes-Plan:</strong> Die Gesamtsumme bleibt, aber die Jahresraten richten sich nach der deutschen Wirtschaftskraft; amerikanische Kredite fließen.</li>\n<li><strong>1929, Young-Plan:</strong> Die Summe sinkt deutlich, Zahlungen sind bis 1988 vorgesehen. Die Rechte mit der NSDAP kämpft mit einem Volksbegehren dagegen.</li>\n<li><strong>1931/32:</strong> In der Weltwirtschaftskrise erst ein Zahlungsaufschub, 1932 das faktische Ende der Reparationen.</li>\n</ol>\n<p class=\"ks-quelle\">Conze (s. o.), Abschnitt „Kernfrage Reparationen“.</p>\n\n<h4>Die Elemente verknüpft</h4>\n<p>So hängt alles zusammen: Art. 231 begründet die Reparationen. Weil die Deutschen den Artikel als moralische Verurteilung lasen, wurde die Kriegsschuldfrage zum Hebel gegen den ganzen Vertrag. Wer die Schuld des Kaiserreichs bestritt, entlastete zugleich die alte Führung und machte die Republik, die unterschrieben hatte, zum Sündenbock. Zusammen mit der <span class=\"wort\" tabindex=\"0\" role=\"button\">Dolchstoßlegende<span class=\"wort-erkl\">die Lüge, das deutsche Heer sei im Krieg unbesiegt gewesen und von Revolutionären in der Heimat „von hinten erdolcht“ worden</span></span> wurde „Versailles“ so zur Waffe gegen die Demokratie. Die Revision des Vertrags war das Ziel jeder Weimarer Regierung; Stresemann suchte sie durch Verständigung, Hitler durch Bruch des Vertrags.</p>\n\n<h4>Forschungsstreit: zu hart, zu weich oder überfordert?</h4>\n<ul>\n<li><strong>„Karthagischer Frieden“:</strong> Der britische Ökonom John Maynard Keynes, Mitglied der britischen Delegation, hielt den Vertrag für einen Frieden der Vernichtung, wirtschaftlich unvernünftig. In Deutschland wurde er zum Kronzeugen aller Gegner des Vertrags. Noch 1984 schrieb der US-Diplomat George F. Kennan, der „dumme und demütigende Straffrieden“ habe den Zweiten Weltkrieg hervorgebracht.</li>\n<li><strong>Zu weich:</strong> Für viele französische Politiker ließ der Vertrag Deutschland zu stark, weil das Rheinland nur vorübergehend besetzt wurde.</li>\n<li><strong>Neuere Forschung:</strong> Eckart Conze urteilt, Versailles sei „kein milder, aber auch kein ‚karthagischer Frieden‘“ gewesen: Deutschland blieb Staat und „potenzielle Großmacht“. Jörn Leonhard nennt ihn einen „überforderten Frieden“: Er sollte zu viele Probleme auf einmal lösen und schuf zugleich neue Institutionen wie Völkerbund und Minderheitenschutz, mit denen man ihn hätte weiterentwickeln können.</li>\n<li><strong>Versailles als Ursache für Hitler?</strong> Der Historiker Friedrich Meinecke nannte 1930 den Vertrag „die letzte und stärkste Ursache des Nationalsozialismus“. Conze hält dagegen: Nicht der Vertrag, sondern ein radikaler Nationalismus habe Europa in den nächsten Krieg gestürzt; wer den Erfolg der NSDAP allein mit Versailles erkläre, wolle meist Deutschland von Verantwortung freisprechen.</li>\n</ul>\n<div class=\"ks-zitat\">\n<span class=\"ks-label\">M 2 · Eckart Conze, Historiker, 2019</span>\n<p>„Versailles war nicht die Ursache für den rechten Hass auf die Republik und ihre demokratischen Repräsentanten (der von Anfang an antisemitisch aufgeladen war), aber dieser Hass fand im Friedensschluss neue Nahrung und in den Augen seiner Träger neue Bestätigung.“</p>\n<p class=\"ks-quelle\">Eckart Conze, „Verhasster Vertrag. ‚Versailles‘ als Propagandawaffe gegen die Weimarer Republik“, APuZ 15/2019 (bpb).</p>\n</div>\n\n<h4>Urteilskriterien</h4>\n<ul>\n<li><strong>Friedenssicherung:</strong> Machte der Vertrag einen neuen Krieg wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher? Band er den Verlierer ein?</li>\n<li><strong>Durchsetzbarkeit:</strong> Hatten die Sieger den Willen und die Mittel, ihn durchzusetzen, nachdem die USA sich zurückzogen?</li>\n<li><strong>Angemessenheit:</strong> Standen Gebietsverluste und Reparationen im Verhältnis zu den Schäden und zu dem, was Deutschland 1918 im Frieden von Brest-Litowsk Russland auferlegt hatte?</li>\n<li><strong>Prinzipien:</strong> Hielt sich der Vertrag an Wilsons eigene Grundsätze, etwa beim Anschlussverbot?</li>\n<li><strong>Zeitbezug:</strong> Urteilst du aus der Sicht von 1919 oder vom Wissen um 1933 und 1939 her?