Pflichtlektüre Deutsch-Abitur 2027 · Sachsen (Leistungskurs)

Maria Stuart (Friedrich Schiller): Lernzettel zu Handlung, Figuren, Form und Abitur 2027

Eine Königin sitzt in England gefangen, die andere soll ihr Todesurteil unterschreiben. Dazwischen ein Hof voller Intrigen und eine Begegnung, die es nie gab. Dieser Lernzettel zu Maria Stuart gibt dir die Handlung nach Aufzügen, die Figuren, die Schlüsselszene, Themen, Form und typische Klausuraufgaben, kompakt fürs Abitur.

Dein Deutsch-Abitur 2027 ist mehr als Maria Stuart

In der Karte zu Maria Stuart: worum es geht und wer wer ist, die Begegnung der Königinnen im dritten Akt Schritt für Schritt mit Musterabsatz, danach übst du dieselben Schritte an einer zweiten Stelle. Dazu die Stellen, die du kennen solltest, Fachwörter und typische Fehler. Außerdem alle Pflichtlektüren für Sachsen, Operatoren und Klausurformate. Die erste Karte jeder Kategorie ist gratis.

Maria Stuart ist 2027 Pflichtlektüre in Sachsen (Leistungskurs).

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Der Lernzettel unten bleibt frei lesbar.

Autor
Friedrich Schiller
Gattung
Trauerspiel in fünf Aufzügen
Uraufführung
14. Juni 1800, Hoftheater Weimar
Buchausgabe
1801
Schauplätze
Schloss Fotheringhay (Maria), Palast zu Westminster (Elisabeth), ein Park
Epoche
Weimarer Klassik
Form
geschlossenes Drama, Blankvers
Abitur 2027
Sachsen, Leistungskurs: möglicher Prüfungsstoff (Ganzschrift)

Maria Stuart: Handlung

Maria Stuart, Königin von Schottland, ist in England gefangen, im Schloss Fotheringhay. Ein Gericht aus 42 Richtern hat sie zum Tod verurteilt, weil sie mit der Verschwörung des Babington gegen Elisabeth einverstanden gewesen sein soll. Maria erkennt dieses Gericht nicht an. Elisabeth, Königin von England, muss das Urteil nur noch unterschreiben. Sie zögert.

Am Hof drängt Burleigh auf die Hinrichtung, Shrewsbury rät zur Gnade, Leicester hält Maria für ungefährlich. Heimlich will Leicester Maria retten. Der junge Mortimer, Neffe von Marias Bewacher Paulet, ist zum katholischen Glauben übergetreten und plant ihre Befreiung. Elisabeth glaubt, er werde Maria für sie heimlich töten.

Leicester richtet ein scheinbar zufälliges Treffen der Königinnen im Park von Fotheringhay ein. Maria kniet vor Elisabeth und bittet. Elisabeth demütigt sie. Da verliert Maria die Beherrschung und beleidigt Elisabeth vor deren Gefolge. Kurz darauf greift ein Mönch Elisabeth auf dem Weg nach London an, sie überlebt. Mortimers Plan fliegt auf. Leicester rettet sich, indem er Mortimer verrät, und Mortimer ersticht sich.

Das Volk fordert Marias Tod. Elisabeth unterschreibt, gibt das Blatt aber ohne klaren Befehl an ihren Staatssekretär Davison. Burleigh reißt es ihm aus der Hand. Maria geht gefasst und versöhnt in den Tod, Leicester muss die Hinrichtung begleiten. Danach schiebt Elisabeth die Schuld auf andere: Burleigh wird verbannt, Davison kommt in den Tower, Shrewsbury gibt sein Amt zurück, Leicester ist nach Frankreich geflohen. Elisabeth bleibt allein.

Die fünf Aufzüge

Schiller sagt Aufzug und Auftritt statt Akt und Szene. In der Klausur liegt meist ein Auszug vor dir. Wenn du ihn einem Aufzug zuordnen kannst, sparst du dir die Nacherzählung. Tippe einen Aufzug an.

I. Aufzug Fotheringhay: Maria in Haft

Paulet durchsucht Marias Schrank, die Amme Hanna Kennedy protestiert (I,1). Maria gesteht Kennedy, dass sie vom Mord an ihrem Mann Darnley wusste (I,4). Mortimer gibt sich als Retter zu erkennen, Maria schickt ihn mit Brief und Bildnis zu Leicester (I,6). Burleigh verkündet das Urteil, Maria bestreitet das Recht des Gerichts (I,7).

