Landnahme (Christoph Hein): Lernzettel mit Handlung, Erzählern, Figuren, Deutung und Abitur 2027
Bernhard Haber kommt 1950 als zehnjähriges Flüchtlingskind aus Breslau in die sächsische Kleinstadt Guldenberg. Niemand will die Familie dort haben. Jahrzehnte später gehört er zu den Mächtigsten der Stadt. Erzählt wird sein Leben von fünf anderen, nie von ihm selbst. Dieser Lernzettel gibt dir die Handlung, die fünf Erzähler, die Figuren, die Themen, typische Aufgaben und häufige Fehler, kompakt vor der Klausur.
Dein Deutsch-Abitur 2027 ist mehr als Landnahme
Die Lernkarte zu Landnahme zeigt dir, wie du eine Erzählerstimme prüfst: mögliche Aufgabenformulierungen, ein Übungstext Schritt für Schritt mit fertigem Musterabsatz, Stellen, die du kennen solltest, Fachwörter wie Leerstelle und unzuverlässiges Erzählen, typische Fehler. Einmalig ab 7,99 €, kein Abo. Die erste Karte jeder Kategorie ist gratis.
Landnahme ist 2027 Pflichtlektüre in Sachsen (Leistungskurs).
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Der Lernzettel unten bleibt frei lesbar.
- Autor
- Christoph Hein, geboren 1944 in Heinzendorf (Schlesien), aufgewachsen in Bad Düben bei Leipzig
- Erschienen
- 2004, Suhrkamp
- Gattung
- Roman, erzählt von fünf Ich-Erzählern
- Schauplatz
- Guldenberg, eine erfundene Kleinstadt in Sachsen
- Zeit
- von 1950 bis in die Jahre nach der Wende, fast fünfzig Jahre
- Hauptfigur
- Bernhard Haber, Vertriebener aus Breslau, später Tischler und Unternehmer
- Themen
- Fremdheit, Vertreibung, Ankommen, Gewalt, Anpassung und Opportunismus, DDR und Wende
- Abitur 2027
- Pflicht in Sachsen, Leistungskurs
Landnahme: Worum es geht
1950 kommt die Familie Haber aus Breslau nach Guldenberg. Aus Breslau ist inzwischen das polnische Wrocław geworden. Die Einheimischen wollen die Vertriebenen und Ausgebombten so schnell wie möglich wieder loswerden. Bernhards Vater ist Tischler und hat nur noch einen Arm. Er baut eine Werkstatt auf, aber bei dem Fremden bestellt niemand Möbel.
Die Ablehnung wird zur Gewalt. Bernhard wird in der Schule angefeindet, sein Hund wird getötet, die Werkstatt des Vaters brennt. Später findet man den Vater erhängt. Erst gilt das als Selbstmord, viel später kommt heraus: Es war Mord. Bernhard wird stur und hart. Nach der 8. Klasse macht er eine Tischlerlehre, später hat er eine eigene Werkstatt. Er macht Geld, auch mit Fluchthilfe nach Westberlin. Der Sägewerksbesitzer Sigurd bringt ihn in den Kegelklub. Dort treffen sich die Selbstständigen der Stadt und nehmen Einfluss auf die Ortspolitik. Vor und nach 1989 hat Haber Einfluss, am Ende gehört er zu den einflussreichsten Bürgern Guldenbergs.
Aufbau: fünf Erzähler, fünf Kapitel
Jedes der fünf Kapitel hat einen eigenen Ich-Erzähler. Die Kapitel folgen grob der Zeit, sind aber sehr verschieden lang. Ein Karnevalsumzug bildet den Rahmen um die Erzählungen.
1. Thomas Nicolas: die Ankunft
Ein Schulkamerad erzählt von Bernhards Schulzeit in den frühen 1950er-Jahren: die Ankunft der Familie, die Demütigungen, der getötete Hund, der Brand der Tischlerei.
2. Marion Demutz: die erste Freundin
Marion erzählt von ihrer Beziehung mit Bernhard. Als Lehrling setzt er die Bauern unter Druck, in die neue Genossenschaft (LPG) einzutreten. Die Beziehung zerbricht.