</li>\n</ul>\n\n<h4>So wird das gefragt</h4>\n<div class=\"ks-aufgabe\">\n<span class=\"ks-label\">Aufgabe (von uns formuliert, angelehnt an die Lehrplanformulierung „beurteilen die Bedeutung des Kriegsschuldartikels im Versailler Vertrag für die Friedenssicherung in Europa“)</span>\n<p>1. Geben Sie die Aussagen von M 1 wieder und ordnen Sie den Artikel in den Vertrag ein. (AFB I und II)</p>\n<p>2. Erläutern Sie, warum Artikel 231 in Deutschland eine viel größere Wirkung hatte, als sein Wortlaut nahelegt. Beziehen Sie M 2 ein. (AFB II)</p>\n<p>3. Beurteilen Sie die Bedeutung des Kriegsschuldartikels für die Friedenssicherung in Europa. (AFB III)</p>\n</div>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Erwartungshorizont zeigen</summary><div>\n<p><strong>Zu 1:</strong> Art. 231: Deutschland erkennt an, dass es und seine Verbündeten „als Urheber“ für alle Verluste und Schäden der Sieger verantwortlich sind, die durch ihren „Angriff“ entstanden. Art. 232: Die Sieger erkennen an, dass Deutschland nicht alles ersetzen kann. Einordnung: Teil VIII „Wiedergutmachungen“, also Rechtsgrund der Reparationen; Summe 1919 offen, 1921 132 Milliarden Goldmark.</p>\n<p><strong>Zu 2:</strong> Die Deutschen lasen den Artikel als moralischen Schuldspruch. Fast alle Parteien lehnten den Vertrag als „Diktat“ ab, Deutschland war von den Verhandlungen ausgeschlossen. Die Rechte bestritt die Schuld, um das Kaiserreich zu entlasten, und machte die Republik, die unterschreiben musste, zum Schuldigen (Dolchstoßlegende). M 2: Conze sieht den Vertrag nicht als Ursache, aber als „neue Nahrung“ für einen Hass, den es schon gab. Beispiel: Kampagne gegen den Young-Plan 1929.</p>\n<p><strong>Zu 3:</strong> <em>Belastend:</em> Der Artikel stiftete einen Anti-Versailles-Konsens, der die Revision zum Ziel aller Regierungen machte und Republikfeinden ein Thema gab; er erschwerte die Aussöhnung mit Frankreich (Ruhrbesetzung 1923). <em>Relativierend:</em> Nicht der Wortlaut, sondern seine Deutung und Ausnutzung schadeten; mit Dawes-Plan, Locarno und Völkerbundbeitritt 1926 gab es Wege der Verständigung; den Krieg 1939 wollte Hitler aus anderen Gründen (Lebensraum, Rassenideologie), nicht nur um Versailles zu revidieren. Ein gelungenes Urteil: Der Artikel war für die Friedenssicherung eine schwere Hypothek, weil er Deutschland nicht einband, sondern beschämte; entscheidend wurde aber, was die deutsche Politik daraus machte. Für die oberen Noten: Du trennst Wortlaut und Wirkung und kennzeichnest Keynes, Conze und Leonhard als Positionen.</p>\n</div></details>\n\n<div class=\"ks-jetztdu\">\n<span class=\"ks-label\">Jetzt du · Übungsaufgabe (von uns erstellt)</span>\n<p>Vergleiche den Wiener Kongress 1815 und Versailles 1919 an einem Kriterium: Wie wurde der Verlierer behandelt?</p>\n<details class=\"ks-loesung\"><summary>Lösung zeigen</summary><div>\n<p>1815 verhandelte Frankreich in Wien mit und wurde 1818 wieder in den Kreis der Großmächte aufgenommen. 1919 war Deutschland von den Verhandlungen ausgeschlossen, musste Art. 231 anerkennen und kam erst 1926 in den Völkerbund. 1815 wurde der Verlierer eingebunden, 1919 blieb er draußen. Das förderte in Deutschland den Wunsch, den Vertrag zu revidieren, statt ihn mitzutragen.</p>\n</div></details>\n</div>\n\n<h4>Typische Fehler</h4>\n<ul class=\"ks-fehler\">\n<li><strong>„Im Vertrag steht, Deutschland sei schuld am Krieg.“</strong> Art. 231 spricht von Verantwortung „als Urheber“ für Schäden; die Deutung als Schuldspruch machte ihn politisch wirksam.</li>\n<li><strong>Versailles als alleinige Ursache für Hitler.</strong> Er belastete die Republik; Weltwirtschaftskrise, Eliten und NSDAP-Propaganda gehören dazu.</li>\n<li><strong>Die USA als Mitglied des Völkerbunds.</strong> Wilsons Idee, aber der Senat lehnte den Beitritt ab.</li>\n<li><strong>Die Reparationssumme von 1919.</strong> Der Vertrag nannte keine Summe; 132 Milliarden Goldmark kamen erst 1921.</li>\n<li><strong>Nur Deutschland betrachten.</strong> Die Friedensordnung umfasste fünf Verträge und neue Staaten von der Ostsee bis zum Nahen Osten.</li>\n</ul>\n\n<nav class=\"ks-weiter\" aria-label=\"Weiter lernen\">\n<p><span class=\"ks-label\">Weiter mit</span><a class=\"ks-chip ks-weiter-haupt\" href=\"?category=Diktatur+und+Demokratie&card=sh-ge-weimar-gruendung\">Novemberrevolution 1918 und Weimarer Verfassung</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-kalter-krieg\">Kalter Krieg bis 1963: Blöcke und Krisen</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Nationale+Identit%C3%A4ten&card=sh-ge-nation\">Nation und Nationalstaat: Deutschland, Frankreich, Polen</a></p>\n<p><span class=\"ks-label\">Verwandt</span><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-wiener-kongress\">Wiener Kongress und Wiener System</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Dauerhafter+Friede&card=sh-ge-frieden-nach-1945\">Frieden nach 1945: UNO, KSZE, Zwei-plus-Vier</a><a class=\"ks-chip\" href=\"?category=Methoden&card=sh-ge-urteil\">Sachurteil und Werturteil</a></p>\n</nav>\n<!-- /core-card:ge-versailles -->"
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