Pflichtlektüre Deutsch-Abitur 2027 · Kleist · Szenenanalyse

Der zerbrochne Krug: Analyse des 7. Auftritts, mit Zitaten

Im 7. Auftritt beginnt der Prozess. Frau Marthe klagt und beschreibt ihren Krug, Eve widerspricht ihrer Mutter, und Ruprecht erzählt, was er in der Nacht erlebt hat. Adam leitet die Verhandlung und verrät sich dabei fast in jedem Satz. Hier findest du Zusammenfassung, Aufbau, die wichtigsten Zitate, Sprache und Wirkung des Auftritts und einen Aufbau für die Szenenanalyse in der Klausur.

Ein Auftritt reicht nicht fürs Abitur

Im Lernzettel zum zerbrochnen Krug: alle 13 Auftritte, der 12. Auftritt in beiden Fassungen, Deutungsansätze mit Textstelle, ein Musterabsatz und die typischen Fehler. Dazu Heimsuchung, Operatoren und Klausurformate deines Landes. In jedem Ordner ist mindestens ein Lernzettel gratis.

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Stelle im Stück
7. von 13 Auftritten, Beginn der Gerichtsverhandlung
Figuren
Adam, Walter, Licht, Frau Marthe, Eve, Ruprecht, Veit
Ort
die Gerichtsstube in Huisum
Länge
der längste Auftritt des Stücks
Kern
Klage, Krugbeschreibung, Ruprechts Aussage
Wirkung
dramatische Ironie: Das Publikum ahnt, wer der Täter ist

Der 7. Auftritt in fünf Sätzen

Adam betritt den Gerichtssaal ohne Perücke und versucht vor der Sitzung heimlich, Eve mit einem Attest einzuschüchtern. Gerichtsrat Walter verlangt ein ordentliches Verfahren, und Adam muss den Fall verhandeln, in dem er selbst der Täter ist. Frau Marthe beschreibt ausführlich ihren zerbrochenen Krug und beschuldigt Ruprecht. Eve bestreitet, ihrer Mutter geschworen zu haben, dass Ruprecht es war. Ruprecht erzählt die Nacht aus seiner Sicht und beschreibt dabei, ohne es zu wissen, den Richter: einen Mann, der aus dem Fenster sprang und den er mit der Türklinke am Kopf traf.

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Zusammenfassung Schritt für Schritt

  1. Adam kommt herein, „im Ornat, doch ohne Perücke“. Beiseite fragt er sich: „Die werden mich doch nicht bei mir verklagen?“
  2. Drohung gegen Eve: Heimlich spricht er sie an und erinnert sie an das Attest, in dem der Name Ruprecht Tümpel stehe. Walter unterbricht: „Sprecht nicht mit den Parthei’n, Herr Richter Adam, / Vor der Session!“
  3. Ausreden: Seine Zerstreutheit erklärt Adam mit einem kranken Perlhuhn, das er „von einem Indienfahrer“ gekauft habe.
  4. Das Verfahren: Adam will den Fall schnell abschließen und Ruprecht als Täter ins Protokoll setzen. Walter bremst ihn. Adam beruft sich auf „Statuten, eigenthümliche, in Huisum, / Nicht aufgeschriebene“.
  5. Frau Marthes Klage: Bevor sie sagt, was dem Krug geschehen ist, beschreibt sie lange, was auf ihm abgebildet war und welche Geschichte er hat.
  6. Der Hergang aus Marthes Sicht: Gegen elf Uhr abends hörte sie Lärm in Eves Kammer, fand die Tür eingesprengt, den Krug in Scherben und Ruprecht im Zimmer. Eve habe ihr gesagt, Ruprecht sei es gewesen.
  7. Eves Widerspruch: Sie gibt zu, das gesagt zu haben, bestreitet aber, es geschworen zu haben: „Nichts schwor ich, nichts, nichts hab’ ich geschworen.“
  8. Ruprechts Aussage: Er wollte Eve heiraten, sah sie nachts mit einem anderen Mann im Garten, trat die Kammertür ein, sah einen Mann aus dem Fenster springen und schlug ihm mit der Türklinke auf den Kopf. Dann bekam er Sand in die Augen. Als Täter vermutet er den Flickschuster Lebrecht.
  9. Übergang: Frau Marthe will Eve als Zeugin hören. Adam windet sich, und der 8. Auftritt bringt erst einmal ein Glas Wasser.