3. Peter Koller: Geschäfte und Gefängnis
Das längste Kapitel, der Mittelteil. Ein Schulkamerad erzählt von Bernhards Geschäften nach der Schulzeit. Peter selbst hilft Menschen über Westberlin zur Flucht aus der DDR, wird erwischt und muss ins Gefängnis.
4. Katharina Hollenbach: die Schwägerin
Die Schwester von Bernhards Frau Friederike („Rieke“) erzählt von der Ehe der beiden. Sie selbst beginnt eine Affäre mit Bernhard.
5. Sigurd Kitzerow: der Aufstieg
Der Sägewerksbesitzer wird Bernhards Geschäftspartner und bringt ihn in den Kegelklub. Sein Kapitel zeigt Bernhards wirtschaftlichen Aufstieg.
Eine Erzählerstimme analysieren, Schritt für Schritt
Die Lernkarte zeigt dir an einem Übungstext, wie du vorgehst: einordnen, wer spricht, was über Haber gesagt wird, was die Stimme schützt, was das bewirkt. Mit fertigem Musterabsatz. Danach übst du dieselben Schritte an einem Kapitel im Buch.
Landnahme ist 2027 Pflichtlektüre in Sachsen (Leistungskurs).
Zu den Lernkarten Sachsen →Figuren
- Bernhard Haber: kommt mit zehn Jahren als Vertriebener nach Guldenberg. Verschlossen, stur, oft aggressiv. Er beißt sich durch und steigt vom verachteten Außenseiter zum Unternehmer und einflussreichen Bürger auf. Die Wochenzeitung Freitag nennt ihn ein Opfer, das zum Täter wird.
- Der Vater: Tischler aus Breslau, mit nur einem Arm. Seine Werkstatt brennt, später wird er erhängt gefunden. Lange gilt sein Tod als Selbstmord.
- Thomas Nicolas: Schulkamerad, erster Erzähler, erzählt die Kindheit.
- Marion Demutz: Bernhards erste Freundin, zweite Erzählerin.
- Peter Koller: Schulkamerad, Fluchthelfer, kommt ins Gefängnis. Er erzählt den längsten Teil.
- Friederike („Rieke“): Bernhards Frau.
- Katharina Hollenbach: Riekes Schwester, Erzählerin des vierten Kapitels.
- Sigurd Kitzerow: Sägewerksbesitzer, Geschäftspartner, holt Bernhard in den Kegelklub. Letzter Erzähler.
- Der Kegelklub: die Selbstständigen der Stadt, eine Art heimlicher Unternehmerverband, der die Ortspolitik lenkt.
Bernhard ist die Hauptfigur, aber er erzählt nie selbst. Was du über ihn weißt, weißt du nur von den anderen. Jede Aussage über ihn sagt also auch etwas über den, der spricht.
Themen
- Fremdheit: Die Habers bleiben in Guldenberg lange „die Fremden“. Der Roman fragt, wie eine Gemeinschaft mit Neuen umgeht und was es heißt, irgendwo anzukommen.
- Vertreibung: In der DDR hieß die Vertreibung offiziell „Umsiedlung“, offen darüber reden durfte man kaum. Der Roman erzählt genau diese Geschichte.
- Gewalt: Hund, Brand, Mord. Die Ermittlungen zum Brand werden eingestellt, der Mord am Vater gilt jahrzehntelang als Selbstmord.
- Anpassung und Opportunismus: Bernhard passt sich jedem System an, das ihm nützt: der Partei, der LPG-Kampagne, dem Kegelklub, nach 1989 dem neuen Markt.
- DDR und Wende: Die fast fünfzig Jahre spiegeln deutsche Geschichte vom Kriegsende bis nach der Wiedervereinigung: Kollektivierung, Mauer und Flucht, Wende.
Frag dich beim Titel: Wer nimmt hier welches Land, und um welchen Preis? Und: Warum bildet ausgerechnet ein Karnevalsumzug den Rahmen? Gib deine Antwort mit Belegen aus mindestens zwei Erzählerkapiteln.
Erzählweise: viele Stimmen, keine von Haber
- Multiperspektive: Fünf Ich-Erzähler erzählen nacheinander. Jeder hat eine eigene Sprache, einen eigenen Lebensentwurf und ein eigenes Interesse.
- Rückblick: Die Erzähler erinnern sich. Sie wissen mehr als damals, und sie haben Gründe, manches zu beschönigen.
