Pflichtfilm Deutsch-Abitur 2027 · Hamburg

Mittagsstunde (Lars Jessen): Lernzettel zum Film fürs Deutsch-Abitur 2027 in Hamburg

Ein Uni-Dozent aus Kiel kehrt in sein nordfriesisches Dorf zurück, um die Alten zu pflegen, die ihn großgezogen haben. Dabei holt ihn die Geschichte seiner Familie ein, und die eines Dorfes, das verschwindet. Dieser Lernzettel gibt dir Handlung, Figuren, Zeitebenen, die Themen Heimat und Sprache, die Basics der Filmanalyse, den Vergleich mit Dschinns und typische Aufgaben.

Dein Deutsch-Abitur 2027 ist mehr als Mittagsstunde

Die Hamburger Lernkarte zu Erzählter Identität erklärt Film und Roman zusammen: worum es geht, wie die Aufgaben lauten können, ein Übungstext Schritt für Schritt mit Musterabsatz und die Achse für den Vergleich mit Dschinns. Dazu die anderen Hamburger Schwerpunkte: Literatur um 1800, Der zerbrochne Krug und politische Sprache. Die erste Karte jeder Kategorie ist gratis.

Mittagsstunde ist 2027 Pflichtfilm im Deutsch-Abitur Hamburg (Erzählte Identität, mit Dschinns).

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Der Lernzettel unten bleibt frei lesbar.

Regie
Lars Jessen
Jahr
2022, Kinostart 22. September 2022
Drehbuch
Catharina Junk
Vorlage
Dörte Hansen, Mittagsstunde (Roman, 2018)
Hauptrollen
Charly Hübner (Ingwer), Peter Franke (Sönke), Hildegard Schmahl (Ella), Gro Swantje Kohlhof (Marret)
Ort und Zeit
das erfundene Dorf Brinkebüll in Nordfriesland; Gegenwart, dazu Rückblenden in die Jahre 1965 bis 1976
Sprache
gedreht auf Plattdeutsch und auf Hochdeutsch
Abitur 2027
Pflicht in Hamburg, niederdeutsche Tonfassung mit hochdeutschen Untertiteln, gA und eA

Mittagsstunde: Handlung des Films

Spoiler-Hinweis

Hier stehen auch die Familiengeheimnisse. Den Film musst du für die Prüfung ohnehin gesehen haben.

Gegenwart: Ingwer Feddersen ist 47, Dozent an der Universität Kiel, und lebt dort in einer Wohngemeinschaft mit Ragnhild und Claudius. Er nimmt sich ein Jahr Auszeit und zieht zurück nach Brinkebüll. Dort leben Sönke und Ella, beide um die 90, die ihn großgezogen haben. Ella wird dement und läuft immer wieder weg. Sönke steht noch hinter dem Tresen des Dorfkrugs, in den kaum noch jemand kommt. Sein Ziel ist die Gnadenhochzeit: 70 Jahre Ehe.

Ingwer erkennt sein Dorf kaum wieder. Schule und Kaufladen sind geschlossen, auf der breiten Straße donnern Lastwagen durch den Ort. Die Alten empfangen ihn kühl. Ingwer hat ein schlechtes Gewissen: Er ist damals zum Studieren nach Kiel gegangen und hat Sönke mit dem Krug allein gelassen. Sönke nimmt ihm das bis heute übel.

In Rückblenden erzählt der Film, wie es so weit kam. Ab 1965 sehen wir das alte Brinkebüll. Dann kommen Landvermesser ins Dorf, später die Flurbereinigung: Felder werden zusammengelegt, Hecken und Bäume verschwinden, die Dorfstraße wird ausgebaut. Mittendrin lebt Marret, die Tochter von Ella. Das Dorf hält sie für sonderbar. Sie singt, streift durch die Natur und kündigt den Weltuntergang an, weil die Störche verschwinden. Marret ist Ingwers Mutter. Sönke und Ella ziehen den Jungen als ihren eigenen Sohn auf, und Ingwer hält Marret lange für seine große Schwester. 1976 verschwindet Marret. Zurück bleibt ihr Fußabdruck im frischen Beton vor Sönkes Stall.