II. Aufzug Westminster: Elisabeths Hof

Elisabeth schenkt dem französischen Gesandten einen Ring für die geplante Heirat mit dem Duc von Anjou (II,2). Im Staatsrat streiten Burleigh, Shrewsbury und Leicester über Marias Schicksal (II,3). Elisabeth deutet Mortimer an, er solle Maria heimlich töten, er sagt zum Schein zu (II,5, II,6). Mortimer übergibt Leicester Marias Brief (II,8). Leicester überredet Elisabeth zum Treffen im Park (II,9).

III. Aufzug Der Park: die Begegnung

Maria genießt die Luft im Park (III,1). Elisabeth kommt, Maria fleht, wird gedemütigt und schlägt zurück (III,4). Mortimer hat alles gehört, will sie mit Gewalt befreien und bedrängt sie (III,6). Ein Mönch hat Elisabeth auf dem Weg nach London angegriffen, Shrewsbury entwaffnete ihn. Mortimer flieht nicht (III,8).

IV. Aufzug Der Palast: Verrat und Unterschrift

Burleigh lässt den Befehl zur Hinrichtung aufsetzen (IV,2). Leicester lässt Mortimer festnehmen, der ersticht sich (IV,4). Leicester redet sich vor Elisabeth heraus und soll nun die Vollstreckung leiten (IV,6). Das Volk tobt vor dem Palast (IV,7). Elisabeth unterschreibt allein (IV,10), überlässt Davison das Blatt ohne klare Weisung (IV,11), Burleigh entreißt es ihm (IV,12).

V. Aufzug Marias Tod und Elisabeths Einsamkeit

Marias Diener nehmen Abschied (V,1 bis V,6). Melvil zeigt sich als Priester und nimmt ihr die Beichte ab (V,7). Maria lässt Elisabeth sagen, dass sie ihr den Tod vergibt (V,8). Leicester, der sie verraten hat, sagt sie sanft, aber deutlich Lebewohl, dann geht sie zum Schafott (V,9). Leicester hört die Hinrichtung von oben mit an (V,10). Shrewsbury meldet, dass Marias Schreiber falsch ausgesagt hat (V,13). Elisabeth verbannt Burleigh, schickt Davison in den Tower, Shrewsbury geht, Leicester ist fort (V,14, V,15).

Figuren

  • Maria Stuart: Königin von Schottland, Gefangene in England. Stolz, beredt, katholisch. Sie ist am Mord an ihrem Mann mitschuldig, am Anschlag auf Elisabeth nach eigener Aussage unschuldig. Im V. Aufzug nimmt sie den Tod an.
  • Elisabeth: Königin von England. Sie will Marias Tod, aber nicht die Verantwortung dafür. Ihre Macht hängt am Ruf beim Volk und an der Frage, ob ihre Herrschaft rechtmäßig ist.
  • Leicester (Robert Dudley, Graf von Leicester): Elisabeths Günstling, heimlich Maria zugeneigt. Er spielt auf beiden Seiten und rettet am Ende nur sich selbst.
  • Mortimer: Paulets Neffe, in Frankreich und Rom zum Katholiken geworden. Er schwärmt für Maria und will sie mit Gewalt befreien. Er ist Schillers Erfindung.
  • Burleigh (Wilhelm Cecil, Großschatzmeister): der Staatsmann der Staatsräson. Er will das Urteil und sorgt dafür, dass es vollstreckt wird.
  • Shrewsbury (Georg Talbot): alter Rat, Stimme der Milde. Er warnt vor der Unterschrift und gibt am Ende sein Amt zurück.
  • Paulet (Amias Paulet): Marias strenger, aber ehrlicher Hüter.
  • Davison: Staatssekretär. Elisabeth gibt ihm das unterschriebene Urteil ohne klaren Befehl, danach macht sie ihn zum Schuldigen.
  • Hanna Kennedy: Marias Amme, treu bis aufs Schafott.
  • Melvil: Marias Haushofmeister. Er hat heimlich die Priesterweihe empfangen und gibt ihr vor dem Tod das Sakrament.
Klausur-Tipp

Mach aus den Königinnen kein Gut-Böse-Paar. Maria ist schuldig und würdig zugleich, Elisabeth mächtig und unfrei. Zeig das an einer Stelle, nicht als Eigenschaftsliste.

