Der zerbrochne Krug: kostenloses Unterrichtsmaterial, 5 Arbeitsblätter als PDF
Fünf Arbeitsblätter zu Kleists Lustspiel, jedes als eigenes PDF zum Ausdrucken, mit Lösungshinweisen auf einer zweiten Seite. Alle Zitate und Auszüge stammen wörtlich aus dem Erstdruck von 1811. Sie dürfen das Material frei nutzen, verändern und weitergeben (CC BY 4.0).
Inhalt und Deutung: Der zerbrochne Krug: Zusammenfassung
- Werk
- Heinrich von Kleist, Der zerbrochne Krug
- Einsatz
- Oberstufe, Abitur; ländergemeinsame Lektüre bis Abitur 2028
- Umfang
- 5 Arbeitsblätter, je ein PDF mit Lösungshinweisen
- Lizenz
- CC BY 4.0, Werktext gemeinfrei, Erstdruck 1811 in der Schreibweise des Originals
Alle Arbeitsblätter als PDF
Arbeitsblatt 1: Figurenkonstellation
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Die Grafik zeigt alle Figuren, die im Prozess um den zerbrochenen Krug auftreten, und ihre Beziehungen.
Aufgaben
- Erläutern Sie mithilfe der Grafik, warum Adam im Prozess in einer Doppelrolle steht.
- Beschreiben Sie das Verhältnis zwischen Adam und Licht. Belegen Sie Ihre Aussage mit einer Stelle aus dem 1. Auftritt.
- Ergänzen Sie die Grafik um eine Figur, die nur erwähnt wird und nicht auftritt (Hinweis: Ruprecht verdächtigt sie im 7. Auftritt).
Lösungshinweise anzeigen
- Adam ist Richter im Prozess um den Krug und zugleich der Täter. Walter prüft seine Amtsführung, Licht wartet auf sein Amt; die Beziehungen zu Eve (Erpressung mit einem falschen Attest) und zu Ruprecht (Schuldzuweisung) zeigen, wie er seine Macht nutzt.
- Licht ist Adams „Gevatter“ und möglicher Nachfolger. Beleg: „Ihr wißt, wie sich zwei Hände waschen können. / Ihr wollt auch gern, ich weiß, Dorfrichter werden“ (1. Auftritt).
- Lebrecht, ein Flickschuster, den Ruprecht als Verehrer Eves verdächtigt; er tritt nicht auf.
Arbeitsblatt 2: Der 1. Auftritt: „Gestrauchelt bin ich hier“
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Textauszug aus dem Beginn des Stücks: Schreiber Licht trifft Dorfrichter Adam verletzt in der Gerichtsstube.
LICHT
Ei, was zum Henker, sagt, Gevatter Adam!
Was ist mit euch geschehn? Wie seht ihr aus?
ADAM
Ja, seht. Zum Straucheln braucht’s doch nichts, als Füße.
Auf diesem glatten Boden, ist ein Strauch hier?
Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt
Den leid’gen Stein zum Anstoß in sich selbst.
LICHT
Nein, sagt mir, Freund! Den Stein trüg’ jeglicher –?
ADAM
Ja, in sich selbst!
LICHT
Verflucht das!
ADAM
Was beliebt?
LICHT
Ihr stammt von einem lockern Aeltervater,
Der so beim Anbeginn der Dinge fiel,
Und wegen seines Falls berühmt geworden;
Ihr seid doch nicht –?
ADAM
Nun?
LICHT
Gleichfalls –?
ADAM
Ob ich –? Ich glaube –?
Hier bin ich hingefallen, sag ich euch.
LICHT
Unbildlich hingeschlagen?
ADAM
Ja, unbildlich.
Es mag ein schlechtes Bild gewesen sein.
Aufgaben
- Geben Sie wieder, was Licht über Adams Zustand erfährt und wie Adam ihn erklärt.
- Analysieren Sie die Doppeldeutigkeit in Adams Satz „Gestrauchelt bin ich hier; denn jeder trägt / Den leid’gen Stein zum Anstoß in sich selbst.“
- Erläutern Sie Lichts Anspielung auf den „Aeltervater“ und ihre Funktion für den Beginn des Stücks.
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- Adam sitzt verletzt da und erklärt, er sei gestrauchelt und hingefallen. Licht fragt nach, ob das bildlich gemeint sei; Adam beharrt auf „unbildlich“.
