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Der Sandmann (E. T. A. Hoffmann): kostenloses Unterrichtsmaterial, 5 Arbeitsblätter als PDF

Fünf Arbeitsblätter zu Hoffmanns Erzählung, jedes als eigenes PDF zum Ausdrucken, mit Lösungshinweisen auf einer zweiten Seite. Alle Auszüge stehen wörtlich im Text, den Sie auf unserer Lese-Seite vollständig finden. Sie dürfen das Material frei nutzen, verändern und weitergeben (CC BY 4.0).

Inhalt und Deutung: Der Sandmann: Zusammenfassung · Der Sandmann: ganzer Text online

Werk
E. T. A. Hoffmann, Der Sandmann
Einsatz
Oberstufe, Romantik (Schwarze Romantik); im Abitur 2027 Pflichtlektüre in Sachsen (Grundkurs)
Umfang
5 Arbeitsblätter, je ein PDF mit Lösungshinweisen
Lizenz
CC BY 4.0, Werktext gemeinfrei, nach Wikisource (Ausgabe Berlin und Weimar 1994) in der Schreibweise dieser Vorlage (Klara, Spallanzani)

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Arbeitsblatt 1: Aufbau und Erzähler

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Die Erzählung beginnt mit drei Briefen, danach übernimmt ein Erzähler. Füllen Sie die Tabelle aus. Der Auszug stammt vom Anfang des Erzählerteils.

Nimm, geneigter Leser! die drei Briefe, welche Freund Lothar mir gütigst mitteilte, für den Umriß des Gebildes, in das ich nun erzählend immer mehr und mehr Farbe hineinzutragen mich bemühen werde.

TeilWer schreibt oder erzählt, an wen?Was erfahren wir? (Stichworte)
Erster Brief
Zweiter Brief
Dritter Brief
Die Erzählung

Aufgaben

  1. Ergänzen Sie die Tabelle.
  2. Erläutern Sie, welche Wirkung es hat, dass die Erzählung mit Briefen beginnt.
  3. Untersuchen Sie, wie der Erzähler seine Rolle beschreibt. Beziehen Sie den ersten Satz des Erzählerteils ein: „Seltsamer und wunderlicher kann nichts erfunden werden, als dasjenige ist, was sich mit meinem armen Freunde, dem jungen Studenten Nathanael, zugetragen …“
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  1. Erster Brief: Nathanael an Lothar. Am 30. Oktober kam ein Wetterglashändler in seine Stube; Kindheitserinnerung an den Sandmann und den Advokaten Coppelius, Tod des Vaters bei einer Explosion; Nathanael hält den Händler Coppola für Coppelius.
  2. Zweiter Brief: Klara an Nathanael. Er hat den Brief an Lothar versehentlich an sie adressiert. Für Klara spielt sich das Schreckliche in seinem Inneren ab; der Vater sei durch eigene Unvorsichtigkeit gestorben, ein Apotheker habe eine solche Explosion für möglich erklärt.
  3. Dritter Brief: Nathanael an Lothar. Professor Spallanzani kennt Coppola seit vielen Jahren, Coppola sei wirklich Piemonteser; Nathanael hat Olimpia gesehen, „als schliefe sie mit offnen Augen“. „Ganz beruhigt bin ich nicht.“
  4. Die Erzählung: ein Erzähler, der Nathanael seinen „armen Freund“ nennt und den Leser direkt anspricht („günstiger Leser!“); er erzählt die Geschichte bis zu Nathanaels Tod.
  5. Wirkung der Briefe: Wir lesen zuerst nur subjektive Sichten ohne ordnende Instanz. Nathanael und Klara deuten dieselben Ereignisse gegensätzlich (dunkle Macht von außen oder Spuk im Inneren); der Leser muss selbst urteilen.
  6. Der Erzähler ist nicht neutral: Er ist mit Nathanael befreundet, nimmt die Briefe nur als „Umriß“ und will „Farbe“ hineintragen, gestaltet also selbst. Er spricht den Leser an und probiert vorher mehrere Anfänge aus (z. B. „Es war einmal“). Auch seine Sicht ist eine Sicht.

Arbeitsblatt 2: Kindheit: Wie der Sandmann entsteht

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Textauszug aus dem ersten Brief: Nathanael erinnert sich an die Abende seiner Kindheit.