Die Begegnung der Königinnen (III. Aufzug, 4. Auftritt)

Leicester hat das Treffen eingefädelt. Maria will sich unterwerfen und fällt vor Elisabeth nieder. Elisabeth bleibt kalt und wirft ihr ihre Männer vor. Da kippt die Szene. Maria greift Elisabeths Mutter Anna von Boleyn an und damit Elisabeths Geburt. Ihr letzter Satz vor dem ganzen Gefolge:

„Der Thron von England ist durch einen Bastard / Entweiht, der Briten edelherzig Volk / Durch eine listge Gauklerin betrogen.“Maria Stuart, III. Aufzug, 4. Auftritt

Was der Satz bedeutet: „Bastard“ heißt hier: unehelich geboren. Wenn Elisabeth unehelich ist, hat sie kein Recht auf den Thron. Gleich danach sagt Maria, sie selbst sei die rechtmäßige Herrscherin. Das ist keine Bitte mehr, das ist ein Angriff auf Elisabeths Legitimität. Maria siegt in der Rede und verliert die Sache.

Im IV. Aufzug, allein mit dem Urteil, greift Elisabeth genau dieses Wort auf: „Ein Bastard bin ich dir?“ (IV. Aufzug, 10. Auftritt). Dann unterschreibt sie. So verbindet Schiller die Kränkung im Park mit der Unterschrift.

Schon vorher hatte Maria Würde gezeigt: „Das Ärgste weiß die Welt von mir und ich / Kann sagen, ich bin besser als mein Ruf.“ (III,4)

Die Schlüsselstelle analysieren, Schritt für Schritt

In der Karte liegt die Begegnung der Königinnen vor dir: einordnen, fragen, was Maria gewinnt und was sie verliert, dann der Musterabsatz aus Beobachtung, Zitat, Wirkung und Bogen zum Stück. Danach machst du dieselben Schritte an einer zweiten Stelle.

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Geschichte und Drama

  • Historisch: Maria floh 1568 nach England und blieb dort rund 18 Jahre in Haft. 1586 wurde sie in die Babington-Verschwörung verwickelt. Am 8. Februar 1587 wurde sie auf Schloss Fotheringhay hingerichtet.
  • Erfunden: Die beiden Königinnen haben sich in Wirklichkeit nie getroffen. Die Begegnung im III. Aufzug hat Schiller hinzugefügt, sie ist der Höhepunkt des Stücks.
  • Erfunden: Mortimer ist keine historische Figur. Er bringt die Hoffnung auf Rettung ins Spiel.
  • Verdichtet: Das Stück setzt ein, als das Urteil schon gesprochen ist. Erzählt werden nur die letzten Tage bis zur Hinrichtung.

Für die Klausur heißt das: Frag nicht nur, ob etwas stimmt, sondern warum Schiller es ändert. Die erfundene Begegnung macht aus einem Staatsfall eine persönliche Kränkung.

Themen

  • Macht und Recht: Maria beruft sich auf ihr Recht als Königin und bestreitet, dass englische Richter über sie urteilen dürfen (I,7). Elisabeth hat die Macht, braucht aber den Anschein des Rechts. Burleigh denkt nur an den Nutzen für den Staat.
  • Schuld und Läuterung: Maria wird für einen Anschlag verurteilt, den sie bestreitet. Schuldig ist sie an etwas anderem, dem Mord an Darnley. Kurz vor dem Tod sagt sie: „Gott würdigt mich, durch diesen unverdienten Tod / Die frühe schwere Blutschuld abzubüßen.“ (V,7)
  • Freiheit: Die Gefangene wird innerlich frei, die Herrscherin bleibt unfrei. Elisabeth klagt allein über die „Sklaverei des Volksdiensts“ (IV,10), weil sie dem Urteil des Volkes folgen muss.
  • Das Erhabene: Schiller hat über das Erhabene eine eigene Schrift verfasst. Gemeint ist ein Mensch, der sich über Angst und Schicksal erhebt. Viele lesen Marias Haltung im V. Aufzug so. Ob sie ganz in dieses Schema passt, ist in der Forschung umstritten. Begründe deine Deutung am Text.

Form und Weimarer Klassik

  • Geschlossenes Drama: fünf Aufzüge, wenige Orte, ein Handlungsstrang, klarer Höhepunkt in der Mitte. Das Gegenmodell ist die offene Form, etwa bei Büchners Woyzeck.
  • Symmetrie der Königinnen: I. Aufzug bei Maria in Fotheringhay, II. Aufzug bei Elisabeth in Westminster, im III. Aufzug treffen sie sich, IV. Aufzug wieder bei Elisabeth, V. Aufzug erst bei Maria, am Schluss bei Elisabeth. Die Königinnen spiegeln sich: Maria steigt innerlich auf, während sie äußerlich stürzt, bei Elisabeth ist es umgekehrt.
  • Blankvers: ungereimte Verse mit fünf Hebungen, die hohe Sprache des Stücks. Wo Schiller davon abweicht, lohnt der Blick: Im Park (III,1) spricht Maria in gereimten, bewegten Strophen: „Eilende Wolken! Segler der Lüfte!“ Auch Leicesters Monolog in V,10 ist gereimt.
  • Weimarer Klassik: Das Stück entstand in der Zeit der Zusammenarbeit von Goethe und Schiller in Weimar. Uraufgeführt wurde es am 14. Juni 1800 im Weimarer Hoftheater.
So belegst du sauber

Gib Aufzug und Auftritt an, zum Beispiel III,4. Verszahlen nur, wenn deine Ausgabe sie druckt. Ein guter Satz verbindet Zitat, Mittel und Wirkung.