- Wörtlich beschreibt der Satz einen Sturz. „Straucheln“ und „Stein zum Anstoß“ verweisen zugleich auf Schuld und Versuchung: Adam ist moralisch gefallen, der Grund liegt in ihm selbst. Der Satz deutet die Tat voraus, ohne dass Adam es will.
- Licht spielt auf den biblischen Adam an, der „beim Anbeginn der Dinge fiel“ (Sündenfall). Name und Bild machen das Publikum von Beginn an misstrauisch und verbinden den Sturz mit Schuld; Adams Versuch, das Bild zurückzunehmen („Es mag ein schlechtes Bild gewesen sein“), verstärkt den Verdacht.
Arbeitsblatt 3: Der Krug als Symbol: Frau Marthes Beschreibung
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Textauszug aus dem 7. Auftritt: Frau Marthe beschreibt vor Gericht, was auf ihrem Krug abgebildet war.
FRAU MARTHE
Seht ihr den Krug, ihr werthgeschätzten Herren?
Seht ihr den Krug?
ADAM
O ja, wir sehen ihn.
FRAU MARTHE
Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr;
Der Krüge schönster ist entzwei geschlagen.
Hier grade auf dem Loch, wo jetzo nichts,
Sind die gesammten niederländischen Provinzen
Dem span’schen Philipp übergeben worden.
Hier im Ornat stand Kaiser Carl der fünfte:
Von dem seht ihr nur noch die Beine stehn.
Hier kniete Philipp, und empfing die Krone:
Der liegt im Topf, bis auf den Hintertheil,
Und auch noch der hat einen Stoß empfangen.
Dort wischten seine beiden Muhmen sich,
Der Franzen und der Ungarn Königinnen,
Gerührt die Augen aus; wenn man die Eine
Die Hand noch mit dem Tuch empor sieht heben,
So ist’s, als weinete sie über sich.
Hier im Gefolge stützt sich Philibert,
Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen,
Noch auf das Schwerdt; doch jetzo müßt’ er fallen,
So gut wie Maximilian: der Schlingel!
Die Schwerdter unten jetzt sind weggeschlagen.
Hier in der Mitte, mit der heil’gen Mütze,
Sah man den Erzbischof von Arras stehn;
Den hat der Teufel ganz und gar geholt,
Sein Schatten nur fällt lang noch übers Pflaster.
Hier standen rings, im Grunde, Leibtrabanten,
Mit Hellebarden, dicht gedrängt, und Spießen,
Hier Häuser, seht, vom großen Markt zu Brüssel,
Hier guckt noch ein Neugier’ger aus dem Fenster:
Doch was er jetzo sieht, das weiß ich nicht.
ADAM
Frau Marth! Erlaßt uns das zerscherbte Pactum,
Wenn es zur Sache nicht gehört.
Uns geht das Loch – nichts die Provinzen an,
Die darauf übergeben worden sind.
Aufgaben
- Beschreiben Sie, was auf dem Krug abgebildet war.
- Erläutern Sie, wie Adam auf die Beschreibung reagiert, und begründen Sie seine Reaktion.
- Deuten Sie den zerbrochenen Krug als Symbol. Beziehen Sie Frau Marthes Satz aus dem 6. Auftritt ein: „Dein guter Name lag in diesem Topfe“.
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- Die Übergabe der gesamten niederländischen Provinzen an den spanischen König Philipp, mit Kaiser Karl V., Höflingen, dem Erzbischof von Arras, Leibwachen und Häusern vom großen Markt in Brüssel. Historisch die Abdankung Karls V. in Brüssel 1555 (allgemeines Geschichtswissen).
- Adam drängt („Frau Marth! Erlaßt uns das zerscherbte Pactum, / Wenn es zur Sache nicht gehört.“). Er will den Prozess schnell beenden, weil jede Verzögerung ihn als Täter gefährdet; zugleich entsteht Komik, weil ausgerechnet der Täter es eilig hat.
- Abgebildet war ein Akt von Herrschaft und Recht; der Krug, der Krieg, Plünderung und Feuer überstanden hat, zerbricht an einem Richter. Für Marthe steht er außerdem für die Ehre der Tochter: „Dein guter Name lag in diesem Topfe“ (6. Auftritt). Der zerbrochene Krug wird so zum Bild für beschädigtes Recht und beschädigte Ehre.