An solchen Abenden war die Mutter sehr traurig, und kaum schlug die Uhr neun, so sprach sie: „Nun, Kinder! – zu Bette! zu Bette! der Sandmann kommt, ich merk es schon.“ Wirklich hörte ich dann jedesmal etwas schweren langsamen Tritts die Treppe heraufpoltern; das mußte der Sandmann sein. Einmal war mir jenes dumpfe Treten und Poltern besonders graulich; ich frug die Mutter, indem sie uns fortführte: „Ei, Mama! wer ist denn der böse Sandmann, der uns immer von Papa forttreibt? – wie sieht er denn aus?“ – „Es gibt keinen Sandmann, mein liebes Kind“, erwiderte die Mutter, „wenn ich sage, der Sandmann kommt, so will das nur heißen, ihr seid schläfrig und könnt die Augen nicht offen behalten, als hätte man euch Sand hineingestreut.“ – Der Mutter Antwort befriedigte mich nicht, ja in meinem kindischen Gemüt entfaltete sich deutlich der Gedanke, daß die Mutter den Sandmann nur verleugne, damit wir uns vor ihm nicht fürchten sollten, ich hörte ihn ja immer die Treppe heraufkommen. Voll Neugierde, Näheres von diesem Sandmann und seiner Beziehung auf uns Kinder zu erfahren, frug ich endlich die alte Frau, die meine jüngste Schwester wartete: was denn das für ein Mann sei, der Sandmann. „Ei, Thanelchen“, erwiderte diese, „weißt du das noch nicht? Das ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen, und wirft ihnen Hände voll Sand in die Augen, daß sie blutig zum Kopf herausspringen, die wirft er dann in den Sack und trägt sie in den Halbmond zur Atzung für seine Kinderchen; die sitzen dort im Nest und haben krumme Schnäbel, wie die Eulen, damit picken sie der unartigen Menschenkindlein Augen auf.

Aufgaben

  1. Geben Sie wieder, was die Mutter und was die alte Frau über den Sandmann sagen.
  2. Untersuchen Sie, wie aus der Redensart der Mutter für das Kind eine wirkliche Gestalt wird. Achten Sie auf „das mußte der Sandmann sein“.
  3. Erläutern Sie das Motiv der Augen und verfolgen Sie es in der weiteren Erzählung.
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  1. Die Mutter: Es gibt keinen Sandmann; der Satz heiße nur, die Kinder seien schläfrig, „als hätte man euch Sand hineingestreut“. Die alte Frau, die die jüngste Schwester betreut: Der Sandmann sei ein böser Mann, der Kindern Sand in die Augen wirft, bis sie blutig herausspringen, und sie seinen Kindern im Halbmond zum Fraß bringt.
  2. „das mußte der Sandmann sein“ ist ein Schluss, keine Beobachtung: Das Kind hört nur Schritte. Die Erklärung der Mutter befriedigt es nicht, es glaubt, sie verleugne den Sandmann nur, damit die Kinder sich nicht fürchten. Die Schauergeschichte der alten Frau gibt dem Geräusch dann eine Gestalt.
  3. Augen ziehen sich durch die ganze Erzählung: Coppelius ruft „Augen her, Augen her!“ (erster Brief); Coppola verkauft Brillen („sköne Oke“) und das Perspektiv; Olimpias Wachsgesicht hat „statt ihrer schwarze Höhlen“; am Ende sieht Nathanael Klara durch das Perspektiv. Die Erzählung fragt immer wieder, wer wie sieht. Hinweis: Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ (1919) deutet die Augenangst psychoanalytisch; das ist eine Lesart, kein Befund im Text.

Arbeitsblatt 3: Klaras Brief: die „dunkle Macht“

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Textauszug aus dem zweiten Brief: Klara antwortet Nathanael auf seine Angst vor Coppelius.

Gibt es eine dunkle Macht, die so recht feindlich und verräterisch einen Faden in unser Inneres legt, woran sie uns dann festpackt und fortzieht auf einem gefahrvollen verderblichen Wege, den wir sonst nicht betreten haben würden – gibt es eine solche Macht, so muß sie in uns sich wie wir selbst gestalten, ja unser Selbst werden; denn nur so glauben wir an sie und räumen ihr den Platz ein, dessen sie bedarf, um jenes geheime Werk zu vollbringen. Haben wir festen, durch das heitre Leben gestärkten Sinn genug, um fremdes feindliches Einwirken als solches stets zu erkennen und den Weg, in den uns Neigung und Beruf geschoben, ruhigen Schrittes zu verfolgen, so geht wohl jene unheimliche Macht unter in dem vergeblichen Ringen nach der Gestaltung, die unser eignes Spiegelbild sein sollte.

