Heimsuchung (Erpenbeck): kostenloses Unterrichtsmaterial, 5 Arbeitsblätter als PDF
Fünf Arbeitsblätter zu Jenny Erpenbecks Roman, jedes als eigenes PDF zum Ausdrucken, mit Lösungshinweisen auf einer zweiten Seite. Weil der Roman urheberrechtlich geschützt ist, arbeiten die Blätter mit kurzen Belegzitaten und verweisen für Textstellen auf Ihre Schulausgabe. Sie dürfen das Material frei nutzen, verändern und weitergeben (CC BY 4.0).
Inhalt und Deutung: Heimsuchung: Zusammenfassung
- Werk
- Jenny Erpenbeck, Heimsuchung
- Einsatz
- Oberstufe, Abitur; ländergemeinsame Lektüre bis Abitur 2028
- Umfang
- 5 Arbeitsblätter, je ein PDF mit Lösungshinweisen
- Lizenz
- CC BY 4.0, Kurze Belegzitate aus Jenny Erpenbeck, Heimsuchung (2008); Seitenangaben bitte nach Ihrer Schulausgabe
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Arbeitsblatt 1: Aufbau und Kapitel
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Der Roman erzählt nicht von einer Hauptfigur, sondern von einem Ort: einem Grundstück mit Haus am See, den der Roman Märkisches Meer nennt. Die Grafik zeigt den Aufbau.
Aufgaben
- Beschreiben Sie den Aufbau des Romans mithilfe der Grafik.
- Erläutern Sie, warum die Reihenfolge der Kapitel nicht die Reihenfolge der Ereignisse ist. Nennen Sie ein Beispiel.
- Erklären Sie, warum die meisten Figuren keinen Namen, sondern eine Rollenbezeichnung tragen.
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- Nach dem Prolog folgen 22 Kapitel und ein Epilog. Die ungeraden Kapitel 1 bis 21 heißen jeweils „Der Gärtner“ und stehen vor dem Bewohnerkapitel; die geraden Kapitel 2 bis 22 erzählen je eine Figur. In Kapitel 21 verschwindet der Gärtner, nach Kapitel 22 folgt kein Gärtner-Kapitel mehr. Im Epilog wird das Haus abgerissen.
- Die Kapitel springen vor und zurück. Beispiel: Das Kapitel über den Architekten (Kapitel 4) spielt Anfang der 1950er-Jahre, das über die jüdische Familie (Kapitel 6) danach in den 1930er-Jahren.
- Mit Vornamen erscheinen vor allem die jüdische Familie und die Bauernfamilie, alle anderen heißen nach ihrer Rolle. Deutung: Die Rollennamen machen jede Figur zum Beispiel für ihre Zeit, die Namen halten die Ermordeten fest.
Arbeitsblatt 2: Der Gärtner
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Vor jedem Bewohnerkapitel steht ein kurzes Kapitel „Der Gärtner“. Lesen Sie zwei Gärtner-Kapitel Ihrer Wahl und das Kapitel 21.
| Frage | Beobachtung mit Textstelle (Kapitel, Seite) |
|---|---|
| Was tut der Gärtner? | |
| Spricht oder urteilt er? | |
| Was weiß das Dorf über ihn? | |
| Was passiert in Kapitel 21? |
Aufgaben
- Charakterisieren Sie den Gärtner anhand Ihrer Beobachtungen.
- Erläutern Sie die Funktion der Gärtner-Kapitel für den Aufbau und die Wirkung des Romans.
- Deuten Sie, dass der Gärtner vor dem letzten Bewohnerkapitel verschwindet.
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- Der Gärtner arbeitet auf dem Grundstück, spricht aber nicht und urteilt nicht. Im Dorf weiß niemand, woher er kommt. In Kapitel 21 zieht er sich zurück und verschwindet.