In der Gegenwart kommen weitere Geheimnisse ans Licht. Ella hatte früher ein Verhältnis mit dem Dorflehrer Steensen. Sönke ist nicht Marrets leiblicher Vater, also auch nicht Ingwers leiblicher Großvater. Er hat die Kinder anderer als seine eigenen angenommen, ohne darüber zu reden.

Figuren

  • Ingwer Feddersen (Charly Hübner; als Kind Lennard Conrad): Universitätsdozent in Kiel, aber fremd in der eigenen Vergangenheit. Weder in Kiel noch in Brinkebüll ist er ganz zu Hause. Er pflegt die Alten auch, um etwas gutzumachen.
  • Sönke Feddersen (Peter Franke; jung Rainer Bock): Wirt des Dorfkrugs, stur und wortkarg. Er nimmt Marret und Ingwer an wie eigene Kinder. Dass Ingwer studiert und weggeht, nimmt er ihm übel.
  • Ella Feddersen (Hildegard Schmahl; jung Gabriela Maria Schmeide): Sönkes Frau, Marrets Mutter. Im Alter dement. Ihr Verhältnis mit dem Lehrer ist eines der Familiengeheimnisse.
  • Marret (Gro Swantje Kohlhof): Ingwers Mutter. Sie singt gern, auch im Krug, sammelt, was sie in der Natur findet, und sieht im Wandel des Dorfes das Ende der Welt. 1976 verschwindet sie.
  • Lehrer Steensen (Jörg Pose): Dorflehrer in den Rückblenden, Ellas heimliche Liebe.
  • Heiko Ketelsen (Jan Georg Schütte): Ingwers Jugendfreund, heute Leiter einer Line-Dance-Gruppe.
  • Ragnhild (Julika Jenkins) und Claudius (Nicki von Tempelhoff): Ingwers Mitbewohner in Kiel, sein Leben in der Stadt.
Klausur-Tipp

In Brinkebüll wird wenig über Gefühle gesprochen. Charakterisiere die Figuren deshalb über Blicke, Gesten, Schweigen und darüber, was sie tun. Sönkes Haltung zeigt sich nicht in Worten, sondern darin, dass er die Kinder anderer aufzieht.

Die Zeitebenen

  1. ab 1965das alte Dorf; dann kommen Landvermesser, die Flurbereinigung verändert Felder und Straßen. Marret ist jung, Ingwer ein Kind.
  2. 1976Das Dorf hat sich verändert. Marret verschwindet.
  3. GegenwartGegenwart: Ingwer kehrt zurück und pflegt Sönke und Ella.

Mehrere Rollen sind doppelt besetzt: Sönke, Ella und Ingwer haben in den Rückblenden eigene Darsteller. Auch so zeigt der Film, wie weit die Zeiten auseinanderliegen.

Themen: Heimat, Dorf, Identität, Platt

  • Heimat: Brinkebüll ist Ingwers Heimat, aber eine, die es so nicht mehr gibt. Der Film zeigt Heimat als schrumpfenden Ort, nicht als Idylle.
  • Dorfsterben und Strukturwandel: Flurbereinigung, große Maschinen, breite Straßen, geschlossene Läden und Schulen. Der Fortschritt hat Gewinner, aber er kostet die Dorfgemeinschaft. Kritiken heben hervor, dass der Film das Früher nicht verklärt.
  • Identität und Herkunft: Ingwer weiß lange nicht, wer seine Mutter ist und wer nicht sein Großvater ist. Wer bin ich, wenn die Familiengeschichte anders war? Dazu kommt der Bildungsaufstieg: Mit dem Studium hat er Dorf und Familie verlassen.
  • Schweigen und Geheimnisse: Die Familie redet nicht über das Wichtigste. Die Wahrheit kommt spät und nebenbei.
  • Sprache: Im Dorf wird Platt gesprochen. Niederdeutsch ist in Deutschland als Regionalsprache anerkannt. Im Film ist es die Sprache der Herkunft und der Dorfgemeinschaft.
  • Alter und Pflege: Demenz, Pflege zu Hause, die Frage, wer hier eigentlich wen braucht.

Eine Filmszene analysieren, Schritt für Schritt

Wissen über die Handlung reicht nicht. In der Lernkarte siehst du an einem Übungstext, wie aus Beobachtung, Beleg und Wirkung ein Absatz wird, und wendest dieselben Schritte dann auf eine Szene mit Niederdeutsch an: Einstellung, Ton, Untertitel.