Aufgaben

  1. Geben Sie Klaras Gedankengang mit eigenen Worten wieder. Achten Sie auf den Aufbau des ersten Satzes („Gibt es …, so muß …“).
  2. Wenig später schreibt Klara: „nur der Glaube an ihre feindliche Gewalt kann sie Dir in der Tat feindlich machen.“ Erläutern Sie, wie dieser Satz mit dem Auszug zusammenhängt.
  3. Beurteilen Sie, ob der Verlauf der Erzählung Klaras Erklärung bestätigt.
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  1. Klara leugnet die dunkle Macht nicht ganz. Sie argumentiert bedingt: Wenn es sie gibt, kann sie nur wirken, weil wir sie in uns aufnehmen und sie „unser Selbst“ wird. Wer festen, heiteren Sinn hat, erkennt fremden Einfluss und geht ruhig seinen Weg; dann geht die Macht unter.
  2. Der Satz zieht die Folgerung für Nathanael: Coppelius und Coppola haben keine Macht über ihn, solange er nicht an sie glaubt. Die Gefahr liegt in ihm, nicht in den Gestalten.
  3. Für Klara spricht: Nathanael gerät immer dann in den Wahn, wenn er selbst durch Coppolas Glas schaut; laut Erzähler fand Klara später das „ruhige häusliche Glück“. Gegen sie spricht: Der Erzähler lässt Coppelius am Schluss wirklich unten in der Menge stehen. Eine gute Antwort entscheidet nicht vorschnell, sondern zeigt, dass der Text beide Lesarten offenhält.

Arbeitsblatt 4: Olimpia und das Perspektiv

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Textauszug aus dem Erzählerteil: Nathanael kauft Coppola ein kleines Fernglas (ein „Perspektiv“) ab und blickt in Spallanzanis Zimmer.

Er ergriff ein kleines, sehr sauber gearbeitetes Taschenperspektiv und sah, um es zu prüfen, durch das Fenster. Noch im Leben war ihm kein Glas vorgekommen, das die Gegenstände so rein, scharf und deutlich dicht vor die Augen rückte. Unwillkürlich sah er hinein in Spallanzanis Zimmer; Olimpia saß, wie gewöhnlich, vor dem kleinen Tisch, die Ärme darauf gelegt, die Hände gefaltet. – Nun erschaute Nathanael erst Olimpias wunderschön geformtes Gesicht. Nur die Augen schienen ihm gar seltsam starr und tot. Doch wie er immer schärfer und schärfer durch das Glas hinschaute, war es, als gingen in Olimpias Augen feuchte Mondesstrahlen auf. Es schien, als wenn nun erst die Sehkraft entzündet würde; immer lebendiger und lebendiger flammten die Blicke. Nathanael lag wie festgezaubert im Fenster, immer fort und fort die himmlisch-schöne Olimpia betrachtend.

Aufgaben

  1. Beschreiben Sie, wie sich Olimpias Augen verändern, während Nathanael durch das Glas schaut.
  2. Erläutern Sie die Funktion des Perspektivs für Nathanaels Liebe zu Olimpia.
  3. Vergleichen Sie Nathanaels Blick auf Olimpia mit Siegmunds Urteil („jede Bewegung scheint durch den Gang eines aufgezogenen Räderwerks bedingt“) und mit Nathanaels Ausruf gegenüber Klara: „Du lebloses, verdammtes Automat!“
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  1. Zuerst erscheinen die Augen „seltsam starr und tot“. Je schärfer Nathanael durch das Glas schaut, desto mehr gehen „feuchte Mondesstrahlen“ auf; die Blicke flammen „immer lebendiger und lebendiger“. Nathanael liegt „wie festgezaubert“ im Fenster.
  2. Das Leben in Olimpias Augen entsteht im Blick des Betrachters, nicht in Olimpia: „Es schien, als wenn nun erst die Sehkraft entzündet würde.“ Das Glas kommt von Coppola („sköne Glas“), der Figur, die Nathanael mit Coppelius verbindet. Ob das Glas zaubert oder Nathanael sich täuscht, lässt der Text offen.
  3. Siegmund sieht in Olimpia eine Maschine (auch: „Holzpuppe“); Nathanael hält die Puppe für lebendig, nennt aber die lebendige Klara ein „Automat“, als sie ihn bittet, das „wahnsinnige Märchen ins Feuer“ zu werfen. Er verwechselt Mensch und Maschine. Olimpia, die nur „Ach, ach!“ seufzt, gibt ihm sein eigenes Bild zurück; Klara widerspricht ihm.