- Die Gärtner-Kapitel stehen regelmäßig zwischen den Bewohnerkapiteln und bilden einen ruhigen Gegenpol zu den wechselnden Schicksalen. Weil der Gärtner wortlos bleibt und nichts erklärt, müssen die Lesenden das Urteil über die Figuren selbst begründen. Typischer Fehler: den Gärtner zum Erzähler machen.
- Mit dem Verschwinden des Gärtners endet die gepflegte, beständige Seite des Ortes; danach verliert die letzte Bewohnerin das Haus, und im Epilog wird es abgerissen. Eine begründete eigene Deutung ist hier gefragt.
Arbeitsblatt 3: Eine Nacht, zwei Sichten
📄 Arbeitsblatt 3 als PDF herunterladen (Seite 2: Lösungshinweise)
Die Nacht bei Kriegsende, in der ein junger sowjetischer Offizier die Frau des Architekten in einem geheimen Schrank findet, wird zweimal erzählt: im Kapitel „Die Frau des Architekten“ (Kapitel 8) und im Kapitel „Der Rotarmist“ (Kapitel 12).
| Frage | Kapitel 8: Die Frau des Architekten | Kapitel 12: Der Rotarmist |
|---|---|---|
| Wer erzählt, aus welchem Abstand? | ||
| Was erfahren wir über die Vorgeschichte der Figur? | ||
| Wie wird die Nacht erzählt (Tempo, Sprache)? |
Aufgaben
- Vergleichen Sie die beiden Kapitel mithilfe der Tabelle.
- Erläutern Sie die Wendung vom „Loch in ihre Ewigkeit“ (Kapitel 8).
- Beurteilen Sie, was der Wechsel der Perspektive für die Bewertung der Figuren bewirkt.
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- Hinweis: Beide Kapitel schildern sexuelle Gewalt. Es empfiehlt sich, das vor der Lektüre anzukündigen.
- Kapitel 8: Sechs Jahre nach dem Krieg erinnert sich die Frau an ihr Leben im Haus; bei Kriegsende hat sie sich im geheimen Schrank versteckt, der Offizier fand sie dort, es kam zu einem erzwungenen Geschlechtsakt. Kapitel 12: Der junge Offizier, dessen Familie von deutschen Soldaten ermordet wurde, besetzt mit seinen Männern das Haus; dieselbe Nacht wird aus seiner Sicht erzählt. Erzählt wird im Roman meist zeitraffend, die Szene im Schrank dagegen sehr langsam.
- „Ewigkeit“ steht für das Leben, das sie für immer friedlich am See führen wollte: das Haus, die Gäste, die Sommer. Das „Loch“ ist die Nacht bei Kriegsende; seitdem ist diese Zeit nicht mehr heil.
- Der Roman erzählt Gewalt aus beiden Richtungen: Der Rotarmist ist Opfer (seine Familie wurde von Deutschen ermordet) und Täter. Wer beide Sichten nennt, urteilt nicht vorschnell, sondern zeigt, was der Perspektivwechsel bewirkt. Typischer Fehler: Figuren nur in Täter und Opfer sortieren.
Arbeitsblatt 4: Leitmotive und Titel
📄 Arbeitsblatt 4 als PDF herunterladen (Seite 2: Lösungshinweise)
Leitmotive sind Wörter, Bilder oder Dinge, die immer wiederkehren und Stellen miteinander verbinden. In „Heimsuchung“ sind das zum Beispiel der Schrank mit dem geheimen Mechanismus, das Badehaus, der Satz „Ich kehre heim“ und im Kapitel des Architekten das Wort „Abschließen“.
| Leitmotiv | Kapitel, in denen es vorkommt | Was es dort bedeutet |
|---|---|---|
| Der Schrank | ||
| Der Satz „Ich kehre heim“ | ||
| „Abschließen“ | ||
| Das Badehaus |
Aufgaben
- Untersuchen Sie, in welchen Kapiteln die Leitmotive vorkommen, und füllen Sie die Tabelle aus.
- Erläutern Sie die doppelte Bedeutung des Titels „Heimsuchung“.