Die Beschreibung des Krugs

Frau Marthe zeigt die Scherben: „Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr“. Auf dem Krug war die Übergabe der niederländischen Provinzen an den spanischen König Philipp abgebildet: „Hier grade auf dem Loch, wo jetzo nichts, / Sind die gesammten niederländischen Provinzen / Dem span’schen Philipp übergeben worden.“ Kaiser Karl V. ist nur noch an den Beinen zu erkennen. Historisch geht es um die Abdankung Karls V. in Brüssel 1555, bei der die Niederlande an seinen Sohn Philipp II. kamen (allgemeines Geschichtswissen).

Danach erzählt Marthe die Geschichte des Krugs: Childerich, ein Kesselflicker, erbeutete ihn, als die Wassergeusen Briel überrumpelten; dann ging er an Fürchtegott, den Totengräber, und an Zachäus, einen Schneider in Tirlemont, der ihn bei einer Plünderung aus dem Fenster warf, wobei der Krug ganz blieb; schließlich überstand er bei Marthes Mann eine Feuersbrunst.

Deutung: Die Beschreibung ist komisch, weil sie das Verfahren aufhält und Adam drängt: „Zur Sache, wenn’s beliebt, Frau Marthe Rull!“ Zugleich spiegelt sie das Thema des Stücks. Abgebildet ist ein Akt von Macht und Recht, und der Krug, der Kriege, Plünderung und Feuer überstanden hat, zerbricht ausgerechnet an einem Richter. Für Marthe steht der Krug außerdem für Besitz und Ehre des Hauses.

Dramatische Ironie: Adams Versprecher

Das Publikum weiß nach den ersten Auftritten mehr als die Figuren vor Gericht. Darum hört es in Adams Sätzen das, was er verbergen will.

  • „Die werden mich doch nicht bei mir verklagen?“ zeigt seine Angst, bevor ein Wort über den Fall gefallen ist.
  • „Es klirrte etwas, da ich Abschied nahm“, sagt er beiseite, als er an die Nacht denkt.
  • Als Marthe Ruprecht beschuldigt, freut er sich beiseite: „Mehr brauch ich nicht.“ und „Auf, aufgelebt, du alter Adam!“
  • Als Ruprecht vom Mann am Fenster erzählt, fragt Adam von sich aus: „War das der Leberecht?“, und schiebt später nach: „Wer sonst!“
  • Bei der Klinke fragt er nach („Wars eine Klinke?“), und als Ruprecht vom Sand erzählt, entfährt ihm: „Verdammt! Der traf!“

Licht spielt dabei mit. Er fragt, ob Adam an einen Degen gedacht habe, und stellt fest: „Eine Klinke / Hat sehr viel Aehnlichkeit mit einem Degen.“

Walter als Kontrolle

Gerichtsrat Walter merkt früh, dass etwas nicht stimmt. Er weist Adam zurecht und spricht den Verdacht fast schon aus:

„Wenn ihr selbst
Den Krug zerschlagen hättet, könntet ihr
Von euch ab den Verdacht nicht eifriger
Hinwälzen auf den jungen Mann, als jetzt.“

Für die Analyse ist das ein Schlüsselsatz: Walter formuliert als Vergleich, was das Publikum längst weiß. Gleichzeitig zeigt der Auftritt seine Grenze. Er beanstandet das Verfahren, beendet es aber nicht. Über Adams Rechtskenntnis urteilt er: „In eurem Kopf liegt Wissenschaft und Irrthum / Geknetet, innig, wie ein Teig, zusammen“.

Sprache und Komik

  • Blankvers mit vielen Brüchen: Die Verse werden oft auf mehrere Sprecher verteilt, Sätze brechen ab. Das bildet Unruhe und Unterbrechung ab.
  • Beiseitesprechen: Adams Bemerkungen „für sich“ verraten dem Publikum, was er denkt, und erzeugen die Ironie.
  • Erzählstil der Zeugen: Marthe und Ruprecht erzählen umständlich und bildhaft. Ruprecht nimmt sich viel Zeit, und Adam drängt („Bleib er bei seiner Sache.“). Komisch ist, dass ausgerechnet der Täter es eilig hat.
  • Amtslatein: Adam wirft mit Rechtsbegriffen um sich („Steht im Gesetzbuch / Nicht titulo, ist’s quarto? oder quinto?“), weiß aber nicht, ob eine Tochter für ihre Mutter aussagen darf.