Mittagsstunde ist 2027 Pflichtfilm im Deutsch-Abitur Hamburg (Erzählte Identität, mit Dschinns).

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Filmanalyse: Montage, Ton, Untertitel

Mittagsstunde ist ein Film. Du belegst also nicht mit Zeilen, sondern mit Szene, ungefährer Minute und dem, was du siehst und hörst.

  • Montage und Rückblenden: Die Szenen aus der Gegenwart wechseln mit Szenen aus den 1960er und 1970er Jahren. Die Vergangenheit liegt so direkt über der Gegenwart. Die Antworten auf die Fragen der Gegenwart kommen Stück für Stück aus den Rückblenden.
  • Musik als Brücke: Schlager und Lieder führen oft von einer Zeit in die andere. Auch im Roman spielt Musik eine Rolle: Jedes Kapitel ist mit einem Schlagertitel überschrieben.
  • Zeichen der Zeit: Kleidung, Ausstattung und Umgebung zeigen, in welchem Jahr eine Szene spielt. Achte auch auf Farben und Einstellungen: Wie unterscheiden sich die Rückblenden von der Gegenwart?
  • Motive: die Straße, Marrets Fußabdruck im Beton. Sie machen den Wandel sichtbar, ohne dass jemand ihn erklärt.
  • Ton und Platt: Achte darauf, wer wann Platt spricht, wer Hochdeutsch und mit wem. In der Prüfungsfassung hörst du Niederdeutsch und liest hochdeutsche Untertitel. Die Untertitel zeigen, wer welche Sprache versteht. Die Sprache gehört zum Stoff des Films, sie ist keine Dekoration.
So belegst du sauber

Szene benennen, ungefähre Minute aus deiner Fassung, dann Bild oder Ton beschreiben und deuten. Dialog nur, wo das Wort selbst zählt, und dann nach der Fassung, die ihr im Unterricht gesehen habt.

Vergleich mit Dschinns

Im Hamburger Abitur gehört der Film mit Fatma Aydemirs Roman Dschinns zusammen. Ein Vergleich heißt: eine Achse wählen und für beide Werke je einen Beleg bringen. Zwei Inhaltsangaben nebeneinander sind kein Vergleich.

AchseDschinnsMittagsstunde
Wer erzählt?sechs Kapitel, jedes gehört einer anderen Figur; keine kennt die ganze Wahrheitvor allem Ingwers Rückkehr, die Vergangenheit kommt in Rückblenden dazu
Raumdie Wohnung in Istanbul als Innenraumdas Dorf als schrumpfender Ort
SpracheDie Familie ist kurdisch, doch Kurdisch wird zu Hause nicht gesprochen.Platt als Sprache der Herkunft, im Film mit hochdeutschen Untertiteln
SchweigenJedes Familienmitglied verschweigt etwas.Ingwers Herkunft und Ellas Verhältnis bleiben lange ungesagt.
FormRoman: Erzählstimme, Kapitel, ZeitschichtenFilm: Montage, Ton, Untertitel, Bild

Die Leitfrage für beide: Wer kontrolliert die Geschichte? Erinnerung, Schweigen und Sprache sind die Felder, auf denen du das zeigen kannst.

Typische Aufgaben zu Mittagsstunde

So oder ähnlich können Aufgaben lauten:

  • Analysieren Sie, welche Funktion Ton und Untertitel in der vorliegenden Filmszene für Heimat haben.
  • Untersuchen Sie, wie der Film die Zeitebenen miteinander verbindet.
  • Vergleichen Sie, wie Roman und Film Fremdheit räumlich inszenieren.
  • Erörtern Sie, ob Mittagsstunde Heimat als Verlust oder als Neuanfang zeigt.

Lösungsanriss: Szene einordnen (Zeitebene, Figuren), These in einem Satz, dann zwei bis drei filmische Mittel mit Wirkung (Schnitt, Ton, Sprache, Bild) und am Ende der Bogen zu Herkunft, Heimat und Zugehörigkeit. Beim Vergleich: eine Achse, zwei Belege, ein Urteil.