- Interpretieren Sie den Satz „I-c-h k-e-h-r-e h-e-i-m“, den die Schriftstellerin an der Schreibmaschine tippt (Kapitel „Die Schriftstellerin“).
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- Der Schrank verbindet die Kapitel der Frau des Architekten, des Rotarmisten und der unberechtigten Eigenbesitzerin, die sich am Ende im selben Schrank versteckt. „Ich kehre heim“ gehört zur Schriftstellerin. „Abschließen“ prägt das Kapitel des Architekten, der vor der Flucht ein letztes Mal durch sein Haus geht. Die Leitmotive verbinden Kapitel, die zeitlich weit auseinanderliegen.
- Eine Heimsuchung ist ein Unglück, das über Menschen hereinbricht; im Wort steckt auch „ein Heim suchen“. Beides passiert: Die Figuren suchen am See ein Zuhause, und die Geschichte des 20. Jahrhunderts sucht sie heim.
- Die Bindestriche zerlegen den Satz in einzelne Buchstaben. Die Heimkehr wird nicht behauptet, sie wird mühsam getippt, Anschlag für Anschlag. Das passt zu ihrer Lage: Sie ist aus dem Exil in die DDR zurückgekehrt, hat das Haus aber nur vom Staat gepachtet und streitet mit dem Nachbarn um das Grundstück. Die Heimkehr ist nicht abgeschlossen.
Arbeitsblatt 5: Besitz und Rückgabe: eine Erörterung vorbereiten
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Wer am See baut, kauft, flieht oder enteignet wird, entscheidet im Roman jedes Mal die Politik. Wer in der DDR enteignet worden war, konnte nach der Wende sein Grundstück zurückfordern (Restitution).
| Figur | Wie kommt sie an das Grundstück, wie verliert sie es? |
|---|---|
| Der Großbauer (Kapitel 2) | |
| Der Architekt (Kapitel 4) | |
| Der Tuchfabrikant (Kapitel 6) | |
| Die Schriftstellerin (Kapitel 14) | |
| Die unberechtigte Eigenbesitzerin (Kapitel 22) |
Aufgaben
- Stellen Sie in der Tabelle dar, wie die Figuren an das Grundstück kommen und es wieder verlieren.
- Erörtern Sie die These: „In ‚Heimsuchung‘ ist Besitz immer nur vorläufig.“ Beziehen Sie Prolog und Epilog ein.
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- Großbauer: lässt seine Tochter Klara entmündigen, teilt ihr Erbe, den Wald am See, und verkauft drei Grundstücke. Architekt: kauft 1939 das Nachbargrundstück der jüdischen Familie weit unter Wert, muss Anfang der 1950er in den Westen fliehen. Tuchfabrikant: verkauft 1939, um auszureisen; die Ausreise scheitert, das Ehepaar wird ermordet. Schriftstellerin: hat das Haus vom Staat gepachtet. Eigenbesitzerin: muss das Haus aufgeben, weil die Erben der Frau des Architekten es zurückfordern.
- Für die These: Jeder Erwerb hat eine Vorgeschichte, und jede Figur verliert den Ort wieder; der Prolog sagt, dass auch der See einmal verschwinden wird, und im Epilog wird das Haus abgerissen. Gegen eine zu glatte Lesart: Der Verlust trifft die Figuren sehr unterschiedlich, von der Flucht bis zum Mord; Besitz und Unrecht sind eng verbunden. Erwartet wird ein begründetes eigenes Urteil mit Belegen aus mehreren Kapiteln.
Lizenz und Nennung
Arbeitsblätter, Aufgaben, Lösungshinweise und Grafiken stehen unter CC BY 4.0. Sie dürfen sie kopieren, verändern und weitergeben, auch in Lernplattformen, wenn Sie die Quelle nennen, zum Beispiel: Arbeitsblatt: abitur-vorbereitung-online.de, CC BY 4.0. Kurze Belegzitate aus Jenny Erpenbeck, Heimsuchung (2008); Seitenangaben bitte nach Ihrer Schulausgabe.
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