- Leerstelle: Bernhard selbst bekommt kein Kapitel. Was er denkt, musst du aus dem Verhalten und aus den Widersprüchen der anderen erschließen.
- Unzuverlässiges Erzählen: Keine Stimme hat die ganze Wahrheit. Prüfe die Aussagen gegeneinander.
Nenne bei jedem Beleg, wer spricht, und die Seite deiner Ausgabe. Ein Satz über Haber ohne Erzählernamen ist im Leistungskurs zu wenig.
Typische Klausuraufgaben
So oder ähnlich können Aufgaben lauten (Beispiele, selbst formuliert):
- Analysieren Sie, wie die Erzählerstimme im vorliegenden Auszug Bernhard Haber darstellt.
- Interpretieren Sie, welche Funktion es hat, dass Haber selbst nicht erzählt.
- Erläutern Sie, wie die Stadt Guldenberg mit den Vertriebenen umgeht.
- Erörtern Sie, ob Bernhard Haber eher Opfer oder eher Täter ist.
- Erörtern Sie, inwiefern der Roman Ankommen aus der Sicht der Aufnehmenden erzählt.
Vorgehen bei einem Auszug: Erst einordnen, wer spricht und wann. Dann sammeln, was über Haber gesagt wird. Dann fragen, was die Stimme weglässt oder beschönigt. Zum Schluss die Wirkung benennen und den Bogen zum ganzen Roman schlagen. Eine Nacherzählung von Habers Leben reicht nicht.
Häufige Fehler
- Habers Biografie nacherzählenDer Roman ist kein Bericht. Es geht darum, wie andere ihn erzählen.
- Den Erzählern alles glaubenJede Stimme hat ein Interesse. Prüfe, was sie beschönigt und was sie auslässt.
- Haber zum Ich-Erzähler machenEr erzählt kein einziges Kapitel. Ich-Erzähler sind Thomas, Marion, Peter, Katharina und Sigurd.
- Zeitgeschichte abladenDDR, Mauerbau und Wende nur dann, wenn du sie an einer Stelle im Text festmachst.
- Belege ohne SprecherImmer angeben, wer spricht, und die Seite deiner Ausgabe.
Lerncheck: 3 Fragen
Tippe deine Antwort an. Du siehst sofort, ob sie stimmt, und warum.
Landnahme im Abitur 2027
Pflichtlektüre ist der Roman 2027 in Sachsen im Leistungskurs. Er gehört dort zum möglichen Prüfungsstoff, neben weiteren Ganzschriften wie Woyzeck, Maria Stuart und Heimsuchung. Die Prüfung im Leistungskurs dauert 315 Minuten einschließlich Lese- und Auswahlzeit. Du bekommst vier Aufgaben und wählst eine. Bei bestimmten Aufgaben liegt die Ganzschrift als Textausgabe bereit. Im Grundkurs liest du von Hein einen anderen Roman, In seiner frühen Kindheit ein Garten. Eine Übersicht findest du bei den Pflichtlektüren 2027. Verbindlich sind immer die Vorgaben deines Landes.
Häufige Fragen zu Landnahme
Worum geht es in Landnahme?
Bernhard Haber kommt 1950 als Vertriebener aus Breslau in die sächsische Kleinstadt Guldenberg. Die Stadt lehnt die Familie ab, der Vater wird ermordet. Bernhard steigt trotzdem zum Unternehmer und einflussreichen Bürger auf, vor und nach der Wende.
Wer erzählt in Landnahme?
Fünf Ich-Erzähler, je einer pro Kapitel: Thomas Nicolas, Marion Demutz, Peter Koller, Katharina Hollenbach und Sigurd Kitzerow. Bernhard Haber selbst erzählt nicht.
Wie stirbt Bernhards Vater?
Er wird erhängt aufgefunden. Zuerst hält man es für Selbstmord. Viel später stellt sich heraus, dass er ermordet wurde.
Was ist der Kegelklub?
Ein Klub der Selbstständigen in Guldenberg, der heimlich die Ortspolitik mitbestimmt. Sigurd Kitzerow holt Bernhard hinein.
Ist Landnahme 2027 Pflichtlektüre?
Ja, in Sachsen im Leistungskurs. Im Grundkurs liest du stattdessen Heins In seiner frühen Kindheit ein Garten.
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