Arbeitsblatt 4: Adams Lügen
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Adam erklärt seine Wunden und seine fehlende Perücke mehrmals, und jedes Mal anders. Suchen Sie die Stellen im Text und füllen Sie die Tabelle aus.
| Was? | Wem gegenüber, welcher Auftritt? | Adams Erklärung (Zitat) |
|---|---|---|
| Wunden, Version 1 | ||
| Wunden, Version 2 | ||
| Perücke, Version 1 | ||
| Perücke, Version 2 |
Aufgaben
- Vergleichen Sie die Versionen und erklären Sie, was die Widersprüche über Adam zeigen.
- Erläutern Sie, wie die Widersprüche zur Komik des Stücks beitragen.
Lösungshinweise anzeigen
- Wunden 1: zu Licht, 1. Auftritt: beim Aufstehen gestolpert, mit der Stirn gegen den Ofen, „just wo ein Ziegenbock / Die Nase an der Ecke vorgestreckt“.
- Wunden 2: zu Walter, 10. Auftritt: „Glock halb sechs“ erst gegen die Ofenkante, dann rückwärts auf den Hinterkopf.
- Perücke 1: zu den Mägden und Licht, 2. Auftritt: aus Versehen mit dem Hut abgenommen, danach habe die Katze darin gejungt.
- Perücke 2: zu Walter, 10. Auftritt: beim Aktenlesen an der Kerze verbrannt, „wie Sodom und Gomorrha“.
- Adam passt seine Geschichte spontan dem Zuhörer an; er verteidigt keine Wahrheit. Das Publikum durchschaut ihn früher als die Figuren, daraus entsteht Komik.
Arbeitsblatt 5: Szenenanalyse: Ruprechts Bericht im 7. Auftritt
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Textauszug aus dem 7. Auftritt: Ruprecht berichtet vor Gericht von der Nacht.
RUPRECHT
Just da sie auf jetzt rasselt,
Stürzt dort der Krug vom Sims ins Zimmer hin,
Und husch! springt Einer aus dem Fenster euch:
Ich seh die Schöße noch vom Rocke wehn.
ADAM
War das der Leberecht?
RUPRECHT
Wer sonst, Herr Richter?
Das Mädchen steht, die werf’ ich über’n Haufen,
Zum Fenster eil’ ich hin, und find’ den Kerl
Noch in den Pfählen hangen, am Spalier,
Wo sich das Weinlaub aufrankt bis zum Dach.
Und da die Klinke in der Hand mir blieb,
Als ich die Thür eindonnerte, so reiß’ ich
Jetzt mit dem Stahl Eins pfundschwer über’n Detz ihm:
Den just, Herr Richter, konnt’ ich noch erreichen.
ADAM
Wars eine Klinke?
RUPRECHT
Was?
ADAM
Ob’s –
RUPRECHT
Ja, die Thürklinke.
ADAM
Darum.
LICHT
Ihr glaubtet wohl, es war ein Degen?
ADAM
Ein Degen? Ich – wie so?
Aufgaben
- Ordnen Sie den Auszug in den Handlungsverlauf ein.
- Analysieren Sie, wie Adams Zwischenfragen die dramatische Ironie erzeugen.
- Erläutern Sie Lichts Bemerkung zum „Degen“ im Hinblick auf seine Rolle im Stück.
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- 7. Auftritt, Beginn der Verhandlung: Nach Marthes Klage und Eves Widerspruch sagt Ruprecht aus. Das Publikum kennt Adams Kopfwunden und die fehlende Perücke aus den Auftritten 1 und 2.
- Adam macht den Flickschuster, den Ruprecht vorher nur als Verehrer Eves erwähnt hat, sofort zum Täter („War das der Leberecht?“) und fragt nach der Waffe („Wars eine Klinke?“). Er zeigt Interesse an genau den Einzelheiten, die ihn betreffen; das Publikum erkennt in Ruprechts Bericht Adams eigene Nacht.
- Licht deutet an, Adam habe an einen Degen gedacht, und treibt so die Entlarvung voran. Das passt zu seinem Interesse an Adams Amt.
Lizenz und Nennung
Arbeitsblätter, Aufgaben, Lösungshinweise und Grafiken stehen unter CC BY 4.0. Sie dürfen sie kopieren, verändern und weitergeben, auch in Lernplattformen, wenn Sie die Quelle nennen, zum Beispiel: Arbeitsblatt: abitur-vorbereitung-online.de, CC BY 4.0. Werktext gemeinfrei, Erstdruck 1811 in der Schreibweise des Originals.
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