Faust I (Goethe): kostenloses Unterrichtsmaterial, 5 Arbeitsblätter als PDF
Fünf Arbeitsblätter zu Goethes Tragödie, jedes als eigenes PDF zum Ausdrucken, mit Lösungshinweisen auf einer zweiten Seite. Alle Auszüge stehen wörtlich im Text, den Sie auf unserer Lese-Seite vollständig finden, die Verszahlen folgen der üblichen Zählung. Sie dürfen das Material frei nutzen, verändern und weitergeben (CC BY 4.0).
Inhalt und Deutung: Faust I: Zusammenfassung · Faust I: ganzer Text online
- Werk
- Johann Wolfgang von Goethe, Faust I
- Einsatz
- Oberstufe, Sturm und Drang und Klassik; im Abitur 2027 Pflichtlektüre in Hessen
- Umfang
- 5 Arbeitsblätter, je ein PDF mit Lösungshinweisen
- Lizenz
- CC BY 4.0, Werktext gemeinfrei, nach zeno.org (Hamburger Ausgabe, Band 3); Verszahlen nach der üblichen Zählung
Alle Arbeitsblätter als PDF
- Arbeitsblatt 1: Der Eingangsmonolog (Nacht, V. 354–385) (PDF)
- Arbeitsblatt 2: Mephisto stellt sich vor (Studierzimmer I) (PDF)
- Arbeitsblatt 3: Die Wette (Studierzimmer II, V. 1692–1706) (PDF)
- Arbeitsblatt 4: Die Gretchenfrage (Marthens Garten, ab V. 3415) (PDF)
- Arbeitsblatt 5: Der Schluss im Kerker (V. 4605–4612) (PDF)
Arbeitsblatt 1: Der Eingangsmonolog (Nacht, V. 354–385)
📄 Arbeitsblatt 1 als PDF herunterladen (Seite 2: Lösungshinweise)
Textauszug vom Beginn der Szene „Nacht“: Faust sitzt unruhig an seinem Pult.
FAUST
Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh' ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor!
Heiße Magister, heiße Doktor gar,
Und ziehe schon an die zehen Jahr'
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum –
Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar bin ich gescheiter als alle die Laffen,
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen;
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –
Dafür ist mir auch alle Freud' entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab' ich weder Gut noch Geld,
Noch Ehr' und Herrlichkeit der Welt;
Es möchte kein Hund so länger leben!
Drum hab' ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;
Daß ich nicht mehr mit sauerm Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau' alle Wirkenskraft und Samen,
Und tu' nicht mehr in Worten kramen.
Aufgaben
- Geben Sie Fausts Lage mit eigenen Worten wieder.
- Untersuchen Sie die Form des Monologs (Vers, Reim, Satzbau) und ihre Wirkung.
- Erläutern Sie, was Faust mit der Magie sucht: „Daß ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält“ (V. 382 f.).
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- Faust hat Philosophie, Juristerei, Medizin und Theologie studiert und erkennt, „daß wir nichts wissen können“. Er ist Magister und Doktor, fühlt sich klüger als andere, hat aber weder Freude noch Geld, Ehre oder Ansehen. Deshalb hat er sich der Magie ergeben.
- Faust spricht im Knittelvers: gereimte Paare mit vier betonten Silben und freier Zahl unbetonter Silben. Das klingt altertümlich und volkstümlich und passt zum alten Gelehrten. Ausrufe („Habe nun, ach!“), Aufzählungen und Gedankenstriche zeigen Unruhe und Verzweiflung.
- Faust will kein Bücherwissen mehr („nicht mehr in Worten kramen“), sondern unmittelbare Erkenntnis des inneren Zusammenhangs der Natur („alle Wirkenskraft und Samen“). Daraus entsteht seine Krise und die Bereitschaft, sich auf Geister und später auf Mephisto einzulassen.
Arbeitsblatt 2: Mephisto stellt sich vor (Studierzimmer I)
📄 Arbeitsblatt 2 als PDF herunterladen (Seite 2: Lösungshinweise)
Textauszug: Der Pudel hat sich in Mephistopheles verwandelt. Faust fragt ihn, wer er sei.
FAUST
Bei euch, ihr Herrn, kann man das Wesen
Gewöhnlich aus dem Namen lesen,
Wo es sich allzudeutlich weist,
Wenn man euch Fliegengott, Verderber, Lügner heißt.
Nun gut, wer bist du denn?