Häufige Fehler in der Klausur

  • Nur den Dialog nacherzählenEinstellung, Ton und Untertitel sind Belege. Wer nur sagt, was gesagt wird, verschenkt die Filmanalyse.
  • Sönke und Ella „die Eltern“ nennen und fertigIngwer nennt sie so, aber sie sind seine Großeltern, und Sönke ist nicht einmal sein leiblicher Großvater. Genau das gehört zum Thema Identität.
  • Über Dorfsterben schreiben, ohne eine SzeneAllgemeine Sätze über Strukturwandel bringen keine Punkte. Zeig eine Stelle: die Straße, den Krug, die Felder.
  • Den Film mit dem Roman verwechselnVerbindlich ist der Film. Belege, was du im Film siehst und hörst, nicht was im Buch von Dörte Hansen steht.
  • Zwei Inhaltsangaben als VergleichEine Achse wählen, für Film und Roman je einen Beleg, dann deuten.

Lerncheck: 3 Fragen

Tippe deine Antwort an. Du siehst sofort, ob sie stimmt, und warum.

1Wer ist Marret im Film Mittagsstunde?
2Wie verbindet der Film die Gegenwart mit der Vergangenheit?
3Welche Fassung von Mittagsstunde ist im Hamburger Abitur 2027 verbindlich?

Mittagsstunde im Abitur 2027

Pflicht ist Mittagsstunde 2027 in Hamburg, auf grundlegendem und erhöhtem Anforderungsniveau (gA und eA). Der Film gehört zur Aufgabe III, „Erzählte Identität: Literarische Konstruktionen von Herkunft, Heimat, Fremdheit und Zugehörigkeit“, zusammen mit Fatma Aydemirs Roman Dschinns (2022). Verbindlich ist die niederdeutsche Tonfassung mit hochdeutschen Untertiteln. Den Roman hast du in der Prüfung vor dir, den Film musst du aus dem Unterricht kennen. In der Prüfung liegen vier Aufgaben vor, du wählst eine. Die Arbeitszeit beträgt 255 Minuten im gA und 315 Minuten im eA. Verbindlich sind immer die Vorgaben deines Landes.

Häufige Fragen zu Mittagsstunde

Worum geht es im Film Mittagsstunde?

Der Kieler Dozent Ingwer Feddersen kehrt in sein nordfriesisches Dorf Brinkebüll zurück, um Sönke und Ella zu pflegen, die ihn großgezogen haben. In Rückblenden zeigt der Film, wie die Flurbereinigung das Dorf verändert hat und was in der Familie verschwiegen wurde.

Wer ist Marret in Mittagsstunde?

Marret ist Ellas Tochter und Ingwers Mutter. Ingwer wächst bei Sönke und Ella auf, als wären sie seine Eltern, und hält Marret lange für seine Schwester. 1976 verschwindet sie.

Wer spielt in Mittagsstunde mit?

Charly Hübner spielt Ingwer, Peter Franke und Hildegard Schmahl spielen Sönke und Ella, Gro Swantje Kohlhof spielt Marret. In den Rückblenden sind Sönke, Ella und Ingwer mit Rainer Bock, Gabriela Maria Schmeide und Lennard Conrad besetzt.

Gibt es Mittagsstunde auf Plattdeutsch?

Ja. Der Film wurde auf Plattdeutsch und auf Hochdeutsch gedreht. Im Hamburger Abitur ist die niederdeutsche Tonfassung mit hochdeutschen Untertiteln verbindlich.

Muss ich für die Prüfung den Roman von Dörte Hansen lesen?

Verbindlich ist in Hamburg der Film von Lars Jessen, nicht der Roman. In der Klausur belegst du mit Szenen aus dem Film. Der Roman kann helfen, ersetzt den Film aber nicht.

Was ist die Flurbereinigung?

Die Neuordnung und Zusammenlegung von landwirtschaftlichen Flächen, damit größer und effizienter gewirtschaftet werden kann. Im Film verändert sie das Dorf: größere Felder, weniger Hecken, breitere Straßen.

Bereit für das ganze Deutsch-Abitur 2027 in Hamburg?

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Mittagsstunde ist 2027 Pflichtfilm im Deutsch-Abitur Hamburg (Erzählte Identität, mit Dschinns).

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