Funktion im Stück

Der 7. Auftritt ist der Beginn der eigentlichen Aufdeckung. Das Stück ist ein analytisches Drama: Die Tat liegt vor dem Beginn, die Handlung besteht darin, sie aufzudecken. In diesem Auftritt kommen die entscheidenden Spuren erstmals auf den Tisch, der Mann am Fenster, die Wunde am Kopf, der Sand. Ruprechts Aussage passt genau zu dem, was das Publikum schon an Adam gesehen hat. Zugleich steigert der Auftritt die Spannung zwischen Adam und Walter und zeigt, wie Adam sein Amt benutzt, um Eve zum Schweigen zu bringen.

Szenenanalyse in der Klausur

  1. Einleitung: Autor, Titel, Lustspiel, Erstdruck 1811, Thema des Stücks in einem Satz.
  2. Einordnung: Was vorher passiert ist (Adams Wunden, die fehlende Perücke, Walters Ankunft) und dass hier der Prozess beginnt.
  3. Inhalt des Auszugs: knapp, im Präsens, ohne Nacherzählung jeder Zeile.
  4. Analyse: Gesprächsverlauf (wer lenkt, wer unterbricht), Beiseitesprechen, dramatische Ironie, Sprache der Figuren, Walters Rolle.
  5. Deutung und Schluss: Was der Auszug für das Ganze zeigt, etwa Amtsmissbrauch, Komik und Bedrohung, die Frage nach Wahrheit vor Gericht.

Beispielabsatz (von uns geschrieben, als Muster):

Im 7. Auftritt entsteht die Komik vor allem aus der dramatischen Ironie. Während Ruprecht von dem Mann erzählt, der aus Eves Fenster gesprungen ist, fragt Adam von sich aus: „War das der Leberecht?“ Damit lenkt er den Verdacht auf einen Abwesenden, noch bevor Ruprecht einen Namen genannt hat. Als Ruprecht von der Klinke und vom Sand berichtet, entfährt ihm sogar: „Verdammt! Der traf!“ Die Zuschauer wissen aus dem 1. Auftritt, dass Adam Wunden am Kopf hat, und erkennen deshalb, dass er über seine eigene Nacht spricht. Walter spricht den Verdacht wenig später fast aus, als er sagt, Adam könne den Verdacht nicht eifriger auf Ruprecht schieben, wenn er den Krug selbst zerschlagen hätte.

Häufige Fehler

  • Den ganzen Auftritt nacherzählenIn der Klausur liegt meist ein Ausschnitt vor. Ordne ihn ein und analysiere ihn, statt alles zu erzählen.
  • Die Krugbeschreibung nur als Füllstoff sehenSie ist komisch und spiegelt zugleich das Thema Macht und Recht. Sag, warum sie so lang ist.
  • Ruprecht für den Täter haltenEr hat Eve beschimpft und die Tür eingetreten, den Krug zerbrach aber der Mann, der durchs Fenster floh.
  • Dramatische Ironie nur behauptenZeig sie an einer Stelle: was die Figur sagt, was das Publikum weiß.

Häufige Fragen zum 7. Auftritt

Was passiert im 7. Auftritt von Der zerbrochne Krug?

Der Prozess beginnt. Frau Marthe klagt Ruprecht an und beschreibt ihren Krug, Eve bestreitet einen Schwur, und Ruprecht erzählt die Nacht. Adam leitet die Verhandlung, obwohl er selbst der Täter ist, und Walter rügt sein Verfahren.

Was ist auf dem Krug abgebildet?

Die Übergabe der niederländischen Provinzen an den spanischen König Philipp, mit Kaiser Karl V., Höflingen, Leibwachen und Häusern vom großen Markt in Brüssel.

Wer ist Lebrecht?

Ein Flickschuster aus dem Dorf, der laut Ruprecht Eve nachgestellt hat. Ruprecht hält ihn für den Mann am Fenster, Adam bestärkt ihn darin. Auftreten tut Lebrecht nicht.

Welche Rolle spielt Walter im 7. Auftritt?

Er verlangt ein Verfahren nach den Gesetzen, verbietet Adam heimliche Gespräche mit den Parteien und bemerkt, dass Adam den Verdacht auffällig eifrig auf Ruprecht schiebt.

Warum lässt Adam Eve nicht als Zeugin aussagen?

Er fürchtet, dass sie die Wahrheit sagt. Darum erfindet er eine angebliche Regel, nach der Töchter nicht für ihre Mütter zeugen dürfen. Walter lässt das nicht gelten.

Zitate nach dem Erstdruck von 1811 in der Schreibweise des Originals (Text bei Wikisource). Auftrittszählung der Druckfassung mit 13 Auftritten. Mehr zur Hauptfigur: Charakterisierung von Dorfrichter Adam.

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