MEPHISTOPHELES
Ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
FAUST
Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?
MEPHISTOPHELES
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär's, daß nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.
Aufgaben
- Geben Sie wieder, wie Mephisto sich selbst beschreibt.
- Erläutern Sie das Paradox „Ein Teil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ (V. 1335 f.). Beziehen Sie den Satz des Herrn aus dem Prolog ein: „Es irrt der Mensch, solang' er strebt“ (V. 317).
- Charakterisieren Sie Mephisto anhand dieser Stelle.
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- Mephisto nennt sich „Ein Teil von jener Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ und „der Geist, der stets verneint“. Alles, was entsteht, sei es wert, zugrunde zu gehen; Sünde und Zerstörung seien sein „eigentliches Element“.
- Mephisto will das Böse, dient aber, ohne es zu wollen, dem Plan des Herrn. Im Prolog erlaubt der Herr die Versuchung, weil der strebende Mensch zwar irrt, aber nicht verloren ist. Das Böse wird so Teil einer größeren Ordnung, in der es am Ende Gutes bewirkt.
- Mephisto ist geistreich, spöttisch und selbstbewusst; er spricht in Rätseln und Paradoxen. Er verneint alles Entstehende und liebt die Zerstörung, ist aber zugleich an die Ordnung des Herrn gebunden.
Arbeitsblatt 3: Die Wette (Studierzimmer II, V. 1692–1706)
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Textauszug: Mephisto hat angeboten, Faust auf Erden zu dienen, wenn Faust ihm „drüben“ dient. Faust antwortet mit einer Wette.
FAUST
Werd' ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen,
So sei es gleich um mich getan!
Kannst du mich schmeichelnd je belügen,
Daß ich mir selbst gefallen mag,
Kannst du mich mit Genuß betrügen,
Das sei für mich der letzte Tag!
Die Wette biet' ich!
MEPHISTOPHELES
Topp!
FAUST
Und Schlag auf Schlag!
Werd' ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!
Dann mag die Totenglocke schallen,
Dann bist du deines Dienstes frei,
Die Uhr mag stehn, der Zeiger fallen,
Es sei die Zeit für mich vorbei!
Aufgaben
- Geben Sie die Bedingung der Wette mit eigenen Worten wieder.
- Erläutern Sie, warum Faust die Wette für ungefährlich hält.
- Vergleichen Sie Fausts Wette mit Mephistos Angebot eines Pakts. Was ist der Unterschied?
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- Faust verliert, wenn er jemals zufrieden ruht, sich von Genuss betrügen lässt und zu einem Augenblick sagt: „Verweile doch! du bist so schön!“ Dann darf Mephisto ihn in Fesseln schlagen, und Faust will „gern zugrunde gehn“.
- Faust glaubt, dass ihn nichts Irdisches je zufriedenstellen kann; seine Unruhe ist sein Wesen. Deshalb wettet er auf seine eigene Rastlosigkeit.
- Mephistos Angebot ist ein Tausch: Dienst hier, Dienst „drüben“. Faust macht daraus eine Wette, die nicht an die Zeit nach dem Tod gebunden ist, sondern an einen Zustand: das Stillstehen im Genuss. Entscheidend wird so Fausts Streben, nicht die Zahl der Jahre.
Arbeitsblatt 4: Die Gretchenfrage (Marthens Garten, ab V. 3415)
📄 Arbeitsblatt 4 als PDF herunterladen (Seite 2: Lösungshinweise)
Textauszug: Gretchen und Faust im Garten der Nachbarin Marthe.
MARGARETE
Nun sag, wie hast du's mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub', du hältst nicht viel davon.
FAUST
Laß das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut;
Für meine Lieben ließ' ich Leib und Blut,
Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.
MARGARETE
Das ist nicht recht, man muß dran glauben!
FAUST
Muß man?
MARGARETE
Ach! wenn ich etwas auf dich könnte!
Du ehrst auch nicht die heil'gen Sakramente.
FAUST
Ich ehre sie.
MARGARETE
Doch ohne Verlangen.
Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen.
Glaubst du an Gott?
FAUST
Mein Liebchen, wer darf sagen:
Ich glaub' an Gott?
Magst Priester oder Weise fragen,
Und ihre Antwort scheint nur Spott
Über den Frager zu sein.
MARGARETE
So glaubst du nicht?
FAUST
Mißhör mich nicht, du holdes Angesicht!
Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
Ich glaub' ihn.