Typische Aufgaben zu Maria Stuart

  • Interpretieren Sie die Begegnung der Königinnen im dritten Aufzug.
  • Analysieren Sie, wie Recht und Macht in der vorliegenden Szene aufeinandertreffen.
  • Erörtern Sie, inwiefern Maria moralisch siegt und politisch unterliegt.
  • Charakterisieren Sie Leicester und erläutern Sie seine Rolle zwischen den Königinnen.
  • Erläutern Sie Merkmale des geschlossenen Dramas an Maria Stuart.

Lösungsanriss: Den Auszug einordnen (Aufzug, Auftritt, was vorher geschah). These in einem Satz, etwa: Die Szene lässt Politik in Kränkung umschlagen. Dann zwei bis drei Belege mit Mittel und Wirkung. Zum Schluss der Bogen zum ganzen Stück: Was folgt aus der Stelle für Urteil und Hinrichtung?

Häufige Fehler in der Maria-Stuart-Klausur

  • Geschichte nacherzählenDie englische Geschichte ist Hintergrund. Gefragt ist die Deutung der Szene.
  • Gut gegen BöseKeine Königin ist nur gut oder nur böse. Zeig die Spannung in beiden Figuren.
  • Die Erfindung übersehenDie Begegnung gab es nie. Sag, dass Schiller sie erfindet, und warum.
  • Maria für ganz unschuldig haltenAm Anschlag ist sie nach eigener Aussage unschuldig, am Mord an Darnley nicht. Genau darauf beruht ihre Läuterung.
  • Akt und Szene ohne AngabeZitiere mit Aufzug und Auftritt, sonst findet niemand deine Stelle.

Lerncheck: 3 Fragen

Tippe deine Antwort an. Du siehst sofort, ob sie stimmt, und warum.

1Was stimmt über die Begegnung der Königinnen im III. Aufzug?
2Womit beginnt in III,4 der Umschlag von Marias Bitte in den Angriff?
3Wie geht Elisabeth nach der Unterschrift mit der Verantwortung um?

Maria Stuart im Abitur 2027

In Sachsen gehört Maria Stuart 2027 im Leistungskurs zum möglichen Prüfungsstoff, als Ganzschrift. Im Grundkurs steht das Stück dort nicht auf der Liste. In den anderen Ländern ist es 2027 keine Pflichtlektüre fürs Abitur. Verbindlich sind immer die Vorgaben deines Landes.

Häufige Fragen zu Maria Stuart

Worum geht es in Maria Stuart?

Maria Stuart, Königin von Schottland, ist in England gefangen und zum Tod verurteilt. Elisabeth zögert, das Urteil zu unterschreiben. Nach einer erfundenen Begegnung, in der Maria Elisabeth beleidigt, und einem Anschlag auf Elisabeth wird das Urteil vollstreckt. Elisabeth bleibt am Ende allein zurück.

Haben sich Maria und Elisabeth wirklich getroffen?

Nein. Die Begegnung im III. Aufzug hat Schiller erfunden. Sie macht die Politik persönlich und führt zur Unterschrift.

Warum nennt Maria Elisabeth einen Bastard?

Sie greift Elisabeths Geburt an: Ist Elisabeth unehelich, hat sie kein Recht auf den Thron. Damit bestreitet Maria vor allen die Rechtmäßigkeit ihrer Herrschaft. Rhetorisch ist das ihr Sieg, politisch ihr Untergang.

Ist Maria schuldig?

Am Anschlag auf Elisabeth, für den sie verurteilt wird, nach eigener Aussage nicht. Am Mord an ihrem Mann Darnley schon, das gesteht sie in I,4 und in der Beichte in V,7. Sie nimmt den Tod als Buße dafür an.

Wie endet Maria Stuart?

Maria wird hingerichtet. Elisabeth verbannt Burleigh und schickt Davison in den Tower. Shrewsbury gibt sein Amt zurück, Leicester ist zu Schiff nach Frankreich. Elisabeth steht allein auf der Bühne.

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