Arbeitsblatt 5: Der Schluss: Wahn oder Wirklichkeit?

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Textauszug vom Ende der Erzählung: Nathanael hat auf dem Ratsturm durch Coppolas Perspektiv Klara angesehen und wollte sie hinabwerfen.

Lothar rannte herab, die ohnmächtige Schwester in den Armen. – Sie war gerettet. – Nun raste Nathanael herum auf der Galerie und sprang hoch in die Lüfte und schrie: „Feuerkreis, dreh dich – Feuerkreis, dreh dich.“ – Die Menschen liefen auf das wilde Geschrei zusammen; unter ihnen ragte riesengroß der Advokat Coppelius hervor, der eben in die Stadt gekommen und geradesweges nach dem Markt geschritten war. Man wollte herauf, um sich des Rasenden zu bemächtigen, da lachte Coppelius, sprechend: „Ha, ha – wartet nur, der kommt schon herunter von selbst“, und schaute wie die übrigen hinauf. Nathanael blieb plötzlich wie erstarrt stehen, er bückte sich herab, wurde den Coppelius gewahr, und mit dem gellenden Schrei: „Ha! Sköne Oke – sköne Oke“ sprang er über das Geländer.

Als Nathanael mit zerschmettertem Kopf auf dem Steinpflaster lag, war Coppelius im Gewühl verschwunden.

Nach mehreren Jahren will man in einer entfernten Gegend Klara gesehen haben, wie sie mit einem freundlichen Mann Hand in Hand vor der Türe eines schönen Landhauses saß und vor ihr zwei muntre Knaben spielten. Es wäre daraus zu schließen, daß Klara das ruhige häusliche Glück noch fand, das ihrem heitern lebenslustigen Sinn zusagte und das ihr der im Innern zerrissene Nathanael niemals hätte gewähren können.

Aufgaben

  1. Ordnen Sie den Auszug in den Handlungsverlauf ein.
  2. Untersuchen Sie, wer hier spricht und wie Coppelius dargestellt wird. Beziehen Sie den Ruf „Sköne Oke“ ein.
  3. Erörtern Sie, ob der Schluss Klaras Erklärung aus dem zweiten Brief bestätigt oder widerlegt.
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  1. Nach Olimpias Entlarvung kam Nathanael ins Tollhaus, wurde gesund und wollte mit Klara, Lothar und der Mutter auf ein geerbtes Gütchen ziehen. Auf dem Ratsturm griff er nach Coppolas Perspektiv, sah Klara an und wollte sie hinabwerfen; Lothar hat sie gerettet. Der Ruf „Feuerkreis, dreh dich“ greift Nathanaels Gedicht und seinen Wahnsinn nach dem Puppenstreit wieder auf.
  2. Hier spricht der Erzähler, nicht Nathanael, und er nennt Coppelius beim Namen: Er „ragte riesengroß“ aus der Menge hervor und schaut „wie die übrigen hinauf“. Damit ist er für die Erzählung so wirklich wie die Menschen auf dem Markt. Nathanael ruft „Sköne Oke“, Coppolas Worte beim Brillenverkauf: Coppelius und Coppola fallen in diesem Schrei zusammen, ohne dass der Text sagt, ob sie eine Person sind.
  3. Klara: nur der Glaube an die feindliche Macht macht sie feindlich; dafür spricht, dass der Wahn mit dem Blick durch das Perspektiv ausbricht und Klara später, wie der Erzähler vermutet, das „ruhige häusliche Glück“ findet. Dagegen spricht, dass der Erzähler Coppelius wirklich auftreten lässt und dieser Nathanaels Sturz voraussagt. Der Schluss entscheidet nicht; gerade das macht ihn unheimlich.

Lizenz und Nennung

Arbeitsblätter, Aufgaben, Lösungshinweise und Grafiken stehen unter CC BY 4.0. Sie dürfen sie kopieren, verändern und weitergeben, auch in Lernplattformen, wenn Sie die Quelle nennen, zum Beispiel: Arbeitsblatt: abitur-vorbereitung-online.de, CC BY 4.0. Werktext gemeinfrei, nach Wikisource (Ausgabe Berlin und Weimar 1994) in der Schreibweise dieser Vorlage (Klara, Spallanzani). Den ganzen Text finden Sie unter Der Sandmann online.

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