Wer empfinden,
Und sich unterwinden
Zu sagen: ich glaub' ihn nicht?
Aufgaben
- Beschreiben Sie, wie Gretchen fragt und wie Faust antwortet.
- Untersuchen Sie, wie sich Fausts Sprache verändert, als er über Gott spricht. Beziehen Sie die Fortsetzung der Rede ein, die mit „Der Allumfasser, / Der Allerhalter“ beginnt und mit „Gefühl ist alles; / Name ist Schall und Rauch“ endet.
- Beurteilen Sie, ob Faust Gretchens Frage beantwortet.
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- Gretchen fragt direkt und einfach („Glaubst du an Gott?“) und denkt an Kirche, Messe und Sakramente. Faust weicht aus („Laß das, mein Kind!“, „Muß man?“) und antwortet mit Gegenfragen.
- Faust wechselt von kurzen Repliken zu freien, ungereimten Versen voller Fragen und Bilder (Himmel, Erde, Sterne). Er spricht von Gott als „Der Allumfasser, / Der Allerhalter“ und endet: „Gefühl ist alles; / Name ist Schall und Rauch“. Die Sprache wird feierlich und schwärmerisch.
- Faust gibt eine pantheistische Antwort: Das Göttliche ist im Gefühl erfahrbar, ein Name trifft es nicht. Auf Gretchens Frage nach Kirche und Glauben antwortet er nicht klar. Die beiden reden aneinander vorbei; die Szene zeigt den Abstand zwischen dem Gelehrten und dem frommen Mädchen.
Arbeitsblatt 5: Der Schluss im Kerker (V. 4605–4612)
📄 Arbeitsblatt 5 als PDF herunterladen (Seite 2: Lösungshinweise)
Textauszug vom Ende: Gretchen ist im Kerker. Faust will sie befreien, sie weigert sich.
MARGARETE
Gericht Gottes! dir hab' ich mich übergeben!
MEPHISTOPHELES (zu Faust)
Komm! komm! Ich lasse dich mit ihr im Stich.
MARGARETE
Dein bin ich, Vater! Rette mich!
Ihr Engel! Ihr heiligen Scharen,
Lagert euch umher, mich zu bewahren!
Heinrich! Mir graut's vor dir.
MEPHISTOPHELES
Sie ist gerichtet!
STIMME (von oben)
Ist gerettet!
MEPHISTOPHELES (zu Faust)
Her zu mir!
(Verschwindet mit Faust.)
STIMME (von innen, verhallend)
Heinrich! Heinrich!
Aufgaben
- Ordnen Sie den Auszug in die Gretchentragödie ein.
- Erläutern Sie den Gegensatz „Sie ist gerichtet!“ und „Ist gerettet!“ (V. 4611).
- Deuten Sie den Schluss: Wer siegt hier, und was bedeutet das letzte „Heinrich! Heinrich!“?
Lösungshinweise anzeigen
- Gretchens Mutter ist durch den Schlaftrunk gestorben, ihr Bruder Valentin im Kampf mit Faust, ihr Kind hat sie ertränkt. Sie sitzt im Kerker und soll hingerichtet werden. Faust kommt mit Mephistos Hilfe, sie lehnt die Flucht ab.
- Mephisto urteilt nach weltlichem Recht: Gretchen ist verurteilt. Die Stimme von oben spricht von Gottes Urteil: Weil sie sich „Gericht Gottes“ übergibt, ist sie gerettet. Zwei Ordnungen stehen gegeneinander.
- Gretchen siegt über Mephisto, weil sie die Flucht mit seiner Hilfe ablehnt; sie wendet sich vom Bösen ab („Heinrich! Mir graut's vor dir.“). Faust verschwindet mit Mephisto. Das verhallende „Heinrich! Heinrich!“ ruft ihn zurück und lässt offen, ob er noch zu retten ist; die Gelehrtentragödie geht in Faust II weiter.
Lizenz und Nennung
Arbeitsblätter, Aufgaben, Lösungshinweise und Grafiken stehen unter CC BY 4.0. Sie dürfen sie kopieren, verändern und weitergeben, auch in Lernplattformen, wenn Sie die Quelle nennen, zum Beispiel: Arbeitsblatt: abitur-vorbereitung-online.de, CC BY 4.0. Werktext gemeinfrei, nach zeno.org (Hamburger Ausgabe, Band 3); Verszahlen nach der üblichen Zählung. Den ganzen Text finden Sie unter Faust I online.
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